Am Rande des Wahnsinns

Am Rande des Wahnsinns

Grundsätzlich gibt es immer wieder Zeiträume, in denen man, so für sich, am Rande des Wahnsinns zu stehen glaubt. Also, mir geht es zumindest so und leider in letzter Zeit immer häufiger und meist aus den gleichen Gründen, aber die sind hier nebensächlich. Was mir auffiel: ganz Bonn scheint unter Druck zu stehen. Wahrscheinlich liegt es an der sich verlangsamenden Konjunktur, ein Trend, der sich laut eines kürzlich in der ZEIT erschienenen Artikels am gestiegenen Schokoladenkonsum der Bevölkerung unausweichlich erkennen lässt. Sehr interessanter Ansatz und ich muss sagen: mein Schokoladenkonsum spiegelt meine innere Trendentwicklung ziemlich gut wieder.

Vielleicht sollte der sonst so freundliche Beamte der Deutschen Bahn am Info-Point mehr kakaohaltige Genussmittel zu sich nehmen. Mal wieder auf dem Weg in die Eifel musste ich als erstes feststellen, dass sich die Ausweitung des VRS-Verbunds für mich nicht positiv gestaltet: meine Bahncard gilt nicht mehr und nun zahle ich das Doppelte von heute auf morgen. Nach der Auskunft wollte ich mich noch an der Auslage des Zeitschriftenladens ablenken und kriege so nebenher mit, wie es am Info-Stand immer lauter wird. Der nette Herr kurz vor der Rente in seiner adretten Weste ist in ein Streitgespräch mit einem potenziellen Kunden verwickelt. Irgendwann, als die Dezibelzahl des Gesprächs deutlich die der häufig vorbeirollenden Güterzüge überschritt und der Vertreter der Bahn hochrot angelaufen war, dass ich dachte, er erleidet vor meinen Augen einen Herzinfarkt, kulminiert das Gespräch in seinem erbosten Ausruf – wahrscheinlich bis Gleis 5 hörbar: „SIE HABEN GESAGT, ICH KÖNNE SIE AM ARSCH LECKEN – UND JETZT LECKE ICH SIE AM ARSCH!!“ Schlagartig wurde es still, der Bäcker sah von seinen Rosinenschnecken auf, am Kiosk blieb ein Kunde während des Bezahlens mitten in der Bewegung stehen – und der Bahnkunde, ein etwa 25-jähriger mit Migrationshintergrund, zog den sprichwörtlichen Schwanz ein und schlich von dannen. Wir werden nie wissen, worum es ging, aber ich frage mich schon, in welchem Seminar zur Kundenbetreuung diese Reaktion eingeübt wurde, grammatikalisch perfekt. Andererseits war der Ausraster ja vielleicht auch berechtigt. Ich jedoch ertappte mich direkt nach dem Ausruf beim Denken des uralten Spruchs „Ach was, Quatsch – dafür ist die Schokolade doch viel zu günstig…“

Mehr in einem Schokoladenhoch war wohl jener Jugendliche, an dem ich abends mit dem Rad vorbeifuhr. Dieser saß an einer Bushaltestelle, telefonierte lautstark und ich suchte nach dem einleitenden Satz vergeblich nach einem Grund, stehenzubleiben und das Gespräch weiterzuverfolgen: „Boah, glaub’s mir, isch hab da echt voll korrekt Gefühle gezeigt, eh!“ Ich bin fast vom Fahrrad gefallen vor Lachen…

Wo Schokolade jedoch nicht mehr hilft, zeigte sich gestern Abend. Ich sah im Fernsehen den Film „Flug 93“, die verspielfilmte Pseudo-Doku zum Absturz des Flug United 93 in einem Feld in Pennsylvania zu 9/11. Irgendwann kommt meine Mitbewohnerin nach Hause und fragt „Und, was guckst du?“ Darauf meine Antwort: „Einen Film zum 11. September.“ Eine ganze Weile Stille und ein gespannter Blick auf den Bildschirm, dann die Frage: „Aber heute ist doch der 9. September?“ (Für mich jedoch war an diesem Film der größte Schock, dass der Terrorpilot von eben jenem Schauspieler gespielt wurde, der den erwachsenen Amir im „Drachenläufer“ darstellte… Was ihm dauerhaft einen zu großen Sympathiebonus für diese Rolle einbrachte.)

Was bleibt mir zu sagen… esst mehr Schokolode, Leute, bevor es zu spät ist!
Viele Grüße!!

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