Tee mit Aussicht / Tea with a View

Am letzten Abend in Dohuk, nach einer vertrackt anstrengenden, aber auch wunderbaren zweiwöchigen Dienstreise, bin ich mit zwei Kollegen noch schnell auf „den“ Berg (als gäbe es hier nur den einen…), um den Tag bei einer Tasse Tee im Sonnenuntergang ausklingen zu lassen.

On my last night in Dohuk, after a very challenging but also truly wonderful two-week mission, I went to „the“ mountain (as if there were only that one…) with two colleagues to enjoy the sunset over a cup of tea – to chill!

Es ist ein beliebter Platz für alle, aber richtig voll war es nicht – wahrscheinlich in Erwartung des beginnenden Ramadans. Den Weg nach oben hätte ich lieber zu Fuß gemacht. Einerseits, um endlich mal etwas Bewegung zu haben (ich freue mich schon sehr auf mein Fahrrad), andererseits, um alle paar Meter stehen bleiben und schon wieder was fotografieren zu können. Zum Beispiel den Blick auf den Stausee des Mosul Damm (der eigentlich noch besser wurde – aber man will ja nicht ständig wieder anhalten… schließlich wartete der Sonnenuntergang ja nicht auf uns).

It is a very popular place but it wasn’t crowded – maybe because it was the night when ramadan started. I would have preferred to walk up there, even if it had taken me all afternoon. On the one hand, I was longing for some exercise (I’m really looking forward to having a bike at my disposal again), and on the other hand so that I could stop stop and linger every few meters, taking in the landscape and taking pictures. The view of the lake created by the Mosul Dam for example (which got to be better than this – but I didn’t want to stop and get out all the time … the sunset was not waiting for us to arrive after all).

Das Licht war wirklich ausgefallen: erstens die untergehende Sonne, dann Staub in der Luft – und der Berg war quasi die Wetterscheide zwischen Sonne und Gewitterwolken. Über den Bergen auf der anderen Seite von Dohuk, oder auch dahinter, ging viel Regen nieder und wir konnten die Blitze beobachten.

The light was really unsual: first of all the setting sun, and then lots of dust in the air – and it seemed like the mountain was like a meteorological divide between sun and a thunderstorm. Looking at the mountains on the other side of Dohuk – or maybe even beyond – we saw lots of rain coming down and watched the lightning.

Oben angekommen war die Auswahl an bunten Sitzmöglichkeiten aus Plastik, die auf dem Berg verteilt waren, schier unendlich und Tee gab es zur Genüge. Im Angebot für den schnellen Hunger: Bohneneintopf. Aber den haben wir uns für das nächste Mal aufgehoben. Und was ist ein geruhsamer Abend ohne eine Shisha?

When we reached the top, there were red and green plastic chairs all over the place, ready to welcome us. And of course there was lots of tea! If you are in need of a snack: have some of the bean soup on offer. We skipped it and decided to try that next time. And it wouldn’t be a perfect night without a shisha, would it?

So eine „Luftaufnahme“ könnte ich immer stundenlang begutachten – und in Ermangelung einer Drohne ist so ein netter Ort mit Tee und Gesprächen doch Gold wert. Eigentlich… es muss beides geben – die Gemütlichkeit kann eine Drohne ja gar nicht bieten! Langsam wurde es auch dunkel und die Verkehrsströme deutlicher sichtbar – wie auch das beleuchtete Riesenrad im Mazi Vergnügungspark.

Aerial views are the best, I could spend hours taking in the details – and still not in possession of a drone a nice place like this with tea and talk is the perfect alternative. Actually… it would have to be both: there’s no way a drone could create this kind of „gemutlichkeit“. It slowly got dark and the traffic arteries became clearly visible – as did the brightly lit ferris wheel at the Mazi amusement park.

Direkt gegenüber der goldenen Moscheekuppel liegt übrigens das Büro. Die Moskitos begannen, uns aufzufressen und ein bisschen frisch wurde es auch, und so ging es dann quasi mehrfach gechillt wieder nach Hause.

Our office, by the way, is located right across from that mosque with the golden cupola. The mosquitoes were eating us alive and it got a bit nippy, too, so that we went back home, „chilled“ in more than one meaning of the word.

Barbara

Grünes Kurdistan / Green Kurdistan

Zurück im irakischen Kurdistan – und gerade noch rechtzeitig, um die Gegend mal grün und nicht total ausgetrocknet zu erleben. Dieser Wunsch muss den Wettergott bewegt haben, Mitte Mai noch mit Temperaturen zwischen 20 und 23 Grad daherzukommen, wo hier eigentlich 40 Grad und Klimaanlagen angesagt sind. Einerseits schön, leider geht das aber auch mit täglichem Regen einher, teilweise in solchen Massen, dass dabei auch Leute umgekommen sind. Aber alles mögliche ist hier erntereif oder kurz davor: Zwiebeln, Kartoffeln, Rhabarber… das Getreide scheint auch nicht mehr allzu lange zu brauchen. Ob die Kirschen, die ich gegessen habe, tatsächlich von hier waren, konnte ich nicht ergründen – aber sie waren lecker.

Back in Iraqi Kurdistan – and just in time to see it in green and not totally parched. This wish on my part must have inspired the weather Gods to wreak a little havoc with the weather here: mid May at 20 to 23 degrees C is unheard of when it should be 40 with ACs running 24/7. On the one hand, that’s pretty comfortable, but on the other hand, this comes with lots of rain, sometimes causing flash floods with fatalities. But all kinds of vegetables are (just about) ready for harvesting: onions, potatoes, rhubarb… cereals may need a little longer still. I don’t know whether the cherries I had were from here but they were very good.

Neben der Arbeit spielt wie gesagt das Wetter auch nicht mit (vorzugsweise schüttet es am späten Nachmittag und Abend), so dass ich einen ziemlich kleinen Bewegungsradius habe. Aber selbst auf dem morgendlichen Spaziergang zum Büro kommt man an diversen, oft liebevoll gepflegten Gärten vorbei. Schade nur, dass mein Kurdisch noch nicht für ein Schwätzchen reicht… Am Donnerstagabend, vor dem Wochenende also, war ich auch ein bisschen an, sagen wir mal: Stuttgart erinnert. Vor ausnahmslos jedem Haus wurde gekehrt, die Rinne gesäubert und aufgeräumt. Kein Pardon.

In addition to having to work, the rains, which usually come in the late afternoon and evening, rather limit my excursions. But the morning walk to the office takes me past a few often lovingly looked after gardens. Such a shame that my non-existent Kurdish keeps me from chatting with the owners who are sometimes there as well. On Thursday evening, which is right before the weekend, I was somewhat reminded of, say… Stuttgart [which is known for rigid cleaning traditions]. There was street sweeping and gutter cleaning going on in front of literally every house.

Die Strecke von Erbil nach Dohuk haben wir übrigens auf einem anderen Weg zurückgelegt als noch vor knapp zwei Jahren – da ist mittlerweile eine Brücke rehabilitiert worden. Oder sagen wir so: soweit zusammengeflickt worden, dass man darüber fahren kann. Sie lädt auf jeden Fall zur sogenannten „Brückenpause“ ein, denn auf der einen Fahrbahn sind Stände aufgebaut: Fischverkäufer, Teehäuser und anderes mehr. Die Kollegin warnte mich glücklicherweise früh genug: „Bloß nicht umrühren, sonst kann man den gar nicht mehr trinken!!“ Geschätzte zwei Esslöffel Zucker auf einen großen Schluck Tee.

We went from Erbil to Dohuk on another road than when I was here last almost two years ago – in the meantime, a bridge has been rehabilitated. Or let’s put it this way: patched together to make it somewhat passable. Anyhow, it is a welcome stop for what has come to be called the „bridge break“, as one lane serves as a service area with tea houses, a fish shop and others. My colleague luckily wanred me in time: „Do not – under no circumstances! – stir or you really can’t drink that tea!“ It must have been about two table spoons of sugar in not much more than one large sip of tea.

Nun haltet einen Moment inne und stellt euch noch vor, dass euch – nicht hier, aber an anderer Stelle – zu diesem Tee noch folgendes Dessert-Buffet präsentiert wird. Ich höre meine Zähne quasi schreien – bzw. die Bauchspeicheldrüse „Insulin! Insulin! Mehr Insulin!“ japsen.

Now pause for a moment and imagine that you will be offered – not here, but other places – a dessert buffet like the following to go with that tea. I can practically hear my teeth scream – or the pancreas gasping „Insulin! Insulin! More insulin!“

Aber vielleicht wird es auch gerade ein bisschen spät… Gute Nacht und bis bald aus Kurdistan!

But maybe it is just getting a little late… Good night and bye for now from Kurdistan!

Barbara

A Day in… the Watersheds of Zerafshon Basin


In Sarvoda, einer ehemals modernen Bergbausiedlung mit Wohnblöcken, Heizkraftwerk und Kino, biegen wir von der M34 ab und machen uns auf in das erste von insgesamt sieben Wassereinzugsgebieten, die im Rahmen eines ehrgeizigen Projekts von fünf Hilfsorganisationen betreut werden: Pasrud. Es geht dabei um nachhaltige Bewirtschaftung und Schutz natürlicher Ressourcen und Wasservorkommen in den oberen Einzugsgebieten des Zerafshon. Das soll – ganz grundsätzlich gesagt – passieren durch eine Sicherung der Lebensgrundlage für die Bevölkerung in diesen Gebieten (etwa 70.000 Menschen): nachhaltige Armutsreduzierung durch bewussten Umgang mit den Ressourcen bei verbesserter Ernährungssituation.

We take a turn off M34 in Sarvoda, a formerly modern mining settlement with housing blocks, heating plant and movie theater, towards one of a total of seven water catchments which are managed as part of an ambitious project of a consortium of five non-governmental organizations: Pasrud. It’s all about protection and sustainable management of water and natural resources in the upper catchments of the Zerafshon basin. This is supposed to happen – to sum it up – via a stabilization of livelihoods of the population (about 70,000) through sustainable poverty reduction via conservative utilization of the resources for an improved food and nutrition security.

Bergbau? fragt man sich… Unter anderem Steinkohle, die Flöze liegen teilweise direkt an der Oberfläche. Fotografisch festgehalten habe ich nur kleinere Anlagen, die teilweise unglaublich an steile Felswände „geklatscht“ scheinen. Aber es gibt auch Abbau im großen Stil, was auf dem Weg nach Dushanbe, auf dem sich ein Kohle-beladener LKW an den anderen reiht, nicht zu übersehen ist.

Mining? one wonders… Hard coal, among others, with the beds to been seen protruding from the mountains in places. I managed to take pictures only of the smaller enterprises which were often precariously situated, seemingly „glued“ to steep mountain sides. But there is large-scale mining, too, which you can’t miss going back to Dushanbe where all you seem to be doing is pass one coal truck after the next.

Doch zurück zum Thema… aber eigentlich ist es Teil des Themas, wenn du bei der Trinkwasserversorgung einer Ortschaft feststellen musst, dass der eigentlich vorgesehene Fluss dafür nicht in Frage kommt, da schwerst belastet durch Einleitungen einer Goldmine. Und auch wenn sich alles ums Wasser dreht, geht es in diesem ersten besuchten Einzugsgebiet erstmal nur indirekt um Wasser: Testfelder anhand derer man rausfinden möchte, wie sich die Qualität der Weideflächen verbessern lässt. Mehr Gras und variantenreicheres, so dass man größere und gesündere Herden halten kann. Von der Maßzahl „Großvieheinheit pro Hektar“ sollte man sich nicht verwirren lassen: hier oben (wir kamen bis etwa 2.300 m) sind wohl eher Schafe das Vieh der Wahl. Außerdem gibt es Testflächen, die mit Terrassierungen, dem Anbau trockenresistenter Büsche und Scheibenpflugtechniken experimentieren. Der Weg war ziemlich belebt mit bepackten Eseln, die natürlichen Dünger aus den Orten zu den Feldern transportiert haben. Wie so ziemlich alles hier eine langwierge Arbeit.

But let’s return to the subject… but actually, the mining is also part of it if you’re trying to figure out how to set up a drinking water supply for a village and find out that you can’t use the river you thought to use because it’s polluted by the gold mine upstream. Even if all is about water here, I get to see activities in this catchment that are at first sight only indirectly related to water: demo plots on which tests are being run to find out how to improve pasture quality. The goal is to find a way to grow more grass and more varied pasture in order to be able to have larger and healthier herds. If you want to phrase it more academically, you speak about „livestock units per hectare“. We reached about 2,300 m and not that far below there were more demo plots experimenting with banking, cultivation of drought resistant bushes and low-tillage techniques. The „road“ was pretty busy with donkeys carrying sacks of natural fertilizer from the village to the fields. A time-consuming and tiring work, like so many here.

Ja, ich konnte mich mit den Fotos nur ganz schwer entscheiden! Neben vielen anderen Dingen kann einen die Landschaft hier, in mehrfacher Hinsicht und im positiven Sinn, fertig machen: Hochgebirge an sich, mit atemberaubenden Felsformationen, die nach jeder Kurve wieder komplett anders aussehen und an mancher Stelle ein wahnsinniges Farbspektakel bieten. Hier kann man, wenn man mit der Höhe umgehen kann, wunderbar wandern. Die kleinen Orte sind auch, in bescheidenem Maße, auf Touristen eingestellt und bieten Homestays an. Eine Wanderkarte gibt es auch. Lust?

Yes, I had a hard time deciding which pictures to include. This landscape can really be too much (in a positive sense) on many levels: high mountains, breathtaking rock formations and a completely different look every time you turn a corner and sometimes the colors are almost too much to take in. If you can handle the altitude, this is a hiker’s heaven. You can get a map with hiking trails. The villages are prepared for tourists, too, and offer home stays. Wanna try?

Weiter geht’s zum Madm-Tal, wo es riesige Aprikosenhaine gibt, kurz vor der Blüte. Ich bin vielleicht zwei Wochen zu früh dran – es muss ganz wunderbar aussehen. Alles, was da so rot wirkt an den Bäumen, sind die Knospen. Hier gibt’s wieder ein Testfeld zu begutachten: Anbau von Obstbäumen mit Wasserversorgung. Ein Tank oberhalb des Testsfelds wird durch eine solarbetriebene Pumpe versorgt, so dass auch in den Sommermonaten, nach der Ernte, gegossen werden kann. Die Wasserversorgung dann ist wichtig, damit die Bäume quasi in der Vorbereitung auf die nächste Saison nicht in Stress geraten. Dazu gibt es Trainings im Pflanzen und Obstbaumschnitt, damit auch in dieser Hinsicht das beste rausgeholt werden kann. Dazu kommt, dass die bestehenden Aprikosenbäume schon viel Totholz aufweisen und dann gelegentlich auch mal ersetzt werden sollten.

On we go to the Madm valley, to large apricot groves, about to bloom. I’m maybe two weeks early – it must be an amazing sight. Everything that looks red on the trees are buds getting ready to bloom. There’s another demo plot here: cultivation of fruit trees with water management. A tank higher up on the hill is filled with the help of solar-powered pumps so that the trees can be watered in the summer months, too, after the harvest. It’s important to have water around then as well so that the trees don’t get stressed in preparation for the next season. Add to that training in planting and pruning and things look good for a higher yield. The old apricot trees feature a lot of deadwood already and should be replaced at some point in the not too far future.

Im langsam weniger werdenden Tageslicht war Kum der letzte Anlaufpunkt, wo wir uns die Uferbefestigung des Kum mit Gabionen (diese steingefüllten „Käfige“) angeguckt haben. Als Gartenbauelement finde ich die immer ziemlich fragwürdig bis geschmacklos, aber hier sind sie offenbar am richtigen Platz. Die Dorfgemeinschaft wies außerdem darauf hin, dass eine neue Brücke vielleicht auch mal eine Maßnahme wäre. Könnte man drüber nachdenken, aber da sollte erstmal geklärt werden, ob sie die notwendige Eigenbeteiligung stemmen können.

In the fading daylight we reached Kum where we had a quick look at the bank reinforcement by way of gabions (those „cages“ filled with rocks). I always find them a spectacularly bad choice in landscape gardening but here they seem to be in the right spot. The community took the opportunity to mention that a new bridge could be a helpful measure as well. That could be taken into consideration but the community would need to discuss how to make sure they can offer the financial contribution that would be expected of them.

Das war nur ein kleiner Einblick in einen sehr vielfältigen Korb an Maßnahmen und Aktivitäten. Da wären u.a. noch Latrinen-/Toilettenbau, Kanalrehabilitation, die Unterstützung von Frauengruppen, Saatzuschüsse, die Bildung von Gesellschaften zur Organisation der Wassernutzung, Vermarktung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Trainings, Trainings, Trainings. Aber damit muss hier Schluss sein – Glückwunsch an alle, die bis hierher gekommen sind!

This was just a glimpse into a very varied „basket“ of measures and activities. Add to that the construction of latrines/toilets, canal rehabilitation, the support of women’s groups, grants for seed purchases, the formation of water user associations, marketing of agricultural produce and trainings, trainings, trainings. But this just has to be the end of it – congrats to all who made it this far!

Barbara

On the Road in… TAJIKISTAN


Bei meinem Besuch bin ich auch ein bisschen aus der Hauptstadt rausgekommen: bis Ayni, ca. zweieinhalb Autostunden nördlich von Dushanbe. Es wird dann schnell gebirgig und am Vorabend gab es eine Lawinenwarnung. Morgens jedoch konnten wir los, es gab keine weiteren Meldungen. Die erreichte uns dann aber nach etwa 45 Minuten: Straße gesperrt wegen eines Lawinenabgangs einige Kilometer weiter. Die Gerüchteküche reichte von 10 bis 100 Meter Schneemassen. Also erstmal Pause in einer Art „Raststättenort“ beim Nationalgericht Ploff (oder wie immer man das schreibt) und Schwarztee mit Zitrone. Und einmal angehalten, wurden auch die gut geführten Örtlichkeiten in Anspruch genommen.

My visit to Tajikistan finally brought me out of the capital, too: to Ayni, about two and a half hours north of Dushanbe. Very soon the landscape becomes really mountainous and on the eve of our departure we received warning messages about possible avalanches. But in the morning, there were no more bad news so we started on our way. We were on the road for only about 45 minutes when we were stopped abruptly: the road was closed… due to an avalanche quite a few kilometers further up the road. Rumor had it it was 10 meters. Or 100 meters, depending on who you talked to. So we decided to have a very early lunch of ploff (or however you would spell that) and black tea with lemon in a little village that catered to travelers. It also offered a well-run public restroom.

Das Restaurant war sehr gut besucht – alle mussten ja warten. Aber plötzlich waren wir als einzige übrig. Irgendwer hatte offenbar die Nachricht erhalten, dass die Straße wieder auf sei und schwupps waren die ganzen Trucker wieder unterwegs. Und wir dann auch.

The restaurant was almost full – everybody had to wait somewhere after all. But all of a sudden we were the only ones left. Somebody had recived the message that the road was open again and just like that everybody was behind their steering wheels again. And so were we.

Die Fahrt brachte uns auch durch den 5km langen „Tunnel des Todes“, eine bis vor kurzem vollkommen unbeleuchtete, unbelüftete, dafür nasse Angelegenheit mit Schlaglöchern. Nun gibt es Licht, aber auch nicht immer, wie ich auf der Rückfahrt feststellen konnte… was allerdings einen Fahrer trotz nicht vorhandenen Lichts auch an seinem Auto nicht davon abhalten konnte, trotzdem durch zu fahren, sozusagen auf Gefühl, meist mittig und immerhin mit Warnblinklicht. Die Belüftung fehlt weiter – dagegen wirkt so manches Feinstaubproblem irgendwie fimschig.

As part of the trip we also had to pass the „Tunnel of Death“, a rather wet, unlit, unventilated and pothole-pocked affair. Now there’s light but then not always, either, as I noticed on the way back… minor detail for a driver whose head- and taillights were broken to happily drive right into it, literally feeling his way around, mostly in the center of the tunnel, trusting the hazard lights would take him through it. The ventilation is still missing – and discussion in our parts about particulate matters seem almost ridiculous in comparison.

Eine überraschende Entdeckung war, dass der Opel der Toyota Tajikistans ist – es muss das Land mit der höchsten Opel-Dichte weltweit sein, wie auch immer es dazu kommen konnte. Neben den Autos wurde gleich das Motto mitgeliefert: „Opel fahrn is‘ wie wennze fliechs“… es gab die abenteuerlichsten Manöver. Und Opel-Witze gibt es auch: Fragt ein Mädchen seinen Freund: „Hast du ein Auto?“ – „Nein,“ antwortet der. Das Mädchen ist sichtlich enttäuscht, gibt aber nicht auf und fragt: „Hast du denn vielleicht einen Opel?“

I was very surprised to see that apparently Opel is the Toyota of Tajikistan – it must be the country with the highest Opel density worldwide. I wonder how that could have happened. Anyhow, the cars came equipped with the motto for which they are known in Germany: „Driving Opel feels like flying“ – I witnessed quite a few hair-raising maneuvers. And there are Opel jokes, too: A girl asked her boyfriend: „Do you have a car?“ – „No,“ he answers and the girl has a hard time hiding her disappointment but continues: „Then do you maybe have an Opel?“

Immer auf der Suche nach neuen Methoden bin ich mehrfach auf einen Recycling-Ansatz im Brückenbau gestoßen:

Always on the look-out for new methods I came across a recycling approach in bridge construction:

Es gibt immer und überall so viel zu sehen. Aber nun erstmal: auf bald!

There’s always so much to see all over the place. But for now: take care!

Barbara

P.S.: Auf youtube gibt es eine Menge zum Tunnel of Death vor der „Sanierung“, hier ein Beispiel:

P.S.: There are tons of youtube videos about the Tunnel of Death before its rehabilitation, this is just one example:

A Lunch Break in… DUSHANBE!


Das ist mir auch noch nicht oft untergekommen – oder überhaupt? – wenn die Lokalität für die Mittagspause eine Sehenswürdigkeit ist: das Teehaus Rohat in Dushanbe. Auf manchen Seiten wird es als „ancient“ beschrieben, aber das scheint wohl nicht der Fall zu sein, jedenfalls nicht der zur Straße gewandte Teil mit den weißen Säulen und Deckengemälden… da konnte man ein „1980“ ausmachen.

It was a first for me to have a lunchbreak at a must-see landmark – the Rohat tea house in Dushanbe. Some sources call it „ancient“ but I don’t think that’s the case. Or at least it doesn’t seem to be the case for the part that is facing the street, featuring large white pillars and ceiling paintings… one of the latter included a „1980“.

Aber der hintere Teil gefällt mir auch besser – für Farben bin ich ja immer zu haben! Die Kassettendecke, wenn man sie so nennen kann, hat es mir besonders angetan. Es ist wohl die Rede davon, dass auch dieses Gebäude platt gemacht werden soll. Ich habe verlauten lassen, dass ich dann einen Teil der Decke nehmen würde. Die käme sicher auch in meinem Wohnzimmer gut!

But I like the part in back better – I’m all for colorful surroundings! The coffered ceiling, if that is what it’s called, really piqued my interest. Apparently, there’s talk about the demolition of this building as well. I’m ready to take one section of it. I’m sure it would work wonderfully in my living room!


Apropos Mittagspause. Apropos Essen. Das ist wieder genau das richtige für mich hier. Alles sehr lecker und auch mit Ausflügen in die ukrainische und georgische Küche.

Talking about lunch breaks. Talking about food. Tajikistan is just right for me. Everything is very delicious and I’ve also enjoyed excursions to the Ukrainian and Georgian cuisine.

Es wurde mir dann auch bald klar, warum im Hotelbadezimmer eine Personenwaage war. Nein, ich habe sie nicht benutzt – bin ich wahnsinnig?! Bis bald!

It didn’t take long for me then to realize why there were bathroom scales in my hotel room. No, I didn’t use them – I’m not that crazy!! Take care!

Barbara

Another afternoon in… DUSHANBE!


Das wunderbare Wetter bleibt uns hold und so ging es einen weiteren Nachmittag raus: in den Siegespark oberhalb von Dushanbe. Aus dem Gewimmel der Stadt fährt man nur wenige Minuten, bald in einem Park, den Berg hinauf und kommt an der Seilbahnstation an. Die ist zwar seit Jahren nicht mehr in Nutzung, aber die Gondeln kann man noch bewundern.

The gorgeous weather is still with us and so we spent another afternoon outdoors and went up to the Victory Park, above Dushanbe. It’s only a few minutes‘ ride from the city center, going uphill through a park and reaching the funicular on the top. It hasn’t been used in years but you can still marvel at the godolas.

Wenige Schritte weiter begibt man sich abseits der wenigen Menschen hier oben und kann sich auf einen schier unendlichen Spaziergang durch die Hügel machen.

Walk a few steps to the side and soon you’ll be by yourself and can start out on a seemingly endless stroll through the hills.

Die ersten Bäume erblühen in voller Pracht und mit der richtigen Begleitung findet man auch raus, was es mit diesen komischen „haarigen“ Bällchen am Hagebuttenstrauch auf sich hat: es sind Gallwespen… momentan sind in den Bällchen noch die Larven, aber das wird nicht mehr lange dauern, dann brechen sie aus.

The first trees are in bloom and when you explore places with the right people you will also find out what these weird „hairy“ balls are hanging on the dog rose: they are gall wasps… currently they are still larvae but pretty soon they’ll be out and about.

Diese Hügel sind zum großen Teil Friedhof, Gräber, soweit das Auge reicht. Ich bin nicht sicher, ob es sich um einen Friedhof handelt oder um mehrere – es geht auf jeden Fall eins ins andere über.

Quite a lot of these hills are a cemetery, graves as far as you can see. I’m not sure whether this is actually one cemetery or several ones – there’s no break in the use.

Angefangen mit orthodoxen Gräbern, die vielfach nur mit dem typischen Kreuz gekennzeichnet waren…

The way we reached it, it started with orthodox graves, often simply marked with the characteristic cross…

… dann auch schickere und kürzlich gepflegte – oft mit einer kleinen Bank und einem Tischchen versehen – für die Besucher.

… but then also more fancy ones that have recently been taken care of – and often with a little bench and a table – for the visitors.

Teilweise hatte man den Eindruck, dass man stilistisch durch die Jahrzehnte wanderte – oder vielleicht auch ideologisch?

Sometimes I felt we were walking through decades of different styles – or maybe also different ideologies?

Dann auch wieder einfach irgendwie protzig:

Some were more on the showy side:

Allein von den Zäunen hätte ich ca. 2000 Fotos machen können (und sowieso: ich hätte den ganzen Tag hier verbringen können, auch mal abbiegen vom Hauptweg):

The fences alone could have yielded about 2000 pictures (and anyhow: I could have spent a whole day here, deviating from the main path here and there):

Irgendwann wurde es ganz erstaunlich – nicht nur, was diese Mozartfrisur angeht (kann die wirklich echt gewesen sein?) – sondern ganz oben links auf dem Grabstein: ein Kreuz in einem Davidstern. Bedeutet das was bestimmtes?

At some point things got really unusual – not only when it comes to this Mozart hairdo (can this have been an actual hairstyle?) – but check out that upper left corner: a cross inside a Star of David. Does that mean anything particular?

Der Anteil der jüdischen Gräber stieg stetig und dann gab es einen (und später noch einen) offiziellen jüdischen Fiedhof, der vom Rest abgezäunt war und einen Wachmann hatte. Der ließ uns gerne eintreten.

The share of Jewish graves got bigger and bigger and then we reached an „official“ Jewish cemetery (and later another), that was fenced off from the rest and also had a guard. He was happy to let us in to have a look.

Und beim Blick auf all die „Sitzecken“…

And when thinking about all these places to rest…

… entschieden wir, dass es an der Zeit sei, was zu essen. Doch dazu ein anderes Mal mehr. Gute Nacht!

… we decided it was time to grab a bite. But more about that some other time. Good night!

Barbara

An Afternoon in… DUSHANBE!


Nach knapp dreizehn Jahren zurück in Zentralasien… schlug es mich, als ich morgens um 4 Uhr in Duschanbe aus dem Flieger stieg. Und es brach einfach nur die schiere Freude aus. Vielleicht war es aber auch die Übermüdung. Doch das Gefühl ist geblieben. Ich würde am liebsten sofort eine mehrmonatige Reise durch Tajikistan, Kirgistan, Usbekisten und andere antreten. Eigentlich auch und besonders Afghanistan, aber das ist ja keine Option, auch wenn die Bundesregierung unglaubhaft zu vermitteln versucht, dass dort alles zum besten steht.

After thirteen years I’m finally back in Central Asia… it hit me when I got off the plane in Dushanbe at 4 a.m. I was downright ecstatic. Or maybe it was sheer exhaustion. But the feeling is still there. I’m ready to go on a multi-month trip through Tajikistan, Kyrgysztan, Usbekistan and others. Especially Afghanistan of course but that is no option – no matter what the German government tries to make people believe.

Was Robinson Crusoe sein Freitag, ist mir derzeit mein Montag. Dushanbe heißt wörtlich „zwei Samstag“, also der zweite Tag nach Samstag… der Montag. Und da fand hier, als das noch ein Flecken war, immer der Markt statt. Wie auch immer: ich bin zwar im Stockdunkeln angekommen, aber das interaktive 3D-Kartenwerk an Bord war fantastisch. Dushanbe liegt in einer Talsohle, auf 800 mNN im Hissartal. Das Wetter ist derzeit kaum zu übertreffen und morgens sieht der Blick aus meinem Hotelzimmer so aus:

What Friday was to Robinson Crusoe, Monday is to me. Dushanbe literally means „two Saturday“, meaning the second day after Saturday… Monday. That was market day at the time when this was just a place of a couple dozen houses or so. Anyhow: it may have been pitch-black when I got here but the interactive 3D-map software onboard was fantastic. Dushanbe is located on 800m above sea level in the Hissar Valley. The weather is gorgeous these days and when I look out the window of my hotel room in the mroning, that’s the view:

Stadtgeografisch geht hier gerade der Punk ab und ich frage mich jetzt schon, warum ich an diesen dienstlichen Aufenthalt nicht noch ein paar Tage drangehängt habe, um mal Zeit zu haben, hier so richtig durch die Gegend zu strolchen. Ich lasse da mal den Architekturführer Dushanbe von Edda Schlager sprechen: „[…] nirgends in Zentralasien ist so deutlich zu sehen, wie sozialistische Pläne urbanen Raum schufen – und scheiterten. Fernab von Moskau geriet hier selbst der Stalin-Stil weniger gewaltig, die Sowjetmoderne avantgardistischer als anderswo. Seit 25 Jahren entsteht nun eine neue, von Gigantismus beherrschte Architektur, die sich der älteren Baugeschichte – und Identität – konsequent zu entledigen sucht. Dutzende historischer Bauten sind bereits verschwunden oder akut vom Abriss bedroht.“ Für den Grünen Basar kam ich acht Wochen zu spät – wo der einst stand, ist nun nur noch ein riesiger Acker, der sicher bald ein weiteres Exemplar der Marke Gigantismus beherbergen wird.

I was taken by surprise to find out that this place makes an urban geographer’s heart beat harder and already regret that I haven’t added a few days to this business trip in order to have time to really have a look at this place. Even though there’s a lot of sadness involved – but let me translate a section of the Architectural Guide to Dushanbe bei Edda Schlager (check this out, they have English-language books/guides as well): „Nowhere else in Central Asia is it as easily discernible how socialist plans created urban space – and failed. Far away from Moscow even the Stalinist style was less gigantic, the Soviet modernity more vanguard than elsewhere. A new architecture, driven by gigantism, is trying to rid the city of its older building history – and identity. Dozens of historic buildings have already disappeared or are currently scheduled for demolition.“ I was eight weeks too late to see the Green Bazar – there is now only a huge field that will very likely soon host another specimen of the gigantic kind.

Green Bazar as seen on http://www.alaya-reisen.de

Sieht man an allem das Positive, dann… ist es doch schön, dass Dushanbe jetzt beispielsweise seine Twin Towers hat, mit Penthouses, die dem ganzen den Charme von Cupcakes geben.

Seeing the positive in everything… don’t you think it’s nice that Dushanbe now has its Twin Towers, with penthouses that make them look like cupcakes, somehow? Or is it only me?

Das Ganze ist aber auch nicht so einfach. Hier hat von 1992-1997 ein furchtbarer Bürgerkrieg getobt und man versucht nun, „nation building“ zu schaffen: die verschiedenen Bevölkerungsgruppen unter einer Identität zu vereinen. Und da musst du einiges überwinden. Von 1929 bis zur Auflösung der Sowjetunion die Tadschikische Sozialistische Sowjetrepublik, in der Dushanbe lange wenig schmeichelhaft als Stalinabad firmiert hat, so ziemlich direkt nach der Unabhängigkeit vom Bürgerkrieg geschüttelt, ist Tajikistan nun das Armenhaus Zentralasiens. Dass ein Ansatz sein kann, sich vom sowjetischen Teil der Geschichte verabschieden zu wollen, kann man ja erstmal so stehen lassen. Aber vielleicht wird dabei übersehen, dass die in der sowjetisch geprägten Zeit entstandenen Bauten vielleicht mittlerweile schon ziemlich identitässtiftenden Charakter haben?

But then things are anything but easy here. A civil war raged in Tajikistan from 1992-1997 and a lot of this is about nation building: to try and unite different ethnic groups under one identity. And there’s a lot to overcome. From 1929 up until the end of the Soviet Union, Tajikistan was the Tajik Socalist Soviet Republic, and Dushanbe for a lot of that time unflatteringly called Stalinabad – and went into civil war practically right after independence. Today, you will often see it referred to as the poorhouse of Central Asia. I can understand – to some degree at least – that you would like to forget about the Soviet part of that history. But maybe it’s being overlooked that the buildings of the Soviet era have themselves been identity-forming?

Jetzt bezieht sich alles auf Somonji als Vater der Nation: den Samanidenherrscher Ismail I. (849-907), dem man hier nicht nur monument-technisch nicht entkommen kann (siehen oben). Die Währung ist der Somoni und es gibt noch viele weitere Bezüge, so bspw. Somon Air, die dich non-stop von Frankfurt nach Dushanbe bringt. Und da man es in dieser Gegend sehr mit den Poeten hat, ist der Dichter und Musiker Rudaki (859-940/41) auch ganz groß – nicht nur im Rudaki-Park (unten), sondern auch als Namensgeber für den Rudaki Prospekt, die große Prachtallee. Mögen die schattenspendenden Bäume den Wandel unbeschadet überstehen.

Nowadays,the focus is on Somonji as nation-builder: the Samanid ruler Ismail I. (849-907) who you can’t escape from here, monument-wise or other (see above). The currency is called Somoni and there are countless other references, e.g. Somon Air which will fly you from Frankfurt to Dushanbe. And because poets are big in these tracts, the poet and musician Rudaki (859-940/41) is another important figure – not only in Rudaki Park (below) but Rudaki Propekt, a large, tree-lined boulevard is named after him. Keep your fingers crossed that the wonderful trees will all survive the change.

Es gibt aber auch die kleinen Kostbarkeiten, die man fast übersieht. Da ist zum Beispiel diese Statue, auf die ich von hinten zukam – und wegen der schönen Verzierungen schon aus dieser Perspektive ganz verzückt war. Aber man kann sie ganz einfach übersehen, steht sie doch gerade mal einen Zebrastreifen entfernt von den Twin Towers.

But there are small treasures, too – treasures that you almost don’t notice. There’s this statue for example, that I walked towards from behind, and was fascinated based on that perspective already, seeing the beautiful floral patterns all over. But it’s really very easy to miss it, especially as it’s only a zebra crossing away from the Twin Towers.

Für Tajikistan wurde in 2018 das Jahr des Tourismus ausgerufen und es scheint ihnen ernst zu sein. Die Einreise war vollkommen stressfrei (was sonst nicht unbedingt der Fall gewesen sein muss) und hier werden die ganz großen Geschütze aufgefahren:

Tajikistan has declared 2018 to be the year of tourism and they seem to be serious. Immigration was a piece of cake (which apparently was usually not like that at all) and they’re going all out for it:

Doch nun… gute Nacht!

With this… good night!

Barbara