Briefe für die Mutti / Letters to Mom

Wie der geneigte Leser dieses Blogs im vergangenen Jahr verfolgt hat, habe ich viel Zeit und Energie unter anderem in das Ausräumen und Re-Organisieren meines Elternhauses gesteckt. Dabei stolpert man über so manches, einiges kommt in den Müll, vieles auf den nun wieder wachsenden Dauerflohmarkt – und hier und da gibt es etwas, das, zumindest emotional, in den Tresor kommt. So auch die „Briefe an die Mutti“, wobei es sich nicht um Korrespondenz mit der Kanzlerin handelt.

As a loyal follower of this blog you are aware that I have spent a lot of time and energy last year clearing and re-organizing my childhood home. Doing this, I came across all kinds of things, some go right to the bin, a lot ends up on my growing in-house yard sale (is that a contradiction in terms?) – and a few things find their way to the safe. Emotionally speaking at least. One of these are the „Letters to Mom“.

Dabei handelt es sich um eine Sammlung von Briefen, die mein Großvater Karl aus der über dreijährigen Kriegsgefangenschaft geschrieben hat. Nicht, wie der Titel vermuten lassen würde, an seine Mutter, sondern ein bisschen verstörenderweise an seine Frau Josefine, meine „Oma Finchen“. Es ist ein Heft, wie sie in der Schule benutzt wurden und werden und es ist nicht mehr zu klären, ob er noch in der Gefangenschaft eine Kopie angefertigt hat, oder die Briefe nach seiner Rückkehr nochmal abgeschrieben hat. Ich vermute ersteres, denn wenn ich alle Briefe zuhause finde, kann ich die auch einfach aufbewahren? Kein Originalbrief ist vorhanden.

It’s a collection of letters which my Grandfather Karl wrote while being detained as a prisoner of war for more than three years. Not, as the title makes you think, to his mother, but a little weirdly to his wife Josefine, my „Grandma Finchen“. It’s a notebook like they were and still are being used in school and I couldn’t find out whether he actually copied all his letters while being POW already or whether he copied them when he returned home. The former seems more likely – because wouldn’t you just keep the letters if they were around? But I didn’t find a single original.

Mein Großvater hat nie wirklich über den Krieg oder die Gefangenschaft gesprochen. In meiner Erinnerung wurde es zum ersten Mal Thema, als ich 1991 in den Sommerferien mit dem VdK drei Wochen „Kriegsgräber schrubbend“ verbringen wollte. Im Prinzip war mir total egal wo, Hauptsache billig möglichst weit weg, und irgendwie hörte sich Russland spannend an. Das hat ihm gar nicht gefallen und ich habe ihn zum ersten und letzten Mal mir gegenüber laut erlebt. Letztlich habe ich mich für La Cambe in der Normandie entschieden. Als es dann 1994 als Au Pair in die USA ging, fand er das gut, und erzählte von seinem ersten Frühstück mit Cornflakes und wie fasziniert er von einem Zahnarztbesuch war (es hörte sich für mich wie Fließbandabfertigung in einem Flugzeughangar an, aber es hat ihn nachhaltig beeindruckt).

My Grandfather never really talked about the war or his detention. I first remember it when in 1991 I planned to go „scrub war graves“ for three weeks with the German organization that takes care of all war cemeteries worldwide. I didn’t really care where as long as I could get as far away as possible for as little money as possible and thought Russia sounded satisfactorily exotic. He didn’t like that idea at all and it was the first and last time that his voice ever rose while talking to me. I ended up going to La Cambe, Normandy. When I went to the US as an Au Pair in 1994, he was all excited and talked about having cornflakes for breakfast and how fascinated he was from a visit to the dentist (which to me sounded like a mass processing in some hangar but apparently it had left a lasting impression).

Quelle / Source: VdK

Der erste Brief an Finchen ist datiert am 16.11.1944. Nach Auskunft des Bundesarchivs, das ich im März 2019 kontaktiert hatte, um mehr über diese Zeit im Leben meines Großvaters herauszufinden, wurde er allerdings bereits am 15.08.1944 in St. Tropez gefangengenommen. Kurz bevor das passierte, hatte er wohl das letzte Lebenszeichen von Finchen bekommen. Er teilt ihr Mitte November also mit, er sei „bei bestem Wohlergehen“ und dass

man sich gut pflegen und gesund erhalten kann. Ich betreibe viel Sport. Diese Betätigung hat mir ja schon immer zugesagt. Und dann lese ich viel.

Ferner kann man noch viel für seine Weiterbildung tun. Ein regelrechter Schulbetrieb ist aufgebaut, die verschiedensten Sachen werden gelehrt. Letztenendes sollen wir hier ja nicht verdummen, sondern demnächst gestärkt an Herz und Seele und Verstand in die Heimat zurückkehren.

The first letter to Finchen is dated November 16, 1944. I had contacted the Bundesarchiv in March 2019 to find out more about this time in the life of my Grandfather, and according to their records, he was detained in St. Tropez / France on August 15, 1944 already. Shortly before that happened, he last heard from Finchen. Now, four months on, he lets her know that he is „doing very well“ and that

one can take good care of oneself and keep healthy here. I do a lot of sports. I have always liked that. And then I read a lot.

Furthermore, we can work on our education. It’s like a real school here, all kinds of subjects are taught. We are supposed to return home with a healthy heart and soul and mind.

Zuallererst bin ich über den Kommentar gestolpert, dass er immer schon viel Sport getrieben hat, denn ich habe ihn nur als ewig Kreuzworträtsel lösend, den Kicker lesend, Zigarren Kette schmauchend und etwas unsicher auf den Beinen erlebt. Und auch lange vor meiner Zeit aufgenommene Bilder zeigen ihn eher am Spielfeldrand als darauf.  Doch dass man es als Kriegsgefangener in der USA (davon gab es 370.000 – von insgesamt 3 Millionen, die aber zum größten Teil in amerikanischen Lagern in Europa festgehalten wurden) eigentlich ganz gut aushalten konnte, ist ein Fakt. Zu Zeiten, wo die Genfer Konvention halt noch was wert war. Beim Deutschlandfunk Nova gibt es einen interessanten Podcast dazu, Beste Feinde. In welchem der 700 Camps auf amerikanischem Boden er allerdings genau war, weiß ich nicht. Im Brief vom 30. November 1944 ist der einzige Hinweis: „Die Gegend, in der ich mich befinde, ist eine Hochlandsteppe, 1.200m hoch. Das Wort Steppe besagt ja alles.“

I paused when I read that he had always been a very active sportsman. Because I remember him forever solving crosswords, reading Kicker (a soccer magazine), smoking cigars non-stop and being slightly shaky on his legs. And pictures taken of him long before I came into being also show him on the stands rather than on the playing field. But I found out it’s a well-known fact that as POW in the US you had sort of hit the jackpot. (There were about 370,000 of them of a total of 3 million in American custody but most of them were held in camps spread across Europe). I guess that was when the Geneva Convention was still widely recognized as being a sensible “invention”. Anyhow, there’s only a vague clue as to the location of his camp (one of about 700 on American soil) in his letter of November 30, 1944: “The area where I am now is a highland steppe, 1,200 m high. The word steppe says it all.“

Quelle / Source: Wikipedia

Es gibt noch viele weitere Briefe, aber für heute soll es mal gut sein. Mal sehen, wann die Fortsetzung folgt… 2020 macht leider so weiter, wie 2019 aufgehört hat. Einen schönen Restsonntag euch und hoffentlich auf bald!

There are many more letters but I have to let you go for today. To be continued at some point… unfortunately, 2020 has started in the same fashion that 2019 ended. Have a nice Sunday and hopefully „see you“ soon!

Barbara

Two Weeks in… PUMPKIN LAND


Ich liebe Kürbisse. Als Deko – aber auch zum Essen. Und das konnte ich ausgiebig tun, es war der helle Wahnsinn.

I love pumpkins. As decoration – and as a food. And eat it I did – it was incredible.

Kürbisdonuts. Kürbismuffins. Kürbisscones. Kürbisbrot. Kürbismüsli. Kürbiseis (verschiedene, aber das mit Abstand beste bei Johnny Gelato in Ridgefield, CT). Kürbislasagne. Pumpkin Pie. Kürbiskuchen. Kürbisravioli (die hießen eigentlich Harvest Ravioli, mit roter Birne, Cranberries und Kürbiskernen in The Fox and Hound in Quincy, MA). Kürbis im Sandwich. Es war ein wahres Kürbisgelage!

Pumpkin Donuts. Pumpkin Muffins. Pumpkin Scones. Pumpkin Bread. Pumpkin Muesli. Pumpkin Ice-Cream (several, but the very best at Johnny Gelato in Ridgefield, CT). Pumpkin Lasagna (okay, it was butternut squash, but close enough!). Pumpkin Pie. Pumpkin Cake. Pumpkin Ravioli (called harvest ravioli, with red pear, cranberries and pumpkin seeds at The Fox and Hound in Quincy, MA). Sandwiches with pumpkin. It was a pumpkin binge!

Und Halloween auch schon an fast jeder Ecke…

And Halloween already cast its shadow, too…

Barbara

An Afternoon at the… ARNOLD ARBORETUM


Es ist schwer zu glauben: nach meinem AuPair-Jahr war ich vor diesem Urlaub bereits sieben mal wieder in Boston – und habe es NIE ins Arnold Arboretum geschafft. Ich habe keine Ahnung, was da schief gelaufen ist. Bei meiner Vorliebe für Botanische Gärten und ähnliches sollte man meinen, es wäre jedes Mal auf’s neue ein Anlaufpunkt. Aber jetzt war es soweit.

It’s hard to believe: I had already returned to Boston seven times after my AuPair stay – and had never made it to the Arnold Arboretum. I have no clue how that could have happened, seeing how much I enjoy botanical gardens and the like, you would have thought I hadn’t only visited it long ago but kept returning to it. But now it finally happened.

Das Arnold Arboretum ist groß: 281 acres – oder 113 Hektar – und liegt mitten in der Stadt. Es ist Teil der Harvard University und gehört zum Emerald Necklace, einer Aneinanderreihung von Parks und Grünanlagen, die von Frederick Law Olmsted gestaltet wurde (der zeichnet auch für den Central Park in New York verantwortlich). In der enttäuschten Vorfreude auf viel farbenfrohes Herbstlaub hatten mich besonders die 141 verschiedenen Ahornbäume interessiert. Aber es gibt noch soviel anderes zu sehen.

The Arnold Arboretum is large: 281 acres – or 113 hectares – and is located in Boston. It belongs to Harvard University and forms part of the Emerald Necklace, a chain of parks that was designed by Frederick Law Olmsted of New York City’s Central Park fame. Hoping for colorful fall foliage, I had been looking forward to the 141 different maple trees in particular. Colors were lackig but there was so much to explore.

Ich war ungefähr drei Stunden im Park unterwegs – und habe vielleicht ein Drittel gesehen, und das nicht sehr intensiv. Es müssen noch viele Boston-Besuche kommen. Und zu besonderen Zeiten: für die Rhododendren im Frühjahr. Überhaupt für die Frühlingsblüten. Für die Rosen im Sommer. Und später im Oktober für… das vermaledeite Herbstlaub!

I was walking around the park for about three hours and maybe saw a third of it – and only superficially, I feel. There must be many more Boston visits. And at different times of the year: in spring for the rhodies. Or for all the blooms in spring in general. In summer for the roses. And later in October for… the fall foliage!

Ich habe mir die Infos zu fast jedem Gewächs durchgelesen – und wie immer ist so gut wie nichts hängengeblieben. Es bleibt dabei: ich genieße und fertig.

I have read the tags of almost every plant I looked at – and as usual wasn’t able to retain much of the information. So nothing changes: I just enjoy, period.

Unabhängig vom Zeitpunkt des nächsten Besuchs ist der Plan klar: an einem Tag früh los und das ganze Emerald Necklace ablaufen. Und vielleicht finde ich unter meinen Bostoner Freunden ja auch jemanden, der seine (temporäre) Fußfaulheit überwinden und mitkommen will 🙂

Whenever I will return to Boston, I already have a plan: start early on a gorgeous day and walk the whole Emerald Necklace. And maybe there will be one among my Boston friends who overcome their aversion (or current inability) to walking longer distances to join me 🙂

Herbstsonnengetränkte Grüße

Greetings drowned in the warm light of an Indian Summer day

Barbara

Two Weeks looking for… Fall Foliage


Schon beim Anflug auf den Logan Airport in Boston ging mir auf einmal auf: ich war seit 23 Jahren nicht mehr im Oktober hier! Es ist schon dunkel! Man kann Cape Cod ja kaum erkennen! Ich bin noch nie im Dunkeln hier gelandet! Da ist ja der Mond! Ihr versteht. Oder vielleicht auch nicht. Jedenfalls freute ich mich auch auf wunderschön bunte Herbstbelaubung, aber dafür war ich dann wohl doch zu früh dran.

It was already when the plane was approaching Logan Airport in Boston that I suddenly realized: it’s been 23 years since I was last here in October! It’s already dark! I can hardly make out Cape Cod! I’ve never landed here in October! That’s the moon over there! You get the picture. Or maybe not. Anyhow, I was also very much looking forward to seeing the fall foliage but as it turned out, I was about two weeks too early for that.

Aber Herbststimmung gab’s genug – bei teilweise sommerlichen Temperaturen. Hier gab’s im Oktober Abende, die lauer waren, als ungefähr 90% aller Abende des diesjährigen deutschen Sommers. Schon ein kleiner Spaziergang in der Nachbarschaft brachte einiges an wunderschönen Motiven zutage.

And yet there was plenty of fall atmosphere around – though with temperatures that felt more like summer. There were evenings here this October, that felt a lot more balmy than about 90% of all summer nights in Germany this year. And only a little stroll in the neighborhood yielded quite a few beautiful motifs.

Und das eine oder andere Statement.

And one or the other statement.

Ein ganz kleines bisschen weiter war das Laub schon am Hudson River. Dorthin hatten wir im Rahmen des New Haven-Wochenendes einen Ausflug unternommen und sind ein bisschen gewandert, auf der Suche nach dem Ausblick auf der Webseite des Hudson Highlands State Park. Wir haben uns wohl nicht für den richtigen Trail entschieden – schön war es trotzdem.

There’s already a little more fall foliage along the Hudson River. We went there on a day trip as part of that New Haven weekend and did a little hiking, looking for the view that heads the website of Hudson Highlands State Park. Apparently, we did not choose the right trail – but it was beautiful nevertheless.

Sieht nicht gerade bunt aus? Moment…

It doesn’t exactly look very colorful? Hold on…

Besser? Ich denke ja! Und ich denke, ich sollte mal eine mehrtägige Wanderung irgendwo mit wunderbarem Herbstlaub planen… Aber erstmal: bis bald!

Better? I think so! I also think that I should make a plan for a multi-day hike somewhere with beautiful fall foliage… but for now: see you soon!

Barbara

A Weekend in… NEW HAVEN


… oder auch: ein Wochenende an der Yale University. Das liegt daran, dass ich eine Freundin besucht habe, die dort lehrt, dass Yale das Herz von New Haven ist und nicht so viel sehenswertes drumherum zu finden war und ich letztlich einen Tag am hochinteressanten William Kelly Simpson Memorial Colloquium teilnehmen konnte. Bei selbigem handelt es sich um einen im Frühjahr verstorbenen Ägyptologen, der lange Jahre in Yale gelehrt hat und die weitere ägyptologische Forschung und Lehre dort durch eine Stiftung großzügigst ermöglicht.

… or: a weekend at Yale University. This focus was due to the fact that I was seeing a friend who teaches there, that Yale is the heart of New Haven and it turned out to be difficult to find anything not Yale-related that was worth a visit and that I spent one day attending the William Kelly Simpson Memorial Colloquium. He was a well-known egyptologist who passed away this spring. He had taught at Yale for many years and via an endowment continues to generously support teaching and research in Egyptology at Yale.

Den ersten Nachmittag haben wir damit verbracht, den Yale Campus unter die Lupe zu nehmen. Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass ich mich in einer Parallelwelt befunden habe: alles wie geleckt und dann diese großkotzige Architektur… es ist alles nicht meins. Und wenn dann „Studentenwohnheime“ so aussehen wie das sog. Branford College, in das uns eine Bewohnerin freundlicherweise reingelassen hat, dann finde ich, läuft irgendwas richtig falsch:

We spent the first afternoon exploring the Yale campus. Somehow, it felt like being in a parallel existence: it had an almost sterile feel to it – and then this pretentious architecture… not my cup of tea. What really put me off were student „dorms“ like Branford College which a nice student invited us to have a closer look at:

Bei der Bibliothek hätte man meinen können, man betrete eine Kathedrale (die Fenster waren auch entsprechend):

The library felt like a make-belief cathedral (including the gigantic windows):

… und ich habe gerade bemerkt, dass ich ein weiteres Foto davon in eine Kollage übernommen habe (links unten), die noch weitere Eindrücke vermittelt:

… and I noticed only now that I included another picture of it in a collage that shows a few more buildings (lower left below):

Schon besser gefallen hat mir das Eishockeystadion (sieht angeblich aus wie ein Wal, aber ich konnte leider kein ordentliches Foto davon machen – und mich erinnert es auch eher an eine Flunder) oder auch das Institut für Forstwirtschaft, ganz in Holz, und der älteste Teil des Campus:

I liked the hockey rink much better (looks like a whale but I didn’t manage to take a decent picture of it – and to me it looks more like a flounder really) or the department of forestry, all in wood, or the oldest part of the campus:

Dank einer guten Eisdiele fand der Rundgang in einem heimeligen Innenhof einen guten Abschluss:

Thanks to a very good ice cream parlor this little tour came to a cozy close in a courtyard:

Sollte es einen nächsten Besuch geben, steht definitiv das Yale Peabody Museum auf dem Programm. Das Colloquium fand in der beeindruckenden David Friend Hall statt, der anschließende Empfang in der Dinosaur Hall – macht Lust auf mehr. Und inhaltlich war es auch für einen Laien wie mich gelungen; sicher, weil die didaktische Aufbereitung der Vorträge gestimmt hat. Einen Blick von oben gab es auch noch: vom East Rock, leider war alles noch etwas in morgendlichen Dunst getaucht.

Should there ever be a second visit, I will make sure to visit the Yale Peabody Museum. The colloquium was held in the impressive David Friend Hall and the reception at the Dinosaur Hall. The colloquium as such was accessible for a layman like me as well – I guess the presentations were very well done from a didactical point of view. And then I was also treated to a view of New Haven from above: from East Rock. Unfortunately, it was still rather hazy when we were up there.

Die Zeit fliegt – bald mehr!

Time flies – more to come soon!

Barbara

A Day in… GLOUCESTER


Gloucester liegt am Cape Ann nördlich von Boston und in der Gegend, wo ich zwei – oder waren es sogar drei? – komplette Sommer verbracht habe. Dem AuPair-Jahr und den Semesterferien sei Dank. Es ist ein Ort, der mal vom Fischfang geprägt war und das Fishermen’s Memorial, das der fast 6000 Seeleute gedenkt, die im Laufe der Jahrhunderte nicht wieder von der Arbeit nach Hause gekommen sind, ist der Anziehungspunkt an der Uferpromenade. Und das Denkmal für die Frauen der Fischer, die den Laden zuhause über Wochen und Monate am Laufen gehalten haben und eben ggf. dann allein da saßen, findet sich wenige Meter weiter.

Gloucester is located on Cape Ann north of Boston and it’s the area where I have spent two – or was it even three? – whole summers. Thanks to being an AuPair and long summer breaks. It’s a town that was shaped and characterized by fishing for a long time. The Fishermen’s Memorial on the waterfront pays tribute to the almost 6,000 fishermen who were lost at sea over the years. Closeby is the memorial to the wives of the fishermen who kept things up and runnig at home over weeks and months – and possibly ending up going it alone for good.

Unschwer zu erkennen: es war ein weiterer wunderbarer Tag. Sonne, eine schöne Brise – ich bin vollkommen falsch ausgestattet hier angereist, ohne ein einziges T-Shirt. Nicht, dass das in den ersten drei Tagen ohne meinen Koffer eine Relevanz gehabt hätte… Jedenfalls ging es mir, wie es mir an solchen Tagen immer geht: keine Lust auf Museen. Und auf der Uferpromenade waren hunderte Schmetterlinge zugange:

It’s easy to see: it was a gorgeous day. Sun and a nice breeze – I got here with all the wrong clothes, I didn’t bring a single t-shirt. Not that it would have done me any good anyway, seeing as I was waiting for my suitcase to arrive for the first three days of my stay… Anyhow, it happened as it always happens to me on days like these: I was not interested in any museums. And there were hundreds of butterflies on the flower beds of at the waterfront:

Und ich habe ja auch hier nie wirklich den Touristen gespielt: hier wurden Einkäufe getätigt und der Dunkin Donuts aufgesucht, vielleicht noch der Baumarkt – das war es dann aber auch. So wirklich einladend war es vor 23 Jahren auch wieder nicht, alles ziemlich auf dem Weg nach unten. Das sieht jetzt anders aus.

And I’ve never actually been a tourist here: I came here for grocery shopping and one or the other chocolate glazed donut, maybe the Building Center – but that was about it. And it wasn’t really all that exciting to linger 23 years ago, it had a dilapidated feel to it. That has changed quite a lot.

Die Main Street ist herausgeputzt mit schönen Geschäften (inklusive Buchläden), allerdings maßlos überteuert. Oft wirklich schöne Dinge, aber zu teuer, manchmal der allerletzte Mist, der so teuer ist, dass ich teilweise halb in Lachkrämpfe verfallen bin. Aber egal, es gab ein Mittagessen am Meer – und das ist fast so geendet, dass ich gar nicht mehr weitergekommen bin!

Main Street has really been gentrified, featuring nice stores (and book shops, too!), but very overpriced. Sometimes they carry really nice products which are overpriced, sometimes it’s real crap which is so incredibly overpriced that it’s almost hilarious and you wonder: who are they trying to fool? But anyhow, I got to have lunch on the beach and that was almost the end to that trip because I didn’t want to move on.

Wie kaum etwas in diesem Urlaub ging es auch dieses Mal nicht, ohne einen Freund aus alten Tagen zu treffen – der sich wahrscheinlich immer noch wundert, wie ungeschickt man auch nach wochenlangem Training noch mit einem Motorboot umgehen kann. Wir haben uns auf jeden Fall gut unterhalten und er hat mich noch zu seinem ehemaligen Lehrer, dem sicher bald 90-jährigen Paul gebracht, der seine jahrzehntelange Sammlung an Tauchuntensilien und vielem mehr im „Diving Locker Museum“ ausstellt. Ein ziemlich abgefahrener Ort – ich war zu geflasht, um ein Foto zu machen (aber hier gibt’s ein Video).

This vacation is characterized by meeting friends and family so this daytrip featured a „coffee date“ as well. I met a friend who probably wonders to this day how anyone could still be so inadequate at using a motor boat after weeks and weeks of practice. Anyhow, we had a nice chat and he then took me around town a little and we went to see his former 5th grade teacher Paul, who must have been close to 90 years old. He has collected diving paraphernalia and other things for decades and exhibits them in the „Diving Locker Museum“. I was too stunned to take a picture (but you can see a video here).

Dass das Leben hier lange vom Fisch- und Hummerfang bestimmt wurde, kann man noch an vielen Ecken sehen, ob nun an der Fabrik zur Produktion von Eis, den nun größtenteils ungenutzten Hallen zur Weiterverarbeitung des Fangs oder den vielen Hinweisen, die sich noch (oder neuerdings!) an Hauswänden und anderswo finden.

That fishing and lobster trapping was the focus of life here for a long time can still be seen everywhere: the large ice factory, the huge, now idle buildings for the processing of the catch or the many paintings etc. that you can still (or recently added!) see on house walls.

Und dann bin ich doch noch in ein Museum, ein kleines: Maritime Gloucester. Durchaus in Gänze sehenswert, auch wenn ich unerwarteterweise die meiste Zeit fasziniert vor den Außenaquarien verbracht habe – als einziger Besucher. Warum auch immer machten die anderen die Tür auf, guckten runter in den Hof und gingen wieder rein. Dabei war es das erste Museum, in dem man aufgefordert wurde, die Krebse, Muscheln und anderes Getier aus dem Wasser und unter die Lupe zu nehmen.

And then I finally did go to a museum, a small one: Maritime Gloucester. The whole of it worth visiting even though I spent the majority of the time in the outdoor section with five aquariums. For some reason I was the only visitor interested in that part, all others just opened the door, glanced down into the yard and returned inside. It was the first museum where I was asked to take the hermit crabs, clams and other animals out of the water to have a closer look at them.

Dann wurde es langsam Zeit für den Rückweg. Ich war mit dem Zug gekommen (eine gute Stunde von Bostons North Station) und habe auf dem Rückweg zum Bahnhof noch ein paar Eindrücke eingefangen:

After that I had to start heading back. I had come up on the commuter rail from Boston’s North Station (which took a little more than an hour) and on my way back to the train station, I continued to take pictures left and right:

Auf bald!

See you soon!

Barbara

A Day at… THE TOPSFIELD FAIR


Schon in Kindertagen hat sich bei mir der Wunsch entwickelt, mal bei einer „Landwirtschaftsschau“ dabei zu sein – wohl einfach zu viel „Der Doktor und das liebe Vieh“ geguckt. Wettbewerbe um die beste Marmelade, die Prämierung von Preisbullen, das Vorführen der Künste von Hütehunden, der schönste Hund am Platz usw. Dazu ein bisschen Kirmes. In Topsfield, Massachusetts gibt es einen solchen Anlass seit 1818.

Since the days when I was a child I have wanted to go to an agricultural fair – it must have been because I loved to see Mrs Hall win in „All Creatures Great and Small“. Jam making competitions, the showcasing of awarded cattle or of the skills of sheepdogs, the most beautiful dog in town etc. And then a bit of a fun fair, too. Something like this has been around in Topsfield, Massachusetts since 1818.

Meine Gastmutter brachte mich darauf – ich bin mal wieder für zwei Wochen in und um Boston. Ihr Garden Club plante einen Ausflug, um sich speziell die Blumenausstellung anzusehen. Da war alles dabei von Mustergärten, Blumenarrangements zu bestimmten Themen (unten z.B. „Frühstückstablett“), Miniaturgärten, die Wahl der schönsten Dahlie und vieles mehr.

My host mother has the idea – for the first time in more than five years I’m finally back in Boston. Her Garden Club had planned to see the flower show at the fair which included all kinds of different things: show gardens, flower arrangements to meet different themes („breakfast tray“ being one of them, see below), miniature gardens, an award for the most beautiful dahlia and much more.

Und dann das ganze Obst und Gemüse… unzählige Wettbewerbe und besonders bei Gemüse vieles, was ich noch nie gesehen habe. Der größte Kürbis, ein wahrer Koloss. Ich habe irgendwas von 2.500 (amerikanischen) Pfund im Kopf, das ist deutlich mehr als eine Tonne. Ganz schön viel Kürbissuppe. Aber ob der überhaupt noch schmecken würde? Wir werden es nie wissen.

And then all the fruit and vegetables… a crazy number of competitions and especially so many vegetables that I had never seen or even heard of before. The largest pumpkin, a real colossus. I seem to remember it weighed more than 2,500 lbs (decidedly more than a ton). Quite a lot of pumpkin soup. I wonder if that would even taste good? We will never know.

Dann haben wir das Federvieh besucht und auch hier: was es alles gibt! Und weltweit betrachtet war es sicher nur eine kleine Auswahl an Hühnern und Enten – aber die haben mich schon in Erstaunen versetzt (wenn auch wiederum nicht so sehr, wie die Eltern der Dreijährigen, die mehrfach mit voller Wucht auf das Plastikdach der gerade schlüpfenden Küken eindreschte und die unbeteiligt zusahen – wo sind die Helikoptereltern, wenn mal ein Durchgreifen angesagt wäre?).

We moved on to the poultry barn and it was the same thing: the things that you don’t know! And looking at it from a global perspective, I’m pretty sure we only saw a fraction of what’s out there when it comes to chickens and ducks – and still I was amazed (though thinking about it, maybe I was not quite as amazed as I was when I realized that the parents of the three-year old, who kept hammering down on the plastic roof of the chicken hatch box, were standing idly by – where are the helicopter parents when finally they are needed?).

Es gab leider keine größeren Mengen an Schweinen und Vieh zu bewundern – diese Zeiten sind vorbei. Wo sollten sie auch herkommen… der Großraum Boston ist jetzt nicht gerade für seine Vielzahl an Farmen bekannt. Ein kleiner Buchtipp zwischendurch: The good good pig von Sy Montgomery. Da lernt man Schweine lieben. Doch zurück nach Topsfield: es gab ein Schweinerennen und das war, ich gebe es zu, total witzig:

Unfortunately, there were no larger numbers of hogs and cattle to look at – these times are over. Where should they come from… greater Boston is not exactly known for a large number of farms. But this reminds me: if you’d like to read a great book on raising a pig, I recommend Sy Montgomery’s The good good pig. You will fall in love. But anyhow, back to Topsfield. There was Swifty Swine Racing and I admit it: it was a lot of fun:

Vollkommen unerwartet gab es auch eine Weihnachtsbaumausstellung – nicht geschmückte, sondern einfach die verschiedenen Tannen-, Fichten- und Kiefernarten, die sich wohl besonders gut eignen. Resultat: ich bin mit meiner üblichen Nordmanntante sehr zufrieden!

I never expected it to be part of something like this fair but there was also a Christmas Tree Show – not decorated ones but just the different kinds of fir, pine and spruce trees that are popular as Christmas trees. Result: I am very happy with my usual Caucasian fir!

Zu guter Letzt gab’s dann auch noch was für mein Bastler-/Handarbeitsherz: eine Ausstellung von unfassbar schönen und detailverliebten Quilts. Die hingen alle von der Decke und waren etwas schwer zu fotografieren (man stelle sich die Bettwäscheabteilung bei IKEA vor). Ich bin jedes Mal total fassungslos, wie man solche Großprojekte angehen und auch noch zuende bringen kann.

Last but not least we went to see the arts and crafts hall: an exibition of incredibly beautiful quilts, made with so much love of detail. They were hanging from the ceiling and were a little hard to capture (imagine the linen department at IKEA). Works like these stun me every time, for the sheer dedication that went into them.

Es war ein schöner Tag im Indian Summer (schon jetzt ist klar: ich habe einen Riesenfehler gemacht, ohne T-Shirts anzureisen), ich habe viel gelernt (hab eine Frau mit viel Holz vor der Hütte im Dirndl an der Kasse und du kannst „German Fries“ verkaufen, obwohl es sowas gar nicht gibt) und mich bestens amüsiert – aber es war zum großen Teil einfach eine Kirmes mit den entsprechenden Fahrgeschäften und Fressmeilen… Aber fast hätte ich noch ein wie für mich gemachtes Nummernschild „eingesteckt“:

It was a gorgeous Indian Summer day (I have already realized that I’ve made a major mistake: I did not bring any short sleeved shirts), I learned a lot (employ a well-endowed woman wearing a dirndl at the cash register and you can sell „German Fries“ even though there isn’t such a thing) and had a great time – but largely, it was more of a funfair with the rides and legions of food stalls… But I almost „pocketed“ a license plate that seemed to have been made just for me:

Bald mehr auf diesem Kanal – Grüße aus Massachusetts!

More to come soonish – greetings from Massachusetts!

Barbara