Afghanistan: Pistazien / Pistachios


In der Region ist die jährliche Pistazienernte eine große Sache. Alles wartet mit ständig wachsender Ungeduld darauf, dass die Ernte durch einen Schuss des Gouverneurs offiziell eröffnet wird, um dann zu den noch verbliebenen Pistazienhainen zu eilen.

Seit Montag ist hier die Anarchie ausgebrochen, das Pistazienfest hat begonnen. Wir haben zwar keinen Eröffnungsschuss gehört, aber plötzlich war draußen lautes Getöse zu hören, Hupen und was weiß ich. Der Staff war kaum zu bändigen, LKWs rasten vorbei und insgesamt wahrscheinlich etwa 5000 Esel – und nicht im üblichen müden Trott, sondern in einem Galopp. Es machte den Anschein, als wüssten auch sie, worum es ginge. Alles war auf den Beinen und die Armee hat versucht, den Leuten auf Eseln oder zu Fuß einen Vorsprung gegenüber den Autofahrern zu geben, aber das funktionierte auch nicht wirklich.

This region is known for its pistachios so the harvest is a big deal. Everybody is waiting with increasing impatience for the shot from the governor, which is the official starting sign for each and everybody to haste towards what is left of the pistachio groves.

Anarchy has been reigning since Monday when the pistachio festival started. Even though we did not hear the shot, the sudden noise outside on the streets, honking and whatnot, was a clear sign. The staff was not to be kept at the office, trucks raced past along with about 5000 donkeys – who were not tiredly trotting but actually gallopping. It looked as if even they realized what this was about. It seemed that not a soul stayed at home and the army tried to give people on donkeys or on foot a head start but that didn’t really work out.

Und weil eben eh nichts lief, ließen sich auch die zurückgebliebenen Europäer anstecken…

[Es] hat was von Karneval im Rheinland. Noch am ersten Tag haben [… wir uns aufgemacht], um uns auch mal Pistazien anzusehen. Ich hatte die ja auch noch nie am Baum gesehen. Uns erschienen sie größtenteils noch nicht reif zu sein. Aber in der ganzen Ebene waren Stimmen zu hören, freudiges Gerede, ein Schuss fiel dazwischen auch mal – wahrscheinlich hat sich einer an den falschen Baum gemacht. […] Ich bin mal gespannt, wie sich das in den nächsten Tagen so weiterentwickelt mit der Pistazienjagd. Teilweise haben die Leute schon Wochen vorher am streng bewachten Wald gecampt, um ja zum Startschuss da zu sein.

And because nothing was to be done about it, all the Europeans left behind also caught the bug…

It was like carnival in the Rhineland. It was on the first day already that we went out to have a first-hand look at a pistachio tree, too. I had never seen one before. To our amateur eyes they appeared to be mostly unripe. But happy voices carried across the plain, a shot was heard, too – maybe somebody had taken from the wrong tree. I wonder how this pistachio hunt will develop over the coming days. Some people had camped out near the strictly guarded forest for weeks just to be there right when the harvest started.

Picknicks sind ein bevorzugtes Event in Afghanistan – wahrscheinlich vergleichbar mit der deutschen Vorliebe fürs Grillen – und so wurde entschieden, als Teambuilding-Maßnahme ein Picknick im wieder etwas beruhigten Pistazienwald zu veranstalten.

[Wir sind] aufgebrochen und haben uns zwei Stunden auf bekannt schlechten Straßen bzw. nur unwesentlich besseren Flussbetten Richtung Turkmenistan bewegt. Es war einiges los, riesige Kolonnen Esel und auch Kamele (habe ich also endlich und doch noch gesehen), dick bepackt mit Säcken voller Pistazien. Wir haben uns dann ein schattiges Plätzchen gesucht, den Teppich ausgebreitet und [die ungeduldigen Angestellten erstmal] ziehen lassen. […] Die mitgebrachten Sandwiches waren schnell weg, die Melonen aufgegessen, aber Tee wurde natürlich noch gekocht und damit stieg die Stimmung an, so dass sich die Herren zur Musik aus dem Auto-Tapedeck zum Tanzen aufgefordert fühlten. Das habe ich allerdings von oben beobachtet, da ich zwecks Foto auf einen der uns umrundenden Hügel geklettert bin. Und so auch eine herannahende Kamelkarawane vor die Linse bekam [siehe oben].

Afghanistan’s favorite pasttime are picknicks. I guess the picknick is for an Afghan what a barbecue is for a German. Anyway, we decided to organize a picknick in the now quieter pistachio forest as a teambuilding measure.

We left and moved towards Turkmenistan for about two hours on bad roads and only marginally better river beds. A lot was going on, huge gangs of donkeys and also camels (that I finally did get to see), heavily loaded with bags full of pistachios. We looked for a nice spot in the shade, laid down the rug and let the impatient staff go off harvesting. The sandwiches we had brought were soon gone, as were the melons, but of course tea was made which raised the spirits considerably so that the gentlemen started dancing to the music from the car’s tape deck. I was watching from far away as I had climbed a hill to take some pictures. So it happened that I got a perfect view of an approaching caravan of camels [see above].

Und damit neigte sich meine erster Aufenthalt schon dem Ende entgegen… aber es sollten ja noch zwei weitere – längere – folgen.

And with this my first stay was coming to a close… but two more – longer ones – were to follow.

Barbara

Afghanistan: Basarbesuche / Bazaar Visits


Einerseits ist es das Wetter, das mehr dazu einlädt, sich draußen aufzuhalten. Andererseits war es ein kreativer Großauftrag, der mich in den letzten Wochen in der Freizeit ziemlich gebunden hat. Aber nun ist es wieder soweit: Einblicke in den Basar in QIN.

On the one hand, it’s the weather that is more than an invitation to spend your days outside. On the other hand, I worked on a creative mega order that has eaten up a lot of my spare time in the past weeks. But now I’m back: insights into QIN bazaar.

Ich war etwas naiv unter anderem was die Herstellung von Kopien im Basar angeht.

Ein einschneidendes Erlebnis war es, im Basar die Kopie einer 50-seitigen Informationsbroschüre in Auftrag zu geben. […] Die Auftragserteilung hat eine volle Viertelstunde in Anspruch genommen. Schwierig sei das, ob’s denn auch einseitig ginge, zweiseitig wäre soviel Arbeit… Und dann 4 Afghani pro Seite, das sind immerhin teure 8 Cent. Am Ende einigten wir uns auf 150 Afghani pro kopierter Broschüre. Aber dieses Handeln für alles und jedes kostet soviel Zeit. [… ein Kollege] klärte mich auf [darüber, warum dann die Herstellung so lange dauert]: der Kopierer steht in einem Raum ohne Fenster und läuft über einen kleinen Generator, der gerade mal den Kopierer schafft. Also wird das Licht angemacht, zu kopierende Seite eingelegt, Licht aus, kopiert, Licht wieder an, neue Seite eingelegt, Licht aus,…

I was just a little bit naive about having copies made in the bazaar (among other things).

It was a drastic experience to order a copy of a 50-page leaflet in the bazaar. Merely ordering it took 15 minutes. It would be difficult and could he make it one-sided maybe as two-sided copies were so complicated… And then 4 AFA per page – that’s expensive 8 Cents after all. In the end we agreed on 150 AFA per copied leaflet. But all this negotiating is so time-consuming. A colleague later explained why the actual production took so long then: the copier is in a windowless room and is run on a small generator that just about manages the copier. So the light is switched on to put in the page to be copied, light switched off, copy made, light switched on, new page put in, light off….

Ich habe die Aufzeichnung zu den Spezialaufträgen beim Schneider nicht finden können, aber ich erinnere mich noch lebhaft an den Auftrag für Bettbezüge. Ich wollte eine Knopfleiste am offenen Ende, wie es hier so üblich ist, und habe das aufgezeichnet. Nun waren meine Zeichenkünste ja nie besonders und so kam es, dass beide aufeinanderliegenden Stoffteile am unteren Ende KnopfLÖCHER bekamen. Ich habe sie dann mit Kordel zugebunden. Ging auch. Die weihnachtlichen Stockings jedoch waren legendär, aus rotem und grünem Samt exakt nach Anleitung gefertigt, mit Goldrand.

I could not find the notes on my special orders at the tailor’s but I vividly remember the order for duvet covers. I wanted a button tab at the lower end, just like I knew it from here, and made a drawing. You have to know that my drawings have always left much to be desired and so it happened that both layers of material at the lower end of the duvet had button HOLES. I ended up tying them together with a cord. Worked well. But the stockings I ordered for Christmas were legendary, made from red and green velvet. Perfectly made to order, with a gold border.

Wieviel Gas möchten Sie denn?

How much gas would you like?

Foto gefällig?

Need a picture?

Es gab auch ein Restaurant, das wir mal aufgesucht haben.

Noch ist nicht klar, wie sich mein Verdauungstrakt damit abgefunden hat, aber der Rest von mir war ausgesprochen angetan. Irgendwo in einer der zahllosen Basarstraßen. […] Durch einen engen vorderen Raum, vorbei am laut plärrenden Fernseher mit irgendeiner an die Hitparade erinnernde Show aus Kabul ging es nach hinten. [Der Raum] vermittelte mit der Balkendecke und den ehemals weiß getünchten Wänden irgendwie das Ambiente eines Kuhstalls. Aber gemütlich. […] Wir saßen quasi wie in einer Sushi-Bar, nur nicht am Fließband sondern entlang einer langen, schmalen Plastiktischdecke in Richtung Gang. Innerhalb weniger Minuten stand vor uns ein Reisgericht mit Rosinen, dazu separat etwa 5 Stück Lamm in Gulaschgröße und etwas, das aussah wie Joghurt. Beim Probieren prickelte der wie wild auf der Zunge – ich hätte also der Tatsache, dass der in seiner Schüssel Blasen warf, vorher eindeutig mehr Beachtung schenken sollen.

There was also a restaurant where we went once.

It remains yet to be seen how my stomach has braved it but the rest of me was really impressed. Somewhere in the numerous streets of the bazaar. We went to a back room, leaving behind the narrow front room and passing the blaring TV with some seemingly old-fashioned music show from Kabul. The room with its high ceiling and beams and the formerly white walls sort of had a cow barn feel to it – very likeable. We were placed as if in a sushi bar, in a row in front of a plastic cover, facing the aisle – just that the production line was missing. Within in minutes we were served a rice dish with raisins, about 5 pieces of lamb (goulash-sized) on the side along with something that looked like yoghurt. When I tried it it made my tongue tingle like crazy – I guess I should have paid closer attention to the fact that it was bubbling in its bowl.

Es scheint überall gleich zu sein: "Papa, ich will..."

It seems to be the same wherever you go: "Dad, I want..."

Es sieht aus wie Erdnüsse… wir beschäftigen uns beim nächsten Mal mit Pistazien!

It looks like peanuts… but we will hear more about pistaccios next time!

Barbara

Afghanistan: Start in Qala-i-Nau


2003 hatte ich die Bedeutung der digitalen Fotografie noch nicht erfasst und offenbar nicht gleich von allen Kleinbildfilmen auch eine Foto-CD erstellen lassen. Das musste nun nachgeholt werden… auch ein Grund, warum es hier so lange still war. Aber weiter: Nach der Krise auf dem Sabzak Pass waren wir ja dann doch noch wohlbehalten in Qala-i-Nau angekommen. Und nachdem die „microbes“ ja alle tot waren, konnte ich mich schnell wieder mit Essen befassen:

Erstaunlicherweise bin ich noch nicht so weit, dass mir „gutes deutsches Brot“ hier fehlt. Das Fladenbrot, das aussieht, wie ein etwas lang und dafür schmal geratener Schneeschuh, schmeckt mir ganz ausgezeichnet, auch trocken. Zum Frühstück essen wir das mit aus dem Iran importiertem Frischkäse und Marmelade […] ich glaube, mit Nutella wäre das ganz fantastisch. Das wird aber wohl nichts werden.

Apparently I hadn’t fully realized the importance of digital photography in 2003 as I didn’t have all my rolls converted into a photo CD back then. So I had to do that now . another reason why it has been quiet here for two weeks. So let’s continue: After the crisis on the Sabzak Pass we did arrive safely in Qala-e-Now. And after the microbes had all died, I was able to deal with food again:

It’s amazing but I still don’t miss „good German bread“. In fact, I really like the pita-like bread that looks loke a long, narrow snowshoe – even plain. I usually have it with cream cheese and jam (both imported from Iran and I think it would be truly fantastic with Nutella. But then that will very likely never happen.

Da wir Frauen ja bekanntermaßen Multitasker sind, wurde beim Frühstück nicht nur gegessen, oh nein! Wir kamen in den Genuss eines Kurses „Dari für Anfänger“, gehalten von unserer Haushaltshilfe.

Sie spricht ja kein Englisch, so dass wir meistens nur auf Dinge zeigen und uns dann irgendwie aufschreiben, wie sich das anhört, was sie sagt. In besagter Stunde kamen wir irgendwann auf Körperteile – wahrscheinlich, nachdem sämtliche Küchenutensilien abgeklärt waren. Auge – Nase – Ohr – Mund – Finger – Hand – Arm – Schulter – Hals – Rücken – Bauch. Da stoppte der Redefluss kurz, verschwörerisch beugte sie sich über den Tisch, so dass sie […] vor den Blicken des Guards verdeckt war, zeigte auf ihre Brüste und sagte unter fast unkontrolliertem Glucksen, „kost“. Hat sich dann fast weggeschmissen vor Lachen und wir gleich mit. […] Natürlich ist es […] eines der wenigen Worte, die wir behalten haben. So dass wir, ohne von Konjugationen oder Wortstellung für das alltägliche Leben so hilfreiche Konstruktionen bauen können wie „kost abi“ – blaue Brust.

As women are known to multitask we never only had breakfast, oh no! We were treated to a free course „Dari for beginners“ by our help.

She doesn’t speak English so all we could do was point at objects and then write down what her answer sounds like. On that particular morning we got to body parts – probably after we had taken care of all kitchen utensils. Eye – nose – ear – mouth – finger – hand – arm – shoulder – neck – back – stomach. Thens he hesitated, leaned across the table conspiratorially so she was shielded from the look of the guard and said while giggling almost uncontrollably, „kost“. And almost died laughing afterwards and we along with her. Of course it’s one of few words that we remember. As we are unaware of any grammar or word order we were then able to say things as helpful in daily life as „kost abi“ – blue breast.

Der wichtigste Laden im Basar: der Süßwarenhändler

The most important shop in the bazaar: the candy man!

An der Verbesserung unserer Sprachkenntnisse war auch einem der Guards gelegen, der aber seinerseits Englisch lernte:

Er kramte sein Englisch-Persisch-Buch für die Reise raus und las mir einen englischen Satz nach dem anderen vor, meistens Fragen, die ich dann in wenigen Worten beantwortet habe. Es war der Tag, an dem es später wie aus Eimern gießen und Fleece-Pulli-kalt werden sollte (nach 30 Grad am Tag vorher). Der Himmel war schon bedeckt. Er: „[Liest leise murmelnd persischen Satz, dann]: What is the weather forecast?“ Lacht sich tot, zeigt zum Himmel und meint: „Barran! RAIN!“

There was also a guard who went out of his way to help us improve our language skills, but he also learned Englsih himself:

He got out his English-Persian book for travelers and read out one English sentence after the next to me. Most of them were questions that I answered briefly. It was that day that would turn out to be fleece jacket cold (after the previous day was at 30°C). It was overcast already. Guard: „[Quietly mumbling a Persian sentence, then]: What is the weather forecast?“ He cracks up, points to the sky and says: „Barran! RAIN!“

Schade fand ich immer, und das erschließt sich hauptsächlich den englischsprechenden Lesern dieses Blogs, dass der wunderschöne Schnee barf heißt… Auf Englisch soviel wie kotzen. Aber es wird ja auch Zeit für Frühling!

I was sad to hear that the Persian word for snow – the aggregate state of water I find most appealing – is barf… But it’s time for spring to come anyway!

Barbara

Afghanistan: Sabzak Pass


Zwar war es nicht der Milkshake, der meinen Magen letztlich doch und quasi für den gesamten Aufenthalt durchgängig rebellieren ließ – aber irgendwas anderes. So war es denn am Morgen der Abreise nach Qala-i-Nau nicht klar, ob ich auch wirklich mitfahren würde. Bin ich aber doch und es wurde eine unerwartet spannende Fahrt.

Jedenfalls fahren wir so vor uns hin, bis dann ein entgegenkommender LKW anhält […]. Der Bekannte teilt uns mit, der Sabzak-Pass, über den wir nach Qala müssen, sei durch Steinschlag blockiert. Zu diesem Zeitpunkt waren wir schon […] nicht mehr allzu weit vom Pass entfernt. Beim weiteren Anstieg schlug das Wetter um, es wurde neblig und kalt. Die Landschaft, soweit erkennbar, hatte weiter ihren Reiz, denn zur Zeit sind die Berge noch größten Teils grün (sofern überhaupt bewachsen), mit farbenfrohen Blumen darunter.

It wasn’t the milk shake that did it but something else made sure I got tummy troubles that were to last all throughout my stay. On the morning when we were supposed to leave for Qala-e-Now it was not clear whether I could travel or not. But I did and it turned out to be an unexpectedly exciting trip.

As we are cruising along, a truck coming towards us stops. The friend [of our driver] tells us that Sabzak Pass which we have to cross to get to Qala is blocked due to a rockslide. At this point we’re not that far away from it anymore. We continued the ascent and the weather changed, fog moved in and it was cold. The landscape, at least what I could still make out of it, continued to be fascinating. At this time of year, the hills are still mostly green (if there is vegetation at all) with many colorful flowers.

Und dann kamen wir um die Kurve und das ganze Elend war klar ersichtlich:

In beiden Richtungen standen LKWs, Jeeps und normale Autos Schlange. Der Steinschlag war ein riesiger mudslide, auf einer Breite von sicher 100, wenn nicht mehr Metern. Riesige Brocken lagen da rum, hauptsächlich am Rand zum Abhang hin, die „Fahrbahn“ war „nur“ mit weiterhin fließendem Matsch in etwa 15cm Höhe bedeckt. Wir stehen mittendrin und hören auf einmal so ein Zischen – der linke Hinterreifen verlor mit rasender Geschwindigkeit Luft und binnen weniger Minuten war er total platt.

And then we turned a corner and the misery was in plain view:

Both directions were blocked with trucks, jeeps and normal cards, standing in line. The rockslide was more of a mudslide, about 100 meters wide, possibly more. There were huge rocks lying around, mainly towards the abyss, the „road“ was „only“ covered in about 15cm of flowing mud. We are right in the middle of it and suddenly hear this hissing sound – the left back tire was rapidly losing air and was completely flat within minutes.

Ich kann mir keinen schlechteren Moment und Ort für einen platten Reifen vorstellen. Der Fahrer sah sich die Lage bergauf und bergab an und entschied, sich wieder den Pass runter zu einer halbwegs trockenen Stelle vorzukämpfen.

Etwa einen Meter vorher blieb er stecken, mit einem ehemals russischen Armeetruck, jetzt turkmenischer Händler, der sich gerade den Weg bahnte, laut schreiend und gestikulierend daneben (der Händler, nicht der Truck). Mit viele Gedrehe der Räder und inshallah kam er rückwärts wieder raus, um dann im Rückwärtsgang den Berg wieder hoch zu rasen, um an einer unwesentlich breiteren Stelle dem LKW Platz zu machen. Das war dann der Moment (als ich rechts aus meiner Beifahrertür hinaus noch etwa 3cm und dann das 150m tiefe Nichts sah), an dem ich die Nerven verloren und darum gebeten habe, auszusteigen. […] Also habe ich mich dann in eine Menge feixender (?) Turkmenen begeben, die sich köstlich amüsiert haben [und den Pass zu Fuß überquert].

I can’t imagine a worse moment and place to have a flat tire. The driver checked the situation in both directions and then decided to backtrack down the path to a relatively dry spot.

With about a meter to go he got stuck. There was a former Russian army truck, now Turkmen trader, trying to inch his way up right next to him and he started yelling and gesticulating (the trader, that is). The wheels were spinning like crazy, the atmosphere very inshallah but our driver managed to back out and kept going backwards up the pass again, heading for a spot that was marginally wider to let the truck pass. That was the moment (as I could make out about 3cm of solid ground out of my door and then the 150 m nothing), when I lost my cool and asked to get out of the car. And this is how I ended up joining a group of sneering (?) Turkmen men who had a great time with all of this [and crossed the pass on foot].

Der Reifen wurde letztlich in tiefem Matsch gewechselt und

[…]IRGENDWANN waren wir dann durch diesen Engpass durch, zu fahren waren aber noch knapp zwei Stunden und die Straßen wurden auch nicht besser – und der Fahrer war natürlich fix und alle. Aber wir haben ihn wach gehalten und als er dann soweit war zu fragen, warum denn mein Bauch nicht verrückt spielte und ich ihm antwortete, dass die „microbes“ alle an einem Herzinfarkt gestorben seien, war er wieder der alte.

The tire was exchanged in deep mud and…

AT SOME POINT we had put this bottleneck behind us but still had about two hours to go and the roads weren’t exactly improving. The driver, of course, was dead tired, too. But we kept him awake and when he perked up enough to wonder why my stomach wasn’t acting up and I replied that the microbes had surely all died because of a heart attack, he was his old self again.

Und darüber, wie es sich in Qala-i-Nau so leben ließ, berichte ich beim nächsten Mal!

Next time I’ll have a look at what life was like in Qala-e-Now!

Barbara

Afghanistan: Erste Eindrücke / First impressions

Im Herater Basar / Herat Bazaar


Heute gehen wir mal weiter auf die Reise in „mein Afghanistan“ 2003…

An der Grenze angekommen […], war der Fahrer, der uns abholen sollte, nicht da. Eine Stunde haben wir zur Freude der etwa 100 Männer, die aus allen Richtungen gelaufen kamen, auf unserem Gepäck gesessen und gewartet. Ich sprach leider kein Dari, niemand von ihnen Englisch, aber wir hatten doch irgendwie Spaß dabei. […] In Herat angekommen [wurde uns] ein FANTASTISCHER Milk-Shake spendiert: Banane mit Kokosflocken und gehackten Walnüssen plus SÜßE Sahne. Und nein: mein Magen hat nicht dagegen rebelliert.

Today I’ll take you back to „my Afghanistan“ 2003

When we reached the other side of the border, the driver who was supposed to pick us up hadn’t arrived yet. So we were sitting there on our luggage for about an hour – much to the joy of about 100 men who came running from all directions. I didn’t speak any Dari, none of them English but we still had fun communicating.
When we reached Herat we were invited for a FANTASTIC milk shake: banana with coconut flakes and chopped walnuts plus cream. And no: there was no gastro-intestinal rebellion afterwards.

Blick aus dem ersten Stock des "Ice-cream Shop" / View from the second floor of the ice-cream shop

Schon beim Gedanken an diese Milkshakes läuft mir noch heute das Wasser im Mund zusammen und ich frage mich, ob der damals gut und immer besser gehende Laden, den wir immer den „Ice-cream Shop“ nannten, heute noch besteht? Am Tag darauf konnte ich den Stoffbasar inspizieren:

Frauen fast nur in Burkas, aber man sieht auch andere. Die waren alle sehr an uns interessiert. Beim Stoffkauf standen sie traubenweise neben uns und haben flüsternd wohl diskutiert, was sie von unserer Wahl halten. Meine Kollegin wurde von einer sogar zur notwendigen Stoffmenge beraten. Viele Kinder, fröhliche, dünne, schmutzige, sehr interessierte Kinder. Kutschfahrer. Muezzinrufe um 4 Uhr morgens. Vögel in den Bäumen auf dem Grundstück. Das ist übrigens auch sehr schön, mit Garten voller Rosen, Stockrosen, Geranien, zwei Perlhühner laufen hier rum. Großes Haus, nette Locals, guter Koch, Dr. Cookie.

My mouth starts watering even today when I think of these milk shakes and I wonder whether the place that we came to call the ice-cream shop still exists today – the shop was running well when we first went there and seemed to be expanding over the years. On the following day I got to have a look at the cloth section of the bazaar:

Women almost all clad in burqas but there are others, too. And everybody followed our every move. They were standing near us in droves when we were buying the fabric and were probably discussing our choices. My colleague even got advice on how much to buy. Many kids, happy, thin, dirty, very interested kids. Coachmen. Calls to prayer at 4 am. Birds in the trees of our property. Which is very nice, by the way: with a garden full of roses, hollyhocks, geraniums and two guinea fowl running all over the place. A large house, friendly locals, great cook, Dr. Cookie.

Herat: Blick aus meinem Zimmer / View from my room

Bonbon Manufaktur im Herater Basar / Candy factory in Herat Bazaar

Staubig war es auch. Aber ich kann damit deutlich besser als mit hoher Luftfeuchtigkeit. Bevor es zu eigentlichen Einsatzort Qala-i-Nau, der Hauptstadt der Provinz Badghis ging, war noch etwas an der Garderobe zu feilen:

In der Mache sind nun auch meine Klamotten. Nachdem wir ja den Stoff auf dem Basar besorgt hatten, sind wir nun auch beim Schneider gewesen. Es waren lange Diskussionen und ganz offensichtlich war er etwas enttäuscht, für uns Westler nichts extravaganteres als den Herrennachthemdlook nähen zu dürfen. Er kramte ein amerikanisches Modemagazin unter dem Tisch hervor und machte einige Vorschläge à la Cocktailkleid, aber für den täglichen Gebrauch waren sie leider alle ungeeignet. […] Bis ich jetzt die bestellten Teile bekomme, dauert es noch ein bisschen, also wasche ich noch jeden zweiten Abend. So, wie das hier trocknet, ist das aber auch egal: triefnass aufgehangene Leinenhose und -bluse sind am anderen Morgen stocktrocken.

It was dusty, too. But for me that’s easier to deal with than humidity. Before we continued to our actual destination, Qala-e-Now, the capital of Badghis Province, there was some work to do on my wardrobe:

My clothes are now being made. After we had bought the fabric in the bazaar we went right to the tailor’s. There were long discussions and apparently he was a bit disappointed that he wasn’t going to make anything more extravagant than the men’s nightgown look for us westerners. He got out an American fashion magazine from under the table and made a few suggestions that were all cocktail dresses of one kind or another – unfit for daily use. It will be a while before I have the ordered items so for the time being I handwash every other night. But at the rate things dry here that’s no problem at all: put out your dripping wet linen pants and blouses and be sure they’ll be bereft of even the lightest traces of water the next morning.

Der Schneider / The tailor (c) RG

Beim nächsten Mal geht es dann weiter über den Sabzak-Pass nach Qala-i-Nau!

Next time I’ll take you across the Sabzak Pass to Qala-e-Now!

Barbara

P.S.: Und dann läuft da immer noch das Freebie… Teilnahmeregeln genau beachten!

P.S.: And then there’s still blog candy to win… pay close attention to the rules!

Afghanistan, Afghanistan…

Am vergangenen Sonntag, 29.01.2012, kam im Weltspiegel ein Beitrag von Gábor Halász zu Afghanistan, der mich tief berührt und tagelang beschäftigt hat. Wahrscheinlich auch, weil er von folgender Aussage geprägt war: „Das Afghanistan, das ich gesehen habe – es ist schwer, es nicht zu mögen.“ Denn das geht mir genauso.

There was a report on Afghanistan by Gábor Halász in Weltspiegel last Sunday, January 29, 2012 that deeply touched me and caught me off guard. Probably because it revolved around the following statement: „The Afghanistan that I have seen – it’s hard not to like it.“ Because that is exactly how I feel.

Maulbeeren / Mulberries

Da dieser Blog ja grundsätzlich dazu da ist, den Dingen, die mich bewegen, ein Ventil zu verschaffen, liegt es nahe, ihn auch jetzt zu nutzen. „Mein Afghanistan“ ist das von 2003-2005 und man könnte nun sagen, dass das das verklärte Nostalgie ist – und deswegen möchte ich in Zitaten auf meine Aufzeichnungen von damals zurückgreifen. Internet in dem Sinne stand mir damals nicht zur Vefügung, so dass ich einmal in der Woche eine Mail an einen Freund geschrieben habe, der sie dann an einen Verteiler weitergeleitet hat.

This blog exists because I found it to be a perfect channel to communicate about anything that is on my mind and so it’s also my first choice for this adventure. „My Afghanistan“ is that of 2003-2005 and it would be easy to say that this will all be misty-eyed nostalgia. So I decided to quote from my (German) notes. Internet as such wasn’t an option at the time so I wrote an e-mail to a friend once a week who forwarded it to a pre-defined listserv.

Im Basar von Qala-i-Nau / Qala-e-Now Bazaar

Zuerst schwebte mir vor, die Einträge nach Themen zu ordnen. Das würde jedoch heißen, ca. 300 einzeilig getippte DIN A4-Seiten Aufzeichnungen komplett durchzugehen, bevor ich überhaupt etwas schreiben könnte. Also habe ich mich für die Chronologie entschieden. Ein Zeitplan steht auch nicht dahinter – es wird immer dann ein Eintrag kommen, wenn ich wieder die Muße finde… bei Interesse also am besten ein Follower werden, dann verpasst ihr auch nichts.

At first I had planned to decide on a certain subject per entry. But that would have meant to go through about 300 A4-size pages of notes before I could have gotten down to actually writing something. So I went for a chronological approach. There’s no schedule – there will be an entry when I feel like writing one… so if you’re interested it’s best to become a follower so as to not miss out on anything.

Flug von Herat nach Qala-i-Nau / Flight from Herat to Qala-e-Now

Chronologisch beginnt das ganze mit der Anreise, die über den Iran erfolgte. Nach einer Übernachtung in Teheran folgte ein Anschlussflug ins im Ostiran gelegene Mashad und von dort ging es per Taxi an die iranisch-afghanische Grenze. Schon das war ein Erlebnis:

Ich habe festgestellt, dass Fahrstreifen offensichtlich kulturkreisabhängig verschiedentlich interpretiert werden – im Iran dienen sie nicht der Trennung, sondern der Orientierung, und damit man nicht verloren geht, fährt man am besten auf dem Strich. Außerdem fährt man seinen 30 Jahre alten Peugeot mit 40 PS IMMER mit Vollgas, Schulterblicke sind speziell bei diesem Fahrstil überflüssig und Überholmanöver machen in steter Regelmäßigkeit eine zweispurige Fahrbahn mindestens dreispurig. Dementsprechend war ich mehr auf das Beifahrerfenster orientiert und konnte feststellen, dass der Ostiran, zumindest bis etwa 50km südöstlich von Fariman, wohl die Kornkammer des Landes zu sein scheint. Wie es links von der Straße aussah, kann ich nicht mit Sicherheit sagen.

Half the fun is getting there: travelling via Iran. After a night spent in Tehran we got on another flight to Mashad in Eastern Iran and moved on from there to the Iranian-Afghan border aboard a taxi. That was quite something already:

I found out that apparently lanes can be interpreted differently and subject to the respective cultural environment. In Iran they are not about separating traffic flows but are used for orientation. In order to make sure that you don’t get lost it’s best to drive right on the line. In addition, you need to ALWAYS drive your 30-year old 40 horsepower Peugeot at full throttle. While driving this way, checking back over ones shoulder is dispensable and passing maneuvers frequently expand a two-lane road to a three-lane road. Minimum. As a consequence I was kind of focused on the passenger seat’s window and took note of the fact that apparently Eastern Iran, at least until about 50km to the Southeast of Fariman, is the breadbasket of the country. Unfortunately, I had no way to gain secured information on what the country looked like to the left.

Nach diesem ersten Eindruck widme ich mich dem Rest meines Freitagsabends und sehe mal, wann es weiter geht auf der anderen Seite der Grenze! Habt ein schönes Wochenende.

After this introduction of my latest idea I will now get to the rest of my Friday evening. We’ll see when the trip continues beyond the border! Have a nice weekend.

Barbara

An der Themse / By the Thames


London im November – woran denkt man da gemeinhin?? Nebel. Und hier war es gestern so neblig, dass mein Flieger gut 5 Stunden verspätet ankam. Dann war die letzte U-Bahn verpasst, in den ersten Nachtbus kam ich nicht mehr rein, dann in den nächsten, den ich nach ca. 40 Minuten genervt in Hammersmith verlassen habe, um dann doch noch in ein Taxi zu investieren, denn mein Guesthouse hatte „nur“ bis 2 Uhr morgens Check-in…

London in November – what comes to mind? Fog. Yesterday it was so foggy in London that my flight was delayed by a good 5 hours. I missed the last subway tube, didn’t get into the first nightbus but into the next 20 minutes later which I got out of about 40 minutes later in Hammersmith to finally invest in a taxi as my guesthouse stopped check-in at 2 am „already“.

Und noch am Bussteig des Nächtens am Flughafen Heathrow machte ich Bekanntschaft mit einer nicht zu vernachlässigenden Sitte im Königreich. Dem Schlangestehen. In diesem Durcheinander, in dem keiner wusste, wo er hin musste, hatte sich ein schmächtiger afrikanischer Mitbürger „vorgedrängelt“ und wurde lautstark und unflätig von einem Eingeborenen Typ stiernackiger Hooligan mit evtl. südosteuropäischem Hintergrund zurechtgewiesen, dass er zwar nicht wisse, aus welchem Busch er gerade käme, aber hier würde sich ordentlich angestellt. Was der Zusammengeschissene geflissentlich ignorierte. Daraufhin wurde lautstark gefordert, dass man die Sache unter Männern zu regeln habe, woraufhin der schmächtige Afrikaner sich keine Blöße geben wollte, seine Frau aber in Tränen ausbrach und ihn festhielt, während der stiernackige Hooligan-Typ von einem anderen festgehalten wurde. Letztlich ging der Afrikaner mit um die Ecke – und beide kamen nach einiger Zeit unversehrt wieder zurück. Ich werde das Gefühl nicht los, dass sie diese Show täglich abziehen, um Touris zu initiieren…

We hadn’t boarded the bus yet at Heathrow when we were introduced to an important tradition of the Kingdom: queueing. In all this chaos where nobody had a clue where to go a tiny African citizen had „jumped the queue“ and was loudly being reprimanded by a native of the type bull-necked hooligan, possibly of South-East European extraction, to the extent of „I don’t know what bush you came from but HERE we queue, alright?“. Which was ignored by the attacked. The opponent then went on to say that men knew how to settle things and the tiny African in turn didn’t want to lower his guard while his wife burst out in tears and held him back while the bull-necked hooligan type was held back by someone else. Finally, the African did go around the corner with him – and both returned unscathed after a while. I can’t help but think that they put on this show on a daily basis to initiate the tourists…

Nach einer Nacht mit nicht wirklich viel Schlaf bin ich erstmal in die falsche U-Bahn eingestiegen, kam aber dann doch noch am Hyde Park raus, um mich persönlich davon zu überzeugen, dass der dort vorzufindende Weihnachtsmarkt eine Farce ist. Stimmt. Der Karte nach machte es Sinn, sich von dort Richtung Buckingham Palace zu begeben, wo gerade ein Polizist dabei war, zu erklären, was sich in wenigen Minuten abspielen würde (Wachwechsel): „Da kommen zwei Trupps und lösen die Jungs ab, viel Musik dabei und dann schreien sie sich an.“ Dauerte mir dann aber doch noch zu lange, also zog ich weiter die Mall runter.

After a next to sleepless night I started out boarding the wrong tube but did find my way to Hyde Park to check out their Winter Wonderland which was supposed to be a German Christmas Market. Please, come to Germany if you would like to see one. A look at the map suggested to proceed to Buckingham Palace where a policeman was explaining to people what was going to happen (changing of the guards): „There will be two groups coming to relieve the ones there, it’s with lots of music and then they will shout at each other.“ But it was still a while off so I continued down the mall.

Ich habe mich heute ganz der Geschäftswelt auf der Regent Street und der Oxford Street und ihren Seitenstraßen hingegeben – alles in unglaublichen Größen. Aus dem Liberty musste ich ganz schnell wieder raus, denn sonst wäre ich verarmt. Die Weihnachtsabteilungen waren eher enttäuschend, wenn ich aber insgesamt feststellen konnte, dass die Preise nicht mehr so schockierend hoch waren wie bei meinem letzten Besuch 2002. Dem Euro sei Dank. Um der Müdigkeit entgegenzuwirken, war viel Koffein angesagt… und ich konnte einen Eggnog Latte auftreiben. HMMMMMMMM….

I was in shopping mode today and explored Regent and Oxford Streets as well as a few side streets – these stores are all just so huge! I had to get out of the Liberty real fast or else I would have ruined myself. The Christmas shops weren’t all that fantastic but luckily the prices weren’t as shocking as last time I was here in 2002 – I guess the Euro helps. In order to counteract the tiredness, I had an unusual input of caffeine… and found an eggnog latte. Mmmmmhhh…

Zum Abendessen verschlug es mich auf die South Bank, wo ich eine Freundin traf, die ich vor zwei Jahren in Bordeaux kennengelernt hatte. Die Zeit verging wie im Flug und da morgen das offizielle Programm in Form einer Konferenz beginnt, muss ich nun dringend ins Bett!!

I had dinner on the South Bank with a friend who I’d met in Bordeaux two years ago. Time just flew by and as the official part of my stay (a conference) starts tomorrow I need to go to bed NOW!!

Gute Nacht!

Good night!

Barbara

Eindeutiges Zeichen / Clear sign

Nun bin ich schon wieder zurück aus Budapest… und das – ich komme einfach nicht drüber – in 2h48min vom Liszt Ferenc Flughafen Budapest bis zu meiner Couch. Wenn das kein Rekord ist! Es lebe der öffentliche Nahverkehr!! Auch wenn er mir zum Abschied in Budapest noch eine unerfreuliche Überraschung beschert hat: kein Mensch in der U-Bahn, dann eilt ein Ungar mit Walkie-Talkie an mir vorbei und schreit mich auf Ungarisch an, ich schreie auf Englisch zurück, dann kommt ein „Metro – no!! Bus! Bus!“ Auf der langen Rolltreppe hoch fuhren dann Dutzende Feuerwehrleute in die andere Richtung an mir vorbei… alles klar. Dann wurde es doch ein Taxi…

And now I’m already back from Budapest… in an amazing 2h48min from Liszt Ferenc airport in Budapest to my couch. It must be a record! Hip-hip-hooray to public transport!! But then it also provided me with an unwelcome surprise upon my Good-bye from Budapest: not a soul down in the subway, then a Hungarian with a radio runs past me and yells at me in Hungarian, so I yell back in English and so he shouts: „Metro – no!! Bus! Bus!“ So up the long escalator again while dozens of firefighters rush down… and it all falls into place. I ended up taking a taxi…

Und dann wieder am Rhein sehe ich gleich die eindeutigen Zeichen: der Weihnachtsmarkt kommt, es ist alles schon geplant!

And then back at the Rhine the signs are clear: the Christmas market is coming, it’s all laid out already!

Barbara

P.S.: Uuiiiihhh! Die Zahl der Follower ist schon auf 8 angewachsen! Und ein, zwei Freebies sind immer noch zu holen 😉

P.S.: Wooooooow! The number of followers has risen to 8 already! And there are still one, two freebies to play for 😉

Kaputt


Heute war nicht mein Tag. Oder vielmehr: es war nicht meine Nacht. Erst konnte ich nicht einschlafen und dann fing die Heizung an zu klopfen, die Ohrstöpsel fielen raus… ich war wie gerädert. Trotzdem bin ich noch mal zum Zentralmarkt. Nach einigen Recherchen bezüglich der Väterchen Frosts (immer in Russland hergestellt) und afghanischer Basarlehre, die andernorts immer wieder aufgefrischt wurde, konnte ich die kleinsten von 4500 HUF (ca. 15 €) auf 2500 HUF (ca. 8,30 €) runterhandeln. Und habe immer noch das Gefühl, abgezockt worden zu sein. Was bleibt?? Der Trip nach Sankt Petersburg muss in Angriff genommen werden.

Today wasn’t my day to shine. Or rather: the night got it off to a bad start. First I couldn’t go to sleep and then the heating system started to make noises, the earplugs kept falling out… I felt like I had been run over by a truck. But I rallied and went to the Central Market again. After some research on the little Jack Frosts (always made in Russia) and bazaar apprenticeship in Afghanistan that underwent regular refresher courses in other parts of the world I was able to beat down the price from 4500 HUF (about 15 €) to 2500 HUF (ca. 8.30 €). And still I feel ripped off. What’s there to do? The trip to Saint Petersburg needs to be planned.

Im Anschluss machte ich mich noch auf den Weg zur Dohány Synagoge, wo ich eine interessante Führung mitgemacht habe. Etwas überrascht war ich von der Orgel – was vom Führer auch mit einem Grinsen bedacht wurde und dem Hinweis, dass es sich um eine reformierte Gemeinde handelt, wo auch einige christliche Aspekte auftauchen. Das Gebäude hingegen ist im byzantinisch-maurischen Stil erbaut… Immer wieder traurig finde ich, wenn Gotteshäuser egal welcher Art von Mauern oder Zäunen umgeben werden müssen, mit Videokameras versehen sind, Polizei davor Wache schiebt und Zutritt nur nach Durschschreiten eines Metalldetektors möglich ist.

I continued on to the Dohány Synagogue and participated in a guided tour. I was surprised to find an organ inside – which the guide commented on with a grin, saying that it’s a reformed congregation and that Christian aspects have been borrowed. The building itself is in Moorish Revival style… I always find it sad, though, when houses of prayer, no matter of what religion, have to be guarded with walls or fences, equipped with video cameras, policemen have to keep watch and access is only possible after passing a metal detector.

Das Parlament war noch auf dem Programm. Aber als ich letztlich davor stand, stellte ich fest, dass ich zu müde war und bin erstmal zurück zum Hotel, um ein Nachmittagsschläfchen zu halten. Danach wieder in Gang zu kommen war fast unmöglich. Aber ich habe es geschafft und es hat sich gelohnt. Erstens habe ich in Fortsetzung des Synagogenbesuchs noch sehr lecker in einer Hummus Bar zu Abend gegessen… und einen kleinen, aber sehr feinen Chocolatier aufgetan, der ausschließlich (direkt) fair gehandelte Kakaobohnen aus Venezuela verwendet und auf strikte Trennung der Sorten achtet, was einen außerordentlichen Gnuss zur Folge hat.

A tour of the Parliament was also on the agenda but when I was finally standing in front of it I realized that I was too tired and went back to the hotel for an afternoon nap. It was almost impossible to get going again afterwards. But I managed and it was worth it. First of all, I was able to continue this morning’s theme when I found a Hummus Bar and had a yummy dinner there… and then I discovered a small but very fancy „chocolatier“ who produces chocolate from fair trade Venezuelan cocoa beans only. They are used to produce „single origin“ chocolates which give their chocolates an exceptional taste.

Dazu habe ich noch den perfekten Weg gefunden, alle drei Tafeln heil nach Deutschland zu bringen und nicht gleich über sie herzufallen. Es gibt ein weiteres Freebie und der Gewinner darf sich aussuchen, welche er möchte! Es sind im Angebot: a) Gianduja, b) Candied Cocoa Nibs soaked in Palinka in Spicy Dark Chocolate und c) Green Spices and Matcha Tea in White Chocolate with Lemon Oil. Alles hängt wieder am Kommentar: bis Dienstag, 15.11.2011 um 18 Uhr MEZ muss unter diesem Eintrag ein Kommentar hinterlassen werden, welches Land das absolute Traumziel ist und warum. Verlosung folgt und der Gewinner wird hier bekannt gegeben. Gewinnerin des „Exotischen Rätsels“ ist Martina, der ich passenderweise gleichzeitig zum Geburtstag gratulieren möchte!

And I’ve found a way to get these three delicious chocolates home in one piece and keep myself from digging into them right here and now. Here’s another freebie and the winner may choose which one they like! The ones on offer: a) Gianduia, b) Candied Cocoa Nibs soaked in Palinka in Spicy Dark Chocolate and c) Green Spices and Matcha Tea in White Chocolate with Lemon Oil. And as usual, it works via leaving a comment until Tuesday, November 15, 2011 6pm GMT+1 underneath this entry, naming the country which is your dream destination and why. I will then raffle it off and announce the winner here. By the way: the winner of the „exotic mystery“ is Martina and I’d like to use the opportunity to send her Happy Birthday greetings!

Viele Grüße aus Budapest!

All the best from Budapest!

Barbara

Nicht vergessen / Do not forget: marzipan freebie! 😉

Muskelkater / Muscle ache

Ja, heute war es entgegen der Vorhersagen bis ca. 15 Uhr bedeckt. Dafür habe ich bemerkt, dass – sollte ich jemals einen Mega-Lottojackpot knacken – meine Investition sich weg von der Bonner Südstadt nach Budapest verlagern wird. Das Objekt oben wäre zu haben. Und liegt am heute gefundenen Lieblingsplatz, dem Kodály körönd. An jeder Ecke steht einer dieser Komplexe, davor Park, in der Mitte die Straße – und Anschluss an die „Kleine U-Bahn“, die gelbe Linie. Wie gut, dass ich die noch benutzt habe: die Haltestellen sind wunderbar gekachelt, haben Holztüren und die Bahn ist tatsächlich klein.

Yes, despite other forecasts it was overcast today, until just about 3pm. But I found the object I would want to invest in – should I ever win a mega jackpot, that is. The building above is for sale and is located on my favorite square, Kodály körönd. Each corner features one of these complexes, a bit of park in front of them, a street going through the middle – and with access to the „small subway“, the yellow line. I’m happy I used it: the stops are wonderfully tiled, there are wooden doors and the trains themselves are really small.

Heute war ich vormittags mal etwas abseits der Touristen-Hotspots unterwegs, entlang großer Durchgangsstraßen, gesäumt von an sich wunderbaren Bauwerken, die aber vielfach in ziemlich schlechtem Zustand waren. Und im Kaufhaus der Durchschnittsungarn, wie es im Reiseführer beschrieben war. Abgesehen von der insgesamt dann doch großen Auswahl war es ein „Goodbye Lenin“-Erlebnis. Ich habe mich nicht getraut, Fotos zu machen…

This morning I was out and about away from the tourist hot spots, walking long and large thoroughfares with huge and as such wonderful buildings which were often in a miserable state, though. And I went to the department store where the „average Hungarian“ goes shopping (quote from the guide). Apart from the rather large variety I felt transplanted into the movie „Goodbye Lenin“. I didn’t dare to take any pictures…

Beim Spaziergang entlang der Andrássy ut kam ich zu diesem „House of Terror“ und habe mich irgendwie vollkommen ignorant gefragt, „na, um welchen Terror geht’s denn hier?“ und kurzfristig entschieden, dass ich dann doch ein Museum von innen sehen werde. Genau dieses Haus war die Zentrale der ungarischen Nazi-Partei (Pfeilkreuzler), nach 1945 Sitz der politischen Polizei. Hier (und später im ganzen Block) wurden hunderte Menschen eingekerkert, gefoltert, getötet. Das Museum ist sehr beeindruckend – erst durch die „Theorie“, dann die „Praxis“ mit erhaltenen Zellen, Folterwerkzeugen, Galgen im Keller. Zu jedem Ausstellungsraum gab es ausführliches Infomaterial auf Englisch, aber die einzelnen Exponate waren leider nur auf ungarisch erklärt.

While walking along Andrássy ut, I came across this „House of Terror“ and found myself wondering, rather sheepishly, „now, what terror is this about?“ and decided to see the inside of one museum after all. It was this particular house that served as headquarters for the Hungarian Nazi party (Arrow Cross Party) and seat of the political police after 1945. Hundreds of people were incarcerated, tortured and killed in this very house (later in the whole block). The museum is very impressive – first through providing „theoretical“ background, then through „practical experience“ of the cells, torture tools, a gallows in the basement. There was extensive English information material in every room of the exhibition but the exhibits as such were only described in Hungarian.

Dagegen ist die Szent István (Sankt-Stephans-)Basilika dann ein Platz zum Durchatmen, auch wenn die Opulenz eigentlich eher erdrückend war. Als ich kam, kreuzten übrigens gerade keine Pilger. Die Kuppel hat einem den Atem verschlagen… die 302 Stufen auf die Spitze auch.

Compared to that the Szent István (Saint Stephen’s) Basilica was a place to take a deep breath or two even though it was actually rather crushing in its opulence. By the way, when I was there, no pilgrims were crossing. The dome took my breath away… as did the 302 steps up to the top.

Wie groß mögen diese Plakate wohl sein? Wenn in dem Haus jedes Stockwerk wie in meiner „Pension“ 31 Treppenstufen hoch ist… wow. Es war auf jeden Fall auch mal Zeit, sich zu stärken – und mich zieht es mehr zu den Süßspeisen der Cafés als zu Gulasch u.ä. Heute war ich im Traditionshaus Gerbeaud (am Ende besagter Gelber Linie), wo ich Somlói Galuska mit Mézes cappuccino tejzinhabbal probiert habe. Beim ersten Teil hilft mir die deutsche Übersetzung auch nicht – Schomlauer Nockerln – und beim zweiten handelte es sich um einen Honig-Cappuccino mit Sahnehaube. Göttlich jedenfalls, diese Nockerln. Es hatte aber auch seinen Preis – aber einmal im Leben sollte jeder im Café mit Kreditkarte zahlen…

How large are those billboards? If there are 31 steps per floor as are in my hotel… wow. It was high time for a snack, though – and I’m drawn to Hungary’s desserts rather than their gulash. I went to Café Gerbeaud today (at the end of said yellow line), and had a Somlói Galuska with Mézes cappuccino tejzinhabbal. With the first one I’m lost even with the German translation… and forgot to write down the English one. The other was a honey cappuccino with whipped cream. Anyway, they were divine, those Somlói Galuska. But they came at a price – but I thought what the heck, everybody should pay at a café with their credit card once in life…

Und dann gibt es hier u.a. auch ein Marzipan Museum… und entsprechende Hersteller. Was mich auf die Idee zur Fortfühung der Feierlichkeiten brachte! Ich verlose eine Schachtel Szamos Marzipanhappen! Es ist ganz einfach: hier einen Kommentar hinterlassen, welcher Form süßer Verführung ihr nicht widerstehen könnt. Und das bis Sonntag, 13.11.2011 um 18 Uhr MEZ. Und noch ist die Deadline für den jecken Freebie nicht gelaufen!

Then there’s also a marzipan museum here… and producers of the same which brought me to continue the celebrations on this blog! I will raffle off a box of assorted marzipan chocolates made by Szamos! And it’s easy: just leave a comment letting us know which is the sweet temptation you cannot resist. The raffle closes Sunday November 13 at 6pm GMT+1. And don’t forget there’s another one that hasn’t finished as of writing this entry!

Beste Grüße aus Budapest!

Sending my best from Budapest!

Barbara