Rom an einem Sonntag

Die Spanische Treppe

Die Spanische Treppe

Das Leben überschlägt sich dieser Tage, so dass es etwas gedauert hat, bis ich zu diesem dritten Teil über meinen ersten Rom-Aufenthalt gekommen bin…

Den langsamen morgendlichen Start der Gastgeber voll einplanend, hatten wir am Abend zuvor schon besprochen, dass ich am Sonntagmorgen noch mal allein zur Spanischen Treppe fahren würde, an der wir an meinem ersten Abend in Rom nur kurz vorbeigehuscht waren. Kaum zu glauben, aber wahr: ich konnte sie nicht nur ganz in Augenschein nehmen, ich konnte sie sogar besteigen und am oberen Ende einen kurzen Blick in die Santa Trinità die Monti werfen. Selbst der Rhododendron blühte noch.

Schwupps um die Ecke und wieder in die U-Bahn, die in einem Wahnsinnstakt (zwischen 1- und 5-minütlich) fährt – zurück Richtung Petersplatz, denn der Papst war zuhause und das heißt an einem Sonntag: 12 Uhr Angelus-Gebet auf dem Petersplatz. Wir erreichten selbigen gegen 11:50 Uhr, ca. 20.000 andere waren schneller gewesen. Auf riesigen Leinwänden wurde gerade das Ende der im Petersdom gehaltenen Messe übertragen, Stimmung wie im

Warten auf den Papst. Oder: Himmlische Sprungschanze.

Warten auf den Papst. Oder: Himmlische Sprungschanze.


Fußballstadion. Also, auf dem Platz, nicht im Dom. Irgendeine gelbe Masse wedelte wild mit Tüchern gleicher Farbe – stundenlang. Gegen 12:15 Uhr ging das berühmte Fenster auf, ein rotes Tuch entrollt sich nach unten und kurz darauf erkennt man schwach in der Ferne einen weißen Schatten, das muss er sein, Benedetto. Die Stimmung wurde noch besser, ich war in Lauerposition für La Ola. Nach dem Gebet erfolgte die Begrüßung der Pilger in verschiedenen Sprachen, auch besonderer Gruppen, wie eines Orchesters aus Laupheim. Ich muss sagen, ich fand das ganze mehr als bizarr. Hatte ich mich noch aufgeregt, dass Franzosen den Platz verließen, als Französisch durch war, Spanier, als Spanisch durch war – so wurde ich dringlichst aufgefordert, zu gehen, als Deutsch durch war: „Wenn wir uns nicht beeilen, kriegen wir keinen Platz mehr in der Pizzeria!“

Das lag den beiden am Herzen, besonders dem Neapolitaner Giovanni: dass ich nicht heimfahre, ohne eine RICHTIGE Pizza gegessen zu haben. Es sei unglaublich, was einem alles als Pizza aufgetischt würde, ja, ein Skandal! So wurde ich auch gar nicht gefragt, was ich denn genau für eine Pizza wolle – Pizza Margherita nimmt man, alles andere ist Kokolores. Und woran man eine „richtige“ Pizza erkennt, wollte ich wissen. Der Teig müsse einem auf der Zungen zergehen, fast zerfließen wie Eis, nur heiß und würzig und mit Hefe. Aha. Aber so war es dann auch. Ziemlich. Nicht ganz wie Eis, aber ich habe zumindest verstanden, was der Unterschied ist. Franco nebenan hat demnach keine Pizza im Angebot, aber das, was er im Angebot hat, schmeckt mir nach wie vor gut. Ich werde es nur nicht mehr Pizza nennen 😉

Über den Dächern von Rom. Blick vom Pincio.

Über den Dächern von Rom. Blick vom Pincio.

Das Mittagessen mit einem Tiramisu beendet (Grappa für den Herrn) ging es per U-Bahn raus zur Via Veneto und Villa Borghese. Bei letzterer handelt es sich um eine große Parkanlage (die eigentliche Villa habe ich nicht gesehen), durch die wir in aller Ruhe mit dem einen oder anderen caffe al bar zum Berg Pincio flanierten, von dem man einen schönen Blick auf Rom, direkt über der Piazza del Popolo, hat.

Der Rückweg führte uns direkt oberhalb der Spanischen Treppe entlang, wo wir voller Ungläubigkeit oder auch Entsetzen eine japanische Hochzeit sich entfalten sahen. Das Brautpaar, in einer riesigen weißen Stretch-Limo vorgefahren, macht sich mit der ca. 40-köpfigen Hochzeitsgesellschaft auf den Weg die über 100 Stufen runter, um das schöne Motiv als Hintergrund für die Erinnerungsfotos zu haben. Eltern oder andere Verwandte schienen nicht dabei zu sein, ein Haufen japanischer Yuppies. Das Brautkleid in crème hatte eine Schleppe, die Lady Di vor Neid hätte erblassen lassen. Dazu dann noch höchsthackige Schuhe – entsprechend fertig mit der Welt war die Braut dann, als sie wieder oben ankam, da war kein Lächeln mehr drin, für keine Kamera mehr und schon gar nicht für den Gatten. Nur noch Schmerzen und Erschöpfung, gerade noch die Tränen verhindert. Zum Glück sind Chinesen keine Japaner (der Hintergrund dieser Aussage ist interessant, Link verfolgen!).

Quirinal: Wachwechsel, unspektakulärer.

Quirinal: Wachwechsel, unspektakulärer.

Der nächste zu besteigende Hügel war der Colle Quirinale, auf dem mit dem Palazzo del Quirinale der Amtssitz des italienschen Präsidenten zu finden ist. Jeden ersten Sonntag im Monat ist er eigentlich öffentlich zugänglich, aber auch er war geschlossen, in Erwartung der Massen. Was den Präsidenten angeht, wurde ich gefragt, was ich von ihm halte… ich fragte erst zurück, ob ich die Frage wohl tatsächlich beantworten muss, was sich als unnötiger diplomatischer Schachzug herausstellte, denn man war sich einig.

Insgesamt etwas fertig mit der Welt und jede sich bietende Sitzgelegenheit entlang des Wegs nutzend kamen wir noch an der Kirche Santa Maria Maggiore vorbei und warfen einen kurzen Blick hinein. Die ca. 97 Kirchen, in die wir mal schnell reingeguckt haben, weil sie gerade am Weg lagen, kann ich bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr auseinander halten. Das ist hier aus unerfindlichen Gründen etwas anders. Vielleicht, weil sich mir die Gelegenheit bot, heimlich, still und leise während des gerade abgehaltenen Gottesdiensts das versprochene Kerzchen anzuzünden. Dann schlichen wir heimwärts, allerdings nicht ohne noch im Foyer eines kleinen Theaters Halt zu machen. Giovanni ist Bühnenbauer und hat kurz bei Freunden vorbeigeschaut. Dort war der Abend der letzten Aufführung eines Stücks und wir konnten von den Resten des Buffets profitieren.

Mit Blick auf den anstehenden Arbeitstag waren wir etwas – aber nur etwas – früher in den Federn und da mein Rückflug am Montag erst um 16 Uhr angesetzt war, hatte ich mir für den folgenden Vormittag noch wahrhaft großes vorgenommen.

Ich weiß, die Spannung ist unerträglich 😉 Die Fortsetzung wird nicht wieder 8 Tage auf sich warten lassen.

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