Badminton und Himbeeren

Schon wieder eine Woche um… und wieder ein Abendessen mit einem neuen Kollegen, wieder eine Hochzeit. Déjà-vu? Nicht ganz! Ich konnte mich erfolgreich gegen eine Steakpfanne wehren und stattdessen einen leckeren italienischen Salat essen 😉 Es war allerdings an besagtem Abend auch so heiß, dass ich mich wohl auch mit einer halben Wassermelone zufrieden gegeben hätte.

Die Hochzeit kam mir entgegen: zum ersten Mal kein Buffet, sondern ein 3-Gänge-Menü plus ein Dessert-Buffet mit Hochzeitstorte. Von letzterer mussten auch drei Stücke gegessen werden, denn jede Etage hatte eine andere Geschmacksrichtung – alle aber mit Marzipan überzogen. Ein Gedicht! Mousse au chocolat musste auch sein… man gönnt sich ja sonst nichts. Und – TATAAAAA – trotzdem ein weiteres Kilo abgenommen. Die Kurve ist leider etwas abgeflacht, da Excel automatisch auf 2-kg-Schritte umgeschaltet hat. Es lässt sich sicher auch irgendwo ändern, aber ich habe es nicht finden können.

STANDEs outen sich immer mehr Leute… und meine Blogstatistik finde ich auch interessant: durchgängig Besucher auf der Seite, nicht nur einen oder zwei Tage nach einem Eintrag. Es muss also Menschen geben, die auf Fortschrittsberichte warten. Eine Kollegin meinte heute, dass sie große Motivation daraus schöpft. Sie meinte außerdem, dass es ja nichts schöneres gibt, als dieses Gefühl wie fliegen, wenn es klappt. Wenn man merkt, dass die Dinge auf einmal leichter gehen. Wenn man am oberen Ende der Treppe nicht mehr keucht wie eine Lok. Wenn die Hose flattert, speziell um die Oberschenkel. Wenn die sonst 70-Minuten-Fahrradrunde auf einmal nur noch eine 60-Minuten-Runde ist. ODER aber (und das nahm ekstatische Züge an), wenn man einen Kollegen im Badminton nach drei knapp verlorenen Sätzen (19:21, 19:21, 20:22) dann mit 21:15 schlägt, danach zwar mit 21:10 vor die Hunde geht, aber doch noch kurz vor dem Zusammenbruch atemlos stammeln kann: „Gib… mir noch… ein halbes Jahr… dann hau… ich dich an die Wand… alles nur noch… eine… Frage… der Kondition… alles das…. WART AB.“ Fürs Hirn scheint’s auch zu helfen, denn ich habe außerdem seinen Schwachpunkt ausgemacht…

An der Obst- und Gemüsetheke wird man von alten Damen angesprochen:
Dame: „Haben Sie da gerade Himbeeren in den Korb gelegt?“
Ich: „Äh, ja…?“
Dame: „Da habe ich ein interessantes Buch zu gelesen… wie hieß es doch gleich?? Hm. ‚Krebszellen… Krebszellen mögen keine Himbeeren!’“

Sprach’s und verschwand ohne weitere Worte in der Konfitüren- und Kaffeeabteilung.

Jetzt müssen wir dann sehen, wie sich 5 Tage München ausmachen… Ist dann doch noch eine andere Nummer… Ich komme nicht zu den mittlerweile eingependelten dreimal Sport pro Woche…

Macht’s gut!
Barbara

Eine Hochzeit und kein Todesfall

Mit dem Fahrrad unterwegs am Rhein

Mit dem Fahrrad unterwegs am Rhein


Woche Nummer fünf liegt hinter mir… und man kann wohl sagen, dass es eine der schwereren war. Zwei Termine waren dazu prädestiniert, mein Vorhaben zu torpedieren: einmal aus Essen gehen mit einem neuen Kollegen (gutbürgerlich, zum Kennenlernen der deutschen Küche) und die erste Hochzeit dieses Sommers.

Die Zahl derjenigen, die diese „Lebensform“ schon einmal ausprobiert haben und mir das mitteilen, steigt ständig. Eine fühlte sich berufen, wieder anzufangen, nachdem ich dazu blogge, eine weitere überlegt sich, das einmal auszuprobieren (ich muss noch Detailinfos liefern) und eine dritte hat den Schritt am Freitag gewagt: angemeldet. Und wenn der Fitness-Level hoch genug ist, möchte diese Person mich auch auf den Radtouren begleiten. Dann kann ich mich auch nicht mehr rausreden! Ich freue mich drauf und hoffe, es zeitigt baldige Erfolge.

Auch in dieser Woche habe ich wieder interessante neue Dinge gekocht – eine feurige Chinakohlpfanne (bei mir nicht ganz so feurig), den fruchtigen Hähnchenbrustfilet-Salat und vieles mehr. Mein Lieblingsnachtisch, der eigentlich ein Snack ist, bleibt jedoch die Cappuccino-Creme. Und in dieser Woche ist mir zum ersten Mal was schlecht geworden. Ich hatte viel früher schon damit gerechnet, denn man hat so viele Lebensmittel gleichzeitig auf Vorrat und angebrochen. Ein Broccoli und ein halber Becher saure Sahne mussten vernichtet werden. Was einfach nicht schlecht wird, ist der fettreduzierte Käse – was ja an sich schon ein Widerspruch ist. Und den mag offenbar noch nicht mal der Schimmel. Die Packung ist fast seit dem ersten Tag auf und der Inhalt immer noch wie neu.

Aber nun zur Woche. Es fing alles ganz gut an auf dem Ausflug in die Gutbürgerlichkeit. Nachdem ich die gesamte Karte inklusive des Eisbeins, des Husarenschnitzels, der Holzfällerpfanne und des Rindergulaschs mit Rotkohl in ein Mischmasch aus Englisch und Französisch übersetzt und der Gast sich für das Eisbein entschieden hatte, war es an mir meine Wahl zu treffen. Es gab auch fünf Salate. “Gut,” dachte ich, “nehme ich doch einfach einen Salat Nizza, der hat fünf Punkte – wenn er groß ist, vielleicht sieben. Aber es bleibt übersichtlich. Salat Nizza. Ja, genau! Ich nehme den Salat Nizza!” Dann kam der Kellner und fragte nach unseren Wünschen und ich antwortete ohne mit der Wimper zu zucken: “Ich nehme die Steakpfanne.” Und dann war es passiert. Davon habe ich mich bis Samstagmorgen nicht erholt…

Und Samstag stand dann die Hochzeit auf dem Programm. In der Vorbereitung wurde alles extrem hektisch. Kurzfristig entschieden eine Freundin und ich noch, die allseits beliebte “Luftballonaktion” zu starten und es war an mir, die Postkarten dafür vorzubereiten. Außerdem wurde am Donnerstag offenbar, dass die Braut noch 120 verzierte Muffins brauchte – das haben wir Freitag nach der Arbeit noch eingeschoben. Was aber auch hieß, dass am Samstagmorgen noch übrig blieb, das Geschenk zu verpacken, die Karten zu kopieren und zu schneiden, eine Rose zu besorgen, allgemein einkaufen zu gehen, den Friseur aufzusuchen usw. Abfahrt: 12 Uhr. Noch vor 10 Uhr den Wocheneinkauf erledigt, besorgte ich die Rose, die Zellophanfolie für das Geschenk, spielte nebenher noch Lotto und kam um Punkt 10 Uhr zum Copy-Shop. Dort las ich zu meinem Entsetzen, dass selbiger im Sommer Samstags zu hat. Da hatte ich einen ersten Hugh Grant-Moment und wurde laut ausfallend. Ich eilte ans andere Ende unseres Stadtteilzentrums, wo meines Wissens ein weiterer Laden mit Kopierer zu finden war. Richtig – doch leider hatte auch er im Sommer Samstags geschlossen. Der Schweiß trat mir auf die Stirn, 10:15 Uhr. Schon an der Bushaltestelle Richtung Innenstadt entschied ich anders und suchte einen Internetkiosk auf – der hatte auch einen Kopierer. Es dauerte so seine Zeit, den Eigentümer vom Prinzip der Postkarten zu überzeugen – aber er schaffte es dann doch. 10:45 Uhr. Zuhause in aller Eile das Geschenk verpackt, Fotoapparat klar gemacht… 11 Uhr. Kurz Luft geholt und entschieden, den Friseur einfach zu vergessen, dafür aufzuhören zu schwitzen, umziehen und easy, easy, easy. Um 11:15 Uhr musste ich dann leider feststellen, das die Hose, dich ich schon vor einigen Monaten gekauft hatte, nun doch allen Ernstes schon wie ein Sack an mir hängt, wunderbar. Eine Wahl gab es nicht mehr, also musste sie trotzdem angezogen werden… Herrgottsakra. Um 12 rollte die Freundin vor und wir machten uns auf den Weg – die Baustellen an der Strecken verursachten unerwartet KEINEN Stau, so dass wir schon fast eine Stunde vor der Trauung an der Kirche waren. Was machen? Direkt nebendran war ein Friseur… also habe ich das dann dort noch nachgeholt (“Guten Tag, ich bin hier zu einer Hochzeit nebenan – ich habe noch 50 Minuten. Können Sie da was machen??”)

Für die Hochzeit habe ich mir die höchstmögliche “freie Punktzahl” eingetragen, 99, und gegessen, worauf ich Lust hatte – inkl. Mousse au chocolat, Hochzeitstorte und in Öl eingelegter Tomaten (unter vielen anderen). Mein Verdauungstrakt hatte damit etwas Schwierigkeiten, ist einfach nichts mehr gewöhnt, die Memme, aber es hat Spaß gemacht! Das Ergebnis war dann, dass ich meinen Level von der vergangenen Woche exakt gehalten habe:

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Das verbuche ich unter den genannten Bedingungen als Erfolg. Nun muss ich jedoch zum Ende kommen. Vollkommen unerwartet konnte ich mich auch heute zu einer Fahrradtour aufraffen und bin dadurch wieder etwas in Zeitmangel geraten, was die Abendplanung angeht. Mein Wohnzimmer wird jeden Tag chaotischer und die Lieferung meines neuen Netbooks heute trägt auch nicht gerade zur Verbesserung der Lage bei… Aber so sitze ich hier und tippe darauf und es geht erstaunlich gut. Doch Schluss jetzt! Macht’s gut und bis bald!

Barbara

Der Tag der Wahrheit

Montag ist immer der Tag der Wahrheit; nun also Butter (oder Halbfettmargarine?) bei die Fische. Ich habe in vier Wochen unter den Gewichtsbeobachtern 6,9 kg abgenommen. Das ist mir schon fast unheimlich. Wobei man allerdings auch sagen muss, dass ich das Startgewicht mit einer anderen Waage gemessen habe, da ich selbst noch keine hatte. Wer weiß, wie verlässlich die war. Total verlässlich sind 4 kg in drei Wochen. Auf jeden Fall sehe ich das erste 5-kg-Ziel hiermit als erreicht an! Und damit das ganze auch noch einen leicht wissenschaftlichen Zug bekommt, hier auch noch auf Anfrage eine Gewichtskurve (musste ich drucken und scannen, irgendwie habe ich keinen Weg gefunden, die Grafik direkt einzufügen…).

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Was die Belohnung für 5 kg angeht hielten sich die Vorschläge ja in Grenzen. Eine CD finde ich gut – aber ob es die Best of MJ wird, weiß ich noch nicht. Klamotten muss ich mal sehen… es soll ja noch mehr runter und wenn ich dann jetzt schon Winterkram kaufe…? Auf jeden Fall habe ich drei bestimmte Shirts rausgekramt, die NOCH NIE gepasst haben, zwei davon waren ein Geschenk. Das wird dann der ultimative Erfolg sein… Genau genommen habe ich mich am vergangenen Samstag schon selbst belohnt, ganz zufällig. Ich war im Büroartikel-Haus meines Vertrauens, eigentlich ging es nur um einen Block hochwertigen Briefpapiers, da fällt mein Auge auf einen Sonderverkauf – also wirklich fast aus der Augenhöhle: hochwertige Karten und Umschläge „wie abgepackt“ für 1 Euro. 8 Karten, 8 Umschläge für einen Euro. Das alles, weil die Farben aus der Produktion gehen! Nachdem ich mich ungläubig noch mal rückversichert hatte, ob ich das auch richtig verstanden habe, habe ich für an die 20 Euro zugeschlagen und habe mit einer ganzen Tüte voller „Rohlinge“ den Laden wieder verlassen. Jetzt möchte ich eine Woche Urlaub, nur um meine Kreativität auszuleben und die Kartenproduktion auf Hochtouren zu bringen!! Oder wenigstens den vorgeschlagenen Tag Überstundenabbau??

Unterwegs war ich auch schon wieder. Nachdem das Wetter so unzuverlässig ist, dass ich schon das Regenradar online konsultiert habe um zu sehen, ob ich vielleicht ein kleines Türchen wagen kann, habe ich es am Sonntagmittag in den Kottenforst geschafft. Oh nein, bis Röttgen brachte mich dann doch der Bus – sonst hätte es für den Kottenforst nicht mehr gereicht. Der Mühlenberg und dann aus der Katzenloch-Senke wieder hoch ist mein ganz persönlicher Mont Ventoux. Leider kam mir die Idee so kurzfristig, dass ich niemanden dafür begeistern konnte. Das hat den Nachteil, dass ich immer rase. Auch wenn ich mir Punkte für die Dauer und nicht die gefahrenen Kilometer sammele. Ich kann nicht anders. Ich kann nur Vollstoff oder gar nicht. Schlimm. Ich werde nie ein Ausdauersportler. Schon der „Kuba-Test“ hat mich in der Schule immer umgebracht. Dafür habe ich ihn zumindest jahrelang gehalten, doch nein: der Cooper-Test, benannt nach dem amerikanischen Sportmediziner Kennth H. Cooper, ist ein anerkannter Test zur Überprüfung der allgemeinen Ausdauer von großen Populationen. Es handelt sich um einen Lauf von 12 Minuten Dauer, bei dem die in dieser Zeit maximal zurückgelegte Strecke ermittelt wird. Ich glaube, ich kam dabei nie über zwei Runden auf der Tartanbahn hinaus – wohl auch, weil mir bloßes Laufen immer als sinnlos erscheint.

Da Badminton mir gar nicht sinnlos erscheint und das nun wieder ansteht, verabschiede ich mich für heute!

Bis zum nächsten „Tag der Wahrheit“… nach der ersten Hochzeit…

Barbara

Kochen und Radsport, Teil II

Zoo-SlicesDie Zeit fliegt… die Tour de France steht vor dem Abschluss und vor der vorletzten schweren Etappe am Mont Ventoux morgen ist Johannes Fröhlinger immer noch dabei. Wahnsinn.

Radsport-technisch ist allerdings die aktive Ausübung dieses Sports in den Vordergrund getreten. Nachdem ich mich einmal aufraffen konnte, abends eine erst etwas orientierungslose, dann aber zielstrebige 70-minütige Radtour zu unternehmen, habe ich das sogar schon wiederholt – und wenn dann endlich mal der Regen aufhört, wird das noch einige andere Male passieren. So zumindest hoffe ich. Es ist schon verrückt, wie sehr man sich von so ein paar Punkten motivieren lässt. Die kriegt man nämlich extra und könnte sie theoretisch auf zusätzliches Essen verwenden… nur macht man das in den seltensten Fällen! Was natürlich den Effekt erhöht. Das ist auch wichtig, denn die ersten beiden Wochen im August werden wenig förderlich sein: zwei Hochzeiten und 5 Tage in München – da wird es schwierig sein, sich an den „Plan“ zu halten.

Dabei ist es ja kein wirklicher Plan und so langsam, nun gegen Ende der vierten Woche, koche ich viel mehr ohne Rezept, habe das Prinzip verinnerlicht. Aber die Neugier treibt mich dann doch auch immer wieder ans neu angeschaffte Kochbuch. So waren z.B. die Zimtnudeln mit Pflaumen-kompott ein wahrer Gaumenschmeichler, die Cappuccino-Creme wird noch einige Male als Dessert herhalten müssen und der Kräuterpfannkuchen mit Pfifferlingen war ein Genuss. Auch wenn ich die Pilze wohl besser hätte putzen müssen…

Das allererstaunlichste ist allerdings, dass offenbar mindestens 30% der weiblichen Bevölkerung entweder auch Anhänger dieser „Lebensform“ sind oder zumindest so lange waren, dass sie auch heute noch die Punkte für alle Lebensmittel kennen. Es dauerte nur Stunden nach Veröffentlichung des ersten Blogs zu diesem Thema, bevor mir mehrere Megabyte an Rezepten in die e-Mail Inbox regneten – allein 62 Rezepte für Kuchen. Auch Weihnachtsplätzchen sind dabei, so dass ich bald mal in eine Probe-Produktion gehen muss – man muss dann im dezemberlichen Ernstfall ja wissen, worauf man sich einlässt.

Auffallend außerdem: es hat noch keiner gesagt, dass dieses Konzept keine Erfolge gezeitigt hätte. Und ich kann mich bislang auch nicht beklagen. Mein „Wiegetag“ ist der Montag und ich werde dann mal zeitnah bloggen und so tun, als sei ich bei einem virtuellen Treffen der anonymen Dicken.

Da fällt mir ein: ich brauche die Hilfe meiner Leser. Als weitere Motivationshilfe schwebte mir vor, mir jeweils nach 5 verlorenen Kilos was „zu gönnen“. Das sollte natürlich nichts essbares sein, Bücher kaufe ich sowieso… Macht doch mal Vorschläge! Am besten als Kommentar zu diesem Beitrag. Ich freue mich drauf – und verrate soviel: es wird höchste Zeit, dass mir bzw. euch da was einfällt!!

Es gibt übrigens noch die Steigerung von Croissant und die heißt Schoko-Croissant! 13 Punkte! Stehen da morgens vor mir zwei Frauen in der Schlange beim Bäcker und jede bestellt einen… und ich kann nur denken: Ha, wenn ihr wüsstet!

Soviel dazu. Nun noch zu den Fotos zur Linken. Die sind allesamt (neben noch ganz vielen anderen) am vergangenen Montag im Kölner Zoo entstanden. Den habe ich zum allerersten Mal besucht (nein, auch Marlar habe ich nicht als Baby durch die Gegend stolpern sehen) und muss sagen, ich war sehr angetan, auch wenn die Großkatzen, namentlich der Tiger und der… oh Gott… war es ein Leopard?? Ich verwechsele die immer… jedenfalls schienen die beiden ganz offensichtlich mit ihrer Lebenssituation nicht klar zu kommen. Dafür hatten die Erdhörnchen ordentlich Spaß unter ihren Wärmelampen und auch die drei Bison-Jungen wussten schon, wie man Stimmung macht. Wusstet ihr, dass Flamingos sich vulkanförmige Nester aus Schlamm bauen?? Oder dass Fische ganz heiß auf Kopfsalat sind und so einen ganzen binnen weniger Minuten komplett zerrupft haben? Dass Paviane wirklich nur das eine im Sinn haben?

Nun lasst uns alle hoffen, dass am Wochenende ein bisschen Sonne für uns rausspringt! Was auch immer ihr vorhabt, viel Spaß dabei und bis bald!

Barbara

Kochen und Radsport

Rückblickend kann man sagen, dass der Weg vorgezeichnet war. Einer meiner Neujahrsvorsätze – und wie sich herausstellen sollte, der einzige, den ich realisiert habe – war, mindestens 4 Tage pro Woche was „ordentliches“ zu kochen und nicht nur Brote und Tomate mit Mozzarella zu essen. Das hat alles in allem gut geklappt. Mitte Mai hatte ich mich dann entschieden, dass kein Glas Nuss-Nougat-Creme mehr meine Türschwelle überschreiten würde, was eine radikale Änderung meiner morgendlichen Routine zur Folge hatte. Es hieß nämlich, dass ich kein Brot würde essen können – denn alles würde mich an mein Suchtmittel erinnern und unzulänglich erscheinen. Also: Müsli. Problem: ich brauche 30 Minuten, um ein Müsli zu essen. Lösung: zuhause zubereiten und dann am Arbeitsplatz essen, während ich meine neuen Mails durchgehe. Ob ich Zeitung am Frühstückstisch oder Mails am Schreibtisch lese, dürfte keine Rolle spielen.

Dann kam der 5. Juli, an dem die Entscheidung fiel. Ich würde mich, um es mit den Worten einer Kollegin auszudrücken, den „Anonymen Dicken“ anschließen, eingedeutscht auch als Gewichtsbeobachter bekannt. Nachdem ich den Online-Auftritt eingehend studiert hatte wurde mir zu allererst eins klar: das ist ein System, das für mich funktionieren könnte. Dinge notieren, ein Online Tagebuch führen und mit Punkten hantieren – das kommt meinem Zahlengedächtnis entgegen. Zweitens war klar: vorerst werde ich keine Treffen aufsuchen, dazu ist mir die Zeit noch zu schade. Erst wird es so versucht.

22 Punkte kann ich jeden Tag „aufessen“ und bis auf wenige Ausnahmen habe ich die noch so gut wie nie gebraucht. Es wurde also drittens klar: ich muss keinen Hunger haben. Heute habe ich 18,5 Punkte gegessen und mit Blick auf die verheerende Wettervorhersage fürs Wochenende entschieden: schwing dich aufs Rad, spülen kannst du auch im Regen. Eine 70-minütige Tour nach den heute-Nachrichten, das gibt 4,5 Aktivitätspunkte – die kann ich bis Sonntagabend ansammeln. Das wiederum ergibt sich auch gut: eine Freundin kommt zu Besuch und möchte mich noch nachträglich zu einem Geburtstagsbrunch einladen. Da kann ich dann ein bisschen über meine mir täglich zugedachten Verhältnisse leben. Aber ein Croissant bleibt ein No-No: 9,5 Punkte für eins… Würde ich also zwei essen und dazu noch ein Glas Milch trinken, wäre dann schon Schluss mit lustig. Mein alldienstägliches Badminton bringt auch 4 bis 5 Extraeinheiten.

Ein fünfter Punkt zeichnete sich bald ab: meine Kochgewohnheiten muss ich nicht mehr großartig verändern. Höchstens zweimal pro Woche Fleisch und dann eher Geflügel gibt’s eh nur, mit viel Öl koche ich nicht, dafür Berge Gemüse. Mein Problem ist die Schokolade. Kann man’s fassen: ich vermisse sie bislang nicht. Aber der große Rückschlag wird schon noch komme, da mache ich mir keine Illusionen. Aber bis dahin kann man sich ja freuen.

Am Anfang fand ich es alles ziemlich aufwändig und irgendwie eine logistische Herausforderung. Für mittags muss ich mir auch was zubereiten… die Küche war regelmäßig ein Schlachtfeld und wurde nicht besser, als ich dann abends heimkam und wieder den Kochlöffel schwang. Die Hälfte meiner freien Zeit ging mit der Zubereitung von Mahlzeiten drauf. Aber auch das kriege ich mittlerweile besser in den Griff.

Was darunter gelitten hat, ist allen voran meine erste bewusst wahrgenommene Tour de France. Der junge Radprofi Johannes Fröhlinger, dessen Website ihr über einen Link zur rechten aufrufen könnt, ist nämlich dabei! Dass ich mich mit Radsport im großen und ganzen nicht auskenne, wurde leider schon am ersten Tag klar: da sagte mir die Fernsehzeitung, „ARD: 18:30 Uhr Einzelzeitfahren“. Dass das nur eine Zusammenfassung war (und sein KONNTE) erschloss sich mir zu spät. Kein guter Auftakt. Und mit meinen logistischen Herausforderungen, auch was Ladenöffnungszeiten angeht, habe ich es bislang erst zweimal geschafft, eine Etappe zu verfolgen. Die eine war an einem Sonntag und die andere, die mich fast einen Infarkt hat erleiden lassen, an einem Freitag. Da saß ich nichtsahnend im Büro. Es war gegen 14 Uhr, als das Telefon klingelte und meine Schwester am anderen Ende war – die ist in der glücklichen Lage, dieser Tage Urlaub zu haben. Sie eröffnete das Gespräch in ihrer üblichen Art, zwischen zwei Zügen an der Zigarette erstmal gemächlich ein „Naaaaaaaa?“ herauszubekommen, während ich der Kollegin im Türrahmen mit einer Hand noch Zeichen gebe, mit der anderen eine Mail zuende tippe während der Hörer irgendwie zwischen Kopf und Schulter klemmt, um dann leicht ungehalten ein „WAS?“ zu antworten.

Sie: „Naaa, wie lange musst du heute noch im Büro bleiben??“
Ich: „Ja, was weiß ich denn. Zwei Stunden noch oder so. Was gibt’s denn??“
Sie: „Naja, wär’ schon schade.“
Ich: „Tatsächlich. Was um alles in der Welt ist denn passiert?“
Sie: „Naja, der Johannes ist in einer neunköpfigen Ausreißergruppe ca. 12 Minuten vor dem Hauptfeld. Dachte, das könnte dich interessieren.“
Ich: „Oh mein Gott, echt?“
Sie: „Japp.“
Ich: „Scheiße – was mache ich denn jetzt?!“
Sie: „Jo, musst du wissen. Ich guck mal weiter. Tschökes.“

Zu diesem Zeitpunkt gucken mich die Kollegen gegenüber bereits entgeistert an.

Kollege: „Was ist passiert?“
Ich: „Also, das ist so… [kurze Erklärung].“
Kollege: „Worauf wartest du denn noch?“
Ich: „Ach… ich mache das hier noch gerade zu Ende…“

Zwei Minuten später, zu Ende war gar nichts, habe ich anerkannt, dass ich mich auf nichts mehr konzentrieren konnte, den lieben Gott einen guten Mann sein lassen und bin zum Bahnhof gerannt, war dann gegen 14:45 in der Wohnung und habe so ziemlich von da an wirr vor mich hingeredet und in entsprechenden Momenten den Fernseher angefeuert. Es muss geholfen haben – es ist ein dritter Platz dabei herausgesprungen. Nur geil, oder? In der Woche danach ertappte ich mich dabei, zum allerersten Mal überhaupt ein Milchprodukt des Hauptsponsors gekauft zu haben – wie ich erstaunt an der Kasse feststellte… Die subtile Werbestrategie funktioniert also.

Naja. Und heute hat mein Drahtesel dann mal für mehr als die Fahrt zum Bahnhof herhalten müssen. In meinem atemlosen Zielspurt habe ich dann eine Mücke verschluckt… und kam nicht umhin mich zu fragen, wie viele Punkte das wohl waren…

Der Wilde Westen

Anlässlich des 80. Geburtstags meiner Tante hatten sich meine Eltern überlegt, nach langer Zeit noch mal mit dem Zug zu fahren. Kurz nach dem Krieg war zumindest mein Vater nach eigenen Angaben zuletzt auf Schienen unterwegs – diese Schätzung allerdings erfuhr alsbald eine Korrektur seitens meiner Mutter: „Red’ doch keinen Quatsch! Wir sind doch damals mit den Kindern aus dem Gasteiner Tal nach Salzburg gefahren!“ Selbst das jedoch ist mehr als 20 Jahre her – und ich erinnere mich nicht mehr daran. Das Erlebnis war offenbar weit weniger prägend als der Marionettenspieler vor dem Salzburger Schloss, den ich noch lebendig in Erinnerung habe. Mag aber auch daran liegen, dass es davon ein Foto gibt, vom Zug aber nicht.

Die Entscheidung für den Zug war also gefallen und stand kurz davor, wieder über den Haufen geworfen zu werden, als klar wurde, dass man sich ein Ticket mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit am Automaten würde kaufen müssen. Kurzerhand entschloss ich mich zur bahnhof_webBegleitung. Während ich zum Besuch in der Eifel meist die Rhein-Ahr-Bahn wähle (kein Umstieg), entschieden sich meine Eltern für die Fahrt nach Köln für den Eifel-Express ab Blankenheim-Wald. Der Name sagt eigentlich schon alles: ein Bahnhof mitten im Nichts und für uns eine halbe Stunde Anfahrt. Seit 1870 gibt es hier eine Bahnstrecke, Teil der Verbindung Köln-Trier. Aber etwas tot scheint es schon. Wäre es nicht erst kurz vor 9 Uhr, leicht neblig und verdammt grün, könnte man sich in den Wilden Westen versetzt fühlen – unruhig blicke ich mich um und warte auf Gary Cooper oder Henry Fonda, bloß nicht in bahnhof_2_web die Schusslinie geraten. Anderswo ist es so beschrieben: (515 m, 69 Einwohner) Der Gemeindeteil liegt reizvoll inmitten ausgedehnter Wälder und Bachauen. Blankenheim-Wald gehörte territorial und kirchlich zu Blankenheimerdorf und teilt von daher dessen Geschichte. Sehenswert sind eine dreiflügelige Hofanlage und ein Wohnhaus aus dem 18. Jh.

Das schieferverkleidete Bahnhofsgebäude sieht nicht wirklich einladend aus, aber ein Blick durch die Glastür bestätigt: da drin ist der Fahrkartenautomat. Wir gehen rein und ich habe mich gerade erklärend durch die ersten beiden Touch-Screen-Level gearbeitet, als sich was rührt und tatsächlich Leben an den Schalter kommt: „Sie können die Karte auch hier kaufen.“ Ein älterer Herr mit deutlich sächsischem Akzent, grauen Locken und interessant sortierten Zahnreihen lächelt uns an und ist wahrscheinlich total froh, mal was zu tun zu bekommen. Er sitzt wie im Spotlight (oder ist es eine Aura?) und irgendwie hat das was ganz bizarres. Wie verzaubert. Als wir uns dann auf den Bahnsteig begeben haben, bin ich mir nicht wirklich sicher, ob er tatsächlich da war und komme mir vor wie Kater Findus in der Begegnung mit dem verrückten Briefträger, der Postkarten bringt, die man hinterher nicht mehr lesen kann und der sich nach einem wirren Gespräch in Luft auflöst. Ich gucke noch mal sicherheitshalber auf das Ticket, aber alles ist einwandfrei.

Mein Onkel, Bruder meines Vaters, ist auch noch dabei und nimmt das alles wie so oft in stoischer Ruhe zur Kenntnis. Wer weiß, wann er zuletzt per Zug unterwegs war? Jedenfalls erinnert man sich während der Wartezeit an einen weiteren Bruder, der zu Beginn seiner beruflichen Karriere am Bahnhof in Jünkerath arbeitete und dort auf die Frage einer älteren Dame, wann denn der letzte Zug nach Köln führe, den legendären Ausspruch „Leev Frau, dat erliwwen mir zwei nitt mie“ prägte. Jünkerath ist weiter am Netz, aber bei vielen anderen hätte er sich dabei wohl zu weit aus dem Fenster gelehnt gehabt, wie man nun weiß.
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Der Zug fährt ein – einer der ältesten noch in Betrieb stehenden, soviel ist sicher. Er ist gut besetzt und wir machen uns in zwei Doppelsitzen breit. Nach wenigen Minuten schon meint mein Vater, auf seinen Schirm gestützt, dass ihm zu seinem Glück jetzt nur noch ein „Stück“ (Butterbrot) und eine Thermoskanne Kaffee fehle – daran müssen wir nächstes Mal denken. Sein Bruder hält den Blick starr nach draußen gerichtet und scannt die vorbeiziehende Landschaft. Ich befürchte schon, ihm sei schlecht. Ja, man könne doch sogar überlegen, öfter mal mit dem Zug zu fahren, es sei so herrlich entspannend. („Ja“, denke ich, „so lange, bis man wegen eines Böschungsbrands und/oder Personenschadens einen Anschluss verpasst, da es zu „betriebsbedingten“ Verspätungen kommt…“).

Vollends um die Fassung bringt uns dann die Fahrt in einen Tunnel, oder „Tun’nel“ (Betonung auf der letzten Silbe). Mit hochroten Köpfen haben wir Tränen gelacht – bis auf meinen Onkel, der weiter in völliger Ruhe über das Leben und seine bekloppte Verwandtschaft sinniert, wie ich vermute. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich die restlichen Mitreisenden fragen, was wir wohl für ein Trupp sind, ganz im Sinne von „Fiehrt en Bauer no Kölle…“ Also, Tun’nel sei ja Französisch, ein Relikt aus der Besatzungszeit. Genau wie mich meine Verwendung der Worte Plümmo und Prummetaat immer zweifelsfrei als westlichsten aller Wessis outen.

In Euskirchen überlasse ich sie ihrem Schicksal, um umzusteigen in einen Zug nach Bonn, der dort wartend am Gleis steht. Und als der Tag zur Neige geht steht fest: bei allen hat alles bestens geklappt – das können wir noch mal machen.

Lebenslänglich

Das Poppelsdorfer Schloss!

Das Poppelsdorfer Schloss!


Am vergangenen Wochenende hatte ich lange erwarteten Besuch: ein Freund aus den USA und sein Kumpel statteten auf einer Tour durch Europa auch Bonn einen Besuch ab. Und auch wenn dieser Freund erst 19 Jahre alt ist, trifft der englische Ausdruck „we go way back“ zu, wir kennen uns schon lange. Es war 1994 als ich mich auf den Weg nach Boston machte, um dort ein Jahr als Au Pair bei und mit einer amerikanischen Familie zu leben. Damals war er einer von zwei Jungs, vier Jahre alt. Es war nicht so, als hätte ich ihn seitdem nicht gesehen – zuletzt noch letzten Sommer in Boston – aber ich fand den Besuch trotzdem mehr als spannend.

Mir noch mal was anlesen zu Bonn wollte ich auch und fand es dann schon irgendwie erschreckend, dass der Reiseführer das gleiche Ausmaß hatte wie jener, den ich erst wenige Wochen zuvor für Rom gekauft hatte. Zwei absolut vergleichbare Städte also offenbar… Nicht schlecht überrascht las ich dann auch, dass man dem Stadtteil Poppelsdorf durchaus einen Tag widmen sollte.

Nun ja, am Freitagmorgen in Paris losgefahren, waren sie verspätet angekommen: die Distanzen in Brüssel unterschätzt, hatten sie die geplante Weiterfahrt verpasst. Und waren gleich von einem SNCF-Mitarbeiter über den Tisch gezogen worden – man hatte ihnen zum Interrail-Pass unzählige Reservierungen aufgedrückt. So wird es noch ein Weilchen bei den Freedom Fries bleiben… Kurz vor Mitternacht letztlich angekommen, fielen sie fast gleich ins Bett.

Die Villa Hammerschmidt!

Die Villa Hammerschmidt!

Samstags bei bestem Wetter in aller Ruhe aufgestanden, konfrontierte ich die beiden erstmal mit einer deutschen Bäckerei. Das verursachte leichte Überforderung, war aber letztlich von Erfolg gekrönt. Ordentlich gestärkt brachen wir dann auf zum Poppelsdorfer Schloss, zur gleichnamigen Allee und der Südstadt („South Central“ sozusagen, jedoch nicht zu verwechseln mit dem Namensvetter in Los Angeles), zum Hofgarten, zur Uni und Innenstadt mit allem, was dazugehört. Am Rhein entlang machten wir uns auf den Weg ins Regierungsviertel, denn wie der Zufall es wollte, war es ja auch noch der 60. Geburtstag der Bundesrepublik: die Villa Hammerschmidt, das Palais Schaumburg und Konsorten riefen. In Sachen Besichtigung hielten wir uns an die Parkanlagen, denn es waren fast römische Verhältnisse: riesige Schlangen. Und da der Freund nach einer Woche Paris mit seiner Oma nach eigenen Angaben etwas „museumed out“ war, verzichteten wir darauf. Stattdessen schleppten wir uns noch bis in die Rheinauen und dann mit der Bahn zurück in die Innenstadt – auf ein paar kühle Kölsch am Alten Zoll. Ziemlich überrascht stellten wir dann irgendwann fest, dass es bereits 19:30 Uhr war und machten uns zwecks Abendessen leicht ermüdet auf den Heimweg.

Wahlplakate erst fälschlich für schlechte H&M-Werbung gehalten, konnte dieses Missverständnis aufgeklärt werden, als man das Wort „liberal“ darauf entzifferte – dafür machten die uns ständig in die Hand gedrückten Flyer der jeweiligen Parteien was her: „Da steht ja richtig viel drin!“ Nichts übertraf zu meiner Genugtuung jedoch die Erdbeeren. So leckere hätten sie ja noch nie gegessen und der Kumpel überlegte, ob er seinem Onkel nicht welche nach München mitbringen sollte…

Die Jugend regeneriert deutlich schneller, wie ich dann bemerken musste, denn die beiden wollten ab 23 Uhr dann noch das Bonner Nachtleben erkunden. Aufgrund von Erschöpfung und ihnen nicht ständig auf der Pelle hängen wollens beteiligte ich mich daran lediglich durch den Eintrag diverser Lokalitäten in den Stadtplan und den Hinweis, dass sie im Zweifelsfall für den Rückweg ruhig ein Taxi nehmen sollten – Bonn sei nicht Paris und mit max. 10 Euro seien sie dabei.

Um 5:54 Uhr hörte ich sie leise wieder nach Hause kommen, wunderte mich, wie unerwartet heiß das Nachtleben doch gewesen sein musste und drehte mich in dem Gedanken, dass hier vor 14 Uhr wahrscheinlich nichts laufen würde, wohlig wieder um. Doch weit gefehlt. Um 10:30 Uhr hörte ich den ersten in der Dusche und machte mich flugs auch auf – beim Frühstück meinte der Kumpel jedoch, mein Freund habe eine schwere Nacht gehabt und würde so schnell sicher nicht wieder aufstehen, aber wir könnten ja schon mal in den Botanischen Garten. Soviel zum Thema Regenerationszeit. Den Schlüssel schon in der Hand rührte sich dann doch was im Nebenzimmer und nach einer halbstündigen Dusche stand auch mein Freund in der Küche. Irgendwas stimmte mit seinem Mund nicht und da waren auch so komische Kratzer auf dem Unterarm… aber ich hüllte mich in Schweigen.

Der Botanische Garten!

Der Botanische Garten!

Nach etwas trocken Brot, einem Aspirin und der Feststellung, dass er heute eine Sonnenbrille brauche, machten wir uns gemeinsam auf zum Botanischen Garten, der die beiden glaube ich ehrlich beeindruckt hat. Aber nun müsse er doch sitzen und einen Kaffee haben… den wir in der nahegelegenen Eisdiele zu uns nahmen. Weitere Infos zum Vorabend wurden weiter nicht geliefert, aber das Interesse kundgetan, so was wie „German Suburbia“ zu sehen (die beiden studieren Architektur). Wir nahmen den Bus nach Röttgen und sie machten zu meinem Entsetzen unzählige Fotos von gefliesten Häusern aus den 60ern… und dann kam die Bemerkung, so gegen 16:30 Uhr, dass er vielleicht zahnärztliche Hilfe brauche. „Aha“, sagte ich, „ich war mir ja nicht sicher, aber gestern war der Zahn noch vollständig da, oder?!“ Ja, dem sei so gewesen… Wie genau es passiert sei, sei unklar…

Mit etwas Mühe erreichten wir die Zahnarztpraxis, die Notdienst hatte und trafen dort kurz nach 18 Uhr ein. Da stand der lange Lümmel mit dem abgebrochenen Zahn und ich mit einem Tempo in der Nase, da ich beim Nase putzen heftiges Nasenbluten bekommen hatte – inkl. Blut auf der Hose. Nein, da bestünde kein kausaler Zusammenhang, versicherte ich. Auf die Frage, wie es zu dem Zahnproblem gekommen war, antwortete ich ausweichend, dass es wohl im weitesten Sinne mit Kölsch zu tun gehabt habe. Mehr wisse ich auch nicht. Ich musste zu Übersetzungszwecken mit in den Behandlungsraum und dachte mit meiner Zahnarztangst nur: „Nicht hingucken… nicht hingucken… und ganz ruhig bleiben, keine Unruhe verbreiten…“ Und plötzlich musste ich grinsen und daran denken, dass es eine ähnliche Situation das letzte Mal vor ca. 14 Jahren gab… bleibt man doch ein Leben lang Au Pair??

Nachdem ich schon am Samstag Döner als festen Bestandteil der deutschen Küche vorgestellt hatte, brachte uns der Sonntag in die Pizzeria nebenan – vom Ambiente her nicht ganz der gewohnte Stil des Country oder Yacht Clubs, mundete aber trotzdem. In Gedanken versunken meinte der Kumpel, fände es ja nur geil, dass man hier überall so schnell zu Fuß sei, während mein Freund etwas betröpfelt feststellte, dass sie ja gar kein Foto von der nicht mehr bestehenden Zahnlücke gemacht hatten. Der Vorschlag, die kürzlich angebrachte dentale Kunst handgreiflich zu entfernen wurde jedoch abgelehnt…

Rom – von oben, letztlich

Nah dran... ich bin ganz nah dran: am Petersdom!

Nah dran... ich bin ganz nah dran: am Petersdom!


7:11 Uhr
Es ist wie so oft: ein Montagmorgen und es ist definitiv viel zu früh. Ich gähne mich Schritt für Schritt voran und muss mich mehr als einmal auf dem kurzen Fußweg in letzter Sekunde vor rasant fahrenden Rollern oder Müllabfuhrwagen in Sicherheit bringen. Ich bin unterwegs auf einer Mission, das große Ziel vor den noch nicht wirklich geöffneten Augen… denn es kann ja gar nicht wahr sein, dass man in Rom gewesen sollte, und den Petersdom nicht von innen gesehen hat. Oder?

7:15 Uhr
Ich stehe auf dem gähnend leeren Petersplatz und trotte an der rechten Seite durch die Holzgitter, die die sonst so unbeherrschbar großen Besuchermassen im ZauN halten sollen. Wasserflaschen darf man dabei haben, aber keine Taschenmesser. Träger-Tops sind nichts, ebenso wenig Minis oder Hotpants. Die beiden Amis etwa 50m vor mir haben Bermuda-Shorts an. Kein Problem.

7:16 Uhr
Ich stelle fest, dass die Menschen mit den Audio-Guides erst ab 9:00 Uhr auf Maloche sind, aber das ist jetzt auch egal – lieber was sehen, staunen und die Details irgendwann mal nachlesen, als vier Stunden anstehen und dann im Sardinenverfahren besichtigen.

So ein Ding wollte ich auch schon immer mal fahren... Putzkolonne im Petersdom.

So ein Ding wollte ich auch schon immer mal fahren... Putzkolonne im Petersdom.

7:25 Uhr
Ich betrete den Petersdom, gemeinsam mit der Putzkolonne. Sonst sind wirklich noch kaum Menschen da. Durch die großen Fenster über dem Eingang strahlt die Sonne ins Hauptschiff, alles ist lichtdurchflutet. Marmor, Marmor, Marmor, wohin das müde Auge reicht, in allen Farben des Spektrums. Eine Papststatue an der anderen. In der Mitte ist eine Art Gang abgezäunt – warum, weiß ich nicht. Wenn ich nach oben gucke, muss ich mich festhalten. Farbenfrohe Kuppeln, Schriftzüge. Ich weiß, der Kölner Dom ist kleiner, aber es kommt mir anders vor – wahrscheinlich, weil man mal als Kind in letzterem war und einem in der Erinnerung weiterhin alles gigantisch vorkommt. Ist es ja auch, aber hier noch mehr und wesentlich farbenfroher. Ich weiß nicht, wie größenwahnsinnig die Menschen gewesen sind, die das hier geplant haben.
Das Hauptschiff. Marmor - soweit das Auge reicht.

Das Hauptschiff. Marmor, soweit das Auge reicht.


7:45 Uhr
Hinter dem Hauptaltar „irgendwo links“ – wohl im Querschiff, wenn ich darüber nachdenke – gibt es eine private Messe für eine polnische Reisegruppe. Seitenaltäre, kleine Kuppeln, marmorne Engel, Päpste und andere, noch und nöcher.

8:00 Uhr
Ich bin wieder am Eingang und „müsste“ eigentlich noch die rechte Seite abgehen, aber da kriege ich spitz, dass der Eingang zur Kuppel ein anderer ist und man sich da noch mal anstellen muss – also ziehe ich das vor. 500 irgendwas Stufen. Eintritt: 5 Euro, mit Lift 7 Euro. Ich zahle 7 Euro, gehe ein paar Schritte weiter und sehe das Schild: „Achtung! Nach dem Lift sind noch 322 Treppenstufen zu gehen! Kranke und ältere Menschen sollten sich gut überlegen, ob sie weitergehen!“ Wohlgemerkt NACH dem Ticketkauf. Dass ein Lift nicht bis ganz nach oben geht hätte man sich auch denken können, aber trotzdem. Find ich hinterfotzig.

Die polnische Reisegruppe nach dem Gottesdienst.

Die polnische Reisegruppe nach dem Gottesdienst.


8:10 Uhr
Der Lift kommt an, wie soll ich sagen: auf dem Niveau des Rundgangs am unteren Ende der Kuppel. Alles klar? Und von oben betrachtet ist der Innenraum erst richtig geil – die Muster auf dem Boden, die, wenn man direkt über sie geht, so groß sind, dass sie einem überhaupt nicht viel sagen, machen richtig was her. Mir fehlt jetzt etwas das
Buchstaben, überlebensgroß, und Gemälde, die Mosaike sind.

Buchstaben, überlebensgroß, und Gemälde, die Mosaike sind.

Festhalten - die Kuppel.

Festhalten - die Kuppel.

architektonisch wertvolle Vokabular… wenn man sich vorstellt, dass die Kuppel auf einem quadratischen Raum aufsetzt, sind an allen vier dieser Ecken, was man für Bilder von Heiligen oder so hält – erst nun, bei im wahrsten Sinne des Wortes näherer Betrachtung, fällt auf, dass es Mosaike sind. Die gesamte Galerie ist ein einziges Mosaik. Etwas darunter verläuft, ebenfalls als Mosaik, das goldene Band mit dem dunkelblauen Schriftzug Tu es Petrus et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam et tibi dabo claves regni caelorum – meine rudimentären Lateinkenntnisse ließen sich auffrischen, es heißt soviel wie: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und Dir gebe ich die Schlüssel zum Himmelreich. Nebensächlich. Hauptsächlich: diese Buchstaben sind zwei Meter hoch… ich habe das wirklich erst hinterher auf den Fotos realisiert, als ich Menschen auf der Galerie direkt im Vergleich dazu gesehen habe… (Ich hätte, nun da ich eine Quelle gefunden habe, terminologisch korrekt schreiben können, dass dieser Satz im inneren Kuppelfries zu lesen ist – aber gebt’s zu: wer hätte davon mehr gehabt?!).

8:30 Uhr
Start der Treppenstufen. Ausgetretene Steinstufen. Metalltreppen. …vierundvierzig, fünfundvierzig, sechsundvierzig… in engen Wendeltreppen – und ich meine ENG… zweihundertsiebenundfünfzig, zweihundertachtundfünfzig, zweihundertneunundfünfzig… Die Kuppel wird spürbar, denn man muss den Kopf nach rechts wegknicken und insgesamt etwas schief gehen – der Rücken ist begeistert, die Beine sagen schon lange nichts mehr. Ich erkämpfe einen Absatz, auf den sich viele andere auch schon gefreut zu haben scheinen, Pause. Weiter und irgendwann kommt Licht, durch eine Tür noch und man steht PAAF! direkt über dem Petersplatz, wenn man so will, in der Morgensonne, über den Dächern Roms – auf dem Teil der Kuppel, der von unten aussieht, als sei er nicht viel mehr als ein kleines Deko-Törtchen.

Woah. Ohne Worte.

Woah. Ohne Worte.


9:00 Uhr
Trotz der etwa 30 Touristen dort oben ist es ziemlich still, der eine Teil fasst sich ans Herz, ein anderer steht vornüber gebeugt da mit den Händen auf den Knien wie ein Dieter Baumann nach dem Zieleinlauf eines 5.000m-Rennens, wieder andere schwitzen still wenn auch schwer atmend vor sich hin. Als man sich dann erholt hat, sieht man die Engelsburg, schaut in die Vatikanischen Gärten, verfolgt den Lauf des Tiber und anderes. Ich liebe den Blick von oben und kann mich nur ganz schwer wieder trennen.
Heiliger Trupp über dem Eingang zum Petersdom. RIESENGROSS.

Heiliger Trupp über dem Eingang zum Petersdom. RIESENGROSS.


9:45 Uhr
Wieder unten angekommen und der Petersdom füllt sich. Auch „die andere Seite“ des Hauptschiffs sehe ich mir noch an und begebe mich dann in die Poststelle des Vatikans, um eine Postkarte zu verschicken. Dabei komme ich an zwei Schweizer Garden vorbei und kann mir nicht helfen: die sehen aus wie milchbubige Clowns.

10:30 Uhr
So, vielleicht habe ich ja Glück und kann mir an diesem Vormittag auch noch die Sixtinische Kapelle ansehen. Das könnte ich jedoch nur mit viel Geduld, die Schlage steht schon wieder bei ca. 2 Stunden. Also muss das auf 7:00 Uhr beim nächsten Rom-Besuch warten. Was könnte ich mit den verbleibenden zwei Stündchen denn sonst noch machen… erstmal was essen und ein Eis… ein bisschen im Sönnchen sitzen.

Campo Santo Teutonico, der deutsche Friedhof.

Campo Santo Teutonico, der deutsche Friedhof.

11:30 Uhr
Campo Santo! Der deutsche Friedhof, der direkt an Vatikanstadt anschließt und nur für Deutsch sprechende Menschen zugänglich ist. Wahrscheinlich ist das das einzige, was ihn davor rettet komplett überrannt zu werden. Als ich ihn betrete bin ich enttäuscht, zwar alles recht pittoresk und trotz des einen oder anderen Touristen eine gewisse Ruhe ausstrahlend, aber so KLEIN. Aber das ist vielleicht dem an diesem Vormittag erlebten Größenwahn geschuldet.

19:00 Uhr
Erschöpft von drei Nächten Schlafmangel und vier Tagen Rom-Marathon falle ich auf meine Couch. Am Flughafen hatte ich damit geliebäugelt, noch am gleichen Abend Ein Herz und eine Krone (das im Original übrigens wie so oft viel passender A Roman Vacation heißt…) auf meiner Unterschicht-Glotze zu genießen – aber das hebe ich mir für einen wacheren Moment auf… ach, bella Roma!

Rom an einem Sonntag

Die Spanische Treppe

Die Spanische Treppe

Das Leben überschlägt sich dieser Tage, so dass es etwas gedauert hat, bis ich zu diesem dritten Teil über meinen ersten Rom-Aufenthalt gekommen bin…

Den langsamen morgendlichen Start der Gastgeber voll einplanend, hatten wir am Abend zuvor schon besprochen, dass ich am Sonntagmorgen noch mal allein zur Spanischen Treppe fahren würde, an der wir an meinem ersten Abend in Rom nur kurz vorbeigehuscht waren. Kaum zu glauben, aber wahr: ich konnte sie nicht nur ganz in Augenschein nehmen, ich konnte sie sogar besteigen und am oberen Ende einen kurzen Blick in die Santa Trinità die Monti werfen. Selbst der Rhododendron blühte noch.

Schwupps um die Ecke und wieder in die U-Bahn, die in einem Wahnsinnstakt (zwischen 1- und 5-minütlich) fährt – zurück Richtung Petersplatz, denn der Papst war zuhause und das heißt an einem Sonntag: 12 Uhr Angelus-Gebet auf dem Petersplatz. Wir erreichten selbigen gegen 11:50 Uhr, ca. 20.000 andere waren schneller gewesen. Auf riesigen Leinwänden wurde gerade das Ende der im Petersdom gehaltenen Messe übertragen, Stimmung wie im

Warten auf den Papst. Oder: Himmlische Sprungschanze.

Warten auf den Papst. Oder: Himmlische Sprungschanze.


Fußballstadion. Also, auf dem Platz, nicht im Dom. Irgendeine gelbe Masse wedelte wild mit Tüchern gleicher Farbe – stundenlang. Gegen 12:15 Uhr ging das berühmte Fenster auf, ein rotes Tuch entrollt sich nach unten und kurz darauf erkennt man schwach in der Ferne einen weißen Schatten, das muss er sein, Benedetto. Die Stimmung wurde noch besser, ich war in Lauerposition für La Ola. Nach dem Gebet erfolgte die Begrüßung der Pilger in verschiedenen Sprachen, auch besonderer Gruppen, wie eines Orchesters aus Laupheim. Ich muss sagen, ich fand das ganze mehr als bizarr. Hatte ich mich noch aufgeregt, dass Franzosen den Platz verließen, als Französisch durch war, Spanier, als Spanisch durch war – so wurde ich dringlichst aufgefordert, zu gehen, als Deutsch durch war: „Wenn wir uns nicht beeilen, kriegen wir keinen Platz mehr in der Pizzeria!“

Das lag den beiden am Herzen, besonders dem Neapolitaner Giovanni: dass ich nicht heimfahre, ohne eine RICHTIGE Pizza gegessen zu haben. Es sei unglaublich, was einem alles als Pizza aufgetischt würde, ja, ein Skandal! So wurde ich auch gar nicht gefragt, was ich denn genau für eine Pizza wolle – Pizza Margherita nimmt man, alles andere ist Kokolores. Und woran man eine „richtige“ Pizza erkennt, wollte ich wissen. Der Teig müsse einem auf der Zungen zergehen, fast zerfließen wie Eis, nur heiß und würzig und mit Hefe. Aha. Aber so war es dann auch. Ziemlich. Nicht ganz wie Eis, aber ich habe zumindest verstanden, was der Unterschied ist. Franco nebenan hat demnach keine Pizza im Angebot, aber das, was er im Angebot hat, schmeckt mir nach wie vor gut. Ich werde es nur nicht mehr Pizza nennen 😉

Über den Dächern von Rom. Blick vom Pincio.

Über den Dächern von Rom. Blick vom Pincio.

Das Mittagessen mit einem Tiramisu beendet (Grappa für den Herrn) ging es per U-Bahn raus zur Via Veneto und Villa Borghese. Bei letzterer handelt es sich um eine große Parkanlage (die eigentliche Villa habe ich nicht gesehen), durch die wir in aller Ruhe mit dem einen oder anderen caffe al bar zum Berg Pincio flanierten, von dem man einen schönen Blick auf Rom, direkt über der Piazza del Popolo, hat.

Der Rückweg führte uns direkt oberhalb der Spanischen Treppe entlang, wo wir voller Ungläubigkeit oder auch Entsetzen eine japanische Hochzeit sich entfalten sahen. Das Brautpaar, in einer riesigen weißen Stretch-Limo vorgefahren, macht sich mit der ca. 40-köpfigen Hochzeitsgesellschaft auf den Weg die über 100 Stufen runter, um das schöne Motiv als Hintergrund für die Erinnerungsfotos zu haben. Eltern oder andere Verwandte schienen nicht dabei zu sein, ein Haufen japanischer Yuppies. Das Brautkleid in crème hatte eine Schleppe, die Lady Di vor Neid hätte erblassen lassen. Dazu dann noch höchsthackige Schuhe – entsprechend fertig mit der Welt war die Braut dann, als sie wieder oben ankam, da war kein Lächeln mehr drin, für keine Kamera mehr und schon gar nicht für den Gatten. Nur noch Schmerzen und Erschöpfung, gerade noch die Tränen verhindert. Zum Glück sind Chinesen keine Japaner (der Hintergrund dieser Aussage ist interessant, Link verfolgen!).

Quirinal: Wachwechsel, unspektakulärer.

Quirinal: Wachwechsel, unspektakulärer.

Der nächste zu besteigende Hügel war der Colle Quirinale, auf dem mit dem Palazzo del Quirinale der Amtssitz des italienschen Präsidenten zu finden ist. Jeden ersten Sonntag im Monat ist er eigentlich öffentlich zugänglich, aber auch er war geschlossen, in Erwartung der Massen. Was den Präsidenten angeht, wurde ich gefragt, was ich von ihm halte… ich fragte erst zurück, ob ich die Frage wohl tatsächlich beantworten muss, was sich als unnötiger diplomatischer Schachzug herausstellte, denn man war sich einig.

Insgesamt etwas fertig mit der Welt und jede sich bietende Sitzgelegenheit entlang des Wegs nutzend kamen wir noch an der Kirche Santa Maria Maggiore vorbei und warfen einen kurzen Blick hinein. Die ca. 97 Kirchen, in die wir mal schnell reingeguckt haben, weil sie gerade am Weg lagen, kann ich bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr auseinander halten. Das ist hier aus unerfindlichen Gründen etwas anders. Vielleicht, weil sich mir die Gelegenheit bot, heimlich, still und leise während des gerade abgehaltenen Gottesdiensts das versprochene Kerzchen anzuzünden. Dann schlichen wir heimwärts, allerdings nicht ohne noch im Foyer eines kleinen Theaters Halt zu machen. Giovanni ist Bühnenbauer und hat kurz bei Freunden vorbeigeschaut. Dort war der Abend der letzten Aufführung eines Stücks und wir konnten von den Resten des Buffets profitieren.

Mit Blick auf den anstehenden Arbeitstag waren wir etwas – aber nur etwas – früher in den Federn und da mein Rückflug am Montag erst um 16 Uhr angesetzt war, hatte ich mir für den folgenden Vormittag noch wahrhaft großes vorgenommen.

Ich weiß, die Spannung ist unerträglich 😉 Die Fortsetzung wird nicht wieder 8 Tage auf sich warten lassen.

Rom… und die Füße vor dem Kollaps

Ein italienisches Frühstück ist nicht der Rede wert. Der schläfrige Macho lässt gleich zwei Ladungen Espresso richten, die noch in der Horizontalen zu sich genommen werden – ein Kreislaufzusammenbruch noch am Morgen ist unbedingt zu vermeiden. Für den Rest gab’s eine Tasse Milch und Zwieback und ähnliches Gebäck zum tunken oder mit Erdbeermarmelade. Etwas wehmütig dachte ich müde an die Bäckerei meines Vertrauens. Aber Brot ist ja nun wirklich ÜBERALL außerhalb Deutschlands ein Problem.

Corridoio du Borgo, Passage zwischen Papstpalast und Engelsburg

Corridoio du Borgo, Passage zwischen Papstpalast und Engelsburg

Etwas schockiert mussten wir dann erfahren, dass der Romkenner Alberto die Nacht im Krankenhaus verbracht hatte. War das Tröpfchen von der Ahr doch nichts für den der mediterranen Winzerkunst geneigten Gaumen? Es blieben nur Spekulationen, jedenfalls fiel er flach für den zweiten Tag. Während meine Gastgeber noch am Kreislauf arbeiteten, machte ich mich durch ein Tor im Corridoio di Borgo, einer 800 m langen beeindruckenden Passage zwischen dem Papstpalast und der Engelsburg auf zum Petersplatz. Kurz nach 10 Uhr traf ich ein – und sah mich mit einer Schlange vor dem Eingang konfrontiert, die quasi den gesamten Platz bis zu vierreihig umschloss… dann eine scharfe Kurve zog und in der entgegen gesetzten Richtung wieder weiterging. Der elliptisch geformte Platz ist RIESIG – auch wenn mir die 240 x 340 m (von mehreren Quellen bestätigt) doch SEHR riesig vorkommen. Jedenfalls betrug die geschätzte Wartezeit mehr als zwei Stunden. Ich glaube, ich war schon ziemlich lange nicht mehr an einem richtigen Touristen Hot-Hot-Hot-Spot. Nä, dachte ich mir, so nicht, und machte mich über die Via della Conziliazione auf zum Castel Sant’Angelo, der Engelsburg.

Castel Sant'Angelo, die Engelsburg

Castel Sant'Angelo, die Engelsburg

Die Engelsburg war ursprünglich ein Mausoleum für den Kaiser Hadrian und wurde sogar schon im Jahr nach seinem Tod, nämlich 139, fertig gestellt. Neben ihm haben noch einige andere Kaiser dort ihre letzte Ruhe gefunden, u.a. Marc Aurel. Ab dem 10. Jahrhundert war sie vor allem eine Zuflucht für die Päpste in allen möglichen Krisensituationen – über die oben erwähnte Passage war man schnell in die Festung gelangt. Heute beherbergt sie u.a. ein Museum (58 Säle!), aber mit Blick auf diesen zeitlich sehr begrenzten Besuch in Rom und das gute Wetter entschied ich mich für bloßes Schlendern innerhalb der Mauern und den Blick von der Terrasse über die Ponte Sant’Angelo zur Stadt hin. Nase in die Sonne halten.

Ponte Sant'Angelo über den Tiber

Ponte Sant'Angelo über den Tiber

Pünktlich wie immer war ich um Punkt 13 Uhr wieder bei meinen Gastgebern, die ebenso pünktlich vom einkaufen zurückkamen und zur Zubereitung des Mittagessens übergingen. Das bestand aus einem säuglingskopfgroßen Klops Büffel-Mozzarella, dem echten. „Der ist für euch zwei,“ meinte Concetta und ich guckte nur verständnislos: „Wie, das Riesending? Wer soll das denn essen? Und womit essen wir das?“ „Das,“ klärte Giovanni auf, der gerade einen Roten entkorkte, „essen wir ohne alles.“ Ich muss ziemlich entsetzt geguckt haben, denn die beiden lachten, wohl wissend, dass sich dieser Mozzarella mit nichts vergleichen lässt, was man jenseits der Alpen als solchen angeboten bekommt – der in Olivenöl und Balsamico ertränkt werden muss, damit die Konsistenz nicht an drögen Pappkarton erinnert. So habe ich ca. 500g Mozzarella zu Mittag verspeist und werde nach dieser Erfahrung wohl nie mehr Billigprodukte aus deutschen Supermärkten zu mir nehmen können…

Pantheon an der Piazza della Rotonda

Pantheon an der Piazza della Rotonda

Am Nachmittag wurde meinem Wunsch, einige der am Vorabend „abgehakten“ Sehenswürdigkeiten auch bei Tageslicht zu sehen, entsprochen – unter anderem das Pantheon, dessen außergewöhnliche Architektur mit dem Loch in der 43m breiten Kuppel. Dieses „Loch“ hat einen Durchmesser von 9 Metern und dient als Lichtquelle. Wie ich erst heute bei der Recherche einiger Basisinformationen erfahre, ist das Pantheon seit 609 eine katholische Kirche, Sancta Maria ad Martyres. Leider kam ich auch hier nicht rein – an diesem Feiertagswochenende waren einige Sehenswürdigkeiten geschlossen, da man einen nicht zu bewältigenden Andrang erwartete (kann bestätigt werden). Also ein weiterer Punkt auf der Liste „Nächstes Mal“.

Monumento Vittorio Emmanuele II (geschummelt... in diesem Licht erst einen Tag später gesehen...)

Monumento Vittorio Emanuele II
(geschummelt... in diesem Licht erst einen Tag später gesehen...)

Der Weg über die Piazza Venezia mit einem kurzen Blick auf das Monumento Vittoria Emanuele II brachte uns zum Forum Romanum, dessen Außengrenzen wir abgeschritten sind. Ich war an Leptis Magna erinnert, die römische Stadt in Libyen, die mich bei der großen Exkursion so fasziniert hatte, weil sie noch mehr oder weniger komplett vom Grundriss her steht, da ist nichts modernes dazwischen geraten. Damals hatte ich vermutet, dass das einen größeren Reiz haben könnte… naja. Man kann sich ja mal irren… Das Kolosseum war dann direkt um die Ecke – hier gleiches Spiel: die Touristenhorden hatten es fest im Griff. Nach einer kurzen Pause für die geschundenen Füße ging es weiter zum Circus Maximus, wovon heute allerdings nur eine überdimensionierte, langgezogene Wiese übrig ist, die gern von Joggern frequentiert wird. Seine Größe von 600 x 140 Metern macht es zum größten Veranstaltungsgebäude aller Zeiten (max. Fassungsvermögen: geschätzte 385.000 Zuschauer).

Blick auf das Forum Romanum

Blick auf das Forum Romanum


Ganz in der Nähe ist die Bocca della Verita, eine große Maske aus Marmor, die spätestens im Film Ein Herz und eine Krone zu Berühmtheit gelangt ist. Auch hier war kein Zugang möglich… also muss das obligatorische Foto mit der Hand im Mund der Maske beim nächsten Mal gemacht werden.

Über die unspektakuläre Tiber-Insel schlugen wir uns durch nach Trastevere, einem „In“-Viertel mit kleinen Gassen und einem ausgedehnten Restaurant- und Nachtleben. Für den Touristen als solchen ist das ja sehr schön, aber mir wurde berichtet, dass die alteingesessene Bevölkerung in den letzten Jahren mehr oder weniger geflüchtet ist, da nie mal Ruhe einkehrt und unter den Besuchern auch viele volltrunkene Krachmacher dabei sind. Dort habe ich das italienische Konzept der Happy Hour kennengelernt, was nichts zu tun hat mit Cocktails zum halben Preis, sondern aus einem Aperitif und einem kleinen Happen besteht. Muss man auch wissen.

Aus mir zunächst unerfindlichen Gründen sind wir noch einmal auf die andere Tiber-Seite, so dass ich orientierungsmäßig etwas verwirrt war – aber es schien den Gastgebern wichtig, mit mir noch einmal die gesamte Altstadt zu durchqueren, um dann den Ara Pacis Augustae zu besuchen – von außen, da bereits weit nach den Öffnungszeiten. Der Altar wurde modern umbaut, zum Schutz vor Umwelteinflüssen. Dieser Umbau ist beendet und weiter so umstritten, dass man nun darüber nachdenkt, ihn wieder abzureißen. Egal, wie man in findet: das hätte man sich früher überlegen sollen.

Fertig wie Brot kamen wir wieder „zuhause“ an und der Herr des Hauses warf sich gleich in die Küche: Broccoli in Form von Blättern (?) mit ordentlich Knoblauch und dazu so eine Art grobe Würstchen. Wieder mal lecker. Und wieder mal bis weit nach Mitternacht…

Teil 3 der Saga folgt… Bleibt dran…