Afghanistan: Pistazien / Pistachios


In der Region ist die jährliche Pistazienernte eine große Sache. Alles wartet mit ständig wachsender Ungeduld darauf, dass die Ernte durch einen Schuss des Gouverneurs offiziell eröffnet wird, um dann zu den noch verbliebenen Pistazienhainen zu eilen.

Seit Montag ist hier die Anarchie ausgebrochen, das Pistazienfest hat begonnen. Wir haben zwar keinen Eröffnungsschuss gehört, aber plötzlich war draußen lautes Getöse zu hören, Hupen und was weiß ich. Der Staff war kaum zu bändigen, LKWs rasten vorbei und insgesamt wahrscheinlich etwa 5000 Esel – und nicht im üblichen müden Trott, sondern in einem Galopp. Es machte den Anschein, als wüssten auch sie, worum es ginge. Alles war auf den Beinen und die Armee hat versucht, den Leuten auf Eseln oder zu Fuß einen Vorsprung gegenüber den Autofahrern zu geben, aber das funktionierte auch nicht wirklich.

This region is known for its pistachios so the harvest is a big deal. Everybody is waiting with increasing impatience for the shot from the governor, which is the official starting sign for each and everybody to haste towards what is left of the pistachio groves.

Anarchy has been reigning since Monday when the pistachio festival started. Even though we did not hear the shot, the sudden noise outside on the streets, honking and whatnot, was a clear sign. The staff was not to be kept at the office, trucks raced past along with about 5000 donkeys – who were not tiredly trotting but actually gallopping. It looked as if even they realized what this was about. It seemed that not a soul stayed at home and the army tried to give people on donkeys or on foot a head start but that didn’t really work out.

Und weil eben eh nichts lief, ließen sich auch die zurückgebliebenen Europäer anstecken…

[Es] hat was von Karneval im Rheinland. Noch am ersten Tag haben [… wir uns aufgemacht], um uns auch mal Pistazien anzusehen. Ich hatte die ja auch noch nie am Baum gesehen. Uns erschienen sie größtenteils noch nicht reif zu sein. Aber in der ganzen Ebene waren Stimmen zu hören, freudiges Gerede, ein Schuss fiel dazwischen auch mal – wahrscheinlich hat sich einer an den falschen Baum gemacht. […] Ich bin mal gespannt, wie sich das in den nächsten Tagen so weiterentwickelt mit der Pistazienjagd. Teilweise haben die Leute schon Wochen vorher am streng bewachten Wald gecampt, um ja zum Startschuss da zu sein.

And because nothing was to be done about it, all the Europeans left behind also caught the bug…

It was like carnival in the Rhineland. It was on the first day already that we went out to have a first-hand look at a pistachio tree, too. I had never seen one before. To our amateur eyes they appeared to be mostly unripe. But happy voices carried across the plain, a shot was heard, too – maybe somebody had taken from the wrong tree. I wonder how this pistachio hunt will develop over the coming days. Some people had camped out near the strictly guarded forest for weeks just to be there right when the harvest started.

Picknicks sind ein bevorzugtes Event in Afghanistan – wahrscheinlich vergleichbar mit der deutschen Vorliebe fürs Grillen – und so wurde entschieden, als Teambuilding-Maßnahme ein Picknick im wieder etwas beruhigten Pistazienwald zu veranstalten.

[Wir sind] aufgebrochen und haben uns zwei Stunden auf bekannt schlechten Straßen bzw. nur unwesentlich besseren Flussbetten Richtung Turkmenistan bewegt. Es war einiges los, riesige Kolonnen Esel und auch Kamele (habe ich also endlich und doch noch gesehen), dick bepackt mit Säcken voller Pistazien. Wir haben uns dann ein schattiges Plätzchen gesucht, den Teppich ausgebreitet und [die ungeduldigen Angestellten erstmal] ziehen lassen. […] Die mitgebrachten Sandwiches waren schnell weg, die Melonen aufgegessen, aber Tee wurde natürlich noch gekocht und damit stieg die Stimmung an, so dass sich die Herren zur Musik aus dem Auto-Tapedeck zum Tanzen aufgefordert fühlten. Das habe ich allerdings von oben beobachtet, da ich zwecks Foto auf einen der uns umrundenden Hügel geklettert bin. Und so auch eine herannahende Kamelkarawane vor die Linse bekam [siehe oben].

Afghanistan’s favorite pasttime are picknicks. I guess the picknick is for an Afghan what a barbecue is for a German. Anyway, we decided to organize a picknick in the now quieter pistachio forest as a teambuilding measure.

We left and moved towards Turkmenistan for about two hours on bad roads and only marginally better river beds. A lot was going on, huge gangs of donkeys and also camels (that I finally did get to see), heavily loaded with bags full of pistachios. We looked for a nice spot in the shade, laid down the rug and let the impatient staff go off harvesting. The sandwiches we had brought were soon gone, as were the melons, but of course tea was made which raised the spirits considerably so that the gentlemen started dancing to the music from the car’s tape deck. I was watching from far away as I had climbed a hill to take some pictures. So it happened that I got a perfect view of an approaching caravan of camels [see above].

Und damit neigte sich meine erster Aufenthalt schon dem Ende entgegen… aber es sollten ja noch zwei weitere – längere – folgen.

And with this my first stay was coming to a close… but two more – longer ones – were to follow.

Barbara

2 Kommentare zu “Afghanistan: Pistazien / Pistachios

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