Insel der Götter – und Abzocker

Nach nun einer Woche auf Bali und kurz vor der Weiterreise nach Malaysia heute Nachmittag ist es wohl an der Zeit, dass ich mich noch mal melde J Ich hatte es schwer mit Bali und bin noch nicht ganz sicher, warum. Sicherlich teilweise wegen der EXTREMST nervigen Verkäufer, die einen keinen Schritt machen lassen, ohne einem geschnitzte Elefanten, Sarongs und irgendwelche Medaillons buchstäblich ins Gesicht halten, die einen anfassen und zu ihrem Stand zerren, um dann wahnwitzige Preise zu verlangen. Klar, es soll gehandelt werden, aber wenn der Startpreis gleich fünfmal höher ist, als für das gleiche Objekt auf Java, verliert man die Lust. Eine Taktik, die bei mir nicht wirklich zieht, was ich für beide Seiten als schade empfunden habe.

Per Fähre waren wir von Banjuwangi auf Java übergesetzt und nach ca. anderthalb oder zwei Stunden Fahrt entlang der Nordküste Balis hatten wir unser erstes Ziel erreicht: Lovina Beach. Dort waren wir für drei Nächte. Der Ort ist eigentlich eine Aneinanderreihung verschiedener Orte, die irgendwann mal “Lovina Beach” getauft wurde. Viel Strand ist nicht, ein vielleicht 7 m breiter Streifen, auf dem zumeist die traditionellen Fischerboote liegen. Unser Hotel war gut, aber außerhalb, so dass ich am ersten Tag mit einer Mitreisenden den Weg zum Zentrum entlang des Strands suchte. Das gab Einblick in das gemeine balinesische Dorfleben, da nicht überall Hochklasse-Hotels am Strand sind und selbst wenn, sie diesen nicht zum Privatstrand machen dürfen. Eine Superregelung. Jede zweite Frau unterwegs bot mir an, meine Wäsche (die ich in einer Tüte dabei hatte) für mich zu machen – aber irgendwie wollte ich doch einen “Laden”, den ich auch wiederfinden würde… Das Zentrum selbst ist eine Anhäufung von Souvenirshops, Restaurants und Internet-Cafés, und natürlich wahren Heerscharen an Verkäufern. Nirgendwo habe ich bisher erlebt, dass kleine Kinder (teilweise schätzungsweise 4 Jahre alt) sich als Verkäufer betätigten. Bali soll aufgrund des Tourismus die deutlich wohlhabender Insel als Java sein… erstaunlich. Ist es eine Frage von Stolz, ob ich meine Kinder als quasi-Bettler einsetze? Nichts anderes ist es, denn was soll ich mit den dämlichen Muschelkettchen?

Am zweiten Tag besuchten wir ein buddhistisches Kloster nahe Lovina – wirklich ein Ort der Stille, der zum Verweilen einlud. Eine sehr gepflegte Anlage über viele verschiedene “Etagen” in einen Hang bzw. auf einen Berg gebaut, die (zumindest, als wir dort waren) nicht von Horden an Touristen überlaufen war. Dort kam dann auch geplantermaßen mein frisch erstandener Sarong zu seinem ersten Einsatz, da ich in Bermudas unterwegs war.

“In” ist in Lovina das Dolphin Watching, für das man allerdings bereits um 6 Uhr Gewehr bei Fuß an den Fischerbooten zu stehen hat. So entschied ich mich, das erstmal von Mitreisenden testen zu lassen, die sehr enttäuscht heimkehrten und meinten, es sei die Jagd einer Armada von mindestens 50 Booten auf ein paar wenige Delfine gewesen, von denen sie die eine oder andere Rückenflosse zu sehen bekamen. Also sparte ich mir das.

Der Hinduismus ist überall präsent – an jeder Ecke stehen kleine Opferschalen mit Blüten, Reis und evtl. einem Räucherstäbchen. Allem und jedem wird geopfert, so auch dem Gott des Pools in der Hotelanlage oder dem Gott des Bordsteins (auf dass niemand stolpern soll?? Bei den unebenen Gehsteigen, die zudem voller Löcher Richtung Kanalisation sind, ist das wohl auch nötig – und trotzdem kam es zu einigen Zwischenfällen…). Auf dem Armaturenbrett eines jeden Taxis steht ein frischer Opferkorb, so dass ich mich schon fragte, ob man am besten in eins einsteigt, das einen möglichst kleinen hat, da der Fahrer offenbar nicht allzu sehr auf die Hilfe der Götter angewiesen ist…?). Jedes Haus hat einen Tempel, wobei es offenbar nach dem Motto geht: je ärmlicher das Haus, umso großartiger (in Relation) der Tempel… für mich nicht nachvollziehbar, wenn gleichzeitig spindeldürre Kinder betteln gehen.

Von Lovina ging es dann vorbei am Vulkan Batur und dem gleichnamigen See im Nordosten der Insel (leider in Nebel und Regen, deswegen wirklich nur “vorbei”) zu einem Gewürzgarten, dessen Highlight die Herstellung des berühmten Luwak Kaffees ist. Das ist jener, für den die Kaffeebohnen schon mal im Magen einer bestimmten Katzenart vorverdaut werden, bevor sie dann eingesammelt und wie gewohnt geröstet werden. Wie so häufig fragte ich mich, warum irgendwer überhaupt mal auf die Idee kam, in den Hinterlassenschaften von Katzen rumzuwühlen und die Funde dann auch noch als Lebensmittel zu verwerten. Der Kaffe soll einen unnachahmlich würzigen Geschmack haben, mit einer Note von Schokolade und Karamell. Ich habe mich auf den puren Kakao konzentriert, der selbst angerührt mit Wasser eine echte Freude war… ich kann es kaum erwarten, die erstandene Packung dann mal mit Milch zu testen.

Bevor wir unser letztes Ziel der Gruppenreise, Ubud, erreichten, machten wir noch Halt am Pura Besakih, dem “Muttertempel” auf Bali – also dem größten und wichtigsten Tempel Balis. Es ist eine große Anlage bestehend aus mehr als 40 Einzeltempeln, die sich an den Hängen des Gunung Agung Vulkans hochzieht. Der Vulkan selbst gilt als Wohnsitz des Gotts Shiva – und leider war auch er wieder in Nebelschwaden gehüllt. Die Anlage ist beeindruckend, aber ich war geradezu schockiert von den allgegenwärtigen zum Himmel stinkenden Müllbergen, teils verursacht durch die in Massen angeschleppten Opfergaben, teils aber auch durch den “normalen Müll”, der ÜBERALL herumlag. An Müll sollte man sich zu diesem Zeitpunkt der Reise wohl gewöhnt haben, aber es geht mir irgendwie nicht in den Kopf, dass man einen derart heiligen Platz nicht entsprechend sauber hält… er ist doch offenbar allen sehr wichtig. Vielleicht ist das sehr deutsch, aber ich habe auch noch nirgendwo so viele Ratten gesehen wie auf Bali, inkl. im Gebälk von Restaurants. Da lobe ich mir den riesigen “monitor lizard”, der in Lovina im Restaurant majestätisch auf dem Dach der kleinen Toilette erschien, sich umsah, den charakteristischen “zisselnden” Zungenschlag vorführte und sich dann gemächlich in sein “home” zwischen der Toiletten- und der Hauswand machte. In Sachen Tiere könnte auch zu meiner Bali-Abneigung beitragen, dass die Insel voll ist von räudigen Straßenkötern, wahrscheinlich einer pro Einwohner (= ca. 4 Millionen).

Ubud gefällt mir gut mit seinen vielen Kunstgalerien und Künstlerwerkstätten und könnte mich glatt noch mal bewegen, wieder nach Bali zu kommen – schon allein, um in den labyrinthartigen Markthallen voller Leben mal tagelang zu handeln, denn dort hat das echt Spaß gebracht. Man kann gut essen, Museen und Tanzaufführungen besuchen… oder auch den Affenwald aufsuchen, was ich mir allerdings geschenkt habe, nachdem ich las, dass einigen Besuchern die Brille entführt wurde. Das wäre ein nicht tragbares Risiko. Einziges Manko: Ubud liegt im Inland, also ist hier kein Strandleben angesagt. Dafür aber ein wunderbarer fünfstündiger Spaziergang durch die Reisfelder, für den sich etwa die Hälfte unserer Gruppe erwärmen konnte. (Sollte jemand Interesse an dieser Tour haben: ich habe die Nummer des Guides…)

Am zweiten Tag ging es zu einem hinduistischen Felsenrelief in der Nähe und von dort über Stock und Stein zur Elefantenhöhle, einem in den Berg gehauenen kleinen, unspektakulären Tempel, der aber insgesamt in einer wunderschönen Anlage im Wald liegt. Im eigenen Saft stehend verzichtete ich auf den Besuch der Königsgräber am Nachmittag und zog eine kurze Siesta und Dusche vor, bevor wir uns aufmachten nach Downtown Ubud.

Ich denke, wer in Bali Urlaub machen will, sollte explizit wegen der kulturellen Highlights kommen und weniger wegen der Strände – die kann man genauso gut (besser?), viel näher und deswegen auch deutlich billiger, in der Türkei haben. Ich habe für mich so ein Gefühl, dass Java mich wiedersehen wird… selbst organisiert und mit längeren Aufenthalten an ausgewählten Standorten.

Gleich geht’s auf nach Malaysia – wo ich heute Abend im Hotel dann auf meine langjährige Brieffreundin aus Myanmar treffen werde… die Spannung steigt.

Viele Grüße
Barbara

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