Zu Fuß / Walking

Es hat sich schon öfter als grober Fehler herausgestellt, in der Mittagszeit mit der Straßenbahn fahren zu wollen – in nicht enden wollenden Horden von unmotiviert aber laut schreienden pubertierenden Teenagern, während ich versuche, meinen National Geographic zu lesen. Wenn dann auch noch die Bahn verspätet ist wegen eines Unfalls auf der Strecke und dann bis zum Anschlag gefüllt ist, steigt man besser früher aus und geht zu Fuß. An einem perfekten Wintertag.

It has earlier been a great misjudgment but I did it again: take the tram around lunch time among huge crowds of pubescent teenagers shouting mindless things as loudly as possible while I’m trying to read my National Geographic Magazine. Add insult to injury and the tram is late due to an accident along the way and when it finally does arrive it’s filled to the brim – so you’d better get off early and walk. On a perfect winter’s day.

Verliebt / In love

Es geschah an einem Samstag Ende November. Es traf mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel – es war Liebe auf den ersten Blick. Es war noch gar nicht kalt und ich war auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs, eine erste Runde drehen, einfach mal gucken, was es so gibt dieses Jahr.

It happened on a Saturday at the end of November. It struck me like lightning out of a clear blue sky – it was love at first sight. Temperatures hadn’t dropped yet and I was checking out this year’s Christmas market, a reconnaisance mission.

Sie ist Anfang, Mitte 60, hat hüftlanges, graues Haar, das sie in zwei geflochtenen Zöpfen trägt, bewegt sich selbtbewusst in einem wehenden, weißen Gewand und hat selbstgebackene Köstlichkeiten dabei. Ihr runzliges Gesicht strahlt Humor und Gutmütigkeit aus. Und sie ist nicht allein…

She’s in her early sixties and sports two braids of grey hair down to her hips. Her dress is a flowing mass of white and she brings self-made delicacies. Her wrinkled face exudes humor and good-naturedness. And she’s not by herself…

Es ist das Set Luciatåg med ljusbricka von Harvesttime. Und ich weiß, ich weiß: ich hätte diesen Eintrag für den 13. Dezember aufheben sollen, den Lucia Tag, aber wie hätte ich das machen sollen?! Dieses Glück muss man teilen, oder???

It’s a set called Luciatåg med ljusbricka made by Harvesttime. And I know, I know: I should have saved this entry for December 13, for Lucia Day, but how could I have done that? I need to share this, pure bliss!!

Alle haben es mir angetan! Der lange dünne mit dem schönen Stern – der erinnert mich irgendwie an den Adlatus aus der Serie „Pfarrer Braun“, das „Weichei Gottes““, wie er sich selbst zuletzt betitelte. Die beiden anderen Frauen, auch so schön nicht dem üblichen Bild der jungen Lucia entsprechend – und der Tomte, der sich die Manteltaschen mit Keksen vollgestopft hat, sowieso!


I’m taken with every single one of them! The beanpole with the beautiful star who reminds me of a certain character in a German TV show. The other two women who both so nicely do not meet expectations as far as the perfect Lucia goes – and of course the little „tomte“ who has filled the pockets of his coat with cookies!

Die Entdeckung dieser netten Zeitgenossen ging ja noch mit einer weiteren einher. Es gibt in der Südstadt ein neues Geschäft – vertreten eben auf dem Weihnachtsmarkt. Natürlich konnte ich es nicht lassen, auch das Geschäft zu begutachten. Dieser Entschluss könnte meinen Untergang bedeuten… ich habe das Gefühl, da noch ganz oft hin zu „müssen“. Es hat mich sofort erinnert an die heißgeliebten Geschäfte an der Küste nördlich und vor allem südlich von Boston – nur besser, da, zumindest in der Weihnachtszeit, mit vielen skandinavischen Deko-Artikeln. Aber vielleicht kommt der Name des Geschäfts, SÜDSTRAND, nicht von ungefähr… klar, es kann sich um einen Hinweis auf die Südstadt handeln… aber vielleicht auch auf die „south shore“ und weiter das Cape, Cape Cod. Egal… mein nächster Besuch ist vorprogrammiert!

The discovery of these lovable little dudes came with yet another: there’s a new store around the corner – which introduces itself with a stand on the Christmas market. Needless to say, I just had to have a look at the store as well. Which could in turn mean that I am doomed… I have a very distinct feeling that I just HAVE to go there on a regular basis! It immediately reminded me of the much loved stores I frequent north and south of Boston – only better as they offer so many beautiful Skandinavian design accesories (at least during the Christmas season). Maybe the name of the store is chosen even in reference to the „South Shore“, the Cape… Cape Cod. Anyway. My next shopping frenzy is pre-programmed!

World Card Making Day

Yesterday was World Card Making Day! (So much for old news…) And I had such big plans – and then everything turned out very different. There were a few things to take care of before I was to get started on the planned projects. One of them was to collect a few chestnuts for today’s centerpiece to the left… I had a friend over for tea and cake. So I went out and successfully collected a few chestnuts. And on the way passed the Book Cupboard, or Books Outdoors as is the official English term. People stop by to drop books they don’t need or want anymore – some maybe even leave books they particularly like, so as to spread the word. And whatever you find there and would like to read, you can take it, read it and either return it or keep it. I really like the idea and even though many books are quite worn and old (just old, not qualifying as antique, I’m afraid), you can sometimes find real gems there. This cupboard is situated in a very nice area of the city where a lot of people pass on their Sunday strolls or on their way home from work. There are a number of comfy benches close by so you can even take a little break and read the first pages before deciding to take it or leave it.So of course, I went to have a look as well – I always do when I happen to pass by. And this time I also found something interesting and decided to take it home: a map book published in 1978, one that is commonly used in schools (in more recent editions, of course!) And all the plans I’d had until that moment were dust… I suddenly thought that these maps would make beautiful envelopes and soon discovered that I could even make matching note cards to go with them out of one page. Don’t get me wrong: I love books and map books in particular – I can spend hours just studying maps, I guess that’s when the geographer deep inside resurfaces – and the thought of treating books with anything less than care is foreign to me. I’m the kind of person who buys a book AGAIN when a glass of water was accidentally spilled on it. I hate dog-ears. You will not find books with broken spines on my shelves. Yet I was ready to tear apart this beautiful map book… I guess I felt that I was taking it to another state of being or something.

And then I was at it for more than five hours, making 24 envelopes with 24 matching cards in 11.5 x 21 cm…

And when I was done, I arranged them into four sets of 6 cards each, a „Germany Edition“, an „Americas Edition“, an „Asia Edition“ and a „Europe Edition“. And thought of larger envelopes to use as packaging. And thought of labels to go with them.

And then I went to bed 🙂
Take care!
Barbara

Letzte Rettung?

Internationaler Tag der Biodiversität im Botanischen Garten in Bonn

Zum Ende dieses wunderbaren Pfingstwochenendes melde ich mich blogtechnisch nochmal. Ich habe nämlich feststellen müssen, dass mein Jahresendziel 2010 offenbar nicht nur mit den Anonymen Dicken zu erreichen ist. Die letzten drei Wochen fingen verheißungsvoll an, konnte ich doch dank täglichen Fahrradfahrens zur Arbeit trotz eines absolut verheerenden Kaffeeklatschs in der ersten Woche anderthalb Kilo abnehmen. Dann kam das schlechte Wetter und mit ihm eine wahre Schokoladenfresssucht, die ich noch nicht wirklich im Griff habe. Da ist schonmal ruckzuck meine Tagesration an Punkten innerhalb von 15 Minuten verpufft. Gestern ging es ohne – nach ca. 50km Fahrradfahren war ich wahrscheinlich selbst dafür zu müde. Es muss auf jeden Fall ein Ende haben – und wenn ich mich wieder zu wöchentlichen Erfolgs- oder Misserfolgsberichten zwingen muss. Hiermit fange ich an, bei anderthalb Kilo über Jahresendziel 2009, das heißt, 11,5 habe ich noch vor mir, mit Blick auf die unaufhaltsam herannahende Adventszeit besser mehr. Aber ich habe auch mittelfristige Ziele:

Das T-Shirt soll bis Ende Juli tragbar sein, die Hose bis Ende August… Kommt drauf zurück!! Und die ist nicht so ungebügelt wie sie aussieht! Egal: wer mich im Elch-T-Shirt sieht, darf mir zu einer weiteren Zehnerunterschreitung gratulieren. Weiter Weg. Aber los geht’s!! Und dass mir keiner mit Schokolade oder anderen Dingen kommt!!

Viele Grüße und einen schönen Restfeiertag!
Barbara

Ja, Frühling!

Der Frühling wird überbewertet schrieb einst Douglas Adams. So ein Schwachsinn. Es ist vielmehr so, wie Vergil es schon 272 erkannte: Vere calor redit ossibus – Im Frühling kehrt die Wärme in die Knochen zurück, Lateinisch für Angeber, Teil 4.

Die Sonne strahlt von einem wolkenfreien Himmel, die Vögel zwitschern wie die Wahnsinnigen, der Schnee ist weggeschmolzen – es MUSS doch Frühling sein! Oder? Die Illusion hält sich erstmal nur so lange, bis man die Haustür aufmacht und einem die Minusgrade entgegenwallen, sich die Hosenbeine hocharbeiten. Aber es kann doch gar nicht sein! Das dachte ich mir, packte mich warm ein und machte mich auf die Suche nach dem Frühling. Und wie man oben sehen kann, ist er im wahrsten Sinne des Wortes gleich um die Ecke. Der Botanische Garten hat leider in den Wintermonaten, die nach dem hier zur Anwendung kommenden Kalender erst Ende März enden, am Wochenende geschlossen, so dass ich die Flächen an Schneeglöckchen und Krokussen nur wehmütig aus der Ferne begutachten konnte. Aber die Enten auf dem Schlossweiher hatten Spaß und in vielen Vorgärten der Südstadt schießt der Frühling gnadenlos aus dem Boden und wird in Kürze Deutschland fest im Griff haben! Man kann die Spannung fühlen! Und wie man in Armenien sagt:

Mit einem Schlag kommt der Frühling nicht. Aber er hat schon verdammt gut ausgeteilt.

Und ist euch schon aufgefallen, wie lange es jetzt schon HELL ist? Es ist schon fast hell, wenn man morgens um 7 Uhr aufsteht, auf dem Weg zum Bahnhof dann schon richtig – und abends ist es fast schon 19 Uhr bevor es dunkel wird. Ist doch der Hammer! Das qualifiziert nicht mehr als Winter, nein, nein. Das ist Frühling – diese Definition dürfte viele Anhänger haben. Nicht umsonst weiß man in Litauen:

Selbst der strengste Winter fürchtet sich vor dem Frühling.

Okay, okay, die Temperaturen lassen noch einiges zu wünschen übrig, aber irgendwo muss man ja mal anfangen – das klappt dann auch noch. Und lasst das Fahrrad einfach stehen, dann fühlt es sich auch nicht mehr ganz so kalt an. Lasst Vorsicht walten, denn nicht umsonst sagt ein jahrhundertealtes malisches Sprichwort ;-):

Der Frühling ist die Jahreszeit, in der die Autofahrer zwei Wochen zu früh das Gefrierschutzmittel aus dem Kühler lassen.

Tatsächlich ist diese Weisheit unbekannten Ursprungs. Tatsache wiederum ist, wie der Amerikaner so schön formuliert: Spring has sprung! Der Frühling ist da, er versteckt sich nur manchmal.
Schönen Restsonntag
Barbara

Doch noch mal vom Rhein

Jetzt bin ich doch noch nicht in Bordeaux und melde mich noch mal… Heutige Lebenssituationen bringen mich dazu. Und wenn ich, wie ich gerade noch auf einer Geburtstagskarte formulierte, den Blick von der Ecke mit der halb gepackten Tasche und meinem Esstisch im Chaos abwende, fühle ich mich auch fast relaxed!

Vorgestern stellte ich fest, dass ich dringend noch zum Friseur müsste vor der Abreise. Nach langer Suche fand ich auch die Nummer des Coiffeurs meines Vertrauens und fragte nach einem Termin für Freitag, 16 Uhr bei Johanna. „Johanna is’ net mehr bei uns!“ kam die Auskunft. „Okay,“ sagte ich wenig pingelig, „hat denn Gaby noch einen Termin?“ – „Nä, total ausgebucht.“ – „Und Frau Schmitz?“ versuchte ich es noch hoffnungsvoll. „Nä, da is’ den ganzen Tach nix frei…“ Und dann ein Schrei des Entzückens: „Warten Se, dat Praxedes hat noch einen Termin!“ Und dat Praxedes hat die Sache ganz gut gemacht…

Doch bevor es dazu kommen konnte, musste ich noch mal in die Stadt. Es regnete wie aus Eimern, so dass ich mich in einem Moment ungeahnter Kühnheit dazu entschloss, den Bus zu nehmen. Den Bahnhof hatte ich fast erreicht, als der Busfahrer an einer besonders zu Berufsverkehrszeiten kritischen Kreuzung eine Vollbremsung machte, mir die Einkäufe und die dazugehörige Dame von gegenüber um die Ohren flogen und dann war Stillstand. Die Türen gingen auf, wortlos und ohne Erklärung wurden wir rausgelassen. Der Bus war einem Linksabbieger drauf gefahren, so dass nun beide Spuren blockiert waren. Ich trottete zum Bahnhof und weiter in die Innenstadt, erledigte schnell die letzten Einkäufe und saß nach 20, 30 Minuten wieder in einem Bus zurück. An besagter Kreuzung war die Unfallstelle noch nicht entzerrt, sondern um einen Polizeiwagen und ein ADAC-Fahrzeug bereichert, der Stau dahinter zog sich bis vor meine Wohnung. Noch bevor der Busfahrer, mit dem ich nun unterwegs war, auf ausgeklügelte Weise abbiegen konnte, machte er den Bordfunk an und man bekam live mit, was los war. Im Abbiegen hielt er inne und sprach seinen bedröppelten Kollegen mit den aufmunternden Worten: „Junge, Junge, hier kommt man aber ganz schön ins Schwitzen!“ an. Der so begrüßte erwiderte nicht viel, guckte auf die Unfallstelle und wieder zu seinem Kollegen. Jener, nicht um Worte verlegen, ein wahrer Meister des Small Talk, fragte wohlmeinend: „Und sonst?“