Eine Hochzeit und kein Todesfall

Mit dem Fahrrad unterwegs am Rhein

Mit dem Fahrrad unterwegs am Rhein


Woche Nummer fünf liegt hinter mir… und man kann wohl sagen, dass es eine der schwereren war. Zwei Termine waren dazu prädestiniert, mein Vorhaben zu torpedieren: einmal aus Essen gehen mit einem neuen Kollegen (gutbürgerlich, zum Kennenlernen der deutschen Küche) und die erste Hochzeit dieses Sommers.

Die Zahl derjenigen, die diese „Lebensform“ schon einmal ausprobiert haben und mir das mitteilen, steigt ständig. Eine fühlte sich berufen, wieder anzufangen, nachdem ich dazu blogge, eine weitere überlegt sich, das einmal auszuprobieren (ich muss noch Detailinfos liefern) und eine dritte hat den Schritt am Freitag gewagt: angemeldet. Und wenn der Fitness-Level hoch genug ist, möchte diese Person mich auch auf den Radtouren begleiten. Dann kann ich mich auch nicht mehr rausreden! Ich freue mich drauf und hoffe, es zeitigt baldige Erfolge.

Auch in dieser Woche habe ich wieder interessante neue Dinge gekocht – eine feurige Chinakohlpfanne (bei mir nicht ganz so feurig), den fruchtigen Hähnchenbrustfilet-Salat und vieles mehr. Mein Lieblingsnachtisch, der eigentlich ein Snack ist, bleibt jedoch die Cappuccino-Creme. Und in dieser Woche ist mir zum ersten Mal was schlecht geworden. Ich hatte viel früher schon damit gerechnet, denn man hat so viele Lebensmittel gleichzeitig auf Vorrat und angebrochen. Ein Broccoli und ein halber Becher saure Sahne mussten vernichtet werden. Was einfach nicht schlecht wird, ist der fettreduzierte Käse – was ja an sich schon ein Widerspruch ist. Und den mag offenbar noch nicht mal der Schimmel. Die Packung ist fast seit dem ersten Tag auf und der Inhalt immer noch wie neu.

Aber nun zur Woche. Es fing alles ganz gut an auf dem Ausflug in die Gutbürgerlichkeit. Nachdem ich die gesamte Karte inklusive des Eisbeins, des Husarenschnitzels, der Holzfällerpfanne und des Rindergulaschs mit Rotkohl in ein Mischmasch aus Englisch und Französisch übersetzt und der Gast sich für das Eisbein entschieden hatte, war es an mir meine Wahl zu treffen. Es gab auch fünf Salate. “Gut,” dachte ich, “nehme ich doch einfach einen Salat Nizza, der hat fünf Punkte – wenn er groß ist, vielleicht sieben. Aber es bleibt übersichtlich. Salat Nizza. Ja, genau! Ich nehme den Salat Nizza!” Dann kam der Kellner und fragte nach unseren Wünschen und ich antwortete ohne mit der Wimper zu zucken: “Ich nehme die Steakpfanne.” Und dann war es passiert. Davon habe ich mich bis Samstagmorgen nicht erholt…

Und Samstag stand dann die Hochzeit auf dem Programm. In der Vorbereitung wurde alles extrem hektisch. Kurzfristig entschieden eine Freundin und ich noch, die allseits beliebte “Luftballonaktion” zu starten und es war an mir, die Postkarten dafür vorzubereiten. Außerdem wurde am Donnerstag offenbar, dass die Braut noch 120 verzierte Muffins brauchte – das haben wir Freitag nach der Arbeit noch eingeschoben. Was aber auch hieß, dass am Samstagmorgen noch übrig blieb, das Geschenk zu verpacken, die Karten zu kopieren und zu schneiden, eine Rose zu besorgen, allgemein einkaufen zu gehen, den Friseur aufzusuchen usw. Abfahrt: 12 Uhr. Noch vor 10 Uhr den Wocheneinkauf erledigt, besorgte ich die Rose, die Zellophanfolie für das Geschenk, spielte nebenher noch Lotto und kam um Punkt 10 Uhr zum Copy-Shop. Dort las ich zu meinem Entsetzen, dass selbiger im Sommer Samstags zu hat. Da hatte ich einen ersten Hugh Grant-Moment und wurde laut ausfallend. Ich eilte ans andere Ende unseres Stadtteilzentrums, wo meines Wissens ein weiterer Laden mit Kopierer zu finden war. Richtig – doch leider hatte auch er im Sommer Samstags geschlossen. Der Schweiß trat mir auf die Stirn, 10:15 Uhr. Schon an der Bushaltestelle Richtung Innenstadt entschied ich anders und suchte einen Internetkiosk auf – der hatte auch einen Kopierer. Es dauerte so seine Zeit, den Eigentümer vom Prinzip der Postkarten zu überzeugen – aber er schaffte es dann doch. 10:45 Uhr. Zuhause in aller Eile das Geschenk verpackt, Fotoapparat klar gemacht… 11 Uhr. Kurz Luft geholt und entschieden, den Friseur einfach zu vergessen, dafür aufzuhören zu schwitzen, umziehen und easy, easy, easy. Um 11:15 Uhr musste ich dann leider feststellen, das die Hose, dich ich schon vor einigen Monaten gekauft hatte, nun doch allen Ernstes schon wie ein Sack an mir hängt, wunderbar. Eine Wahl gab es nicht mehr, also musste sie trotzdem angezogen werden… Herrgottsakra. Um 12 rollte die Freundin vor und wir machten uns auf den Weg – die Baustellen an der Strecken verursachten unerwartet KEINEN Stau, so dass wir schon fast eine Stunde vor der Trauung an der Kirche waren. Was machen? Direkt nebendran war ein Friseur… also habe ich das dann dort noch nachgeholt (“Guten Tag, ich bin hier zu einer Hochzeit nebenan – ich habe noch 50 Minuten. Können Sie da was machen??”)

Für die Hochzeit habe ich mir die höchstmögliche “freie Punktzahl” eingetragen, 99, und gegessen, worauf ich Lust hatte – inkl. Mousse au chocolat, Hochzeitstorte und in Öl eingelegter Tomaten (unter vielen anderen). Mein Verdauungstrakt hatte damit etwas Schwierigkeiten, ist einfach nichts mehr gewöhnt, die Memme, aber es hat Spaß gemacht! Das Ergebnis war dann, dass ich meinen Level von der vergangenen Woche exakt gehalten habe:

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Das verbuche ich unter den genannten Bedingungen als Erfolg. Nun muss ich jedoch zum Ende kommen. Vollkommen unerwartet konnte ich mich auch heute zu einer Fahrradtour aufraffen und bin dadurch wieder etwas in Zeitmangel geraten, was die Abendplanung angeht. Mein Wohnzimmer wird jeden Tag chaotischer und die Lieferung meines neuen Netbooks heute trägt auch nicht gerade zur Verbesserung der Lage bei… Aber so sitze ich hier und tippe darauf und es geht erstaunlich gut. Doch Schluss jetzt! Macht’s gut und bis bald!

Barbara

Der Tag der Wahrheit

Montag ist immer der Tag der Wahrheit; nun also Butter (oder Halbfettmargarine?) bei die Fische. Ich habe in vier Wochen unter den Gewichtsbeobachtern 6,9 kg abgenommen. Das ist mir schon fast unheimlich. Wobei man allerdings auch sagen muss, dass ich das Startgewicht mit einer anderen Waage gemessen habe, da ich selbst noch keine hatte. Wer weiß, wie verlässlich die war. Total verlässlich sind 4 kg in drei Wochen. Auf jeden Fall sehe ich das erste 5-kg-Ziel hiermit als erreicht an! Und damit das ganze auch noch einen leicht wissenschaftlichen Zug bekommt, hier auch noch auf Anfrage eine Gewichtskurve (musste ich drucken und scannen, irgendwie habe ich keinen Weg gefunden, die Grafik direkt einzufügen…).

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Was die Belohnung für 5 kg angeht hielten sich die Vorschläge ja in Grenzen. Eine CD finde ich gut – aber ob es die Best of MJ wird, weiß ich noch nicht. Klamotten muss ich mal sehen… es soll ja noch mehr runter und wenn ich dann jetzt schon Winterkram kaufe…? Auf jeden Fall habe ich drei bestimmte Shirts rausgekramt, die NOCH NIE gepasst haben, zwei davon waren ein Geschenk. Das wird dann der ultimative Erfolg sein… Genau genommen habe ich mich am vergangenen Samstag schon selbst belohnt, ganz zufällig. Ich war im Büroartikel-Haus meines Vertrauens, eigentlich ging es nur um einen Block hochwertigen Briefpapiers, da fällt mein Auge auf einen Sonderverkauf – also wirklich fast aus der Augenhöhle: hochwertige Karten und Umschläge „wie abgepackt“ für 1 Euro. 8 Karten, 8 Umschläge für einen Euro. Das alles, weil die Farben aus der Produktion gehen! Nachdem ich mich ungläubig noch mal rückversichert hatte, ob ich das auch richtig verstanden habe, habe ich für an die 20 Euro zugeschlagen und habe mit einer ganzen Tüte voller „Rohlinge“ den Laden wieder verlassen. Jetzt möchte ich eine Woche Urlaub, nur um meine Kreativität auszuleben und die Kartenproduktion auf Hochtouren zu bringen!! Oder wenigstens den vorgeschlagenen Tag Überstundenabbau??

Unterwegs war ich auch schon wieder. Nachdem das Wetter so unzuverlässig ist, dass ich schon das Regenradar online konsultiert habe um zu sehen, ob ich vielleicht ein kleines Türchen wagen kann, habe ich es am Sonntagmittag in den Kottenforst geschafft. Oh nein, bis Röttgen brachte mich dann doch der Bus – sonst hätte es für den Kottenforst nicht mehr gereicht. Der Mühlenberg und dann aus der Katzenloch-Senke wieder hoch ist mein ganz persönlicher Mont Ventoux. Leider kam mir die Idee so kurzfristig, dass ich niemanden dafür begeistern konnte. Das hat den Nachteil, dass ich immer rase. Auch wenn ich mir Punkte für die Dauer und nicht die gefahrenen Kilometer sammele. Ich kann nicht anders. Ich kann nur Vollstoff oder gar nicht. Schlimm. Ich werde nie ein Ausdauersportler. Schon der „Kuba-Test“ hat mich in der Schule immer umgebracht. Dafür habe ich ihn zumindest jahrelang gehalten, doch nein: der Cooper-Test, benannt nach dem amerikanischen Sportmediziner Kennth H. Cooper, ist ein anerkannter Test zur Überprüfung der allgemeinen Ausdauer von großen Populationen. Es handelt sich um einen Lauf von 12 Minuten Dauer, bei dem die in dieser Zeit maximal zurückgelegte Strecke ermittelt wird. Ich glaube, ich kam dabei nie über zwei Runden auf der Tartanbahn hinaus – wohl auch, weil mir bloßes Laufen immer als sinnlos erscheint.

Da Badminton mir gar nicht sinnlos erscheint und das nun wieder ansteht, verabschiede ich mich für heute!

Bis zum nächsten „Tag der Wahrheit“… nach der ersten Hochzeit…

Barbara

Kochen und Radsport, Teil II

Zoo-SlicesDie Zeit fliegt… die Tour de France steht vor dem Abschluss und vor der vorletzten schweren Etappe am Mont Ventoux morgen ist Johannes Fröhlinger immer noch dabei. Wahnsinn.

Radsport-technisch ist allerdings die aktive Ausübung dieses Sports in den Vordergrund getreten. Nachdem ich mich einmal aufraffen konnte, abends eine erst etwas orientierungslose, dann aber zielstrebige 70-minütige Radtour zu unternehmen, habe ich das sogar schon wiederholt – und wenn dann endlich mal der Regen aufhört, wird das noch einige andere Male passieren. So zumindest hoffe ich. Es ist schon verrückt, wie sehr man sich von so ein paar Punkten motivieren lässt. Die kriegt man nämlich extra und könnte sie theoretisch auf zusätzliches Essen verwenden… nur macht man das in den seltensten Fällen! Was natürlich den Effekt erhöht. Das ist auch wichtig, denn die ersten beiden Wochen im August werden wenig förderlich sein: zwei Hochzeiten und 5 Tage in München – da wird es schwierig sein, sich an den „Plan“ zu halten.

Dabei ist es ja kein wirklicher Plan und so langsam, nun gegen Ende der vierten Woche, koche ich viel mehr ohne Rezept, habe das Prinzip verinnerlicht. Aber die Neugier treibt mich dann doch auch immer wieder ans neu angeschaffte Kochbuch. So waren z.B. die Zimtnudeln mit Pflaumen-kompott ein wahrer Gaumenschmeichler, die Cappuccino-Creme wird noch einige Male als Dessert herhalten müssen und der Kräuterpfannkuchen mit Pfifferlingen war ein Genuss. Auch wenn ich die Pilze wohl besser hätte putzen müssen…

Das allererstaunlichste ist allerdings, dass offenbar mindestens 30% der weiblichen Bevölkerung entweder auch Anhänger dieser „Lebensform“ sind oder zumindest so lange waren, dass sie auch heute noch die Punkte für alle Lebensmittel kennen. Es dauerte nur Stunden nach Veröffentlichung des ersten Blogs zu diesem Thema, bevor mir mehrere Megabyte an Rezepten in die e-Mail Inbox regneten – allein 62 Rezepte für Kuchen. Auch Weihnachtsplätzchen sind dabei, so dass ich bald mal in eine Probe-Produktion gehen muss – man muss dann im dezemberlichen Ernstfall ja wissen, worauf man sich einlässt.

Auffallend außerdem: es hat noch keiner gesagt, dass dieses Konzept keine Erfolge gezeitigt hätte. Und ich kann mich bislang auch nicht beklagen. Mein „Wiegetag“ ist der Montag und ich werde dann mal zeitnah bloggen und so tun, als sei ich bei einem virtuellen Treffen der anonymen Dicken.

Da fällt mir ein: ich brauche die Hilfe meiner Leser. Als weitere Motivationshilfe schwebte mir vor, mir jeweils nach 5 verlorenen Kilos was „zu gönnen“. Das sollte natürlich nichts essbares sein, Bücher kaufe ich sowieso… Macht doch mal Vorschläge! Am besten als Kommentar zu diesem Beitrag. Ich freue mich drauf – und verrate soviel: es wird höchste Zeit, dass mir bzw. euch da was einfällt!!

Es gibt übrigens noch die Steigerung von Croissant und die heißt Schoko-Croissant! 13 Punkte! Stehen da morgens vor mir zwei Frauen in der Schlange beim Bäcker und jede bestellt einen… und ich kann nur denken: Ha, wenn ihr wüsstet!

Soviel dazu. Nun noch zu den Fotos zur Linken. Die sind allesamt (neben noch ganz vielen anderen) am vergangenen Montag im Kölner Zoo entstanden. Den habe ich zum allerersten Mal besucht (nein, auch Marlar habe ich nicht als Baby durch die Gegend stolpern sehen) und muss sagen, ich war sehr angetan, auch wenn die Großkatzen, namentlich der Tiger und der… oh Gott… war es ein Leopard?? Ich verwechsele die immer… jedenfalls schienen die beiden ganz offensichtlich mit ihrer Lebenssituation nicht klar zu kommen. Dafür hatten die Erdhörnchen ordentlich Spaß unter ihren Wärmelampen und auch die drei Bison-Jungen wussten schon, wie man Stimmung macht. Wusstet ihr, dass Flamingos sich vulkanförmige Nester aus Schlamm bauen?? Oder dass Fische ganz heiß auf Kopfsalat sind und so einen ganzen binnen weniger Minuten komplett zerrupft haben? Dass Paviane wirklich nur das eine im Sinn haben?

Nun lasst uns alle hoffen, dass am Wochenende ein bisschen Sonne für uns rausspringt! Was auch immer ihr vorhabt, viel Spaß dabei und bis bald!

Barbara

Kochen und Radsport

Rückblickend kann man sagen, dass der Weg vorgezeichnet war. Einer meiner Neujahrsvorsätze – und wie sich herausstellen sollte, der einzige, den ich realisiert habe – war, mindestens 4 Tage pro Woche was „ordentliches“ zu kochen und nicht nur Brote und Tomate mit Mozzarella zu essen. Das hat alles in allem gut geklappt. Mitte Mai hatte ich mich dann entschieden, dass kein Glas Nuss-Nougat-Creme mehr meine Türschwelle überschreiten würde, was eine radikale Änderung meiner morgendlichen Routine zur Folge hatte. Es hieß nämlich, dass ich kein Brot würde essen können – denn alles würde mich an mein Suchtmittel erinnern und unzulänglich erscheinen. Also: Müsli. Problem: ich brauche 30 Minuten, um ein Müsli zu essen. Lösung: zuhause zubereiten und dann am Arbeitsplatz essen, während ich meine neuen Mails durchgehe. Ob ich Zeitung am Frühstückstisch oder Mails am Schreibtisch lese, dürfte keine Rolle spielen.

Dann kam der 5. Juli, an dem die Entscheidung fiel. Ich würde mich, um es mit den Worten einer Kollegin auszudrücken, den „Anonymen Dicken“ anschließen, eingedeutscht auch als Gewichtsbeobachter bekannt. Nachdem ich den Online-Auftritt eingehend studiert hatte wurde mir zu allererst eins klar: das ist ein System, das für mich funktionieren könnte. Dinge notieren, ein Online Tagebuch führen und mit Punkten hantieren – das kommt meinem Zahlengedächtnis entgegen. Zweitens war klar: vorerst werde ich keine Treffen aufsuchen, dazu ist mir die Zeit noch zu schade. Erst wird es so versucht.

22 Punkte kann ich jeden Tag „aufessen“ und bis auf wenige Ausnahmen habe ich die noch so gut wie nie gebraucht. Es wurde also drittens klar: ich muss keinen Hunger haben. Heute habe ich 18,5 Punkte gegessen und mit Blick auf die verheerende Wettervorhersage fürs Wochenende entschieden: schwing dich aufs Rad, spülen kannst du auch im Regen. Eine 70-minütige Tour nach den heute-Nachrichten, das gibt 4,5 Aktivitätspunkte – die kann ich bis Sonntagabend ansammeln. Das wiederum ergibt sich auch gut: eine Freundin kommt zu Besuch und möchte mich noch nachträglich zu einem Geburtstagsbrunch einladen. Da kann ich dann ein bisschen über meine mir täglich zugedachten Verhältnisse leben. Aber ein Croissant bleibt ein No-No: 9,5 Punkte für eins… Würde ich also zwei essen und dazu noch ein Glas Milch trinken, wäre dann schon Schluss mit lustig. Mein alldienstägliches Badminton bringt auch 4 bis 5 Extraeinheiten.

Ein fünfter Punkt zeichnete sich bald ab: meine Kochgewohnheiten muss ich nicht mehr großartig verändern. Höchstens zweimal pro Woche Fleisch und dann eher Geflügel gibt’s eh nur, mit viel Öl koche ich nicht, dafür Berge Gemüse. Mein Problem ist die Schokolade. Kann man’s fassen: ich vermisse sie bislang nicht. Aber der große Rückschlag wird schon noch komme, da mache ich mir keine Illusionen. Aber bis dahin kann man sich ja freuen.

Am Anfang fand ich es alles ziemlich aufwändig und irgendwie eine logistische Herausforderung. Für mittags muss ich mir auch was zubereiten… die Küche war regelmäßig ein Schlachtfeld und wurde nicht besser, als ich dann abends heimkam und wieder den Kochlöffel schwang. Die Hälfte meiner freien Zeit ging mit der Zubereitung von Mahlzeiten drauf. Aber auch das kriege ich mittlerweile besser in den Griff.

Was darunter gelitten hat, ist allen voran meine erste bewusst wahrgenommene Tour de France. Der junge Radprofi Johannes Fröhlinger, dessen Website ihr über einen Link zur rechten aufrufen könnt, ist nämlich dabei! Dass ich mich mit Radsport im großen und ganzen nicht auskenne, wurde leider schon am ersten Tag klar: da sagte mir die Fernsehzeitung, „ARD: 18:30 Uhr Einzelzeitfahren“. Dass das nur eine Zusammenfassung war (und sein KONNTE) erschloss sich mir zu spät. Kein guter Auftakt. Und mit meinen logistischen Herausforderungen, auch was Ladenöffnungszeiten angeht, habe ich es bislang erst zweimal geschafft, eine Etappe zu verfolgen. Die eine war an einem Sonntag und die andere, die mich fast einen Infarkt hat erleiden lassen, an einem Freitag. Da saß ich nichtsahnend im Büro. Es war gegen 14 Uhr, als das Telefon klingelte und meine Schwester am anderen Ende war – die ist in der glücklichen Lage, dieser Tage Urlaub zu haben. Sie eröffnete das Gespräch in ihrer üblichen Art, zwischen zwei Zügen an der Zigarette erstmal gemächlich ein „Naaaaaaaa?“ herauszubekommen, während ich der Kollegin im Türrahmen mit einer Hand noch Zeichen gebe, mit der anderen eine Mail zuende tippe während der Hörer irgendwie zwischen Kopf und Schulter klemmt, um dann leicht ungehalten ein „WAS?“ zu antworten.

Sie: „Naaa, wie lange musst du heute noch im Büro bleiben??“
Ich: „Ja, was weiß ich denn. Zwei Stunden noch oder so. Was gibt’s denn??“
Sie: „Naja, wär’ schon schade.“
Ich: „Tatsächlich. Was um alles in der Welt ist denn passiert?“
Sie: „Naja, der Johannes ist in einer neunköpfigen Ausreißergruppe ca. 12 Minuten vor dem Hauptfeld. Dachte, das könnte dich interessieren.“
Ich: „Oh mein Gott, echt?“
Sie: „Japp.“
Ich: „Scheiße – was mache ich denn jetzt?!“
Sie: „Jo, musst du wissen. Ich guck mal weiter. Tschökes.“

Zu diesem Zeitpunkt gucken mich die Kollegen gegenüber bereits entgeistert an.

Kollege: „Was ist passiert?“
Ich: „Also, das ist so… [kurze Erklärung].“
Kollege: „Worauf wartest du denn noch?“
Ich: „Ach… ich mache das hier noch gerade zu Ende…“

Zwei Minuten später, zu Ende war gar nichts, habe ich anerkannt, dass ich mich auf nichts mehr konzentrieren konnte, den lieben Gott einen guten Mann sein lassen und bin zum Bahnhof gerannt, war dann gegen 14:45 in der Wohnung und habe so ziemlich von da an wirr vor mich hingeredet und in entsprechenden Momenten den Fernseher angefeuert. Es muss geholfen haben – es ist ein dritter Platz dabei herausgesprungen. Nur geil, oder? In der Woche danach ertappte ich mich dabei, zum allerersten Mal überhaupt ein Milchprodukt des Hauptsponsors gekauft zu haben – wie ich erstaunt an der Kasse feststellte… Die subtile Werbestrategie funktioniert also.

Naja. Und heute hat mein Drahtesel dann mal für mehr als die Fahrt zum Bahnhof herhalten müssen. In meinem atemlosen Zielspurt habe ich dann eine Mücke verschluckt… und kam nicht umhin mich zu fragen, wie viele Punkte das wohl waren…

Lebenslänglich

Das Poppelsdorfer Schloss!

Das Poppelsdorfer Schloss!


Am vergangenen Wochenende hatte ich lange erwarteten Besuch: ein Freund aus den USA und sein Kumpel statteten auf einer Tour durch Europa auch Bonn einen Besuch ab. Und auch wenn dieser Freund erst 19 Jahre alt ist, trifft der englische Ausdruck „we go way back“ zu, wir kennen uns schon lange. Es war 1994 als ich mich auf den Weg nach Boston machte, um dort ein Jahr als Au Pair bei und mit einer amerikanischen Familie zu leben. Damals war er einer von zwei Jungs, vier Jahre alt. Es war nicht so, als hätte ich ihn seitdem nicht gesehen – zuletzt noch letzten Sommer in Boston – aber ich fand den Besuch trotzdem mehr als spannend.

Mir noch mal was anlesen zu Bonn wollte ich auch und fand es dann schon irgendwie erschreckend, dass der Reiseführer das gleiche Ausmaß hatte wie jener, den ich erst wenige Wochen zuvor für Rom gekauft hatte. Zwei absolut vergleichbare Städte also offenbar… Nicht schlecht überrascht las ich dann auch, dass man dem Stadtteil Poppelsdorf durchaus einen Tag widmen sollte.

Nun ja, am Freitagmorgen in Paris losgefahren, waren sie verspätet angekommen: die Distanzen in Brüssel unterschätzt, hatten sie die geplante Weiterfahrt verpasst. Und waren gleich von einem SNCF-Mitarbeiter über den Tisch gezogen worden – man hatte ihnen zum Interrail-Pass unzählige Reservierungen aufgedrückt. So wird es noch ein Weilchen bei den Freedom Fries bleiben… Kurz vor Mitternacht letztlich angekommen, fielen sie fast gleich ins Bett.

Die Villa Hammerschmidt!

Die Villa Hammerschmidt!

Samstags bei bestem Wetter in aller Ruhe aufgestanden, konfrontierte ich die beiden erstmal mit einer deutschen Bäckerei. Das verursachte leichte Überforderung, war aber letztlich von Erfolg gekrönt. Ordentlich gestärkt brachen wir dann auf zum Poppelsdorfer Schloss, zur gleichnamigen Allee und der Südstadt („South Central“ sozusagen, jedoch nicht zu verwechseln mit dem Namensvetter in Los Angeles), zum Hofgarten, zur Uni und Innenstadt mit allem, was dazugehört. Am Rhein entlang machten wir uns auf den Weg ins Regierungsviertel, denn wie der Zufall es wollte, war es ja auch noch der 60. Geburtstag der Bundesrepublik: die Villa Hammerschmidt, das Palais Schaumburg und Konsorten riefen. In Sachen Besichtigung hielten wir uns an die Parkanlagen, denn es waren fast römische Verhältnisse: riesige Schlangen. Und da der Freund nach einer Woche Paris mit seiner Oma nach eigenen Angaben etwas „museumed out“ war, verzichteten wir darauf. Stattdessen schleppten wir uns noch bis in die Rheinauen und dann mit der Bahn zurück in die Innenstadt – auf ein paar kühle Kölsch am Alten Zoll. Ziemlich überrascht stellten wir dann irgendwann fest, dass es bereits 19:30 Uhr war und machten uns zwecks Abendessen leicht ermüdet auf den Heimweg.

Wahlplakate erst fälschlich für schlechte H&M-Werbung gehalten, konnte dieses Missverständnis aufgeklärt werden, als man das Wort „liberal“ darauf entzifferte – dafür machten die uns ständig in die Hand gedrückten Flyer der jeweiligen Parteien was her: „Da steht ja richtig viel drin!“ Nichts übertraf zu meiner Genugtuung jedoch die Erdbeeren. So leckere hätten sie ja noch nie gegessen und der Kumpel überlegte, ob er seinem Onkel nicht welche nach München mitbringen sollte…

Die Jugend regeneriert deutlich schneller, wie ich dann bemerken musste, denn die beiden wollten ab 23 Uhr dann noch das Bonner Nachtleben erkunden. Aufgrund von Erschöpfung und ihnen nicht ständig auf der Pelle hängen wollens beteiligte ich mich daran lediglich durch den Eintrag diverser Lokalitäten in den Stadtplan und den Hinweis, dass sie im Zweifelsfall für den Rückweg ruhig ein Taxi nehmen sollten – Bonn sei nicht Paris und mit max. 10 Euro seien sie dabei.

Um 5:54 Uhr hörte ich sie leise wieder nach Hause kommen, wunderte mich, wie unerwartet heiß das Nachtleben doch gewesen sein musste und drehte mich in dem Gedanken, dass hier vor 14 Uhr wahrscheinlich nichts laufen würde, wohlig wieder um. Doch weit gefehlt. Um 10:30 Uhr hörte ich den ersten in der Dusche und machte mich flugs auch auf – beim Frühstück meinte der Kumpel jedoch, mein Freund habe eine schwere Nacht gehabt und würde so schnell sicher nicht wieder aufstehen, aber wir könnten ja schon mal in den Botanischen Garten. Soviel zum Thema Regenerationszeit. Den Schlüssel schon in der Hand rührte sich dann doch was im Nebenzimmer und nach einer halbstündigen Dusche stand auch mein Freund in der Küche. Irgendwas stimmte mit seinem Mund nicht und da waren auch so komische Kratzer auf dem Unterarm… aber ich hüllte mich in Schweigen.

Der Botanische Garten!

Der Botanische Garten!

Nach etwas trocken Brot, einem Aspirin und der Feststellung, dass er heute eine Sonnenbrille brauche, machten wir uns gemeinsam auf zum Botanischen Garten, der die beiden glaube ich ehrlich beeindruckt hat. Aber nun müsse er doch sitzen und einen Kaffee haben… den wir in der nahegelegenen Eisdiele zu uns nahmen. Weitere Infos zum Vorabend wurden weiter nicht geliefert, aber das Interesse kundgetan, so was wie „German Suburbia“ zu sehen (die beiden studieren Architektur). Wir nahmen den Bus nach Röttgen und sie machten zu meinem Entsetzen unzählige Fotos von gefliesten Häusern aus den 60ern… und dann kam die Bemerkung, so gegen 16:30 Uhr, dass er vielleicht zahnärztliche Hilfe brauche. „Aha“, sagte ich, „ich war mir ja nicht sicher, aber gestern war der Zahn noch vollständig da, oder?!“ Ja, dem sei so gewesen… Wie genau es passiert sei, sei unklar…

Mit etwas Mühe erreichten wir die Zahnarztpraxis, die Notdienst hatte und trafen dort kurz nach 18 Uhr ein. Da stand der lange Lümmel mit dem abgebrochenen Zahn und ich mit einem Tempo in der Nase, da ich beim Nase putzen heftiges Nasenbluten bekommen hatte – inkl. Blut auf der Hose. Nein, da bestünde kein kausaler Zusammenhang, versicherte ich. Auf die Frage, wie es zu dem Zahnproblem gekommen war, antwortete ich ausweichend, dass es wohl im weitesten Sinne mit Kölsch zu tun gehabt habe. Mehr wisse ich auch nicht. Ich musste zu Übersetzungszwecken mit in den Behandlungsraum und dachte mit meiner Zahnarztangst nur: „Nicht hingucken… nicht hingucken… und ganz ruhig bleiben, keine Unruhe verbreiten…“ Und plötzlich musste ich grinsen und daran denken, dass es eine ähnliche Situation das letzte Mal vor ca. 14 Jahren gab… bleibt man doch ein Leben lang Au Pair??

Nachdem ich schon am Samstag Döner als festen Bestandteil der deutschen Küche vorgestellt hatte, brachte uns der Sonntag in die Pizzeria nebenan – vom Ambiente her nicht ganz der gewohnte Stil des Country oder Yacht Clubs, mundete aber trotzdem. In Gedanken versunken meinte der Kumpel, fände es ja nur geil, dass man hier überall so schnell zu Fuß sei, während mein Freund etwas betröpfelt feststellte, dass sie ja gar kein Foto von der nicht mehr bestehenden Zahnlücke gemacht hatten. Der Vorschlag, die kürzlich angebrachte dentale Kunst handgreiflich zu entfernen wurde jedoch abgelehnt…

Das Ende einer Ära…

Diese Ruhe, besonders nachts… diese Küche, ohne Spülkram und nicht gewischte Oberflächen… dieses Badezimmer, Luftfeuchtigkeit deutlich unter 98%… Ich bin endlich allein. Dass ich diesen Satz jemals so formulieren würde – aber fast drei Jahre mit meiner chinesischen Mitbewohnerin haben ein Ende gefunden und es ist einfach eine Erleichterung. Was genau mit dem Zimmer wird, entscheide ich nicht von heute auf morgen, das hat Zeit. Und als Gästezimmer kann man es auch im momentanen Zustand gebrauchen.

Die Kosten werden erheblich sinken: keine Hunderterpacks an Ohrstöpseln mehr, deutliche Senkung des Pro-Kopf-Toilettenpapier- und Wasserverbrauchs (ca. -80%?), die Verbrauchszeit für eine Flasche Spüli wird von ca. drei Wochen auf drei Monate steigen… Mit diesen Wahnsinnspotenzialen vor Augen konnte ich doch auch gleich mal investieren und habe mir, was, wie ich heute erfuhr, in manchen Kreisen als „Unterschicht-Glotze“ betitelt wird, zugelegt: einen LCD-Fernseher mit einer 81 cm Bildschirmdiagonale. Erst mal ein Seufzer der Erleichterung, dass er auch tatsächlich an die Stelle passte, wo er hinsollte. Wie breit die Geräte insgesamt sind steht ja nie dabei, immer nur die Diagonale. Nach einem kleinen Kampf mit den Anschlüssen und einer wie so oft nutzerfreundlichen Anleitung mit viel Fachchinesisch, konnte ich ihn doch noch ans Laufen bringen und nach anfänglichen Problemen mit dem Ton auch was hören zu den Bildern. Ich habe dann gleich fast einen Herzinfarkt erlitten, als riesige Biber auf mich zu schwammen (eine Yellowstone-Doku) und ich feststellte, dass ich wahrscheinlich doch einen Durchbruch zum nun freien Zimmer machen muss, damit ich weit genug vom Bildschirm wegkomme… Auf jeden Fall muss ich bald mal was „beeindruckendes“ gucken, Der mit dem Wolf tanzt oder Braveheart oder so was. Vielleicht auch jetzt sofort…

Der Beginn einer neuen Ära 😉

Ganz neu!

Willkommen bei The Knackered Grouse! Mein alter Blog musste sich leider verabschieden, denn mein Gastgeber der letzten drei Jahre baut bei sich so einiges um. Aber wie das so ist mit überraschenden Neuerungen: sie bringen auch immer was gutes mit sich. So bin ich dazu gekommen, mir noch mal ein paar Überlegungen zu machen, wie der Blog aussehen sollte und habe jetzt ein paar Gestaltungsmöglichkeiten mehr.

Und dann der Name. Ich dachte, das wäre superschnell geregelt und hat mich dann einen ganzen Abend gekostet. Es sollte was ganz einfaches sein, aber alles, wirklich alles, was mir einfiel, war bereits vergeben. Und da es nicht The simple things 234 sein sollte, fing ich auf der Suche nach Inspiration verzweifelt an, wild irgendwelche Seiten

Haselhenne

Haselhenne

im Wörterbuch aufzuschlagen und entschied mich letztlich für The Knackered Grouse. Eine grouse ist ein Waldhuhn und knackered bedeutet soviel wie total fertig – so fühlte ich mich gegen Ende der Suche auch. Im weiteren habe ich nun entschieden, dass es sich bei meinem Waldhuhn um eine Haselhenne handelt. Das wiederum liegt daran, dass das Internet extrem wenige Fotos von Waldhühnern zu bieten hat – die meisten davon sind Zielscheiben, die man bei irgendwelchen Sportschützenausstattern bestellen kann. Viele biologische Details findet man bei Zeno – das halbe „Brehm’s Tierleben“ wie mir scheint, aber keine Fotos. Nun also die Haselhenne. Ein gewisser W. Scherzinger schreibt dazu:

Das Haselhuhn ist nach dem Haselstrauch benannt, den es früher an vielen Waldrändern und in Feldgehölzen zur Nahrungsaufnahme nutzen konnte. Dieser etwa Rebhuhn-große Hühnervogel wurde in z. T. großer Stückzahl erlegt, denn er galt als begehrtes Wildbret in Fürstenhäusern und Klöstern, was auch den wissenschaftlichen Namen prägte: Bonasa bonasia heißt (frei übersetzt) „schmeckt sehr gut“! […]

Heute jedoch ist das kleinste heimische Waldhuhn den wenigsten bekannt, es fehlen gründliche Bestandserfassungen für den Großteil seines Verbreitungsgebietes – und von hohen Siedlungsdichten kann keine Rede mehr sein. Dabei eignete sich dieses kleine und (vergleichsweise) intelligente Waldhuhn ganz besonders für die Gestaltung eines artspezifischen Lebensraumangebots, selbst in regulär bewirtschafteten Wäldern, zumal es ja gerade die sonnigen Wegränder und bunten Bestandsgrenzen, die kleinen Hiebsflächen und jungen Stangenhölzer benötigt. […]

Es wird weiter beschrieben, dass sich Artnachweise im Sommer besonders Sandbadeplätze eignen – ein symphatischer Zug dieses Tiers!

Also, willkommen bei The Knackered Grouse!

Barbara

Voll der Frühling!!!

spring_web

Mehr zum Thema Frühling kann man sich hier ansehen, auch wenn die Lage auf Facebook immer bizarrer wird. Ich werde nicht nur informiert, dass Snezana Avromov-Atanasovska und Natasa Popovska-Pavlovska ebenfalls das von einem mazedonischen Freund eingestellte Foto kommentiert haben, nein! Jetzt weiß ich auch, dass Kari Kallevi Pöllänen das Foto von Sini wie folgt kommentiert hat: „mitä sinistä sä käytät/kenen sinistä käytät pysyykö esim. vaalean eri sävyt (toki niitä ohentelet ym.) idea olisi nyt -koko reisi polveen asti tollainen „sini“taivas jossa yksinäinen vanha monipurjeinen laiva on tulossa kotiin“. Aber die Fotos der finnischen Landschaft sind atemberaubend schön! Könnt ihr euch jetzt leider nicht ansehen…

Ganz klar: mangelnde Flexibilität

Schon bevor ich das Haus verließ, hätte ich es wissen müssen – es war der montagigste aller Montage. Wie jeden Morgen polterte der Halbstarke von oben lautstark die Treppe runter, danach kann ich den Wecker stellen, immer um 6:45 Uhr. Im Halbdämmer denke ich irgendwann: „Hm, warum klingelt er dann nicht?“ und merke um 6:58 Uhr, dass er noch auf 10 Uhr eingestellt war. Hektik am frühen Morgen liebe ich über alles, besonders wenn ich noch mit halb offenen Augen auf dem Weg in die Küche feststellen muss, dass die Wohnungstür seit unbestimmter Zeit offensteht und alles Hab und Gut weg sein könnte. Aber es sind ja nur noch 17 Tage.

Diese Woche war durchgeplant, denn es sind die letzten vier Tage der Übergabe, bevor ich mich nach Ostern meinen nicht nur neuen Aufgaben widmen werde. Aber alles wurde bereits um kurz nach acht durcheinander gewirbelt, als meine Kollegin eine etwa wie folgt lautende Nachricht auf der Voicebox abhörte: „Bonn-schura, scharif-a a Bonn-e oschurdwie-a.“ (Bonjour, j’arrive à Bonn aujourd’hui – Guten Tag, ich komme heute in Bonn an.) Es handelte sich um den heißbegehrten italienischen Mechaniker, der sich mit Nutzfahrzeugen mit dem Stern so richtig gut auskennt und von dem wir lange nicht gehört hatten, nachdem wir ihn per Mail und telefonisch gebeten hatten, zu einem Termin nach Bonn zu kommen. Wie bizarr – eine Absprache schien nicht im Sinne dieses Menschen zu sein und es hat wenige Tage in den letzten Jahren gegeben, an denen wir mehr nicht verschiebbare Aufgaben auf der Liste hatten.

Aus schierer Verzweiflung verabredeten wir uns trotzdem vor seiner Ankunft in einem Etablissement mit Sonne zum Mittagessen und beobachteten alle vorbeieilenden Menschen. „Der kleine Dicke da mit der Glatze, in der gelben Jacke – das könnte er sein!“ meinte die Kollegin und ich war der Einschätzung nicht abgeneigt. Dann kam ein eher groß gewachsener Typ mit dunklem Strickpulli und einem grünen Koffer – der könnte es auch sein. So ging es noch ein bisschen weiter über unserem Baguette St. Pierre und den Tagliatelle Lodarchi. Als uns der Besuch dann um 14 Uhr angekündigt wurde, wurde die Wette geschlossen und ich gewann tatsächlich: es war der Hüne mit dem Koffer. Gott sei Dank kein Geigenkoffer.

Auf die Frage, warum er den Termin nicht mit uns angestimmt habe, antwortete er lapidar, dass man ja keine Zeit verlieren müsse und auf der Baustelle ja schon die eine oder andere Maschine still läge – Zeit ist Geld. Ja, wohl wahr… aber der Aufenthalt hätte auch nur zwei Tage dauern müssen, hätten wir davon gewusst – und unsere Zeit ist auch nicht kostenlos. Wie kriegen wir den Mann ohne Anmeldung bei einem Tropenarzt durchgecheckt, ihm den Vertrag ausgestellt und vielleicht ein bisschen INFO dazu rübergebracht, ein Visum besorgt, ein Hotel gebucht, einen Flug arrangiert, ein Gespräch mit dem Chef eingebaut, vielleicht noch nicht uninteressante Informationen aus der Logistik-Abteilung – uns fiele da schon was ein, was man vielleicht durchziehen sollte.

Nur rudimentär unterdrückte hysterische Lachkrämpfe hielten Einzug, als es um die Heimreise nach „bei Venedig“ ging: einen Billigflieger kriegen wir nur Donnerstag, mittwochs mit der Bahn, auch nur 15 Euro billiger und man sitzt fast 14 Stunden drin… ne, da gibt’s ne viel bessere Verbindung, da: das sind nur 12,5 Stunden!

„Alora, tutte e bjeng.“ Frei übersetzt: der Tag war für’n Arsch. 😉

Relativitätstheorie

Vergangene Woche im Wartezimmer einer Arztpraxis war es wieder soweit: ich wünschte, ich hätte an den mp3-Player gedacht, um mich einfach wegdröhnen zu können. So blieb mir nur meine Zeitung, die jedoch bald zu einem bloßen Mantra wurde, um den Blutdruck halbwegs im Zaum zu halten. Die beiden Damen, die, wie sie im Detail austauschten, jeweils zu solch lebensnotwendigen Eingriffen wie einer Laser-OP vor Ort waren („Wissen Sie, Kontaktlinsen vertrage ich nicht und die Brille drückt doch sehr auf der Nase und mein Mann meinte auch, man könne meine schönen blauen Augen gar nicht recht bewundern, ha, ha!“) beschäftigten sich bald mit dem immer beliebten Thema der Gesundheitsreform, die ja auch schon als ein Vorbote der weltweiten Finanzkrise hätte verstanden werden müssen.

„Ach, alles ist so teuer geworden!“ beklagte sich die eine.
„Ja,“ pflichtete ihr die andere bei, „mehr als zweimal in der Woche aus essen gehen kann man sich kaum noch erlauben…“
„Na, das waren noch Zeiten, was Schatz?“ mischte sich der jenseits jeden Hauchs von Natürlichkeit gefärbte Gatte ein, „als wir noch dreimal im Jahr Urlaub gemacht haben!“
„Ach ja…,“ pflichtet sie ihm bei, „aber wenn man dann das Rentenalter erreicht hat, muss man halt Abstriche machen.“
„Und dann die ganzen Zuzahlungen zu den Medikamenten – früher hätte es doch so was nicht gegeben!“ fokussiert ihre Sitznachbarin wieder das Thema und ich denke: wie definierst du früher?

Es ging immer so weiter und ich sah mit FREUDE meinem grundsätzlich eher unangenehmen Netzhaut-Screening entgegen – nur WEG hier. Ich ertrage diese Diskussionen nicht mehr, wenn die Leute jeden Bezug zur Realität des Rests der Welt verlieren – oder nie gehabt haben. Herrgott, da ist ein Arzt, der hat was gelernt, der versteht sein Handwerk. Der hat in den allermeisten Fällen die Instrumente und Medikamente zur Hand, die er braucht, um dein Problem zu lösen. Und das wird oft alles ganz bezahlt. Manchmal muss man was dazu beitragen. Kann man das verdammt noch mal nicht zu schätzen wissen? Dass man nicht in irgendeine komische Kaschemme in einem Basar gehen muss, wo einem ein verschroben aussehender Typ mit einer Zange und ohne viel Palaver erst mal einen Zahn zieht, der nicht der kaputte war? Dass man sich vor Angeboten an geburtsvorbereitenden Kursen und Vorab-Besuchen diverser Kreißsäle nicht retten kann, bevor „es“ soweit ist anstatt zu hoffen, insh’allah, das wird schon gut gehen und sich dann im besten Fall in der Fürsorge einer traditionellen Geburtshelferin weiß, der die Mitarbeiterin irgendeiner Hilfsorganisation mal gesagt hat, es sei nicht förderlich, der Gebärenden bei schwierigen Niederkünften auf den Bauch zu springen? Vielleicht hat sie sogar ihr „Kit“ dabei, wo auch Seife drin ist. Dass es Gegenden gibt, wo Frauen mehrfach auf brutalste Art und Weise vergewaltigt werden und die Sorge um einen Arzt, geschweige denn um einen Trauma-Therapeuten, ein nebensächliches Detail ist, weil am besten erst gar keiner merkt, dass da was passiert ist, weil man sonst seine Sachen packen und sehen kann, wo man bleibt?

So lange hier noch ALDI-Jogging-beanzugte Menschen bildungsferner Schichten 500g Erdbeeren für 4,99 Euro kaufen kann es so übel noch nicht sein. Und wenn die Medien nicht langsam mal auf ein „Yes, we can!“ anstatt der ewigen „Oh-es-ist-so-furchtbar-und-wird-noch-viel-furchtbarer-Leier“ umsteigen, dann weiß ich es auch nicht.

Das musste mal gesagt werden. Auch wenn der Frühling da ist.