Doch noch mal vom Rhein

Jetzt bin ich doch noch nicht in Bordeaux und melde mich noch mal… Heutige Lebenssituationen bringen mich dazu. Und wenn ich, wie ich gerade noch auf einer Geburtstagskarte formulierte, den Blick von der Ecke mit der halb gepackten Tasche und meinem Esstisch im Chaos abwende, fühle ich mich auch fast relaxed!

Vorgestern stellte ich fest, dass ich dringend noch zum Friseur müsste vor der Abreise. Nach langer Suche fand ich auch die Nummer des Coiffeurs meines Vertrauens und fragte nach einem Termin für Freitag, 16 Uhr bei Johanna. „Johanna is’ net mehr bei uns!“ kam die Auskunft. „Okay,“ sagte ich wenig pingelig, „hat denn Gaby noch einen Termin?“ – „Nä, total ausgebucht.“ – „Und Frau Schmitz?“ versuchte ich es noch hoffnungsvoll. „Nä, da is’ den ganzen Tach nix frei…“ Und dann ein Schrei des Entzückens: „Warten Se, dat Praxedes hat noch einen Termin!“ Und dat Praxedes hat die Sache ganz gut gemacht…

Doch bevor es dazu kommen konnte, musste ich noch mal in die Stadt. Es regnete wie aus Eimern, so dass ich mich in einem Moment ungeahnter Kühnheit dazu entschloss, den Bus zu nehmen. Den Bahnhof hatte ich fast erreicht, als der Busfahrer an einer besonders zu Berufsverkehrszeiten kritischen Kreuzung eine Vollbremsung machte, mir die Einkäufe und die dazugehörige Dame von gegenüber um die Ohren flogen und dann war Stillstand. Die Türen gingen auf, wortlos und ohne Erklärung wurden wir rausgelassen. Der Bus war einem Linksabbieger drauf gefahren, so dass nun beide Spuren blockiert waren. Ich trottete zum Bahnhof und weiter in die Innenstadt, erledigte schnell die letzten Einkäufe und saß nach 20, 30 Minuten wieder in einem Bus zurück. An besagter Kreuzung war die Unfallstelle noch nicht entzerrt, sondern um einen Polizeiwagen und ein ADAC-Fahrzeug bereichert, der Stau dahinter zog sich bis vor meine Wohnung. Noch bevor der Busfahrer, mit dem ich nun unterwegs war, auf ausgeklügelte Weise abbiegen konnte, machte er den Bordfunk an und man bekam live mit, was los war. Im Abbiegen hielt er inne und sprach seinen bedröppelten Kollegen mit den aufmunternden Worten: „Junge, Junge, hier kommt man aber ganz schön ins Schwitzen!“ an. Der so begrüßte erwiderte nicht viel, guckte auf die Unfallstelle und wieder zu seinem Kollegen. Jener, nicht um Worte verlegen, ein wahrer Meister des Small Talk, fragte wohlmeinend: „Und sonst?“

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