Unterwegs mit Montezuma

Ganze 48 Stunden hat mein Magen-Darmtrakt mitgehalten… ich vermute, es war das Hühnchen gestern Abend. Nix zum Frühstück, Brot zu Mittag, abends dann bei Mohammad Ali in Fishtown was riskiert – wir werden sehen. Alle wundern sich über meinen Wasserkonsum…

Heute also sind wir von Zwedru nach Fishtown gefahren. Das sind um die 100km Luftlinie wie der Kollege mit dem GPS feststellte. Unterwegs waren wir ungefähr 6 Stunden. Dabei lief es eigentlich für Regenzeitverhältnisse ganz gut. Es wird nun immer mehr zur Dschungeltour mit Sümpfen. Oder, dort wo die Projektaktivitäten gegriffen haben, zu Reisfeldern umgewandelte Sümpfe. Ganz nach dem heute gesehenen Motto: „Feed Liberia! Grow more food!“

Wegen meines altvertrauten Reisepartners kam es dann auch zu ad hoc-Inspektionen von Schullatrinen, die im Rahmen des Projekts gebaut wurden. Test bestanden, eindeutig noch nutzbar und als „gepflegt“ zu bezeichnen. Dass wir deswegen den Unterricht von ca. 200 Schülern zum Stillstand brachten, tat mir leid… den Schülern offensichtlich weniger.

Regenzeit… wir sind an so einigen festsitzenden Fahrzeugen vorbeigekommen. Der Fahrer des LKW zur rechten war ein ziemlich junger Bursche, den ich im Vorbeifahren vor seinem Fahrzeug sah – von oben bis unten voller rotbrauner Matsche, mit Spritzern bis zum Haaransatz, gab er mir einen Daumen hoch und als ich mitleidig die Schultern zuckte, breitete sich gar ein Grinsen über das ganze Gesicht aus. An anderer Stelle saß ein Tankzug fest und hinter ihm standen schon vier weitere LKW und harrten gespannt der Dinge, die da auch noch auf sie zukommen sollten.

Wir machten kurz vor unserem Ziel Fishtown einen Abstecher in Richtung Barclayville, einem neuen Projektstandort, wo ich dann mal feststellen sollte, wie elendig viel schlechter die Straßen noch sein können. Der Fahrer stellte das Tacho auf 0 und nach 3,7km ging es nicht mehr weiter, da an einem Abhang entgegenkommende Fahrzeuge feststeckten. Auf meine Frage, wie weit es denn da noch nach Barclayville sei, war die Antwort: „So etwa 70km.“ Durch Schlammpools bis zum unteren Rand der Seitenfenster. Und da muss ein Kollege morgen hin. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, wie man das in einem Tag schaffen soll. „God is in control“ prangte auf einem LKW – das eher weniger fatalistische „Be brave“ auf einem anderen. Good luck, kann ich da nur sagen.

Fishtown selbst hat irgendwie so einen Wild West Feel an sich. Und ehrlich gesagt hatte ich es mir schlimmer vorgestellt. Klein, aber Leben drin. Und bis zumindest 22 Uhr was los im Dorf, es gibt viele Generatoren, so dass das Leben sich weiter als normal in den Abend hineinzieht. Nein, kein Restaurant, das den Namen verdient, kein Kino, kein Theater, kein Supermarkt, aber auch nicht die völlige Ödnis. Man kriegt auch ein Bier oder eine Cola. Gekühlt! Bei Mohammad Ali gab’s eine Portion Nudeln mit Zwiebeln und einer nicht näher definierten, aber schmackhaften Sauce. In Anita’s Business Center kann man ebenfalls erfrischende Getränke zu sich nehmen – wenn denn Anita ihren nicht zu verachtenden Allerwertesten erhebt und sich zu einer Bedienung herablässt.

Mit diesen Worten viele Grüße aus Fishtown… ich muss mich zur Ruhe betten, auch wenn die Nachtwächter draußen weiter Palaver halten. Aber dann schlafen sie wenigstens nicht. Und apropos Palaver – das ist ja hier traditionell ein großes Dingen. In der kleinsten Siedlung… oft selbst, wo nur ein Haus mitten auf von Hand geschaffenen Lichtung im Urwald steht, gibt es eine „palava hut“, also frei übersetzt eine „Palaver Hütte“… wo man sich trifft, um eben das zu tun: reden. Entweder nur ein bisschen Austausch nach Feierabend oder aber hochoffizielle Meetings, in denen es wichtige Dinge zu entscheiden gilt. Und jede Institution, die etwas auf sich hält, halt natürlich auch eine solche. Dann weniger palmenblättergedeckt und auf Bambusstäben, sondern mit Wellblechdach, Betonboden und weißen Plastikstühlen – aber das Prinzip bleibt das gleiche. Ist eben kein großer Sitzungssaal, sondern die palava hut. Gefällt mir irgendwie.

Schluss mit dem Palaver!
Gute Nacht!
Barbara

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