Greenville Nightlife

Greenville war der vierte Ort, den ich auf meiner Reise durch Liberia kennengelernt habe. Ebenfalls im Südosten, aber am Meer gelegen – wunderschön. Orte mit Meer tun es mir ja eigentlich immer an. Da ist es dann auch egal, dass der ehemalige Hafen voller verrosteter Schiffswracks liegt, dass die Häuser in der Stadt allenfalls Ruinencharme ausstrahlen oder auch die Moskitos nicht zu unterschätzen sind. Sagt sie, die zwei Nächte hier verbringt und nicht zur Top-Regenzeit wochenlang festsitzt, nur noch Reis kriegt – weil die eigenen Vorräte zuende gehen und auch nichts nachkommt… denn wenn man selbst nicht wegkommt, kommt auch keiner hin. Und der Hafen ist ja keiner mehr…

Mit den Straßenverhältnissen ist es echt so eine Sache. Ich finde „Straße“ ja auch immer noch einen Begriff, der so nicht haltbar ist. Das Bild im Header oben zeigt den very bä ma-spo, also das schlimme Matschloch, in dem wir auf dem Rückweg nach Zwedru zwei Stunden festsaßen. Zwar stellte eine liberianische Kollegin einer befreundeten Organisation hinter treffend fest too many driva, no solution – zu viele Fahrer, keine Lösung, als freie Interpretation von Viele Köche verderben den Brei und alle schmissen sich weg vor Lachen, auch nach zweistündigem Stehen im Matsch und stechender Sonne, mit Riesenkäfern, Tse-Tse-Fliegen (die übrigens aussehen wie diese ekligen schillernden Fliegen, nur dreimal so groß) und viel Kleingetier – aber es war tatsächlich so: stundenlang mithilfe einiger junger Männer, die offenbar in einem Ort nahebei, der uns nicht einsehbar war, wohnten, an einem Matschloch rumprobiert… einen rausgezogen, dann steckte der andere drin usw. – aber keiner, der auf der richtigen Seite angekommen war, fuhr weiter – um dann nach langem Palaver das Matschloch auf der anderen Straßenseite zu testen und unter großem Gejohle im ersten Anlauf durchzukommen. Aber hinterher ist man immer schlauer.

Aber ich springe ja schon zur Abreise, dabei wollte ich was zum Nachtleben erzählen, in das wir uns erst am zweiten Abend stürzten, da der Kollege, den wir antreffen wollten, auf der anderen Seite eines angeschwollenen Flusses festsaß und erst am nächsten kam… auch nur, indem er in der Unterwäsche und seine Habseligkeiten über dem Kopf transportierend durch das stellenweise kinnhohe Wasser watete und dann ca. 15 km zu Fuß unterwegs war, bis wir – die wir uns eine bestimmte andere Brücke ansehen wollten – ihn und seinen Anhang auflasen. Denn natürlich war es auch noch ein Funkloch und wir dachten uns nur, dass sie wohl über Nacht in diesem Dorf geblieben waren.
Also, das Nachtleben. Das spielt sich in und um das Forum Entertainment Center ab. Das ist eine Kaschemme mit niedriger Decke, der obligatorischen Bestuhlung mit weißem Plastikmobiliar und einer dreifarbig leuchtenden Diskokugel, wo man was kühles trinken und zwischen meist zwei Gerichten wählen kann, die beide mit Reis zu tun haben. Im Idealfall regnet es nicht, und man kann sich Tisch und Stühle raustragen lassen unter den Mangobaum gegenüber, sitzt dann mit Blick auf das Etablissement und die daneben stehende Kirche, auf deren Ummauerung irgendwer seine gesamte Wäsche zum Trocknen abgelegt hat und genießt die Abendbrise beim Leute beobachten. Kleine Jungs und Mädels, die neugierig und meist schüchtern vorbeihüpfen, Halbstarke, die entweder mit coolen Tanzschritten vorbeirocken oder lässig auf ihren Motorrädern chinesischer Bauart vorbeicruisen, junge Frauen, die Aufmerksamkeit suchen, zielstrebig vorbeieilende Hunde und gemütlich vor sich hintrottende Ziegen…

Das ist um Längen besser, als drinnen zu sitzen, wo aus zwei großen Boxen mit mindestens 100 Dezibel afrikanischer Rock dröhnt und in einer Ecke noch der Fernseher dagegenhält, natürlich auf dem scheinbar einzig vorhandenen Fußballsender. Und in dem Gedröhne sitzen auch immer fünf, sechs Typen, die das Spiel verfolgen, mit steinernen Mienen. Bis auf die rot-blau-grüne Diskokugel und den grünen Schein des Fernsehers ist alles stockdunkel. So sitzt man dann da unterm Mangobaum und erörtert die mehr oder minder wichtigen Dinge unserer Zeit. Einer der Kollegen beriet uns, was die Auswahl von Parfums angeht und riet mir – bei meinem Typ – absolut von auf Rose basierten Wässerchen ab, eher was fruchtiges… ich werde dann mal recherchieren, ob mein derzeitiges Parfum der Wahl die Kriterien erfüllt 😉
Gute Nacht aus Monrovia, der nächste Eintrag folgt bestimmt!
Barbara

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