Ein Hühnerleben

Kampala ist angenehm kühl bis kalt in diesen Tagen mit wolkenbruchartigen Regenfällen, in denen der Übergang von Straßen zu Bürgersteigen, wo vorhanden, verschwindet und sich die teilweise lächerlich großen Schlaglöcher mit schwerwiegenden Konsequenzen für Leib und Leben der Stoßdämpfer, Sprungfedern und Konsorten verstecken.

Man will die Meinung ja nicht zwingend verbreitet wissen, aber Ugandas Hauptstadt gefällt mir und ich frage mich woher das kommt. Nun ja, als ich das bisher erste und einzige Mal hier war, habe ich mehr oder weniger nur ermattet im Bett gelegen. Jetzt komme ich auch mal ein bisschen rum, wenn auch meist nur auf Fahrten zum Büro, zur Bank oder sonstigen Besorgungen. Aber: ich komme ins Gespräch und das hat den einzigen allentscheidenden Grund: die Leute sprechen Englisch. Ich kann rumlabern wie mir der Schnabel gewachsen ist und das macht es alles doch gleich soviel einfacher und angenehmer.

Apropos Schnabel. Neben zwei Kollegen aus der Finanzadministration ist ja auch unser neuer Logistiker hierher gekommen, der in Bonn bereits bei vielen einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat 😉 Hier hat sich nun ein Graben entwickelt: eine Deutsche und eine Kanadierin stehen einem Franzosen und einer Italienerin gegenüber. Das ist unglaublich schwierig, wenn es um das Abendessen geht, das unserer Meinung nach vorzugsweise bis spätestens 18:30 Uhr eingenommen werden sollte, nach Meinung der mediterranen Gegenüber nicht vor 20:30 Uhr, eher später. Heute ging es soweit, dass wir um 19 Uhr im vereinbarten chinesischen Restaurant waren und uns während der Wartezeit auf die Südländer schon mal mit Frühlingsrollen vergnügt haben. Jedenfalls stellte der besagte Logistiker dann verschmitzt fest, wir führten doch ein Hühnerleben, „you live-e ö chickön loif“. Auf Nachfrage, was das denn genau heißen solle, spezifizierte er: „tu te couche comme une poule – du schläfst wie ein Huhn. Wenn die Sonne aufgeht raus aus den Federn und wenn sie hinter dem Horizont verschwunden ist, ab in die Falle.“ (Im italienischen gibt es eine ähnliche Redewendung). Das jedoch stimmt ja nicht wirklich, es geht hier nur ums Essen. Ich hingegen musste eigentlich nur daran denken, dass das Leben eines Huhns in Deutschland als erstrebenswert angesehen wird: „Ich wollt’ ich wär’ ein Huhn, dann hätt’ ich nichts zu tun…“ Schier unüberbrückbare kulturelle Unterschiede tun sich auf…

Mein Hühnerleben findet für heute ein Ende! Gute Nacht! (Es ist 23:13 Uhr!! 😉 )
Barbara

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