Born to gossip – 15 Jahre Kaffeeklatsch

So richtig bewusst war es uns nicht. Wie so oft bei unseren mehr oder weniger regelmäßigen Treffen machten wir ein Gruppenfoto. Dann fragte einer: „Weißt du noch, wie wir dir damals das T-Shirt mit unserem Foto zum Abschied geschenkt haben? Wann war das?“ Das war 1994. Aber da hatten wir ja schon einiges an Routine entwickelt. Ja, wir könnten doch nochmal ein T-Shirt machen! Naja, das zieht man dann eh‘ nicht an. Aber eine Tasse? Also haben wir uns unsere Jubiläumskaffeeklatsch-Tassen machen lassen und dabei festgestellt, dass wir in diesem Jahr unser 15-jähriges Jubiläum zu feiern haben, denn 1993 fing der Wahnsinn an 😉


Die Kaffeeklatschler
The coffeeklatsch girls

Ich denke, wir werden noch einige Jährchen immer wieder gern zu Gesprächen, die die Welt bedeuten, zusammenkommen:

K1: „Ich muss ja zugeben, ich gucke immer noch McLeod’s Töchter!“
K2: „Aber klar doch – aber die Leute wechseln so oft.“
K3: „Also, ich weiß nicht, die Serie hat doch nur ein Thema! Entweder macht einer einer einen Antrag oder es wird geheiratet oder sie sind in Flitterwochen…“
K2: „Ja, das stimmt. Oder sie sterben.“
K1: „Oh Mann, ja – das war ja tragisch mit Lucy, hat mir echt leid getan.“
K2: „Hmm. Und dann gibt es eben immer wieder neue Familienangehörige – wegen des Titels ja auch! Eine ist in Argentinien, eine ist gestorben und Jody ist jetzt im Zeugenschutzprogramm…“
K4 verschwörerisch zu K3: „ZEUGENSCHUTZPROGRAMM! 😉 “
K3 augenzwinkernd zu K4: „Wenn sie da wieder rauskommt wird unter Garantie geheiratet!“
K1: „Ja genau und jetzt kommen irgendwelche Cousinen ins Spiel.“
K2 zu K3: „Hast du nicht mal ein Fernsehprogramm da?“
K3 holt das Programm, es wird geblättert
K2: „Oh mein Gott! Am Montag landet Grace mit ihrem Auto im Fluss! ‚Von Riley fehlt nach dem Unfall jede Spur.'“
K3: „Sag ich doch: heiraten oder sterben!“
K1: „Ja und weiter??? Dienstag, Mittwoch, Donnerstag…?
K2: „Dienstag: ‚Bei Grace reißen alte Wunden wieder auf, als sie ein Foto von Heath und seiner neuen Lebensgefährtin sieht.‘ Mittwoch: ‚Stevies Freundin Sharon taucht auf und organisiert illegale Wetten für das anstehende Distanzrennen.'“
K3: „Ja, das ist auch noch ein Thema: Pferde und Kühe.“
K2, unbeeindruckt: „Donnerstag: ‚Kate wird klar, dass sie ihr Leben ändern muss. Ein Gespräch mit Pater Dan öffnet ihr die Augen.'“
K4, sarkastisch: „Ach Herrjemine, jetzt auch noch Dornenvögel?!“
K1: „Und Freitag?“
K2: „Hm, da steht nichts dabei, dafür gibt es mehr Infos zu Wildes Wohnzimmer.“
K1: „WAS? Wie soll ich das überstehen?!?!“

Unser nächster Termin steht fest und hat ein weihnachtliches Thema. Wo der Kaffeeklatsch dann stattfinden wird, sollte klar sein… 😉

Einen guten Start in die Woche wünscht
Barbara

Meine neue Küche XXL – die Doku-Soap aus Poppelsdorf, Teil 5

In der letzten Woche war der Blog weniger täglich, es war einfach zuviel los. In der Zwischenzeit war ich selbst 2x im schwedischen Möbelhaus meines Vertrauens und habe mir weitere Teile von 2 weiteren Touren im Verwandten- und Kollegenkreis mitbringen lassen. Alles habe ich immer noch nicht, aber da die fehlende Schubladenblende nun angebracht ist und ich beruhigt auf Dienstreise gehen kann ohne befürchten zu müssen, dass die Schublade nach meiner Rückkehr total versifft ist, ist der wichtigste Teil erledigt…

Die Hängeschränke hängen noch – da war ich noch am gesamtdeutschen Feiertag, sicher zur Freude aller Nachbarn, mit zwei Freunden aktiv. Er bohrte, ich hielt den Staubsauger an die Wand, sie nahm Maß und schwenkte die Wasserwaage (technische Zeichner haben da so einen Genauigkeitsfimmel… 😉 ). Die Dübel Made in China haben uns den letzten Nerv gekostet – den Rest der Packung habe ich nach Beendigung unserer Arbeiten der Mülltonne übergeben und spreche hiermit eine eindeutige Empfehlung für die Qualitäts-Produkte aus dem Schwabenland aus, die können wirklich alles außer Hochdeutsch.


Die Arbeitsfläche und der Gecko…
The countertop and the gecko…

Die Hängeschränke haben eine beachtliche Höhe und die obersten zwei Fächer sind auch mir nur mit Hilfe eines Stuhls zugänglich. Da habe ich all das untergebracht, was nicht in falsche Hände geraten soll… funktioniert bislang. Auch wenn mich die „Schubladenelemente“ den allerletzten Nerv gekostet haben, so bin ich nun doch so begeistert, dass jeder zukünftige Unterschrank AUSSCHLIESSLICH mit Schubladen versehen sein wird. So was Wunderbares. Ich ertappe mich immer noch dabei, mit leuchtenden Augen und seligem Grinsen die Schubladen sinnlos auf- und zuzuschieben. Wenn ich nicht einfach auf einem der Stühle sitze und den Blick über mein Werk schweifen lasse. 😉 Die Küche wird damit für mich zum bevorzugten Aufenthaltsort und der Gecko zieht mich immer wieder in seinen Bann.


Die Lichtverhältnisse in dieser Küche werden nie ideal sein… aber dafür das Fenster bald geputzt 😉
Light(ing) will never be perfect in this kitchen… but soon the window will be clean at least 😉

Wenn ich von der Dienstreise, die nun erst am Mittwoch beginnt und Kongo aus aktuellem Anlass (mehr hier oder auch hier) nur als Thema und nicht als Ziel hat, zurückkehre, kann ich mich dem bis dahin sicher eingegangenen Basilikum zuwenden und sowohl ihn ersetzen als auch seine beiden Kollegen, wahrscheinlich Schnittlauch und Thymian, in meinen neuen Kräutergarten über der Spüle holen. Wenn ich an diesem Wochenende noch Nerv habe – das Werkzeug ist vorhanden – begebe ich mich vielleicht noch mal an die Aktion „Wir hängen die Kühlschranktür um.“


Aufgewertetes Poster
Poster as a new focus

Wichtige Elemente der alten Küche sind aufgewertet und wieder integriert worden, wie z.B. das Religionen der Welt-Poster. Der Biene-Maja-Kalender ebenfalls, allerdings etwas versteckt hinter der Tür. Die Martinslaterne harrt ihres Einsatzes im November. Ich hoffe, ich schaffe es EINMAL, zum Martinszug in Poppelsdorf auch dort zu weilen.

Mal sehen, was das Wochenende noch an interessanten Konversationen zu bieten hat. Gestern Abend entspann sich etwa folgender Dialog:

S: „Wie nennt man eine Frau, die noch keinen Sex gehabt hat?“
B: „Jungfrau.“
S: „Okay. Also ich habe diese Freundin, die ist keine junge Frau mehr…“
B: „JUNGFRAU. Sie ist keine JUNGFRAU. Nicht junge Frau, das ist allgemeiner und rein altersabhängig.“
S: „Okay. Also ich habe diese Freundin, die ist keine Jungfrau mehr, aber ihr Freund, der ist noch Jungmann…“

Leute, kommt mich doch mal auf einen Tee oder was in meiner neuen Küche besuchen… dann im November. Ich bin nämlich jetzt FERTIG 😉

Bis bald
Barbara

Meine neue Küche XXL – die Doku-Soap aus Poppelsdorf, Teil 4

Upps, jetzt ist es schon Tag 4 der Renovierung und selbst der ist fast vorbei! Gestern gab aus fernöstlichen Gründen kein Update, weil auch nicht so viel lief, wie geplant: meine Mitbewohnerin hatte Geburtstag. Wie bereits erwähnt, hatte sich dazu der Überraschungsbesuch aus London eingefunden – ein sympathischer junger Mann, der weiß, wie man Frauen für sich gewinnt: mit Pralinen von „BUTLERS – Purveyors of happiness“ (Lieferanten des Glücklichseins – da hat es einer verstanden!). Typisch in diesem Falle auch, dass ihm an Frauen weniger gelegen ist… Mit ihm jedenfalls waren wir am Montag Abend noch Kölsch probieren und Mittwochmorgen, am Geburtstag, habe ich mich dazu hinreißen lassen, ein Geburtstagsfrühstück auszurichten – UM NEUN UHR! Hier wird aufgestanden 🙂 Dieser Ansatz wurde dadurch begünstigt, dass ich noch zu IKEA musste und nicht erst gegen 15 Uhr frühstücken konnte – wo auch der Besuch schon wieder im Zug Richtung Wahlheimat saß. Richtig interessant jedoch wurde es abends, da sind wir chinesisch essen gegangen: das Geburtstagskind, zwei Freundinnen, zwei chinesische Herren – und ich. Das war eine für mich sehr wichtige Erfahrung, denn es gibt sie, die Chinesen, die wissen wo Ruanda liegt. Auch wenn sie sich ob ihrer angeblich unzureichenden Deutschkenntnisse entschuldigen mussten, seit der Abgabe ihrer Diplomarbeit „leider kein Deutsch mehr gewendet zu haben“. Habe ich in letzter Zeit auch seltener. Einer der Herren hat eine deutsche Freundin und ließ dunkel durchklingen, dass es schwierig sei – zu viele Regeln. Die weibliche Riege aus Fernost wollte wissen, was das denn für komische Regeln seien, aber er ging nicht näher darauf ein. Dann entschuldigte er sich, nahm den anderen Herren mit zum Buffet und ich wurde gelöchert. Was das denn wohl für Regeln sein könnten? Ohne zu zögern entfuhr mir: „Im Sitzen pinkeln und den Deckel danach runtermachen.“ Großes Entsetzen, Sprachlosigkeit. Die Buffet-Besucher kamen wieder und eine lebhafte, mir nicht verständliche Diskussion entbrannte – ich hatte Recht. Ein chinesisches Wort kann ich mir nun auch merken, es fiel so oft: „bag wa“ [Transkription wahrscheinlich falsch]. Das heißt soviel wie „neugierige Tratschtante“ und wurde bevorzugt für meine Mitbewohnerin verwendet.

Aber kommen wir noch mal zur Renovierung. Bis Dienstag lag ich also im Plan, danach ging es stark abwärts. Heute habe ich versucht aufzuholen, was mit Blick auf einen zweiten, VIERSTÜNDIGEN Besuch bei IKEA ein Gewaltakt war, aber er ist gelungen. Was mich allerdings nicht davon abhalten wird, in der kommenden Woche erneut noch Köln-Godorf zu fahren, denn für die oberste meiner neuen Schubladen fehlt angekündigt die Blende (und die fantastische neue Bettwäsche war auch ausverkauft!). Nicht angekündigt hatte ich beim ersten Versuch keine Griffe für die neuen Schränke besorgt… nebensächlich. Den Hochschrank habe ich mit einer motorisch und logisch herausgeforderten Chinesin zusammengebaut und ich kann nun versichern: ich bin bereit für das angedachte vorweihnachtliche Plätzchen backen mit 5-jährigen, ich habe definitiv die Geduld dazu… Das ist der Stand heute Abend, 22 Uhr:


Die neuen Schränke… sieht aus, als bräuchte ich auch einen neuen Herd…?
The new cabinets… looks like I needed a new stove, too…?

Der Schrank mit den drei Schubladenelementen war ein Nagel zu meinem Sarg, fehlende Blende hin oder her. Er hat mir den unumgänglichen IKEA-Moment beschert: Schubladenschienen 87mal aus- und wiedereinbauen, weil es irgendwie nie passt und es bei der mittleren DANN merken, als die Schublade schon eingerastet war und sich nicht überzeugen ließ, wieder rauszukommen. Als ich schon dabei war, sie rückschreitend wieder komplett auszubauen, stellte ich dann fest, dass es vielleicht auch geht, während sie noch drin ist… Daran habe ich Ewigkeiten rumgebaut (insgesamt 4 Stunden), die anderen flutschen wie nix. Deswegen werden die Hängeschränke morgen auch schnell von der Hand gehen. Wenn ich dann noch einen finde, der mir vielleicht Montagabend (oder auch am frühen Nachmittag des Feiertags?!?!?) beim Aufhängen hilft, ist auch das geschehen.


Das Wand-Tattoo mit einem dreiteiligen kongolesischen Kunstwerk aus Butembo
The wall tattoo with a three-piece work of art from Butembo, DR Congo

Als mich das Schubladenelement in den Wahnsinn zu treiben drohte (und auch die Lieferanten des Glücklichseins keine Erleichterung brachten), bin ich in eine Ersatzhandlung verfallen und habe mich schon mal um Deko gekümmert. Ich bin ganz angetan von diesem Wand-Tattoo, muss ich sagen. Als ich es gekauft habe, habe ich lange überlegt, ob überhaupt und wenn ja welches. Dieses wird sehr gut zum Stoff der Vorhänge passen, die ich hoffentlich am Wochenende noch nähe. Es wird ja schon alles knapp, wenn ich dann Montag in einer Woche wieder in den Kongo aufbreche.

So, ich glaube mich ruft jetzt das Bett!
Barbara

P.S.: Vor einigen Wochen zum Thema Car-Sharing noch (wahrheitsgemäß) versichert, dass ich noch nie nicht das Auto bekommen habe, das ich haben wollte, wurde ich ausgerechnet in dieser Woche eines besseren belehrt… der Berlingo war komplett für die Herbstferien gebucht, jemand ist damit in Urlaub. Gott sei Dank ließ es sich bei einer Freundin einrichten, dass ich ihr (großräumiges) Auto kurzfristig leihen konnte…

Meine neue Küche XXL – die Doku-Soap aus Poppelsdorf, Teil 3

Tag 2 der Renovierung! Und es war ein schwieriger Start – ich bin mit ziemlichem Muskelkater aufgewacht – aber da gab’s ja nichts zu ändern, die Küche lag im Chaos. Und einmal angefangen, fluppte es auch ganz gut – selbst den Bohrmaschinenquirl hatte ich im Griff: mittags waren die restlichen Wände in zitronengelb getaucht, und dass, obwohl ich die Flächen, die vorher orange waren, DREIMAL streichen musste. Dafür nutzte ich die Gelegenheit (durch die endlich gekaufte Leiter), zum ersten Mal in über sechs Jahren das Oberlicht in der Küche zu putzen. Sagen wir so: es hat sich gelohnt.


Der Kühlschrank an seiner neuen Position
The refrigerator in its new location

Die Ergebnisse bislang: das „Türsturzregal“, in dem bislang das Geschirr stand, beherbergt jetzt unsere Lebensmittel. Das Geschirr ist bis morgen in meinem Wohnzimmer zwischengelagert (also Chaos-Verlagerung sozusagen), denn die beiden gammligen Regale hatte ich über den Tausch- und Verschenkmarkt der Stadt Bonn bereits heute Morgen um 8:54 Uhr vertickt (Abholung später). Den Kühlschrank habe ich aus allgemeinen planerischen und energietechnischen Gründen von der Heizung weggeschoben – endlich siegte der Verstand. Da nun aber auch Praktikabilität wieder hergestellt werden muss, wollte ich die Türen desselben und des angeschlossenen Gefrierschranks auf der entgegen gesetzten Seite einhängen. Soweit so gut. Nachdem ich schmerzlich feststellen musste, dass beide im Zusammenhang stehen, dann aber blitzschnell handeln konnte und fast alles schon umgehängt hatte, fehlte mir das allerletzte Werkzeug (und ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob es das, was ich zu brauchen scheine, überhaupt gibt…) – also alles wieder retour, wobei ich fast erschlagen worden wäre von der oberen Tür, als ich die untere fixieren wollte… es muss ein wunderbarer Anblick gewesen sein, mich mit einem Schraubenzieher und einigen anderen mehr oder weniger sinnvoll anmutenden Utensilien vor dem augenscheinlich auseinanderfallenden Kühlschrank wirr lachend auf dem Küchenboden liegen zu sehen. Es war Gott sei Dank niemand außer mir in der Wohnung.


Die neue Vorratskammer… bitte beachten: die Martinslaterne habe ich noch nicht ganz abgeschrieben…
The new larder… please take note: I have not quite decided to get rid of the St. Martin’s lantern…

Bruch hat es gegeben, aber es handelte sich lediglich um einen Teller – und da es keiner vom Meißener war, werde ich das auch überleben… am Nachmittag habe ich noch einiges erledigt und rumgeputzt und morgen geht es zum schwedischen Möbelhaus meines Vertrauens für die Schränke, JA!

Viele Grüße
Barbara

Meine neue Küche XXL – die Doku-Soap aus Poppelsdorf, Teil 2

Tag eins der Renovierung! Um neun Uhr ging’s los, voller Elan. Die Decke wollte ich zuerst streichen, einfach weiß. Und das wollte ich von hinten nach vorn erledigen: erst über dem Hochbett, dann nach vorne zum Fenster hin. Bevor ich anfing, dachte ich, das ehemalige Hochbett sei ganz praktisch – da braucht man nicht auf einer wackeligen Leiter zu stehen und hat alles in Reichweite. Dumm nur, dass das Bett so hoch ist, dass man nicht aufrecht sitzen kann… So endete es damit, dass ich die Decke im Liegen gestrichen habe, den Tag, an dem das Bett installiert worden war, verfluchte und kurzfristig noch mit dem Gedanken spielte, es abzureißen! Ich kam mir vor wie Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle – nur musste der nicht mit einem gewissen Maß an Druck eine Rolle über die Gewölbe schieben.

Aber auch das ging vorüber und ich konnte mich dem ersten Highlight widmen: der Wand, die von schmutzigem weiß in eine pink-farbene Pracht verwandelt werden sollte. Dafür musste ich Herd, Schränke und Kühlschrank von der Wand rücken und konnte mich nicht ganz unerwartet erstmal einer ausgiebigen Reinigungsaktion widmen:

null
Der Herd, linke Seite. Den Blick dahinter erspare ich euch…
The stove, left side. I spare you the look at the backside…

Erstaunlicherweise gab es nur eine winzige Spinne zu finden. Aber dann ging’s zur Sache, auch wenn ich nach der Ankündigung der Renovierung gestern u.a. schon eine entsetzte Mail aus Sri Lanka bekam:

„Hallo Barbara,
um Gottes Willen!!! Nix ändern!!! Lass das so!!! Du vernichtest Deine Identität!!! Oder hast Du schon eine neue??? Mach nix kaputt [!]“

Tja, habe ich eine neue Identität? Ja genau, leider aufgeflogen, ich bin in einem Zeugenschutzprogramm und wohne schon lange nicht mehr in Poppelsdorf, ist alles nur zur Tarnung 😉 Aber ich konnte außerdem feststellen, wie klein die Welt ist. Eine andere Reaktion auf die Ankündigung kam aus Sankt Augustin, von wo man mir mitteilte, dass besagter Kameramann, der das Fass der Renovierung zum Überlaufen brachte, der Nachbar von guten Freunden sei und entsetzt war, als er von meinen Plänen hörte – die Atmosphäre habe ihm WIRKLICH gefallen, ich solle bloß nicht renovieren! Ich sehe das nun so: a) es war nie anders geplant, als dass auch nach der Renovierung Atmosphäre herrschen soll und b) ich wohl die entsetzten Kritiker dann mal einladen muss, um sie von eben diesem Sachverhalt zu überzeugen! Wieso ich was kaputt machen soll, habe ich sowieso nicht verstanden 😉

Aber auf zur Wand. Ich hatte mir extra so einen Quirl (Rondenrührer mit 6-Kant Schaft, ich lerne auch Vokabeln) zugelegt, damit das Farbenmischen nicht letztendlich so ein Desaster wird, wie damals im Schlafzimmer. Man stelle sich also einen überdimensionalen, von einer Schlagbohrmaschine betriebenen Stabmixer vor. Von Binford war er nicht, aber ich hatte auch ohne Tim Taylor schon mehr als ausreichend Power und habe erstmal einen Flatschen pinke Farbe in der halben Küche verteilt, nur nicht auf die Wand, wo sie drauf sollte. Auch die Hose hat nun pinke Beine. Aber das macht nichts, sie war eh dem Müllcontainer geweiht, zum Ende der Woche. Nach alles in allem 8 Stunden liebevoller Arbeit ohne Pause (und ohne Sitzen, mein Rücken wird sich erkenntlich zeigen) ist der im Plan vorgesehene pinke Teil nun pink:


Pink is beautiful! Der orange Rest mit den Spachtelflecken ist nun auch weg
Pink is beautiful! By now I have also taken care of that orange spot with the filler

Und es gab heute exakt 3 Minuten lang Sonnenstrahlen – fast pünktlich zur Fertigstellung, das muss ein Zeichen sein! Für morgen ist schon alles abgeklebt, gleich räume ich die Regale leer (will die jemand im Umkreis haben? Ich verschenke sie!!) und dann gehe ich einen heben mit meiner Mitbewohnerin und einem Landsmann, der in London wohnt und sie anlässlich ihres Geburtstags am Mittwoch heute überrascht hat – ich wusste davon (Facebook macht vieles möglich) und die Überraschung ist voll gelungen.

So, nun geht’s weiter!
Barbara

Meine neue Küche XXL – die Doku-Soap aus Poppelsdorf, Teil 1

(Now that I have people worldwide psyched up about me rehabbing my kitchen, I will try to post a daily blog entry in English, too… just click on the “English?!” button… but as usual: pictures only on the German site.)

Lange schon hatte ich den Plan, die Küche zu renovieren (und den Flur und das Wohnzimmer und…), aber es gab immer einen Grund, warum ich das Projekt nicht angegangen bin. Meistens gingen die Gründe in die Richtung „Wer weiß, wie lange ich noch hier bleibe“ oder „Wenn ich die Wohnung dann ganz übernommen habe…“. Nun, jetzt bin ich es endgültig leid und mache es – egal, ich kann mir auch beim nächsten Becker-Hecht in der Haribo-Halle das Genick brechen. Wahrscheinlich hat diese Entscheidung zur Folge, dass das Gebäude Ende des Jahres als abbruchreif klassifiziert wird oder ich doch einen Job im Ausland annehme oder oder oder. Die Tatsache, dass ich uralte Dübel problemlos aus der Wand ziehen konnte und der Durchmesser der Löcher nun etwa doppelt so groß ist durch herausgebröselten Backstein, lässt schlimmstes vermuten. Wie auch immer, letztlich ausschlaggebend war die Reaktion des Kameramanns eines Lokalsenders, dem ich vor einigen Wochen bei der Erstellung eines Beitrags behilflich war:

„Wo filmen wir denn nun, was denkst du?“ fragte die Redakteurin ihren Kollegen.
Der antwortete ohne zu zögern: „In der Küche, die ist so schön… alternativ.“

Ich fiel fast vom Glauben ab (dass er sich dafür entschieden hatte) und war kurz davor, meine Zustimmung zum filmen in meiner Wohnung zurückzuziehen. Dann jedoch dachte ich: „Sch… der Hund drauf, ich stehe zu meinem Biene-Maja-Kalender und der Martinslaterne, die vom ehemaligen Hochbett-jetzt-Stauraum baumelt, mit dem „Religion-Poster“ des ZEIT-Wissen-Magazins daneben. Mein Musikgeschmack wurde ja schon immer als gefühlskrank beschrieben, warum sollte die Küche anders sein?!

Aber, es hing doch länger und intensiver nach, als ich gedacht hatte. So erreichte der lange gefasste Plan die nötige Reife, ich nahm eine Woche Urlaub und morgen geht es los! Wenn mich die Vorfreude nicht noch diese Nacht die Farbtöpfe öffnen lässt… dafür bin ich bekannt 😉

Hiermit habe ich es zu tun, sozusagen der „vorher-Teil“:

Klassische studentische Küche im Rheinland der 1990er Jahre (beachten Sie den zusammenklappbaren Grill unter dem versteckten antiken Sessel der 60er Jahre)
Kitchen typical for a student household in the Rhineland of the 1990s (observe the collapsible barbecue grill underneath the camouflaged antique 60s armchair)

Auch danach werde ich keinen Starkstrom haben, die Leitungen werden weiter über Putz liegen, der Ofen nicht gleichzeitig mit dem Wasserkocher und der Schnellkochplatte betrieben werden können, die Waschmaschine wird weiter 60 Treppenstufen tiefer und ein paar Schritte über den Hof stehen, eine realistische Chance im Kampf gegen wiederkehrende Lebensmittelmotten werde ich wohl erst im neuen Jahr haben, die fahren voll ab auf asiatische Produkte – aber ich liebe diese Wohnung (den Anbau eines Balkons muss ich noch üben)!

Es geht los!
Barbara

Am Rande des Wahnsinns

Am Rande des Wahnsinns

Grundsätzlich gibt es immer wieder Zeiträume, in denen man, so für sich, am Rande des Wahnsinns zu stehen glaubt. Also, mir geht es zumindest so und leider in letzter Zeit immer häufiger und meist aus den gleichen Gründen, aber die sind hier nebensächlich. Was mir auffiel: ganz Bonn scheint unter Druck zu stehen. Wahrscheinlich liegt es an der sich verlangsamenden Konjunktur, ein Trend, der sich laut eines kürzlich in der ZEIT erschienenen Artikels am gestiegenen Schokoladenkonsum der Bevölkerung unausweichlich erkennen lässt. Sehr interessanter Ansatz und ich muss sagen: mein Schokoladenkonsum spiegelt meine innere Trendentwicklung ziemlich gut wieder.

Vielleicht sollte der sonst so freundliche Beamte der Deutschen Bahn am Info-Point mehr kakaohaltige Genussmittel zu sich nehmen. Mal wieder auf dem Weg in die Eifel musste ich als erstes feststellen, dass sich die Ausweitung des VRS-Verbunds für mich nicht positiv gestaltet: meine Bahncard gilt nicht mehr und nun zahle ich das Doppelte von heute auf morgen. Nach der Auskunft wollte ich mich noch an der Auslage des Zeitschriftenladens ablenken und kriege so nebenher mit, wie es am Info-Stand immer lauter wird. Der nette Herr kurz vor der Rente in seiner adretten Weste ist in ein Streitgespräch mit einem potenziellen Kunden verwickelt. Irgendwann, als die Dezibelzahl des Gesprächs deutlich die der häufig vorbeirollenden Güterzüge überschritt und der Vertreter der Bahn hochrot angelaufen war, dass ich dachte, er erleidet vor meinen Augen einen Herzinfarkt, kulminiert das Gespräch in seinem erbosten Ausruf – wahrscheinlich bis Gleis 5 hörbar: „SIE HABEN GESAGT, ICH KÖNNE SIE AM ARSCH LECKEN – UND JETZT LECKE ICH SIE AM ARSCH!!“ Schlagartig wurde es still, der Bäcker sah von seinen Rosinenschnecken auf, am Kiosk blieb ein Kunde während des Bezahlens mitten in der Bewegung stehen – und der Bahnkunde, ein etwa 25-jähriger mit Migrationshintergrund, zog den sprichwörtlichen Schwanz ein und schlich von dannen. Wir werden nie wissen, worum es ging, aber ich frage mich schon, in welchem Seminar zur Kundenbetreuung diese Reaktion eingeübt wurde, grammatikalisch perfekt. Andererseits war der Ausraster ja vielleicht auch berechtigt. Ich jedoch ertappte mich direkt nach dem Ausruf beim Denken des uralten Spruchs „Ach was, Quatsch – dafür ist die Schokolade doch viel zu günstig…“

Mehr in einem Schokoladenhoch war wohl jener Jugendliche, an dem ich abends mit dem Rad vorbeifuhr. Dieser saß an einer Bushaltestelle, telefonierte lautstark und ich suchte nach dem einleitenden Satz vergeblich nach einem Grund, stehenzubleiben und das Gespräch weiterzuverfolgen: „Boah, glaub’s mir, isch hab da echt voll korrekt Gefühle gezeigt, eh!“ Ich bin fast vom Fahrrad gefallen vor Lachen…

Wo Schokolade jedoch nicht mehr hilft, zeigte sich gestern Abend. Ich sah im Fernsehen den Film „Flug 93“, die verspielfilmte Pseudo-Doku zum Absturz des Flug United 93 in einem Feld in Pennsylvania zu 9/11. Irgendwann kommt meine Mitbewohnerin nach Hause und fragt „Und, was guckst du?“ Darauf meine Antwort: „Einen Film zum 11. September.“ Eine ganze Weile Stille und ein gespannter Blick auf den Bildschirm, dann die Frage: „Aber heute ist doch der 9. September?“ (Für mich jedoch war an diesem Film der größte Schock, dass der Terrorpilot von eben jenem Schauspieler gespielt wurde, der den erwachsenen Amir im „Drachenläufer“ darstellte… Was ihm dauerhaft einen zu großen Sympathiebonus für diese Rolle einbrachte.)

Was bleibt mir zu sagen… esst mehr Schokolode, Leute, bevor es zu spät ist!
Viele Grüße!!

GOLD FÜR DEUTSCHLAND!!

Olympia mit Zeitverschiebung geht doch immer wieder enorm an die Kondition – und 2010 ist das mit Vancouver schon wieder so, wenn auch anders… Ich denke, da muss man doch einfach Urlaub einreichen.

Seit einer Woche stehe ich um 4 Uhr auf, meist um Michael Phelps mit Weltrekord siegen zu sehen, aber vorgestern wurde mein grenzenloser Optimismus dann belohnt: GOLD für Britta Steffen über 100m Freistil!! Es zeigte sich, dass ich auch zu dieser frühen Morgenstunde komplett ausflippen kann und eigentlich warte ich immer noch auf den Rausschmiss wegen Ruhestörung. Eine der spannensten Entscheidungen die ich bislang gesehen habe – und der Adrenalinspiegel war dann so hoch, dass ich danach nicht wieder richtig einschlafen konnte, die Planung muss für das 50m-Freistil-Finale anders laufen.

Mein strategisch genommener Urlaubstag hat sich auch gelohnt: zweimal Gold im Fechten, Florett bei den Herren, Degen bei den Damen. Beides spannend und je mehr man davon sieht, um so mehr werden die Unterschiede klar und ich muss sagen, Florett gefällt mir glaube ich deswegen besser, weil von Anfang an ordentlich die Fetzen fliegen.

Und dann Tischtennis. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir nicht bewusst war, dass Deutschland eine konkurrenzfähige Mannschaft und nicht nur Timo Boll hat. Was war das Halbfinale gegen Japan heute spannend. Am Montag geht es im Finale entweder gegen China oder Südkorea. Wenn es der Gastgeber ist, wird das ein Hexenkessel. Das Publikum finde ich enorm – ist das auch anderen aufgefallen, wie viele ÄLTERE Frauen dabei sitzen? Als die deutsche Fangemeinde heute Deutschland, Deutschland skandierte und dazu rhytmisch klatschte, waren die Chinesen schnell dabei und klatschten mit. Ich frage mich nur, ob sie tatsächlich wussten, worum es ging und somit die Japaner abgeschossen sehen wollten oder, um mit einer nicht näher genannten Kommentatorin zu sprechen, sie einfach schnell alles nachmachen?

Das an die Journalisten aus aller Welt ausgeteilte Büchlein mit den 300 wichtigsten Sätzen zum Überleben während der Spiele scheint dem deutschen Reporter, der darüber gestern in der ersten Reihe berichtete, nicht zu helfen. Meine chinesische Fachfrau vor Ort schnell herbeigerufen musste festegestellt werden, dass die Aussprache so übel war, dass man auch mit viel Entgegenkommen nicht versetehen würde, was er mitzuteilen versucht. Wahrscheinlich würde es helfen, die phonetische Umschrift deuten zu können. Davon abgesehen ist die Reihe „Telekolleg Fachchinesisch“ einfach nur wunderbar furchtbar nostlagisch.

Schwierig könnte es heute Abend und morgen früh werden: sieht man davon ab, dass ich an diesem Olympiawochenende zu einer Hochzeit „muss“, habe ich auch noch einen weiteren Übernachtungsgast. Selbiger meldete sich gestern telefonisch zwecks diverser Absprachen und als ich andeutete, dass ich Sonntagmorgen gegen 4 Uhr kurz aufstehen und Britta Steffen anfeuern muss, kam die Rückfrage: „Ach, kennst du die?“ Wesentlich unterschiedlicher könnten die Interessen offensichtlich nicht liegen. Man hat’s nicht leicht.

So, ein paar Leichtathletikentscheidungen stehen an und die Kuchen für morgen sind auch noch nicht fertig… ich muss los. Drückt die Daumen blau, jederzeit!
Barbara

Sieg durch Ippon

Am vierten vollen Tag der Spiele in Beijing musste ich mich leider erst von einem unerfreulichen Zahnarztbesuch erholen (und einen Resttag im Büro hinter mich bringen), bevor ich wieder halbwegs dem Olympiafieber frönen konnte. Morgen habe ich extra Urlaub genommen und werde meinen auf der Gästecouch vor dem Fernseher weilenden Besuch aus Kanada erbarmunglos um 4 Uhr aus den süßen Träumen reißen. PLATZ DA, ich habe noch Hoffnung für die deutschen Schwimmer! Heute ging es einfach nicht vor 6 Uhr und ich versuche zu verdrängen, dass meine ausbleibende Unterstützung zu früherer Stunde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zur Unaufmerksamkeit von Fabian Hambüchen am Reck geführt hat…

Die Eröffnungsfeier am Freitag fand ich beeindruckend. Besonders die 2008 synchronen Trommler zu Beginn waren faszinierend und zur Entzündung der olympischen Flamme der Läufer am Stadiondach. Absolut nervig hingegen waren die nicht enden wollenden Negativ-Kommentare der Kommentatorin. Fand sie die Trommlermassen eher angsteinflössend, bin ich fast sicher, dass sie von Riverdance begeistert war – ob nun irische Tänzer oder chinesische Trommler, da ist der Unterschied im Resultat nicht so groß. Nun ja. Die deutsch-chinesische Völkerverständigung in Poppelsdorf hat allerdings aufgrund der seit jeher bestehenden unterschiedlichen Lebensrhythmen nach der Eröffnungsfeier leider direkt wieder ein abruptes Ende gefunden. Ich gebe auf.

Olympia macht (mir) glaube ich deswegen Spaß, weil man sich ja auch mal Sportarten ansieht, denen man sonst kaum Aufmerksamkeit schenkt. Wie ein Freund bemerkte, fehlt einem zwar das Curling, aber es gibt ja auch genügend andere Sportarten. Zum Beispiel Judo. Davon bin ich allerdings ziemlich enttäuscht. Nicht von der Goldmedaille für Deutschland, aber von der Sportart an sich. Es sieht für mich aus wie Ringen in zweiteiligen Bademänteln. Ehe es zur Sache geht hat man den Eindruck, als stünden sich zwei Katzen auf Hinterbeinen gegenüber, die sich die Krallen um die Ohren hauen. Dann ist alles ein Knäuel und entweder gibt’s gar keine Punkte weil man sich verkeilt hat, einen Punkt oder 10 Punkte auf einmal. Für Passivität kann man bestraft werden, das ist Shido. Und wenn man eine für mich nicht nachvollziehbare Technik anwendet, kann man auch nach wenigen Sekunden der Sieger durch Ippon sein. Ippon ist eigentlich japanisch für eins, heißt aber – ich habe mich schlau gemacht, immer [der] sofortige[n] Sieg für den Judoka und ist damit die höchste mögliche Wertung. Sie wird für einen technisch sauberen Wurf oder eine für 25 Sekunden durchgehend ausgeführte Festhaltetechnik vergeben. Ebenfalls erhält ein Kämpfer ein Ippon, wenn der Gegner nach einem Hebel- oder Würgeangriff aufgibt oder kampfunfähig ist. Den inneren Schenkelwurf oder utshi-mata wende ich dann vielleicht zur Übernahme der Gästecouch an…

Der erste Freiwillige Helfer in Beijing wird wohl mittlerweile auch dem Arbeitslager überstellt worden sein für seinen Faux-pas bei der ersten Siegerehrung des Schwimmstars Michael Phelps – da brach doch zum Entsetzen aller und im Beisein von Bush Jr. UND Sr. die Hymne einige Takte zu früh ab. Da ist selbst mir das Herz stehen geblieben…

Symphatisch finde ich auch, wenn Reporter zugeben können, dass sie eigentlich nicht so voll die Ahnung davon haben, worüber sie gerade berichten. Ganz im Stile der Fernsehshow mit dem Nagetier wurde vorab noch erklärt, worin der Unterschied zwischen Florett-, Säbel- und Degenfechten liegt, nämlich NICHT nur in der Waffe, sondern auch an den Zielflächen: von Kopf bis Fuß (Degen), nur der Torso beiseitig (Florett) oder Oberkörper inkl. allem (Säbel). Und dann ging’s los, heute in aller Herrgottsfrühe, als Nicolas Limbach einem Weißrussen knapp unterlegen war. Gehen nämlich die „Trefferlämpchen“ bei beiden so gut wie gleichzeitig an, entscheidet der Schiri, wer den Punkt bekommt. Meist der aktivere (angreifende) Fechter, wie mir schien.

Also, Engarde!!! Der Wecker wird klingeln.
Barbara

20-jähriges Jubiläum steht vor der Tür


Gezeichnet von MF anlässlich der Olympischen Spiele 1988 in Seoul

Spätestens seit den Olympischen Spielen in Seoul 1988 wurde bei mir der Olympiawahn festgestellt. Dies geschah durch meine damalige Englischlehrerin, die bemerkte, dass während dieser zwei Wochen mein Interesse an „if-clauses“ und „modal auxiliaries“ stark nachließ bzw. komplett meiner privaten Olympiaberichterstattung auf dem klasseneigenen schwarzen Brett wich. Steffi Graf mitten in der Nacht gewinnen sehen, in ihrem Grand Slam Jahr. Die Fechter aus Tauberbischofsheim und anderswo jubeln sehen. Darauf warten, dass Florence Griffith-Joyner sich die Mega-Fingernägel abbricht. Ben Johnson siegen und dann des Dopings überführt sehen. Den Deutschland-Achter in Glanzzeiten erleben. Bei Greg Louganis‘ Knall auf das Sprungbrett schockiert von der Couch springen… man hört immer Zahlen wie „die öffentlich-rechtlichen übertragen 300 Stunden von Olympia“. Ich denke, ich kann von mir behaupten, etwa 287 davon gesehen zu haben. Der Rest war Synchronschwimmen und Boxen. Und vielleicht noch Wasserball.

Und auch dieses Jahr setzt der Wahnsinn wieder ein. Es hat lange gedauert, bis ich mich habe anstecken lassen – Kerner hat es geschafft mit der Sendung zu den besten olympischen Momenten. Da brach der Damm, der vorher schon nicht der stabilste war, hätte ein Boykott der Spiele doch aller Wahrscheinlichkeit nach endgültig das Ende aller Beziehungen innerhalb meiner deutsch-chinesischen WG bedeutet. Nun bin ich eingeladen, die Eröffnungsfeier im Kreise der Chinesen in Poppelsdorf zu verfolgen und werde im Geist der Spiele an einer nachhaltigen Verbesserung der Lebensbedingungen hier arbeiten. 😉 Ja, ich unverbesserlicher Optimist.

Zwar werde ich meinen Lebensrhythmus nicht komplett umstellen wie einst zu Nagano (schlafen ab 20 Uhr, aufstehen um 3 Uhr, zwei Wochen im Adrenalinhoch durchhalten, im Nachbarn im Stockwerk drunter des nächtens einen Verbündeten finden – TOOOOOOORRRR! – und schließlich doch zusammenbrechen, siehe oben), aber einige Highlights werde ich mir rauspicken und mal sehen, ob der ein oder andere Urlaubstag drin ist, trotz aller beruflich bedingten Widrigkeiten (wer konnte nur auf den Gedanken kommen, unser alljährliches Mammut-Audit in diesen Zeitraum zu legen?? Unglaubliche Kurzsichtigkeit und/oder mangelndes Interesse an sportlichen Großereignissen…)


Eines von zahlreichen offiziellen Olympia-Briefmarkensets

Meine am weitesten zurückliegenden Erinnerungen habe ich im zarten Alter von 8 Jahren gemacht, anlässlich der olympischen Winterspiele in Sarajewo. Das einzige, woran ich mich da allerdings wirklich erinnere, ist das Maskottchen, der heulende Cartoon-Wolf, der der Auftakt zu jeder Übertragung war: „SARAJE-WOOOOOOOOOOO“ (und, erschütternderweise, die Kür von Jayne Torvill und Christopher Dean, die mich Jahre später zum Kauf einer von zwei Klassik-CDs in meinem Besitz bewegte). In diesem Jahr gibt es gleich 5 Maskottchen, die ich persönlich ästhetisch nicht so gelungen finde – eine in unserer WG einvernehmliche Meinung. Gut wiederum finde ich die (Bedeutung der) Namen. Der Typ ganz links heißt Beibei, dann kommt Jingjing, gefolgt von Huanhuan und Yingying und rechts außen Nini. Diese Namen bilden den Satz „Beijing huan ying ni“. Vielleicht schreibt man da noch was zusammen, das weiß ich nicht. Jedenfalls heißt das: „Willkommen in Beijing“. Dass die Namen alle doppelt sind hat einerseits den Hintergrund, dass sich einsilbige Namen im Chinesischen nicht so gut anhören und andererseits hat das einen verniedlichenden Effekt. Ich hoffe nur, die Eröffnungsfeier ist nicht nur niedlich…

Also, einen genauen Zeitplan habe ich schon, die Planung kann beginnen… irgendwie kommt mir nun eine Zeile von Mr. Winterbottom aus Dinner for one in den Sinn: „I now declare this bazaaaaaaar open“….
Schönes Wochenende!
Barbara