4 Tage / 4 days in Yorkshire

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Ja, wie kann man für nur vier Tage nach Yorkshire fahren? Mir schwante schon böses nach den ersten Blicken in den Reiseführer und schnell habe ich ihn wieder beiseite gelegt, denn es war klar: kein Mensch kann sich entscheiden, was er in so kurzer Zeit dort eigentlich machen soll – 4 Wochen scheinen mir ein Minimum.

Yes, how can you even consider going to Yorkshire for only four days? When I got the guidebook I stopped browsing rather quickly because it was obvious: no one in their right mind can make the choice of what to see and what not to see during a stay that short – I think 4 weeks are a minimum.

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Mein Vater und ich haben die langjährige Brieffreundin meiner vor gut zwei Jahren verstorbenen Mutter besucht. Ich war ein einziges Mal dort… so ungefähr 1980. Und hatte natürlich nicht mehr die geringste Erinnerung daran. Pauline hat es neben herausragender Gastfreundschaft außerdem geschafft, ein ziemlich intensives Programm auch seniorentauglich zu gestalten – das war mit Blick auf meinen Vater sehr wichtig.

My father and I went to see the longtime penpal of my late Mom. I had been there only once before… in about 1980. Needless to say, there was nothing I remembered. In addition to her outstanding hospitality Pauline also managed to show us a lot of Yorkshire and still keep it do-able for seniors – which was important as concerns my father.

Ilkley Moor - The Cow and Calf

Ilkley Moor – The Cow and Calf

Ilkley Moor - The Cow and Calf

Ilkley Moor – The Cow and Calf

Ich werde gar nicht erst versuchen irgendwie in Worte zu fassen, wie viele Narzissen wir gesehen haben. Als Zahl – und die ist vollkommen ernst gemeint: wahrscheinlich eine Million. Kein Scherz. Einfach unfassbar viele. Überall. Auf dem Land, in der Stadt, an der Autobahn. Überall. Erst jetzt verstehe ich, wovon der Dichter William Wordsworth (1770-1850) in seinem Gedicht „The Daffodils“ redet… Sein Namensvetter Willi K. brachte uns das trotz stundenlanger Beschäftigung mit diesem Gedicht im Englisch Leistungskurs nicht nahe. Und dann: Schlüsselblumen. Sicher Zehntausende…

I will not even attempt to try to put into words just how many daffodils we’ve seen. A number – and I’m 100% serious: probably about a million. No kidding. Just so incredibly many. Everywhere. In the countryside, in the city, near the highway. Everywhere. It is only now that I understand what William Wordsworth (1770-1850) was talking about in his poem „The Daffodils“… His namesake Willi K. just didn’t manage to convey that – despite talking about it for hours on end in our specialized course in English. And then: cowslips. Surely tens of thousands…

Ribblehead Viaduct, Yorkshire Dales National Parl

Ribblehead Viaduct, Yorkshire Dales National Park

Auch wenn viele Fotos nicht gerade gutes Wetter vermuten lassen: wir hatten unheimlich Glück. Der erste Tag in den Yorkshire Dales war ein fast wolkenfreier Tag bei sicher 23 Grad, einfach wunderschön. Neben näheren Begegnungen mit Schafen und Lämmern, der Betrachtung einiger trichterförmiger Karstformen und auf den Spuren von Wallace & Gromit in der Wensleydale Käserei kam ich auch in den Genuss meines ersten Steak and Ale Pie. Empfehlung!

Some (maybe most) of the pictures hint at rather nasty weather but in fact we were really lucky. Our first day in the Yorkshire Dales was positively gorgeous, no clouds and a nice 23°C (guess…). There were close encounters with sheep and lambs, examinations of funnel-shaped karst formations and a mission on the trail of Wallace & Gromit to Wensleydale Creamery, not to forget my first Steak and Ale Pie. Recommendation!

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Bei Ilkley haben wir am folgenden Tag die Cow and Calf (Kuh und Kalb) Formation besucht und uns dann nach Bolton Abbey begeben… nein, nicht Downton… BOLTON 😉 Die Ruine einer am Fluss Wharfe gelegenen Abtei und die dazugehörige Kirche, die weiter genutzt wird. Auf dem Rückweg habe ich mich dann in Ilkley noch schnell mit einem neuen Paar meiner Lieblingsschuhe ausgestattet – ganz modisch in grellpink!

On our second day we had a look at the Cow and Calf formation above Ilkley and then went on to Bolton Abbey… no, not Downton… BOLTON 😉 The ruins are picturesquely located by the Wharfe river. The adjoining church is still in use today. And on the way back I quickly got a new pair of my favorite shoes – in a shrill pink, one of the colors of the season!

Ruins of the priory at Bolton Abbey

Ruins of the priory at Bolton Abbey

Bolton Abbey, Kirche / Church

Bolton Abbey, Kirche / Church

Und wer denkt, in England wird nur Tee getrunken, den muss ich enttäuschen. Da wo wir gewohnt haben, war Kaffee angesagt. Ständig. Kaffee zum Frühstück und dann spätestens um 10 Uhr wieder. Zum Mittagessen natürlich und dann nachmittags, zu einem leckeren Stück Kuchen. Wenn man heimkommt, zum Chillen. Abends sowieso. Und dann war ich verwirrt, dass „dinner“ die Mahlzeit mittags beschreibt und „tea“ das Abendessen. Und wenn die Frage dann ist, ob der Hund denn auch schon seinen „Tee“ gehabt hätte, brauche ich eine Auszeit.

And if you think only tea is being drunk in the England, this will be a disappointment to you. Where we stayed, it was all about coffee. All the time. Coffee for breakfast and then again at 10 am at the latest. Of course you would have a cup with or after lunch and another in the afternoon, with a yummy piece of cake. When you get home, to wind down. In the evening of course. And I was really confused about „dinner“ which you have at lunch-time and „tea“ which is what I know as dinner. And I was at a complete loss when it was being discussed whether the dog had had his „tea“.

Schild in einem Restaurant in Bradford / Sign in a restaurant in Bradford

Schild in einem Restaurant in Bradford (Unbeaufsichtigte Kinder bekommen einen Espresso und ein Kätzchen geschenkt)/ Sign in a restaurant in Bradford

Als ich Reisenden aus Nordengland über einem Abendessen in Sri Lanka erzählte, dass ich nach Bradford fahren würde, guckten diese betreten zu Boden. Bradford wird auch im Reiseführer schon beschrieben als „von Rassenunruhen geschüttelt“. Es gibt einen hohen asiatischen Bevölkerungsanteil (der in Gesprächen nicht weiter aufgedröselt wird, aber ich denke, es handelt sich hauptsächlich um Menschen mit pakistanischem und indischem Hintergrund) und nachdem die Textilindustrie den Bach runterging ist ein großer Teil der Bevölkerung verarmt. „Es lässt sich gut leben in Bradford, so lange du nicht nach Bradford fährst“ hörte ich. Was das ganze aus stadtgeografischer Sicht ja nicht uninteressanter macht. Noch ein Grund, wiederzukommen und im Zentrum auch mal zu Fuß unterwegs zu sein 😉

I had met fellow travelers from Northern England in Sri Lanka earlier this year and when I mentioned I was going to go to Bradford there was an embarrassed silence. In my guidebook it says something to the extent of „Bradford is shaken by ethnic riots.“ A large proportion of the population is of „Asian“ descent (which was never portrayed in more detail but I think they are mainly people with a Paistani or Indian background). When the textile industry went downhill the population became impoverished. One judgement I heard was that „Bradford is a nice area to live in as long as you don’t go into Bradford“. Which doesn’t really turn off a person interested in urban geography. Another reason to return and have a look at Bradford on foot 😉

Bradford Industrial Museum

Bradford Industrial Museum

Bradford Industrial Museum

Bradford Industrial Museum

Bradford Industrial Museum

Bradford Industrial Museum

Das Bradford Industrial Museum war nicht gerade gut besucht, was eine Schande ist. Es war wirklich interessant und didaktisch gut gemacht.

The Bradford Industrial Museum wasn’t exactly packed which was a shame. It was a truly interesting exhibit in many ways and very well done.

Blick vom / View from Dog & Gun Pub

Blick vom / View from Dog & Gun Pub

Ein faszinierendes Viertel ist Saltaire. Der Industrielle Titus Salt hat dort seine Fabrik aufgebaut und drumherum eine Siedlung für seine Arbeiter, mit allem dum und dran – Krankenhaus, Kirche, Park, Schule usw. Nur einen Pub gab es nicht. Die Fabrik wurde 1986 geschlossen, das Gebäude jedoch aufgekauft und als erste Maßnahme eine Art David Hockney Galerie und Museum Shop eröffnet. Die ist RIESIG und hat einen ganz besonderen Charme. Nach und nach wurden auch weitere Stockwerke mit Geschäften, Büros und Galerien gefüllt.

Saltaire is another interesting part of Bradford. The manufacturer Titus Salt built his factory there and then also housing for his workers and all the infrastructure they might need like a hospital, school, church, a park even – but no pub. The factory was closed in 1986 but the premises were soon sold and the first development was the opening of a large David Hockney gallery and museum store of sorts. It’s HUGE and has a very special charm to it. Bit by bit other floors were also rented by stores, offices or galleries.

1853 Gallery at Salts Mills / Bradford

1853 Gallery at Salts Mills / Bradford

Ich hätte noch viel zu erzählen, aber wer will es alles lesen… und ins Bett muss ich auch! Zum Abschluss nur noch ein Bild eines mir bislang unbekannten Wetterphänomens. Wir waren spazieren. Es war, als hinge Nieselregen in der Luft – aber als würde er sich nur bewegen, weil es sehr windig war. Gleichzeitig wurde man auch nicht wirklich nass – selbst die Wäsche auf der Leine trocknete. Dann kam etwas Sonne und plötzlich stand ein Regenbogen auf einer Weide, etwa hüfthoch, und die Wiese schimmerte in Regenbogenfarben. Leider kann man es auf dem Foto nur erahnen, über einen bläulichen Bereich, der unterhalb der Bäume links anfängt und sich nach rechts zieht.

There would be so much more to tell you about but who wants to read it all… and I have to go to bed, too! But before you go have a look at the picture below – it shows a weather phenomenon that must be endemic to Yorkshire. We were on a short walk. It felt as if a drizzle was in the air but it seemed to be moving only because there was a rather strong wind. At the same time I didn’t get wet – even the laundry out on the lines dried. Then the sun came out briefly and suddenly there was a rainbow on a meadow, waisthigh, and the meadow shimmered in the colors of the rainbow. Unfortunately, the picture only captured a trace of it, in that slightly blue area that starts below the trees on the left side and then continues to the right side of the picture.

Regenbogen auf der Weide / Rainbow on the meadow

Regenbogen auf der Weide / Rainbow on the meadow

Bis bald!

Take care!

Barbara

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6 Kommentare zu “4 Tage / 4 days in Yorkshire

  1. So my friend you came to visit Yorkshire! It has a beautiful countryside … perhaps a 2 hr drive from where I live … We are divided by the Pennines. And you discovered that coffee is popular too! I’m so glad you enjoyed your trip …

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  2. Dear Barbara, thanks for taking us along! I love the sign in the restaurant with the espresso and kitten for unattended children. When will you come for 3 days to Kampala?

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