Rom sehen und sterben

Ja. NEIN! Ich bin noch nicht soweit! Drei Tage waren viel zu kurz!!! Es hat ja nur gereicht, um mal kurz an der Oberfläche zu kratzen. Aber was für ein fantastisches langes Wochenende bei bestem Wetter!

Am Freitagnachmittag kam ich an und stellte beim Blick auf mein Ticket für den Expresszug in die Innenstadt fest: Achtung! 12 Euro bezahlt, 11 stand auf dem Ticket… Die Spreu vom Weizen bzw. die Römer von den Touristen trennte sich dann beim Einstieg: der gewiefte Römer ging entgegen der Ankündigung zu Gleis 3, während die Schar der Unwissenden brav zu Gleis 2 trottete… Dort war auch der Einstieg, aber auf der anderen Seite der AUSSTIEG, so dass man sich von dort, eh die Türen zu Gleis 2 aufgehen, noch schnell hineinmogeln und einen Platz im überfüllten Leonardo-Express sichern kann…

Nebenan. Der Petersdom gesehen von der Via della Conciliazione.

Nebenan. Der Petersdom gesehen von der Via della Conciliazione.

Bei meinen Gastgebern gegen 17:15 Uhr eingetroffen (73 Treppenstufen in einem gemütlichen Altbau weniger als 5 Gehminuten vom Petersplatz), machten wir uns schon 15 Minuten später auf den Weg – und die beiden waren sich ihrer großen Verantwortung bewusst, war es doch mein erster Besuch in Rom. Selber kommen sie aus Süditalien und so wurde kurzerhand Alberto verpflichtet, der die Geschichte Roms aller Epochen in- und auswendig kennt und keine – auch nicht eine – Frage unbeantwortet ließ. Einen ersten Blick auf den Petersdom geworfen und entschieden, den Besuch aufgrund der vorangeschrittenen Stunde auf ein anderes Mal zu verschieben, stand ich nichtsahnend an einer Straßenecke auf dem Weg zum Castel Sant’Angelo, als ein offener Touristen-Bus an mir vorbeifuhr und ich von oben im typischen Tonfall ein „Hall-lo Bar-bar-ra!“ einer Sandfreundin hörte, gefolgt von einem „Das gibt’s ja nicht!!“ ihres werten Gatten – und weg waren sie. Keine 30 Minuten auf den Straßen Roms unterwegs und schon Bekannte getroffen. Meine Gastgeber waren beeindruckt.

Parken will gelernt sein.

Maßarbeit made in Italy.

Was den Verkehr angeht: Rom allein sollte eigentlich reichen, um den Hersteller von smart™ auf ewig vor dem Ruin zu retten. Auf jeder beliebigen Straße, die ich teilweise mehrfach abgelatscht bin – und glaubt mir, es waren nicht wenige! – hätte ich zu jedem beliebigen Zeitpunkt mindestens drei Fahrzeuge dieses Typs ausmachen können, ohne den Kopf zu bewegen.

Roller sind beliebt.

Roller sind beliebt.

Auch von anderen Herstellern gab es Kleinstwagen zu bestaunen, die ich noch nie gesehen habe. Der Tata Nano™ kann nicht mehr lange auf sich warten lassen. Meine Gastgeber haben nur einen Roller, der wahrscheinlich das beliebteste Gefährt überhaupt ist… parken will man da echt nirgendwo wollen und es will wirklich gelernt sein; ich konnte einige spannende Manöver beobachten…

Nun ja, es entspann sich also mit der Tiber-Überquerung per Ponte Sant’Angelo eine Tour de force, denn gleich am ersten Abend sollte ich einen Großteil des historischen Zentrums zu sehen bekommen. Oder

trevi_web

Trevi Brunnen, oberer Teil. Wasser sehe ich nächstes Mal.

auch weniger. Das Problem: von den, wie mein Reiseführer behauptet, mehr als 6 Millionen Rom-Besuchern im Jahr hatten sich schätzungsweise 2 Millionen dieses lange Wochenende ausgesucht. So war ich beispielsweise zwar im Dunstkreis des Trevi Brunnens, aber das Wasser habe ich nicht gesehen, geschweige denn die obligatorische Münze über die linke Schulter geworfen, um den nächsten Rom-Besuch zu sichern.

Nicht zu viel versprochen hatte man mir mit der wunderschönen Piazza Navona, an deren elliptischer Form man heute noch das für Cäsar errichtete ehemalige Stadion erkennen kann. Ich würde diesen Platz mal platt zum

Ein schöner Rücken kann auch entzücken. Piazza Navona.

Ein schöner Rücken kann auch entzücken. Piazza Navona.

Quincy Market von Rom erklären. Das ist das Gegenstück: mein Lieblings“platz“ in Boston. Da gibt es Verkaufsstände und alle möglichen Straßenkünstler, da kann man lecker essen, einkaufen und gemütlich Kaffee trinken. Die Bauwerke an der Piazza sind unbestritten deutlich imposanter, aber so die Atmosphäre. Wahrscheinlich hinkt jeder Vergleich. Von dort jedenfalls auf zum Pantheon, weiter zum erwähnten Trevi Brunnen und der Spanischen Treppe und flugs über die Piazza del Popolo wieder zurück „nach Hause“, wo wir dann gegen 23 Uhr zum Abendessen kamen, zu dem ich den mitgebrachten Tropfen von der Ahr beisteuern konnte (Wein nach Italien zu bringen ist wohl wie Eulen nach Athen tragen, aber das hatte eine Geschichte…). Am 1. Mai isst man in Italien traditionellerweise dicke Bohnen – gegen die ich eine langjährige intensive Abneigung hege, aber auf die ich mich nach dortigem Rezept versuchsweise eingelassen hätte: mit Käse und Lammfleisch. Aber es gab dann doch eine leckere Pasta und diverse Anti-Pasti. So fand der erste Tag irgendwann nach Mitternacht sein Ende.

Fortsetzung folgt. Stay tuned.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s