Ein Leben für den Blog

Das erste, was ich tun werde, wenn ich wieder in Bonn im Büro bin, wird sein, dass ich die Kolleginnen in der Finanzabteilung aufsuchen werde, mit einem Foto. Einem Foto von zwei Kolleginnen in Bunia, die in Kampala auf der Bank waren und dort einen nicht unerheblichen Dollarbetrag abholten – was über vier Stunden dauerte, was unglaublich schnell war, weil ich auch dabei war, um dabei zu helfen JEDEN EINZELNEN Schein auf seine Brauchbarkeit für den Kongo zu überprüfen. Es gibt da einige Ausschlusskriterien… folgendes darf nicht sein:

• der Schein darf nicht aus einer Serie vor 2001 sein
• der Schein darf nicht den allerkleinsten Riss haben
• der Schein darf keine Stecknadelkopfgroßen Löcher haben (warum er auch immer sollte, aber viele haben welche)
• das Präsidentenporträt darf in der Mitte nicht zu sehr geknickt sein

Selbst ein auf den ersten Blick vollkommen einwandfreier Schein kann mit einem Riss, der nur für geübte Augen erkennbar ist, im Kongo vollkommen seinen Wert verlieren. Ist ja gut und schön, denke ich immer wieder, aber dann behandeln sie selber das Geld immer wie den letzten Dreck… Wie auch immer: zu dritt war es in vier Stunden geschafft, letztes Mal war es so übel, dass zwei Kolleginnen geschlagene 8 Stunden in der Bank verbrachten. Da lässt sich schon überlegen, ob sich nicht wirtschaftlich effizientere Wege der Geldversorgung finden lassen.

Nach sehr intensiven Tagen in Kampala bin ich nun in Kigali, auch wenn das heute Nachmittag gar nicht so aussah. Die ganze Reise stand ja eh nicht unter einem guten Stern – zwar habe ich mir nicht wie befürchtet noch kurz vor Reiseantritt das Bein gebrochen, aber sie ist nicht arm an Herausforderungen, diese Reise.

Es ging alles wunderbar, auch wenn es nervt, das Gepäck an einem Flughafen gleich DREIMAL durch die Röntgenmaschine jagen zu müssen. Der Flug nach Kigali war wetterbedingt etwas holprig, aber wir landeten sicher – und ich konnte meinen Pass nicht finden. Die anderen Passagiere im Bus-Shuttle zum Flughafengebäude warteten schon ungeduldig, als ich nach langer erfolgloser Suche dann doch noch einstieg (allerdings nicht ohne eine Kotztüte für die Sammlung einer Bekannten einzupacken). Bevor ich mich den Einreisebeamten stellte, habe ich noch mal meinen ganzen Rucksack auseinander genommen – er war nicht da. Also, in die Offensive. Ich sagte dem Einreisebeamten freundlich guten Tag und meinte dann, dass er jetzt genau den komplizierten Fall hätte, auf den er schon den ganzen Tag gewartet habe: der Pass ist weg. Immerhin könne ich mich aber mit meinem Perso als Deutsche ausweisen. Das sei seinerseits kein Problem, nur könnte er darauf ja keinen Einreisestempel platzieren, erwiderte er. Das ließ ich sacken und meinte dann: „Einen internationalen Führerschein habe ich auch noch, da kann man Stempel rein machen!“ Das wurde diskutiert, dann aber auch verworfen. Mittlerweile wurde in der Ankunftshalle schon das Licht ausgeschaltet und ich sah mich schon wie Tom Hanks in „Terminal“ im Niemandsland am Flughafen die Nacht verbringen. Ich könnte den Perso doch einfach dalassen, am kommenden Tag zur Botschaft gehen und einen Notpass besorgen und dann würde ich eben dann offiziell einreisen. „Hm,“ sagte ich, „ich denke, bei der Botschaft wäre alles einfacher, wenn ich den Perso dabei hätte, um mich auszuweisen. Kann ich nicht auch einfach den Führerschein dalassen und komme morgen wieder?“ Darauf ließ man sich dann doch wirklich ein und Herr Tunga sagte, es sei auch alles kein Problem, der Pilot, der wegen des schlechten Wetters eh nicht nach Bujumbura weiterfliegen konnte, hatte Unterstützung der Fluggesellschaft besorgt und am Abflughafen in Entebbe wurde jemand auf die Suche nach dem Pass geschickt… Naja, so kam ich raus und bin dankbar, deutsche Staatsbürgerin zu sein, denn ich denke, als Franzose wäre ich in dieser Situation wahrscheinlich kurzerhand eingeknastet worden (es bestehen keine diplomatischen Beziehungen mehr zwischen beiden Ländern).

Noch mal davon gekommen, aber das sind echt Erlebnisse, die keiner braucht. Gegen 20 Uhr klingelte mein Telefon, es war die Verantwortliche von Rwandair Express: der Pass wurde doch allen Ernstes in Uganda gefunden und wird morgen früh mit der Morgenmaschine eintreffen!! Die Geschichte ist, wenn sie so ausgeht, ungefähr so gut wie die mit dem Taxifahrer in Cambridge/Massachusetts 1994 – es war Zeit, dass die mal abgelöst wurde… Leider werden die Gummisüßigkeiten Bonner Herstellung nun nicht an die ursprünglich vorgesehenen Kollegen gehen, sondern an Herrn Tunga, den Piloten und die Dame von Rwandair.

Boah, ich muss ins Bett…
Viele Grüße
Barbara

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