Rom… und die Füße vor dem Kollaps

Ein italienisches Frühstück ist nicht der Rede wert. Der schläfrige Macho lässt gleich zwei Ladungen Espresso richten, die noch in der Horizontalen zu sich genommen werden – ein Kreislaufzusammenbruch noch am Morgen ist unbedingt zu vermeiden. Für den Rest gab’s eine Tasse Milch und Zwieback und ähnliches Gebäck zum tunken oder mit Erdbeermarmelade. Etwas wehmütig dachte ich müde an die Bäckerei meines Vertrauens. Aber Brot ist ja nun wirklich ÜBERALL außerhalb Deutschlands ein Problem.

Corridoio du Borgo, Passage zwischen Papstpalast und Engelsburg

Corridoio du Borgo, Passage zwischen Papstpalast und Engelsburg

Etwas schockiert mussten wir dann erfahren, dass der Romkenner Alberto die Nacht im Krankenhaus verbracht hatte. War das Tröpfchen von der Ahr doch nichts für den der mediterranen Winzerkunst geneigten Gaumen? Es blieben nur Spekulationen, jedenfalls fiel er flach für den zweiten Tag. Während meine Gastgeber noch am Kreislauf arbeiteten, machte ich mich durch ein Tor im Corridoio di Borgo, einer 800 m langen beeindruckenden Passage zwischen dem Papstpalast und der Engelsburg auf zum Petersplatz. Kurz nach 10 Uhr traf ich ein – und sah mich mit einer Schlange vor dem Eingang konfrontiert, die quasi den gesamten Platz bis zu vierreihig umschloss… dann eine scharfe Kurve zog und in der entgegen gesetzten Richtung wieder weiterging. Der elliptisch geformte Platz ist RIESIG – auch wenn mir die 240 x 340 m (von mehreren Quellen bestätigt) doch SEHR riesig vorkommen. Jedenfalls betrug die geschätzte Wartezeit mehr als zwei Stunden. Ich glaube, ich war schon ziemlich lange nicht mehr an einem richtigen Touristen Hot-Hot-Hot-Spot. Nä, dachte ich mir, so nicht, und machte mich über die Via della Conziliazione auf zum Castel Sant’Angelo, der Engelsburg.

Castel Sant'Angelo, die Engelsburg

Castel Sant'Angelo, die Engelsburg

Die Engelsburg war ursprünglich ein Mausoleum für den Kaiser Hadrian und wurde sogar schon im Jahr nach seinem Tod, nämlich 139, fertig gestellt. Neben ihm haben noch einige andere Kaiser dort ihre letzte Ruhe gefunden, u.a. Marc Aurel. Ab dem 10. Jahrhundert war sie vor allem eine Zuflucht für die Päpste in allen möglichen Krisensituationen – über die oben erwähnte Passage war man schnell in die Festung gelangt. Heute beherbergt sie u.a. ein Museum (58 Säle!), aber mit Blick auf diesen zeitlich sehr begrenzten Besuch in Rom und das gute Wetter entschied ich mich für bloßes Schlendern innerhalb der Mauern und den Blick von der Terrasse über die Ponte Sant’Angelo zur Stadt hin. Nase in die Sonne halten.

Ponte Sant'Angelo über den Tiber

Ponte Sant'Angelo über den Tiber

Pünktlich wie immer war ich um Punkt 13 Uhr wieder bei meinen Gastgebern, die ebenso pünktlich vom einkaufen zurückkamen und zur Zubereitung des Mittagessens übergingen. Das bestand aus einem säuglingskopfgroßen Klops Büffel-Mozzarella, dem echten. „Der ist für euch zwei,“ meinte Concetta und ich guckte nur verständnislos: „Wie, das Riesending? Wer soll das denn essen? Und womit essen wir das?“ „Das,“ klärte Giovanni auf, der gerade einen Roten entkorkte, „essen wir ohne alles.“ Ich muss ziemlich entsetzt geguckt haben, denn die beiden lachten, wohl wissend, dass sich dieser Mozzarella mit nichts vergleichen lässt, was man jenseits der Alpen als solchen angeboten bekommt – der in Olivenöl und Balsamico ertränkt werden muss, damit die Konsistenz nicht an drögen Pappkarton erinnert. So habe ich ca. 500g Mozzarella zu Mittag verspeist und werde nach dieser Erfahrung wohl nie mehr Billigprodukte aus deutschen Supermärkten zu mir nehmen können…

Pantheon an der Piazza della Rotonda

Pantheon an der Piazza della Rotonda

Am Nachmittag wurde meinem Wunsch, einige der am Vorabend „abgehakten“ Sehenswürdigkeiten auch bei Tageslicht zu sehen, entsprochen – unter anderem das Pantheon, dessen außergewöhnliche Architektur mit dem Loch in der 43m breiten Kuppel. Dieses „Loch“ hat einen Durchmesser von 9 Metern und dient als Lichtquelle. Wie ich erst heute bei der Recherche einiger Basisinformationen erfahre, ist das Pantheon seit 609 eine katholische Kirche, Sancta Maria ad Martyres. Leider kam ich auch hier nicht rein – an diesem Feiertagswochenende waren einige Sehenswürdigkeiten geschlossen, da man einen nicht zu bewältigenden Andrang erwartete (kann bestätigt werden). Also ein weiterer Punkt auf der Liste „Nächstes Mal“.

Monumento Vittorio Emmanuele II (geschummelt... in diesem Licht erst einen Tag später gesehen...)

Monumento Vittorio Emanuele II
(geschummelt... in diesem Licht erst einen Tag später gesehen...)

Der Weg über die Piazza Venezia mit einem kurzen Blick auf das Monumento Vittoria Emanuele II brachte uns zum Forum Romanum, dessen Außengrenzen wir abgeschritten sind. Ich war an Leptis Magna erinnert, die römische Stadt in Libyen, die mich bei der großen Exkursion so fasziniert hatte, weil sie noch mehr oder weniger komplett vom Grundriss her steht, da ist nichts modernes dazwischen geraten. Damals hatte ich vermutet, dass das einen größeren Reiz haben könnte… naja. Man kann sich ja mal irren… Das Kolosseum war dann direkt um die Ecke – hier gleiches Spiel: die Touristenhorden hatten es fest im Griff. Nach einer kurzen Pause für die geschundenen Füße ging es weiter zum Circus Maximus, wovon heute allerdings nur eine überdimensionierte, langgezogene Wiese übrig ist, die gern von Joggern frequentiert wird. Seine Größe von 600 x 140 Metern macht es zum größten Veranstaltungsgebäude aller Zeiten (max. Fassungsvermögen: geschätzte 385.000 Zuschauer).

Blick auf das Forum Romanum

Blick auf das Forum Romanum


Ganz in der Nähe ist die Bocca della Verita, eine große Maske aus Marmor, die spätestens im Film Ein Herz und eine Krone zu Berühmtheit gelangt ist. Auch hier war kein Zugang möglich… also muss das obligatorische Foto mit der Hand im Mund der Maske beim nächsten Mal gemacht werden.

Über die unspektakuläre Tiber-Insel schlugen wir uns durch nach Trastevere, einem „In“-Viertel mit kleinen Gassen und einem ausgedehnten Restaurant- und Nachtleben. Für den Touristen als solchen ist das ja sehr schön, aber mir wurde berichtet, dass die alteingesessene Bevölkerung in den letzten Jahren mehr oder weniger geflüchtet ist, da nie mal Ruhe einkehrt und unter den Besuchern auch viele volltrunkene Krachmacher dabei sind. Dort habe ich das italienische Konzept der Happy Hour kennengelernt, was nichts zu tun hat mit Cocktails zum halben Preis, sondern aus einem Aperitif und einem kleinen Happen besteht. Muss man auch wissen.

Aus mir zunächst unerfindlichen Gründen sind wir noch einmal auf die andere Tiber-Seite, so dass ich orientierungsmäßig etwas verwirrt war – aber es schien den Gastgebern wichtig, mit mir noch einmal die gesamte Altstadt zu durchqueren, um dann den Ara Pacis Augustae zu besuchen – von außen, da bereits weit nach den Öffnungszeiten. Der Altar wurde modern umbaut, zum Schutz vor Umwelteinflüssen. Dieser Umbau ist beendet und weiter so umstritten, dass man nun darüber nachdenkt, ihn wieder abzureißen. Egal, wie man in findet: das hätte man sich früher überlegen sollen.

Fertig wie Brot kamen wir wieder „zuhause“ an und der Herr des Hauses warf sich gleich in die Küche: Broccoli in Form von Blättern (?) mit ordentlich Knoblauch und dazu so eine Art grobe Würstchen. Wieder mal lecker. Und wieder mal bis weit nach Mitternacht…

Teil 3 der Saga folgt… Bleibt dran…

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