Afghanistan: Erste Eindrücke / First impressions

Im Herater Basar / Herat Bazaar


Heute gehen wir mal weiter auf die Reise in „mein Afghanistan“ 2003…

An der Grenze angekommen […], war der Fahrer, der uns abholen sollte, nicht da. Eine Stunde haben wir zur Freude der etwa 100 Männer, die aus allen Richtungen gelaufen kamen, auf unserem Gepäck gesessen und gewartet. Ich sprach leider kein Dari, niemand von ihnen Englisch, aber wir hatten doch irgendwie Spaß dabei. […] In Herat angekommen [wurde uns] ein FANTASTISCHER Milk-Shake spendiert: Banane mit Kokosflocken und gehackten Walnüssen plus SÜßE Sahne. Und nein: mein Magen hat nicht dagegen rebelliert.

Today I’ll take you back to „my Afghanistan“ 2003

When we reached the other side of the border, the driver who was supposed to pick us up hadn’t arrived yet. So we were sitting there on our luggage for about an hour – much to the joy of about 100 men who came running from all directions. I didn’t speak any Dari, none of them English but we still had fun communicating.
When we reached Herat we were invited for a FANTASTIC milk shake: banana with coconut flakes and chopped walnuts plus cream. And no: there was no gastro-intestinal rebellion afterwards.

Blick aus dem ersten Stock des "Ice-cream Shop" / View from the second floor of the ice-cream shop

Schon beim Gedanken an diese Milkshakes läuft mir noch heute das Wasser im Mund zusammen und ich frage mich, ob der damals gut und immer besser gehende Laden, den wir immer den „Ice-cream Shop“ nannten, heute noch besteht? Am Tag darauf konnte ich den Stoffbasar inspizieren:

Frauen fast nur in Burkas, aber man sieht auch andere. Die waren alle sehr an uns interessiert. Beim Stoffkauf standen sie traubenweise neben uns und haben flüsternd wohl diskutiert, was sie von unserer Wahl halten. Meine Kollegin wurde von einer sogar zur notwendigen Stoffmenge beraten. Viele Kinder, fröhliche, dünne, schmutzige, sehr interessierte Kinder. Kutschfahrer. Muezzinrufe um 4 Uhr morgens. Vögel in den Bäumen auf dem Grundstück. Das ist übrigens auch sehr schön, mit Garten voller Rosen, Stockrosen, Geranien, zwei Perlhühner laufen hier rum. Großes Haus, nette Locals, guter Koch, Dr. Cookie.

My mouth starts watering even today when I think of these milk shakes and I wonder whether the place that we came to call the ice-cream shop still exists today – the shop was running well when we first went there and seemed to be expanding over the years. On the following day I got to have a look at the cloth section of the bazaar:

Women almost all clad in burqas but there are others, too. And everybody followed our every move. They were standing near us in droves when we were buying the fabric and were probably discussing our choices. My colleague even got advice on how much to buy. Many kids, happy, thin, dirty, very interested kids. Coachmen. Calls to prayer at 4 am. Birds in the trees of our property. Which is very nice, by the way: with a garden full of roses, hollyhocks, geraniums and two guinea fowl running all over the place. A large house, friendly locals, great cook, Dr. Cookie.

Herat: Blick aus meinem Zimmer / View from my room

Bonbon Manufaktur im Herater Basar / Candy factory in Herat Bazaar

Staubig war es auch. Aber ich kann damit deutlich besser als mit hoher Luftfeuchtigkeit. Bevor es zu eigentlichen Einsatzort Qala-i-Nau, der Hauptstadt der Provinz Badghis ging, war noch etwas an der Garderobe zu feilen:

In der Mache sind nun auch meine Klamotten. Nachdem wir ja den Stoff auf dem Basar besorgt hatten, sind wir nun auch beim Schneider gewesen. Es waren lange Diskussionen und ganz offensichtlich war er etwas enttäuscht, für uns Westler nichts extravaganteres als den Herrennachthemdlook nähen zu dürfen. Er kramte ein amerikanisches Modemagazin unter dem Tisch hervor und machte einige Vorschläge à la Cocktailkleid, aber für den täglichen Gebrauch waren sie leider alle ungeeignet. […] Bis ich jetzt die bestellten Teile bekomme, dauert es noch ein bisschen, also wasche ich noch jeden zweiten Abend. So, wie das hier trocknet, ist das aber auch egal: triefnass aufgehangene Leinenhose und -bluse sind am anderen Morgen stocktrocken.

It was dusty, too. But for me that’s easier to deal with than humidity. Before we continued to our actual destination, Qala-e-Now, the capital of Badghis Province, there was some work to do on my wardrobe:

My clothes are now being made. After we had bought the fabric in the bazaar we went right to the tailor’s. There were long discussions and apparently he was a bit disappointed that he wasn’t going to make anything more extravagant than the men’s nightgown look for us westerners. He got out an American fashion magazine from under the table and made a few suggestions that were all cocktail dresses of one kind or another – unfit for daily use. It will be a while before I have the ordered items so for the time being I handwash every other night. But at the rate things dry here that’s no problem at all: put out your dripping wet linen pants and blouses and be sure they’ll be bereft of even the lightest traces of water the next morning.

Der Schneider / The tailor (c) RG

Beim nächsten Mal geht es dann weiter über den Sabzak-Pass nach Qala-i-Nau!

Next time I’ll take you across the Sabzak Pass to Qala-e-Now!

Barbara

P.S.: Und dann läuft da immer noch das Freebie… Teilnahmeregeln genau beachten!

P.S.: And then there’s still blog candy to win… pay close attention to the rules!

Afghanistan, Afghanistan…

Am vergangenen Sonntag, 29.01.2012, kam im Weltspiegel ein Beitrag von Gábor Halász zu Afghanistan, der mich tief berührt und tagelang beschäftigt hat. Wahrscheinlich auch, weil er von folgender Aussage geprägt war: „Das Afghanistan, das ich gesehen habe – es ist schwer, es nicht zu mögen.“ Denn das geht mir genauso.

There was a report on Afghanistan by Gábor Halász in Weltspiegel last Sunday, January 29, 2012 that deeply touched me and caught me off guard. Probably because it revolved around the following statement: „The Afghanistan that I have seen – it’s hard not to like it.“ Because that is exactly how I feel.

Maulbeeren / Mulberries

Da dieser Blog ja grundsätzlich dazu da ist, den Dingen, die mich bewegen, ein Ventil zu verschaffen, liegt es nahe, ihn auch jetzt zu nutzen. „Mein Afghanistan“ ist das von 2003-2005 und man könnte nun sagen, dass das das verklärte Nostalgie ist – und deswegen möchte ich in Zitaten auf meine Aufzeichnungen von damals zurückgreifen. Internet in dem Sinne stand mir damals nicht zur Vefügung, so dass ich einmal in der Woche eine Mail an einen Freund geschrieben habe, der sie dann an einen Verteiler weitergeleitet hat.

This blog exists because I found it to be a perfect channel to communicate about anything that is on my mind and so it’s also my first choice for this adventure. „My Afghanistan“ is that of 2003-2005 and it would be easy to say that this will all be misty-eyed nostalgia. So I decided to quote from my (German) notes. Internet as such wasn’t an option at the time so I wrote an e-mail to a friend once a week who forwarded it to a pre-defined listserv.

Im Basar von Qala-i-Nau / Qala-e-Now Bazaar

Zuerst schwebte mir vor, die Einträge nach Themen zu ordnen. Das würde jedoch heißen, ca. 300 einzeilig getippte DIN A4-Seiten Aufzeichnungen komplett durchzugehen, bevor ich überhaupt etwas schreiben könnte. Also habe ich mich für die Chronologie entschieden. Ein Zeitplan steht auch nicht dahinter – es wird immer dann ein Eintrag kommen, wenn ich wieder die Muße finde… bei Interesse also am besten ein Follower werden, dann verpasst ihr auch nichts.

At first I had planned to decide on a certain subject per entry. But that would have meant to go through about 300 A4-size pages of notes before I could have gotten down to actually writing something. So I went for a chronological approach. There’s no schedule – there will be an entry when I feel like writing one… so if you’re interested it’s best to become a follower so as to not miss out on anything.

Flug von Herat nach Qala-i-Nau / Flight from Herat to Qala-e-Now

Chronologisch beginnt das ganze mit der Anreise, die über den Iran erfolgte. Nach einer Übernachtung in Teheran folgte ein Anschlussflug ins im Ostiran gelegene Mashad und von dort ging es per Taxi an die iranisch-afghanische Grenze. Schon das war ein Erlebnis:

Ich habe festgestellt, dass Fahrstreifen offensichtlich kulturkreisabhängig verschiedentlich interpretiert werden – im Iran dienen sie nicht der Trennung, sondern der Orientierung, und damit man nicht verloren geht, fährt man am besten auf dem Strich. Außerdem fährt man seinen 30 Jahre alten Peugeot mit 40 PS IMMER mit Vollgas, Schulterblicke sind speziell bei diesem Fahrstil überflüssig und Überholmanöver machen in steter Regelmäßigkeit eine zweispurige Fahrbahn mindestens dreispurig. Dementsprechend war ich mehr auf das Beifahrerfenster orientiert und konnte feststellen, dass der Ostiran, zumindest bis etwa 50km südöstlich von Fariman, wohl die Kornkammer des Landes zu sein scheint. Wie es links von der Straße aussah, kann ich nicht mit Sicherheit sagen.

Half the fun is getting there: travelling via Iran. After a night spent in Tehran we got on another flight to Mashad in Eastern Iran and moved on from there to the Iranian-Afghan border aboard a taxi. That was quite something already:

I found out that apparently lanes can be interpreted differently and subject to the respective cultural environment. In Iran they are not about separating traffic flows but are used for orientation. In order to make sure that you don’t get lost it’s best to drive right on the line. In addition, you need to ALWAYS drive your 30-year old 40 horsepower Peugeot at full throttle. While driving this way, checking back over ones shoulder is dispensable and passing maneuvers frequently expand a two-lane road to a three-lane road. Minimum. As a consequence I was kind of focused on the passenger seat’s window and took note of the fact that apparently Eastern Iran, at least until about 50km to the Southeast of Fariman, is the breadbasket of the country. Unfortunately, I had no way to gain secured information on what the country looked like to the left.

Nach diesem ersten Eindruck widme ich mich dem Rest meines Freitagsabends und sehe mal, wann es weiter geht auf der anderen Seite der Grenze! Habt ein schönes Wochenende.

After this introduction of my latest idea I will now get to the rest of my Friday evening. We’ll see when the trip continues beyond the border! Have a nice weekend.

Barbara

Iserlohn?!

Wo liegt Iserlohn?! Bei Hagen. Und warum sollte man dorthin fahren? Etwa wegen der gepflegten Innenstadt?

Where is Iserlohn located? Near Hagen (as if that meant anything to you from far away…). And why should anyone go there? For a look at the nicely kept downtown?

Man beachte den fantastischen blauen Himmel! Aber nein, es ging nicht um Architektur. Und auch nicht um kreative Toilettentüren in einem Bistro am Neuen Markt.

Notice the fantastic blue sky! But no, it wasn’t about architecture. And neither about creative toilet doors in a bistro at the Neuer Markt.

Es ging um ein Treffen mit guten Freunden aus Afghanistaner Zeiten, die mal wieder im Lande waren. Leider war es viel, viel zu kurz, aber ich habe Hoffnung, dass es auch mal ausgedehnter sein könnte.

It was about a reunion with good friends from Afghanistan days who happened to be around. Unfortunately, the reunion was much, much too short but I still have hope that one day a longer one can be arranged.


(Foto oben von RG / Picture above courtesy of RG)

Und heute… ist der Regen zurück. Aber wenn ihr euch die Zeit vertreiben wollt, dann habt ihr noch bis Mitternacht Zeit, hier ein Freebie zu gewinnen.

And today… the rain is back. But if you’d like to kill some time, you can try to win a freebie until midnight GMT+2 today here.

Barbara

Greenville Nightlife

Greenville war der vierte Ort, den ich auf meiner Reise durch Liberia kennengelernt habe. Ebenfalls im Südosten, aber am Meer gelegen – wunderschön. Orte mit Meer tun es mir ja eigentlich immer an. Da ist es dann auch egal, dass der ehemalige Hafen voller verrosteter Schiffswracks liegt, dass die Häuser in der Stadt allenfalls Ruinencharme ausstrahlen oder auch die Moskitos nicht zu unterschätzen sind. Sagt sie, die zwei Nächte hier verbringt und nicht zur Top-Regenzeit wochenlang festsitzt, nur noch Reis kriegt – weil die eigenen Vorräte zuende gehen und auch nichts nachkommt… denn wenn man selbst nicht wegkommt, kommt auch keiner hin. Und der Hafen ist ja keiner mehr…

Mit den Straßenverhältnissen ist es echt so eine Sache. Ich finde „Straße“ ja auch immer noch einen Begriff, der so nicht haltbar ist. Das Bild im Header oben zeigt den very bä ma-spo, also das schlimme Matschloch, in dem wir auf dem Rückweg nach Zwedru zwei Stunden festsaßen. Zwar stellte eine liberianische Kollegin einer befreundeten Organisation hinter treffend fest too many driva, no solution – zu viele Fahrer, keine Lösung, als freie Interpretation von Viele Köche verderben den Brei und alle schmissen sich weg vor Lachen, auch nach zweistündigem Stehen im Matsch und stechender Sonne, mit Riesenkäfern, Tse-Tse-Fliegen (die übrigens aussehen wie diese ekligen schillernden Fliegen, nur dreimal so groß) und viel Kleingetier – aber es war tatsächlich so: stundenlang mithilfe einiger junger Männer, die offenbar in einem Ort nahebei, der uns nicht einsehbar war, wohnten, an einem Matschloch rumprobiert… einen rausgezogen, dann steckte der andere drin usw. – aber keiner, der auf der richtigen Seite angekommen war, fuhr weiter – um dann nach langem Palaver das Matschloch auf der anderen Straßenseite zu testen und unter großem Gejohle im ersten Anlauf durchzukommen. Aber hinterher ist man immer schlauer.

Aber ich springe ja schon zur Abreise, dabei wollte ich was zum Nachtleben erzählen, in das wir uns erst am zweiten Abend stürzten, da der Kollege, den wir antreffen wollten, auf der anderen Seite eines angeschwollenen Flusses festsaß und erst am nächsten kam… auch nur, indem er in der Unterwäsche und seine Habseligkeiten über dem Kopf transportierend durch das stellenweise kinnhohe Wasser watete und dann ca. 15 km zu Fuß unterwegs war, bis wir – die wir uns eine bestimmte andere Brücke ansehen wollten – ihn und seinen Anhang auflasen. Denn natürlich war es auch noch ein Funkloch und wir dachten uns nur, dass sie wohl über Nacht in diesem Dorf geblieben waren.
Also, das Nachtleben. Das spielt sich in und um das Forum Entertainment Center ab. Das ist eine Kaschemme mit niedriger Decke, der obligatorischen Bestuhlung mit weißem Plastikmobiliar und einer dreifarbig leuchtenden Diskokugel, wo man was kühles trinken und zwischen meist zwei Gerichten wählen kann, die beide mit Reis zu tun haben. Im Idealfall regnet es nicht, und man kann sich Tisch und Stühle raustragen lassen unter den Mangobaum gegenüber, sitzt dann mit Blick auf das Etablissement und die daneben stehende Kirche, auf deren Ummauerung irgendwer seine gesamte Wäsche zum Trocknen abgelegt hat und genießt die Abendbrise beim Leute beobachten. Kleine Jungs und Mädels, die neugierig und meist schüchtern vorbeihüpfen, Halbstarke, die entweder mit coolen Tanzschritten vorbeirocken oder lässig auf ihren Motorrädern chinesischer Bauart vorbeicruisen, junge Frauen, die Aufmerksamkeit suchen, zielstrebig vorbeieilende Hunde und gemütlich vor sich hintrottende Ziegen…

Das ist um Längen besser, als drinnen zu sitzen, wo aus zwei großen Boxen mit mindestens 100 Dezibel afrikanischer Rock dröhnt und in einer Ecke noch der Fernseher dagegenhält, natürlich auf dem scheinbar einzig vorhandenen Fußballsender. Und in dem Gedröhne sitzen auch immer fünf, sechs Typen, die das Spiel verfolgen, mit steinernen Mienen. Bis auf die rot-blau-grüne Diskokugel und den grünen Schein des Fernsehers ist alles stockdunkel. So sitzt man dann da unterm Mangobaum und erörtert die mehr oder minder wichtigen Dinge unserer Zeit. Einer der Kollegen beriet uns, was die Auswahl von Parfums angeht und riet mir – bei meinem Typ – absolut von auf Rose basierten Wässerchen ab, eher was fruchtiges… ich werde dann mal recherchieren, ob mein derzeitiges Parfum der Wahl die Kriterien erfüllt 😉
Gute Nacht aus Monrovia, der nächste Eintrag folgt bestimmt!
Barbara

Unterwegs im Herbst


Der Herbst ist da – manchmal schön, wie bei den Sonnenblumen und anderen im Botanischen Garten am letzten Wochenende, manchmal so grau und etwas trostlos wie gerade jetzt, mit leichtem Nieselregen. Heute vormittag spazierte ich die Poppelsdorfer Allee hoch und stellte erfreut fest, dass es schon Kastanien zu sammeln gibt und es schoss mir durch den Kopf, dass Kastanien für mich das schönste am Herbst sind – wie Schlüsselblumen das schönste am Frühjahr. So hob ich also eine Kastanie vom Boden auf, schob sie von einer Hand in die andere, drehte und wendete sie in einer Hand und bewunderte die glatte Oberfläche. Im Geiste pfiff ich ein Liedchen vor mich hin, warf die Kastanie übermütig in die Luft und testete meine motorischen Fähigkeiten, indem ich ihren freien Fall durch einen einem Volleyballaufschlag von unten ähnlichen Schlag jäh beendete und sie auf die Grünfläche schickte. Federnden Schrittes ging ich nach Hause und dachte nicht weiter darüber nach – bis ich das Badezimmer putzte und feststellte, dass ich doch allen Ernstes einen Bluterguss davongetragen habe: einen fetten blauen Fleck auf dem untersten Fingerknochen am Zeigefinger (oder auch phalanx proximalis II, wie ich mich kundig machte… interessanter Begriff). Ehrlich…

Und das noch vor der Abreise nach Liberia morgen – eine zweiwöchige Dienstreise mit dem Besuch unterschiedlichster Standorte. Ich bin sehr gespannt… auf die schwüle Hitze, auf die hoffentlich letzten Ausläufer der Regenzeit, auf Land und Leute ganz allgemein und überhaupt. Was verbindet man allgemein mit Liberia? Nicht viel… Bürgerkrieg. Irgendwie Ärger mit dem Nachbarland Sierra Leone und Blutdiamanten. Und irgendwie hängt ein ehemaliges Topmodel da mit drin… so oder ähnlich nimmt man das Land wahr, wenn überhaupt. Ich wusste schon länger, ohne darüber nachzudenken, dass die Flagge der US-amerikanischen nicht unähnlich ist. Das kommt nicht von ungefähr: Liberia war gedacht als Land zur Wiederansiedlung ehemaliger amerikanischer Sklaven und war einer der ersten unabhängigen Staaten Afrikas. Und ab morgen wird sich dieses und anderes Wissen hoffentlich mit Leben füllen. Seit heute läuft auch die Malaria-Prophylaxe und wenn ich mich auch nicht in der ersten Stunde nach Einnahme übergeben musste oder halluziniere, so habe ich doch Kopfschmerzen und hoffe, dass das in den nächsten drei Wochen kein Dauerzustand wird.

Ich melde mich – hoffentlich direkt aus Westafrika!
Schönen Restsonntag
Barbara

Elefanten in Bikinis

Ja so was: da ist es schon der 19. April und da kommt noch ein Reise-Update von mir! Das liegt an einem unangenehmen Zeitgenossen im Norden Europas, der den Flugverkehr in ein absolutes Chaos gestürzt hat. Und mich hat es erwischt. Ich sitze nun in Kuala Lumpur (KL) fest und bin nicht ganz sicher, was ich tun soll. Option 1: ich fahre jeden Tag zum Flughafen und versuche auf einen Flug nach Rom zu kommen (wie heute), bin allerdings irgendwie Nummer 76 oder so in der Warteliste. Also ziemlich aussichtslos. Und logistisch dämlich, denn so kann ich nie Wäsche abgeben und so langsam… Option 2: ich nehme das “Angebot” der Fluggesellschaft an und buche um auf den nächsten möglichen festen Termin: 29. April. Das wären dann 11 Tage verlängerter Aufenthalt. Diese Option hätte den Vorteil, dass ich von den verballerten Urlaubstagen vielleicht auch noch was hätte. Ich habe noch nicht entschieden. Mache ich aber wohl morgen früh… Geld kostet das alles, aber dann kann ich es auch in einem Beach Resort in Penang ausgeben und wirklich beeindruckend braungebrannt zurückkommen. Holy shit, but yeah, shit it is. In KL könnte ich mir die Nägel machen, maßgeschneiderte Dinge anfertigen und vielleicht dann doch noch die Brille machen lassen… Oder von einem Massageladen in den nächsten wandern…

Damit fing der Aufenthalt in Malaysia an: ich traf meine langjährige Brieffreundin kurz vor Mitternacht des 13.4. im Hotel in KL an – wie sich herausstellte sozusagen auf der Reeperbahn der Stadt, in Bukit Bintang. Schon die Taxifahrerin warnte mich, ich solle bloß nicht in den Beach Club gehen, da seien Nutten und am Ende würde ich auch noch für eine gehalten. Um die Ecke gibt es unzählige kleine Restaurants, wo wir dann was gegessen haben (was sich wenige Stunden später extremst rächen sollte – ich war an Afghanistan erinnert und am folgenden Tag eigentlich so ziemlich außer Gefecht), um uns dann gegen 1:30 bei einer Fußreflexzonenmassage wiederzufinden.

Nachdem wir also verdauungstraktbedingt nicht wirklich viel von der Hauptstadt Malaysias zu Gesicht bekommen haben, machten wir uns am 15.4. auf nach Kuantan an der Ostküste, wo besagte Brieffreundin als Ärztin an einem großen Krankenhaus arbeitet. Neben dem Besuch einer beeindruckenden Höhle, der Pancing Cave, sowie einem Bad an einem naheliegenden Wasserfall habe ich einen beträchtlichen Teil ihres Freundes- und Kollegenkreises kennengelernt, was eigentlich der interessanteste Teil war.

Malaysia haut mich ziemlich aus den Socken was den “Melting Pot” angeht. Auch wenn hier politisch dem “melting” durch die Bevorzugung von ethnischen Malaysiern entgegen gewirkt wird. Die machen wohl nur 57% der Bevölkerung aus – der Rest sind zum großen Teil ethnische Chinesen und Inder (nun aber auch schon in der x-ten Generation malaysische Staatsbürger), viele oft illegale Burmesen und Indonesier. Die dann in vielen möglichen Kombinationen Muslime, Christen, Hinduisten und Buddhisten – und wahrscheinlich noch einiges andere mehr sind. So waren wir einen Abend eingeladen bei einer indisch-stämmigen (hinduistischen) Ärztin, dazu meine burmesische (buddhistische) Brieffreundin, eine weitere (muslimische) Ärztin und eine (muslimische) Lehrerin. Nun kocht mal, was alle essen können… Es war ein total witziger Abend, der unter dem Motto “Diätet wird ab morgen” stand und am Strand Telok Cempedak zu Ende gebracht wurde. Selten so gelacht. Besonders die erwähnte Lehrerin hat einige Stories zum besten gegeben, die ihresgleichen suchen. So z.B. die der selbst beim Frauenschwimmen die volle Montur tragenden Schwestern gleichen Glaubens – oder eben die der extrem übergewichtigen in Bikinis, die sozusagen Arschbomben im kleinen Becken machen. Weswegen sie das Frauenschwimmen drangegeben hat und lieber an “normalen” Tagen ihre Bahnen zieht.

Einen Tag (und eine Nacht) verbrachten wir noch in einem Beach Resort in Cherating, nördlich von Kuantan… Badewannenwasser mit genau dem richtigen Wellengang und dann eine beeindruckende Poollandschaft. Da waren wir dann richtig dekadent mit Zimmerservice und haben wie so oft bis spät in die Nacht gequatscht. Darum ging es ja hauptsächlich bei diesem Abstecher. Asiatische Badezimmergewohnheiten sind sehr gewöhnungsbedürftig, aber immerhin verstehe ich nun die Schilder in manchen Hotels: “Please shower in the bathtub”. Man sollte denken Wo auch sonst?, aber so klar ist es dann eben doch nicht. Und dass ich nun auch wieder selbst entscheiden kann, was ich esse, hat so seine Vorteile. Oder was ein interessantes Fotomotiv ist 😉 Aber ich denke, den kommenden 13 Jahren Brieffreundschaft steht nichts mehr im Wege!

Naja, nun also wieder in KL und mal sehen. Hier kann ich sicher auch noch drei bis vier Tage verbringen… ich muss mich nur noch entscheiden, was ich tue. Fällt mir ungewohnt schwer. Übrigens, Anne, ist gleich gegenüber unser Lieblingskaffeehaus, wo ich dann auch immer online gehe. Was hier W-LAN mäßig fast überall kostenlos möglich ist. Manchmal habe ich das Gefühl, das geht weltweit außer in Deutschland.

Nun denn, macht’s gut…
Viele Grüße
Barbara

Insel der Götter – und Abzocker

Nach nun einer Woche auf Bali und kurz vor der Weiterreise nach Malaysia heute Nachmittag ist es wohl an der Zeit, dass ich mich noch mal melde J Ich hatte es schwer mit Bali und bin noch nicht ganz sicher, warum. Sicherlich teilweise wegen der EXTREMST nervigen Verkäufer, die einen keinen Schritt machen lassen, ohne einem geschnitzte Elefanten, Sarongs und irgendwelche Medaillons buchstäblich ins Gesicht halten, die einen anfassen und zu ihrem Stand zerren, um dann wahnwitzige Preise zu verlangen. Klar, es soll gehandelt werden, aber wenn der Startpreis gleich fünfmal höher ist, als für das gleiche Objekt auf Java, verliert man die Lust. Eine Taktik, die bei mir nicht wirklich zieht, was ich für beide Seiten als schade empfunden habe.

Per Fähre waren wir von Banjuwangi auf Java übergesetzt und nach ca. anderthalb oder zwei Stunden Fahrt entlang der Nordküste Balis hatten wir unser erstes Ziel erreicht: Lovina Beach. Dort waren wir für drei Nächte. Der Ort ist eigentlich eine Aneinanderreihung verschiedener Orte, die irgendwann mal “Lovina Beach” getauft wurde. Viel Strand ist nicht, ein vielleicht 7 m breiter Streifen, auf dem zumeist die traditionellen Fischerboote liegen. Unser Hotel war gut, aber außerhalb, so dass ich am ersten Tag mit einer Mitreisenden den Weg zum Zentrum entlang des Strands suchte. Das gab Einblick in das gemeine balinesische Dorfleben, da nicht überall Hochklasse-Hotels am Strand sind und selbst wenn, sie diesen nicht zum Privatstrand machen dürfen. Eine Superregelung. Jede zweite Frau unterwegs bot mir an, meine Wäsche (die ich in einer Tüte dabei hatte) für mich zu machen – aber irgendwie wollte ich doch einen “Laden”, den ich auch wiederfinden würde… Das Zentrum selbst ist eine Anhäufung von Souvenirshops, Restaurants und Internet-Cafés, und natürlich wahren Heerscharen an Verkäufern. Nirgendwo habe ich bisher erlebt, dass kleine Kinder (teilweise schätzungsweise 4 Jahre alt) sich als Verkäufer betätigten. Bali soll aufgrund des Tourismus die deutlich wohlhabender Insel als Java sein… erstaunlich. Ist es eine Frage von Stolz, ob ich meine Kinder als quasi-Bettler einsetze? Nichts anderes ist es, denn was soll ich mit den dämlichen Muschelkettchen?

Am zweiten Tag besuchten wir ein buddhistisches Kloster nahe Lovina – wirklich ein Ort der Stille, der zum Verweilen einlud. Eine sehr gepflegte Anlage über viele verschiedene “Etagen” in einen Hang bzw. auf einen Berg gebaut, die (zumindest, als wir dort waren) nicht von Horden an Touristen überlaufen war. Dort kam dann auch geplantermaßen mein frisch erstandener Sarong zu seinem ersten Einsatz, da ich in Bermudas unterwegs war.

“In” ist in Lovina das Dolphin Watching, für das man allerdings bereits um 6 Uhr Gewehr bei Fuß an den Fischerbooten zu stehen hat. So entschied ich mich, das erstmal von Mitreisenden testen zu lassen, die sehr enttäuscht heimkehrten und meinten, es sei die Jagd einer Armada von mindestens 50 Booten auf ein paar wenige Delfine gewesen, von denen sie die eine oder andere Rückenflosse zu sehen bekamen. Also sparte ich mir das.

Der Hinduismus ist überall präsent – an jeder Ecke stehen kleine Opferschalen mit Blüten, Reis und evtl. einem Räucherstäbchen. Allem und jedem wird geopfert, so auch dem Gott des Pools in der Hotelanlage oder dem Gott des Bordsteins (auf dass niemand stolpern soll?? Bei den unebenen Gehsteigen, die zudem voller Löcher Richtung Kanalisation sind, ist das wohl auch nötig – und trotzdem kam es zu einigen Zwischenfällen…). Auf dem Armaturenbrett eines jeden Taxis steht ein frischer Opferkorb, so dass ich mich schon fragte, ob man am besten in eins einsteigt, das einen möglichst kleinen hat, da der Fahrer offenbar nicht allzu sehr auf die Hilfe der Götter angewiesen ist…?). Jedes Haus hat einen Tempel, wobei es offenbar nach dem Motto geht: je ärmlicher das Haus, umso großartiger (in Relation) der Tempel… für mich nicht nachvollziehbar, wenn gleichzeitig spindeldürre Kinder betteln gehen.

Von Lovina ging es dann vorbei am Vulkan Batur und dem gleichnamigen See im Nordosten der Insel (leider in Nebel und Regen, deswegen wirklich nur “vorbei”) zu einem Gewürzgarten, dessen Highlight die Herstellung des berühmten Luwak Kaffees ist. Das ist jener, für den die Kaffeebohnen schon mal im Magen einer bestimmten Katzenart vorverdaut werden, bevor sie dann eingesammelt und wie gewohnt geröstet werden. Wie so häufig fragte ich mich, warum irgendwer überhaupt mal auf die Idee kam, in den Hinterlassenschaften von Katzen rumzuwühlen und die Funde dann auch noch als Lebensmittel zu verwerten. Der Kaffe soll einen unnachahmlich würzigen Geschmack haben, mit einer Note von Schokolade und Karamell. Ich habe mich auf den puren Kakao konzentriert, der selbst angerührt mit Wasser eine echte Freude war… ich kann es kaum erwarten, die erstandene Packung dann mal mit Milch zu testen.

Bevor wir unser letztes Ziel der Gruppenreise, Ubud, erreichten, machten wir noch Halt am Pura Besakih, dem “Muttertempel” auf Bali – also dem größten und wichtigsten Tempel Balis. Es ist eine große Anlage bestehend aus mehr als 40 Einzeltempeln, die sich an den Hängen des Gunung Agung Vulkans hochzieht. Der Vulkan selbst gilt als Wohnsitz des Gotts Shiva – und leider war auch er wieder in Nebelschwaden gehüllt. Die Anlage ist beeindruckend, aber ich war geradezu schockiert von den allgegenwärtigen zum Himmel stinkenden Müllbergen, teils verursacht durch die in Massen angeschleppten Opfergaben, teils aber auch durch den “normalen Müll”, der ÜBERALL herumlag. An Müll sollte man sich zu diesem Zeitpunkt der Reise wohl gewöhnt haben, aber es geht mir irgendwie nicht in den Kopf, dass man einen derart heiligen Platz nicht entsprechend sauber hält… er ist doch offenbar allen sehr wichtig. Vielleicht ist das sehr deutsch, aber ich habe auch noch nirgendwo so viele Ratten gesehen wie auf Bali, inkl. im Gebälk von Restaurants. Da lobe ich mir den riesigen “monitor lizard”, der in Lovina im Restaurant majestätisch auf dem Dach der kleinen Toilette erschien, sich umsah, den charakteristischen “zisselnden” Zungenschlag vorführte und sich dann gemächlich in sein “home” zwischen der Toiletten- und der Hauswand machte. In Sachen Tiere könnte auch zu meiner Bali-Abneigung beitragen, dass die Insel voll ist von räudigen Straßenkötern, wahrscheinlich einer pro Einwohner (= ca. 4 Millionen).

Ubud gefällt mir gut mit seinen vielen Kunstgalerien und Künstlerwerkstätten und könnte mich glatt noch mal bewegen, wieder nach Bali zu kommen – schon allein, um in den labyrinthartigen Markthallen voller Leben mal tagelang zu handeln, denn dort hat das echt Spaß gebracht. Man kann gut essen, Museen und Tanzaufführungen besuchen… oder auch den Affenwald aufsuchen, was ich mir allerdings geschenkt habe, nachdem ich las, dass einigen Besuchern die Brille entführt wurde. Das wäre ein nicht tragbares Risiko. Einziges Manko: Ubud liegt im Inland, also ist hier kein Strandleben angesagt. Dafür aber ein wunderbarer fünfstündiger Spaziergang durch die Reisfelder, für den sich etwa die Hälfte unserer Gruppe erwärmen konnte. (Sollte jemand Interesse an dieser Tour haben: ich habe die Nummer des Guides…)

Am zweiten Tag ging es zu einem hinduistischen Felsenrelief in der Nähe und von dort über Stock und Stein zur Elefantenhöhle, einem in den Berg gehauenen kleinen, unspektakulären Tempel, der aber insgesamt in einer wunderschönen Anlage im Wald liegt. Im eigenen Saft stehend verzichtete ich auf den Besuch der Königsgräber am Nachmittag und zog eine kurze Siesta und Dusche vor, bevor wir uns aufmachten nach Downtown Ubud.

Ich denke, wer in Bali Urlaub machen will, sollte explizit wegen der kulturellen Highlights kommen und weniger wegen der Strände – die kann man genauso gut (besser?), viel näher und deswegen auch deutlich billiger, in der Türkei haben. Ich habe für mich so ein Gefühl, dass Java mich wiedersehen wird… selbst organisiert und mit längeren Aufenthalten an ausgewählten Standorten.

Gleich geht’s auf nach Malaysia – wo ich heute Abend im Hotel dann auf meine langjährige Brieffreundin aus Myanmar treffen werde… die Spannung steigt.

Viele Grüße
Barbara

Mystische Vulkanlandschaft

Von Jogja ging es in einer langen Tagestour nach Batu in Ostjava – wir saßen wirklich fast den ganzen Tag im Bus und sahen mit Zuckerrohr- und Apfelplantagen leicht veränderte Landschaften an uns vorüberziehen. In Batu selbst gibt es nichts außergewöhnliches zu erleben außer den ersten Blicken auf die Vulkane des Bromo-Tengger-Massivs… wenn es denn nicht neblig ist, doch leider war es das. Aber es war eh nur als Ausgangspunkt für den Folgetag gedacht.

Weiter ging es nach Sukapura, wo wir unseren Bus ein weiteres Mal verlassen und in kleinere Vans umsteigen mussten, die uns auf ca. 2.200m Höhe und in Laufdistanz zur Tengger-Kaldera und den Vulkan Bromo brachten. Dort sollten wir im Café Lava Hostel nächtigen und dass wir nicht mehr auf Meeresniveau waren, merkte ich schon beim “Aufstieg” über 50 Stufen von meiner Hütte zur Rezeption – die ich nur mit 3 Pausen bewältigen konnte. Es ist halt weiter nichts mit mir und der Höhe.

Des Nachmittags machten wir uns trotz Nebels und Regen auf in die Tengger-Kaldera – es hatte etwas sehr mystisches im Nebel eigentlich gar nichts zu sehen außer den nächsten vielleicht 20m schwarzen, mit einer Art Wollgras bestandenen Sands. Doch langsam verzog sich der Nebel, der Rand der Kaldera wurde erkennbar und immer mehr auch die in dieser Kaldera stehenden Vulkane Batok (noch komplett sozusagen) und Bromo, dessen Spitze bei einem oder mehreren Ausbrüchen weggesprengt wurde. Dieser ist touristisch voll erschlossen: man kann Treppenstufen zu seinem Kraterrand erklimmen und dort den Göttern opfern, indem man einen Strauß Trockenblumen in die brodelnde Masse wirft, die man unter dem schwefligen Dampf, der von ihr aufsteigt, nur hören kann. Die beliebte Online-Enzyklopädie berichtet außerdem folgendes:

Nach einer Geschichte hat am Ende des 15. Jahrhunderts die Prinzessin Roto Anteng des Majapahit-Imperiums zusammen mit ihrem Ehemann Joko Seger ein eigenes Fürstentum gegründet. Sie nannten es Tengger nach den Endsilben ihrer Namen. Das Fürstentum florierte, aber dem herrschenden Paar war es nicht möglich Nachkommen zu zeugen. So kletterten sie in ihrer Verzweiflung auf den Bromo und beteten zu den Göttern, sie mögen ihnen beistehen. Diese versprachen ihnen zu helfen, unter der Bedingung, ihr letztgeborenes Kind den Göttern zu opfern. Die beiden hatten 24 Kinder und als das 25. und letzte Kind Kesuma geboren wurde, weigerte sich Roro Anteng ihr Kind wie versprochen zu opfern. Die Götter drohten mit Feuer und Schwefel, bis sie schließlich das Kind doch opferte. Nachdem es in den Krater geworfen wurde, befahl die Stimme des Kindes den Einheimischen, jährlich eine Feier am Vulkan abzuhalten. Dieses Kassada genannte Fest wird auch heute noch abgehalten. Sie besteht hauptsächlich aus einer nächtlichen Prozession zum Gipfel, wo dann Tiere, Früchte und Reis geopfert werden.

Dann ging es früh ins Bett, denn um 3:30 Uhr des Folgetages sollten wir geweckt werden, um zum Sonnenaufgang auf einer Aussichtsplattform zu sein, von der man die gesamte Vulkanlandschaft inkl. des Semeru in wunderbarem Licht würde sehen können. Leider nicht in Nebel und Regen. Zwar lichtete sich der Nebel kurzzeitig wenigstens etwas, so dass wir Bromo und Batok von oben betrachten konnten, aber es war alles in allem doch sehr enttäuschend – und das nach dem frühen Aufstehen, das in Kombination mit der Höhe mit ziemlich starken Kreislaufproblemen meinerseits einherging. Solche Aktionen werde ich mir in Zukunft sparen. Man kann sich die Dinge auch nachmittags ansehen.

Nach einem Frühstück im “Hostel” ging es auch gleich weiter, wieder runter mit den Mini-Vans durch wahnwitzigen Kohl- und Kartoffelanbau an Berghängen zu unserem eigentlichen Bus, der uns entlang der Nordostküste Javas zum Fährhafen in Banjuwangi und nach der Übersetzung nach Bali bis Lovina Beach bringen sollte. Das hat er auch anstandslos getan und so sind wir wieder auf Meeresniveau bei 35 Grad, in einem tollen Hotel mit noch tollerem Pool 🙂 Der Strand ist mau, aber egal. Eine der Mitreisenden und ich haben uns heute fünfeinhalb Stunden auf Entdeckungstour durch den Ort begeben und haben es geschafft, in keine der wirklich ÜBERALL herumstehenden Opfergaben an alle möglichen Götter zu treten. Natürlich hat auch das Hotel einen eigenen Tempel. Bei Maddi habe ich Sarongs eingekauft, eine Wäscherei haben wir aufgetan und dann auch noch Obst gekauft. Da habe ich ja in den vergangenen zwei Wochen schon einiges neues kennengelernt, wie z.B. Durian, die “Stinkefrucht”, die meiner Meinung nach weder besonders stinkt, noch besonders schmeckt, aber deren Genuss mit Alkohol tödlich sein soll… woran das genau liegt, muss ich auch irgendwann noch rausfinden. Oder Rambutan, wohl eine Litschi-Art, in der Größe einer Pflaume, rot und mit “weichen Stacheln”. Auch lecker. Aber das Highlight kam mir heute unter: Mangustinen. Die könnte ich in etwa den Mengen verzehren wie bei uns die Erdbeeren in der entsprechenden Saison. Von vielen kann man auch frisch gepresste Säfte bekommen – da ist die Wassermelone mein Favorit und den Avocado-Saft mit Schokosauce finde ich auch ganz apart. Ist dann aber eher eine Hauptmahlzeit als ein Durstlöscher.

Viele Grüße mal wieder!
Barbara

Die Entdeckung der Langsamkeit

Hier sitze ich nun, mittlerweile in einem wunderschönen Hotel auf Bali (wozu ich aber erst in ein paar Tagen mit mehr Details komme) und könnte weinen vor Glück. Das jedoch weniger wegen der vielen Hindu-Tempel, des schwarzen Sandstrands oder der tot geschlagenen Mücke im Zimmer, als wegen der bloßenTatsache, dass ich diesen Eintrag schreibe. Danach sah es gestern nämlich nicht aus. Ich startete den Rechner und es kam nur ein nicht näher zu identifizierendes, schrilles Geräusch, dann die bitte, mich für ein Boot-Laufwerk zu entscheiden… und ich dachte, “Aha, da ist wohl der Garantiefall eingetreten.” Heute nun kam mir in meinem nie zum Erliegen kommenden Optimismus der Gedanke, “Komm, probier das noch mal – vielleicht hat er den Sprung von Meeresniveau/35° auf 2.500m/10° nur einfach genauso schlecht verkraftet wie du!” Und er will wieder!!

Beim Borobudur hatte ich aufgehört, nun geht es weiter mit dem Osterwochenende in Yogyakarta, kurz Jogja (gesprochen: Dschogg-Dscha). Das würde ich mit bei einem früheren Arbeitgeber gefundenen Freunden verbringen, die seit ca. anderthalb Jahren dort leben und arbeiten. Also Tage mit viel Gequatsche und den Insidern! Noch am Ankunftsabend nahm ich mir die Fortbewegungsart der Indonesier allgemein und bei 37° und Schwüle sehr zu Herzen: schlendern! Ich murmelte das immer wieder wie ein Mantra vor mich hin, wenn ich dann doch wieder ein meinen europäischen Gewaltmarsch verfiel: SCHLEN-DERN! Alles langsamer angehen, entschleunigen – hier fängt das dann schon beim gehen an, da reden wir noch nicht von Handys und e-mails. SCHLENDERN!

Nach einem leckeren Abendessen am Karfreitag in der Nähe meines Hotels waren wir am Ostersamstag für 10:30 Uhr verabredet (LANGSAM anfangen, wir sind im Urlaub und nicht auf der Flucht!), um die Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt zu erkunden: den Sultanspalast (Kraton) und die Ruinen des Wasserschloss (Taman Sari). Der Sultan von Jogja ist gleichzeitig auch der Gouverneur, hat also nicht nur repräsentative, sondern tatsächlich politische Aufgaben zu erfüllen (noch, denn man will ja eigentlich den Gouverneur demokratisch wählen – der Sultanstitel jedoch wird vererbt). Und der lebt dort tatsächlich, in einem großen Areal mit Bauwerken in javanischer Architektur mit großen Säulenhallen. Es gibt einen Bau für die Frau(en) und Töchter des Sultans und einen für die Söhne. Der momentane Sultan, Hamengkubuwono X., hat nur eine Frau und fünf Töchter – weswegen die verwaiste Bleibe für Söhne besichtigt werden kann. Alles mit Führung und wir hatten einen Glücksgriff getan mit unserer netten Dame, die mich persönlich in Statur und Auftreten sehr an meine amerikanische “Oma” erinnert hat – für diejenigen, die sie kennen. So lebhaft wurden mir selten Dinge nahegebracht. “Ja, das hier ist wieder ein Foto von Hamengkubuwono VIII., dem Großvater des jetzigen Sultans. Der sieht immer müde aus, oder?? Ist ja auch kein Wunder bei 30 Frauen, oder?? Hi, hi, hi!” Jogja ist ein Zentrum für Batik – leider hauptsächlich in braunen und beigen Tönen, was mir so gar nicht liegt – und im Sultanspalast wurde erläutert, dass zu bestimmten Anlässen bestimmte Muster getragen werden: das eine von der Braut am letzten Abend vor der Hochzeit, dann eins für Jungs, die soeben beschnitten wurden oder für Mädchen nach der ersten Blutung – Intimsphäre ade Hochinteressant. “Und dies hier ist das Muster für Babysitter. Können Sie erkennen, dass unsere Uniformen genauso aussehen?? Das liegt daran, dass wir die Babysitter der Touristen sind, hi, hi, hi!” Nur, dass sie immer “babyshitter” sagte… zu diesem sprachlichen Problem später mehr.

Weiter ging es durch den Vogelmarkt, ein Areal, in dem Vögel aus allen Teilen des Landes zum Verkauf stehen – wie formulierte meine Freundin… “Der Indonesier allgemein hat ein eher eingesperrtes Verhältnis zu Tieren.” Dieser Vogelmarkt jedoch, ein Anziehungspunkt für Touristen und wichtiger noch: ein Wahrzeichen, wird Mitte April dem Erdboden gleich gemacht, um Platz zu schaffen für “moderne Einrichtungen des Tourismus”. Wahrscheinlich ein Alptraum in Beton ohne jeglichen Reiz. Am Rande des Vogelmarkts befindet sich ein Künstlerviertel, wo wir im Water Castle Café diverse frisch gepresste Säfte und Kaffees zu uns nahmen. Der Besitzer sagte, er sehe einer ungewissen Zukunft entgegen, da nicht ganz klar sei, bis wohin der Abriss ginge. Vielleicht habe er dann Ende des Monats kein Café mehr und müsse mit seinen Kunstwerken woanders einen Bleibe finden.

Wahrscheinlich ist das alles Teil eines großen Projekts, im Rahmen dessen das eigentliche Wasserschloss, das direkt daran anschließt, wieder aufgemöbelt und besser vermarktet werden soll. Das Wasserschloss ist von seiner Anlage her ein Lustschloss. Im ersten Innenhof zwei große Pools, der eine gedacht für die Kinder und Frauen des Sultans, der zweite, nahe den Gemächern, für die Konkubinen. Die Regel war wohl wie folgt: der Sultan würde aus einem Fenster über jenem zweiten Pool eine Blume werfen und wer sie fing, war fällig und wurde in den Privatpool und den anhängenden Vergnügungstrakt gebeten – inkl. SAUNABETTEN. Welcher hirnrissige Idiot kommt auf die Idee, in diesem Klima beheizte Betten zu installieren?!

Weiter ging’s zur Shoppingmeile Jalan Malioboro, wobei durch die Osterfeiertage (ja, auch in Indonesien gesetzliche Feiertage) dort derart die Hölle los war, dass es selbst einem Shopping-Freak wie mir schwer fiel, dafür noch Begeisterung aufzubringen. Das jedoch änderte sich schlagartig, als wir ein ganzes Kaufhaus voller Souvenirs betraten – und nicht nur Schrott, auch wirklich künstlerisch wertvolles… und das zu Preisen, die mir auf immer jeden Asia-Stand auf irgendeinem Jahrmarkt vermiest haben. Ich komme noch heute nicht über die Preise…

Nach diesem interessanten Tag dachte ich bei der abendlichen Grillparty unter Expats verschiedener in Jogja ansässiger Hilfsorganisationen auf einer netten Terrasse dann, dass ich vielleicht doch noch mal im Ausland arbeiten sollte – zur Abwechslung mal in einem Land, das nicht total abgewrackt ist und wo einen vielleicht auch mal einer besuchen kommt…

Ostersonntag war nach der Grillparty durch Ausschlafen gekennzeichnet und den nachmittäglichen Besuch in Prambanan, der größten hinduistischen Tempelanlage Indonesiens. Meine Gastgeber schlugen ERNSTHAFT vor, dort mit dem Fahrrad hinzufahren, was ich aber mit Blick auf weiter gestiegene Temperaturen ganz klar ablehnte… Also wurde es ein Taxi, was uns für 20km satte 4 Euro gekostet hat. Doch zurück zum kulturellen Input.

Errichtet um das Jahr 850 wurde die aus 8 Haupt- und mehr als 250 kleineren Tempeln bestehende Anlage aus ungeklärten Gründen schon bald nach der Fertigstellung verlassen und verfiel, bevor sie im 16. Jh. durch ein Erdbeben vollkommen zerstört wurde und in der Folge viele Steine zum Bau von Häusern zweckentfremdet wurden. Die Restaurierungsarbeiten (der Hauptgruppe) begannen 1937; seit 1991 ist sie als Weltkulturerbe der UNESCO anerkannt. Sehr viel Arbeit macht dabei das Wiederfinden von entführten Steinen – denn nur Tempel, von denen 75% der Originalbausubstanz vorhanden sind, werden restauriert. Durch ein starkes Erdbeben im Mai 2006 wurde die Tempelanlage schwer beschädigt und die daraus resultierenden strukturellen Schäden konnten noch nicht an allen Tempeln beseitigt werden. Und wieder einmal zitiere ich die bekannte Online-Enzyklopädie:

Charakteristisch ist die hohe und spitze Bauform, die typisch für hinduistische Tempel ist, sowie die strenge Anordnung zahlreicher Einzeltempel um das 47m hohe Hauptgebäude in der Mitte.
[…] Die drei größten Schreine, Trisakti (“drei heilige Orte”) genannt, sind den drei Göttern Shiva dem Zerstörer, Vishnu dem Bewahrer und Brahma dem Schöpfer geweiht. Das entspricht der Trimurti – der Hindu-Göttertrinität -, die sich in vielen hinduistischen Tempelanlagen […] wiederfindet.

Im Prambanan waren wir wieder mit einem sehr guten Führer unterwegs, auch wenn man sich sprachlich etwas reinhören musste in sein Englisch (siehe auch “babyshitter”). Anfangs dachte ich, Indonesier können kein “sch” aussprechen – so zum Beispiel wird der Name der Tochter meiner Brieffreundin nicht Aysha ausgesprochen, sondern Ays-ha. Ein zweites “Problem” fand ich im Buchstaben F, der als solcher äußerst selten vorkommt und wenn oft als P ausgesprochen wird (z.B. ist “kopi” eigentlich “coffee” – aber AUCH “copy“). Es ist also nicht stringent – wahrscheinlich so, wie Deutsche manchmal das “th” doch hinkriegen und manchmal eben nicht. Aber so wird die Interpretation von Sätzen wie folgendem sehr vielschichtig. “See wash slim and pitiful woman, like you, yes? Ha, ha, ha!” See wash muss eigentlich she was heißen… slim ist klar (dünn) – aber wieso pitiful (bemitleidenswert)? Dünn fasse ich ja noch als Kompliment auf, aber wieso sollen sowohl Sintha als auch ich bemitleidenswert sein?? Nach etwa dreifacher Wiederholung in anderen Zusammenhängen wurde klar: nix pitifulbeautiful!

In Speisekarten freue ich mich immer wieder über den jus stroberi oder auch es krim. Das jedoch sind einfach englische Worte, die ins indonesische transkribiert und sozusagen vereinnahmt wurden. Das warnet hingegen ist nicht etwa ein Kriegsnetz, sondern die Abkürzung für warung internet: ein Internetladen. Das gibt es auch als wartel. Weiter unklar ist mir die tiefere Bedeutung des Werbeslogans We safety your hunger oder auch, was den Happy Lawang Motor glücklicher macht als andere. Keine offenen Fragen verbleiben allerdings, was es mit dem Michael Jackson Whitening Center auf sich hat. Tatsächlich so gesehen in Jogja.

Nach dem Besuch im Prambanan fanden wir die ultimative Entspannung im Java Garden Spa, wo wir uns eine einstündige Ganzkörpermassage gönnten, Fußbad in Rosenwasser und so einiges andere inklusive. So was sollte bei mir um die Ecke sein… und das ebenfalls für 13 Euro im Angebot haben… Ich wäre da wohl mehrmals wöchentlich 😉

Für den Abend war noch ein Restaurantbesuch vorgesehen, der jedoch unerwartet einem anderen Amüsement zum Opfer fiel: eine Gasflasche hatte Feuer gefangen – was tun? Erstmal mit Wasser draufhalten und kühlen – Zeit gewinnen. Im “Blättchen” von Jogja die 5-stellige Nummer der Feuerwehr finden und anrufen – da ging aber keiner dran. Wer hätte das gedacht… Weiter kühlen. So lange es brennt, die Flasche nicht zu heiß wird und nichts anderes Feuer fängt, ist es ja so schlimm nicht. Barbara an die Internetrecherche setzen, die auch nicht viel mehr erbrachte, als dass das Zeug hoch brennbar und explosiv ist (Ach!) und gekühlt werden soll bis die Feuerwehr kommt – und dass eine Frau in Rheinland-Pfalz eine 5kg brennende Gasflasche aus dem Fenster warf, die NICHT explodierte… Und auf einer Schweizer Seite die Info, dass die allgemeine Feuerwehrnotruf-Nummer in Indonesien 118 ist. Und da ging einer dran. Der uns riet, die Flasche kühl zu halten…

Ja, was bin ich froh, dass dieses kleine Gerät hier wieder läuft und ich euch wieder was erzählen kann 🙂 Trotzdem muss ich nun ins Bett, denn letzte Nacht habe ich so gut wie gar nicht geschlafen… dazu bald, ganz bald, mehr! Denn auch morgen wird dieser Rechner wieder anspringen, ich muss nur ganz fest daran glauben!

Viele Grüße
Barbara

Tempel und Vulkane

Am Karfreitag war das erste Ziel das Dieng-Plateau, ein sumpfiger Kaldera-Komplex nahe Wonosobo. “Dieng” leitet sich her von “Di Hyang”, “Haus der Götter”, und befindet sich auf einer Höhe von ca. 2.000m. Dort oben ist es oft windig, neblig und ziemlich kalt – das aber meist erst nachmittags, weswegen wir uns früh auf den Weg machten. Unser Tourbus würde die engen Serpentinen nicht schaffen, so dass wir in zwei kleinere Vans verfrachtet wurden. Bei bestem Wetter und strahlendem Sonnenschein! Am spektakulärsten war eigentlich nicht das Dieng-Plateau, sondern der Blick auf die umliegenden Vulkane, allen voran der Sidoro, die wir unterwegs in Augenschein nehmen konnten. Es scheint dies landwirtschaftlich die “Kartoffel-Kammer” Javas zu sein. Viele Kartoffeln werden hier ja eigentlich nicht gegessen und sie sind auch vergleichsweise teuer, aber hier sind sie offenbar das Anbauprodukt der Wahl. Es gibt sicher größere Kalderen als das Dieng-Plateau, aber wenn man sich so vorstellt, dass die ursprüngliche Spitze des Vulkans so einfach weggesprengt wurde, ist das schon beeindruckend genug. Das Plateau bot auf jeden Fall genug Platz für – wie man annimmt – bis zu 400 Hindu-Tempel, die hier mal gestanden haben sollen. Acht sind noch übrig und können besichtigt werden. Interessanter war jedoch, dass die Gemeinde den weiter unter der Erdoberfläche befindlichen Dampf zur Stromerzeugung nutzt (der hat einen Druck von 300 bar und treibt Turbinen an, die 60 MW erzeugen, wenn ich die letzte Zahl noch richtig in Erinnerung habe). Der Strom wird an den staatlichen Energieversorger verkauft und so hat man eine gute Einnahmequelle abseits der Landwirtschaft. Dass die Gegend weiter vulkanisch aktiv ist sieht man auch an dem einen oder anderen Schlammsee, den man etwas entfernt begutachten kann – wenn man sich mit dem Schwefelgeruch, der davon aufsteigt, anfreunden kann.

Am Nachmittag stand dann eines der Highlights der ganzen Reise auf dem Programm: der Borobudur. Dabei handelt es sich um eine buddhistische Tempelanlage, die vermutlich zwischen 750 und 850 gebaut wurde. Nur ca. 200-300 Jahre später geriet die Anlage in Vergessenheit – evtl. im Zusammenhang mit dem Ausbruch des Merapi 1006 und/oder eines Machtwechsels in Java. Erst 1814 wurde sie wiederentdeckt und seit 1991 ist sie auf der Liste der UNESCO Weltkulturerbe.

Die Basis des Baus ist quadratisch, mit einer Seitenlänge von 123 m. Er ist auf einem Hügel errichtet worden und hat die Form einer Stufenpyramide. Man geht nicht hinein (das Innenleben ist massiv – Erde und/oder Stein), sondern erklimmt die neun Stockwerke eines nach dem anderen und geht im Uhrzeigersinn die Umgänge ab. Auf allen vier Seiten gehen Treppenaufgänge hoch. Auf den oberen kreisförmigen Stockwerken (Terrassen) sind 72 mit Gittersteinen aufgebaute Stupas angeordnet, in denen jeweils eine Buddha-Statue sitzt. Was die Bedeutung der Architektur angeht, zitiere ich mal die bekannte Online-Enzyklopädie…

Gemäß der buddhistischen Kosmologie ist das Universum in drei Welten unterteilt: Arupyadhatu, Rupadhatu und Kamadhatu. Kamadhatu, die “unterste” Welt, ist die Welt der Menschen, die “Sinnenwelt”. Rupadhatu ist die Übergangswelt, in der die Menschen von ihrer körperlichen Form und weltlichen Angelegenheiten erlöst werden, die “Feinkörperliche Welt”. Arupyadhatu schließlich, die Welt der Götter, ist die Welt der Perfektion und der Erleuchtung, die “Unkörperliche Welt”.
Die Architektur des Borobudur wurde in Übereinstimmung mit dieser Kosmologie gestaltet. Jeder Teil des Monuments ist einer anderen Welt gewidmet. Das Kamadhatu ist eine große rechteckige Wand außen am Fuß des Monuments. Über dieser Basis erhebt sich das Rupadhatu, das aus vier rechteckigen Terrassen mit Prozessionswegen besteht, die mit zahlreichen Statuen und 1300 szenischen und 1200 figurativen Reliefs dekoriert sind. Darüber erhebt sich das Arupadhatu, bestehend aus drei kreisförmigen Terrassen, in deren Zentrum sich eine große glockenförmige Kuppel erhebt. […]
Die Architektur des Tempels besticht […] durch unglaubliche Präzision und zeugt von immenser menschlicher Arbeit. 55.000 Kubikmeter Steine aus Andesit oder mehr als zwei Millionen Steinblöcke wurden vom Fluss Progo zur Baustätte geschafft.

Soviel zum beeindruckenden Bauwerk. Mir wird der Tag jedoch mehr in Erinnerung bleiben wegen einer neuen Bekanntschaft. Wenn man sein Ticket gekauft hat und sich auf den ein paar hundert Meter weiten Weg zum Bauwerk macht, ist man innerhalb kürzester Zeit von Heerscharen von Souvenirverkäufern umringt. Fächer? Batikkleider? Ein Buch über den Borobudur? Stifte oder T-Shirts mit einem Aufdruck der Tempelanlage? Postkarten? Miniaturen des Bauwerks? Niedliche kleine Elefanten – einfach weil sie so niedlich sind??? Da ist nicht viel mit innerer Ruhe und Erleuchtung, soviel ist klar. Auf dem Hinweg konnte ich noch alle abwimmeln, auf dem Rückweg jedoch wurde es schwieriger – WEIL ich gekauft hatte: Postkarten. Alsbald sprach mich eine Frau an, sie habe die allerwunderschönsten Batikkleider, nur 20 Euro. Ich verkündete, kein wie auch immer geartetes Interesse an einem Batikkleid zu haben. Auch nicht in blau oder rot, einfach kein Interesse an einem Kleid. Sie wich jedoch nicht mehr von meiner Seite und meinte, ich müsse doch Souvenirs besorgen und das wäre das ideale Souvenir für meine Mutter. Mütter lieben diese Kleider. Nein, entgegnete ich, das sei sicher nicht das passende oleh-oleh, denn auch meine Mutter trägt eigentlich keine Kleider. Das war schwer als Wahrheit anzuerkennen – dann würde es doch sicher für meine Großmutter von Interesse sein. Naja, sagte ich, das könne man nun nicht mehr überprüfen, denn die sei verstorben. Oh je! Das tat ihr sehr leid, aber vielleicht interessiere mich das Kleid ja für 200.000 Rupien (etwa 16 Euro). Nein, immer noch nicht. Mittlerweile waren wir schon einige hundert Meter Richtung Ausgang gegangen. Ich wand mich dann einem jungen Mann zu, der Batikkarten verkaufte und wurde handelseinig, woraufhin sie mir auf den Arm tippte und meinte: “He, vergiss mich nicht!” Ich versuchte noch mal klarzustellen, dass sie einfach die falsche Produktpalette habe – Kleider seien es so gar nicht. Oh, oh, oh! Sie habe doch auch T-Shirts und wühlte in ihrer Tasche. Nein, auch an T-Shirts sei ich nicht interessiert, über Karten könnten wir reden, tut mir leid. Sie verschwende ihre kostbare Zeit mit mir, sagte ich, und gab ihr den Rat, es mit anderen Touristen zu versuchen. “Oh, sieh mich an! Mein Name ist Maddalena und ich brauche deine Hilfe. Wie heißt du?” Ich erteilte die gewünschte Auskunft und hob den Smalltalk auf die nächste Ebene, ob sie denn auch direkt aus dem Ort hier käme, ja, ja. Aber wie das denn mit dem Kleid aussähe – sie müsse unbedingt noch was verkaufen, es ginge so nicht weiter. Irgendwer würde doch sicher ein fantastisches Batikkleid aus Java wollen. Für 15 Dollar sei ich dabei (ca. 11 Euro). Und irgendwie dachte ich dann “Ach, scheiß doch der Hund drauf!” und sagte: “10 Dollar!” – “12!” – “Nein, 10!” – “Nicht weniger als 12!” – “Okay, 11.” – “Gut, dann 11.” Also ca. 8 Euro. Von 20 als Startpreis und wahrscheinlich immer noch mindestens 4 Euro zu teuer. Aber sie hatte es geschafft. Ich hätte es nicht für möglich gehalten (denn es ist noch nicht mal schön), aber ich tröste mich damit, dass ich mich wenigstens nicht kampflos geschlagenen gegeben habe 😉 So, wer will jetzt ein Batikkleid?!

Nun denn, abends erreichten wir Yogyakarta, wo ich mit Freunden zusammentraf, die dort seit ca. anderthalb Jahren arbeiten und mit denen ich das Osterwochenende verbringen würde. Doch dazu später mehr!

Viele Grüße
Barbara