Apricot, ein Hauch ins Lachsfarbene – so hellorange quasi

In der vergangenen Woche war ich zum ersten Mal seit der Oberstufe (glaube ich??) mal wieder in einem Musical. Zu Weihnachten hatte mir meine Schwester in einem schwer zu verkraftenden Anflug von Kreativität in der Geschenkefindung eine Karte für SPAMALOT geschenkt, dem Musical, das auf dem Film Die Ritter der Kokosnuss von Monty Python aufbaut. Als Fan des Flying Circus und Das Leben des Brian („Wir haben noch ganz vielen HINTEN im Haus!“) war das soweit hergeholt nicht – aber die Ritter hatte ich noch nicht gesehen. Das jedoch holte ich vorbereitend nach… und war nicht wirklich begeistert, eher abgestoßen. Oh je, was sollte daraus werden? Im Musical Dome angekommen, musste meine Schwester entgeistert feststellen, Karten für die letzte Reihe erstanden zu haben. Das machte ihr schwer zu schaffen – bis zu Beginn der Vorstellung entfuhr ihr immer wieder ein kopfschüttelndes „Te! Letzte Reihe…“ Es stellte sich jedoch als Segen heraus, so mit Blick auf die Dezibel. Und dann war ich doch angetan. Vielleicht kam bei mir nach langer Musical-Abstinenz ja auch eine gewisse Naivität zum Tragen, aber das Bühnenbild und alles, was damit zusammenhängt, hat mich fasziniert. Die Show als ganzes hat Stimmung gebracht und das vor vollem Haus mitten in der Woche. Kümmert es die Deutschen nicht oder sind wir einfach noch nicht so weit??

Ein Schnäppchen ignorieren ist einfach nicht der American Way
Joe Queenan

Jane Fonda war seit 1963 nicht mehr auf dem Braodway zu sehen. Folglich hätte man erwarten können, dass das Publikum in Massen die Gelegenheit nutzen würde. Es sieht nicht danach aus. Die Ticketpreise sind schon halb oder noch weiter reduziert. „Warten auf Godot“, mit dem unerschütterlichen Broadway-Fan Nathan Lane in der Hauptrolle, hat noch nicht mal Premiere gefeiert und schon können Tickets ab 24,95$ gekauft werden.
Godot kann warten. Theaterbesitzer nicht. Die Auswirkungen der Rezession machten sich im vergangenen Monat bemerkbar, als 11 Stücke schlossen. Einige, wie die Komödie „Boeing-Boeing“, kam zu einem natürlichen Ende, aber andere waren ein Schock. „Gypsy“, Mit Braodway-Ikone Patti LuPone in der Hauptrolle, wäre normalerweile eine Goldgrube, die mindestens ein Jahr laufen würde. Nach 10 Monaten war Schluss. Das neue Musical von Mel Brooks, „Young Frankenstein“, eine lahme Show, in anderen Zeiten immun gegen Kritiker, war auch ein Reinfall.
Viele von uns haben das kommen sehen. Im Januar 2008 habe ich Tom Stoppard’s raffinierte Show „Rock’n’Roll“ gesehen. Das Haus war weniger als halbvoll. Von da an bin ich ungefähr einmal im Monat im Theater gewesen und habe die wahnwitzig niedrigen Ticketpreise ausgenutzt – ein Chance, die so schnell nicht wieder kommt. Ich habe Ian McShane in einer Neuauflage von „The Homecoming“ gesehen, Ciarán Hinds und David Morse im gut angekommenen Drama „The Seafarer“, Marisa Tomei in einer Neuinterpretation von „Top Girls“ und Morgan Freeman und Frances McDormand in „The Country Girl“. Ich habe nie mehr als 35$ bezahlt.
Ich mag Theater noch nicht mal besonders. Ich bin einfach ein finanzieller Patriot. Ich sehe, wie meine Landsmänner ihre Portemonnaies eng an sich drücken und darauf warten, dass die vier Reiter der Apokalypse herangaloppiert kommen. Ich sehe Feigheit, wo Mut, Schüchternheit, wo Frechheit sein sollte. Es ist einfach nicht der American Way voll in die Bremsen zu treten, ein Wahnsinnsschnäppchen abzulehnen, das Geld in der Tasche zu behalten.
Ich bitte meine Landsleute nicht, Geld für Dinge auszugeben, die sie nicht brauchen. Ich bitte sie, ihr Geld unters Volk zu bringen. Ich bin bereit, meine lebenslange Abneigung gegen Andrew Lloyd Webber aufzugeben. Vielleicht wird die Lage noch so verzweifelt, dass ich mit Enthusiasmus dazu aufrufe, die Musik von Billy Joel und Phil Collins zu kaufen.
Bedenken Sie, dass eine sterbende Musikwissenschaftlerin, die sich mit Beethovens Besessenheit in der Komposition der „Diabelli Variationen“ befasst, nicht die Rolle ist, die Jane Fonda auf den Leib geschrieben wurde. Aber ich werde sie mir trotzdem ansehen.

Originaltext “Ignoring a deal is just not the American Way” von Joe Queenan erschienen in der Kolumne „My two cents“ im Guardian Weekly 27 Feb – 5 March, 2009. Eigene ad hoc Übersetzung.

Und was den Urlaub in dieser Woche angeht fragte man mich schon: „Was machst du im nächsten Urlaub, wenn du alle Zimmer durchrenoviert hast?“ Hm. Wahrscheinlich umziehen. Aber im Ernst, zurzeit würde ich am liebsten dem ganzen Tag im Flur verbringen, fantastisches Licht, wunderbar „warme“ Wände – man muss sich den Frühling halt ins Haus holen, wenn er selber nicht so richtig will. Im schwedischen Möbelhaus meines Vertrauens bekam ich auch einmal alles, was auf meiner Einkaufsliste stand und war dann freudig überrascht, die Expresskassen vorzufinden, an denen man sich selber abkassiert. Die waren mir aus amerikanischen Supermärkten schon bekannt, aber hier fand ich das noch praktischer, denn niemand außer mir wollte sie benutzen – also auch noch ein Einkaufserlebnis ohne Schlangen bis in die SB-Halle! Allerdings auch ohne die obligatorischen Fleischbällchen, denn so allein macht das dann doch keinen Spaß.

Ich musste mich im Laufe der Woche etwas aufraffen, aber als das dann einmal geschehen war, konnte ich das Streichen und PUTZEN der gigantischen Oberlichter über der Wohnungstür (ekligerweise wahrscheinlich das erste Mal seit ca. 10 Jahren, Details auf Anfrage) an einem Tag erledigen. Da nichts ohne Probleme geht, musste ich beim Abmontieren der alten Lampe feststellen, dass das Stromkabel wahrscheinlich vom alten Edison höchstselbst installiert wurde und unter Umständen in nicht allzu ferner Zukunft das morsche Gebälk abfackeln wird. Nachdem ich die Sicherung wieder reingelegt habe, war kein DSL mehr da – der Zusammenhang ist mir weiter unklar. Aber da war ja mal der Waserschaden im Schlafzimmer, nach dem das Telefon im Flur kaputt war. Mysterium Altbau. Also ging ein Nachmittag drauf mit Anrufen bei der pinken Service-Hotline und einem Besuch im „Punkt“, wo mein Router getestet und als noch vollkommen funktionstüchtig befunden wurde. Der Techniker war für zwischen 17 und 20 Uhr angekündigt… und gegen 16 Uhr war auf einmal wieder DSL da. Am folgenden Tag das gleiche Spiel noch mal beim Anbringen der neuen Lampe. Und was macht man nur, wenn aus der Decke drei Kabel kommen, in der neuen Lampe aber nur zwei Anschlüsse sind????? Papa anrufen…

Bevor ich zu den unglaublichen voher-nachher-Aufnahmen komme, noch schnell ein wichtiger Hinweis: sollte sich jemand mit dem Gedanken tragen, den Schuhschrank SANDNES zu erwerben und ohne fremde Hilfe zusammenbauen zu wollen – viel Glück! Aus der Anleitung geht leider nicht hervor, wo oben, unten, links oder rechts ist. Ich war schon der festen Überzeugung, einen unvollständigen Satz erworben zu haben, an dem jemand zusätzliche Bohrlöcher angebracht hatte – nicht ganz unwahrscheinlich, da es sich um das letzte, offensichtlich schon einmal verkaufte Paket handelte… Darüber hatte offenbar schon einmal jemand verzweifelt. Naja, aber hat man das mit den „Himmelsrichtungen“ einmal ausbaldowert, handelt es sich höchstens noch um 129 Schrauben. Alles kein Hexenwerk. Und so sieht es hier jetzt aus:

flur-vorher-nachherÜber den Schuhschrank soll noch eine „Hutablage“ mit Haken… aber die erworbene erscheint mir nun zu monströs.
I was going to put a „hat rack“ with coat hooks above the shoe cupboard… but the one I bought now seems too bulky.

Macht’s gut! Schönes Wochenende
Barbara

Doadazu hätt’ i no’an Split

Die letzten vier Wochen haben meine Geduld auf eine harte Probe gestellt. Mitte Januar warf mich ein Virus darnieder, dann fühlt man sich so la la, spielt den starken Mann und nach einer suboptimalen Woche im Büro liegt man wieder total auf der Nase. Da wird man einen Tag krank geschrieben, dann noch zwei, aber dann muss es doch gehen – auch wenn es vorher hieß „Tja, ein Virus – da können Sie nichts machen außer warten und viel trinken.“ Ich werde wohl nie wieder Husten- und Bronchialtee zu mir nehmen. Mit eisernem Willen habe ich davon zwei Wochen lang jeden Tag 3 Liter getrunken und momentan geht Tee fast gar nicht mehr.

Naja, so liegt man dann eine nichtreparable Vertiefung in seine Couch und dankt den Programmchefs der öffentlich-rechtlichen noch mehr als in einem normalen Winter, dass es 7-stündige Wintersportübertragungen gibt. Und man kann sich gut fühlen: wenn Martina Ertl-Renz den Oberschenkelumfang der besten alpinen Skifahrer misst, man das eigene Maßband rauskramt und feststellt, dass man mit dem ein oder anderen Schweizer mithalten kann – also nichts wie rauf auf die Pisten in Val d’Isère! 😉

Ich kann mir nicht helfen, aber der mir sonst sehr sympathische Co-Kommentator Markus Wasmeier ist fast zur Lachnummer verkommen… Jedes Mal, wenn er ins Bild kam, folgte nach höchstens einem Halbsatz der Hinweis „doadazu hätt’ i no’an Split“ und der Zuschauer wurde mit der nicht mehr ganz taufrischen Darstellungstechnik eines zweigeteilten Bildschirms konfrontiert, wo zwei, meist die führenden, Fahrer direkt verglichen wurden und es des öfteren zu bemerkenswerten Erkenntnissen kam…

Schade nur, dass man derzeit auf Biathlon-Entzug ist – die sind alle in der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften in KOREA. Es erschließt sich mir nach wie vor nicht, warum man da eine WM stattfinden lassen muss. Ich werde definitiv NICHT fit sein, um schon wieder früh morgens herzstillstandverursachende Sportereignisse zu verfolgen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Zuschauer in Massen an die Loipen strömen werden und es ist auch nicht so, dass die Koreaner eine aufstrebende Biathlonnation wären. Dann gäb’s doch mehr Gründe, das ganze in China zu veranstalten.

Naja, so ist man wintersportmäßig zumindest an den Wochenenden versorgt. Unter der Woche kann man dem nachmittäglichen Wahnsinn allenthalben ab 14:45 Uhr entfliehen, denn dann kommt auf dem deutsch-französischen Kultursender immer ein Spielfilm und meist auch noch ein guter.

Oder aber man gibt sich voll und ganz der „social utility“ Facebook hin. Da bin ich ja schon länger dabei, aber wenn man so auf seiner Couch hockt und bei der geringsten Bewegung Schweißausbrüche kriegt, ist es ganz nett, Fotoalben von Freunden aus aller Welt anzusehen, Kommentare abzugeben, Antworten zu bekommen… Auch wenn mich Mails mit dem Hinweis, dass „Snezana Avromov-Atanasovska and Natasa Popovska-Pavlovska also commented on a photo from ….“ eher verwirren. Was interessiert mich das? Mich interessiert, dass ich im online Scrabble einen Bingo für 83 Punkte legen und ein verloren geglaubtes Spiel noch herumreißen konnte – nur um Tage später gegen den gleichen Gegner durch eine (wahrscheinlich fieberbedingte) Unachtsamkeit im letzten Zug einen sicheren Sieg noch abgeben musste. Daran knabbere ich heute noch und es war der Genesung mit Sicherheit abträglich. Dann kann man sich durch das Einrichten seiner eigenen Online-Bibliothek ablenken und teilt der Welt mit, was man von welchen Werken hielt…

Aber jetzt wird’s wirklich Zeit, dass ich wieder auf die Beine und mit meinem WIRKLICHEN sozialen Leben in Kontakt komme… Der Februar ist schon fast wieder halb rum und NICHTS ist gelaufen. Und das, obwohl ich ENDLICH (leider nur vorübergehend) sturmfrei habe!!!! Dabei gab es große Pläne! Ich fühle mich so kaltgestellt, dass ich noch nicht mal die Möglichkeit eines dieser „Sag niemals nie“-Momente im rheinischen Frohsinn ausschließen möchte. Aber nein, vielleicht doch. Ausschließen, meine ich. Ich weiß noch nicht mal, ob es in Bonn Alaaf oder Helau heißt. Und schließlich läuft dann die Nordische Ski-WM und ich habe es im Gefühl: Martin Schmitt wird eine Medaille holen.

Zieh, Martin, ZiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiEEEHHHHHHHH!

Ich bin eine PA in Poppelsdorf, holt mich hier raus! 😉
Grüße von Barbara

Young@Heart


Boston Globe, 09.12.2007

Als hätte jemand einmal kurz mit dem Finger geschnippt, ist nun schon der zweite Advent und ich habe das Gefühl, meine liebste Jahreszeit nähert sich rasant ihrem Ende. Mit dem gestrigen adventlichen Kaffeeklatsch gab es ein weiteres Highlight von Festivitäten „unter’m Baum“ und ich arbeite hart daran, mich davon zu erholen. Gäbe es nicht schon wieder atemberaubenden Wintersport im Fernsehen, läge ich wahrscheinlich noch im Bett!

Am Freitag war ich von leider nur zwei weiteren experimentierfreudigen Menschen ins Kino begleitet worden und Leute: ihr habt einen Wahnsinnsfilm verpasst: Young@Heart


Young at Heart Chor, Foto von Paul Shoul
Young at Heart Chorus, photo by Paul Shoul

Es handelte sich dabei um eine Dokumentation des Senioren-Chors Young at heart aus Northampton in Massachusetts, die sich so ziemlich alle als Klassik-Fans bezeichneten, im Repertoire allerdings ausschließlich abgefahrenste Songs hatten, von Sonic Youth, Coldplay, Bob Dylan und was weiß ich. Seit Freitag habe ich diverse Ohrwürmer, im Moment „Road to Nowhere“ und gestern wachte ich summend auf und wusste noch nicht mal, was ich eigentlich summte… Wer noch die Möglichkeit hat: unbedingt angucken, hier der Trailer als Vorgeschmack – oder guckt euch mal das Video I will survive an. Der Film ist Gott sei Dank im Original mit Untertiteln – wenn man über die Lebendigkeit der alten Herrschaften hinweg synchronisiert hätte… ich mag gar nicht darüber nachdenken.

Derweil sieht man mir den Reibekuchen-Test-Esser offensichtlich an: auf dem Weg zum Kino habe ich den nächsten Stand aufgesucht und war ganz angetan. Geschmacklich vielleicht bislang die besten, aber VIEL zu kross. Somit kommt weiter nichts an den Stand am Sterntor. So stand ich da auf jeden Fall und aß meine Reibekuchen (mit einer großzügigen Portion Apfelmus übrigens) – wie lange kann das dauern? Maximal 10 Minuten, oder? In diesen 10 Minuten wurde ich gleich DREIMAL zu meiner Meinung befragt und einmal um eine Kostprobe gebeten…

Und nun werde ich mal ein paar Geschenkchen verpacken… 🙂
Barbara

Nikolaus!!!!


Boston Globe, 04.12.2008

Der Advent schreitet voran, heute ist schon Nikolausabend! Und ich habe die Schuhe noch nicht geputzt! Aber immerhin schon das Schuhfett besorgt für mein Experiment mit Murphys Gesetz… Das war so… Vor einigen Wochen, vielleicht sogar Monaten, habe ich einen Traum von Winterschuh gefunden, ich will es mal als „rustikale Stiefelette“ beschrieben, obwohl sich das gerade wie ein Widerspruch in sich anhört. Ich war sicher fünfmal im großen Schuhladen in der Innenstadt und habe sie immer wieder anprobiert und immer wieder zurückgestellt, denn sie waren geradezu dekadent teuer. Ganz rational bin ich die Sache angegangen: ich HABE ja noch Winterschuhe, die mir auch sehr gut gefallen – also werde ich da einfach die Absätze erneuern lassen und dann sind die für diesen Winter auch noch gut. Gesagt getan. Eine Woche habe ich die alten Schuhe noch getragen, dann brach die Sohle, in der Mitte durch. Selten habe ich mehr geflucht. Natürlich waren die anderen Schuhe nicht mehr da und auch in jedem einzelnen Schuhladen in Bonn nicht mehr aufzutreiben. Aus Verzweiflung gab ich mal den Namen des Herstellers in eine bekannte Suchmaschine ein – und der erste Treffer war ein Online-Shop, den ich eigentlich nur mit Büchern, manchmal noch mit DVDs verbinde. Und da gab’s sie noch! Zum gleichen Preis! In allen Farben und Größen, die es geben könnte… und dann habe ich sie eben doch noch gekauft – und es bislang auch noch nicht bereut.

Sie machen sich sehr gut dieser Tage, besonders bei ausgedehnten Ausflügen auf den Weihnachtsmarkt und ähnliche Anlässe. Man steht auch noch gut, wenn man sich auf der Suche nach dem passenden Likörchen im Essig- und Öl-Laden von Bratapfel- über Pflaumen- hin zu Schokoladenkirschlikör durchdegustiert hat und feststellt, dass man besser mal wieder den nächsten Reibekuchenstand aufsucht, bevor man weiter macht, denn nach 4 Stunden Shopping stimmt die Basis einfach nicht mehr. Und schließlich müssen wir noch fit bleiben und die ca. 430 Rum-Pilze glasieren, wenn wir heimkommen!


Gestern Abend schlug die Zeit der ersten Glühweinschnitten und danach machte ich eine revolutionäre Entdeckung im Internet: Paket-Porto zum Selbstausdrucken, was den nicht zu verachtenden Vorteil hat, dass ich das Paket dann einfach im Tabakladen um die Ecke abgeben kann und nicht in der Hauptpost 45 Minuten in der Schlange, die bis zum Riesenrad am Beethoven geht, stehen muss.

Diese revolutionäre Entdeckung wurde jedoch überschattet von neuen Enthüllungen zur chinesischen Bildungselite. Man hatte sich zur gemeinsamen Bereitung von Lasagne zusammengerauft und das Gespräch kam auf Frauen mit verrückten Doppelnamen und was Doppelnamen überhaupt sollen. Diese Frage stellt sich mir bei so malerischen Beispielen wie Waldhausen-Apfelbaum oder Leutheusser-Schnarrenberger ja auch immer wieder und erfreut stellte ich fest, dass sich das bei deutschen Biathletinnen nicht so entwickelt hat (auch wenn ich mich Minuten fragte, wer Martina Beck und Simone Hauswald sein könnten…). Aber zurück zur sinologischen Sichtweise. Ich holte dann etwas aus von wegen Emanzipation etc. pp. – das man sich halt irgendwann mal gefragt hat, warum es denn immer der Name des Mannes sein muss. In China behält die Frau ihren Namen (wenn sie will) und für die Kinder erübrigt sich doch die Frage: weil die Kinder doch immer fast ausschließlich die DNA des Mannes in sich tragen! Dann sollen sie doch auch den Namen haben… Ich weiß dann immer nie, wo ich anfangen soll…

Auf ins zweite Adventwochenende!
Viele Grüße von Barbara

Neues aus der Weihnachtswahn-Zentrale


Boston Globe, 07.12.2007

Die Adventszeit ist nun wirklich über uns hereingebrochen, was man an solch wunderbaren Dingen wie siebenstündige Wintersportübertragungen auf den öffentlich-rechtlichen Sendern merken kann… Da sieht man nicht nur verschneite Winterlandschaften aus Nordskandinavien und gerät ins Schwärmen und Darüber-Nachdenken, Karneval in Lappland zu verbringen – ich muss allerdings noch klären, wann die Nordische Ski-WM ist. Die findet in Liberec statt, was mich jetzt nicht so reizt… Aber da 2008 ganz ohne Live-Teilnahmen an einem sportlichen Großereignis vorbeigeht, muss man für 2009 wieder konkreter planen. Also, man sieht nicht nur die verschneiten Winterlandschaften mit den beschriebenen Folgen, sondern konnte auch noch zwischen Plätzchen backen, den Baum besiegen und Karten schreiben mit dem einen oder anderen Deutschen jubeln, lernt entfesselt schreiende, Wikinger-gleiche Norweger kennen, und kann sich darüber aufregen, dass die Gundersen-Methode aus der Nordischen Kombination verschwunden ist.


Der Baum – inkl. Elche und ugandische Krippe
The tree – can you make out the theme??

Der Baum ist FAST fertig. Von 150 auf nun 250 Glühbirnchen aufgestockt trage ich zumeist meine Sonnenbrille, wenn ich am Tisch sitze und weihnachtliche Korrespondenz erledige – naja, so ähnlich jedenfalls. Heute war ich noch auf der Suche nach weiteren Kugeln, konnte aber nicht glauben, dass das, was mir in den beiden großen Kaufhäusern am Platz als Glaskugeln im doppelten Sinne verkauft werden sollte, auch wirklich aus Glas waren. Ich muss mal drüber schlafen. Aber auch jetzt sieht er doch schon ganz gut aus, wenn man ihn sich aus der richtigen Perspektive ansieht 🙂 Neben den ganzen Elchen habe ich auch meine kürzlich in Uganda erworbene Krippe im Baum untergebracht – macht sich doch gut, oder?

Auf meiner Suche nach dem besten weihnachtsmarktlichen Reibekuchen bin ich heute glaube ich einen gewaltigen Schritt weitergekommen. Ich habe die kleine, unauffällige Bude am Sterntor ausprobiert. Da war eine ziemlich lange Schlange. Und man kriegt dort auch NUR Reibekuchen (und die nur „mit“ oder „ohne“, in diesem Fall Apfelmus) oder gerade noch eine Bratwurst. Aber letztere gingen nicht gut. Jedem, der neu zur Schlange stieß, rief die Grill-Verantwortliche zu: „Bratwurst?“ Und bekam jedes Mal zur Antwort: „Reibekuchen!“ Es wurde schon ein running gag – irgendwann schlug sie wartenden Kunden vor, doch eine Bratwurst als Vorspeise zu nehmen, was aber nicht aufgegriffen wurde. Die Reibekuchen-Kollegin meinte, die können wahrscheinlich die ganzen Würste abends wieder mit nach Hause nehmen. Aus lauter Verzweiflung aß die Dame vom Grill dann selber eine – ein Werbe-Coup wie mir schien, denn nur wenige Augenblicke später wurde die erste Bratwurst bestellt… Jedenfalls waren die Reibekuchen gut, wenn auch vielleicht einen Hauch zu pfeffrig.


Kreative Weihnachtsbäckerei
Creative Christmas bakery

Gestern kam es zu einem großen Back-Event in meiner Küche, zu dem ich mich kurz entschlossen am letzten Freitag mit einer Plastiktischdecke ausgestattet hatte. Kluger Schachzug. Ich hatte Besuch von einer Kollegin und ihrem 5-jährigen Sohn und wir haben unter Führung des Chef-Bäckers wie die Wilden Teig geknetet, ausgerollt und dann alle möglichen Formen ausgestochen – Sterne, Kleeblätter, Tannen, Herzen, Schaukelpferde, Teddybären und was weiß ich noch… Der kleine Künstler entschied sich dann für lila und grünen Zuckerguss zu den bunten Streuseln. Ich muss sagen: die Dinger schmecken auch noch!

Der Advent lässt sich gut an!
Barbara

Der Baum kommt!


Boston Globe, 27.11.2008

Das erste Adventswochenende ist da!! Die Eröffnung des Weihnachtsmarkts in der Woche zuvor schockte mich noch, aber jetzt bin ich schon mittendrin statt nur dabei. Die ersten Plätzchen sind gebacken (endlich habe ich die berühmt-berüchtigten Wespennester nach althergebrachtem Rezept aus dem Münsterland mal ausprobiert – und das erfolgreich!) und die Weihnachtsdeko steht kurz vor ihrer Vollendung.

Gestern begann es mit der Lieferung des Baums. Ja: LIEFERUNG! Das war in diesem Jahr ein ganz besonderes Unterfangen. Über Wege, die zu erklären zu weit führen würde, wurde mir eine Nordmann-Tanne beliebiger Größe geschenkt… und eben kostenlos nach Hause gebracht. Bestellt hatte ich also, für meinen Altbau mit etwa 3,60m Deckenhöhe, eine hoffentlich wunderschöne Tanne à 2,50m. Schon als sie jedoch geliefert wurde, sank mir das Herz in die Hose: sie hatte gigantische Ausmaße und ist, wie sie nun da steht, gerade mal 20cm von der Decke entfernt. Eigentlich perfekt, nur ist mein Wohnzimmer weiterhin außerdem mein Esszimmer und mein Arbeitsraum und ich hatte mir ursprünglich vorgestellt, auch mal mit mehr als einer Person außer mir die weinachtliche Stimmung zu genießen. Da stand sie dann, beim ersten Versuch vollkommen aufrecht im Ständer, und mir entfuhr ein ungläubiges Lachen und kurz zweifelte ich, ob ich dieser Herausforderung gewachsen sein würde.


Der Baum, erster Tag
The tree, day one

In Ermangelung einer Säge (HALLO: Wunschzettel!!!!!) musste ich den allerausladensten untersten Ast mit einem Tomatenmesser absägen, was erstaunlich gut funktionierte und den Tomaten nun ein herzhaftes Harzaroma verleiht. Meine übliche 150-Birnchen-Lichterkette stellte sich alsbald als unzureichend heraus; leider ist das Werk auch mit einer zugekauften 50-Birnchen-Kette nicht vollendet. Ebenso abzusehen war, dass die vorhandenen Kugeln und Elche aussehen würden wie gewollt und nicht gekonnt – also musste ich auch in diesen Bereich investieren. Und muss ich auch noch weiter… Aber so läuft das dann, wie ich das in meiner amerikanischen Gastfamilie dereinst kennenlernte: der Baum wird am ersten oder spätestens zweiten Advent aufgestellt (im Falle besagter Familie ein 5-6 metriges Monstrum, das wir zuvor höchstselbst in den dunklen Wäldern westlich von Boston geschlagen hatten) und bis Weihnachten immer weiter geschmückt. Noch heute sehe ich meinen Gastvater über die Balken unter der „Zimmerdecke“ balancieren und die obersten Dekoarbeiten vornehmen. Bei mir war es nun die Gott sei Dank im Rahmen der Küchenrenovierung angeschaffte 6-Tritt-Leiter.

Mal sehen, wie das alles nun voranschreitet – ich komme mir schon hier und da ein bisschen größenwahnsinnig im Stile der verrückten amerikanischen Weihnachtsfilme vor, oder auch wie der häufig zitierte Heimwerkerkönig. Doch keine Angst: ich werde Abstand davon nehmen, leuchtende Plastik-Elche auf’s Dach zu stellen und noch hält die Sicherung die Lichterketten. Ich erhoffe mir von dieser Illumination den Verzicht auf weitere Beleuchtung und vielleicht auch Heizung, wenn dann wahrscheinlich 250 Birnchen vielleicht genug Wärme abstrahlen!!

Einen schönen ersten Advent wünscht
Barbara

November Action


Herbstlicher Blick aus unserem Küchenfenster
View from our kitchen window in fall

Hier sind sie wieder, die kalten, regnerischen Tage, die zur Heimeligkeit in den eigenen vier Wänden einladen… Aber es gibt auch die Tage, die unseren Innenhof so fantastisch aussehen lassen!

Manchmal jedoch, Regen oder Sonne, muss man auch Dinge außerhalb dieser Wände erleben, sonst entwickelt man ziemlich abgefahrene Krankheitsbilder, wie ich innerhalb dieser Wände erfahre. Wie auch immer: ich habe es geschafft! Ich war auf dem St. Martinszug in Dottendorf und muss sagen: Geil! Es war der Tipp der Herbstsaison. In Dottendorf ist es nämlich so, dass man erstens über Straßenzüge voller Fachwerkhäuser verfügt und die Leute lieber mittendrin statt nur dabei sind. Die weitaus meisten Häuser sind mit Laternen und/oder Windlichtern geschmückt, manche Häuserfronten sind dazu noch mit papiernen Martinsgänsen beklebt. Ein Innenhof, in den man durch die Einfahrt gucken konnte, war mit sicher an die 50 Laternen geschmückt und man steckte mir, dass dort die Erwachsenen „schnörzen“ gehen, denn dort gebe es keine Süßigkeiten, sondern Glühwein. Eine Kollegin hatte glücklicherweise ihre Tochter und deren Freundinnen als Alibi-Kinder zur Verfügung gestellt, so dass ich mir mit meiner kurzfristig angeschafften Frosch-Laterne nicht total dämlich vorkam. Das Highlight war der Anblick der Montessori-Schule, in der man sich nämlich seit Menschengedenken die Mühe macht, alle Fenster komplett mit bunten Transparentpapieren zuzukleben und dann das Licht in allen Räumen brennen zu lassen, so dass man quasi an einer riesigen Fackel vorbeiläuft – was für Anblick! Schlussendlich konnte ich dann auch noch feststellen, dass es sich beim hier eingesetzten Pferd nicht um das gleiche handelte, das seit dem 5.11. in regelmäßigen Abständen abends an meinem Haus vorbeiklapperte, wohl immer auf dem Weg zu einem Einsatz in einem anderen Stadtviertel…

Aber ich sorge auch für Action für andere. Gerade hatte ich mein Fahrrad von der Radstation abgeholt und dachte noch, „Mensch, heute biste aber wirklich langsam unterwegs.“ Schnell genug jedoch, um nur aus dem Augenwinkel das ETWAS von links unter den Mülltonnen herüber rennen zu sehen. Noch bevor ich „Öh…?!“ zu Ende denken konnte, verfing es sich in den Speichen des Vorderrads – FLAPP-FLAPP, wurde herausgeschleudert, etwas schnürsenkelartiges wickelte sich für Sekundenbruchteile um meinen linken Knöchel, dann geriet es für eine Viertel Umdrehung in die hinteren Speichen, FLAPP-FLAPP, und landete dann verdattert auf dem Weg… Tags rennen die Ratten noch.

Action im Sinne von Zelluloid stand auch unerwartet wieder an. Eines unschuldigen Morgens sitzen meine Kollegin und ich im Büro, als der dritte im Bunde hinzukommt und nonchalant in einem Nebensatz verkündet, „Ach, gleich kommt wieder so ein Fernsehteam, da sind wir wieder gefragt.“ Etwas irritiert fragten wir „WIR? Du meinst, du gibst ein Interview?“ – „Nein,“ erwiderte er, „die wollen uns bei der Arbeit filmen.“ Ich malte mir schon aus, wie mir einer die Kamera über die Schulter hält während ich Zahlen von einer Excel-Zelle in die andere schiebe und hielt die dadurch zu erzeugende Spannung für das Durchschnittspublikum nicht für geeignet, als sich herausstellte, dass es eine „Besprechung“ sein sollte. Nun ja, die Details sind nebensächlich. Irgendwann tauchte das Team auf und ich sagte nur, „Ach, da kenn’ ich aber einen!“ und begrüßte den Kameramann, der nicht unerheblich zur Entscheidung meine Küche zu renovieren beigetragen hatte. Er fand sie ja damals „so schön alternativ“, was mir irgendwie nicht in den Kram passte. Wie schön, dass ich gerade an diesem Tag, einmal in ca. 2 Jahren, meinen riesigen Norweger-Pulli anhatte…. Wesentlich ALTERNATIVER hätte ich kaum rüberkommen können. Ich musste bei dem Gedanken daran, dass ich dieses Gütesiegel nun wahrscheinlich nie wieder los werde die ganze Zeit an mich halten, um nicht laut los zu lachen. Aber so arbeite ich eben an meinen warhol’schen 15 Minuten des Ruhms. 3,15 oder so habe ich jetzt schon zusammen! 🙂

Und da ich nun das Ergebnis dieses Drehs ansehen werde, verabschiede ich mich für heute! Alles Gute!
Barbara

Born to gossip – 15 Jahre Kaffeeklatsch

So richtig bewusst war es uns nicht. Wie so oft bei unseren mehr oder weniger regelmäßigen Treffen machten wir ein Gruppenfoto. Dann fragte einer: „Weißt du noch, wie wir dir damals das T-Shirt mit unserem Foto zum Abschied geschenkt haben? Wann war das?“ Das war 1994. Aber da hatten wir ja schon einiges an Routine entwickelt. Ja, wir könnten doch nochmal ein T-Shirt machen! Naja, das zieht man dann eh‘ nicht an. Aber eine Tasse? Also haben wir uns unsere Jubiläumskaffeeklatsch-Tassen machen lassen und dabei festgestellt, dass wir in diesem Jahr unser 15-jähriges Jubiläum zu feiern haben, denn 1993 fing der Wahnsinn an 😉


Die Kaffeeklatschler
The coffeeklatsch girls

Ich denke, wir werden noch einige Jährchen immer wieder gern zu Gesprächen, die die Welt bedeuten, zusammenkommen:

K1: „Ich muss ja zugeben, ich gucke immer noch McLeod’s Töchter!“
K2: „Aber klar doch – aber die Leute wechseln so oft.“
K3: „Also, ich weiß nicht, die Serie hat doch nur ein Thema! Entweder macht einer einer einen Antrag oder es wird geheiratet oder sie sind in Flitterwochen…“
K2: „Ja, das stimmt. Oder sie sterben.“
K1: „Oh Mann, ja – das war ja tragisch mit Lucy, hat mir echt leid getan.“
K2: „Hmm. Und dann gibt es eben immer wieder neue Familienangehörige – wegen des Titels ja auch! Eine ist in Argentinien, eine ist gestorben und Jody ist jetzt im Zeugenschutzprogramm…“
K4 verschwörerisch zu K3: „ZEUGENSCHUTZPROGRAMM! 😉 “
K3 augenzwinkernd zu K4: „Wenn sie da wieder rauskommt wird unter Garantie geheiratet!“
K1: „Ja genau und jetzt kommen irgendwelche Cousinen ins Spiel.“
K2 zu K3: „Hast du nicht mal ein Fernsehprogramm da?“
K3 holt das Programm, es wird geblättert
K2: „Oh mein Gott! Am Montag landet Grace mit ihrem Auto im Fluss! ‚Von Riley fehlt nach dem Unfall jede Spur.'“
K3: „Sag ich doch: heiraten oder sterben!“
K1: „Ja und weiter??? Dienstag, Mittwoch, Donnerstag…?
K2: „Dienstag: ‚Bei Grace reißen alte Wunden wieder auf, als sie ein Foto von Heath und seiner neuen Lebensgefährtin sieht.‘ Mittwoch: ‚Stevies Freundin Sharon taucht auf und organisiert illegale Wetten für das anstehende Distanzrennen.'“
K3: „Ja, das ist auch noch ein Thema: Pferde und Kühe.“
K2, unbeeindruckt: „Donnerstag: ‚Kate wird klar, dass sie ihr Leben ändern muss. Ein Gespräch mit Pater Dan öffnet ihr die Augen.'“
K4, sarkastisch: „Ach Herrjemine, jetzt auch noch Dornenvögel?!“
K1: „Und Freitag?“
K2: „Hm, da steht nichts dabei, dafür gibt es mehr Infos zu Wildes Wohnzimmer.“
K1: „WAS? Wie soll ich das überstehen?!?!“

Unser nächster Termin steht fest und hat ein weihnachtliches Thema. Wo der Kaffeeklatsch dann stattfinden wird, sollte klar sein… 😉

Einen guten Start in die Woche wünscht
Barbara

Meine neue Küche XXL – die Doku-Soap aus Poppelsdorf, Teil 5

In der letzten Woche war der Blog weniger täglich, es war einfach zuviel los. In der Zwischenzeit war ich selbst 2x im schwedischen Möbelhaus meines Vertrauens und habe mir weitere Teile von 2 weiteren Touren im Verwandten- und Kollegenkreis mitbringen lassen. Alles habe ich immer noch nicht, aber da die fehlende Schubladenblende nun angebracht ist und ich beruhigt auf Dienstreise gehen kann ohne befürchten zu müssen, dass die Schublade nach meiner Rückkehr total versifft ist, ist der wichtigste Teil erledigt…

Die Hängeschränke hängen noch – da war ich noch am gesamtdeutschen Feiertag, sicher zur Freude aller Nachbarn, mit zwei Freunden aktiv. Er bohrte, ich hielt den Staubsauger an die Wand, sie nahm Maß und schwenkte die Wasserwaage (technische Zeichner haben da so einen Genauigkeitsfimmel… 😉 ). Die Dübel Made in China haben uns den letzten Nerv gekostet – den Rest der Packung habe ich nach Beendigung unserer Arbeiten der Mülltonne übergeben und spreche hiermit eine eindeutige Empfehlung für die Qualitäts-Produkte aus dem Schwabenland aus, die können wirklich alles außer Hochdeutsch.


Die Arbeitsfläche und der Gecko…
The countertop and the gecko…

Die Hängeschränke haben eine beachtliche Höhe und die obersten zwei Fächer sind auch mir nur mit Hilfe eines Stuhls zugänglich. Da habe ich all das untergebracht, was nicht in falsche Hände geraten soll… funktioniert bislang. Auch wenn mich die „Schubladenelemente“ den allerletzten Nerv gekostet haben, so bin ich nun doch so begeistert, dass jeder zukünftige Unterschrank AUSSCHLIESSLICH mit Schubladen versehen sein wird. So was Wunderbares. Ich ertappe mich immer noch dabei, mit leuchtenden Augen und seligem Grinsen die Schubladen sinnlos auf- und zuzuschieben. Wenn ich nicht einfach auf einem der Stühle sitze und den Blick über mein Werk schweifen lasse. 😉 Die Küche wird damit für mich zum bevorzugten Aufenthaltsort und der Gecko zieht mich immer wieder in seinen Bann.


Die Lichtverhältnisse in dieser Küche werden nie ideal sein… aber dafür das Fenster bald geputzt 😉
Light(ing) will never be perfect in this kitchen… but soon the window will be clean at least 😉

Wenn ich von der Dienstreise, die nun erst am Mittwoch beginnt und Kongo aus aktuellem Anlass (mehr hier oder auch hier) nur als Thema und nicht als Ziel hat, zurückkehre, kann ich mich dem bis dahin sicher eingegangenen Basilikum zuwenden und sowohl ihn ersetzen als auch seine beiden Kollegen, wahrscheinlich Schnittlauch und Thymian, in meinen neuen Kräutergarten über der Spüle holen. Wenn ich an diesem Wochenende noch Nerv habe – das Werkzeug ist vorhanden – begebe ich mich vielleicht noch mal an die Aktion „Wir hängen die Kühlschranktür um.“


Aufgewertetes Poster
Poster as a new focus

Wichtige Elemente der alten Küche sind aufgewertet und wieder integriert worden, wie z.B. das Religionen der Welt-Poster. Der Biene-Maja-Kalender ebenfalls, allerdings etwas versteckt hinter der Tür. Die Martinslaterne harrt ihres Einsatzes im November. Ich hoffe, ich schaffe es EINMAL, zum Martinszug in Poppelsdorf auch dort zu weilen.

Mal sehen, was das Wochenende noch an interessanten Konversationen zu bieten hat. Gestern Abend entspann sich etwa folgender Dialog:

S: „Wie nennt man eine Frau, die noch keinen Sex gehabt hat?“
B: „Jungfrau.“
S: „Okay. Also ich habe diese Freundin, die ist keine junge Frau mehr…“
B: „JUNGFRAU. Sie ist keine JUNGFRAU. Nicht junge Frau, das ist allgemeiner und rein altersabhängig.“
S: „Okay. Also ich habe diese Freundin, die ist keine Jungfrau mehr, aber ihr Freund, der ist noch Jungmann…“

Leute, kommt mich doch mal auf einen Tee oder was in meiner neuen Küche besuchen… dann im November. Ich bin nämlich jetzt FERTIG 😉

Bis bald
Barbara

Meine neue Küche XXL – die Doku-Soap aus Poppelsdorf, Teil 4

Upps, jetzt ist es schon Tag 4 der Renovierung und selbst der ist fast vorbei! Gestern gab aus fernöstlichen Gründen kein Update, weil auch nicht so viel lief, wie geplant: meine Mitbewohnerin hatte Geburtstag. Wie bereits erwähnt, hatte sich dazu der Überraschungsbesuch aus London eingefunden – ein sympathischer junger Mann, der weiß, wie man Frauen für sich gewinnt: mit Pralinen von „BUTLERS – Purveyors of happiness“ (Lieferanten des Glücklichseins – da hat es einer verstanden!). Typisch in diesem Falle auch, dass ihm an Frauen weniger gelegen ist… Mit ihm jedenfalls waren wir am Montag Abend noch Kölsch probieren und Mittwochmorgen, am Geburtstag, habe ich mich dazu hinreißen lassen, ein Geburtstagsfrühstück auszurichten – UM NEUN UHR! Hier wird aufgestanden 🙂 Dieser Ansatz wurde dadurch begünstigt, dass ich noch zu IKEA musste und nicht erst gegen 15 Uhr frühstücken konnte – wo auch der Besuch schon wieder im Zug Richtung Wahlheimat saß. Richtig interessant jedoch wurde es abends, da sind wir chinesisch essen gegangen: das Geburtstagskind, zwei Freundinnen, zwei chinesische Herren – und ich. Das war eine für mich sehr wichtige Erfahrung, denn es gibt sie, die Chinesen, die wissen wo Ruanda liegt. Auch wenn sie sich ob ihrer angeblich unzureichenden Deutschkenntnisse entschuldigen mussten, seit der Abgabe ihrer Diplomarbeit „leider kein Deutsch mehr gewendet zu haben“. Habe ich in letzter Zeit auch seltener. Einer der Herren hat eine deutsche Freundin und ließ dunkel durchklingen, dass es schwierig sei – zu viele Regeln. Die weibliche Riege aus Fernost wollte wissen, was das denn für komische Regeln seien, aber er ging nicht näher darauf ein. Dann entschuldigte er sich, nahm den anderen Herren mit zum Buffet und ich wurde gelöchert. Was das denn wohl für Regeln sein könnten? Ohne zu zögern entfuhr mir: „Im Sitzen pinkeln und den Deckel danach runtermachen.“ Großes Entsetzen, Sprachlosigkeit. Die Buffet-Besucher kamen wieder und eine lebhafte, mir nicht verständliche Diskussion entbrannte – ich hatte Recht. Ein chinesisches Wort kann ich mir nun auch merken, es fiel so oft: „bag wa“ [Transkription wahrscheinlich falsch]. Das heißt soviel wie „neugierige Tratschtante“ und wurde bevorzugt für meine Mitbewohnerin verwendet.

Aber kommen wir noch mal zur Renovierung. Bis Dienstag lag ich also im Plan, danach ging es stark abwärts. Heute habe ich versucht aufzuholen, was mit Blick auf einen zweiten, VIERSTÜNDIGEN Besuch bei IKEA ein Gewaltakt war, aber er ist gelungen. Was mich allerdings nicht davon abhalten wird, in der kommenden Woche erneut noch Köln-Godorf zu fahren, denn für die oberste meiner neuen Schubladen fehlt angekündigt die Blende (und die fantastische neue Bettwäsche war auch ausverkauft!). Nicht angekündigt hatte ich beim ersten Versuch keine Griffe für die neuen Schränke besorgt… nebensächlich. Den Hochschrank habe ich mit einer motorisch und logisch herausgeforderten Chinesin zusammengebaut und ich kann nun versichern: ich bin bereit für das angedachte vorweihnachtliche Plätzchen backen mit 5-jährigen, ich habe definitiv die Geduld dazu… Das ist der Stand heute Abend, 22 Uhr:


Die neuen Schränke… sieht aus, als bräuchte ich auch einen neuen Herd…?
The new cabinets… looks like I needed a new stove, too…?

Der Schrank mit den drei Schubladenelementen war ein Nagel zu meinem Sarg, fehlende Blende hin oder her. Er hat mir den unumgänglichen IKEA-Moment beschert: Schubladenschienen 87mal aus- und wiedereinbauen, weil es irgendwie nie passt und es bei der mittleren DANN merken, als die Schublade schon eingerastet war und sich nicht überzeugen ließ, wieder rauszukommen. Als ich schon dabei war, sie rückschreitend wieder komplett auszubauen, stellte ich dann fest, dass es vielleicht auch geht, während sie noch drin ist… Daran habe ich Ewigkeiten rumgebaut (insgesamt 4 Stunden), die anderen flutschen wie nix. Deswegen werden die Hängeschränke morgen auch schnell von der Hand gehen. Wenn ich dann noch einen finde, der mir vielleicht Montagabend (oder auch am frühen Nachmittag des Feiertags?!?!?) beim Aufhängen hilft, ist auch das geschehen.


Das Wand-Tattoo mit einem dreiteiligen kongolesischen Kunstwerk aus Butembo
The wall tattoo with a three-piece work of art from Butembo, DR Congo

Als mich das Schubladenelement in den Wahnsinn zu treiben drohte (und auch die Lieferanten des Glücklichseins keine Erleichterung brachten), bin ich in eine Ersatzhandlung verfallen und habe mich schon mal um Deko gekümmert. Ich bin ganz angetan von diesem Wand-Tattoo, muss ich sagen. Als ich es gekauft habe, habe ich lange überlegt, ob überhaupt und wenn ja welches. Dieses wird sehr gut zum Stoff der Vorhänge passen, die ich hoffentlich am Wochenende noch nähe. Es wird ja schon alles knapp, wenn ich dann Montag in einer Woche wieder in den Kongo aufbreche.

So, ich glaube mich ruft jetzt das Bett!
Barbara

P.S.: Vor einigen Wochen zum Thema Car-Sharing noch (wahrheitsgemäß) versichert, dass ich noch nie nicht das Auto bekommen habe, das ich haben wollte, wurde ich ausgerechnet in dieser Woche eines besseren belehrt… der Berlingo war komplett für die Herbstferien gebucht, jemand ist damit in Urlaub. Gott sei Dank ließ es sich bei einer Freundin einrichten, dass ich ihr (großräumiges) Auto kurzfristig leihen konnte…