Meine neue Küche XXL – die Doku-Soap aus Poppelsdorf, Teil 3

Tag 2 der Renovierung! Und es war ein schwieriger Start – ich bin mit ziemlichem Muskelkater aufgewacht – aber da gab’s ja nichts zu ändern, die Küche lag im Chaos. Und einmal angefangen, fluppte es auch ganz gut – selbst den Bohrmaschinenquirl hatte ich im Griff: mittags waren die restlichen Wände in zitronengelb getaucht, und dass, obwohl ich die Flächen, die vorher orange waren, DREIMAL streichen musste. Dafür nutzte ich die Gelegenheit (durch die endlich gekaufte Leiter), zum ersten Mal in über sechs Jahren das Oberlicht in der Küche zu putzen. Sagen wir so: es hat sich gelohnt.


Der Kühlschrank an seiner neuen Position
The refrigerator in its new location

Die Ergebnisse bislang: das „Türsturzregal“, in dem bislang das Geschirr stand, beherbergt jetzt unsere Lebensmittel. Das Geschirr ist bis morgen in meinem Wohnzimmer zwischengelagert (also Chaos-Verlagerung sozusagen), denn die beiden gammligen Regale hatte ich über den Tausch- und Verschenkmarkt der Stadt Bonn bereits heute Morgen um 8:54 Uhr vertickt (Abholung später). Den Kühlschrank habe ich aus allgemeinen planerischen und energietechnischen Gründen von der Heizung weggeschoben – endlich siegte der Verstand. Da nun aber auch Praktikabilität wieder hergestellt werden muss, wollte ich die Türen desselben und des angeschlossenen Gefrierschranks auf der entgegen gesetzten Seite einhängen. Soweit so gut. Nachdem ich schmerzlich feststellen musste, dass beide im Zusammenhang stehen, dann aber blitzschnell handeln konnte und fast alles schon umgehängt hatte, fehlte mir das allerletzte Werkzeug (und ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob es das, was ich zu brauchen scheine, überhaupt gibt…) – also alles wieder retour, wobei ich fast erschlagen worden wäre von der oberen Tür, als ich die untere fixieren wollte… es muss ein wunderbarer Anblick gewesen sein, mich mit einem Schraubenzieher und einigen anderen mehr oder weniger sinnvoll anmutenden Utensilien vor dem augenscheinlich auseinanderfallenden Kühlschrank wirr lachend auf dem Küchenboden liegen zu sehen. Es war Gott sei Dank niemand außer mir in der Wohnung.


Die neue Vorratskammer… bitte beachten: die Martinslaterne habe ich noch nicht ganz abgeschrieben…
The new larder… please take note: I have not quite decided to get rid of the St. Martin’s lantern…

Bruch hat es gegeben, aber es handelte sich lediglich um einen Teller – und da es keiner vom Meißener war, werde ich das auch überleben… am Nachmittag habe ich noch einiges erledigt und rumgeputzt und morgen geht es zum schwedischen Möbelhaus meines Vertrauens für die Schränke, JA!

Viele Grüße
Barbara

Meine neue Küche XXL – die Doku-Soap aus Poppelsdorf, Teil 2

Tag eins der Renovierung! Um neun Uhr ging’s los, voller Elan. Die Decke wollte ich zuerst streichen, einfach weiß. Und das wollte ich von hinten nach vorn erledigen: erst über dem Hochbett, dann nach vorne zum Fenster hin. Bevor ich anfing, dachte ich, das ehemalige Hochbett sei ganz praktisch – da braucht man nicht auf einer wackeligen Leiter zu stehen und hat alles in Reichweite. Dumm nur, dass das Bett so hoch ist, dass man nicht aufrecht sitzen kann… So endete es damit, dass ich die Decke im Liegen gestrichen habe, den Tag, an dem das Bett installiert worden war, verfluchte und kurzfristig noch mit dem Gedanken spielte, es abzureißen! Ich kam mir vor wie Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle – nur musste der nicht mit einem gewissen Maß an Druck eine Rolle über die Gewölbe schieben.

Aber auch das ging vorüber und ich konnte mich dem ersten Highlight widmen: der Wand, die von schmutzigem weiß in eine pink-farbene Pracht verwandelt werden sollte. Dafür musste ich Herd, Schränke und Kühlschrank von der Wand rücken und konnte mich nicht ganz unerwartet erstmal einer ausgiebigen Reinigungsaktion widmen:

null
Der Herd, linke Seite. Den Blick dahinter erspare ich euch…
The stove, left side. I spare you the look at the backside…

Erstaunlicherweise gab es nur eine winzige Spinne zu finden. Aber dann ging’s zur Sache, auch wenn ich nach der Ankündigung der Renovierung gestern u.a. schon eine entsetzte Mail aus Sri Lanka bekam:

„Hallo Barbara,
um Gottes Willen!!! Nix ändern!!! Lass das so!!! Du vernichtest Deine Identität!!! Oder hast Du schon eine neue??? Mach nix kaputt [!]“

Tja, habe ich eine neue Identität? Ja genau, leider aufgeflogen, ich bin in einem Zeugenschutzprogramm und wohne schon lange nicht mehr in Poppelsdorf, ist alles nur zur Tarnung 😉 Aber ich konnte außerdem feststellen, wie klein die Welt ist. Eine andere Reaktion auf die Ankündigung kam aus Sankt Augustin, von wo man mir mitteilte, dass besagter Kameramann, der das Fass der Renovierung zum Überlaufen brachte, der Nachbar von guten Freunden sei und entsetzt war, als er von meinen Plänen hörte – die Atmosphäre habe ihm WIRKLICH gefallen, ich solle bloß nicht renovieren! Ich sehe das nun so: a) es war nie anders geplant, als dass auch nach der Renovierung Atmosphäre herrschen soll und b) ich wohl die entsetzten Kritiker dann mal einladen muss, um sie von eben diesem Sachverhalt zu überzeugen! Wieso ich was kaputt machen soll, habe ich sowieso nicht verstanden 😉

Aber auf zur Wand. Ich hatte mir extra so einen Quirl (Rondenrührer mit 6-Kant Schaft, ich lerne auch Vokabeln) zugelegt, damit das Farbenmischen nicht letztendlich so ein Desaster wird, wie damals im Schlafzimmer. Man stelle sich also einen überdimensionalen, von einer Schlagbohrmaschine betriebenen Stabmixer vor. Von Binford war er nicht, aber ich hatte auch ohne Tim Taylor schon mehr als ausreichend Power und habe erstmal einen Flatschen pinke Farbe in der halben Küche verteilt, nur nicht auf die Wand, wo sie drauf sollte. Auch die Hose hat nun pinke Beine. Aber das macht nichts, sie war eh dem Müllcontainer geweiht, zum Ende der Woche. Nach alles in allem 8 Stunden liebevoller Arbeit ohne Pause (und ohne Sitzen, mein Rücken wird sich erkenntlich zeigen) ist der im Plan vorgesehene pinke Teil nun pink:


Pink is beautiful! Der orange Rest mit den Spachtelflecken ist nun auch weg
Pink is beautiful! By now I have also taken care of that orange spot with the filler

Und es gab heute exakt 3 Minuten lang Sonnenstrahlen – fast pünktlich zur Fertigstellung, das muss ein Zeichen sein! Für morgen ist schon alles abgeklebt, gleich räume ich die Regale leer (will die jemand im Umkreis haben? Ich verschenke sie!!) und dann gehe ich einen heben mit meiner Mitbewohnerin und einem Landsmann, der in London wohnt und sie anlässlich ihres Geburtstags am Mittwoch heute überrascht hat – ich wusste davon (Facebook macht vieles möglich) und die Überraschung ist voll gelungen.

So, nun geht’s weiter!
Barbara

Meine neue Küche XXL – die Doku-Soap aus Poppelsdorf, Teil 1

(Now that I have people worldwide psyched up about me rehabbing my kitchen, I will try to post a daily blog entry in English, too… just click on the “English?!” button… but as usual: pictures only on the German site.)

Lange schon hatte ich den Plan, die Küche zu renovieren (und den Flur und das Wohnzimmer und…), aber es gab immer einen Grund, warum ich das Projekt nicht angegangen bin. Meistens gingen die Gründe in die Richtung „Wer weiß, wie lange ich noch hier bleibe“ oder „Wenn ich die Wohnung dann ganz übernommen habe…“. Nun, jetzt bin ich es endgültig leid und mache es – egal, ich kann mir auch beim nächsten Becker-Hecht in der Haribo-Halle das Genick brechen. Wahrscheinlich hat diese Entscheidung zur Folge, dass das Gebäude Ende des Jahres als abbruchreif klassifiziert wird oder ich doch einen Job im Ausland annehme oder oder oder. Die Tatsache, dass ich uralte Dübel problemlos aus der Wand ziehen konnte und der Durchmesser der Löcher nun etwa doppelt so groß ist durch herausgebröselten Backstein, lässt schlimmstes vermuten. Wie auch immer, letztlich ausschlaggebend war die Reaktion des Kameramanns eines Lokalsenders, dem ich vor einigen Wochen bei der Erstellung eines Beitrags behilflich war:

„Wo filmen wir denn nun, was denkst du?“ fragte die Redakteurin ihren Kollegen.
Der antwortete ohne zu zögern: „In der Küche, die ist so schön… alternativ.“

Ich fiel fast vom Glauben ab (dass er sich dafür entschieden hatte) und war kurz davor, meine Zustimmung zum filmen in meiner Wohnung zurückzuziehen. Dann jedoch dachte ich: „Sch… der Hund drauf, ich stehe zu meinem Biene-Maja-Kalender und der Martinslaterne, die vom ehemaligen Hochbett-jetzt-Stauraum baumelt, mit dem „Religion-Poster“ des ZEIT-Wissen-Magazins daneben. Mein Musikgeschmack wurde ja schon immer als gefühlskrank beschrieben, warum sollte die Küche anders sein?!

Aber, es hing doch länger und intensiver nach, als ich gedacht hatte. So erreichte der lange gefasste Plan die nötige Reife, ich nahm eine Woche Urlaub und morgen geht es los! Wenn mich die Vorfreude nicht noch diese Nacht die Farbtöpfe öffnen lässt… dafür bin ich bekannt 😉

Hiermit habe ich es zu tun, sozusagen der „vorher-Teil“:

Klassische studentische Küche im Rheinland der 1990er Jahre (beachten Sie den zusammenklappbaren Grill unter dem versteckten antiken Sessel der 60er Jahre)
Kitchen typical for a student household in the Rhineland of the 1990s (observe the collapsible barbecue grill underneath the camouflaged antique 60s armchair)

Auch danach werde ich keinen Starkstrom haben, die Leitungen werden weiter über Putz liegen, der Ofen nicht gleichzeitig mit dem Wasserkocher und der Schnellkochplatte betrieben werden können, die Waschmaschine wird weiter 60 Treppenstufen tiefer und ein paar Schritte über den Hof stehen, eine realistische Chance im Kampf gegen wiederkehrende Lebensmittelmotten werde ich wohl erst im neuen Jahr haben, die fahren voll ab auf asiatische Produkte – aber ich liebe diese Wohnung (den Anbau eines Balkons muss ich noch üben)!

Es geht los!
Barbara

Am Rande des Wahnsinns

Am Rande des Wahnsinns

Grundsätzlich gibt es immer wieder Zeiträume, in denen man, so für sich, am Rande des Wahnsinns zu stehen glaubt. Also, mir geht es zumindest so und leider in letzter Zeit immer häufiger und meist aus den gleichen Gründen, aber die sind hier nebensächlich. Was mir auffiel: ganz Bonn scheint unter Druck zu stehen. Wahrscheinlich liegt es an der sich verlangsamenden Konjunktur, ein Trend, der sich laut eines kürzlich in der ZEIT erschienenen Artikels am gestiegenen Schokoladenkonsum der Bevölkerung unausweichlich erkennen lässt. Sehr interessanter Ansatz und ich muss sagen: mein Schokoladenkonsum spiegelt meine innere Trendentwicklung ziemlich gut wieder.

Vielleicht sollte der sonst so freundliche Beamte der Deutschen Bahn am Info-Point mehr kakaohaltige Genussmittel zu sich nehmen. Mal wieder auf dem Weg in die Eifel musste ich als erstes feststellen, dass sich die Ausweitung des VRS-Verbunds für mich nicht positiv gestaltet: meine Bahncard gilt nicht mehr und nun zahle ich das Doppelte von heute auf morgen. Nach der Auskunft wollte ich mich noch an der Auslage des Zeitschriftenladens ablenken und kriege so nebenher mit, wie es am Info-Stand immer lauter wird. Der nette Herr kurz vor der Rente in seiner adretten Weste ist in ein Streitgespräch mit einem potenziellen Kunden verwickelt. Irgendwann, als die Dezibelzahl des Gesprächs deutlich die der häufig vorbeirollenden Güterzüge überschritt und der Vertreter der Bahn hochrot angelaufen war, dass ich dachte, er erleidet vor meinen Augen einen Herzinfarkt, kulminiert das Gespräch in seinem erbosten Ausruf – wahrscheinlich bis Gleis 5 hörbar: „SIE HABEN GESAGT, ICH KÖNNE SIE AM ARSCH LECKEN – UND JETZT LECKE ICH SIE AM ARSCH!!“ Schlagartig wurde es still, der Bäcker sah von seinen Rosinenschnecken auf, am Kiosk blieb ein Kunde während des Bezahlens mitten in der Bewegung stehen – und der Bahnkunde, ein etwa 25-jähriger mit Migrationshintergrund, zog den sprichwörtlichen Schwanz ein und schlich von dannen. Wir werden nie wissen, worum es ging, aber ich frage mich schon, in welchem Seminar zur Kundenbetreuung diese Reaktion eingeübt wurde, grammatikalisch perfekt. Andererseits war der Ausraster ja vielleicht auch berechtigt. Ich jedoch ertappte mich direkt nach dem Ausruf beim Denken des uralten Spruchs „Ach was, Quatsch – dafür ist die Schokolade doch viel zu günstig…“

Mehr in einem Schokoladenhoch war wohl jener Jugendliche, an dem ich abends mit dem Rad vorbeifuhr. Dieser saß an einer Bushaltestelle, telefonierte lautstark und ich suchte nach dem einleitenden Satz vergeblich nach einem Grund, stehenzubleiben und das Gespräch weiterzuverfolgen: „Boah, glaub’s mir, isch hab da echt voll korrekt Gefühle gezeigt, eh!“ Ich bin fast vom Fahrrad gefallen vor Lachen…

Wo Schokolade jedoch nicht mehr hilft, zeigte sich gestern Abend. Ich sah im Fernsehen den Film „Flug 93“, die verspielfilmte Pseudo-Doku zum Absturz des Flug United 93 in einem Feld in Pennsylvania zu 9/11. Irgendwann kommt meine Mitbewohnerin nach Hause und fragt „Und, was guckst du?“ Darauf meine Antwort: „Einen Film zum 11. September.“ Eine ganze Weile Stille und ein gespannter Blick auf den Bildschirm, dann die Frage: „Aber heute ist doch der 9. September?“ (Für mich jedoch war an diesem Film der größte Schock, dass der Terrorpilot von eben jenem Schauspieler gespielt wurde, der den erwachsenen Amir im „Drachenläufer“ darstellte… Was ihm dauerhaft einen zu großen Sympathiebonus für diese Rolle einbrachte.)

Was bleibt mir zu sagen… esst mehr Schokolode, Leute, bevor es zu spät ist!
Viele Grüße!!