Unterwegs im Herbst


Der Herbst ist da – manchmal schön, wie bei den Sonnenblumen und anderen im Botanischen Garten am letzten Wochenende, manchmal so grau und etwas trostlos wie gerade jetzt, mit leichtem Nieselregen. Heute vormittag spazierte ich die Poppelsdorfer Allee hoch und stellte erfreut fest, dass es schon Kastanien zu sammeln gibt und es schoss mir durch den Kopf, dass Kastanien für mich das schönste am Herbst sind – wie Schlüsselblumen das schönste am Frühjahr. So hob ich also eine Kastanie vom Boden auf, schob sie von einer Hand in die andere, drehte und wendete sie in einer Hand und bewunderte die glatte Oberfläche. Im Geiste pfiff ich ein Liedchen vor mich hin, warf die Kastanie übermütig in die Luft und testete meine motorischen Fähigkeiten, indem ich ihren freien Fall durch einen einem Volleyballaufschlag von unten ähnlichen Schlag jäh beendete und sie auf die Grünfläche schickte. Federnden Schrittes ging ich nach Hause und dachte nicht weiter darüber nach – bis ich das Badezimmer putzte und feststellte, dass ich doch allen Ernstes einen Bluterguss davongetragen habe: einen fetten blauen Fleck auf dem untersten Fingerknochen am Zeigefinger (oder auch phalanx proximalis II, wie ich mich kundig machte… interessanter Begriff). Ehrlich…

Und das noch vor der Abreise nach Liberia morgen – eine zweiwöchige Dienstreise mit dem Besuch unterschiedlichster Standorte. Ich bin sehr gespannt… auf die schwüle Hitze, auf die hoffentlich letzten Ausläufer der Regenzeit, auf Land und Leute ganz allgemein und überhaupt. Was verbindet man allgemein mit Liberia? Nicht viel… Bürgerkrieg. Irgendwie Ärger mit dem Nachbarland Sierra Leone und Blutdiamanten. Und irgendwie hängt ein ehemaliges Topmodel da mit drin… so oder ähnlich nimmt man das Land wahr, wenn überhaupt. Ich wusste schon länger, ohne darüber nachzudenken, dass die Flagge der US-amerikanischen nicht unähnlich ist. Das kommt nicht von ungefähr: Liberia war gedacht als Land zur Wiederansiedlung ehemaliger amerikanischer Sklaven und war einer der ersten unabhängigen Staaten Afrikas. Und ab morgen wird sich dieses und anderes Wissen hoffentlich mit Leben füllen. Seit heute läuft auch die Malaria-Prophylaxe und wenn ich mich auch nicht in der ersten Stunde nach Einnahme übergeben musste oder halluziniere, so habe ich doch Kopfschmerzen und hoffe, dass das in den nächsten drei Wochen kein Dauerzustand wird.

Ich melde mich – hoffentlich direkt aus Westafrika!
Schönen Restsonntag
Barbara

2 Kommentare zu “Unterwegs im Herbst

  1. hach jaaa,
    immer auf reisen. mach schön bilder und lass hören, was die zezefliege noch alles drauf hat. Hoffe, dein netzdom hält dich vom gröbsten ab.
    gruße aus köln, wo ein erstaunlich laues lüftchen weht.

    Gefällt mir

  2. Pingback: Glück und Freiheit « The Knackered Grouse

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