Another Day in… BREMEN

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Ich gebe es unumwunden zu: die Empfehlung lag vor. Mehrfach. Wie es trotzdem dazu kommen konnte, dass ich mich nur in letzter Minute noch entschlossen habe, den etwas abseits gelegenen Rhododendronpark in Bremen aufzusuchen, bleibt ein Rätsel. Mangelnde Zurechnungsfähigkeit oder so. Wirklich. Und dann das. Sowas habe ich noch nie gesehen, der absolute Hammer, nie dagewesene Ausmaße. Zum Niederknien. Das Rhododendronrondell in Bonn wird nie wieder das gleiche sein. Oder eben doch?

I admit it freely: I had the recommendation. More than one. I have no clue why it still turned out to be a last minute decision to do go and see the rhododendron park in Bremen, which is a bit off the beaten track. Lack of mental capacity (temporary, I hope). Really. And then this. I’ve never seen anything like it, just awesome, a vast expanse of a rhododendron forest I’d call it. Drop on your knees beautiful. The rhododendrons in Bonn will never be the same again. Or will they?

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Kein Wunder, dass Ilse immer wieder kommt. Ilse traf ich auf dem Rückweg an der Bushaltestelle und wir haben uns im Bus und dann anschließend auf der Straßenbahnfahrt unterhalten. Sie war mit einer Handtasche und zwei Gehstöcken bewaffnet, so um die 85 – direkt zu fragen habe ich mich dann doch nicht getraut. „47“ kam sie zum ersten Mal nach Bremen und hat dann 52 Jahre dort gewohnt.

No surprise at all that Ilse keeps returning. I met Ilse at the bus stop on the way back and we got into talking on the bus and then on the tram. She was armed with a handbag and two canes, maybe 85 years old – I didn’t want to ask. But it was in „47“ that she first came to Bremen and stayed for 52 years.

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Jetzt wohnt sie in Hannover, hat nur eine kleine Rente und kann keine großen Sprünge mehr machen. Aber nach Bremen kommen zur Zeit der Rhododendrenblüte, dazu muss es jedes Jahr noch reichen. „Ich hab’s alles ausgegeben, Wanderurlaub im Herbst, Skiurlaub im Winter – und ich würde es wieder so machen! Die Erinnerungen, die sind noch hier drin – und mitnehmen kann ich auch nichts,“ sagt sie, und zeigt sich augenzwinkernd den Vogel.

Now she lives in Hannover, on a small pension that doesn’t allow for a lot. But every year she comes to Bremen when the rhodies are in bloom, there’s no passing on that. „I spent it all, hiking vacations in the fall, skiing in winter – and I would do it all over again! The memories are all safe here and I can’t take anything with me when I go,“ she says, indicating her head, winking.

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Krankenschwester ist sie gewesen – und hat immer im Schwesternheim gewohnt, da blieb halt doch einiges übrig. „Nur ganz am Anfang, da gab’s gerade mal 10 Mark… das DRK hat uns schon ausgenutzt. Aber das ist dann ja besser geworden. Wir haben das Leben gelebt und so muss es sein. Machen Sie das bloß richtig!“

She used to be a nurse – and always lived in the dorm of the hospital so she saved a lot at that end. „Only in the beginning, when we didn’t get more than 10 Deutschmark… the Red Cross really did take advantage of us I guess. But that improved and we were living the good life and that’s how it’s supposed to be. You better make sure you remember that!“

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Eine Nicht hat sie in Kanada, die wollte unbedingt, dass sie sie nochmal besucht. „Die wollte auch alles zahlen – aber das ist nicht so meins, ich will nicht ständig zu allen und allem Danke sagen müssen. Aber es ist auch egal, ich weiß heute noch wie Kingston aussieht und wenn die mich sehen wollen, dann sollen die doch geflogen kommen. Auf den langen Flug habe ich keine Lust mehr.“

She has a niece in Canada who wanted her to come and visit again. „They were going to pay for it, too, but I really don’t like that, I don’t want be in a situation where I have to be grateful all the time. But it doesn’t matter, I still know what Kingston is like and if they’d like to see me they might as well come over. I don’t like to fly that long anyway.“

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„Wissen Sie, ich bin da mit mir im Reinen. Früher oder später muss ich ins Heim und dann ist eh alles weg, das bisschen, das da ist. Jetzt gehe ich erst noch nett ins Café und dann fahre ich wieder nach Hause. Einkaufen? Was soll ich denn einkaufen? Alles da. Aber ein gutes Stück Kuchen und eine leckere Tasse Kaffee – so kann der Tag doch enden, oder?“

„You know, I’ve long come to terms with myself. Sooner or later I have to live in a nursing home and then all is gone – the little I have now. So I go and sit in a nice café and then go home again. Shopping? What should I buy anyway? I have everything. But a good piece of cake and a delicious cup of coffee – that makes for a perfect ending of the day, doesn’t it?“

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„Mit Freunden ist es auch nicht immer einfach. Eine gute Freundin hat mir mal gesagt… also, im Prinzip, dass sie keinen Wert mehr auf unsere Freundschaft legt. Naja, irgendwie schmerzt das schon noch, aber sowas muss man akzeptieren. Ich habe jetzt gehört, dass es ihr schlecht geht und dann überlege ich immer wieder, ob ich mich nicht doch melden soll. Aber ich mache es dann doch nicht…“

„It’s not always easy with friends, either. A very good friend once told me, well… that she didn’t care for our friendship anymore. It still hurts sometimes but you need to accept it. Somebody told me now that she was not doing well so I started wondering whether I should get in touch again. But then I didn’t…“

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Ich werde das Gefühl nicht los, dass Ilse noch viel mehr zu erzählen gehabt hätte. Die ganzen Reisen – „nie südlicher als Südtirol, das hat mich nie gereizt. Aber nach Norden, dahin jederzeit und soweit es geht. Bloß keine Kreuzfahrt nach Norwegen – sterbenslangweilig!“ Ganz im Gegensatz zu ihr 🙂

I think that Ilse would have had much more to talk about. All her travels – „never further South than South Tyrol, it never interestd me. But to the North, anytime and as far north as possible. But no cruise to Norway, heaven forbid – deathly boring!“ Quite the opposite of her 🙂

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„Denken Sie dran, verlieren Sie keinen Tag!“ rief sie mir noch hinterher. Das denke ich ja eigentlich sowieso – aber vielleicht habe ich eine Erinnerung gebraucht. Insgesamt 30 km Stau auf der A1 Richtung Lübeck kamen mir nur durch den unermüdlichen Einsatz von Adele nicht als verlorene Zeit vor… auf bald!

„Don’t forget: don’t lose a single day!“ she shouted in my back when I left the tram. I agree anyway – but maybe I did need a reminder. A total of 30 km of traffic jams on A1 towards Lübeck were not considered lost life time only due to Adele’s tireless performance… talk with you soon!

Barbara

P.S.: Die schönen Dinge des Lebens kann man im Cafe des Rhododendronparks bis zur allerletzten Minute auskosten und muss keine Wartezeit an Haltestellen verschwenden:

P.S.: This is how you can enjoy the beautiful things in life at the café of the rhododendron park until the very last minute and not waste any time waiting at bus stops:

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4 Kommentare zu “Another Day in… BREMEN

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