Rom sehen und sterben

Ja. NEIN! Ich bin noch nicht soweit! Drei Tage waren viel zu kurz!!! Es hat ja nur gereicht, um mal kurz an der Oberfläche zu kratzen. Aber was für ein fantastisches langes Wochenende bei bestem Wetter!

Am Freitagnachmittag kam ich an und stellte beim Blick auf mein Ticket für den Expresszug in die Innenstadt fest: Achtung! 12 Euro bezahlt, 11 stand auf dem Ticket… Die Spreu vom Weizen bzw. die Römer von den Touristen trennte sich dann beim Einstieg: der gewiefte Römer ging entgegen der Ankündigung zu Gleis 3, während die Schar der Unwissenden brav zu Gleis 2 trottete… Dort war auch der Einstieg, aber auf der anderen Seite der AUSSTIEG, so dass man sich von dort, eh die Türen zu Gleis 2 aufgehen, noch schnell hineinmogeln und einen Platz im überfüllten Leonardo-Express sichern kann…

Nebenan. Der Petersdom gesehen von der Via della Conciliazione.

Nebenan. Der Petersdom gesehen von der Via della Conciliazione.

Bei meinen Gastgebern gegen 17:15 Uhr eingetroffen (73 Treppenstufen in einem gemütlichen Altbau weniger als 5 Gehminuten vom Petersplatz), machten wir uns schon 15 Minuten später auf den Weg – und die beiden waren sich ihrer großen Verantwortung bewusst, war es doch mein erster Besuch in Rom. Selber kommen sie aus Süditalien und so wurde kurzerhand Alberto verpflichtet, der die Geschichte Roms aller Epochen in- und auswendig kennt und keine – auch nicht eine – Frage unbeantwortet ließ. Einen ersten Blick auf den Petersdom geworfen und entschieden, den Besuch aufgrund der vorangeschrittenen Stunde auf ein anderes Mal zu verschieben, stand ich nichtsahnend an einer Straßenecke auf dem Weg zum Castel Sant’Angelo, als ein offener Touristen-Bus an mir vorbeifuhr und ich von oben im typischen Tonfall ein „Hall-lo Bar-bar-ra!“ einer Sandfreundin hörte, gefolgt von einem „Das gibt’s ja nicht!!“ ihres werten Gatten – und weg waren sie. Keine 30 Minuten auf den Straßen Roms unterwegs und schon Bekannte getroffen. Meine Gastgeber waren beeindruckt.

Parken will gelernt sein.

Maßarbeit made in Italy.

Was den Verkehr angeht: Rom allein sollte eigentlich reichen, um den Hersteller von smart™ auf ewig vor dem Ruin zu retten. Auf jeder beliebigen Straße, die ich teilweise mehrfach abgelatscht bin – und glaubt mir, es waren nicht wenige! – hätte ich zu jedem beliebigen Zeitpunkt mindestens drei Fahrzeuge dieses Typs ausmachen können, ohne den Kopf zu bewegen.

Roller sind beliebt.

Roller sind beliebt.

Auch von anderen Herstellern gab es Kleinstwagen zu bestaunen, die ich noch nie gesehen habe. Der Tata Nano™ kann nicht mehr lange auf sich warten lassen. Meine Gastgeber haben nur einen Roller, der wahrscheinlich das beliebteste Gefährt überhaupt ist… parken will man da echt nirgendwo wollen und es will wirklich gelernt sein; ich konnte einige spannende Manöver beobachten…

Nun ja, es entspann sich also mit der Tiber-Überquerung per Ponte Sant’Angelo eine Tour de force, denn gleich am ersten Abend sollte ich einen Großteil des historischen Zentrums zu sehen bekommen. Oder

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Trevi Brunnen, oberer Teil. Wasser sehe ich nächstes Mal.

auch weniger. Das Problem: von den, wie mein Reiseführer behauptet, mehr als 6 Millionen Rom-Besuchern im Jahr hatten sich schätzungsweise 2 Millionen dieses lange Wochenende ausgesucht. So war ich beispielsweise zwar im Dunstkreis des Trevi Brunnens, aber das Wasser habe ich nicht gesehen, geschweige denn die obligatorische Münze über die linke Schulter geworfen, um den nächsten Rom-Besuch zu sichern.

Nicht zu viel versprochen hatte man mir mit der wunderschönen Piazza Navona, an deren elliptischer Form man heute noch das für Cäsar errichtete ehemalige Stadion erkennen kann. Ich würde diesen Platz mal platt zum

Ein schöner Rücken kann auch entzücken. Piazza Navona.

Ein schöner Rücken kann auch entzücken. Piazza Navona.

Quincy Market von Rom erklären. Das ist das Gegenstück: mein Lieblings“platz“ in Boston. Da gibt es Verkaufsstände und alle möglichen Straßenkünstler, da kann man lecker essen, einkaufen und gemütlich Kaffee trinken. Die Bauwerke an der Piazza sind unbestritten deutlich imposanter, aber so die Atmosphäre. Wahrscheinlich hinkt jeder Vergleich. Von dort jedenfalls auf zum Pantheon, weiter zum erwähnten Trevi Brunnen und der Spanischen Treppe und flugs über die Piazza del Popolo wieder zurück „nach Hause“, wo wir dann gegen 23 Uhr zum Abendessen kamen, zu dem ich den mitgebrachten Tropfen von der Ahr beisteuern konnte (Wein nach Italien zu bringen ist wohl wie Eulen nach Athen tragen, aber das hatte eine Geschichte…). Am 1. Mai isst man in Italien traditionellerweise dicke Bohnen – gegen die ich eine langjährige intensive Abneigung hege, aber auf die ich mich nach dortigem Rezept versuchsweise eingelassen hätte: mit Käse und Lammfleisch. Aber es gab dann doch eine leckere Pasta und diverse Anti-Pasti. So fand der erste Tag irgendwann nach Mitternacht sein Ende.

Fortsetzung folgt. Stay tuned.

Das Ende einer Ära…

Diese Ruhe, besonders nachts… diese Küche, ohne Spülkram und nicht gewischte Oberflächen… dieses Badezimmer, Luftfeuchtigkeit deutlich unter 98%… Ich bin endlich allein. Dass ich diesen Satz jemals so formulieren würde – aber fast drei Jahre mit meiner chinesischen Mitbewohnerin haben ein Ende gefunden und es ist einfach eine Erleichterung. Was genau mit dem Zimmer wird, entscheide ich nicht von heute auf morgen, das hat Zeit. Und als Gästezimmer kann man es auch im momentanen Zustand gebrauchen.

Die Kosten werden erheblich sinken: keine Hunderterpacks an Ohrstöpseln mehr, deutliche Senkung des Pro-Kopf-Toilettenpapier- und Wasserverbrauchs (ca. -80%?), die Verbrauchszeit für eine Flasche Spüli wird von ca. drei Wochen auf drei Monate steigen… Mit diesen Wahnsinnspotenzialen vor Augen konnte ich doch auch gleich mal investieren und habe mir, was, wie ich heute erfuhr, in manchen Kreisen als „Unterschicht-Glotze“ betitelt wird, zugelegt: einen LCD-Fernseher mit einer 81 cm Bildschirmdiagonale. Erst mal ein Seufzer der Erleichterung, dass er auch tatsächlich an die Stelle passte, wo er hinsollte. Wie breit die Geräte insgesamt sind steht ja nie dabei, immer nur die Diagonale. Nach einem kleinen Kampf mit den Anschlüssen und einer wie so oft nutzerfreundlichen Anleitung mit viel Fachchinesisch, konnte ich ihn doch noch ans Laufen bringen und nach anfänglichen Problemen mit dem Ton auch was hören zu den Bildern. Ich habe dann gleich fast einen Herzinfarkt erlitten, als riesige Biber auf mich zu schwammen (eine Yellowstone-Doku) und ich feststellte, dass ich wahrscheinlich doch einen Durchbruch zum nun freien Zimmer machen muss, damit ich weit genug vom Bildschirm wegkomme… Auf jeden Fall muss ich bald mal was „beeindruckendes“ gucken, Der mit dem Wolf tanzt oder Braveheart oder so was. Vielleicht auch jetzt sofort…

Der Beginn einer neuen Ära 😉

Ganz neu!

Willkommen bei The Knackered Grouse! Mein alter Blog musste sich leider verabschieden, denn mein Gastgeber der letzten drei Jahre baut bei sich so einiges um. Aber wie das so ist mit überraschenden Neuerungen: sie bringen auch immer was gutes mit sich. So bin ich dazu gekommen, mir noch mal ein paar Überlegungen zu machen, wie der Blog aussehen sollte und habe jetzt ein paar Gestaltungsmöglichkeiten mehr.

Und dann der Name. Ich dachte, das wäre superschnell geregelt und hat mich dann einen ganzen Abend gekostet. Es sollte was ganz einfaches sein, aber alles, wirklich alles, was mir einfiel, war bereits vergeben. Und da es nicht The simple things 234 sein sollte, fing ich auf der Suche nach Inspiration verzweifelt an, wild irgendwelche Seiten

Haselhenne

Haselhenne

im Wörterbuch aufzuschlagen und entschied mich letztlich für The Knackered Grouse. Eine grouse ist ein Waldhuhn und knackered bedeutet soviel wie total fertig – so fühlte ich mich gegen Ende der Suche auch. Im weiteren habe ich nun entschieden, dass es sich bei meinem Waldhuhn um eine Haselhenne handelt. Das wiederum liegt daran, dass das Internet extrem wenige Fotos von Waldhühnern zu bieten hat – die meisten davon sind Zielscheiben, die man bei irgendwelchen Sportschützenausstattern bestellen kann. Viele biologische Details findet man bei Zeno – das halbe „Brehm’s Tierleben“ wie mir scheint, aber keine Fotos. Nun also die Haselhenne. Ein gewisser W. Scherzinger schreibt dazu:

Das Haselhuhn ist nach dem Haselstrauch benannt, den es früher an vielen Waldrändern und in Feldgehölzen zur Nahrungsaufnahme nutzen konnte. Dieser etwa Rebhuhn-große Hühnervogel wurde in z. T. großer Stückzahl erlegt, denn er galt als begehrtes Wildbret in Fürstenhäusern und Klöstern, was auch den wissenschaftlichen Namen prägte: Bonasa bonasia heißt (frei übersetzt) „schmeckt sehr gut“! […]

Heute jedoch ist das kleinste heimische Waldhuhn den wenigsten bekannt, es fehlen gründliche Bestandserfassungen für den Großteil seines Verbreitungsgebietes – und von hohen Siedlungsdichten kann keine Rede mehr sein. Dabei eignete sich dieses kleine und (vergleichsweise) intelligente Waldhuhn ganz besonders für die Gestaltung eines artspezifischen Lebensraumangebots, selbst in regulär bewirtschafteten Wäldern, zumal es ja gerade die sonnigen Wegränder und bunten Bestandsgrenzen, die kleinen Hiebsflächen und jungen Stangenhölzer benötigt. […]

Es wird weiter beschrieben, dass sich Artnachweise im Sommer besonders Sandbadeplätze eignen – ein symphatischer Zug dieses Tiers!

Also, willkommen bei The Knackered Grouse!

Barbara

Voll der Frühling!!!

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Mehr zum Thema Frühling kann man sich hier ansehen, auch wenn die Lage auf Facebook immer bizarrer wird. Ich werde nicht nur informiert, dass Snezana Avromov-Atanasovska und Natasa Popovska-Pavlovska ebenfalls das von einem mazedonischen Freund eingestellte Foto kommentiert haben, nein! Jetzt weiß ich auch, dass Kari Kallevi Pöllänen das Foto von Sini wie folgt kommentiert hat: „mitä sinistä sä käytät/kenen sinistä käytät pysyykö esim. vaalean eri sävyt (toki niitä ohentelet ym.) idea olisi nyt -koko reisi polveen asti tollainen „sini“taivas jossa yksinäinen vanha monipurjeinen laiva on tulossa kotiin“. Aber die Fotos der finnischen Landschaft sind atemberaubend schön! Könnt ihr euch jetzt leider nicht ansehen…

Ganz klar: mangelnde Flexibilität

Schon bevor ich das Haus verließ, hätte ich es wissen müssen – es war der montagigste aller Montage. Wie jeden Morgen polterte der Halbstarke von oben lautstark die Treppe runter, danach kann ich den Wecker stellen, immer um 6:45 Uhr. Im Halbdämmer denke ich irgendwann: „Hm, warum klingelt er dann nicht?“ und merke um 6:58 Uhr, dass er noch auf 10 Uhr eingestellt war. Hektik am frühen Morgen liebe ich über alles, besonders wenn ich noch mit halb offenen Augen auf dem Weg in die Küche feststellen muss, dass die Wohnungstür seit unbestimmter Zeit offensteht und alles Hab und Gut weg sein könnte. Aber es sind ja nur noch 17 Tage.

Diese Woche war durchgeplant, denn es sind die letzten vier Tage der Übergabe, bevor ich mich nach Ostern meinen nicht nur neuen Aufgaben widmen werde. Aber alles wurde bereits um kurz nach acht durcheinander gewirbelt, als meine Kollegin eine etwa wie folgt lautende Nachricht auf der Voicebox abhörte: „Bonn-schura, scharif-a a Bonn-e oschurdwie-a.“ (Bonjour, j’arrive à Bonn aujourd’hui – Guten Tag, ich komme heute in Bonn an.) Es handelte sich um den heißbegehrten italienischen Mechaniker, der sich mit Nutzfahrzeugen mit dem Stern so richtig gut auskennt und von dem wir lange nicht gehört hatten, nachdem wir ihn per Mail und telefonisch gebeten hatten, zu einem Termin nach Bonn zu kommen. Wie bizarr – eine Absprache schien nicht im Sinne dieses Menschen zu sein und es hat wenige Tage in den letzten Jahren gegeben, an denen wir mehr nicht verschiebbare Aufgaben auf der Liste hatten.

Aus schierer Verzweiflung verabredeten wir uns trotzdem vor seiner Ankunft in einem Etablissement mit Sonne zum Mittagessen und beobachteten alle vorbeieilenden Menschen. „Der kleine Dicke da mit der Glatze, in der gelben Jacke – das könnte er sein!“ meinte die Kollegin und ich war der Einschätzung nicht abgeneigt. Dann kam ein eher groß gewachsener Typ mit dunklem Strickpulli und einem grünen Koffer – der könnte es auch sein. So ging es noch ein bisschen weiter über unserem Baguette St. Pierre und den Tagliatelle Lodarchi. Als uns der Besuch dann um 14 Uhr angekündigt wurde, wurde die Wette geschlossen und ich gewann tatsächlich: es war der Hüne mit dem Koffer. Gott sei Dank kein Geigenkoffer.

Auf die Frage, warum er den Termin nicht mit uns angestimmt habe, antwortete er lapidar, dass man ja keine Zeit verlieren müsse und auf der Baustelle ja schon die eine oder andere Maschine still läge – Zeit ist Geld. Ja, wohl wahr… aber der Aufenthalt hätte auch nur zwei Tage dauern müssen, hätten wir davon gewusst – und unsere Zeit ist auch nicht kostenlos. Wie kriegen wir den Mann ohne Anmeldung bei einem Tropenarzt durchgecheckt, ihm den Vertrag ausgestellt und vielleicht ein bisschen INFO dazu rübergebracht, ein Visum besorgt, ein Hotel gebucht, einen Flug arrangiert, ein Gespräch mit dem Chef eingebaut, vielleicht noch nicht uninteressante Informationen aus der Logistik-Abteilung – uns fiele da schon was ein, was man vielleicht durchziehen sollte.

Nur rudimentär unterdrückte hysterische Lachkrämpfe hielten Einzug, als es um die Heimreise nach „bei Venedig“ ging: einen Billigflieger kriegen wir nur Donnerstag, mittwochs mit der Bahn, auch nur 15 Euro billiger und man sitzt fast 14 Stunden drin… ne, da gibt’s ne viel bessere Verbindung, da: das sind nur 12,5 Stunden!

„Alora, tutte e bjeng.“ Frei übersetzt: der Tag war für’n Arsch. 😉

Relativitätstheorie

Vergangene Woche im Wartezimmer einer Arztpraxis war es wieder soweit: ich wünschte, ich hätte an den mp3-Player gedacht, um mich einfach wegdröhnen zu können. So blieb mir nur meine Zeitung, die jedoch bald zu einem bloßen Mantra wurde, um den Blutdruck halbwegs im Zaum zu halten. Die beiden Damen, die, wie sie im Detail austauschten, jeweils zu solch lebensnotwendigen Eingriffen wie einer Laser-OP vor Ort waren („Wissen Sie, Kontaktlinsen vertrage ich nicht und die Brille drückt doch sehr auf der Nase und mein Mann meinte auch, man könne meine schönen blauen Augen gar nicht recht bewundern, ha, ha!“) beschäftigten sich bald mit dem immer beliebten Thema der Gesundheitsreform, die ja auch schon als ein Vorbote der weltweiten Finanzkrise hätte verstanden werden müssen.

„Ach, alles ist so teuer geworden!“ beklagte sich die eine.
„Ja,“ pflichtete ihr die andere bei, „mehr als zweimal in der Woche aus essen gehen kann man sich kaum noch erlauben…“
„Na, das waren noch Zeiten, was Schatz?“ mischte sich der jenseits jeden Hauchs von Natürlichkeit gefärbte Gatte ein, „als wir noch dreimal im Jahr Urlaub gemacht haben!“
„Ach ja…,“ pflichtet sie ihm bei, „aber wenn man dann das Rentenalter erreicht hat, muss man halt Abstriche machen.“
„Und dann die ganzen Zuzahlungen zu den Medikamenten – früher hätte es doch so was nicht gegeben!“ fokussiert ihre Sitznachbarin wieder das Thema und ich denke: wie definierst du früher?

Es ging immer so weiter und ich sah mit FREUDE meinem grundsätzlich eher unangenehmen Netzhaut-Screening entgegen – nur WEG hier. Ich ertrage diese Diskussionen nicht mehr, wenn die Leute jeden Bezug zur Realität des Rests der Welt verlieren – oder nie gehabt haben. Herrgott, da ist ein Arzt, der hat was gelernt, der versteht sein Handwerk. Der hat in den allermeisten Fällen die Instrumente und Medikamente zur Hand, die er braucht, um dein Problem zu lösen. Und das wird oft alles ganz bezahlt. Manchmal muss man was dazu beitragen. Kann man das verdammt noch mal nicht zu schätzen wissen? Dass man nicht in irgendeine komische Kaschemme in einem Basar gehen muss, wo einem ein verschroben aussehender Typ mit einer Zange und ohne viel Palaver erst mal einen Zahn zieht, der nicht der kaputte war? Dass man sich vor Angeboten an geburtsvorbereitenden Kursen und Vorab-Besuchen diverser Kreißsäle nicht retten kann, bevor „es“ soweit ist anstatt zu hoffen, insh’allah, das wird schon gut gehen und sich dann im besten Fall in der Fürsorge einer traditionellen Geburtshelferin weiß, der die Mitarbeiterin irgendeiner Hilfsorganisation mal gesagt hat, es sei nicht förderlich, der Gebärenden bei schwierigen Niederkünften auf den Bauch zu springen? Vielleicht hat sie sogar ihr „Kit“ dabei, wo auch Seife drin ist. Dass es Gegenden gibt, wo Frauen mehrfach auf brutalste Art und Weise vergewaltigt werden und die Sorge um einen Arzt, geschweige denn um einen Trauma-Therapeuten, ein nebensächliches Detail ist, weil am besten erst gar keiner merkt, dass da was passiert ist, weil man sonst seine Sachen packen und sehen kann, wo man bleibt?

So lange hier noch ALDI-Jogging-beanzugte Menschen bildungsferner Schichten 500g Erdbeeren für 4,99 Euro kaufen kann es so übel noch nicht sein. Und wenn die Medien nicht langsam mal auf ein „Yes, we can!“ anstatt der ewigen „Oh-es-ist-so-furchtbar-und-wird-noch-viel-furchtbarer-Leier“ umsteigen, dann weiß ich es auch nicht.

Das musste mal gesagt werden. Auch wenn der Frühling da ist.

Apricot, ein Hauch ins Lachsfarbene – so hellorange quasi

In der vergangenen Woche war ich zum ersten Mal seit der Oberstufe (glaube ich??) mal wieder in einem Musical. Zu Weihnachten hatte mir meine Schwester in einem schwer zu verkraftenden Anflug von Kreativität in der Geschenkefindung eine Karte für SPAMALOT geschenkt, dem Musical, das auf dem Film Die Ritter der Kokosnuss von Monty Python aufbaut. Als Fan des Flying Circus und Das Leben des Brian („Wir haben noch ganz vielen HINTEN im Haus!“) war das soweit hergeholt nicht – aber die Ritter hatte ich noch nicht gesehen. Das jedoch holte ich vorbereitend nach… und war nicht wirklich begeistert, eher abgestoßen. Oh je, was sollte daraus werden? Im Musical Dome angekommen, musste meine Schwester entgeistert feststellen, Karten für die letzte Reihe erstanden zu haben. Das machte ihr schwer zu schaffen – bis zu Beginn der Vorstellung entfuhr ihr immer wieder ein kopfschüttelndes „Te! Letzte Reihe…“ Es stellte sich jedoch als Segen heraus, so mit Blick auf die Dezibel. Und dann war ich doch angetan. Vielleicht kam bei mir nach langer Musical-Abstinenz ja auch eine gewisse Naivität zum Tragen, aber das Bühnenbild und alles, was damit zusammenhängt, hat mich fasziniert. Die Show als ganzes hat Stimmung gebracht und das vor vollem Haus mitten in der Woche. Kümmert es die Deutschen nicht oder sind wir einfach noch nicht so weit??

Ein Schnäppchen ignorieren ist einfach nicht der American Way
Joe Queenan

Jane Fonda war seit 1963 nicht mehr auf dem Braodway zu sehen. Folglich hätte man erwarten können, dass das Publikum in Massen die Gelegenheit nutzen würde. Es sieht nicht danach aus. Die Ticketpreise sind schon halb oder noch weiter reduziert. „Warten auf Godot“, mit dem unerschütterlichen Broadway-Fan Nathan Lane in der Hauptrolle, hat noch nicht mal Premiere gefeiert und schon können Tickets ab 24,95$ gekauft werden.
Godot kann warten. Theaterbesitzer nicht. Die Auswirkungen der Rezession machten sich im vergangenen Monat bemerkbar, als 11 Stücke schlossen. Einige, wie die Komödie „Boeing-Boeing“, kam zu einem natürlichen Ende, aber andere waren ein Schock. „Gypsy“, Mit Braodway-Ikone Patti LuPone in der Hauptrolle, wäre normalerweile eine Goldgrube, die mindestens ein Jahr laufen würde. Nach 10 Monaten war Schluss. Das neue Musical von Mel Brooks, „Young Frankenstein“, eine lahme Show, in anderen Zeiten immun gegen Kritiker, war auch ein Reinfall.
Viele von uns haben das kommen sehen. Im Januar 2008 habe ich Tom Stoppard’s raffinierte Show „Rock’n’Roll“ gesehen. Das Haus war weniger als halbvoll. Von da an bin ich ungefähr einmal im Monat im Theater gewesen und habe die wahnwitzig niedrigen Ticketpreise ausgenutzt – ein Chance, die so schnell nicht wieder kommt. Ich habe Ian McShane in einer Neuauflage von „The Homecoming“ gesehen, Ciarán Hinds und David Morse im gut angekommenen Drama „The Seafarer“, Marisa Tomei in einer Neuinterpretation von „Top Girls“ und Morgan Freeman und Frances McDormand in „The Country Girl“. Ich habe nie mehr als 35$ bezahlt.
Ich mag Theater noch nicht mal besonders. Ich bin einfach ein finanzieller Patriot. Ich sehe, wie meine Landsmänner ihre Portemonnaies eng an sich drücken und darauf warten, dass die vier Reiter der Apokalypse herangaloppiert kommen. Ich sehe Feigheit, wo Mut, Schüchternheit, wo Frechheit sein sollte. Es ist einfach nicht der American Way voll in die Bremsen zu treten, ein Wahnsinnsschnäppchen abzulehnen, das Geld in der Tasche zu behalten.
Ich bitte meine Landsleute nicht, Geld für Dinge auszugeben, die sie nicht brauchen. Ich bitte sie, ihr Geld unters Volk zu bringen. Ich bin bereit, meine lebenslange Abneigung gegen Andrew Lloyd Webber aufzugeben. Vielleicht wird die Lage noch so verzweifelt, dass ich mit Enthusiasmus dazu aufrufe, die Musik von Billy Joel und Phil Collins zu kaufen.
Bedenken Sie, dass eine sterbende Musikwissenschaftlerin, die sich mit Beethovens Besessenheit in der Komposition der „Diabelli Variationen“ befasst, nicht die Rolle ist, die Jane Fonda auf den Leib geschrieben wurde. Aber ich werde sie mir trotzdem ansehen.

Originaltext “Ignoring a deal is just not the American Way” von Joe Queenan erschienen in der Kolumne „My two cents“ im Guardian Weekly 27 Feb – 5 March, 2009. Eigene ad hoc Übersetzung.

Und was den Urlaub in dieser Woche angeht fragte man mich schon: „Was machst du im nächsten Urlaub, wenn du alle Zimmer durchrenoviert hast?“ Hm. Wahrscheinlich umziehen. Aber im Ernst, zurzeit würde ich am liebsten dem ganzen Tag im Flur verbringen, fantastisches Licht, wunderbar „warme“ Wände – man muss sich den Frühling halt ins Haus holen, wenn er selber nicht so richtig will. Im schwedischen Möbelhaus meines Vertrauens bekam ich auch einmal alles, was auf meiner Einkaufsliste stand und war dann freudig überrascht, die Expresskassen vorzufinden, an denen man sich selber abkassiert. Die waren mir aus amerikanischen Supermärkten schon bekannt, aber hier fand ich das noch praktischer, denn niemand außer mir wollte sie benutzen – also auch noch ein Einkaufserlebnis ohne Schlangen bis in die SB-Halle! Allerdings auch ohne die obligatorischen Fleischbällchen, denn so allein macht das dann doch keinen Spaß.

Ich musste mich im Laufe der Woche etwas aufraffen, aber als das dann einmal geschehen war, konnte ich das Streichen und PUTZEN der gigantischen Oberlichter über der Wohnungstür (ekligerweise wahrscheinlich das erste Mal seit ca. 10 Jahren, Details auf Anfrage) an einem Tag erledigen. Da nichts ohne Probleme geht, musste ich beim Abmontieren der alten Lampe feststellen, dass das Stromkabel wahrscheinlich vom alten Edison höchstselbst installiert wurde und unter Umständen in nicht allzu ferner Zukunft das morsche Gebälk abfackeln wird. Nachdem ich die Sicherung wieder reingelegt habe, war kein DSL mehr da – der Zusammenhang ist mir weiter unklar. Aber da war ja mal der Waserschaden im Schlafzimmer, nach dem das Telefon im Flur kaputt war. Mysterium Altbau. Also ging ein Nachmittag drauf mit Anrufen bei der pinken Service-Hotline und einem Besuch im „Punkt“, wo mein Router getestet und als noch vollkommen funktionstüchtig befunden wurde. Der Techniker war für zwischen 17 und 20 Uhr angekündigt… und gegen 16 Uhr war auf einmal wieder DSL da. Am folgenden Tag das gleiche Spiel noch mal beim Anbringen der neuen Lampe. Und was macht man nur, wenn aus der Decke drei Kabel kommen, in der neuen Lampe aber nur zwei Anschlüsse sind????? Papa anrufen…

Bevor ich zu den unglaublichen voher-nachher-Aufnahmen komme, noch schnell ein wichtiger Hinweis: sollte sich jemand mit dem Gedanken tragen, den Schuhschrank SANDNES zu erwerben und ohne fremde Hilfe zusammenbauen zu wollen – viel Glück! Aus der Anleitung geht leider nicht hervor, wo oben, unten, links oder rechts ist. Ich war schon der festen Überzeugung, einen unvollständigen Satz erworben zu haben, an dem jemand zusätzliche Bohrlöcher angebracht hatte – nicht ganz unwahrscheinlich, da es sich um das letzte, offensichtlich schon einmal verkaufte Paket handelte… Darüber hatte offenbar schon einmal jemand verzweifelt. Naja, aber hat man das mit den „Himmelsrichtungen“ einmal ausbaldowert, handelt es sich höchstens noch um 129 Schrauben. Alles kein Hexenwerk. Und so sieht es hier jetzt aus:

flur-vorher-nachherÜber den Schuhschrank soll noch eine „Hutablage“ mit Haken… aber die erworbene erscheint mir nun zu monströs.
I was going to put a „hat rack“ with coat hooks above the shoe cupboard… but the one I bought now seems too bulky.

Macht’s gut! Schönes Wochenende
Barbara

Doadazu hätt’ i no’an Split

Die letzten vier Wochen haben meine Geduld auf eine harte Probe gestellt. Mitte Januar warf mich ein Virus darnieder, dann fühlt man sich so la la, spielt den starken Mann und nach einer suboptimalen Woche im Büro liegt man wieder total auf der Nase. Da wird man einen Tag krank geschrieben, dann noch zwei, aber dann muss es doch gehen – auch wenn es vorher hieß „Tja, ein Virus – da können Sie nichts machen außer warten und viel trinken.“ Ich werde wohl nie wieder Husten- und Bronchialtee zu mir nehmen. Mit eisernem Willen habe ich davon zwei Wochen lang jeden Tag 3 Liter getrunken und momentan geht Tee fast gar nicht mehr.

Naja, so liegt man dann eine nichtreparable Vertiefung in seine Couch und dankt den Programmchefs der öffentlich-rechtlichen noch mehr als in einem normalen Winter, dass es 7-stündige Wintersportübertragungen gibt. Und man kann sich gut fühlen: wenn Martina Ertl-Renz den Oberschenkelumfang der besten alpinen Skifahrer misst, man das eigene Maßband rauskramt und feststellt, dass man mit dem ein oder anderen Schweizer mithalten kann – also nichts wie rauf auf die Pisten in Val d’Isère! 😉

Ich kann mir nicht helfen, aber der mir sonst sehr sympathische Co-Kommentator Markus Wasmeier ist fast zur Lachnummer verkommen… Jedes Mal, wenn er ins Bild kam, folgte nach höchstens einem Halbsatz der Hinweis „doadazu hätt’ i no’an Split“ und der Zuschauer wurde mit der nicht mehr ganz taufrischen Darstellungstechnik eines zweigeteilten Bildschirms konfrontiert, wo zwei, meist die führenden, Fahrer direkt verglichen wurden und es des öfteren zu bemerkenswerten Erkenntnissen kam…

Schade nur, dass man derzeit auf Biathlon-Entzug ist – die sind alle in der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften in KOREA. Es erschließt sich mir nach wie vor nicht, warum man da eine WM stattfinden lassen muss. Ich werde definitiv NICHT fit sein, um schon wieder früh morgens herzstillstandverursachende Sportereignisse zu verfolgen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Zuschauer in Massen an die Loipen strömen werden und es ist auch nicht so, dass die Koreaner eine aufstrebende Biathlonnation wären. Dann gäb’s doch mehr Gründe, das ganze in China zu veranstalten.

Naja, so ist man wintersportmäßig zumindest an den Wochenenden versorgt. Unter der Woche kann man dem nachmittäglichen Wahnsinn allenthalben ab 14:45 Uhr entfliehen, denn dann kommt auf dem deutsch-französischen Kultursender immer ein Spielfilm und meist auch noch ein guter.

Oder aber man gibt sich voll und ganz der „social utility“ Facebook hin. Da bin ich ja schon länger dabei, aber wenn man so auf seiner Couch hockt und bei der geringsten Bewegung Schweißausbrüche kriegt, ist es ganz nett, Fotoalben von Freunden aus aller Welt anzusehen, Kommentare abzugeben, Antworten zu bekommen… Auch wenn mich Mails mit dem Hinweis, dass „Snezana Avromov-Atanasovska and Natasa Popovska-Pavlovska also commented on a photo from ….“ eher verwirren. Was interessiert mich das? Mich interessiert, dass ich im online Scrabble einen Bingo für 83 Punkte legen und ein verloren geglaubtes Spiel noch herumreißen konnte – nur um Tage später gegen den gleichen Gegner durch eine (wahrscheinlich fieberbedingte) Unachtsamkeit im letzten Zug einen sicheren Sieg noch abgeben musste. Daran knabbere ich heute noch und es war der Genesung mit Sicherheit abträglich. Dann kann man sich durch das Einrichten seiner eigenen Online-Bibliothek ablenken und teilt der Welt mit, was man von welchen Werken hielt…

Aber jetzt wird’s wirklich Zeit, dass ich wieder auf die Beine und mit meinem WIRKLICHEN sozialen Leben in Kontakt komme… Der Februar ist schon fast wieder halb rum und NICHTS ist gelaufen. Und das, obwohl ich ENDLICH (leider nur vorübergehend) sturmfrei habe!!!! Dabei gab es große Pläne! Ich fühle mich so kaltgestellt, dass ich noch nicht mal die Möglichkeit eines dieser „Sag niemals nie“-Momente im rheinischen Frohsinn ausschließen möchte. Aber nein, vielleicht doch. Ausschließen, meine ich. Ich weiß noch nicht mal, ob es in Bonn Alaaf oder Helau heißt. Und schließlich läuft dann die Nordische Ski-WM und ich habe es im Gefühl: Martin Schmitt wird eine Medaille holen.

Zieh, Martin, ZiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiEEEHHHHHHHH!

Ich bin eine PA in Poppelsdorf, holt mich hier raus! 😉
Grüße von Barbara

Young@Heart


Boston Globe, 09.12.2007

Als hätte jemand einmal kurz mit dem Finger geschnippt, ist nun schon der zweite Advent und ich habe das Gefühl, meine liebste Jahreszeit nähert sich rasant ihrem Ende. Mit dem gestrigen adventlichen Kaffeeklatsch gab es ein weiteres Highlight von Festivitäten „unter’m Baum“ und ich arbeite hart daran, mich davon zu erholen. Gäbe es nicht schon wieder atemberaubenden Wintersport im Fernsehen, läge ich wahrscheinlich noch im Bett!

Am Freitag war ich von leider nur zwei weiteren experimentierfreudigen Menschen ins Kino begleitet worden und Leute: ihr habt einen Wahnsinnsfilm verpasst: Young@Heart


Young at Heart Chor, Foto von Paul Shoul
Young at Heart Chorus, photo by Paul Shoul

Es handelte sich dabei um eine Dokumentation des Senioren-Chors Young at heart aus Northampton in Massachusetts, die sich so ziemlich alle als Klassik-Fans bezeichneten, im Repertoire allerdings ausschließlich abgefahrenste Songs hatten, von Sonic Youth, Coldplay, Bob Dylan und was weiß ich. Seit Freitag habe ich diverse Ohrwürmer, im Moment „Road to Nowhere“ und gestern wachte ich summend auf und wusste noch nicht mal, was ich eigentlich summte… Wer noch die Möglichkeit hat: unbedingt angucken, hier der Trailer als Vorgeschmack – oder guckt euch mal das Video I will survive an. Der Film ist Gott sei Dank im Original mit Untertiteln – wenn man über die Lebendigkeit der alten Herrschaften hinweg synchronisiert hätte… ich mag gar nicht darüber nachdenken.

Derweil sieht man mir den Reibekuchen-Test-Esser offensichtlich an: auf dem Weg zum Kino habe ich den nächsten Stand aufgesucht und war ganz angetan. Geschmacklich vielleicht bislang die besten, aber VIEL zu kross. Somit kommt weiter nichts an den Stand am Sterntor. So stand ich da auf jeden Fall und aß meine Reibekuchen (mit einer großzügigen Portion Apfelmus übrigens) – wie lange kann das dauern? Maximal 10 Minuten, oder? In diesen 10 Minuten wurde ich gleich DREIMAL zu meiner Meinung befragt und einmal um eine Kostprobe gebeten…

Und nun werde ich mal ein paar Geschenkchen verpacken… 🙂
Barbara

Nikolaus!!!!


Boston Globe, 04.12.2008

Der Advent schreitet voran, heute ist schon Nikolausabend! Und ich habe die Schuhe noch nicht geputzt! Aber immerhin schon das Schuhfett besorgt für mein Experiment mit Murphys Gesetz… Das war so… Vor einigen Wochen, vielleicht sogar Monaten, habe ich einen Traum von Winterschuh gefunden, ich will es mal als „rustikale Stiefelette“ beschrieben, obwohl sich das gerade wie ein Widerspruch in sich anhört. Ich war sicher fünfmal im großen Schuhladen in der Innenstadt und habe sie immer wieder anprobiert und immer wieder zurückgestellt, denn sie waren geradezu dekadent teuer. Ganz rational bin ich die Sache angegangen: ich HABE ja noch Winterschuhe, die mir auch sehr gut gefallen – also werde ich da einfach die Absätze erneuern lassen und dann sind die für diesen Winter auch noch gut. Gesagt getan. Eine Woche habe ich die alten Schuhe noch getragen, dann brach die Sohle, in der Mitte durch. Selten habe ich mehr geflucht. Natürlich waren die anderen Schuhe nicht mehr da und auch in jedem einzelnen Schuhladen in Bonn nicht mehr aufzutreiben. Aus Verzweiflung gab ich mal den Namen des Herstellers in eine bekannte Suchmaschine ein – und der erste Treffer war ein Online-Shop, den ich eigentlich nur mit Büchern, manchmal noch mit DVDs verbinde. Und da gab’s sie noch! Zum gleichen Preis! In allen Farben und Größen, die es geben könnte… und dann habe ich sie eben doch noch gekauft – und es bislang auch noch nicht bereut.

Sie machen sich sehr gut dieser Tage, besonders bei ausgedehnten Ausflügen auf den Weihnachtsmarkt und ähnliche Anlässe. Man steht auch noch gut, wenn man sich auf der Suche nach dem passenden Likörchen im Essig- und Öl-Laden von Bratapfel- über Pflaumen- hin zu Schokoladenkirschlikör durchdegustiert hat und feststellt, dass man besser mal wieder den nächsten Reibekuchenstand aufsucht, bevor man weiter macht, denn nach 4 Stunden Shopping stimmt die Basis einfach nicht mehr. Und schließlich müssen wir noch fit bleiben und die ca. 430 Rum-Pilze glasieren, wenn wir heimkommen!


Gestern Abend schlug die Zeit der ersten Glühweinschnitten und danach machte ich eine revolutionäre Entdeckung im Internet: Paket-Porto zum Selbstausdrucken, was den nicht zu verachtenden Vorteil hat, dass ich das Paket dann einfach im Tabakladen um die Ecke abgeben kann und nicht in der Hauptpost 45 Minuten in der Schlange, die bis zum Riesenrad am Beethoven geht, stehen muss.

Diese revolutionäre Entdeckung wurde jedoch überschattet von neuen Enthüllungen zur chinesischen Bildungselite. Man hatte sich zur gemeinsamen Bereitung von Lasagne zusammengerauft und das Gespräch kam auf Frauen mit verrückten Doppelnamen und was Doppelnamen überhaupt sollen. Diese Frage stellt sich mir bei so malerischen Beispielen wie Waldhausen-Apfelbaum oder Leutheusser-Schnarrenberger ja auch immer wieder und erfreut stellte ich fest, dass sich das bei deutschen Biathletinnen nicht so entwickelt hat (auch wenn ich mich Minuten fragte, wer Martina Beck und Simone Hauswald sein könnten…). Aber zurück zur sinologischen Sichtweise. Ich holte dann etwas aus von wegen Emanzipation etc. pp. – das man sich halt irgendwann mal gefragt hat, warum es denn immer der Name des Mannes sein muss. In China behält die Frau ihren Namen (wenn sie will) und für die Kinder erübrigt sich doch die Frage: weil die Kinder doch immer fast ausschließlich die DNA des Mannes in sich tragen! Dann sollen sie doch auch den Namen haben… Ich weiß dann immer nie, wo ich anfangen soll…

Auf ins zweite Adventwochenende!
Viele Grüße von Barbara