Glück und Freiheit

In den USA ist es im Sinne der Unabhängigkeitserklärung das Glück, nach dem gestrebt wird – in Liberia ist es die Freiheit, the pursuit of liberty. Aber das ist sich alles schon irgendwie ziemlich ähnlich, finde ich. Und da gibt’s ja auch noch anderes, was einen an das Land der unbegrenzten Möglichkeiten erinnert: die Taxis sind gelb (wenn auch weiter nicht viel an ihnen an die New York City cabs erinnert, zugegeben), die Briefkästen, die es zumindest in Monrovia gibt, sehen genau aus wie die des US Postal Service, blaue Kisten. Die Uniform der Polizisten erinnert mich verdammt an amerikanische Cops, besonders, wenn sie noch ihre Kappe dazu tragen. In vielen Dörfern, oder auch nur Siedlungen, kann man am Straßenrand Donuts kaufen – die dann zwar nicht die kleinen Küchlein mit dem Loch in der Mitte sind, sondern in Fett ausgebackene Teigklopse. In der Eifel würde man dazu Muzen sagen (die sind ganz anders als die vertrockneten Dinger im Rheinland) und sie wären noch in Zucker gewälzt… eine Tante ist da der absolut unschlagbare Hersteller – leider nur zur Karnevalszeit. Aber zurück zu Liberia. Es gibt das White House und Capitol Hill… ganz zu schweigen von den ganzen Orts- und Distrikt-/Provinzbezeichnungen: Virginia, Maryland, Mississippi, Louisiana… selbst bei Greenville denke ich an South Carolina. Die Flagge, wie schon hier erwähnt. Und dann das Design der Geldscheine, zwar farblich intensiver, aber doch ganz klar in Anlehnung an die Greenbacks. Auf der Straße bin ich einem Mann begegnet, der sich stolz auf die Brust schlug und mir zurief I am American! und ich etwas irritiert gedacht habe Äh, schön…(?) für dich?! Ich vermute, das geht zurück auf die Entstehung Liberias, das als Gebiet so vor sich hin existierte mit seinen 20 Hauptethnien und zig Sprachen. Da meinten die Abolitionisten in den USA im 19. Jh., dass das doch ein ideales Gebiet sei, um befreite Sklaven umzusiedeln – was 1822 zum ersten Mal geschah. 1847 erklärte man sich dann zu einer unabhängigen Republik. Oft war die Befreiung aus der Versklavung zwingend gekoppelt an die Rückübersiedlung nach Afrika. Dass die wenigsten tatsächlich aus der Region kamen, war irrelevant. Heute heißen diese „Rückkehrer“ bzw. deren Nachkommen Congo People – angeblich, weil man vermutete, dass die meisten ursprünglich aus der Großregion des Congo Delta kamen. So gibt es denn auch in Monrovia einige Congo Towns, die hauptsächlich von dieser Gruppe besiedelt sind.

Ich glaube, Monrovia war mal richtig schön – von einigen größenwahnsinnigen Betonklötzen, wie bspw. dem leer auf einem Hügel stehenden Ducor Palace Hotel, mal abgesehen. Eine Lage am Meer ist irgendwie immer positiv, auch wenn das feucht-heiße Klima und die salzige Luft sicher deutlich mehr als anderswo an Häusern und anderem „fressen“. Es gibt einen schön angelegten Boulevard, die Broad Street, und das ganze Downtown Gebiet, Mamba Point, lässt ehemaligen Charme an manchen Stellen durchschimmern. Wenn man ausblenden kann, dass der Matsch im Markt wadenhoch und von Müll und wahrscheinlich anderen durchsetzt ist, abbruchreife Häuser bewohnbar gemacht werden (so ein bisschen muss das nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Deutschland ausgesehen haben, Leben in Trümmern): abgerissene Fassaden ohne „Geländer“ – man sieht nur, dass mit Bambusmatten improvisiert Privatsphäre geschaffen wurde. Oder eher im Gebiet des Büro ein ghanaisches Restaurant auf einem Dach. Eigentlich ging da mal vorne eine Treppe hoch, die ist aber abgebrochen. Also muss man durch die Autowerkstatt im Hinterhof, vorbei an einigen privaten Küchen und einem röhrenden Generator, eine Hinterteppe hoch, um dann dort oben zum Klang von John Denver zu speisen, drumherum der Blick auf die Abrisswohnungen.
Und dann natürlich der Wahnsinn von Hochsicherheitskomplexen wie der amerikanischen Botschaft (die gerade nicht weit entfernt von der bestehenden komplett neu gebaut wird, angeblich 40m in die Tiefe…) oder riesige Compounds – und weniger als einen Steinwurf entfernt Wellblechhütten ohne Strom und fließend Wasser… oder nur da und dann fließend, wenn man es nicht brauchen kann. Es kann nicht wesentlich weiter auseinandergehen.
Wer übrigens mal was lesen möchte zu Liberia, dem seien die folgenden beiden Werke ans Herz gelegt – sie sind ganz verschieden, haben mir aber beide ausgesprochen gut gefallen (die Memoiren habe ich noch nicht ganz durch):
This Child Will Be Great. Memoir of a Remarkable Life by Africa’s First Woman President. Von Ellen Johnson Sirleaf. Das gibt’s auch schon auf deutsch, aber nur in gebundener Ausgabe.
Blue Clay People: Seasons On Africa’s Fragile Edge. Von William Powers.

Schönes Wochenende!
Barbara

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