Die Südostasien-Erfahrung

Botanischer Garten Bogor

Sie hat begonnen, die erste Erfahrung mit Südostasien, wenn auch mit leichter Verspätung. Als wäre der Flug mit gut 11 Stunden nach Kuala Lumpur (“KL”), der Hauptstadt Malaysias, nicht schon lang genug, saßen wir noch anderthalb Stunden im Flieger am Gate, denn beim Betanken der Maschine war was schiefgegangen und blitzschnell waren wir von Feuerwehrfahrzeugen umzingelt. Aber man bekam das Problem in den Griff. Und so sahen wir eine CD, viereinhalb Spielfilme und 90 Seiten meiner derzeitigen Lektüre später die unzähligen Containerschiffe zwischen KL und Sumatra, sowie Palmenhaine bis ans Ende des Horizonts, bevor wir in noch angenehme 25°C ausstiegen… um 7:35 Uhr morgens. Der Transfer zum Weiterflug war einfach und es passte von der Zeit her noch genau. Nach weiteren zwei Stunden Flug war dann das erste Ziel erreicht: Jakarta. Wie schon in Malaysia war der Willkommensgruß wenig einladend: “Bitte beachten Sie, dass auf den Besitz und den Handel mit Drogen unausweichlich die Todesstrafe steht.”

Wie angekündigt, erwartete uns die Reisebegleiterin mit dem Busfahrer sowie drei weiteren Teilnehmern, die schon ca. 10 Tage Sumatra hinter sich hatten. Die Fahrt zum Hotel überzeugte niemanden, dass Jakarta einen längeren Aufenthalt lohnen könnte… Ein Moloch von einer Stadt, mit der derzeit geschätzt 18 Mio Einwohnern, einer nicht wirklich existierenden Müllabfuhr und architektonisch wenig attraktivem. Ob Jakarta wirklich “grün” wird… ich wage es zu bezweifeln.

Über das Müllproblem hatte ich erst kürzlich einen Artikel gelesen: innerstädtische Müllhalden und dann auch die improvisierten Müllhalden an den Straßenecken, in den Beeten um die wenigen Bäume rum (wo in Deutschland derzeit Krokusse und Narzissen blühen)… Die Entsorgung läuft zum größten Teil über den informellen Sektor, also im Klartext arme Leute, die die Halden durchgehen nach wertvollem zum Weiterverkauf suchen. Es wird wohl überlegt, sie offiziell in ein Müllentsorgungskonzept an dem die Stadt arbeitet, zu integrieren.

Dann aber auch gut organisierte Bushaltestellen mit “Fast Lanes”, die nur von Bussen befahren werden dürfen, die damit die immerwährenden Staus umgehen. An den Bau einer U-Bahn wird wohl gedacht – vielleicht wird es aber auch eine Monorail-Bahn. Irgendwie sehe ich das noch nicht so ganz passieren.

Das erste Todesopfer im Krimi “Jakarta Shadows” von Alan Brayne, den ich gerade lese, verbreitet vor seinem Ableben noch die Meinung, dass es sich bei der indonesischen Hauptstadt um die Achselhöhle Asiens handelt… Aber nun, während sich der Rest der Truppe in die Gegend um den Hafen und die heruntergekommene koloniale Bebauung gab, stand für mich eh der erste Teil in Sachen “individualisierte Gruppenreise” auf dem Programm: ich würde meine langjährige Brieffreundin Felly treffen. Wir kennen uns seit ca. 1992 (genau wissen wir es nicht mehr, nur, dass wir beide noch in der Schule waren). Lange Zeit hatten wir keinen Kontakt mehr, doch dann fand sie mich online in meinem bevorzugten sozialen Netzwerk, dem Gesichtsbuch. Sie ist mittlerweile verheiratet und hat zwei Kinder, so dass ein Familienbesuch anstand. Mit ihrem Mann und der älteren Tochter im Schlepptau holte sie mich ab und wir fuhren zu ihr nach Hause, wo auch noch zwei Schwestern, die Mutter und eine Tante wohnen. Also gleich richtig rein in das indonesische Leben. Den angebotenen Tee nahm ich gerne – er war mit mindestens 4 Löffeln Zucker gesüßt… ich hab’s ja schon gerne süß, aber das hat alles gesprengt. Ich bat dann um ein Glas Wasser, um den Durst irgendwie los zu werden, was mit der Frage “Süßes oder normales?” beantwortet wurde? Verständnislos fragte ich: “Meinst du eine Cola oder so?” und bekam als Antwort “Nein, einfach Zucker ins Wasser!” Okay, hatte ich bislang türkischen Süßkram als den ultimativen Schuhauszieher betrachtet, so ist das nun definitiv getoppt worden. Das ist wohl nichts besonderes in der Familie meiner Brieffreundin, sondern typisch in Indonesien und so was wie ein Statussymbol: siehst du, wir haben’s so dicke, dass wir dir LÖFFELWEISE Zucker in den Tee schütten können. Aus unserem geplanten Trip zur Mall wurde nichts, denn leider war die kleine Tochter krank. Das brachte mich allerdings in den Genuss einer hausgemachten indonesischen Mahlzeit (LECKER, wenn sich auch alle kaputtlachten, wie vorsichtig ich mit der Chili-Erdnusssauce war und trotzdem Schweißausbrüche bekam und mir ständig unhöflicherweise die Nase putzen musste). Zum Tee wurden gereicht, na??? Kann man das ahnen?? Hausgemachte POFFERTJES. Soviel zum Thema niederländischer Einfluss.

Barbara mit Himmawans / Barbara and the Himmawan Family

Aber noch mal zurück zum Thema Mall. Ich hatte meinerseits ja eben jenen Besuch ins alte Stadtviertel vorgeschlagen, auf dem sich meine Reisegruppe nun befand, doch das wurde mehr oder weniger bestimmt abgelehnt mit dem Hinweis darauf, dass jeder Indonesier, der etwas auf sich hält, in die Mall geht. Die allermeisten nur zum Schaufensterbummel in kostenloser Klimaanlage, aber da könnten wir dann eben auch zu Abend essen. Ich wandte noch ein, dass ich mir auch DURCHAUS vorstellen könnte, in einem eher traditionellen Restaurant zu speisen, aber auch das wurde abgebügelt mit dem Hinweis darauf, dass das nicht “in” sei und irgendwann dachte ich dann auch, okay, wenn der momentane (urbane) indonesische Lebensstil das beinhaltet, dann ist es eben so. Auch in meinem Krimi wird darauf Bezug genommen:

Forget the tourist guides. Forget Borobodur and Prambanan. Forget gamelan music, batik shirts and wayang shadow puppets. If you’re looking for the real thing, genuine Jakartan culture as it’s lived today, there’s only one place to head for: the shopping mall.

Mit dem Internet ist das nicht ganz so einfach. In Jakarta dachte ich noch, es sei nicht nötig, sich da gleich Zugang zu verschaffen, aber in Bandung, wo wir am Montag Abend angekommen waren, funktionierte es nicht wegen stundenlanger wolkenbruchartiger Regenfälle und nun in Pangandaran hat das Hotel kein Internet. Also wird es ein Megaeintrag und ich mache da weiter, wo ich aufgehört habe.

Den Katzen werden hier die Schwänze verstümmelt - es soll Glück bringen. Die Frage ist nur, wem?

Von Jakarta ging es weiter nach Bogor, mit 750.000 Einwohnern fast kleinstädtisch anmutend. Wie verlässlich diese Zahlen sind weiß ich nicht… Aber wenn ich Plakate sehe “Sensus 1.-31. mei” und da ein Männchen mit Zettel und Stift drauf ist, vermute ich eine Volkszählung, die dann bald vielleicht sicherere Zahlen liefert. Bogor ist von Bergen umgeben und auf 290 mNN ein Lieferant für Sommerfrische für die Wohlbetuchten. Es liegt 60km südlich von Jakarta und ist Teil der Großregion “Jabotabek”, den so langsam wachsen hier 4 Städte zu einer Metropolregion zusammen. Ich hatte gelesen, dass es als “Regenloch” gilt, aber wir hatten Glück und konnten uns den weltberühmten Botanischen Garten “Kebun Raya Bogor” trockenen Fußes ansehen… zumindest einen Teil davon, denn für das ca. 85 Hektar große Areal braucht man wohl mehr als nur 2 Stunden. Mir fehlte es an blühenden Pflanzen, aber die Baumsammlungen waren schon beeindruckend und Führer Udin rupfte ständig irgendwo was ab um zu demonstrieren, womit sich Kinder welche Spielzeuge basteln.

Udin bastelt eine Puppe

Teepflückerin nahe Puncak Pass

Am Puncak Pass gab es Teeplantagen und die Arbeit der Teepflückerinnen zu begutachten. Die arbeiteten mit interessanten Konstruktionen aus Heckenscheren und Kanistern. Mir fiel dabei auf, dass ich trotz der vielen Teeplantagen in Ruanda noch nie eine betreten hatte und war überrascht, wie groß und hart doch die Teeblätter sind – wie Lorbeer oder so. Das hatte ich mir deutlich filigraner vorgestellt. Das Ziel dieses Tages war Bandung, wo wir gegen 17:30 Uhr ankamen. Um 18 Uhr setzte o.a. wolkenbrauchartiger Regen ein, so dass an einen Stadtbummel durch das “Paris des Ostens” nicht mehr zu denken war. Schirm oder kein Schirm war NICHT die Frage, sondern eher, Gummistiefel oder keine, denn die Straßen hatten sich in reißende Flüsse verwandelt. Willkommen in der Regenzeit. Ich kann also leider weder beurteilen, ob seine “tropische Art-Deco-Architektur” tatsächlich an Miami erinnert, noch, ob dieses Zentrum der Textilindustrie entsprechende Angebote in die Läden bringt. Ein anderes Mal…?

Für heute erstmal viele Grüße
Barbara

Tschuess!!

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