You all out there – help me make sense of this. What on earth was the „architect“ thinking? Anything! Please comment below, English, German… whatever.
I wonder whether I should put up a third post tonight, on questionable yet (often) functioning installations in Liberia.
Sleep tight! Barbara
On the road
Greenville Nightlife
Greenville war der vierte Ort, den ich auf meiner Reise durch Liberia kennengelernt habe. Ebenfalls im Südosten, aber am Meer gelegen – wunderschön. Orte mit Meer tun es mir ja eigentlich immer an. Da ist es dann auch egal, dass der ehemalige Hafen voller verrosteter Schiffswracks liegt, dass die Häuser in der Stadt allenfalls Ruinencharme ausstrahlen oder auch die Moskitos nicht zu unterschätzen sind. Sagt sie, die zwei Nächte hier verbringt und nicht zur Top-Regenzeit wochenlang festsitzt, nur noch Reis kriegt – weil die eigenen Vorräte zuende gehen und auch nichts nachkommt… denn wenn man selbst nicht wegkommt, kommt auch keiner hin. Und der Hafen ist ja keiner mehr…

Mit den Straßenverhältnissen ist es echt so eine Sache. Ich finde „Straße“ ja auch immer noch einen Begriff, der so nicht haltbar ist. Das Bild im Header oben zeigt den very bä ma-spo, also das schlimme Matschloch, in dem wir auf dem Rückweg nach Zwedru zwei Stunden festsaßen. Zwar stellte eine liberianische Kollegin einer befreundeten Organisation hinter treffend fest too many driva, no solution – zu viele Fahrer, keine Lösung, als freie Interpretation von Viele Köche verderben den Brei und alle schmissen sich weg vor Lachen, auch nach zweistündigem Stehen im Matsch und stechender Sonne, mit Riesenkäfern, Tse-Tse-Fliegen (die übrigens aussehen wie diese ekligen schillernden Fliegen, nur dreimal so groß) und viel Kleingetier – aber es war tatsächlich so: stundenlang mithilfe einiger junger Männer, die offenbar in einem Ort nahebei, der uns nicht einsehbar war, wohnten, an einem Matschloch rumprobiert… einen rausgezogen, dann steckte der andere drin usw. – aber keiner, der auf der richtigen Seite angekommen war, fuhr weiter – um dann nach langem Palaver das Matschloch auf der anderen Straßenseite zu testen und unter großem Gejohle im ersten Anlauf durchzukommen. Aber hinterher ist man immer schlauer.

Aber ich springe ja schon zur Abreise, dabei wollte ich was zum Nachtleben erzählen, in das wir uns erst am zweiten Abend stürzten, da der Kollege, den wir antreffen wollten, auf der anderen Seite eines angeschwollenen Flusses festsaß und erst am nächsten kam… auch nur, indem er in der Unterwäsche und seine Habseligkeiten über dem Kopf transportierend durch das stellenweise kinnhohe Wasser watete und dann ca. 15 km zu Fuß unterwegs war, bis wir – die wir uns eine bestimmte andere Brücke ansehen wollten – ihn und seinen Anhang auflasen. Denn natürlich war es auch noch ein Funkloch und wir dachten uns nur, dass sie wohl über Nacht in diesem Dorf geblieben waren.
Also, das Nachtleben. Das spielt sich in und um das Forum Entertainment Center ab. Das ist eine Kaschemme mit niedriger Decke, der obligatorischen Bestuhlung mit weißem Plastikmobiliar und einer dreifarbig leuchtenden Diskokugel, wo man was kühles trinken und zwischen meist zwei Gerichten wählen kann, die beide mit Reis zu tun haben. Im Idealfall regnet es nicht, und man kann sich Tisch und Stühle raustragen lassen unter den Mangobaum gegenüber, sitzt dann mit Blick auf das Etablissement und die daneben stehende Kirche, auf deren Ummauerung irgendwer seine gesamte Wäsche zum Trocknen abgelegt hat und genießt die Abendbrise beim Leute beobachten. Kleine Jungs und Mädels, die neugierig und meist schüchtern vorbeihüpfen, Halbstarke, die entweder mit coolen Tanzschritten vorbeirocken oder lässig auf ihren Motorrädern chinesischer Bauart vorbeicruisen, junge Frauen, die Aufmerksamkeit suchen, zielstrebig vorbeieilende Hunde und gemütlich vor sich hintrottende Ziegen…

Das ist um Längen besser, als drinnen zu sitzen, wo aus zwei großen Boxen mit mindestens 100 Dezibel afrikanischer Rock dröhnt und in einer Ecke noch der Fernseher dagegenhält, natürlich auf dem scheinbar einzig vorhandenen Fußballsender. Und in dem Gedröhne sitzen auch immer fünf, sechs Typen, die das Spiel verfolgen, mit steinernen Mienen. Bis auf die rot-blau-grüne Diskokugel und den grünen Schein des Fernsehers ist alles stockdunkel. So sitzt man dann da unterm Mangobaum und erörtert die mehr oder minder wichtigen Dinge unserer Zeit. Einer der Kollegen beriet uns, was die Auswahl von Parfums angeht und riet mir – bei meinem Typ – absolut von auf Rose basierten Wässerchen ab, eher was fruchtiges… ich werde dann mal recherchieren, ob mein derzeitiges Parfum der Wahl die Kriterien erfüllt 😉
Gute Nacht aus Monrovia, der nächste Eintrag folgt bestimmt!
Barbara
Fishtown Nightlife
Nach dem leckeren Essen bei Mohammad Ali fahren wir noch zu Sono Victor, auf ein kühles Bier oder eine Cola- der Boxer hat nur Wasser im Angebot. Bei Sono Victor sitzt man auf der überdachten Terrasse gegenüber vom ehemaligen Kino. Und eigentlich ist es ein Tante-Emma-Laden. Mayonnaise, Erdnussbutter, Ovomaltine, Kekse, Seife, Zahnpasta, Reis… eine wahrhaft funkelnagelneue Tretnähmaschine funkelt in der Ecke, in Szene gesetzt durch die eine Birne, die mit sich und der Welt im Einklang von der Decke baumelt. Der Generator brummt hinterm Haus vor sich hin.
Am anderen Ende der Terasse sitzen zwei Frauen aus geflochtenen Stühlen und füllen Wasser aus der Pumpe in 1-Liter-Plastiktüten ab. Die verbringen die Nacht dann in der Kühlbox und werden morgens für 5 Liberty verkauft (ca. 2 Euro Cent… oder?). Drei Jungs, vielleicht 10 Jahre alt, hocken ernst um eine Kiste herum und sind wortlos in ein Kartenspiel vertieft. Ein kleiner Bruder, der gerade laufen kann, will mitmischen, und kriegt auch immer mal wieder eine Karte, die er dann professionell auf den Tisch knallt. Irgendwann wird es den anderen aber doch zuviel und sie ziehen sich in den Laden zurück. Ein LKW wird startklar gemacht, er bricht auf nach Harper, fährt in die Nacht hinein. Wahnsinn, denke ich nur, einfach der blanke Wahnsinn, bei diesen Straßenverhältnissen. You have to follow the will of the mud, dem Willen des Matsch folgen, sagte Philip, der Officer in Charge im Büro Fishtown.
Zwischenzeitlich hat der kleine Zocker eine Freundin gefunden, die mit großen Augen vom Straßenrand auf die Terrasse starrt, eine Hand im Mund, mit der anderen ihr rosa Kleidchen bis zur Brust hochhaltend. Liebe auf den ersten Blick. Victor geht das alles nichts an. Der sitzt vor einem tragbaren VCR-Player und schaut sich einen schlechten nigerianischen Film an. Aber die Musik ist laut und es geht viel ab. Nur manchmal müssen wir ihn um weitere Getränke bitten. Die Jungs haben das Kartenspielen aufgegeben und es sieht aus, als seien sie zu Hausaufgaben übergegangen. Erst das Vergnügen, dann die Arbeit. Der Kleine hat seine neue Liebe aufgeben müssen und weint herzerweichend. Seine Mutter, die mit dem Wasserverpacken fertig ist, gibt ihm die Brust und der Friede ist wieder hergestellt. Über den Hausaufgaben ist einer der Brüder eingeschlafen und liegt zwischen Säcken voll Reis im Laden, gleich unter dem Regal mit der Erdnussbutter und den Taschenlampen, 180 Liberty pro Stück, inkl. Batterien.
Unterwegs mit Montezuma
Ganze 48 Stunden hat mein Magen-Darmtrakt mitgehalten… ich vermute, es war das Hühnchen gestern Abend. Nix zum Frühstück, Brot zu Mittag, abends dann bei Mohammad Ali in Fishtown was riskiert – wir werden sehen. Alle wundern sich über meinen Wasserkonsum…
Heute also sind wir von Zwedru nach Fishtown gefahren. Das sind um die 100km Luftlinie wie der Kollege mit dem GPS feststellte. Unterwegs waren wir ungefähr 6 Stunden. Dabei lief es eigentlich für Regenzeitverhältnisse ganz gut. Es wird nun immer mehr zur Dschungeltour mit Sümpfen. Oder, dort wo die Projektaktivitäten gegriffen haben, zu Reisfeldern umgewandelte Sümpfe. Ganz nach dem heute gesehenen Motto: „Feed Liberia! Grow more food!“
Wegen meines altvertrauten Reisepartners kam es dann auch zu ad hoc-Inspektionen von Schullatrinen, die im Rahmen des Projekts gebaut wurden. Test bestanden, eindeutig noch nutzbar und als „gepflegt“ zu bezeichnen. Dass wir deswegen den Unterricht von ca. 200 Schülern zum Stillstand brachten, tat mir leid… den Schülern offensichtlich weniger.
Regenzeit… wir sind an so einigen festsitzenden Fahrzeugen vorbeigekommen. Der Fahrer des LKW zur rechten war ein ziemlich junger Bursche, den ich im Vorbeifahren vor seinem Fahrzeug sah – von oben bis unten voller rotbrauner Matsche, mit Spritzern bis zum Haaransatz, gab er mir einen Daumen hoch und als ich mitleidig die Schultern zuckte, breitete sich gar ein Grinsen über das ganze Gesicht aus. An anderer Stelle saß ein Tankzug fest und hinter ihm standen schon vier weitere LKW und harrten gespannt der Dinge, die da auch noch auf sie zukommen sollten.
Wir machten kurz vor unserem Ziel Fishtown einen Abstecher in Richtung Barclayville, einem neuen Projektstandort, wo ich dann mal feststellen sollte, wie elendig viel schlechter die Straßen noch sein können. Der Fahrer stellte das Tacho auf 0 und nach 3,7km ging es nicht mehr weiter, da an einem Abhang entgegenkommende Fahrzeuge feststeckten. Auf meine Frage, wie weit es denn da noch nach Barclayville sei, war die Antwort: „So etwa 70km.“ Durch Schlammpools bis zum unteren Rand der Seitenfenster. Und da muss ein Kollege morgen hin. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, wie man das in einem Tag schaffen soll. „God is in control“ prangte auf einem LKW – das eher weniger fatalistische „Be brave“ auf einem anderen. Good luck, kann ich da nur sagen.
Fishtown selbst hat irgendwie so einen Wild West Feel an sich. Und ehrlich gesagt hatte ich es mir schlimmer vorgestellt. Klein, aber Leben drin. Und bis zumindest 22 Uhr was los im Dorf, es gibt viele Generatoren, so dass das Leben sich weiter als normal in den Abend hineinzieht. Nein, kein Restaurant, das den Namen verdient, kein Kino, kein Theater, kein Supermarkt, aber auch nicht die völlige Ödnis. Man kriegt auch ein Bier oder eine Cola. Gekühlt! Bei Mohammad Ali gab’s eine Portion Nudeln mit Zwiebeln und einer nicht näher definierten, aber schmackhaften Sauce. In Anita’s Business Center kann man ebenfalls erfrischende Getränke zu sich nehmen – wenn denn Anita ihren nicht zu verachtenden Allerwertesten erhebt und sich zu einer Bedienung herablässt.
Mit diesen Worten viele Grüße aus Fishtown… ich muss mich zur Ruhe betten, auch wenn die Nachtwächter draußen weiter Palaver halten. Aber dann schlafen sie wenigstens nicht. Und apropos Palaver – das ist ja hier traditionell ein großes Dingen. In der kleinsten Siedlung… oft selbst, wo nur ein Haus mitten auf von Hand geschaffenen Lichtung im Urwald steht, gibt es eine „palava hut“, also frei übersetzt eine „Palaver Hütte“… wo man sich trifft, um eben das zu tun: reden. Entweder nur ein bisschen Austausch nach Feierabend oder aber hochoffizielle Meetings, in denen es wichtige Dinge zu entscheiden gilt. Und jede Institution, die etwas auf sich hält, halt natürlich auch eine solche. Dann weniger palmenblättergedeckt und auf Bambusstäben, sondern mit Wellblechdach, Betonboden und weißen Plastikstühlen – aber das Prinzip bleibt das gleiche. Ist eben kein großer Sitzungssaal, sondern die palava hut. Gefällt mir irgendwie.
Schluss mit dem Palaver!
Gute Nacht!
Barbara
Unterwegs mit Othello
Am späten Montagnachmittag bin ich pünktlich in Monrovia angekommen und wurde von einem Kollegen in Empfang genommen, mit dem es dann die ca. 60km vom Flughafen in die Stadt und zum Büro ging. Was mir gleich die Frage in den Mund legte, welche Gründe es denn wohl gegeben haben mag, den Flughafen so weit weg zu bauen? Tja, es sei ja auch eigentlich gar nicht der von Monrovia, da gebe es einen kleineren nahe bei. Dieser internationale sei gebaut worden, als Firestone noch aktiv war in Liberia, siehe dazu später zum Thema Kautschuk.
Zu einem kleinen Willkommensumtrunk ging es zu Linda’s Enterprise gleich um die Ecke, eine kleine Kaschemme mit ca. 20 Plastikstühlen an ebensolchen Tischen davor, ohrenbetäubender Pop aus Nigeria kam aus irgendwelchen Lautsprechern und zwischen den Tischen musste man aufpassen, dass man nicht über unzählige Verlängerungen von Verlängerungskabel stolperte, denn hier war surfen angesagt: WLAN und im Schnitt an jedem Tisch zwei Laptops vertieft im WWW.
Nach Abendessen und anschließender „Eimerdusche“ im Guesthouse war ich dann ziemlich schnell im Reich der Träume – bis gegen 3 Uhr morgens der verdammte Hahn von gegenüber meinte, den Tag einläuten zu müssen. Und da es nicht wurde und nicht wurde mit dem Tag, hat er das stundenlang durchgehalten. So war es dann wirklich kein Problem, bereits um 7 Uhr abfahrbereit nach Zwedru zu sein.
Dass ich das mit dem Liberian English nicht draufhabe, merkte der Fahrer Othello alsbald grinsend an – musste ich jede Aussage mindestens dreimal nachfragen und verstand meist immer noch nichts. Was man aus How da body? zu machen hat, versteht man irgendwann (Wie geht’s?). Die häufige Antwort I’m tryin‘ small interpretiere ich als Man schlägt sich so durch.. Viel schlimmer jedoch ist es in ganz normalen Zusammenhängen, wo das Problem nicht nur etwa eine, sagen wir mal „alternative“ Grammatik ist, sondern einfach die Beschränkung auf die Anfangssilben von Worten – bei fast jedem Wort. Schon am Abend vorher wurde mir im Restaurant mixfreirei angeboten, was denn da mixed fried rice wäre. Hoffnungslos verloren hingegen war ich heute im Auto nach dem Hinweis „wiegobäro“. Nachdem ich viermal nachgefragt hatte meinte Othello dann, er würde das schon merken, ich verstünde das alles nicht (no shit, Sherlock!) – es war der dezente Hinweis, dass wir von der Asphalt- auf die Staub-bzw. Matschpiste wechseln würden, also „we go bad road“ bzw. „we go on the bad road now“. Manchmal denke ich, es ist der arabischen oder persischen Schriftsprache nicht unähnlich, wo man sich auch so seinen Teil dazu denken muss, um daraus Sinn zu machen…
Die Straßen Liberias, ob nun asphaltiert oder nicht, bieten immer wieder neue Entdeckungen. Zuerst dachte ich an Löwenzahn, als ich herausgerissene Grasbüschel auf dem nicht vorhandenen Mittelstreifen sah, erkannte jedoch bald, dass die nicht durch den Asphalt gebrochen waren, sondern eben darauf lagen. Der Zusammenhang war aber erst klar, als ich es dann mal frisch erlebte: es ist sozusagen das Warndreieck und man knallt auf 50m alle drei Meter oder so einen Büschel hin, damit der nachfolgende Verkehr weiß: Achtung! Da vorne ist ein Unfall / eine Panne. Auch noch nie gesehen war die menschliche Kühlerfigur: auf einem wunderbar gelben Taxi saß ganz leger im Damensitz ein junger Mann auf der Beifahrerseite auf der Motorhaube, während das Gefährt mit geschätzten mindestens 60 km/h durch die Welt bretterte. Ob der für den Trip auch noch zahlen musste?
Die Aufschriften auf den LKW und anderen Beförderungsmitteln sind wieder wunderbar, so zum Beispiel Barcelona FC – Thank God I made it Was? Wohin hast du es geschafft? Und was hat der FC Barcelona damit zu tun? Fragen über Fragen… Obama Transport USA. Das ist mal eine Aussage, da bleiben keine Fragen offen. Auf einem Mülltransporter stand Sanitation is dignity und ich dachte: ja, genau das ist es und wieso muss das erst bekannt gemacht werden? Die Kellnerin im Restaurant in Zwedru hatte das noch nicht gelesen, räumte sie doch Kronkorken, leere Zigarettenschachteln und Klopapier (!) vom Tisch, indem sie alles zusammenknüllte und kurzerhand von der Terrasse in den vollkommen überfluteten Hinterhof warf. Das mit dem Klopapier ist auch so ein Dingen. Das wird in Restaurants und Kneipen nämlich offenbar als ästhetisch wertvoll angesehen, wird damit doch vor dem Servieren der Flaschenhals umwickelt… oder aber es macht den Anschein von gesteigerter Hygiene?
In der Zwischenzeit ist es Mittwochabend, die Zeit vergeht wie im Flug – obwohl hier „die Welt untergeht“ vor lauter Regen und ich deswegen heute auch nicht wie geplant zu Projekten rausfahren konnte. So insgesamt war das nicht weiter tragisch, es gab auch im Büro ein Betätigungsfeld. Man „so einige“ Stellen ausgeschrieben und es waren „so einige“ Bewerbungen reingekommen. Wir schätzen mindestens 1500. Heute haben wir – die Administratorin, die Funkerin, weitere wechselnde Kollegen und ich – schon mal etwa 800 Umschläge aufgemacht und nach Standorten sortiert. In liberianischer Namensgebung bin ich nun sehr bewandert. Es schickt mich jedoch auch in diesem Kontext, wie wenige Leute es fertig brachten, den Namen des zuständigen Kollegen richtig auf den Briefumschlag zu schreiben. In einem Fall wäre dies „Hamid“ gewesen. Da war alles dabei, von Hanid, Homid, Honid, Hameen, Harnid – bis hin zu Humid. Aber festgeschriebene Rechtschreibung gibt es wohl auch nicht. Nancy kann auch schon mal Nensee geschrieben werden. Cool hingegen finde ich die mir bislang unbekannten weiblichen Formen von John und Stephen: Johnetta und Stephenetta. Denke dabei aber zumeist an „Ich möchte Loretta genannt werden“ und ihre Volksfront von Judäa. Michael Jackson lebt und schlägt sich nun als Fahrer durch; auch Anthony Yeboah versucht sein Glück nun in Liberia – als Logistik-Assistent.
Aber ich wollte ja auch noch was zu Kautschuk sagen… und dann ist’s gut, denn morgen will ich das dann in Fishtown vielleicht doch langsam auch mal posten. Auf dem Weg von Monrovia nach Zwedru sind wir neben so vielem anderen auch an ehemaligen Firestone Kautschuk-Plantagen und dazugehörigen Wohnsiedlungen vorbeigekommen. Die waren hier groß im Geschäft und riesige mit Kautschukbäumen bestandene Monokulturen säumten unseren Weg. Die Bäume werden sozusagen angeritzt, dann wird ein Schälchen drangehängt und da läuft der Saft dann rein, wird eingesammelt und – wie ich vermute, habe vergessen zu fragen: eingekocht. Überall gibt es Kautschukankaufstellen, ich habe ganze Pick-up-Ladeflächen voll der wabbeligen dreckig-weißen Masse gesehen… wie diesen Schleim, den man an die Wand werfen kann. Und gerochen habe ich es auch… kann’s zwar nicht beschreiben, aber ich würde es jetzt jederzeit wiedererkennen… Da ist wohl noch ein ganz nettes Geschäft mit zu machen. Aber so richtig Kohle ist woanders; Eisenerz oder Gold zum Beispiel. Und wie man das häufiger sieht auf diesem Kontinent, gibt es dann schonmal eine großzügig angelegte Uni außerhalb der Hauptstadt, funkelnagelneu, nur scheint kein Schwein drin zu sein. Oder ein schickes Krankenhaus, vor 6 Wochen feierlich eröffnet. Aber keiner drin. Dabei ist es unklar, ob es ein Mangel an Personal und/oder Medikamenten ist. Viele Grüße aus Fernost, die Konzessionen sind vergeben.
Schauen wir mal, was uns die Fahrt morgen noch alles offenbart. Ich bin gespannt, ob auch wieder soviel Getier unterwegs ist. Ich habe zwar nichts exotisches gesehen, aber so ziemlich alles andere: Hunde, Ziegen, Schafe, Kühe, Mäuse, Eichhörnchen, Schweine, Hühner… letztere dann auch KLATSCH voll vor meinen Teil der Windschutzscheibe, aber das Gackern war noch im Abprallen zu hören. Obwohl… dafür sind die bekannt, oder?? Noch lange nach Ladenschluss Lebenszeichen von sich zu geben??
Hier ist jetzt auch Ladenschluss und ich stelle die Lebenszeichen jetzt vorübergehend ein, Gute Nacht!
Barbara
Unterwegs im Herbst

Der Herbst ist da – manchmal schön, wie bei den Sonnenblumen und anderen im Botanischen Garten am letzten Wochenende, manchmal so grau und etwas trostlos wie gerade jetzt, mit leichtem Nieselregen. Heute vormittag spazierte ich die Poppelsdorfer Allee hoch und stellte erfreut fest, dass es schon Kastanien zu sammeln gibt und es schoss mir durch den Kopf, dass Kastanien für mich das schönste am Herbst sind – wie Schlüsselblumen das schönste am Frühjahr. So hob ich also eine Kastanie vom Boden auf, schob sie von einer Hand in die andere, drehte und wendete sie in einer Hand und bewunderte die glatte Oberfläche. Im Geiste pfiff ich ein Liedchen vor mich hin, warf die Kastanie übermütig in die Luft und testete meine motorischen Fähigkeiten, indem ich ihren freien Fall durch einen einem Volleyballaufschlag von unten ähnlichen Schlag jäh beendete und sie auf die Grünfläche schickte. Federnden Schrittes ging ich nach Hause und dachte nicht weiter darüber nach – bis ich das Badezimmer putzte und feststellte, dass ich doch allen Ernstes einen Bluterguss davongetragen habe: einen fetten blauen Fleck auf dem untersten Fingerknochen am Zeigefinger (oder auch phalanx proximalis II, wie ich mich kundig machte… interessanter Begriff). Ehrlich…
Und das noch vor der Abreise nach Liberia morgen – eine zweiwöchige Dienstreise mit dem Besuch unterschiedlichster Standorte. Ich bin sehr gespannt… auf die schwüle Hitze, auf die hoffentlich letzten Ausläufer der Regenzeit, auf Land und Leute ganz allgemein und überhaupt. Was verbindet man allgemein mit Liberia? Nicht viel… Bürgerkrieg. Irgendwie Ärger mit dem Nachbarland Sierra Leone und Blutdiamanten. Und irgendwie hängt ein ehemaliges Topmodel da mit drin… so oder ähnlich nimmt man das Land wahr, wenn überhaupt. Ich wusste schon länger,
ohne darüber nachzudenken, dass die Flagge der US-amerikanischen nicht unähnlich ist. Das kommt nicht von ungefähr: Liberia war gedacht als Land zur Wiederansiedlung ehemaliger amerikanischer Sklaven und war einer der ersten unabhängigen Staaten Afrikas. Und ab morgen wird sich dieses und anderes Wissen hoffentlich mit Leben füllen. Seit heute läuft auch die Malaria-Prophylaxe und wenn ich mich auch nicht in der ersten Stunde nach Einnahme übergeben musste oder halluziniere, so habe ich doch Kopfschmerzen und hoffe, dass das in den nächsten drei Wochen kein Dauerzustand wird.
Ich melde mich – hoffentlich direkt aus Westafrika!
Schönen Restsonntag
Barbara
Nachhaltig getourt
Seit etwa 10 Tagen überschlagen sich die Ereignisse, viele von ihnen hochemotionale Angelegenheiten – und dann diese brennende Sommerhitze – so dass ich am gestrigen Samstag wie der sprichwörtliche Schluck Wasser in der Kurve hing. Dabei hatte ich schon ziemlich lange soviel zu erzählen. Am vergangenen Wochenende hatte ich das fantastische Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Argentinien noch gar nicht richtig verdaut, als ich mich am Sonntag auf den Weg nach Westen machte, um mal wieder live einem sportlichen Großereignis beizuwohnen, in diesem Fall der zweiten Etappe der Tour de France, die über 201 km von Brüssel nach Spa führte.

„Seit wann interessierst du dich für Radsport?“ höre ich schon den einen oder anderen fragen, denn das habe ich nie und auch keinen wirklichen Plan von der Sache. Da kommt dann ein persönlicher Faktor ins Spiel, ein Fahrer des Team Milram, Johannes Fröhlinger – ein „Milramer“ also, wie sich ein kleiner Fan als Begriff einfallen ließ. Zu sagen, dass ich ihn kenne, wäre eine dicke Lüge – das geht ja schon viel länger zurück: seine Mutter war meine erste Englischlehrerin und seitdem besteht da ein Kontakt (Herrje! Wir haben Silberjubiläum dieses Jahr – darauf hätten wir doch anstoßen müssen!!). Lange Rede, kurzer Sinn: ein Besuch bei Freunden ließ sich bestens verbinden mit meiner Initiation bei der Tour de France!
Um 14 Uhr am Vortag der zweiten Etappe in der Westeifel angekommen, waren schon alle so gut wie abfahrbereit, denn man muss sich in den Fanmassen frühzeitig einen guten Campingplatz am Rande der Strecke sichern, wie ich lernte. Der Herr des Hauses hatte die Woche damit verbracht, Karten und Satellitenaufnahmen zu studieren um den idealen Camp- und Anfeuerungsplatz auszukundschaften. Das war alles nicht ganz zielführend, so dass auch noch ein Vorab-Besuch in den belgischen Wäldern durchgeführt worden war. So kamen wir zu einem idealen Campingplatz kurz vor der letzten Bergwertung am Col du Rosier, ca. 14 km vor dem Ende der Etappe. Die Idee war, dass man am Berg geschwindigkeitsmäßig wenigstens den Hauch einer Chance hat, mehr als verzerrte Farbkleckse wahrzunehmen . auch wenn es sich nur um einen Anstieg der 3. Kategorie handelte (ein Anstieg über 6.4 km mit 4% Steigung – bei der achten Etappe heute in den Alpen war der Schlussanstieg über 13,6km bei 6,1% Steigung einer der Kategorie 1).
Ganz ehrlich: schon das ganze Gerede von Anstiegen, noch mehr die Beobachtung, dass vor den Profi-Fahrern den ganzen Tag lang ununterbrochen Freizeitsportler unterschiedlichster Couleur sich an unserem Camp mal mehr, mal weniger vorbeiquälten lässt mich die Frage stellen: wofür das alles? Ich komme immer noch nicht den Mühlenberg hoch und habe auch gar nicht mehr den Ehrgeiz, das irgendwann zu schaffen. Umso beschämender dann, dass die Fahrer letztlich nur unwesentlich entzerrter als Farbkleckse „im Berg“ unterwegs waren und ich nur hoffen kann, dass ich dieses Tempo wenigstens hier entlang des Rheins gehen kann… Wenn ich fertig bin, kaufe ich mir noch ein Tacho. Ich schweife ab…
Der Lagerplatz war noch unbesetzt und nachdem wir uns installiert hatten, kundschafteten wir den Ort Cour aus, Endpunkt des Col de Rosier. Das kostete uns ca. 5 Minuten, denn mehr als 15 Häuser gab es dort nicht. Dafür war es mir vergönnt, zum ersten Mal überhaupt Schweine auf der Weide zusehen, geruhsam zwischen den Kühen vor sich hin trüffelsuchend. Oder so. Es war ein verdammt schöner Abend, sozusagen perfekt für mein erstes Zelten seit 15 Jahren. Zwar gab’s kein Lagerfeuer, dafür aber Fach- und andere Gespräche am Campingtisch und Glühwürmchen, UNMENGEN an Glühwürmchen. Oder auch: hammerviele. Die tanzten im Dämmerlicht über dem Farn. Wie und warum die Leuchtkäfer funktionieren ist eigentlich irrelevant, es ist einfach schön. Aber ich weiß es jetzt und habe mein Wissen hier gefunden. Unmengen Glühwürmchen, die für das Ausbleiben der Fanmassen entschädigten – wir blieben bis zum Schluss die einzigen, die bereits am Vortag angereist waren. Belgier sind eben keine Franzosen und/oder die Ardennen sind nicht die Alpen.

Dann kam der große Tag – an dem erst gegen 9:30 Uhr allgemein Leben ins Camp kam. In der Zwischenzeit waren deutlich mehr Fans angereist, Plakate der Sponsoren waren an der Strecke angebracht worden und die professionell installierten Niederländer auf der anderen Straßenseite hatten die erste Oranje-Konfetti-Rakete abgeschossen. Nach einem stärkenden Frühstück waren die wichtigsten Fragen: 1) Wo ist ein Fernseher, damit man die ersten 188km der Etappe hier und da mal verfolgen kann? Und 2) Wo stehen wir taktisch am besten damit a) Johannes die zwei großen Plakate sehen würde, er b) uns alle und besonders seine Mutter am Rande der Lungenleistungsfähigkeit würde schreien hören, c) man einen möglichst großen Teil der Strecke würde einsehen können und man d) auch eine ideale Fotoposition haben würde. Später gesellte sich als Kriterium noch hinzu e) die Möglichkeit zu haben, sich im Regen unterzustellen. Die ehemalige Schweine- und Kuhweide bot all das: im Berg eine S-Kurve überblickend, die Böschung runter barrierefreies Fotografieren, einen Baum als Regenschutz und eine Minigerade, so dass die Plakate relativ lange schon im Blick sein sollten. Biologische Tretminen unterschiedlichster Ausformung waren dabei zu umgehen. Gegen 13 Uhr war alles geklärt, laut Tour-Magazin war aber erst gegen 17 Uhr mit der Ankunft der Fahrer zu rechnen. Das zeigte mir, dass das Fanleben neben „hart und entbehrungsreich“ auch Potenzial für erholsame Stunden haben kann, die man bspw. lesend in der Sonne liegend verbringen könnte. Aber leider war sie kaum da, die Sonne, dafür der Regen…
Und so lange musste man dann auch wieder nicht warten, denn für 15:27 Uhr war das Eintreffen der Werbekarawane angekündigt, eine Art schnell vorbeiziehender Karnevalszug, bei dem für rheinländische Verhältnisse allerdings wenig „Kamelle“ den Weg ins erfreute Publikum fanden. Aber es war ja auch kein Prinz dabei. Wie ich während der Übertragung heute vernahm, ist die Teilnahme an dieser seit den 1930er Jahren durchgeführten Karawane für die Hauptsponsoren Teil des „Pakets“ – alle anderen, die dabei sein wollen, ZAHLEN dafür schlappe 37.000 Euro. Der reine Wahnsinn.

Als sich dann im Dunst und durch die Wolken 5 Hubschrauber den Weg über die bewaldeten Hügel bahnten und zur Überraschung aller direkt hinter uns landeten (VIP 1 – 5) war klar: jetzt kann es nicht mehr lange dauern. Frag mich keiner nach Details – ich suchte nur nach den charakteristischen weiß-blauen Trikots nebst neongelben Helmen, um auch rechtzeitig zum ohrenbetäubenden Geschrei ansetzen zu können. Die ersten kamen in wie schon erwähnt erschreckend hoher Geschwindigkeit diesen Berg hoch (mit schon 188km in den Knochen), dazwischen immer wieder Teamautos – nur Kameras habe ich während der ganzen Aktion keine wahrgenommen. Egal, das Peloton, was passenderweise von dem französischen Wort pelote = Knäuel kommt, rauschte an uns vorbei, Johannes mittendrin, aber für uns gut sichtbar – und das war es dann, mehr oder weniger. Da kamen noch andere hinterher, aber die in Nationalflaggen gewandeten amerikanischen Fans traten den Rückweg an, wie auch die sportiven Norweger im Raddress der Landesfarben.
Wie Johannes hinterher per SMS berichtete, hat er weder die in generalstabsmäßiger Planung platzierten Plakate gesehen, noch uns als Gruppe wahrgenommen, trotz des einen oder anderen gerissenen Stimmbands… Beim nächsten Mal?
Jetzt freue ich mich erstmal mit den Spaniern, die soeben erfolgreich waren.
Barbara
Elefanten in Bikinis
Ja so was: da ist es schon der 19. April und da kommt noch ein Reise-Update von mir! Das liegt an einem unangenehmen Zeitgenossen im Norden Europas, der den Flugverkehr in ein absolutes Chaos gestürzt hat. Und mich hat es erwischt. Ich sitze nun in Kuala Lumpur (KL) fest und bin nicht ganz sicher, was ich tun soll. Option 1: ich fahre jeden Tag zum Flughafen und versuche auf einen Flug nach Rom zu kommen (wie heute), bin allerdings irgendwie Nummer 76 oder so in der Warteliste. Also ziemlich aussichtslos. Und logistisch dämlich, denn so kann ich nie Wäsche abgeben und so langsam… Option 2: ich nehme das “Angebot” der Fluggesellschaft an und buche um auf den nächsten möglichen festen Termin: 29. April. Das wären dann 11 Tage verlängerter Aufenthalt. Diese Option hätte den Vorteil, dass ich von den verballerten Urlaubstagen vielleicht auch noch was hätte. Ich habe noch nicht entschieden. Mache ich aber wohl morgen früh… Geld kostet das alles, aber dann kann ich es auch in einem Beach Resort in Penang ausgeben und wirklich beeindruckend braungebrannt zurückkommen. Holy shit, but yeah, shit it is. In KL könnte ich mir die Nägel machen, maßgeschneiderte Dinge anfertigen und vielleicht dann doch noch die Brille machen lassen… Oder von einem Massageladen in den nächsten wandern…
Damit fing der Aufenthalt in Malaysia an: ich traf meine langjährige Brieffreundin kurz vor Mitternacht des 13.4. im Hotel in KL an – wie sich herausstellte sozusagen auf der Reeperbahn der Stadt, in Bukit Bintang. Schon die Taxifahrerin warnte mich, ich solle bloß nicht in den Beach Club gehen, da seien Nutten und am Ende würde ich auch noch für eine gehalten. Um die Ecke gibt es unzählige kleine Restaurants, wo wir dann was gegessen haben (was sich wenige Stunden später extremst rächen sollte – ich war an Afghanistan erinnert und am folgenden Tag eigentlich so ziemlich außer Gefecht), um uns dann gegen 1:30 bei einer Fußreflexzonenmassage wiederzufinden.
Nachdem wir also verdauungstraktbedingt nicht wirklich viel von der Hauptstadt Malaysias zu Gesicht bekommen haben, machten wir uns am 15.4. auf nach Kuantan an der Ostküste, wo besagte Brieffreundin als Ärztin an einem großen Krankenhaus arbeitet. Neben dem Besuch einer beeindruckenden Höhle, der Pancing Cave, sowie einem Bad an einem naheliegenden Wasserfall habe ich einen beträchtlichen Teil ihres Freundes- und Kollegenkreises kennengelernt, was eigentlich der interessanteste Teil war.
Malaysia haut mich ziemlich aus den Socken was den “Melting Pot” angeht. Auch wenn hier politisch dem “melting” durch die Bevorzugung von ethnischen Malaysiern entgegen gewirkt wird. Die machen wohl nur 57% der Bevölkerung aus – der Rest sind zum großen Teil ethnische Chinesen und Inder (nun aber auch schon in der x-ten Generation malaysische Staatsbürger), viele oft illegale Burmesen und Indonesier. Die dann in vielen möglichen Kombinationen Muslime, Christen, Hinduisten und Buddhisten – und wahrscheinlich noch einiges andere mehr sind. So waren wir einen Abend eingeladen bei einer indisch-stämmigen (hinduistischen) Ärztin, dazu meine burmesische (buddhistische) Brieffreundin, eine weitere (muslimische) Ärztin und eine (muslimische) Lehrerin. Nun kocht mal, was alle essen können… Es war ein total witziger Abend, der unter dem Motto “Diätet wird ab morgen” stand und am Strand Telok Cempedak zu Ende gebracht wurde. Selten so gelacht. Besonders die erwähnte Lehrerin hat einige Stories zum besten gegeben, die ihresgleichen suchen. So z.B. die der selbst beim Frauenschwimmen die volle Montur tragenden Schwestern gleichen Glaubens – oder eben die der extrem übergewichtigen in Bikinis, die sozusagen Arschbomben im kleinen Becken machen. Weswegen sie das Frauenschwimmen drangegeben hat und lieber an “normalen” Tagen ihre Bahnen zieht.
Einen Tag (und eine Nacht) verbrachten wir noch in einem Beach Resort in Cherating, nördlich von Kuantan… Badewannenwasser mit genau dem richtigen Wellengang und dann eine beeindruckende Poollandschaft. Da waren wir dann richtig dekadent mit Zimmerservice und haben wie so oft bis spät in die Nacht gequatscht. Darum ging es ja hauptsächlich bei diesem Abstecher. Asiatische Badezimmergewohnheiten sind sehr gewöhnungsbedürftig, aber immerhin verstehe ich nun die Schilder in manchen Hotels: “Please shower in the bathtub”. Man sollte denken Wo auch sonst?, aber so klar ist es dann eben doch nicht. Und dass ich nun auch wieder selbst entscheiden kann, was ich esse, hat so seine Vorteile. Oder was ein interessantes Fotomotiv ist 😉 Aber ich denke, den kommenden 13 Jahren Brieffreundschaft steht nichts mehr im Wege!
Naja, nun also wieder in KL und mal sehen. Hier kann ich sicher auch noch drei bis vier Tage verbringen… ich muss mich nur noch entscheiden, was ich tue. Fällt mir ungewohnt schwer. Übrigens, Anne, ist gleich gegenüber unser Lieblingskaffeehaus, wo ich dann auch immer online gehe. Was hier W-LAN mäßig fast überall kostenlos möglich ist. Manchmal habe ich das Gefühl, das geht weltweit außer in Deutschland.
Nun denn, macht’s gut…
Viele Grüße
Barbara
Insel der Götter – und Abzocker
Nach nun einer Woche auf Bali und kurz vor der Weiterreise nach Malaysia heute Nachmittag ist es wohl an der Zeit, dass ich mich noch mal melde J Ich hatte es schwer mit Bali und bin noch nicht ganz sicher, warum. Sicherlich teilweise wegen der EXTREMST nervigen Verkäufer, die einen keinen Schritt machen lassen, ohne einem geschnitzte Elefanten, Sarongs und irgendwelche Medaillons buchstäblich ins Gesicht halten, die einen anfassen und zu ihrem Stand zerren, um dann wahnwitzige Preise zu verlangen. Klar, es soll gehandelt werden, aber wenn der Startpreis gleich fünfmal höher ist, als für das gleiche Objekt auf Java, verliert man die Lust. Eine Taktik, die bei mir nicht wirklich zieht, was ich für beide Seiten als schade empfunden habe.
Per Fähre waren wir von Banjuwangi auf Java übergesetzt und nach ca. anderthalb oder zwei Stunden Fahrt entlang der Nordküste Balis hatten wir unser erstes Ziel erreicht: Lovina Beach. Dort waren wir für drei Nächte. Der Ort ist eigentlich eine Aneinanderreihung verschiedener Orte, die irgendwann mal “Lovina Beach” getauft wurde. Viel Strand ist nicht, ein vielleicht 7 m breiter Streifen, auf dem zumeist die traditionellen Fischerboote liegen. Unser Hotel war gut, aber außerhalb, so dass ich am ersten Tag mit einer Mitreisenden den Weg zum Zentrum entlang des Strands suchte. Das gab Einblick in das gemeine balinesische Dorfleben, da nicht überall Hochklasse-Hotels am Strand sind und selbst wenn, sie diesen nicht zum Privatstrand machen dürfen. Eine Superregelung. Jede zweite Frau unterwegs bot mir an, meine Wäsche (die ich in einer Tüte dabei hatte) für mich zu machen – aber irgendwie wollte ich doch einen “Laden”, den ich auch wiederfinden würde… Das Zentrum selbst ist eine Anhäufung von Souvenirshops, Restaurants und Internet-Cafés, und natürlich wahren Heerscharen an Verkäufern. Nirgendwo habe ich bisher erlebt, dass kleine Kinder (teilweise schätzungsweise 4 Jahre alt) sich als Verkäufer betätigten. Bali soll aufgrund des Tourismus die deutlich wohlhabender Insel als Java sein… erstaunlich. Ist es eine Frage von Stolz, ob ich meine Kinder als quasi-Bettler einsetze? Nichts anderes ist es, denn was soll ich mit den dämlichen Muschelkettchen?
Am zweiten Tag besuchten wir ein buddhistisches Kloster nahe Lovina – wirklich ein Ort der Stille, der zum Verweilen einlud. Eine sehr gepflegte Anlage über viele verschiedene “Etagen” in einen Hang bzw. auf einen Berg gebaut, die (zumindest, als wir dort waren) nicht von Horden an Touristen überlaufen war. Dort kam dann auch geplantermaßen mein frisch erstandener Sarong zu seinem ersten Einsatz, da ich in Bermudas unterwegs war.
“In” ist in Lovina das Dolphin Watching, für das man allerdings bereits um 6 Uhr Gewehr bei Fuß an den Fischerbooten zu stehen hat. So entschied ich mich, das erstmal von Mitreisenden testen zu lassen, die sehr enttäuscht heimkehrten und meinten, es sei die Jagd einer Armada von mindestens 50 Booten auf ein paar wenige Delfine gewesen, von denen sie die eine oder andere Rückenflosse zu sehen bekamen. Also sparte ich mir das.
Der Hinduismus ist überall präsent – an jeder Ecke stehen kleine Opferschalen mit Blüten, Reis und evtl. einem Räucherstäbchen. Allem und jedem wird geopfert, so auch dem Gott des Pools in der Hotelanlage oder dem Gott des Bordsteins (auf dass niemand stolpern soll?? Bei den unebenen Gehsteigen, die zudem voller Löcher Richtung Kanalisation sind, ist das wohl auch nötig – und trotzdem kam es zu einigen Zwischenfällen…). Auf dem Armaturenbrett eines jeden Taxis steht ein frischer Opferkorb, so dass ich mich schon fragte, ob man am besten in eins einsteigt, das einen möglichst kleinen hat, da der Fahrer offenbar nicht allzu sehr auf die Hilfe der Götter angewiesen ist…?). Jedes Haus hat einen Tempel, wobei es offenbar nach dem Motto geht: je ärmlicher das Haus, umso großartiger (in Relation) der Tempel… für mich nicht nachvollziehbar, wenn gleichzeitig spindeldürre Kinder betteln gehen.
Von Lovina ging es dann vorbei am Vulkan Batur und dem gleichnamigen See im Nordosten der Insel (leider in Nebel und Regen, deswegen wirklich nur “vorbei”) zu einem Gewürzgarten, dessen Highlight die Herstellung des berühmten Luwak Kaffees ist. Das ist jener, für den die Kaffeebohnen schon mal im Magen einer bestimmten Katzenart vorverdaut werden, bevor sie dann eingesammelt und wie gewohnt geröstet werden. Wie so häufig fragte ich mich, warum irgendwer überhaupt mal auf die Idee kam, in den Hinterlassenschaften von Katzen rumzuwühlen und die Funde dann auch noch als Lebensmittel zu verwerten. Der Kaffe soll einen unnachahmlich würzigen Geschmack haben, mit einer Note von Schokolade und Karamell. Ich habe mich auf den puren Kakao konzentriert, der selbst angerührt mit Wasser eine echte Freude war… ich kann es kaum erwarten, die erstandene Packung dann mal mit Milch zu testen.
Bevor wir unser letztes Ziel der Gruppenreise, Ubud, erreichten, machten wir noch Halt am Pura Besakih, dem “Muttertempel” auf Bali – also dem größten und wichtigsten Tempel Balis. Es ist eine große Anlage bestehend aus mehr als 40 Einzeltempeln, die sich an den Hängen des Gunung Agung Vulkans hochzieht. Der Vulkan selbst gilt als Wohnsitz des Gotts Shiva – und leider war auch er wieder in Nebelschwaden gehüllt. Die Anlage ist beeindruckend, aber ich war geradezu schockiert von den allgegenwärtigen zum Himmel stinkenden Müllbergen, teils verursacht durch die in Massen angeschleppten Opfergaben, teils aber auch durch den “normalen Müll”, der ÜBERALL herumlag. An Müll sollte man sich zu diesem Zeitpunkt der Reise wohl gewöhnt haben, aber es geht mir irgendwie nicht in den Kopf, dass man einen derart heiligen Platz nicht entsprechend sauber hält… er ist doch offenbar allen sehr wichtig. Vielleicht ist das sehr deutsch, aber ich habe auch noch nirgendwo so viele Ratten gesehen wie auf Bali, inkl. im Gebälk von Restaurants. Da lobe ich mir den riesigen “monitor lizard”, der in Lovina im Restaurant majestätisch auf dem Dach der kleinen Toilette erschien, sich umsah, den charakteristischen “zisselnden” Zungenschlag vorführte und sich dann gemächlich in sein “home” zwischen der Toiletten- und der Hauswand machte. In Sachen Tiere könnte auch zu meiner Bali-Abneigung beitragen, dass die Insel voll ist von räudigen Straßenkötern, wahrscheinlich einer pro Einwohner (= ca. 4 Millionen).
Ubud gefällt mir gut mit seinen vielen Kunstgalerien und Künstlerwerkstätten und könnte mich glatt noch mal bewegen, wieder nach Bali zu kommen – schon allein, um in den labyrinthartigen Markthallen voller Leben mal tagelang zu handeln, denn dort hat das echt Spaß gebracht. Man kann gut essen, Museen und Tanzaufführungen besuchen… oder auch den Affenwald aufsuchen, was ich mir allerdings geschenkt habe, nachdem ich las, dass einigen Besuchern die Brille entführt wurde. Das wäre ein nicht tragbares Risiko. Einziges Manko: Ubud liegt im Inland, also ist hier kein Strandleben angesagt. Dafür aber ein wunderbarer fünfstündiger Spaziergang durch die Reisfelder, für den sich etwa die Hälfte unserer Gruppe erwärmen konnte. (Sollte jemand Interesse an dieser Tour haben: ich habe die Nummer des Guides…)
Am zweiten Tag ging es zu einem hinduistischen Felsenrelief in der Nähe und von dort über Stock und Stein zur Elefantenhöhle, einem in den Berg gehauenen kleinen, unspektakulären Tempel, der aber insgesamt in einer wunderschönen Anlage im Wald liegt. Im eigenen Saft stehend verzichtete ich auf den Besuch der Königsgräber am Nachmittag und zog eine kurze Siesta und Dusche vor, bevor wir uns aufmachten nach Downtown Ubud.
Ich denke, wer in Bali Urlaub machen will, sollte explizit wegen der kulturellen Highlights kommen und weniger wegen der Strände – die kann man genauso gut (besser?), viel näher und deswegen auch deutlich billiger, in der Türkei haben. Ich habe für mich so ein Gefühl, dass Java mich wiedersehen wird… selbst organisiert und mit längeren Aufenthalten an ausgewählten Standorten.
Gleich geht’s auf nach Malaysia – wo ich heute Abend im Hotel dann auf meine langjährige Brieffreundin aus Myanmar treffen werde… die Spannung steigt.
Viele Grüße
Barbara
Mystische Vulkanlandschaft
Von Jogja ging es in einer langen Tagestour nach Batu in Ostjava – wir saßen wirklich fast den ganzen Tag im Bus und sahen mit Zuckerrohr- und Apfelplantagen leicht veränderte Landschaften an uns vorüberziehen. In Batu selbst gibt es nichts außergewöhnliches zu erleben außer den ersten Blicken auf die Vulkane des Bromo-Tengger-Massivs… wenn es denn nicht neblig ist, doch leider war es das. Aber es war eh nur als Ausgangspunkt für den Folgetag gedacht.
Weiter ging es nach Sukapura, wo wir unseren Bus ein weiteres Mal verlassen und in kleinere Vans umsteigen mussten, die uns auf ca. 2.200m Höhe und in Laufdistanz zur Tengger-Kaldera und den Vulkan Bromo brachten. Dort sollten wir im Café Lava Hostel nächtigen und dass wir nicht mehr auf Meeresniveau waren, merkte ich schon beim “Aufstieg” über 50 Stufen von meiner Hütte zur Rezeption – die ich nur mit 3 Pausen bewältigen konnte. Es ist halt weiter nichts mit mir und der Höhe.
Des Nachmittags machten wir uns trotz Nebels und Regen auf in die Tengger-Kaldera – es hatte etwas sehr mystisches im Nebel eigentlich gar nichts zu sehen außer den nächsten vielleicht 20m schwarzen, mit einer Art Wollgras bestandenen Sands. Doch langsam verzog sich der Nebel, der Rand der Kaldera wurde erkennbar und immer mehr auch die in dieser Kaldera stehenden Vulkane Batok (noch komplett sozusagen) und Bromo, dessen Spitze bei einem oder mehreren Ausbrüchen weggesprengt wurde. Dieser ist touristisch voll erschlossen: man kann Treppenstufen zu seinem Kraterrand erklimmen und dort den Göttern opfern, indem man einen Strauß Trockenblumen in die brodelnde Masse wirft, die man unter dem schwefligen Dampf, der von ihr aufsteigt, nur hören kann. Die beliebte Online-Enzyklopädie berichtet außerdem folgendes:
Nach einer Geschichte hat am Ende des 15. Jahrhunderts die Prinzessin Roto Anteng des Majapahit-Imperiums zusammen mit ihrem Ehemann Joko Seger ein eigenes Fürstentum gegründet. Sie nannten es Tengger nach den Endsilben ihrer Namen. Das Fürstentum florierte, aber dem herrschenden Paar war es nicht möglich Nachkommen zu zeugen. So kletterten sie in ihrer Verzweiflung auf den Bromo und beteten zu den Göttern, sie mögen ihnen beistehen. Diese versprachen ihnen zu helfen, unter der Bedingung, ihr letztgeborenes Kind den Göttern zu opfern. Die beiden hatten 24 Kinder und als das 25. und letzte Kind Kesuma geboren wurde, weigerte sich Roro Anteng ihr Kind wie versprochen zu opfern. Die Götter drohten mit Feuer und Schwefel, bis sie schließlich das Kind doch opferte. Nachdem es in den Krater geworfen wurde, befahl die Stimme des Kindes den Einheimischen, jährlich eine Feier am Vulkan abzuhalten. Dieses Kassada genannte Fest wird auch heute noch abgehalten. Sie besteht hauptsächlich aus einer nächtlichen Prozession zum Gipfel, wo dann Tiere, Früchte und Reis geopfert werden.
Dann ging es früh ins Bett, denn um 3:30 Uhr des Folgetages sollten wir geweckt werden, um zum Sonnenaufgang auf einer Aussichtsplattform zu sein, von der man die gesamte Vulkanlandschaft inkl. des Semeru in wunderbarem Licht würde sehen können. Leider nicht in Nebel und Regen. Zwar lichtete sich der Nebel kurzzeitig wenigstens etwas, so dass wir Bromo und Batok von oben betrachten konnten, aber es war alles in allem doch sehr enttäuschend – und das nach dem frühen Aufstehen, das in Kombination mit der Höhe mit ziemlich starken Kreislaufproblemen meinerseits einherging. Solche Aktionen werde ich mir in Zukunft sparen. Man kann sich die Dinge auch nachmittags ansehen.
Nach einem Frühstück im “Hostel” ging es auch gleich weiter, wieder runter mit den Mini-Vans durch wahnwitzigen Kohl- und Kartoffelanbau an Berghängen zu unserem eigentlichen Bus, der uns entlang der Nordostküste Javas zum Fährhafen in Banjuwangi und nach der Übersetzung nach Bali bis Lovina Beach bringen sollte. Das hat er auch anstandslos getan und so sind wir wieder auf Meeresniveau bei 35 Grad, in einem tollen Hotel mit noch tollerem Pool 🙂 Der Strand ist mau, aber egal. Eine der Mitreisenden und ich haben uns heute fünfeinhalb Stunden auf Entdeckungstour durch den Ort begeben und haben es geschafft, in keine der wirklich ÜBERALL herumstehenden Opfergaben an alle möglichen Götter zu treten. Natürlich hat auch das Hotel einen eigenen Tempel. Bei Maddi habe ich Sarongs eingekauft, eine Wäscherei haben wir aufgetan und dann auch noch Obst gekauft. Da habe ich ja in den vergangenen zwei Wochen schon einiges neues kennengelernt, wie z.B. Durian, die “Stinkefrucht”, die meiner Meinung nach weder besonders stinkt, noch besonders schmeckt, aber deren Genuss mit Alkohol tödlich sein soll… woran das genau liegt, muss ich auch irgendwann noch rausfinden. Oder Rambutan, wohl eine Litschi-Art, in der Größe einer Pflaume, rot und mit “weichen Stacheln”. Auch lecker. Aber das Highlight kam mir heute unter: Mangustinen. Die könnte ich in etwa den Mengen verzehren wie bei uns die Erdbeeren in der entsprechenden Saison. Von vielen kann man auch frisch gepresste Säfte bekommen – da ist die Wassermelone mein Favorit und den Avocado-Saft mit Schokosauce finde ich auch ganz apart. Ist dann aber eher eine Hauptmahlzeit als ein Durstlöscher.
Viele Grüße mal wieder!
Barbara














