Kein Drumherum…

… diese Reise steht unter keinem guten Stern. Nachdem mich diese Nacht die Moskitos geplagt haben, fehlt mir nur noch eine Malaria zu meinem Glück, Montezumas Rache hat wie immer bereits zugeschlagen.

Als wir uns dann heute unserem Programm zur Budgetkontrolle widmen wollten, ließ sich der Rechner nicht mehr hochfahren, der noch Minuten vorher anstandslos mit uns kommuniziert hatte. Obwohl wir ihn in der Zwischenzeit nicht hatten fallen lassen.

Gegen Mittag bekamen wir bescheid, dass die Kollegen aus Bunia und Butembo verspätet ankommen würden – um mehr als 24 Stunden – weil der Flieger sie im Stich gelassen hatte und sie nun auf einem mörderischen, wenn es gut läuft 12-stündigen Road-Trip sind. Damit haben wir am morgigen Sonntag wahrscheinlich tatsächlich frei. Es wurde schon gescherzt, dass das nach allem Hin und Her, das ich mit dieser Reise hatte, wahrscheinlich an mir liegt (fehlende „good vibrations“) und ich es Gott sei Dank nicht in den Kongo geschafft hatte, sonst würde dort womöglich noch der Krieg ausbrechen.

Freuen können sich derweil die lokalen Künstler. Im Vorbeifahren auf dem Weg zum Mittagessen vorgestern hatte ich ein Schild zu den Dancing Pots gesehen, einer einkommensschaffenden Maßnahme für verschiedene ehtnische Gruppen in Ruanda. Da sind wir, meine Kollegin aus Goma und ich, dann heute Nachmittag mal vorbei. Oh Mann. Was für ein Fehler. Ich hätte mich dort komplett neu eindecken können – das einzige, was sie nicht hatten, waren Tassen, leider. Aber es hat auch so gereicht – jetzt heißt es nur noch, sie heil durch 4 Starts und Landungen, eine ICE-Fahrt (wenn sie wieder fahren), einen Trip in der Straßenbahn und dann noch mit dem Bus nach Hause zu bringen:

In der Hotellobby sitzen jeden Tag mehr oder weniger motivierte Damen, die diverse Kunstwerke und Gebrauchsgegenstände aus Stoff anbieten. Da ist ein Wandbehang dabei, der es mir angetan hat, aber die Preise sind nicht haltbar – Hotel-Lobby-Preise eben für den kurz vorbeischauenden Ami, der einen Stofflöwen mit nach Neu-England nehmen will und egal was bezahlt. Deswegen ist das Handeln schwierig. Aber ich habe ja noch ein paar Tage.

Derweil habe ich die Initiative CfA – Cards from Africa aufgetan, die mich in meinen Karten-Basteleien inspiriert hat… und die auch „schon“ um diese Jahreszeit Weihnachtskarten im Angebot hat. Schneebedeckte Blockhütten mit Weihnachtsbaum im Fenster, direkt aus Ruanda! Diese Karten werden hergestellt von jungen Leuten, die ihre Eltern durch Krieg oder Krankheit verloren haben und mit dieser Initiative Geld verdienen, um ihre Geschwister durchzubringen:

Nun aber Schluss… 🙂
Grüße von Barbara

Umuganda

Den Tag heute habe ich genutzt, um den letzten Schliff an den Gesprächsprotokollen der Tage in Kampala zu bringen, den Sitzungsraum auszustatten und einkaufen zu gehen für die Sitzungen der kommenden Tage… so spannende Dinge wie Kaffee, Zucker, Wasser, Bananen. Und dachte danach noch: „Bananen! Ausgerechnet Bananen! Der ganze Kongo ist voller Bananen und ich kaufe Bananen für die Kollegen…“ Tja, wonach greifen die Kollegen als erstes, als sie heute Nachmittag eintrafen? Bananen.

Die Planung für den morgigen Besprechungstag wurde unerwartet zu einer logistischen Herausforderung, da wir noch nicht in einem Hotel sind – die Kollegen kommen erst morgen in meins. Das Problem: morgen ist Umuganda. Das ist ein Tag, wo zwischen 8 und 12 Uhr kein Auto bewegt werden darf und jeder aufzuräumen hat in der Stadt, Müll aufheben, Abwasserkanäle entschlammen u.ä. Ich habe mir sagen lassen, dass in Deutschland der Begriff Sobotnik gebräuchlicher ist. Jedenfalls sitze ich dann im einen Hotel, die Kollegen im anderen… Wir haben aber festgestellt, dass wir ja einen Wagen mit einem kongolesischen Kennzeichen haben – dann wird das wohl kein Problem sein, wenn dann auch noch nur Weißnasen drin sitzen, die werden nicht zum Hackenschwingen aufgefordert.

Während des Einkaufens kam ich ins Gespräch mit dem Fahrer und der Hausangestellten. Die wollten wissen, wie denn Bonn im Vergleich zu Kigali aussieht. „Kigali hat 800.000 Einwohner, habe ich gehört,“ begann ich. „Naja, in Bonn leben so um die 300.000 – Kigali ist also viel größer.“ Das Erstaunen war noch größer. „Und in Bonn leben ganz viele Studenten und alte Leute.“ Alte Leute, alle zusammen? Großes Gelächter! Was für ein langweiliges Dasein die doch fristen müssen! Der Fahrer, schon 60, wie er betonte, freut sich darauf, bald im kleinen Häuschen in Ost-Ruanda zu sitzen, die Kinder um sich herumspringen zu haben und über die Hügel zu schauen. So ein Hotel für alte Leute – das sei doch nichts! Die Hügel… „Ja,“ sage ich, „Kigali (und Ruanda) hat auch viel mehr Hügel als Bonn, da gibt es sieben auf der anderen Seite eines großen Flusses, der Rhein heißt.“ Sie haben sich fast unter die Sitze gelacht und atemlos gesagt: „Ouiiiiii! Le pays de mille collines – et mille problèmes!“ – „Jaaaaaa! Das Land der tausend Hügel [Ruanda] – und der tausend Probleme!“

Macht’s gut!
Barbara

Ett fluppt

Puuuuuhhh. Ich habe wieder legalen Aufenthaltsstatus. Das ein solcher (oder ähnlicher) Satz jemals aus meinem Munde kommen würde – damit habe ich nicht unbedingt gerechnet. Nun sitzt man hier nicht im Herzen der Finsternis, aber doch mitten im schwarzen Kontinent und was passiert? Alles läuft 1A! Das geht über mein Fassungsvermögen.

9:00 Uhr
Anruf beim „Duty Manager“ von RwandAir Express. Bestätigung: Morgenmaschine aus Entebbe ist im Anflug auf Kigali

9:30 Uhr
Erneuter Anruf beim Duty Manager. Bestätigung: mein Pass wurde in der Abflughalle in Entebbe gefunden und ist an Bord der Maschine.

10:00 Uhr
Duty Manager übergibt mir im Eingangsbereich des Flughafens in Kigali meinen Pass samt e-Ticket Details.

10:15 Uhr
Chef der Einwanderungsbehörde Kigali kommt nach Anruf in die Halle.

10:30 Uhr
Nachdem ich mit einer Zugangsberechtigung ausgestattet wurde, bin ich rückwärts auf dem Weg zur Passkontrolle.

10:45 Uhr
Der Stempel mit Einreisedatum gestern ist in meinem Pass.

11:00 Uhr
Abfahrt vom Flughafen Kigali…

… und das einzige, was ich denken kann, ist: im Kongo wäre unter einer dreistelligen Summe Bestechungsgeld sicher nichts drin gewesen und hier war man einfach nur superfreundlich und hilfsbereit. Unglaublich.

Beautiful Rwanda.
Barbara

Ein Leben für den Blog

Das erste, was ich tun werde, wenn ich wieder in Bonn im Büro bin, wird sein, dass ich die Kolleginnen in der Finanzabteilung aufsuchen werde, mit einem Foto. Einem Foto von zwei Kolleginnen in Bunia, die in Kampala auf der Bank waren und dort einen nicht unerheblichen Dollarbetrag abholten – was über vier Stunden dauerte, was unglaublich schnell war, weil ich auch dabei war, um dabei zu helfen JEDEN EINZELNEN Schein auf seine Brauchbarkeit für den Kongo zu überprüfen. Es gibt da einige Ausschlusskriterien… folgendes darf nicht sein:

• der Schein darf nicht aus einer Serie vor 2001 sein
• der Schein darf nicht den allerkleinsten Riss haben
• der Schein darf keine Stecknadelkopfgroßen Löcher haben (warum er auch immer sollte, aber viele haben welche)
• das Präsidentenporträt darf in der Mitte nicht zu sehr geknickt sein

Selbst ein auf den ersten Blick vollkommen einwandfreier Schein kann mit einem Riss, der nur für geübte Augen erkennbar ist, im Kongo vollkommen seinen Wert verlieren. Ist ja gut und schön, denke ich immer wieder, aber dann behandeln sie selber das Geld immer wie den letzten Dreck… Wie auch immer: zu dritt war es in vier Stunden geschafft, letztes Mal war es so übel, dass zwei Kolleginnen geschlagene 8 Stunden in der Bank verbrachten. Da lässt sich schon überlegen, ob sich nicht wirtschaftlich effizientere Wege der Geldversorgung finden lassen.

Nach sehr intensiven Tagen in Kampala bin ich nun in Kigali, auch wenn das heute Nachmittag gar nicht so aussah. Die ganze Reise stand ja eh nicht unter einem guten Stern – zwar habe ich mir nicht wie befürchtet noch kurz vor Reiseantritt das Bein gebrochen, aber sie ist nicht arm an Herausforderungen, diese Reise.

Es ging alles wunderbar, auch wenn es nervt, das Gepäck an einem Flughafen gleich DREIMAL durch die Röntgenmaschine jagen zu müssen. Der Flug nach Kigali war wetterbedingt etwas holprig, aber wir landeten sicher – und ich konnte meinen Pass nicht finden. Die anderen Passagiere im Bus-Shuttle zum Flughafengebäude warteten schon ungeduldig, als ich nach langer erfolgloser Suche dann doch noch einstieg (allerdings nicht ohne eine Kotztüte für die Sammlung einer Bekannten einzupacken). Bevor ich mich den Einreisebeamten stellte, habe ich noch mal meinen ganzen Rucksack auseinander genommen – er war nicht da. Also, in die Offensive. Ich sagte dem Einreisebeamten freundlich guten Tag und meinte dann, dass er jetzt genau den komplizierten Fall hätte, auf den er schon den ganzen Tag gewartet habe: der Pass ist weg. Immerhin könne ich mich aber mit meinem Perso als Deutsche ausweisen. Das sei seinerseits kein Problem, nur könnte er darauf ja keinen Einreisestempel platzieren, erwiderte er. Das ließ ich sacken und meinte dann: „Einen internationalen Führerschein habe ich auch noch, da kann man Stempel rein machen!“ Das wurde diskutiert, dann aber auch verworfen. Mittlerweile wurde in der Ankunftshalle schon das Licht ausgeschaltet und ich sah mich schon wie Tom Hanks in „Terminal“ im Niemandsland am Flughafen die Nacht verbringen. Ich könnte den Perso doch einfach dalassen, am kommenden Tag zur Botschaft gehen und einen Notpass besorgen und dann würde ich eben dann offiziell einreisen. „Hm,“ sagte ich, „ich denke, bei der Botschaft wäre alles einfacher, wenn ich den Perso dabei hätte, um mich auszuweisen. Kann ich nicht auch einfach den Führerschein dalassen und komme morgen wieder?“ Darauf ließ man sich dann doch wirklich ein und Herr Tunga sagte, es sei auch alles kein Problem, der Pilot, der wegen des schlechten Wetters eh nicht nach Bujumbura weiterfliegen konnte, hatte Unterstützung der Fluggesellschaft besorgt und am Abflughafen in Entebbe wurde jemand auf die Suche nach dem Pass geschickt… Naja, so kam ich raus und bin dankbar, deutsche Staatsbürgerin zu sein, denn ich denke, als Franzose wäre ich in dieser Situation wahrscheinlich kurzerhand eingeknastet worden (es bestehen keine diplomatischen Beziehungen mehr zwischen beiden Ländern).

Noch mal davon gekommen, aber das sind echt Erlebnisse, die keiner braucht. Gegen 20 Uhr klingelte mein Telefon, es war die Verantwortliche von Rwandair Express: der Pass wurde doch allen Ernstes in Uganda gefunden und wird morgen früh mit der Morgenmaschine eintreffen!! Die Geschichte ist, wenn sie so ausgeht, ungefähr so gut wie die mit dem Taxifahrer in Cambridge/Massachusetts 1994 – es war Zeit, dass die mal abgelöst wurde… Leider werden die Gummisüßigkeiten Bonner Herstellung nun nicht an die ursprünglich vorgesehenen Kollegen gehen, sondern an Herrn Tunga, den Piloten und die Dame von Rwandair.

Boah, ich muss ins Bett…
Viele Grüße
Barbara

Ein Hühnerleben

Kampala ist angenehm kühl bis kalt in diesen Tagen mit wolkenbruchartigen Regenfällen, in denen der Übergang von Straßen zu Bürgersteigen, wo vorhanden, verschwindet und sich die teilweise lächerlich großen Schlaglöcher mit schwerwiegenden Konsequenzen für Leib und Leben der Stoßdämpfer, Sprungfedern und Konsorten verstecken.

Man will die Meinung ja nicht zwingend verbreitet wissen, aber Ugandas Hauptstadt gefällt mir und ich frage mich woher das kommt. Nun ja, als ich das bisher erste und einzige Mal hier war, habe ich mehr oder weniger nur ermattet im Bett gelegen. Jetzt komme ich auch mal ein bisschen rum, wenn auch meist nur auf Fahrten zum Büro, zur Bank oder sonstigen Besorgungen. Aber: ich komme ins Gespräch und das hat den einzigen allentscheidenden Grund: die Leute sprechen Englisch. Ich kann rumlabern wie mir der Schnabel gewachsen ist und das macht es alles doch gleich soviel einfacher und angenehmer.

Apropos Schnabel. Neben zwei Kollegen aus der Finanzadministration ist ja auch unser neuer Logistiker hierher gekommen, der in Bonn bereits bei vielen einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat 😉 Hier hat sich nun ein Graben entwickelt: eine Deutsche und eine Kanadierin stehen einem Franzosen und einer Italienerin gegenüber. Das ist unglaublich schwierig, wenn es um das Abendessen geht, das unserer Meinung nach vorzugsweise bis spätestens 18:30 Uhr eingenommen werden sollte, nach Meinung der mediterranen Gegenüber nicht vor 20:30 Uhr, eher später. Heute ging es soweit, dass wir um 19 Uhr im vereinbarten chinesischen Restaurant waren und uns während der Wartezeit auf die Südländer schon mal mit Frühlingsrollen vergnügt haben. Jedenfalls stellte der besagte Logistiker dann verschmitzt fest, wir führten doch ein Hühnerleben, „you live-e ö chickön loif“. Auf Nachfrage, was das denn genau heißen solle, spezifizierte er: „tu te couche comme une poule – du schläfst wie ein Huhn. Wenn die Sonne aufgeht raus aus den Federn und wenn sie hinter dem Horizont verschwunden ist, ab in die Falle.“ (Im italienischen gibt es eine ähnliche Redewendung). Das jedoch stimmt ja nicht wirklich, es geht hier nur ums Essen. Ich hingegen musste eigentlich nur daran denken, dass das Leben eines Huhns in Deutschland als erstrebenswert angesehen wird: „Ich wollt’ ich wär’ ein Huhn, dann hätt’ ich nichts zu tun…“ Schier unüberbrückbare kulturelle Unterschiede tun sich auf…

Mein Hühnerleben findet für heute ein Ende! Gute Nacht! (Es ist 23:13 Uhr!! 😉 )
Barbara

Zwischendrin

Selbst beim Aufsetzen des Flugzeugs in Entebbe/Uganda war ich irgendwie nicht bei mir. Das da draußen war offensichtlich nicht Deutschland, aber irgendwie hatte ich nicht das Gefühl, in Afrika angekommen zu sein. Einen Hinweis in die richtige Richtung gab es dann beim Verlassen des Flugzeugs: Hitzetod in Sekundenbruchteilen, furchtbar schwül.

Die Fahrt zum Hotel dauerte eine Ewigkeit: Rush-hour in Kampala – es waren fast 2 Stunden. Dafür habe ich mich wieder finden können – auf dem Kontinent, wo Stoppschilder und durchgezogene Linien lediglich Handlungsempfehlungen sind und es Werbeplakate mit dem Slogan „See dirt differently“ gibt.

Nach einem kurzen Schläfchen bin ich mit zwei aus Bunia / Kongo angereisten Kollegen und zwei Freunden in einem äthiopischen Restaurant essen gewesen – es war superlecker und definitiv ganz anders als alles, was ich bisher zu mir genommen habe. Doch dann rief bald das Bett.

Den heutigen Sonntag habe wir hauptsächlich mit einem ganz, ganz langen und in vielerlei Hinsicht wichtigen Gespräch verbracht – die Zeit flog nur so dahin. Aber so konnte ich wenigstens den Eindruck gewinnen, dass diese Reise tatsächlich Sinn macht, wovon ich zuletzt, ob der Änderungen, die sich kurzfristig noch ergeben hatten, nicht mehr unbedingt überzeugt war.

Mal sehen, was der morgige Tag bringt…
Barbara

Born to gossip – 15 Jahre Kaffeeklatsch

So richtig bewusst war es uns nicht. Wie so oft bei unseren mehr oder weniger regelmäßigen Treffen machten wir ein Gruppenfoto. Dann fragte einer: „Weißt du noch, wie wir dir damals das T-Shirt mit unserem Foto zum Abschied geschenkt haben? Wann war das?“ Das war 1994. Aber da hatten wir ja schon einiges an Routine entwickelt. Ja, wir könnten doch nochmal ein T-Shirt machen! Naja, das zieht man dann eh‘ nicht an. Aber eine Tasse? Also haben wir uns unsere Jubiläumskaffeeklatsch-Tassen machen lassen und dabei festgestellt, dass wir in diesem Jahr unser 15-jähriges Jubiläum zu feiern haben, denn 1993 fing der Wahnsinn an 😉


Die Kaffeeklatschler
The coffeeklatsch girls

Ich denke, wir werden noch einige Jährchen immer wieder gern zu Gesprächen, die die Welt bedeuten, zusammenkommen:

K1: „Ich muss ja zugeben, ich gucke immer noch McLeod’s Töchter!“
K2: „Aber klar doch – aber die Leute wechseln so oft.“
K3: „Also, ich weiß nicht, die Serie hat doch nur ein Thema! Entweder macht einer einer einen Antrag oder es wird geheiratet oder sie sind in Flitterwochen…“
K2: „Ja, das stimmt. Oder sie sterben.“
K1: „Oh Mann, ja – das war ja tragisch mit Lucy, hat mir echt leid getan.“
K2: „Hmm. Und dann gibt es eben immer wieder neue Familienangehörige – wegen des Titels ja auch! Eine ist in Argentinien, eine ist gestorben und Jody ist jetzt im Zeugenschutzprogramm…“
K4 verschwörerisch zu K3: „ZEUGENSCHUTZPROGRAMM! 😉 “
K3 augenzwinkernd zu K4: „Wenn sie da wieder rauskommt wird unter Garantie geheiratet!“
K1: „Ja genau und jetzt kommen irgendwelche Cousinen ins Spiel.“
K2 zu K3: „Hast du nicht mal ein Fernsehprogramm da?“
K3 holt das Programm, es wird geblättert
K2: „Oh mein Gott! Am Montag landet Grace mit ihrem Auto im Fluss! ‚Von Riley fehlt nach dem Unfall jede Spur.'“
K3: „Sag ich doch: heiraten oder sterben!“
K1: „Ja und weiter??? Dienstag, Mittwoch, Donnerstag…?
K2: „Dienstag: ‚Bei Grace reißen alte Wunden wieder auf, als sie ein Foto von Heath und seiner neuen Lebensgefährtin sieht.‘ Mittwoch: ‚Stevies Freundin Sharon taucht auf und organisiert illegale Wetten für das anstehende Distanzrennen.'“
K3: „Ja, das ist auch noch ein Thema: Pferde und Kühe.“
K2, unbeeindruckt: „Donnerstag: ‚Kate wird klar, dass sie ihr Leben ändern muss. Ein Gespräch mit Pater Dan öffnet ihr die Augen.'“
K4, sarkastisch: „Ach Herrjemine, jetzt auch noch Dornenvögel?!“
K1: „Und Freitag?“
K2: „Hm, da steht nichts dabei, dafür gibt es mehr Infos zu Wildes Wohnzimmer.“
K1: „WAS? Wie soll ich das überstehen?!?!“

Unser nächster Termin steht fest und hat ein weihnachtliches Thema. Wo der Kaffeeklatsch dann stattfinden wird, sollte klar sein… 😉

Einen guten Start in die Woche wünscht
Barbara

Meine neue Küche XXL – die Doku-Soap aus Poppelsdorf, Teil 5

In der letzten Woche war der Blog weniger täglich, es war einfach zuviel los. In der Zwischenzeit war ich selbst 2x im schwedischen Möbelhaus meines Vertrauens und habe mir weitere Teile von 2 weiteren Touren im Verwandten- und Kollegenkreis mitbringen lassen. Alles habe ich immer noch nicht, aber da die fehlende Schubladenblende nun angebracht ist und ich beruhigt auf Dienstreise gehen kann ohne befürchten zu müssen, dass die Schublade nach meiner Rückkehr total versifft ist, ist der wichtigste Teil erledigt…

Die Hängeschränke hängen noch – da war ich noch am gesamtdeutschen Feiertag, sicher zur Freude aller Nachbarn, mit zwei Freunden aktiv. Er bohrte, ich hielt den Staubsauger an die Wand, sie nahm Maß und schwenkte die Wasserwaage (technische Zeichner haben da so einen Genauigkeitsfimmel… 😉 ). Die Dübel Made in China haben uns den letzten Nerv gekostet – den Rest der Packung habe ich nach Beendigung unserer Arbeiten der Mülltonne übergeben und spreche hiermit eine eindeutige Empfehlung für die Qualitäts-Produkte aus dem Schwabenland aus, die können wirklich alles außer Hochdeutsch.


Die Arbeitsfläche und der Gecko…
The countertop and the gecko…

Die Hängeschränke haben eine beachtliche Höhe und die obersten zwei Fächer sind auch mir nur mit Hilfe eines Stuhls zugänglich. Da habe ich all das untergebracht, was nicht in falsche Hände geraten soll… funktioniert bislang. Auch wenn mich die „Schubladenelemente“ den allerletzten Nerv gekostet haben, so bin ich nun doch so begeistert, dass jeder zukünftige Unterschrank AUSSCHLIESSLICH mit Schubladen versehen sein wird. So was Wunderbares. Ich ertappe mich immer noch dabei, mit leuchtenden Augen und seligem Grinsen die Schubladen sinnlos auf- und zuzuschieben. Wenn ich nicht einfach auf einem der Stühle sitze und den Blick über mein Werk schweifen lasse. 😉 Die Küche wird damit für mich zum bevorzugten Aufenthaltsort und der Gecko zieht mich immer wieder in seinen Bann.


Die Lichtverhältnisse in dieser Küche werden nie ideal sein… aber dafür das Fenster bald geputzt 😉
Light(ing) will never be perfect in this kitchen… but soon the window will be clean at least 😉

Wenn ich von der Dienstreise, die nun erst am Mittwoch beginnt und Kongo aus aktuellem Anlass (mehr hier oder auch hier) nur als Thema und nicht als Ziel hat, zurückkehre, kann ich mich dem bis dahin sicher eingegangenen Basilikum zuwenden und sowohl ihn ersetzen als auch seine beiden Kollegen, wahrscheinlich Schnittlauch und Thymian, in meinen neuen Kräutergarten über der Spüle holen. Wenn ich an diesem Wochenende noch Nerv habe – das Werkzeug ist vorhanden – begebe ich mich vielleicht noch mal an die Aktion „Wir hängen die Kühlschranktür um.“


Aufgewertetes Poster
Poster as a new focus

Wichtige Elemente der alten Küche sind aufgewertet und wieder integriert worden, wie z.B. das Religionen der Welt-Poster. Der Biene-Maja-Kalender ebenfalls, allerdings etwas versteckt hinter der Tür. Die Martinslaterne harrt ihres Einsatzes im November. Ich hoffe, ich schaffe es EINMAL, zum Martinszug in Poppelsdorf auch dort zu weilen.

Mal sehen, was das Wochenende noch an interessanten Konversationen zu bieten hat. Gestern Abend entspann sich etwa folgender Dialog:

S: „Wie nennt man eine Frau, die noch keinen Sex gehabt hat?“
B: „Jungfrau.“
S: „Okay. Also ich habe diese Freundin, die ist keine junge Frau mehr…“
B: „JUNGFRAU. Sie ist keine JUNGFRAU. Nicht junge Frau, das ist allgemeiner und rein altersabhängig.“
S: „Okay. Also ich habe diese Freundin, die ist keine Jungfrau mehr, aber ihr Freund, der ist noch Jungmann…“

Leute, kommt mich doch mal auf einen Tee oder was in meiner neuen Küche besuchen… dann im November. Ich bin nämlich jetzt FERTIG 😉

Bis bald
Barbara

Meine neue Küche XXL – die Doku-Soap aus Poppelsdorf, Teil 4

Upps, jetzt ist es schon Tag 4 der Renovierung und selbst der ist fast vorbei! Gestern gab aus fernöstlichen Gründen kein Update, weil auch nicht so viel lief, wie geplant: meine Mitbewohnerin hatte Geburtstag. Wie bereits erwähnt, hatte sich dazu der Überraschungsbesuch aus London eingefunden – ein sympathischer junger Mann, der weiß, wie man Frauen für sich gewinnt: mit Pralinen von „BUTLERS – Purveyors of happiness“ (Lieferanten des Glücklichseins – da hat es einer verstanden!). Typisch in diesem Falle auch, dass ihm an Frauen weniger gelegen ist… Mit ihm jedenfalls waren wir am Montag Abend noch Kölsch probieren und Mittwochmorgen, am Geburtstag, habe ich mich dazu hinreißen lassen, ein Geburtstagsfrühstück auszurichten – UM NEUN UHR! Hier wird aufgestanden 🙂 Dieser Ansatz wurde dadurch begünstigt, dass ich noch zu IKEA musste und nicht erst gegen 15 Uhr frühstücken konnte – wo auch der Besuch schon wieder im Zug Richtung Wahlheimat saß. Richtig interessant jedoch wurde es abends, da sind wir chinesisch essen gegangen: das Geburtstagskind, zwei Freundinnen, zwei chinesische Herren – und ich. Das war eine für mich sehr wichtige Erfahrung, denn es gibt sie, die Chinesen, die wissen wo Ruanda liegt. Auch wenn sie sich ob ihrer angeblich unzureichenden Deutschkenntnisse entschuldigen mussten, seit der Abgabe ihrer Diplomarbeit „leider kein Deutsch mehr gewendet zu haben“. Habe ich in letzter Zeit auch seltener. Einer der Herren hat eine deutsche Freundin und ließ dunkel durchklingen, dass es schwierig sei – zu viele Regeln. Die weibliche Riege aus Fernost wollte wissen, was das denn für komische Regeln seien, aber er ging nicht näher darauf ein. Dann entschuldigte er sich, nahm den anderen Herren mit zum Buffet und ich wurde gelöchert. Was das denn wohl für Regeln sein könnten? Ohne zu zögern entfuhr mir: „Im Sitzen pinkeln und den Deckel danach runtermachen.“ Großes Entsetzen, Sprachlosigkeit. Die Buffet-Besucher kamen wieder und eine lebhafte, mir nicht verständliche Diskussion entbrannte – ich hatte Recht. Ein chinesisches Wort kann ich mir nun auch merken, es fiel so oft: „bag wa“ [Transkription wahrscheinlich falsch]. Das heißt soviel wie „neugierige Tratschtante“ und wurde bevorzugt für meine Mitbewohnerin verwendet.

Aber kommen wir noch mal zur Renovierung. Bis Dienstag lag ich also im Plan, danach ging es stark abwärts. Heute habe ich versucht aufzuholen, was mit Blick auf einen zweiten, VIERSTÜNDIGEN Besuch bei IKEA ein Gewaltakt war, aber er ist gelungen. Was mich allerdings nicht davon abhalten wird, in der kommenden Woche erneut noch Köln-Godorf zu fahren, denn für die oberste meiner neuen Schubladen fehlt angekündigt die Blende (und die fantastische neue Bettwäsche war auch ausverkauft!). Nicht angekündigt hatte ich beim ersten Versuch keine Griffe für die neuen Schränke besorgt… nebensächlich. Den Hochschrank habe ich mit einer motorisch und logisch herausgeforderten Chinesin zusammengebaut und ich kann nun versichern: ich bin bereit für das angedachte vorweihnachtliche Plätzchen backen mit 5-jährigen, ich habe definitiv die Geduld dazu… Das ist der Stand heute Abend, 22 Uhr:


Die neuen Schränke… sieht aus, als bräuchte ich auch einen neuen Herd…?
The new cabinets… looks like I needed a new stove, too…?

Der Schrank mit den drei Schubladenelementen war ein Nagel zu meinem Sarg, fehlende Blende hin oder her. Er hat mir den unumgänglichen IKEA-Moment beschert: Schubladenschienen 87mal aus- und wiedereinbauen, weil es irgendwie nie passt und es bei der mittleren DANN merken, als die Schublade schon eingerastet war und sich nicht überzeugen ließ, wieder rauszukommen. Als ich schon dabei war, sie rückschreitend wieder komplett auszubauen, stellte ich dann fest, dass es vielleicht auch geht, während sie noch drin ist… Daran habe ich Ewigkeiten rumgebaut (insgesamt 4 Stunden), die anderen flutschen wie nix. Deswegen werden die Hängeschränke morgen auch schnell von der Hand gehen. Wenn ich dann noch einen finde, der mir vielleicht Montagabend (oder auch am frühen Nachmittag des Feiertags?!?!?) beim Aufhängen hilft, ist auch das geschehen.


Das Wand-Tattoo mit einem dreiteiligen kongolesischen Kunstwerk aus Butembo
The wall tattoo with a three-piece work of art from Butembo, DR Congo

Als mich das Schubladenelement in den Wahnsinn zu treiben drohte (und auch die Lieferanten des Glücklichseins keine Erleichterung brachten), bin ich in eine Ersatzhandlung verfallen und habe mich schon mal um Deko gekümmert. Ich bin ganz angetan von diesem Wand-Tattoo, muss ich sagen. Als ich es gekauft habe, habe ich lange überlegt, ob überhaupt und wenn ja welches. Dieses wird sehr gut zum Stoff der Vorhänge passen, die ich hoffentlich am Wochenende noch nähe. Es wird ja schon alles knapp, wenn ich dann Montag in einer Woche wieder in den Kongo aufbreche.

So, ich glaube mich ruft jetzt das Bett!
Barbara

P.S.: Vor einigen Wochen zum Thema Car-Sharing noch (wahrheitsgemäß) versichert, dass ich noch nie nicht das Auto bekommen habe, das ich haben wollte, wurde ich ausgerechnet in dieser Woche eines besseren belehrt… der Berlingo war komplett für die Herbstferien gebucht, jemand ist damit in Urlaub. Gott sei Dank ließ es sich bei einer Freundin einrichten, dass ich ihr (großräumiges) Auto kurzfristig leihen konnte…