Der Duft von Holzstaub

Nun sitz ich hier und blogge, dabei sollte ich mich auf die Knie begeben und die Fußleisten im Wohnzimmer aufrauen, alles staubfrei saugen und dann die gestern in zehnstündiger Arbeit abgeschliffenen Dielen versiegeln. Vielleicht sollte ich aber erstmal Erdbeeren kaufen fahren. Und spülen – SPÜLEN muss ich auch noch. Wichtig. Quasi überlebenswichtig. Oder allerwenigstens zuerst den Fernseher provisorisch aufbauen, damit ich nix verpasse in Südafrika. Oder aber ich raffe mich auf, denn das ist doch das Stichwort: provisorisch! Dieser Zustand muss wieder abgeschafft werden, ich werde verrückt in meinem Schlafzimmer, in dem ich die drei Teile einer Couch jedes Mal von einer Ecke in die andere bewegen muss, wenn ich ein Kleidungsstück brauche oder ins Bett will. Wenigstens träume ich noch nicht, dass mich alles im Schlaf erschlägt 😉

Aber holla, so sah das alles aus gestern, auf fast 50m², bevor die beiden Super Action Heroes aus meinem engeren Freundeskreis heldenhaft zur Tat schritten. Als ich die Geräte abholte, war ich erst etwas schockiert ob des eher antik anmutenden Äußeren, stellte dann jedoch mit Freude fest, dass es sich um ein Gerät schwedischer Produktion handelte. Und wenn man darüber nachdenkt… bei all dem Holz an und in schwedischen Häusern ist es fast neheliegend, dass Geräte zur Holzbearbeitung aus Schweden kommen. Oder Skandinavien insgesamt. Es ist jedoch wie mit Druckern: die kann man günstig kaufen und geht dann pleite an den Kosten für Patronen. Hier verhielt es sich mit den Schleifbändern ähnlich. Ich habe es noch nicht durchgerechnet, wäre ja auch müßig, aber wenn ich die Dinger dann am Montag zurückgebe, wird mir die Rechnung schon präsentiert werden. Während die Super Action Heroes also 10 Stunden lang die Geräte bedienten (und die Nachbarn meinem vergangenes Wochenende gemachten Vorschlag, das Haus zu verlassen, größtenteils aufgeriffen hatten), kam ich mir vor wie ein „Schrubber“ beim Curlen, denn ich fuchtelte 10 Stunden mit dem Staubsauger vor, hinter und neben der Walze bzw. Scheibe rum, damit sich das Schleifmaterial nicht unnötig zusetzen sollte.Derweil kam man sich geruchstechnisch trotz Feinstaubmaske vor wie in Gang 23 der SB-Halle – einfach Ivar. Das Ergebnis lässt Herzen höher schlagen, die Wohnung hat eine ganz andere Atmosphäre, es ist alles so HELL! Es wird mit der Versiegelung wieder etwas dunkler werden, aber trotzdem, ich bin BEGEISTERT.
So, nachdem ich nun 4 längste Pralinen der Welt verzehrt und die Fußballbildchen beiseite gelegt habe (!) wird es wirklich Zeit, dass ich mich wieder an die Arbeit mache. Schluss mit lustig.
Und heute Abend muss heftig angefeuert werden. Leider habe ich noch keine Vuvuzela. In all dem Renovierungstrubel gehen selbst solche unausweichlichen Trends an mir vorbei…
Schönen Sonntag
Barbara

Abgründe

So – heute geht es los. Einige Stunden habe ich noch, um die „Gulaschkanone“ zu füllen und Getränke kalt zu stellen und vielleicht noch die eine oder andere Vorarbeit zu machen. Die Maschinen nebst Materialien habe ich gestern abgeholt… aber die große ist noch im Auto, denn die kann ich allein überhaupt nicht bewegen. Das wird dann der erste größere Akt, wenn meine Helfer kommen.

Gestern Abend habe ich im „dritten Zimmer“ die zweite Reihe an Fußleisten entfernt, die mir bislang immer als überflüssig erschienen. Ha! An der Außenwand zeigte sich dann, wofür sie angebracht wurden, auch wenn man das auf dem Foto kaum erkennen kann. Da tun sich nämlich wahre Abgründe auf – wahrscheinlich kann ich abends den Schein der Straßenlaternen von unten hochkommen sehen. Die Dielen enden satte 10 cm vor der Außenwand, die da einfach roh steht, Backsteine, Beton, und viel, viel Dreck. Spinnen habe ich keine gesehen, aber ich hielt den Akkuschrauber immer zum Zuschlagen auf Ratten bereit… Zumindest an dieser Seite muss die Leiste also wieder dran. Und in Sachen Wärmeisolierung denke ich gar nicht weiter.

Schönes Wochenende
Babrara

Durchblick

Trotz des schönen Sommerwetters beschäftige ich mich derzeit viel zu viel mit Dingen, die sich drinnen abspielen. Irgendwann Mitte Mai hatte ich plötzlich den Geistesblitz, wie ich nun endlich mit dem verlassenen „dritten Zimmer“ in meiner Wohnung umgehe und dann überschlugen sich die Ereignisse. Ein wichtiger Bestandteil der Renovierung bestand in der Öffnung der vorhandenen Verbindungstür zwischen meinem jetzigen Wohnzimmer (oder, dem, was davon übrig geblieben ist) und besagtem nicht wirklich genutzten Zimmer.

Ein Freund wollte mir bei den Abrissarbeiten helfen. Im Baumarkt meiner Wahl hatte ich am Morgen besorgt, was ich in den letzten 35 Jahren für ein Stemmeisen gehalten hatte – ließ mich aber gerne aufklären, dass es sich dabei um ein Nageleisen handelte. Und so tigerte ich von einer Seite des „Verschlusses“ zur anderen und fing ungeduldig an, daran rumzufingern, mal zu gucken. Eh ich mich’s versah, war ich mitten drin und mit stetig steigendem Adrenalinspiegel konnte ich auch nicht davon ablassen, bis der Durchbruch geschafft war. Das alles in meiner üblichen perfekten Schutzkleidung bestehend aus – natürlich den Farben der Saison angepassten – Jesuslatschen, den Temperaturen entsprechend einer kurzen Hose und einer Kappe mit dem Logo einer deutschen Hilfsorganisation. Alles, was uns über all die Jahre trennte, war eine 1cm dicke Spanplatte mit mehreren Lagen Rauhfasertapete darüber. Und als es geschafft war, bin ich wie Rumpelstilzchen hin- und hergehüpft und fand das alles nur noch fantastisch.

Dann wurde es jedoch erst richtig interessant. Denn als Füllmaterial hier und da war Zeitungspapier verwendet worden – die Ausgabe des Bonner Generalanzeigers vom 11./12. Februar 1956. Es fühlte sich an, wie eine bahnbrechende archäologische Entdeckung. Da wurde ein Buch Wie die Wirtschaft funktioniert angepriesen, für 9,80 DM in Leinen gebunden. „LEISTEN“ hingegen, „rationalisiert die Hauswirtschaft – durch bessere Staubsauger, Hoover, Miele, Ruton, Siemens – gönnen Sie sich die damit verheißene Entlastung!“ Perser-Teppiche, preiswert durch Direkt-Import, bietet Bahman-Mobed in der Wesselstraße an. Und bei schlechter Verdauung? DRIX-Dragees, „das begehrte Mittel zur Verdauung erhält Sie jung, schlank und elastisch“ für 1,35 DM in der Drogerie Scheidt in Poppelsdorf. Gleichzeitig kostete der Eintritt zum traditionellen Rosenmontagsball im Rheinhotel Dreesen 4,00 DM („plus Steuer und Zuggroschen“).

Karneval war eh groß geschrieben, ob im Kolibri in der Sternenburgstraße („Samstag Großes Kostümfest! Sonntag Närrisches Karnevalstreiben! Rosenmontagsball! Dienstag Jazz-Kostümfest!“), im KroKoDil in Tannebusch („bei freiem Eintritt spielen die MARABUS. Zu einem Besuch ladet Sie freundlichst ein…“), in der Gaststätte am Verteilerkreis (Dienstag „Karnevals-Kehraus mit den Sester-Davids, Negerjazz aus Frankfurt a.M.“) oder aber – schockierend – der „Nachkarnevalsball“ am Donnerstag im Gasthaus Zur Traube in der Mechenstraße. Im Metropol wurde Höhepunkt der tollen Tage gegeben, „150 verdötschte Minuten mit den Spitzen des rheinischen Karnevals“, allen voran Trude Herr, Jupp Scmitz und Hummel mit der Laterne (???). Das Atrium hingegen bot „Eine köstliche Überraschung für unsere Jugend: Ein Abenteuer aus 1001 Nacht (Die Geschichte des kleinen Muck). Dazu ein reizendes Beiprogramm!“

Das Kinoprogramm ist ganz erhalten. Im STERN bewunderte man Lola Montez, „ein Farbfilm in Cinemascope“. Außerhalb des reizenden Jugendprogramms bot man im ATRIUM Bonjour Kathrin, während sich APOLLO und REX dem Wilden Westen verschrieben hatten: Sein Freund der Lederstrumpf und An der Spitze der Apachen. Spät abends jedoch waren es Boccaccios Liebesnächte.

Der Südwestfunk Koblenz sendete am 14.2. um 22:20 Der Dackel mit dem Schlapphut „Eine Kriminalgroteske“, während der Fernsehsender NWDR die Massen mit Rintintin „Ein Fernsehfilm für kleine und große Leute“ zu locken versuchte.

Dass es heute noch Klischeeanstalten gibt, ist mir erst seit wenigen Minuten bekannt – man erhelle sich im Internet, wo es KEINEN Eintrag dazu in der berühmten Online-Enzyklopädie gibt.

Neben dem Artikel über die Probleme der deutschen Bauern („Welt-Überschuß auf Kosten deutscher Bauern“) und der deutschen Textilindustrie („Prato-Stoffe drücken deutschen Tuchmarkt“) ist unten stehender mein absoluter Favorit. Schönen Restsonntag!

Letzte Rettung?

Internationaler Tag der Biodiversität im Botanischen Garten in Bonn

Zum Ende dieses wunderbaren Pfingstwochenendes melde ich mich blogtechnisch nochmal. Ich habe nämlich feststellen müssen, dass mein Jahresendziel 2010 offenbar nicht nur mit den Anonymen Dicken zu erreichen ist. Die letzten drei Wochen fingen verheißungsvoll an, konnte ich doch dank täglichen Fahrradfahrens zur Arbeit trotz eines absolut verheerenden Kaffeeklatschs in der ersten Woche anderthalb Kilo abnehmen. Dann kam das schlechte Wetter und mit ihm eine wahre Schokoladenfresssucht, die ich noch nicht wirklich im Griff habe. Da ist schonmal ruckzuck meine Tagesration an Punkten innerhalb von 15 Minuten verpufft. Gestern ging es ohne – nach ca. 50km Fahrradfahren war ich wahrscheinlich selbst dafür zu müde. Es muss auf jeden Fall ein Ende haben – und wenn ich mich wieder zu wöchentlichen Erfolgs- oder Misserfolgsberichten zwingen muss. Hiermit fange ich an, bei anderthalb Kilo über Jahresendziel 2009, das heißt, 11,5 habe ich noch vor mir, mit Blick auf die unaufhaltsam herannahende Adventszeit besser mehr. Aber ich habe auch mittelfristige Ziele:

Das T-Shirt soll bis Ende Juli tragbar sein, die Hose bis Ende August… Kommt drauf zurück!! Und die ist nicht so ungebügelt wie sie aussieht! Egal: wer mich im Elch-T-Shirt sieht, darf mir zu einer weiteren Zehnerunterschreitung gratulieren. Weiter Weg. Aber los geht’s!! Und dass mir keiner mit Schokolade oder anderen Dingen kommt!!

Viele Grüße und einen schönen Restfeiertag!
Barbara

Und dann war Chaos

Eigentlich, ja: eigentlich wollte ich einfach nur noch heim. Die 25 Minuten Fahrt lesend oder vielleicht sogar dösend im Zug sitzen. Die Woche war höllisch anstrengend und an diesem Donnerstag war es schon gefühlter Freitagabend. So saß ich also mit dem Rücken zum Fenster im Fahrradabteil in der RB zwischen zwei rheinischen Metropolen und wunderte mich noch, warum um alles in der Welt es wohl so voll war, dass man sich vorkam wie in Tokio zur Rush hour – und das an einem Wochentag um diese Zeit. Dann versuchte ich, mich auf einen Artikel über die kubanisch-amerikanischen Beziehungen zu konzentrieren.

„Sie müssen aufstehen!“ hörte ich eine fordernde ältliche Frauenstimme und beobachtete aus dem Augenwinkel, dass sie es darauf absah, ihr Fahrrad diagonal gegenüber an den Rand zu stellen, vor die Klappsitze. Dafür würde sie die Breite von drei Sitzen brauchen, nur zwei waren frei – und das auch nur, weil ein Kinderwagen in der Mitte den Durchgang versperrte. „Stehen Sie auf! Das ist ein Fahrradabteil! Mein Fahrrad muss da hin!“ Die Frau, an die sie ihre Aufforderung gerichtet hatte, blickte ungläubig von ihrem Buch hoch. „Das meinen Sie doch jetzt wohl nicht ernst, dass Ihr Fahrrad in einem derart vollen Zug drei Plätze blockieren kann?!“ Mittlerweile war die Aufmerksamkeit aller geweckt. „Stehen Sie auf! Da gehört mein Fahrrad hin!“ – „Ja, das ist ein Fahrradabteil!“ meldete sich ein Herr mit Fahrrad von der Tür her zu Wort. Und diesen Satz würde er Wort für Wort in der exakt gleichen Tonlage immer wieder sagen in den kommenden 15 Minuten, wie eine Schallplatte mit Sprung.

Die Rentnerin neben mir begann zu vermitteln und sagte zu dem Geschäftsreisenden, dessen Koffer den einen Sitz am ganz anderen Ende der Reihe blockierte: „Gucken Sie doch mal: wenn Sie den Koffer da weg nehmen und dann alle einen Platz aufrücken, dann hat das Fahrrad doch Platz.“ Das machte der dann auch und alle rückten auf. Missmutig nahm die Frau ihr Fahrrad und lehnte es an die drei Sitze, um sich dann Richtung 1. Klasse Abteil zurückzuziehen. Es dauerte ca. 37 Sekunden, bis das Fahrrad einfach umfiel und mit dem Lenker fast das Baby im Kinderwagen erwischte. „Boah eh, dat kann ja wohl nisch wahr sein, oder wat?“ stieß die erboste Teenage Mom aus. „Die Alte hat se ja wohl nisch mehr alle, oder wat?“ Eine junge Frau und ein nicht mehr ganz so junger Mann aus der Stehplatzfraktion schlugen blitzschnell zu und besetzten zwei der drei freigewordenen Klappsitze. „Das ist ein Fahrradabteil!“ kam es von der Tür. Wenige Augenblicke später kam besagte Alte aus dem 1. Klasse Abteil, um sich anzusehen, was da los war. „SIE haben mein Fahrrad umgeworfen!!! Heben Sie es SOFORT auf!“ schrie sie die lesende Frau an, die sie nur fassungslos anstarrte und dann wahrheitsgemäß meinte, sie habe ihr Fahrrad ja gar nicht berührt und was sie denn erwarte, wenn sie es weder anbinde, noch den Ständer ausklappe?? Alle nickten und ich hatte schon lange den roten Faden in den kubanisch-amerikanischen Beziehungen verloren. „Wenn isch hier gleisch nisch mit dem Kinderwagen durschkomm, mach ich dat Rad platt, dat sach isch dir,“ warnte die Teenage Mom und sah beifallheischend in die Runde. Der Geschäftsmann gegenüber jedoch vermutete, dass es sich wahrscheinlich um eine Aktionskünstlerin handelte und wir nur alle zu blöd seien um die Kunst zu erkennen.

„Das Fahrrad ist jetzt kaputt und die Tüte auch!! Was mache ich denn jetzt? Ich verlange Schadenersatz!“ sagte die Fahrradbesitzerin und setzte sich ihre Sehhilfe, die annähernd die Größe einer Taucherbrille hatte, zurecht. Ein ungläubiges Kichern ging durch die Reihen, wurde jedoch jäh unterbrochen durch ein „Ja, das ist ein Fahrradabteil!“ Das wiederum löste eine neue Attacke auf den Mann aus, der sich zwischenzeitlich auf einen der Plätze gesetzt hatte und las. Oder es zumindest versuchte. Anfangs führte er die Diskussion noch mit rationalen Argumenten, aber dann wurde er einfach nur noch sauer. „Die Alte krischt dat doch jar nisch auf de Reihe, dat sind doch Perlen vor die Säue,“ wandte die Teenage Mom ein. Dann zog die Alte wieder ab und sie fuhr fort, „Dat is doch läscherlisch, die sollte mal in den Kindergarten gehen, da lernen die wenigstens wie man sisch benimmt.“

Wir standen schon erstaunlich lange an einem Unterwegsbahnhof und plötzlich erkannte ich durch die Glastür zum 1. Klasse Abteil, dass die Alte den Lokführer aus seiner Kabine zerrte, damit er sich in ihrem Sinne der Sache annehme. Der kam total genervt mit und fragte „Würden Sie aufstehen, damit die Dame ihr Fahrrad abstellen kann?“ worauf das gesamte Abteil unisono mit „NEIN!“ antwortete. „Ja, das ist ein Fahrradabteil!!“ kam es wieder von der Tür. Es ließ den Lokführer jedoch kalt und er meinte nur: „Da hab ich keine Zeit für, ich muss noch nach Remagen,“ und drehte sich um und ging. Die Alte zog sich ebenfalls wieder zurück, aber eine junge Frau kriegte ihr Gemurmel noch mit und verkündete, dass wir nun offenbar alle mit einer Klage zu rechnen hätten und die Bahnpolizei am Zielort sich dann zuerst mal der Sache annehmen würde.

Der Zielort nahte und die Teenage Mom begann die Vorbereitungen zum Aussteigen, was uns den wenig erstrebenswerten Blick ganz, ganz tief in ihre Jeans bescherte und die obligatorische Mitteilung per Handy „Ja, isch bin im Zuch. Wir sin gleisch da…. Watt weiß isch denn, 3 Minuten oder watt. Is ja wohl net so wischtisch oder?… Ja, bis gleisch.“ Ein junger Mann, den ich rein ethnografisch in Nordafrika einordnen würde, bückte sich und hob das Fahrrad auf. „Nä, lassen se doch liegen, da heb isch den Kinderwagen ja lieber drübber.“ – „Nein,“ sagte der vermutete deutsche Mitbürger nordafrikanischer Herkunft, „das geht so nicht, Sie müssen doch da durch,“ und drückte den Lenker dem Mann mit dem Buch in die Hand, der auch gerne festhielt. Die Alte war im Anflug und von rechts kam ein deutlich slawisch beeinflusstes, „Ooh, jetz gibs Krrriek!“ Aber sie schien wohl aufgegeben zu haben. Nach dem Aussteigen beobachtete ich noch, wie von außen eine junge Frau von wesentlich weiter hinten im Zug noch an die Führerkabine klopfte und der Lokführer das Fenster öffnete. „Da hinten rauchen so ein paar kleine Jungs im Zug!“

Die Alte war sicher auf den Weg in meinen Stadtteil, wo nach Auskunft einiger derangierter Mitbürger sowohl ein Massenmörder frei herumläuft, als auch das Leben am Umspannwerk alle ständig unter Strom stehen lässt. Ich wurde nur den Gedanken nicht los, dass es ja irgendwie kein Wunder ist, dass die Bahn „immer“ Verspätung hat, oder?

Schönes Wochenende!
Barbara

Singt der?!

„Ich habe eine Karte für das Kevin Costner Konzert!“ teilte ich freudestrahlend mit. „Seit wann singt der denn? Hat der Geldsorgen?“ fragte meine Schwester, was ich geflissentlich überhörte. „Das ist doch der, der bei uns auf dem Speicher hängt, oder?“ wollte meine Mutter wissen. Bei diesem Speicher handelt es sich um einen ausgebauten Dachboden, der vor ca. 20 Jahren als eine Art Jugendzimmer diente. Ja, da hängt er, gleich neben dem aufgeklebten Garfield-Puzzle, der Postkarten-Sammlung aus Schweden und dem Plakat von der Frankfurter Buchmesse irgendwann in den frühen Neunzigern…

Der Ticketkauf war schon vor einigen Monaten, das Konzert dann endlich gestern Abend, in Siegburg. In der Reihe großer Konzertsäle in halb Europa eine etwas überraschende Wahl. Aber dann gab’s auch noch das Konzert in Jüchen, zwischen Mönchengladbach und Grevenbroich gelegen wie ich nun weiß. Ein bisschen wurde ich das Gefühl nicht los, dass Herr Costner oder sein Tour-Manager ein Fan des Spiels Finden Sie Minden? sein könnten…

Um 20 Uhr sollte es losgehen, so um 17:45 Uhr waren wir da – und bei weitem nicht die ersten. Hätten wir aber sein können, wenn der Niederländer im Parkhaus mit Anfahren im Berg (Rampe) nicht überfordert gewesen wäre… ich war kurz davor, meine Hilfe anzubieten. Wir mussten uns dann erstmal bis zum Ende der Schlange vorarbeiten und waren dankbar, dass es nicht regnete, denn an einen Schirm hatte natürlich keiner gedacht. Und ich hatte die scherzenden Kollegen, die vorschlugen, ich solle doch von Freitag auf Samstag vor der Rhein-Sieg-Halle campieren, keines Kommentars gewürdigt.

Gegen 18:30 Uhr wurden wir von der Straße geholt und immerhin schon mal auf den Vorplatz gelassen. Das Publikum war erstaunlich gemischt, Teenager, Twens und alles, was sich in älteren Altersgruppen bewegt. Und deutlich mehr Männer, als ich erwartet hatte. Warum nur?

Dann ca. 19:15 Uhr gingen die Türen auf und die Masse ergoss sich in die Halle – wir Gott sein Dank erstmal zur Bühne und später zur Garderobe, so dass wir noch ziemlich weit vorn zu stehen kamen. Zu dem Zeitpunkt standen wir dann schon fast zwei Stunden und eigentlich kann ich das ja gar nicht ab. Auf der Bühne strahlte das Cover der neuen CD um uns die Zeit zu vertreiben und die Dame hinter mir meinte, der Daumen sei ja schon mal sehr vielversprechend, wenn der Rest entsprechend sei… man sei ja schließlich wegen des Manns hier, weniger wegen der Musik. Ob der wohl auch tatsächlich ein Instrument spiele? Das Cover könne ja gestellt sein. Und selbst singen? Ja, doch, das konnte ich bestätigen, denn ich war nicht unvorbereitet. Zwar litt die Vorbereitung unter dem Engagement für Olympia und viel Besuch in den letzten Wochen, aber meine Nachbarn und ich haben in letzter Zeit so oft wir möglich das Album Untold Truths gehört. Meine Begleitung interessierte derweil hauptsächlich, ob er denn wohl gefärbt sei, jetzt da er schon seinen 55. hinter sich habe? Wir würden es erleben!

Als die Vorgruppe in Person von Sara Beck auf die Bühne kam, atmeten auch die Männer auf, denn ganz offenbar hatte man an diesem Abend auch an sie gedacht. Die Stimme war verdammt gut, aber auch wenn sie in erstaunlich gutem Deutsch sagte „Ich bin glücklich, hier zu sein“ war allen inkl. ihr klar, dass das Publikum jemand anderen sehen wollte. So machte sie sich dann auch bald hinter die Kulissen und es begann ein kleines Intermezzo an Filmausschnitten, die den VIP des Abends entweder als Revolver schwingenden oder anderweitig heldenhaften Mann oder heißen Liebhaber zeigten. Schließlich wies der Mann hinter uns höchst überflüssigerweise darauf hin: „Do kütt er!“ Dass er mit legerem Schal erstmal irgendwie auch noch Ähnlichkeit mit Alan Rickman hatte, beeinträchtigte die Situation höchstens positiv!

Es stellte sich alsbald heraus, dass sich einerseits auch die Menschen auf der Bühne keiner Illusion hingaben, warum die Rhein-Sieg-Halle an diesem Abend voller Menschen war und der Frontman spielte gekonnt mit seinem sexy Image. Auch er würdigte die Minderheitengruppe der Männer und sagte dann: „Ach wissen Sie, Sie müssen mir gar nichts vormachen… ich weiß doch, dass Sie nur hier sind, weil Ihre Partnerinnen Ihnen keine andere Wahl gelassen haben!“ Nicken allenthalben. Und irgendwie könnten sie es immer noch nicht glauben, dass so viele Leute zu den Konzerten kommen. „Und vielen Dank, dass Sie schon so viele Jahre in meine Filme gehen – oder Ihre Eltern,“ meinte er mit Blick auf die Teenager in der ersten Reihe und neben mir… was die eine zum Besuch bewegt hatte, blieb mir bis zum Schluss unklar, schrieb sie doch im Laufe des Abends ca. 40 SMS und war deutlich anderweitig beschäftigt.

Das Konzert war eine Mischung von Songs aus dem alten Album Untold Truths und dem gerade erschienenen Turn It On. Ein Video des Songs Let Me Be The One, ein Duett mit oben erwähnter Sara Beck, kann man sich hier ansehen. Der Abend hat Spaß gebracht, auch wenn ich mich zwischendurch gefragt habe, wie die anderen Bandmitglieder das sehen. Wenn da der Lead-Gitarrist Teddy Morgan im Spotlight ein Höllensolo hinlegt und scheinbar alle außer mir den physisch in den Hintergrund getretenen Costner dabei beobachten, wie er im Halbdunkel schnell einen Schluck Wasser trinkt. Die erste und einzige Geige, Bobby Yang, wurde aus unerfindlichen Gründen mehr beachtet. Also: finden die es eher cool, wegen Kevin Costner in nicht wirklich großen, aber ausverkauften Häusern zu spielen oder nervt es sie, dass 98% des Publikums nicht wegen der Musik da sind? Sie waren jedenfalls die, die nach dem Konzert pro Kopf noch ca. 500 Autogramme gaben und für Fotos zur Verfügung standen. Aber nachdem diverse Mittvierzigerinnen die schönste Ballade mit Kevin, marry me! kaputtgeschrillt hatten, war auch klar, dass sich der Chef allein aus Sicherheitsgründen nicht an der Aktion beteiligen konnte. Schade eigentlich.

Ich hatte es im Rahmen der erwähnten Vorbereitung nur geschafft, bei einem Song, der es zu meinem Lieblingslied geschafft hatte, wirklich textsicher zu werden, Superman 14. Zuerst ein bisschen enttäuscht, dass er nicht im Programm war, kam er dann doch noch als Zugabe – und mein Wissen brachte mich in die Position festzustellen: das ist wirklich live gewesen. Er hat sich nämlich versungen, die zweite Strophe zuerst angestimmt, merkte es nach drei Worten, grinste, fand den Takt wieder und stieg richtig ein… Es scheint auch sein Lieblinglied zu sein, denn da hört man dieser Tage automatisch rein, wenn man seine Website besucht – so man denn die Lautsprecher angeschaltet hat.

Drei Frauen hat er dann zu guter Letzt noch glücklicher gemacht als den Rest von uns, bat er sie doch zu einigen Tanzschritten und zwei Bützches auf die Bühne – ich wusste nicht, was mir, wäre ich aufgefordert worden, mehr Sorge bereitet hätte: die Tatsache, dass ich nicht tanzen kann oder die Frage, wie ungelenk und schmerzvoll ich mich wohl da hoch gequält hätte, denn nach mittlerweile über 4 Stunden Stehen hatte ich Rückenschmerzen und steife Knie. Wir werden alle nicht jünger. Und er war nicht gefärbt. 🙂

Barbara

Christmas in March – CPS 157


I have come across a website where I can see what other crazies like me do when it’s not exactly Christmas time – they make Christmas cards! This must be heaven 🙂 … and such a relief that others share my addiction… Anyway, it’s Christmas Cards All Year Round. How will I survive may almost one-month vacation starting March 27, traveling and not being able to make cards?! I guess I just have to be strong 😉 The March challenge on Christmas Cards All Year Round is to create five Christmas cards in mainly green that feature a snowman. The first one I made for that also fits the CPS sketch #157 – only that it’s not square. But I will pass on making square cards for the time being just because the postage for them is so incredibly expensive in Germany. Here’s the result:

Supplies:
Cardstock: Artoz
Papers: unknown origin
3D images: Kars
Glitter: Stickles Glitter Glue

Ja, Frühling!

Der Frühling wird überbewertet schrieb einst Douglas Adams. So ein Schwachsinn. Es ist vielmehr so, wie Vergil es schon 272 erkannte: Vere calor redit ossibus – Im Frühling kehrt die Wärme in die Knochen zurück, Lateinisch für Angeber, Teil 4.

Die Sonne strahlt von einem wolkenfreien Himmel, die Vögel zwitschern wie die Wahnsinnigen, der Schnee ist weggeschmolzen – es MUSS doch Frühling sein! Oder? Die Illusion hält sich erstmal nur so lange, bis man die Haustür aufmacht und einem die Minusgrade entgegenwallen, sich die Hosenbeine hocharbeiten. Aber es kann doch gar nicht sein! Das dachte ich mir, packte mich warm ein und machte mich auf die Suche nach dem Frühling. Und wie man oben sehen kann, ist er im wahrsten Sinne des Wortes gleich um die Ecke. Der Botanische Garten hat leider in den Wintermonaten, die nach dem hier zur Anwendung kommenden Kalender erst Ende März enden, am Wochenende geschlossen, so dass ich die Flächen an Schneeglöckchen und Krokussen nur wehmütig aus der Ferne begutachten konnte. Aber die Enten auf dem Schlossweiher hatten Spaß und in vielen Vorgärten der Südstadt schießt der Frühling gnadenlos aus dem Boden und wird in Kürze Deutschland fest im Griff haben! Man kann die Spannung fühlen! Und wie man in Armenien sagt:

Mit einem Schlag kommt der Frühling nicht. Aber er hat schon verdammt gut ausgeteilt.

Und ist euch schon aufgefallen, wie lange es jetzt schon HELL ist? Es ist schon fast hell, wenn man morgens um 7 Uhr aufsteht, auf dem Weg zum Bahnhof dann schon richtig – und abends ist es fast schon 19 Uhr bevor es dunkel wird. Ist doch der Hammer! Das qualifiziert nicht mehr als Winter, nein, nein. Das ist Frühling – diese Definition dürfte viele Anhänger haben. Nicht umsonst weiß man in Litauen:

Selbst der strengste Winter fürchtet sich vor dem Frühling.

Okay, okay, die Temperaturen lassen noch einiges zu wünschen übrig, aber irgendwo muss man ja mal anfangen – das klappt dann auch noch. Und lasst das Fahrrad einfach stehen, dann fühlt es sich auch nicht mehr ganz so kalt an. Lasst Vorsicht walten, denn nicht umsonst sagt ein jahrhundertealtes malisches Sprichwort ;-):

Der Frühling ist die Jahreszeit, in der die Autofahrer zwei Wochen zu früh das Gefrierschutzmittel aus dem Kühler lassen.

Tatsächlich ist diese Weisheit unbekannten Ursprungs. Tatsache wiederum ist, wie der Amerikaner so schön formuliert: Spring has sprung! Der Frühling ist da, er versteckt sich nur manchmal.
Schönen Restsonntag
Barbara

Get well soon – CPS 156

I have to say I was downright exhausted after two intense weeks of being a couch potato watching whatever Olympic competition would only remotely fit my 40-hour work week. Coming down from that adrenaline high of the hockey final probably did its part in doing me in. So at the beginning of the week I didn’t think I’d be participating in any challenge. And now there’s two! Well, there’s this week’s CPS sketch (to the left) and then there’s Delia. Delia is not a challenge – that is: I doubt it or at least I can’t decide on that as I’ve never met her 😉 – but she’s a girl who fell sick with Acute Myeloid Leukemia and has a friend who wanted her to be inundated with get well wishes from all over the place: Dustin Pike. I realize I’m awfully late with this as it was started about a month ago but decided „So what!“… Cards are always welcome. And I just loved the owls he created for this particular purpose as Delia loves owls! If there’s anybody out there who hasn’t found them by now, you can download them here. But now here’s the card:

Supplies:
Cardstock: Paper Source
Patterned papers: BasicGrey lemonade paper pad
Digi stamp: Dustin Pike
Coloring: Copic markers
all else: of unknown origin

Der letzte Tag

Nun ist er da, der letzte Tag… zwei intensive Wochen stehen kurz vor dem Ende – und irgendwie kann ich es nicht glauben. Aber es ist auch gut, dass es bis in vier Jahren wieder andere Prioritäten gibt… sonst würde ich womöglich noch die Kellertreppe putzen (siehe Tag 14).

Langlauf, 50km der Herren, stand heute noch auf dem Programm. Das habe ich nicht in der Erwartung geguckt, dass es da eine Medaille für Deutschland geben könnte – sondern weil es einfach so spannend ist. Und dann das!! Ein Zielsprint zwischen Axel Teichmann und Petter Northug! Zwar gewann der Norweger, aber wie cool war das denn??

Nun zum Abschluss noch das Eishockeyfinale, Kanada-USA. Da halte ich ja ganz klar für die Kanadier, sowieso schon und nun auch, weil Deutschland den zweiten Platz im Medaillenspiegel nur halten wird, wenn die USA bei Silber bleiben 😉 Das erste Drittel war dynamisch, fair und endete 1:0 für Kanada. So kann es weitergehen.

Und so ging es weiter, bald stand es 2:0. „Die Kanadier dominieren auch in diesem Mitteldrittel.“ Leider hatte es der Kommentator kaum ausgesprochen, da gab es auch schon ein Eigentor der Kanadier, das es ja eigentlich nicht gibt. Also: Eigentore gibt es nicht im Eishockey. Warum, war mir nie klar, aber egal. Fakt: es steht nur noch 2:1. Und so endet auch dieses, deutlich härter gespielte Drittel. Das wird ein superspannendes drittes Drittel.

Joi, ist das spannend. Und ich denke, für die Nachbarn noch weit schwieriger zu ertragen, als jede andere Entscheidung der letzten zwei Wochen… weil es durchgängig zu Schreien der Freude und des Entsetzens kommt, über Stunden… 55 Sekunden noch und die Amis haben den Goalie rausgenommen… Nun Auszeit für die Kanadier. Gaaaaaaaanz ruhig… SCHEISSEEEEE!!! 25 Sekunden vor Schluss machen die Amis das Tor, 2:2. Oh! Jetzt Verlängerung…

Nochmal 20 Minuten. Oder auch weniger, denn es geht nach dem sog. „sudden death“: die Verlängerung ist dann zuende, wenn das erste Tor fällt. Puh. Einatmen… ausatmen… einatmen… ausatmen… Ich halte diese Spannung glaube ich nicht aus und kann nur sagen: auf den heutigen Tatort verzichtet zu haben, hat sich gelohnt. Jetzt geht’s weiter…

Da steht man nachts wie blöd im Wohnzimmer und geht ziellos vor dem Fernseher auf und ab, kann kaum hinsehen, verbiegt sich in körperlichen Schmerzen, quietscht unkontrolliert in der Gegend rum, hat einen Puls, der auf 180 geht und dann TOR!! TOOOOOOR!! Kanada ist Olympiasieger! Der Held ist der erst 22-jährige Sidney Crosby, Multimillionär von den Pittsburgh Penguins… naja, die Bezahlung ist wohl gerechtfertigt. Der neue Gretzky oder was? Puh… Jetzt muss ich aber auch noch die Medaillenvergabe gucken, zum schlafen ist da eh noch zuviel Adrenalin unterwegs. Aber hier mache ich die Schotten dicht…

Ich glaube, ich muss mir doch Karten für die Eishockey WM im Mai kaufen… Und den Biber werde ich vermissen, auch wenn er nicht an den legendären Wolf von Sarajevo rankommt 😉

Gute Nacht!
Barbara