Madagascar | Deforestation


Die Zeit fliegt und ich habe mich lange nicht gemeldet! Nach dem ersten langen, aber wunderbaren Tag Autofahrt im Hochland waren wir in Ranomafana angekommen, wo auch der Nationalpark gleichen Namens zu finden ist. Da ist Regenwald angesagt und davon gibt es viele Fotos in meinem Beitrag zum Besuch in 2015.

Time is flying and it’s been a while since I last blogged! After that first long but wonderful day driving through the highlands we had reached Ranomafana, on the edges of the national park of the same name. This is rainforest and one of the last stretches of primeval forest in Madagascar. You can have a look at pictures from there in the post I wrote in 2015.

Der neue Tag sollte uns bis Manakara am Indischen Ozean bringen. Auf den Weg geschickt wurden wir mit der telefonischen Ansage des Landesdirektors „Guckt euch mal an, was Abholzung heißt.“ Und dann erwischt man sich dabei, wie man anfängt, die Dinge zu relativieren. „Ja guuuut… Kein Regenwald. Aber das ist doch immer noch total bewachsen und so…“

The next day we were scheduled to go to Manakara on the Indian Ocean. We were sent on the way with a foreboding remark by the country director: „You’ll get a good look at what deforestation means.“ And along the way you catch yourself trying to put things in a weird perspective, like: „Okayyyyy… no rain forest. But there’s still a ton of vegetation…?“

Und es geht weiter: „Ja guuuut… vielleicht nicht mehr 300 oder was verschiedene Schmetterlingsarten, aber eine kurze Pinkelpause reicht schon, um 5 verschiedene zu sehen…“ Wann habe ich in Deutschland zuletzt einen Zitronenfalter gesehen? Ich kann mich nicht erinnern. Wahrscheinlich als Kind. Aber wie verdreht ist das, zu versuchen, diese Tatsache hier als Argument einzubauen?

And I go on: „Okayyyyy… maybe there aren’t 300+ different kinds of butterflies anymore, but just during this short pee break I saw 5 different ones…“ When was the last time I saw a brimstone butterfly in Germany? I do not remember. Probably when I was a kid. But how twisted a try is that to argument sort of in favor of deforestation?

Schließlich gibt man sich vielleicht doch voll zu, wie übel das alles ist – und fragt sich dann, mit welchem Recht man aber Menschen in einem anderen Land erzählen will, dass der Regenwald ein Schatz ist, dass man den erhalten muss, dass da vielleicht finanziell viel mehr rauszuholen ist, wenn der bestehen bleibt – während der Bauer sich nur fragt, wie er die Kinder bis zur nächsten Ernte durchbringen soll. Wie seine Frau kochen soll, ohne Holz. Und das soll man noch glaubhaft rüberbringen, wenn in Deutschland der letzte Rest von sowas wie Primärwald im Hambacher Forst kurz vor dem Aus steht – im Prinzip aus dem gleichen dämlichen Grund?? Oder noch unendlich viel blöder: weil wir noch viel mehr als Holz zum kochen brauchen in riesigen, hell erleuchteten Häusern mit unzähligem und oft sinnlosem elektrischen und elektronischen Schnickschnack? Sagt die Frau mit dem Weihnachtsbaum, der 400 Lichter hat.

And then finally you do admit that this really is a disaster – only to move on to asking yourself how you can go about telling people in other countries that the rainforest is a treasure, something so precious you need to make sure it survives, that maybe there’s a lot of money in it even if you keep it wild – while a farmer is only wondering how to feed his children until the next harvest. How his wife should cook, without wood. And you want to keep a straight face arguing this point while back at home the very last bit of something reminding of primeval forest (Hambacher Forst) is being under threat for basically the exact same reason. Or for a reason exponentially more stupid even: because we need so incredibly more than „wood“ for cooking in our huge, brightly lit houses with countless and often useless electric and electronic gadgets? Says the woman with the Christmas tree that features 400 lights.

Wir können uns noch nicht mal darauf zurückziehen zu sagen: „Das ist alles so gekommen, Bevölkerungswachstum, erst mehr landwirtschaftliche Flächen, dann Industrialisierung, die angetrieben werden musste – aber jetzt haben wir ja dazugelernt und können euch sagen, dass man das besser machen kann.“ Aber dann erreichst du die Gegend, wo du nichts mehr schönreden kannst – weil nichts mehr da ist. Eine Mondlandschaft, oft runter auf den blanken Fels. Ganz kurz dachte ich „Ein bisschen wie Lanzarote (wobei das natürlich viel extremer ist)… und da kriegst du gesagt, dass du bloß nicht von den Pfaden abweichen sollst, denn diese nur millimetergroßen Flechten haben 300 Jahre gebraucht um so weit zu kommen.“

We can’t even put it down to this widely spread line of thought: „This all just happened, you know, population increase, first more area was cleared for agriculture, then industrialization that needed to be powered – but you know, we have learned from that and can tell you how to be better.“ But then you reach the part where you can’t sugarcoat anything anymore – because nothing is left. A moonscape, down to bare rock in places. For a brief moment I thought: „A little like Lanzarote (though that is more extreme)… and when hiking there you are told not to set even one foot off the trail because those millimeter-size lichens took 300 years to grow already.“

Die Frage, ob diese Landschaft überhaupt nochmal auch nur landwirtschaftlich nutzbar gemacht werden kann, wurde bejaht. Es würde wohl so zehn Jahre dauern, den verbliebenen Boden „wiederzubeleben“ usw. – aber wozu? Landwirtschaftliche Flächen gibt es eigentlich genug, es ist der Regenwald, der fehlt. Und deswegen ist es trotz allem gut, dass es auch hier Leute gibt, die das aufhalten wollen. Punkt.

We wondered whether it was at all possible to put these stretches to some use again and were told that yes, in theory. It would probably take about ten years to get the remaining soil into a shape that allowed for agriculture – but what for? There’s plenty of fields around, it’s the rain forest that’s gone. And that’s why, even if in the big context it could be considered hypocritical, it is good that there are people who care, who want to stop it. Period.

Nun zu was ganz anderem: ich habe herausgefunden, was die Frauen, die ich im letzte Beitrag erwähnt habe, in dem Reisfeld gemacht haben: sie haben gefischt. Offenbar gibt es in Reisfeldern ganz kleine Fische, aber der Kollege, den ich gefragt habe meinte, dass es ziemlich unwahrscheinlich ist, dass sie Erfolg hatten. Und wenn doch (das Ding war ja, dass sie überhaupt kein Behältnis dabei hatten), dann würden sie die wohl einfach in ihre Rocktaschen stopfen.

On another note: I did find out what those women I mentioned in the last post were doing in the rice paddies: they were fishing. Apparently, sometimes there are tiny fish in the rice paddies but the colleague I asked said that he doesn’t think they caught any. And if they did (the issue of them not having any container with them) they would probably put them in their skirt pockets.

Auf bald!

Take care!

Barbara

3 Kommentare zu “Madagascar | Deforestation

  1. Ein sehr schöner Eintrag: realistisch, philosophisch u. ich musste so über den (vielleicht) Fisch in der Rocktasche lachen

    von unterwegs gesendet

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  2. Dein Bericht zeigt wieder , wie schwierig und komplex das ökologische Gleichgewicht in unserer Welt zu bewahren ist . Die 400 LIChter Frau steckt doch leider so ein bisschen in uns allen!!!?????

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