Die Südostasien-Erfahrung

Botanischer Garten Bogor

Sie hat begonnen, die erste Erfahrung mit Südostasien, wenn auch mit leichter Verspätung. Als wäre der Flug mit gut 11 Stunden nach Kuala Lumpur (“KL”), der Hauptstadt Malaysias, nicht schon lang genug, saßen wir noch anderthalb Stunden im Flieger am Gate, denn beim Betanken der Maschine war was schiefgegangen und blitzschnell waren wir von Feuerwehrfahrzeugen umzingelt. Aber man bekam das Problem in den Griff. Und so sahen wir eine CD, viereinhalb Spielfilme und 90 Seiten meiner derzeitigen Lektüre später die unzähligen Containerschiffe zwischen KL und Sumatra, sowie Palmenhaine bis ans Ende des Horizonts, bevor wir in noch angenehme 25°C ausstiegen… um 7:35 Uhr morgens. Der Transfer zum Weiterflug war einfach und es passte von der Zeit her noch genau. Nach weiteren zwei Stunden Flug war dann das erste Ziel erreicht: Jakarta. Wie schon in Malaysia war der Willkommensgruß wenig einladend: “Bitte beachten Sie, dass auf den Besitz und den Handel mit Drogen unausweichlich die Todesstrafe steht.”

Wie angekündigt, erwartete uns die Reisebegleiterin mit dem Busfahrer sowie drei weiteren Teilnehmern, die schon ca. 10 Tage Sumatra hinter sich hatten. Die Fahrt zum Hotel überzeugte niemanden, dass Jakarta einen längeren Aufenthalt lohnen könnte… Ein Moloch von einer Stadt, mit der derzeit geschätzt 18 Mio Einwohnern, einer nicht wirklich existierenden Müllabfuhr und architektonisch wenig attraktivem. Ob Jakarta wirklich “grün” wird… ich wage es zu bezweifeln.

Über das Müllproblem hatte ich erst kürzlich einen Artikel gelesen: innerstädtische Müllhalden und dann auch die improvisierten Müllhalden an den Straßenecken, in den Beeten um die wenigen Bäume rum (wo in Deutschland derzeit Krokusse und Narzissen blühen)… Die Entsorgung läuft zum größten Teil über den informellen Sektor, also im Klartext arme Leute, die die Halden durchgehen nach wertvollem zum Weiterverkauf suchen. Es wird wohl überlegt, sie offiziell in ein Müllentsorgungskonzept an dem die Stadt arbeitet, zu integrieren.

Dann aber auch gut organisierte Bushaltestellen mit “Fast Lanes”, die nur von Bussen befahren werden dürfen, die damit die immerwährenden Staus umgehen. An den Bau einer U-Bahn wird wohl gedacht – vielleicht wird es aber auch eine Monorail-Bahn. Irgendwie sehe ich das noch nicht so ganz passieren.

Das erste Todesopfer im Krimi “Jakarta Shadows” von Alan Brayne, den ich gerade lese, verbreitet vor seinem Ableben noch die Meinung, dass es sich bei der indonesischen Hauptstadt um die Achselhöhle Asiens handelt… Aber nun, während sich der Rest der Truppe in die Gegend um den Hafen und die heruntergekommene koloniale Bebauung gab, stand für mich eh der erste Teil in Sachen “individualisierte Gruppenreise” auf dem Programm: ich würde meine langjährige Brieffreundin Felly treffen. Wir kennen uns seit ca. 1992 (genau wissen wir es nicht mehr, nur, dass wir beide noch in der Schule waren). Lange Zeit hatten wir keinen Kontakt mehr, doch dann fand sie mich online in meinem bevorzugten sozialen Netzwerk, dem Gesichtsbuch. Sie ist mittlerweile verheiratet und hat zwei Kinder, so dass ein Familienbesuch anstand. Mit ihrem Mann und der älteren Tochter im Schlepptau holte sie mich ab und wir fuhren zu ihr nach Hause, wo auch noch zwei Schwestern, die Mutter und eine Tante wohnen. Also gleich richtig rein in das indonesische Leben. Den angebotenen Tee nahm ich gerne – er war mit mindestens 4 Löffeln Zucker gesüßt… ich hab’s ja schon gerne süß, aber das hat alles gesprengt. Ich bat dann um ein Glas Wasser, um den Durst irgendwie los zu werden, was mit der Frage “Süßes oder normales?” beantwortet wurde? Verständnislos fragte ich: “Meinst du eine Cola oder so?” und bekam als Antwort “Nein, einfach Zucker ins Wasser!” Okay, hatte ich bislang türkischen Süßkram als den ultimativen Schuhauszieher betrachtet, so ist das nun definitiv getoppt worden. Das ist wohl nichts besonderes in der Familie meiner Brieffreundin, sondern typisch in Indonesien und so was wie ein Statussymbol: siehst du, wir haben’s so dicke, dass wir dir LÖFFELWEISE Zucker in den Tee schütten können. Aus unserem geplanten Trip zur Mall wurde nichts, denn leider war die kleine Tochter krank. Das brachte mich allerdings in den Genuss einer hausgemachten indonesischen Mahlzeit (LECKER, wenn sich auch alle kaputtlachten, wie vorsichtig ich mit der Chili-Erdnusssauce war und trotzdem Schweißausbrüche bekam und mir ständig unhöflicherweise die Nase putzen musste). Zum Tee wurden gereicht, na??? Kann man das ahnen?? Hausgemachte POFFERTJES. Soviel zum Thema niederländischer Einfluss.

Barbara mit Himmawans / Barbara and the Himmawan Family

Aber noch mal zurück zum Thema Mall. Ich hatte meinerseits ja eben jenen Besuch ins alte Stadtviertel vorgeschlagen, auf dem sich meine Reisegruppe nun befand, doch das wurde mehr oder weniger bestimmt abgelehnt mit dem Hinweis darauf, dass jeder Indonesier, der etwas auf sich hält, in die Mall geht. Die allermeisten nur zum Schaufensterbummel in kostenloser Klimaanlage, aber da könnten wir dann eben auch zu Abend essen. Ich wandte noch ein, dass ich mir auch DURCHAUS vorstellen könnte, in einem eher traditionellen Restaurant zu speisen, aber auch das wurde abgebügelt mit dem Hinweis darauf, dass das nicht “in” sei und irgendwann dachte ich dann auch, okay, wenn der momentane (urbane) indonesische Lebensstil das beinhaltet, dann ist es eben so. Auch in meinem Krimi wird darauf Bezug genommen:

Forget the tourist guides. Forget Borobodur and Prambanan. Forget gamelan music, batik shirts and wayang shadow puppets. If you’re looking for the real thing, genuine Jakartan culture as it’s lived today, there’s only one place to head for: the shopping mall.

Mit dem Internet ist das nicht ganz so einfach. In Jakarta dachte ich noch, es sei nicht nötig, sich da gleich Zugang zu verschaffen, aber in Bandung, wo wir am Montag Abend angekommen waren, funktionierte es nicht wegen stundenlanger wolkenbruchartiger Regenfälle und nun in Pangandaran hat das Hotel kein Internet. Also wird es ein Megaeintrag und ich mache da weiter, wo ich aufgehört habe.

Den Katzen werden hier die Schwänze verstümmelt - es soll Glück bringen. Die Frage ist nur, wem?

Von Jakarta ging es weiter nach Bogor, mit 750.000 Einwohnern fast kleinstädtisch anmutend. Wie verlässlich diese Zahlen sind weiß ich nicht… Aber wenn ich Plakate sehe “Sensus 1.-31. mei” und da ein Männchen mit Zettel und Stift drauf ist, vermute ich eine Volkszählung, die dann bald vielleicht sicherere Zahlen liefert. Bogor ist von Bergen umgeben und auf 290 mNN ein Lieferant für Sommerfrische für die Wohlbetuchten. Es liegt 60km südlich von Jakarta und ist Teil der Großregion “Jabotabek”, den so langsam wachsen hier 4 Städte zu einer Metropolregion zusammen. Ich hatte gelesen, dass es als “Regenloch” gilt, aber wir hatten Glück und konnten uns den weltberühmten Botanischen Garten “Kebun Raya Bogor” trockenen Fußes ansehen… zumindest einen Teil davon, denn für das ca. 85 Hektar große Areal braucht man wohl mehr als nur 2 Stunden. Mir fehlte es an blühenden Pflanzen, aber die Baumsammlungen waren schon beeindruckend und Führer Udin rupfte ständig irgendwo was ab um zu demonstrieren, womit sich Kinder welche Spielzeuge basteln.

Udin bastelt eine Puppe

Teepflückerin nahe Puncak Pass

Am Puncak Pass gab es Teeplantagen und die Arbeit der Teepflückerinnen zu begutachten. Die arbeiteten mit interessanten Konstruktionen aus Heckenscheren und Kanistern. Mir fiel dabei auf, dass ich trotz der vielen Teeplantagen in Ruanda noch nie eine betreten hatte und war überrascht, wie groß und hart doch die Teeblätter sind – wie Lorbeer oder so. Das hatte ich mir deutlich filigraner vorgestellt. Das Ziel dieses Tages war Bandung, wo wir gegen 17:30 Uhr ankamen. Um 18 Uhr setzte o.a. wolkenbrauchartiger Regen ein, so dass an einen Stadtbummel durch das “Paris des Ostens” nicht mehr zu denken war. Schirm oder kein Schirm war NICHT die Frage, sondern eher, Gummistiefel oder keine, denn die Straßen hatten sich in reißende Flüsse verwandelt. Willkommen in der Regenzeit. Ich kann also leider weder beurteilen, ob seine “tropische Art-Deco-Architektur” tatsächlich an Miami erinnert, noch, ob dieses Zentrum der Textilindustrie entsprechende Angebote in die Läden bringt. Ein anderes Mal…?

Für heute erstmal viele Grüße
Barbara

Tschuess!!

Und dann war Chaos

Eigentlich, ja: eigentlich wollte ich einfach nur noch heim. Die 25 Minuten Fahrt lesend oder vielleicht sogar dösend im Zug sitzen. Die Woche war höllisch anstrengend und an diesem Donnerstag war es schon gefühlter Freitagabend. So saß ich also mit dem Rücken zum Fenster im Fahrradabteil in der RB zwischen zwei rheinischen Metropolen und wunderte mich noch, warum um alles in der Welt es wohl so voll war, dass man sich vorkam wie in Tokio zur Rush hour – und das an einem Wochentag um diese Zeit. Dann versuchte ich, mich auf einen Artikel über die kubanisch-amerikanischen Beziehungen zu konzentrieren.

„Sie müssen aufstehen!“ hörte ich eine fordernde ältliche Frauenstimme und beobachtete aus dem Augenwinkel, dass sie es darauf absah, ihr Fahrrad diagonal gegenüber an den Rand zu stellen, vor die Klappsitze. Dafür würde sie die Breite von drei Sitzen brauchen, nur zwei waren frei – und das auch nur, weil ein Kinderwagen in der Mitte den Durchgang versperrte. „Stehen Sie auf! Das ist ein Fahrradabteil! Mein Fahrrad muss da hin!“ Die Frau, an die sie ihre Aufforderung gerichtet hatte, blickte ungläubig von ihrem Buch hoch. „Das meinen Sie doch jetzt wohl nicht ernst, dass Ihr Fahrrad in einem derart vollen Zug drei Plätze blockieren kann?!“ Mittlerweile war die Aufmerksamkeit aller geweckt. „Stehen Sie auf! Da gehört mein Fahrrad hin!“ – „Ja, das ist ein Fahrradabteil!“ meldete sich ein Herr mit Fahrrad von der Tür her zu Wort. Und diesen Satz würde er Wort für Wort in der exakt gleichen Tonlage immer wieder sagen in den kommenden 15 Minuten, wie eine Schallplatte mit Sprung.

Die Rentnerin neben mir begann zu vermitteln und sagte zu dem Geschäftsreisenden, dessen Koffer den einen Sitz am ganz anderen Ende der Reihe blockierte: „Gucken Sie doch mal: wenn Sie den Koffer da weg nehmen und dann alle einen Platz aufrücken, dann hat das Fahrrad doch Platz.“ Das machte der dann auch und alle rückten auf. Missmutig nahm die Frau ihr Fahrrad und lehnte es an die drei Sitze, um sich dann Richtung 1. Klasse Abteil zurückzuziehen. Es dauerte ca. 37 Sekunden, bis das Fahrrad einfach umfiel und mit dem Lenker fast das Baby im Kinderwagen erwischte. „Boah eh, dat kann ja wohl nisch wahr sein, oder wat?“ stieß die erboste Teenage Mom aus. „Die Alte hat se ja wohl nisch mehr alle, oder wat?“ Eine junge Frau und ein nicht mehr ganz so junger Mann aus der Stehplatzfraktion schlugen blitzschnell zu und besetzten zwei der drei freigewordenen Klappsitze. „Das ist ein Fahrradabteil!“ kam es von der Tür. Wenige Augenblicke später kam besagte Alte aus dem 1. Klasse Abteil, um sich anzusehen, was da los war. „SIE haben mein Fahrrad umgeworfen!!! Heben Sie es SOFORT auf!“ schrie sie die lesende Frau an, die sie nur fassungslos anstarrte und dann wahrheitsgemäß meinte, sie habe ihr Fahrrad ja gar nicht berührt und was sie denn erwarte, wenn sie es weder anbinde, noch den Ständer ausklappe?? Alle nickten und ich hatte schon lange den roten Faden in den kubanisch-amerikanischen Beziehungen verloren. „Wenn isch hier gleisch nisch mit dem Kinderwagen durschkomm, mach ich dat Rad platt, dat sach isch dir,“ warnte die Teenage Mom und sah beifallheischend in die Runde. Der Geschäftsmann gegenüber jedoch vermutete, dass es sich wahrscheinlich um eine Aktionskünstlerin handelte und wir nur alle zu blöd seien um die Kunst zu erkennen.

„Das Fahrrad ist jetzt kaputt und die Tüte auch!! Was mache ich denn jetzt? Ich verlange Schadenersatz!“ sagte die Fahrradbesitzerin und setzte sich ihre Sehhilfe, die annähernd die Größe einer Taucherbrille hatte, zurecht. Ein ungläubiges Kichern ging durch die Reihen, wurde jedoch jäh unterbrochen durch ein „Ja, das ist ein Fahrradabteil!“ Das wiederum löste eine neue Attacke auf den Mann aus, der sich zwischenzeitlich auf einen der Plätze gesetzt hatte und las. Oder es zumindest versuchte. Anfangs führte er die Diskussion noch mit rationalen Argumenten, aber dann wurde er einfach nur noch sauer. „Die Alte krischt dat doch jar nisch auf de Reihe, dat sind doch Perlen vor die Säue,“ wandte die Teenage Mom ein. Dann zog die Alte wieder ab und sie fuhr fort, „Dat is doch läscherlisch, die sollte mal in den Kindergarten gehen, da lernen die wenigstens wie man sisch benimmt.“

Wir standen schon erstaunlich lange an einem Unterwegsbahnhof und plötzlich erkannte ich durch die Glastür zum 1. Klasse Abteil, dass die Alte den Lokführer aus seiner Kabine zerrte, damit er sich in ihrem Sinne der Sache annehme. Der kam total genervt mit und fragte „Würden Sie aufstehen, damit die Dame ihr Fahrrad abstellen kann?“ worauf das gesamte Abteil unisono mit „NEIN!“ antwortete. „Ja, das ist ein Fahrradabteil!!“ kam es wieder von der Tür. Es ließ den Lokführer jedoch kalt und er meinte nur: „Da hab ich keine Zeit für, ich muss noch nach Remagen,“ und drehte sich um und ging. Die Alte zog sich ebenfalls wieder zurück, aber eine junge Frau kriegte ihr Gemurmel noch mit und verkündete, dass wir nun offenbar alle mit einer Klage zu rechnen hätten und die Bahnpolizei am Zielort sich dann zuerst mal der Sache annehmen würde.

Der Zielort nahte und die Teenage Mom begann die Vorbereitungen zum Aussteigen, was uns den wenig erstrebenswerten Blick ganz, ganz tief in ihre Jeans bescherte und die obligatorische Mitteilung per Handy „Ja, isch bin im Zuch. Wir sin gleisch da…. Watt weiß isch denn, 3 Minuten oder watt. Is ja wohl net so wischtisch oder?… Ja, bis gleisch.“ Ein junger Mann, den ich rein ethnografisch in Nordafrika einordnen würde, bückte sich und hob das Fahrrad auf. „Nä, lassen se doch liegen, da heb isch den Kinderwagen ja lieber drübber.“ – „Nein,“ sagte der vermutete deutsche Mitbürger nordafrikanischer Herkunft, „das geht so nicht, Sie müssen doch da durch,“ und drückte den Lenker dem Mann mit dem Buch in die Hand, der auch gerne festhielt. Die Alte war im Anflug und von rechts kam ein deutlich slawisch beeinflusstes, „Ooh, jetz gibs Krrriek!“ Aber sie schien wohl aufgegeben zu haben. Nach dem Aussteigen beobachtete ich noch, wie von außen eine junge Frau von wesentlich weiter hinten im Zug noch an die Führerkabine klopfte und der Lokführer das Fenster öffnete. „Da hinten rauchen so ein paar kleine Jungs im Zug!“

Die Alte war sicher auf den Weg in meinen Stadtteil, wo nach Auskunft einiger derangierter Mitbürger sowohl ein Massenmörder frei herumläuft, als auch das Leben am Umspannwerk alle ständig unter Strom stehen lässt. Ich wurde nur den Gedanken nicht los, dass es ja irgendwie kein Wunder ist, dass die Bahn „immer“ Verspätung hat, oder?

Schönes Wochenende!
Barbara

Singt der?!

„Ich habe eine Karte für das Kevin Costner Konzert!“ teilte ich freudestrahlend mit. „Seit wann singt der denn? Hat der Geldsorgen?“ fragte meine Schwester, was ich geflissentlich überhörte. „Das ist doch der, der bei uns auf dem Speicher hängt, oder?“ wollte meine Mutter wissen. Bei diesem Speicher handelt es sich um einen ausgebauten Dachboden, der vor ca. 20 Jahren als eine Art Jugendzimmer diente. Ja, da hängt er, gleich neben dem aufgeklebten Garfield-Puzzle, der Postkarten-Sammlung aus Schweden und dem Plakat von der Frankfurter Buchmesse irgendwann in den frühen Neunzigern…

Der Ticketkauf war schon vor einigen Monaten, das Konzert dann endlich gestern Abend, in Siegburg. In der Reihe großer Konzertsäle in halb Europa eine etwas überraschende Wahl. Aber dann gab’s auch noch das Konzert in Jüchen, zwischen Mönchengladbach und Grevenbroich gelegen wie ich nun weiß. Ein bisschen wurde ich das Gefühl nicht los, dass Herr Costner oder sein Tour-Manager ein Fan des Spiels Finden Sie Minden? sein könnten…

Um 20 Uhr sollte es losgehen, so um 17:45 Uhr waren wir da – und bei weitem nicht die ersten. Hätten wir aber sein können, wenn der Niederländer im Parkhaus mit Anfahren im Berg (Rampe) nicht überfordert gewesen wäre… ich war kurz davor, meine Hilfe anzubieten. Wir mussten uns dann erstmal bis zum Ende der Schlange vorarbeiten und waren dankbar, dass es nicht regnete, denn an einen Schirm hatte natürlich keiner gedacht. Und ich hatte die scherzenden Kollegen, die vorschlugen, ich solle doch von Freitag auf Samstag vor der Rhein-Sieg-Halle campieren, keines Kommentars gewürdigt.

Gegen 18:30 Uhr wurden wir von der Straße geholt und immerhin schon mal auf den Vorplatz gelassen. Das Publikum war erstaunlich gemischt, Teenager, Twens und alles, was sich in älteren Altersgruppen bewegt. Und deutlich mehr Männer, als ich erwartet hatte. Warum nur?

Dann ca. 19:15 Uhr gingen die Türen auf und die Masse ergoss sich in die Halle – wir Gott sein Dank erstmal zur Bühne und später zur Garderobe, so dass wir noch ziemlich weit vorn zu stehen kamen. Zu dem Zeitpunkt standen wir dann schon fast zwei Stunden und eigentlich kann ich das ja gar nicht ab. Auf der Bühne strahlte das Cover der neuen CD um uns die Zeit zu vertreiben und die Dame hinter mir meinte, der Daumen sei ja schon mal sehr vielversprechend, wenn der Rest entsprechend sei… man sei ja schließlich wegen des Manns hier, weniger wegen der Musik. Ob der wohl auch tatsächlich ein Instrument spiele? Das Cover könne ja gestellt sein. Und selbst singen? Ja, doch, das konnte ich bestätigen, denn ich war nicht unvorbereitet. Zwar litt die Vorbereitung unter dem Engagement für Olympia und viel Besuch in den letzten Wochen, aber meine Nachbarn und ich haben in letzter Zeit so oft wir möglich das Album Untold Truths gehört. Meine Begleitung interessierte derweil hauptsächlich, ob er denn wohl gefärbt sei, jetzt da er schon seinen 55. hinter sich habe? Wir würden es erleben!

Als die Vorgruppe in Person von Sara Beck auf die Bühne kam, atmeten auch die Männer auf, denn ganz offenbar hatte man an diesem Abend auch an sie gedacht. Die Stimme war verdammt gut, aber auch wenn sie in erstaunlich gutem Deutsch sagte „Ich bin glücklich, hier zu sein“ war allen inkl. ihr klar, dass das Publikum jemand anderen sehen wollte. So machte sie sich dann auch bald hinter die Kulissen und es begann ein kleines Intermezzo an Filmausschnitten, die den VIP des Abends entweder als Revolver schwingenden oder anderweitig heldenhaften Mann oder heißen Liebhaber zeigten. Schließlich wies der Mann hinter uns höchst überflüssigerweise darauf hin: „Do kütt er!“ Dass er mit legerem Schal erstmal irgendwie auch noch Ähnlichkeit mit Alan Rickman hatte, beeinträchtigte die Situation höchstens positiv!

Es stellte sich alsbald heraus, dass sich einerseits auch die Menschen auf der Bühne keiner Illusion hingaben, warum die Rhein-Sieg-Halle an diesem Abend voller Menschen war und der Frontman spielte gekonnt mit seinem sexy Image. Auch er würdigte die Minderheitengruppe der Männer und sagte dann: „Ach wissen Sie, Sie müssen mir gar nichts vormachen… ich weiß doch, dass Sie nur hier sind, weil Ihre Partnerinnen Ihnen keine andere Wahl gelassen haben!“ Nicken allenthalben. Und irgendwie könnten sie es immer noch nicht glauben, dass so viele Leute zu den Konzerten kommen. „Und vielen Dank, dass Sie schon so viele Jahre in meine Filme gehen – oder Ihre Eltern,“ meinte er mit Blick auf die Teenager in der ersten Reihe und neben mir… was die eine zum Besuch bewegt hatte, blieb mir bis zum Schluss unklar, schrieb sie doch im Laufe des Abends ca. 40 SMS und war deutlich anderweitig beschäftigt.

Das Konzert war eine Mischung von Songs aus dem alten Album Untold Truths und dem gerade erschienenen Turn It On. Ein Video des Songs Let Me Be The One, ein Duett mit oben erwähnter Sara Beck, kann man sich hier ansehen. Der Abend hat Spaß gebracht, auch wenn ich mich zwischendurch gefragt habe, wie die anderen Bandmitglieder das sehen. Wenn da der Lead-Gitarrist Teddy Morgan im Spotlight ein Höllensolo hinlegt und scheinbar alle außer mir den physisch in den Hintergrund getretenen Costner dabei beobachten, wie er im Halbdunkel schnell einen Schluck Wasser trinkt. Die erste und einzige Geige, Bobby Yang, wurde aus unerfindlichen Gründen mehr beachtet. Also: finden die es eher cool, wegen Kevin Costner in nicht wirklich großen, aber ausverkauften Häusern zu spielen oder nervt es sie, dass 98% des Publikums nicht wegen der Musik da sind? Sie waren jedenfalls die, die nach dem Konzert pro Kopf noch ca. 500 Autogramme gaben und für Fotos zur Verfügung standen. Aber nachdem diverse Mittvierzigerinnen die schönste Ballade mit Kevin, marry me! kaputtgeschrillt hatten, war auch klar, dass sich der Chef allein aus Sicherheitsgründen nicht an der Aktion beteiligen konnte. Schade eigentlich.

Ich hatte es im Rahmen der erwähnten Vorbereitung nur geschafft, bei einem Song, der es zu meinem Lieblingslied geschafft hatte, wirklich textsicher zu werden, Superman 14. Zuerst ein bisschen enttäuscht, dass er nicht im Programm war, kam er dann doch noch als Zugabe – und mein Wissen brachte mich in die Position festzustellen: das ist wirklich live gewesen. Er hat sich nämlich versungen, die zweite Strophe zuerst angestimmt, merkte es nach drei Worten, grinste, fand den Takt wieder und stieg richtig ein… Es scheint auch sein Lieblinglied zu sein, denn da hört man dieser Tage automatisch rein, wenn man seine Website besucht – so man denn die Lautsprecher angeschaltet hat.

Drei Frauen hat er dann zu guter Letzt noch glücklicher gemacht als den Rest von uns, bat er sie doch zu einigen Tanzschritten und zwei Bützches auf die Bühne – ich wusste nicht, was mir, wäre ich aufgefordert worden, mehr Sorge bereitet hätte: die Tatsache, dass ich nicht tanzen kann oder die Frage, wie ungelenk und schmerzvoll ich mich wohl da hoch gequält hätte, denn nach mittlerweile über 4 Stunden Stehen hatte ich Rückenschmerzen und steife Knie. Wir werden alle nicht jünger. Und er war nicht gefärbt. 🙂

Barbara

Snowmen in green

It has finally happened: I have found a community that seems to be just about as crazy about Christmas as I am… creating „Christmas cards all year round“! That’s the end of being defensive about this hobby 🙂

They do a challenge every month and for the month of March the idea was to create five cards that are mainly green and feature a snowman. It was something I would never have thought of: to me, snowmen somehow go with blue… probably having in mind ice that has a blue hue or the perfect blue sky of a winter day. Or just that green is associated with spring, with all the fresh flowers etc. Whatever. But thanks so much for suggesting this – I really like the combination and am happy that I was pushed towards trying!

One of the cards also is in this week’s CPS 157 challenge.. I had already published it here but will add it again into my display here.

Green Christmas No 1 - loosely based on the circle design of the CPS challenge #157

Cardstock: Artoz
Other papers: unknown origin
3D images: KARS
Glitter: Stickles Glitter Glue

Green Christmas No 2

Cardstock: Paper Source
Background paper: K&Company Peppermint Twist
3D image: Die Idee

Green Christmas No 3

Cardstock and papers: unknown origin
3D image: Die Idee

Green Christmas No 4

Cardstock: Artoz
Other papers: unknown origin
3D image: last year’s wrapping paper
Stars: Weltbild

Green Christmas No 5

Cardstock: Clairefontaine Pollen
Dark green paper: Artoz
Other papers: unknown origin
3D image: Kreativ mit Karten magazine
Felt stars: Zeeman

Christmas in March – CPS 157


I have come across a website where I can see what other crazies like me do when it’s not exactly Christmas time – they make Christmas cards! This must be heaven 🙂 … and such a relief that others share my addiction… Anyway, it’s Christmas Cards All Year Round. How will I survive may almost one-month vacation starting March 27, traveling and not being able to make cards?! I guess I just have to be strong 😉 The March challenge on Christmas Cards All Year Round is to create five Christmas cards in mainly green that feature a snowman. The first one I made for that also fits the CPS sketch #157 – only that it’s not square. But I will pass on making square cards for the time being just because the postage for them is so incredibly expensive in Germany. Here’s the result:

Supplies:
Cardstock: Artoz
Papers: unknown origin
3D images: Kars
Glitter: Stickles Glitter Glue

Ja, Frühling!

Der Frühling wird überbewertet schrieb einst Douglas Adams. So ein Schwachsinn. Es ist vielmehr so, wie Vergil es schon 272 erkannte: Vere calor redit ossibus – Im Frühling kehrt die Wärme in die Knochen zurück, Lateinisch für Angeber, Teil 4.

Die Sonne strahlt von einem wolkenfreien Himmel, die Vögel zwitschern wie die Wahnsinnigen, der Schnee ist weggeschmolzen – es MUSS doch Frühling sein! Oder? Die Illusion hält sich erstmal nur so lange, bis man die Haustür aufmacht und einem die Minusgrade entgegenwallen, sich die Hosenbeine hocharbeiten. Aber es kann doch gar nicht sein! Das dachte ich mir, packte mich warm ein und machte mich auf die Suche nach dem Frühling. Und wie man oben sehen kann, ist er im wahrsten Sinne des Wortes gleich um die Ecke. Der Botanische Garten hat leider in den Wintermonaten, die nach dem hier zur Anwendung kommenden Kalender erst Ende März enden, am Wochenende geschlossen, so dass ich die Flächen an Schneeglöckchen und Krokussen nur wehmütig aus der Ferne begutachten konnte. Aber die Enten auf dem Schlossweiher hatten Spaß und in vielen Vorgärten der Südstadt schießt der Frühling gnadenlos aus dem Boden und wird in Kürze Deutschland fest im Griff haben! Man kann die Spannung fühlen! Und wie man in Armenien sagt:

Mit einem Schlag kommt der Frühling nicht. Aber er hat schon verdammt gut ausgeteilt.

Und ist euch schon aufgefallen, wie lange es jetzt schon HELL ist? Es ist schon fast hell, wenn man morgens um 7 Uhr aufsteht, auf dem Weg zum Bahnhof dann schon richtig – und abends ist es fast schon 19 Uhr bevor es dunkel wird. Ist doch der Hammer! Das qualifiziert nicht mehr als Winter, nein, nein. Das ist Frühling – diese Definition dürfte viele Anhänger haben. Nicht umsonst weiß man in Litauen:

Selbst der strengste Winter fürchtet sich vor dem Frühling.

Okay, okay, die Temperaturen lassen noch einiges zu wünschen übrig, aber irgendwo muss man ja mal anfangen – das klappt dann auch noch. Und lasst das Fahrrad einfach stehen, dann fühlt es sich auch nicht mehr ganz so kalt an. Lasst Vorsicht walten, denn nicht umsonst sagt ein jahrhundertealtes malisches Sprichwort ;-):

Der Frühling ist die Jahreszeit, in der die Autofahrer zwei Wochen zu früh das Gefrierschutzmittel aus dem Kühler lassen.

Tatsächlich ist diese Weisheit unbekannten Ursprungs. Tatsache wiederum ist, wie der Amerikaner so schön formuliert: Spring has sprung! Der Frühling ist da, er versteckt sich nur manchmal.
Schönen Restsonntag
Barbara

Get well soon – CPS 156

I have to say I was downright exhausted after two intense weeks of being a couch potato watching whatever Olympic competition would only remotely fit my 40-hour work week. Coming down from that adrenaline high of the hockey final probably did its part in doing me in. So at the beginning of the week I didn’t think I’d be participating in any challenge. And now there’s two! Well, there’s this week’s CPS sketch (to the left) and then there’s Delia. Delia is not a challenge – that is: I doubt it or at least I can’t decide on that as I’ve never met her 😉 – but she’s a girl who fell sick with Acute Myeloid Leukemia and has a friend who wanted her to be inundated with get well wishes from all over the place: Dustin Pike. I realize I’m awfully late with this as it was started about a month ago but decided „So what!“… Cards are always welcome. And I just loved the owls he created for this particular purpose as Delia loves owls! If there’s anybody out there who hasn’t found them by now, you can download them here. But now here’s the card:

Supplies:
Cardstock: Paper Source
Patterned papers: BasicGrey lemonade paper pad
Digi stamp: Dustin Pike
Coloring: Copic markers
all else: of unknown origin