Hiking in… CINQUE TERRE | Day One

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Eine Woche Bildungsurlaub zum Thema „Cinque Terre – Ökologie und Naturschutz in einer Kulturlandschaft an der ligurischen Küste“ und wie die Vorstellungsrunde zeigte, ging es mir wie einigen anderen Teilnehmern auch: Bildungsurlaub auf jeden Fall, aber wenn ich drinnen auf eine Power Point Präsentation nach der anderen starren muss, werde ich verrückt. Mein Geografenherz meldete sich auch mal wieder, der Termin war zwischen alles mögliche andere zu quetschen – und so wurde es Cinque Terre.

One week educational leave, learning all about „Cinque Terre – Ecology and nature conservation in a cultural landscape on the Ligurian coast,“ and as the round of introductions showed, my motivation was that of some of the other participants as well: a clear yes to make use of my educational leave but if that meant sitting indoors and staring at one uninspired Power Point presentation after the other, I’d go crazy. Also, my „geographer’s heart“ was in need of attention again, the timing fit the schedule – and so I went to Cinque Terre.

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Ich hatte mir nur im Netz schnell Fotos angeguckt, entschieden: schön, und fertig. Untergekommen bin ich in Riomaggiore, dem südlichsten der fünf Orte. Mit der Auswahl der Unterkunft an sich kann ich zufrieden sein, aber ich habe mir zielgenau eine ausgesucht, die am oberen Ortsrand liegt. Das heißt im Detail: nach einem langen Tag Wanderung erklimme ich zum Abschluss, den Rucksack voller Lebensmittel, noch mal kurz den Kölner Dom. Im Ernst: es sind allein so um die 250 Treppenstufen und dann noch ein gutes Stück ohne Stufen aber steil bergan. Nach der Dusche zieht mich nichts mehr ins Zentrum, soviel ist sicher.

I had only very quickly looked at a few photos online and made up my mind: beautiful, so I booked. I found a place to stay in Riomaggiore, the southernmost of the five towns. I’m satisfied with the accommodation as such but I went for one right at the uppermost edge of the town. That means: after a long day of hiking, the backpack full of recently purchased groceries, I get to climb the bell tower of Cologne Cathedral. Seriously: It’s about 250 steps and then another chunk that’s just a steep road. One thing’s for sure: once I’ve had that shower, nothing will make me walk down to the center again.

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Es gibt nur wenige Straßen, die diesen Namen verdienen – die Bebauung ist sehr eng, schmal und hoch, durchdrungen von kleinen Gassen. Wunderbar malerisch, wenn man hier mal ein paar Tage verbringt. Die eigentliche Bevölkerung hier zu halten ist nicht so einfach, denn die Wohnungen sind entsprechend klein und dunkel. Ich sitze zwar auf einer schönen Terrasse, aber das Schlafzimmer ist wie ein Bunker im Berg, ohne Fenster. Aber da habe ich ja eh die Augen zu. Es heißt, der Platz vor der Kirche oben ist der einzige, wo sich die Kinder zum Fußballspielen treffen können.

There are only few streets worthy to be called that – the architecture is narrow, both the houses themselves and the distance between them, and high, with little alleyways. Very picturesque if you spend a few days here. But it’s pretty hard to keep the locals here as the apartments are small and dark. Just now, I’m sitting on a nice terrace but my bedroom is like a bunker inside the mountain, lacking windows. But then I usually have my eyes closed in there anyway. As I understand, the little square in front of the church on the photo above is the only one where kids can come to play soccer.

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Der erste Tag begann mit der Entspannung: Bootstour von Riomaggiore nach Monterosso, dem nördlichsten Ort. Da konnte man einen wunderbaren Blick auf die Steilküste werfen, auf die kleinen Orte, die wir drangeklebt aussehen – und man fragt sich, warum um alles in der Welt irgendwer auf den Gedanken kam, sich hier niederzulassen. Und dann auf diesen Wahnsinnshängen auch noch Landwirtschaft betreiben zu wollen. Sie müssen vom heftigst gefalteten Sedimentgestein bezirzt gewesen sein:

The first day started out relaxing: a boat ride to Monterosso, the northernmost place. It offered great views of the steep coast, of the little towns that look like they were glued in place there – and you can’t stop wondering why anyone would have decided to settle her. And then not make a living from fishing but from agriculture?? They must have been bewitched by the heavily folded sedimentary rock:

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Aber da sag ich’s: Steilküste. Da reicht der Blick auf eine Postkarte, dafür muss man keine topografischen Karten studieren. Wer hier irgendwas zu Fuß machen will, muss bergauf. Es war von Anfang an klar: das wird ’ne ganz harte Nummer. Und wenn man dann auch noch mit einem Diplom-Geologen unterwegs ist… einem Diplom-Geo-was-auch-immer, dann ist auch klar: die Geschwindigkeit wird hoch. Und die erste Etappe begann mit verteufelt steilen 311 Höhenmetern. In praller Sonne. Und die Tatsache, dass die Aleppo-Kiefer ein immer wieder erwähnter wichtiger Bestandteil der mediterranen immergrünen Macchia-Vegetation ist, hat nicht dazu beigretragen, dass ich so sonderlich gut abschalten konnte.

There, I said it: steep coast. Having a look at a postcard is enough to know what you’re in for, no need to study topographic maps. Whatever you want to do on foot, it will be an uphill battle, quite literally. I knew it was going to be tough. And I also knew that our guide was going to be a geologist… and when you’re out and about with a geo-whatever, the speed can be assumed to be of the breakneck variety. The first stage started out with an incredibly steep ascent from 0 to 311 above sea level. In scorching sun. And the fact that the Aleppo pine is an important part of the indecidious mediterranean Macchia vegetation and was frequently mentioned didn’t help one bit to make my thoughts move away from „business“.

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Der vollkommen geschmacklosen Frucht des Erdbeerbaums (die Kugeln in gelb-orange-rot oben) konnte ich nicht widerstehen – wahrscheinlich tatsächlich eher als Likör zu genießen… „Mit Alkohol schmeckt halt alles,“ wie der Guide meinte. Das mittägliche Picknick nach der Anstrengung schmeckte umso besser und der Ausblick machte die Anstrengung vergessen.

I couldn’t resist trying the 100% tasteless fruits of the strawberry tree (arbutus), the yellow-orange-red balls above – probably much better when taken in the form of a liqueur… „Everything is tasty with alcohol,“ as our guide observed. The picknick lunch tasted so much the better after the great effort and the view let us forget the exhaustion for while.

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Der Ausblick, eigentlich fast egal von wo, war immer atemberaubend. An vielen Stellen musste man aber definitiv auf den Weg und nicht den Ausblick fokussieren – wie man auch nur annähernd auf den Gedanken kommen kann, sich hier mit Flipflops zu bewegen, ist mir ein Rätsel. Kam aber immer wieder vor.

The view, no matter from where, come to think of it, was always breathtaking. For much of the hike, though, it was important to focus on the path and not on the view – I just do not understand how people decide to hike anywhere in flipflops. We saw it a number of times.

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Und hier ist der Weg mal für ein kurzes Stück ein Spaziergang… die Herausforderung liegt mehr darin, nicht einfach nur auf das glitzernde blaue etwas zuzusteuern und die 311 Höhenmeter rasant zu reduzieren.

This is one of the few instances when the path was a walk in the park… the challenge being not to be drawn to the sparkling blue something and reduce those 311 m above sea level much too rapidly.

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Am Ende des Tages stand ein Bad am Strand von Levanto und/oder ein Eis und die Zugfahrt zurück nach Riomaggiore. Leider gab es auch den ersten Ausfall mit Knieproblemen, aber vielleicht wird das ja wieder für den Rest der Woche. Auf bald!

Upon reaching Levanto it was beach time and/or the ice-cream parlor and later the train ride back to Riomaggiore. Unfortunately, one participant got a knee problem and was out… but maybe she can join us again later in the week. Take care!

Barbara

Ohhhhh….

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… Tannenbaum! Heute war es schon so herbstlich, dass ich am nicht wirklich hellichten Tag das Licht anmachen musste, dazu viel Regen – da wird es einem schon weihnachtlicher ums Herz (so lange man sich die Wahlergebnisse aus MeckPomm vom Hals hält) und ich habe kurz entschlossen noch eine Karte für die aktuelle Challenge der Jingle Belles gemacht, wo es um einen Bezug zur (Weihnachts-)Musik geht.

… Tannenbaum! It was really autumnal here today – I even had to switch on the lights at noon – and there was lots of rain as well. But I got a possibly decisive step closer to feeling Christmassy (that was before I heard about the election results in Mecklenburg-West Pomerania) and decided to make a card for the current challenge over at the Jingle Belles, which is all about music.

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Mit bordeauxrot, olivgrün und schwarz ist der Fokus meiner Meinung nach nicht wirklich auf traditionellen Weihnachtsfarben, so dass ich finde, dass sie auch für die Challenge bei Holly Jolly passt. Da wird allerdings explizit um kein rot und grün gebeten… es ist wahrscheinlich Geschmackssache. Ist okay, wenn der Link gelöscht wird.

The focus being bordeaux, olive and black I think it’s safe to say that these are not traditional Christmas colors so I thought I might enter it over at Holly Jolly as well where the use of non-traditional colors is crucial… even though red and green were explicitly banned. But Christmas red and green (to me) are a different story. I guess it’s a matter of taste and if it doesn’t qualify, that’s fine.

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Nun gute Nacht… ich habe noch die letzten Kapitel eines spannenden Krimis vor mir!

Good night for now… I’m impatient to get to read the last chapters of a thriller!

Barbara

Sunlight!

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Ein lange erwartetes Wochenende in Bonn – und einfach nur zum Rumgammeln. Bei bestem Wetter. Da kam es dann richtig gelegen, dass sich die Mädels bei Our Beautiful World für diese Woche das Thema Sunlight ausgesucht haben. Und schon schickt mich die virtuelle Welt raus in die echte – und in den Botanischen Garten, in dem ich schon lange nicht mehr war.

A long-awaited weekend in Bonn – and to just chill. With perfect weather. So the current prompt over at Our Beautiful World – Sunlight – was a perfect choice: the virtual world made me go out into the real one, to the Botanical Gardens where I hadn’t been in a long while.

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Und Sonnenlicht – Sonnenschein! – gab es en masse… so dass sogar schon morgens um 10 Uhr die Geckos darin badeten!

And there was sunlight – sunshine! – en masse… even the lizards were bathing in it at 10 am already!

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Wenn man das Regenwaldhaus betritt und es als erfrischend empfindend… aber es war nur interessehalber; ich bin draußen geblieben😉

When you walk into the rainforest house and perceive it as refreshing… but it was just out of interest; I was soon outside again😉

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Und zum Schluss noch ein kleines Rätsel: was genau sieht man hier eigentlich?

A little trivia before I let you go: what do you think you’re seeing here?

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Eine schöne Woche allenthalben!

Have a great week everybody!

Barbara

Neulich in der Eifel

This post is in German only as I see myself unable to translate this conversation in a manner that only remotely conveys its hilarity. It also won’t work in standard German so the potential readership will remain smallish…

A: „Jetzt sin se all up Jaach no de Pokemons.“
B: „Jo, die sin all bekloppt.“
A: „Anjeblich is do uch eent be oos upp’m Kirchhoff.“
B: „Wie kütt dat dann do hin?“
A: „Do frochste mich jet!“
C: „Denne Vüjelche möt me all ens mit em Kantholz für de Kopp schloon.“

Zu dem Zeitpunkt stand mir schon das Wasser in den Augen und ich versuchte, mein Lachen mit der Hand vor dem Mund zu kaschieren. Als ich aber dann vor meinem geistigen Auge den ca. 80-jährigen „C“ das Kantholz schwingend die Girardet-Brücke in Düsseldorf räumen und die Pokemon-Jäger zu Dutzenden in den Stadtgraben senden sah, wuchs sich das zu einem Lach-Flash fast bis zur Atemnot aus…

Auf bald
Barbara

A Week in… KURDISTAN (Part 3)

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Schilder, die vor Regen und Schnee warnen, erscheinen bei den meist bis zu 45°C wahnwitzig… wie auch die gefühlt alle 200m aufgestellten Überholverbotsschilder – entlang einer Strecke, auf der nicht viel anderes getan wird, als zu überholen. Heute möchte ich einfach noch ein paar weitere Schnappschüsse mit – für mich – wundersamen Motiven präsentieren. So auch der Wasserhahn, bei dessen Nutzung einem nichts anderes übrig bleibt, als das Wasser überall hin zu verteilen, nur nicht (direkt) ins Waschbecken.

Signs warning of rain and snow seem almost crazy while it’s 45°C outside… then there are also the no passing signs, which are put up about every 200m (it feels) – along a road where nothing much happens other than crazy passing maneuvers. Today I would like to share a few snapshots of curious things – curious to my eye, that is. Like the faucet which makes sure that during use you have to splash water just about everywhere but (directly) into the sink.

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Wohin die Menschen hier Beziehungen haben – wo sie vielleicht schonmal gelebt haben, wo vielleicht ein Familienmitglied wohnt oder wo man unbedingt mal hin möchte – sieht mal hier ziemlich häufig an den Namen von Hotels und Restaurants, sei es das KÖLN REST[aurant], das MÜNCHEN REST[aurant], das HOTEL KARLOVY VARY, das HOTEL HEIDELERG oder das CAFE ESKILSTUNA, das es auch schon in die schwedische Zeitung Dagens Nyheter geschafft hat. Oder eben:

You can often see which places play important roles in people’s lives – maybe where they have once lived, where parts of their families live or where they would like to go some day – as the names of restaurants and hotels, be it the KÖLN REST[aurant], the MÜNCHEN REST[aurant], the HOTEL KARLOVY VARY, the HOTEL HEIDELBERG or the CAFE ESKILSTUNA, which has also made into the Sedish print media. Or:

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Mein absolutes Highlight war allerdings die Speisekarte in einem Restaurant. Die meisten werden das kennen, wenn man im Urlaub schonmal komische Übersetzungen findet – wo man jedoch allerallermeistens erahnen kann, was gemeint ist. Das war hier nicht so. Bei den Vorspeisen war schnell klar, dass ich mich mit dem „Soda problem“ nicht auseinandersetzen wollte – und die „Potato Mtefaah (acid and Tom)“ erschien mir auch als zu großes Risiko. Bei den Hauptgerichten vermuteten wir hinter „Chinese meat“ vielleicht Hund… und der „Frying chicken torrent“ schien uns zu umfangreich. Dass „Authorities“ die Salate sind, konnten wir auch nur aus dem Zusammenhang erschließen – wie da „Milk and Option“ aussehen… wir wissen es nicht. Das „Cheese rudder problem“ hingegen stellte ein wirkliches Problem dar.

The highlight was the menu in a restaurant. Most of you have probably seen a few strange translations in menus somewhere on vacation – but usually you still at least have a little idea of what it could be. That wasn’t always the case here. When it came to appetizers I really didn’t want to deal with the „Soda problem“ – and the „Potato Mtefaah (acid and Tom)“ somehow seemed too risky, too. Of the main dishes we ruled out „Chinese meat“, suspecting dog… and we just weren’t hungry enough for the „Frying chicken torrent“. The context helped explain that „Authorities“ are salads – but what „Milk and option“ look like… we don’t know. The „Cheese rudder problem“ posed a real problem, though.

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Als es dann auch noch „Problem grills“ zur Auswahl gab, lag die Vermutung nahe, dass vielleicht der Koch nicht besten Tag hat? „Chicken ghost“ hebe ich mir wohl einfach für Halloween auf.

When another choice was „Problem grills“ we assumed that maybe the cook just wasn’t having a good day? I will reserve „Chicken ghost“ for Halloween.

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Einen guten Start in die Woche wünscht

Have a good start into the week!

Barbara

A Week in… KURDISTAN (Part 2)

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Einen Tag ging es „ins Feld“ – immer das Highlight einer jeden Dienstreise. Das Hochgefühl erfuhr dann jedoch auf einem Streckenabschnitt eine leichte Dämpfung. Auf einer knapp bemessenen einspurigen Straße findet hier der Warenverkehr von der Türkei in den Irak statt – wir fahren gen Norden, auf der gut erhaltenen Seite. Auf der Gegenspur fährt man wie auf einem überdimensionierten Wellblech, weil viel zu große, viel zu schwer beladene LKW einer am anderen die von der Hitze aufgeweichte Straße in Form gematscht haben. Auf dem Rückweg sind sie leer, oder zumindest sehr viel leichter, so dass die Spur in halbwegs gutem Zustand bleibt. Der Slogan vom Warenverkehr, der auf die Schiene soll, bekommt eine ganz neue Bedeutung. Halsbrecherische Überholmanöver verlangen dem Fahrer alles an Konzentration ab – und ein unerwartetes Ausmaß an Geduld, sich dem Wahnsinn nicht anzuschließen. Ein Dank an Rosh.

One day was a day „in the field“ – always the highlight of every business trip. The feeling of elation was dampened on one stretch of the trip, though. A narrow one-lane road is the only way for cross-border trade between Turkey and Iraq in that region – we are headed North, on the „good“ side of the road. The oncoming traffic drives on what looks like a giant corrugated sheet, shaped by too many, too large and too heavy trucks on hot asphalt. On their way back they’re empty or at least a lot lighter so the road remains more or less intact. There are constant passing maneuvers, often at breakneck speed and with insufficient vision – the driver is highly focused and surprisingly patient, not being drawn into the frenzy. A thank you to Rosh.

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Es reichen einige Kilometer Fahrt, um zu klären, dass die Lage hier zwar soweit ruhig, aber unter stetiger Beobachtung ist. Gefühlt alle zwei Kilometer kommt man an einen Checkpoint: Peshmerga in Tarnanzügen und Sicherheitswesten halten jedes Fahrzeug an. Das geht immer anstandslos, kein Problem bei der Gesichtskontrolle. Der Fahrer wechselt ein paar Worte, hilfreich dabei auch der am Rückspiegel baumelnde Rosenkranz. Wer hätte das gedacht: Christen werden hier als neutral betrachtet – da ist es dann von Vorteil, das im wahrsten Sinne des Wortes raushängen zu lassen. An einem Checkpoint verstehe ich nur das kurdische Wort für Deutschland (sowas wie almani), worauf der Soldat sich grinsend ins Fenster beugt und fragt „Wie geht’s?“ Verdattert kriege ich noch ein „Gut – und selbst?“ raus und es geht schon weiter.

A few kilometers into the trip are enough to realize that the situation may be calm but is constantly monitored. At what feels like every other kilometer there is a checkpoint: peshmerga in camouflage gear and bullet-proof vests stop every car. We always pass without a problem. The driver chats a bit and the rosary dangling from the rearview mirror helps, too. Who would have thought: Christians are considered to be neutral in these lands – and it pays to show. At one of the checkpoints all I understand of the exchange is the Kurdish word for Germany (something like olmanee) which prompts the soldier to lean into the car, smiling and inquiring (in German): „How are you?“ I was totally baffled and barely managed to stammer „Good – how about you?“ and on we went.

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Schon aus dem Flugzeug und auch auf der Fahrt von Erbil nach Duhok konnte man abgeerntete Weizenfelder sehen, soweit das Auge reichte. Und diese LKWs stehen nicht direkt im Stau. Die sind randvoll mit Weizen. Und stehen da und warten. Hunderte. Ich möchte fast sagen tausende. Unfassbar. Es heißt, der Weizen findet wegen der Krise keine Abnehmer. Die Welt ist verrückt – aber kann das wahr sein? Allein die Tatsache, dass diese ganzen LKWs nicht anderweitig genutzt werden können… noch die Betrachtung der Fotos lässt mich mit offenem Mund dasitzen. Könnt ihr mittig auf der Kollage unten sehen, wie weit sich diese Schlange (eine von vielen) durch die Felder streckt?

It was easy to see from the plane already and then to the left and right of the road from Erbil to Duhok that there were harvested wheat fields as far as the eye could see. And these trucks are not really part of a traffic jam. They are loaded to capacity with wheat. They just stand there and wait. Hundreds. I’m tempted to claim: thousands. Incredible. It’s said that there are no buyers, due to the crisis. The world has gone mad – but can this be real? Just the fact that all these trucks can’t be used for anything else is enough to blow my mind… just looking at the pictures now leaves me sitting open-mouthed. Have a look at the center image of the collage below: can you make out just how long this line (one of many) stretches through the fields?

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Die Gegend wird einsamer, alles flimmert bei den wieder so um die 45°C, dazu kommt starker Wind, man sieht mehrere staubgeladene Windhosen in der Ferne – und direkt über die Straße werden distelartige Büsche und Kleinkram geweht… irgendwie hat es was vom wilden Westen. Die Zahl der Checkpoints steigt an, es sind aber auch so Verschläge auf einem am Straßenrand aufgeschütteten Hügel, auf dem ein zum Schutz gegen den heißen Wind vermummter Soldat sitzt, die Stellung hält und Richtung Syrien guckt. „Das da hinten sind syrische Dörfer,“ werde ich informiert – nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt.

The farer from Duhok we get, the less populated the landscape. The temperature is about 45°C again, things get hazy, there’s a strong wind and I see a few dust-laden vortexes in the distance – thistle-like bushes are blown across the road… it has a Wild West feel. The number of checkpoints is increasing but some of them are just little huts on small man-made hills by the road-side, manned by a soldier holding the position, their faces covered with shawls to protect against the heat, looking across the plain towards Syria. “Those are Syrian villages over there,” I’m told – only a few kilometers as the crow flies.

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Zerstörte Häuser, ein zerbombter Krankenhausrohbau, ganze Dörfer platt gemacht. Unwirklich. Zehn, fünfzehn Meter rechts der Straße zieht sich über Kilometer ein jetzt unbemannter Schützengraben. Bizarr. Bizarr, aber irgendwie nicht bedrohlich. Trotzdem stellt sich die Frage, wie man Leute bewegen soll, sich hier wieder anzusiedeln? Wo oft einfach nichts mehr ist und womit wahrscheinlich furchtbare Erinnerungen verbunden sind. Ist das realistisch? Wenn man es nach wochen- oder monatelanger, gefährlicher Reise endlich nach Europa geschafft hat? Wenn man in einem Zelt oder einem Container in einem Flüchtlingslager in der Mitte von nirgendwo wohnt? Oder schlimmer noch: in einer „wilden Siedlung“ am Fuß des Sinjar-Gebirges?

Destroyed houses, a bombed out unfinished hospital, whole villages reduced to rubble. Unreal. Ten, fifteen meters to the right of the road there’s the trench, for kilometers on end. Bizarre. Bizarre, but somehow not threatening. And still I wonder how you want to persuade people to move back here? Where more often than not there’s nothing left and where probably horrendous memories lie buried? Is that realistic? If you’ve finally made it to Europe, after weeks or months on the road, facing all kinds of dangers. If you live in a tent or caravan in a refugee camp in the middle of nowhere? Or worse: in a “wild camp” at the foot of the Sinjar mountains?

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Aber dann der Ort, in dem es losgehen soll, Sinuni. Breite Straßen. Eine Art Allee, statt baum- laternenbestanden, die auf dem Weg war, eine Prachtstraße zu werden. Leider fehlt ihr unter anderem noch der Asphalt. Ja, auch Trümmer, Stacheldraht – aber bei weitem nicht überall. Es gibt ein kleines Zentrum, wo das Leben schon jetzt wieder losgeht: es gibt kleine Läden, mit Bergen an Gurken, Auberginen, Feigen, Zwiebeln, Tomaten. Gasflaschen. Wasser und Softdrinks. Kochgeschirr, Plastikeimer und -schüsseln. Kekse und Reis. Und viel mehr. Bei der untenstehenden Ansammlung ging mir der absurde Gedanke durch den Kopf, dass hier ein Reparaturcafé sicher gut besucht wäre.

But then there’s the town from where all this will be started, Sinuni. Broad roads. A kind of avenue, lined by fancy streetlights instead of trees, which was on its way to becoming a boulevard. Unfortunately, the asphalt is still missing, among other things. Yes, rubble and barbed wire, too – but far from everywhere. There’s a small center to which life has returned over the past months: there are little shops with heaps of cucumbers, egg plant, figs, onions, tomatoes. Gas canisters. Water and soft drinks. Cooking pots, plastic buckets and bowls. Cookies and rice. And much more. The collection below caused the absurd thought that a repair café would probably draw quite an audience here…

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Da glauben also Leute daran, dass das klappen kann. Auch wenn hier und da noch Maschinengewehre griffbereit im Wohnzimmer stehen. Möge es also ruhig bleiben, auf dass die wieder eingemottet werden können.

Apparently, there are people who believe that this will work. Even if you can still chance upon a machine gun ready to hand in a living room. So may it stay calm for them to be mothballed again soon.

Barbara

A Week in… KURDISTAN (Part 1)

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„Wohin geht’s?“ fragte der freundliche Taxifahrer um kurz vor 4 Uhr morgens, „nach New York?“ – „Nein, nach Erbil,“ antwortete ich und er war erstaunt: „Wo ist das denn?“ Das ist im Irak, genauer gesagt in der Kurdistan Region of Iraq im Norden – ich bin endlich mal wieder dienstlich unterwegs. Es stellte sich heraus, dass der Taxifahrer aus Afghanistan kam und die restlichen 15 Minuten Strecke habe ich erfahren, wie der Präsident damals zu Zeiten der Mujaheddin dafür sorgte, dass die Hochzeit des jungen Juristen trotz aller Widrigkeiten stattfinden konnte.

“Where are you headed?“ the taxi driver wondered at almost 4 am, „New York?“ – No, to Erbil,“ I said and he was surprised: „Where is that?“ That’s in Iraq, the Kurdistan Region of Iraq in the North, to be precise – finally I’m on a business trip again. It then turned out that the taxi driver was from Afghanistan and the remaining 15 minutes of the ride were spent with the story of how the president back in the mujahiddin days made sure the young lawyer was back home in time for his wedding, against all odds.

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Wie ich schon beim Besuch in der Türkei vor zwei Jahren feststellen konnte, bietet sich diese Jahreszeit für fantastische Ausblicke aus dem Flugzeug an. Diese Aufnahmen sind von „kurz vor Erbil“ – inklusive einer Tour-de-France-würdigen Bergetappe. Und dann ein freundliches und erfreutes Willkommen. Als eine der letzten kam ich zur Passkontrolle. „Ihr erster Besuch in Erbil?“ fragte der Zollbeamte lächelnd. „Der erste Besuch im Irak,“ entgegnete ich. Darauf wurde sein Lächeln noch herzlicher, er haute den im Vergleich mit den vorher erledigten Daumenabdruck und Iris-Scan altmodischen Stempel in den Pass und verabschiedete mich mit einem „Willkommen im Irak!“

As I had noticed on my visit two years ago in Turkey already this is the perfect season for an unobstructed view of the landscape. These pictures are from „we have started the descent to Erbil“ – including a mountain stage worthy to be included in the Tour de France. And then a friendly and delighted welcome. I was one of the last to reach immigration. „Your first visit to Erbil?“ the customs official smiled. „My first visit to Iraq,“ I replied, which prompted his smile to become even broader. After the high-tech thumb print matching and iris scan from moments before, the stamp in the passport had a vintage feel to it, but the document was handed back to me with a „Welcome to Iraq!“

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Und dann… war der Koffer nicht dabei. Aber das kam nicht überraschend, hatte ich doch in Istanbul wegen Verspätung ganze 15 Minuten, meinen Anschlussflug zu erreichen. Dafür hatte ich definitiv die falschen Schuhe an, aber es ging gut – hinter mir wurde die Tür geschlossen und los ging’s. Planänderung: eine Nacht in Erbil und nicht gleich weiter nach Duhok, sollte der Koffer doch am folgenden Morgen auf der 4-Uhr-Maschine sein. Beim Verlassen der Ankunftshalle war dann schnell klar, warum sich diese Jahreszeit wiederum nicht anbietet: 46 Grad und ich hatte das Gefühl, irgendwo steht ein gigantischer Föhn rum, der mit mehreren Megawatt Leistung jedem die Illusion raubt, hier auch nur einen Schritt zu viel machen zu wollen. Viel los war mit mir aber eh nicht mehr: lecker Kebab im Hotel Restaurant (wo die schreiend laute arabische Chart-Musik kurz nach meinem Eintreten als einziger Gast zu Edith Piaf abgeändert wurde) und noch ein bisschen zappen durch die ca. 850 ausschließlich arabischen, kurdischen oder sich mir sonst sprachlich nicht erschließenden Sender. Doch wer braucht das, wenn das Fernsehprogramm über alle Grenzen hinweg eh gleich ist: ein arabischer (?) Millowitsch, dann etwas im Stile von Doris Day, ein Roseanne-Verschnitt war auch dabei, dazu eine Doku zum amerikanischen Bürgerkrieg und eine Kochsendung. Ein gewöhnlicher Tag bei den öffentlich-rechtlichen?

And then… the realization that my suitcase hadn’t made it on the same flight. It didn’t come as a surprise, though, as I reached Istanbul with a delay and had all of 15 minutes to reach the connecting flight. I was definitely wearing the wrong shoes for this kind of situation but I made it – the door was closed behind me and off we went. Change of plan: a night in Erbil and not directly on to Duhok because the suitcase was supposed to be on the 4 am flight the next morning. Upon leaving arrivals it became instantly clear why, on the other hand, this time of year is not the perfect season: 46°C and I was pretty sure there was a giant hairdryer put up somewhere nearby, working with a few megawatt at bereaving you of any illusions as to your willingness to move any extra than strictly necessary. I wasn’t going to explore anything anymore anyway: yummy kebab in the hotel restaurant (where I was greeted with deafening Arabic music which was switched to Edith Piaf only moments after I had entered as the only guest) and then a little zapping through the about 850 Arabic, Kurdish or whatever the channels that remained a linguistic mystery to me were). But who needs to know the details when the programming is basically the same as at home: popular, low-brow comedies, then something reminiscent of a movie starring Doris Day, a Roseanne-lookalike, a documentary on the American Civil War and a cooking show. Sound familiar?

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Am nächsten Morgen (8 Uhr, 35°C) war der Koffer immer noch nicht da und so machte ich mich mit einem Fahrer auf den Weg nach Duhok (keine Sorge, ich reise mit Wechselgarderobe im Handgepäck). Ich könnte ja auch zwei Stunden nur schweigend in die Landschaft starren und Eindrücke aufnehmen, aber das kommt mir immer so unhöflich vor. So habe ich dann erfahren, was eine echte Flüchtlingskrise ist. Wenn eine Stadt mit vielleicht 1,5 Millionen Einwohnern ca. 500.000 Flüchtlinge aufnimmt bzw. im näheren Umland hat. Wenn diese Stadt, diese Region, dieses Land selbst unter kriegerischen Auseinandersetzungen leidet. Wenn Lehrer im Ruhestand wegen „der Krise,“ die eigentlich die gefallenen Rohölpreise meint, seit April keine Pensionszahlungen mehr bekommen haben. Alles gleichzeitig. Da wird man mindestens schweigsam.

8 am, 35°C and the suitcase still hasn’t arrived so the driver and I get going towards Duhok (don’t worry, I travel with a couple of sets of clean clothes in the carry-on bag). I personally wouldn’t have a problem spending two hours just staring at the landscape, just taking it all in, but I always feel that’s rather impolite. And so I learned what a real refugee crisis looks like. When a city of maybe 1.5 million people takes in 500,000 refugees – within the greater city limits. When this city, this region, this country suffers from war itself. When retired teachers have not received their pensions since April – because of „the crisis“ which primarily refers to the crashing prices of crude oil. All at the same time. It makes you go real quiet and count your blessings.

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Der letzte Teil der Kollage oben ist der erste Blick auf Duhok, nach dem letzten Checkpoint der Peshmerga. An keinem war es irgendwie schwierig, Gesichtskontrolle ohne Beanstandung. Das ging zuletzt nicht allen so. Nur erfrischende 42 Grad. Im Hotel ist der Aufzug kaputt, Mechaniker gehen aber schon zu Werke – und mein Zimmer 108 Treppenstufen hoch im 5. Stock, immerhin ist das Treppenhaus auf ca. 37 frostige Grad runtergekühlt. Gott sei Dank kommt der Koffer später. Im Onkel Kareem-Laden nebenan mit Wasser versorgt. 108 Treppenstufen wieder hoch. Abends ist er dann da, der Koffer, ich werde zur Übergabe an die Rezeption gebeten – 108 Treppenstufen runter sowieso immer zu Fuß, nur um festzustellen, dass der Aufzug weiter kaputt ist. 108 Treppenstufen wieder hoch. Gegen 21 Uhr wieder runter, mit leerem Rucksack, Teilentleerung. 108 Treppenstufen wieder hoch. Oben angekommen ist der Zimmerschlüssel weg. Liegt an der Rezeption, zur Erheiterung der Hotelangestellten. 108 Treppenstufen wieder hoch. Frühstück gibt’s im siebten Stock…

The last part of the collage above is the first view I get of Duhok, after the last peshmerga checkpoint. I had thought it would be more checking but every time it was merely a scrutinizing gaze, no objections. Only refreshing 42°C. The elevator at the hotel is broken (repairmen already at work) – and my room 108 steps up on the fifth floor but at least the stairwell is cooled down to a nippy 37°C. Thank God the suitcase is late. I go down to get water at the mom-and-pop-store around the corner. 108 steps back up. At about 6pm the suitcase arrives and I’m summoned to the reception only to realize that the elevator is still broken. 108 steps back up, without the suitcase. At about 9 pm I ascend again with my backpack and partially empty the suitcase. 108 steps back up. When I reach my room I notice that I don’t have the key, left it at the reception – to the amusement of the hotel staff. 108 steps back up. Breakfast is on the seventh floor…

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Wie auch immer – mal sehen, welche Herausforderungen die kommenden Tage mit sich bringen🙂

Anyhow, I’m looking forward to whatever the next few days have in store for me🙂

Barbara