Das Snowboard Feeling

Pangandaran. Der Ballermann der Südküste Javas, so kommt es einem vor, nur hat das Wasser Badewannentemperatur und außer uns ist kaum ein Mensch da, denn es ist Nebensaison und auch die Regenzeit ist noch nicht vorbei. Bis jetzt hatten wir immer Schwein: es regnete, und das zum Teil auch heftig, doch zumeist dann, wenn wir eh im Bus saßen oder nachts. Das Glück blieb uns weiter treu.

Anderthalb Tage waren in diesem 2006 von einem kleineren Tsunami heimgesuchten Badeort zu verbringen. Es wurden verschiedene Möglichkeiten der Gestaltung angeboten – DAS Highlight ist wohl ein Besuch des Green Canyon, der aber letztlich nur schwimmend aufgesucht werden kann… und das ist dann (leider) doch nicht so mein Ding. Die Teilnehmer waren begeistert. Ich hingegen schleppte mich mit einer weiteren Mitreisenden (die zu allem Überfluss auch noch Schwedisch sprach…) auf die “kleine Dschungeltour”. Pangandaran ist eine Halbinsel und am südlichen Ende derselben ist ein letzter Rest Dschungel, anfänglich eher ein Park mit befestigten Wegen – aber darauf blieben wir nicht lange. Graue und schwarze Affen gab es zu beobachten, Wild, allerhand Kleingetier inklusive unter Baumstämmen hervorgeholter Skorpione, und in einer Tropfsteinhöhle ließ sich eine Horde Stachelschweine mit einer Handvoll Erdnüsse davon überzeugen, uns einen Besuch abzustatten. Warum um alles in der Welt bleiben die in einer stockdunklen, nasskalten Höhle hocken?! Ich habe keine Ahnung, wo man sie sonst antreffen würde, aber hier fand ich sie irgendwie fehl am Platz.

Dann ging es querfeldein durch einen hauptsächlich Teak- und Mahagoniwald. Und glaubt es oder nicht, aber was mich am meisten fasziniert hat waren die Blätter. Alte, gammlige, braune, vom Baum gefallene Blätter. Die liegen da so rum, in Massen, können kein Wässerchen trüben und sehen eigentlich aus, wie ein ordinäres Buchenblatt oder so. Nur haben sie DIN A4-Format. Ich kam mir vor wie Nils Holgersson nur ohne Hamster (in dessen Begleitung er ja in der beliebten Zeichentrickserie immer unterwegs ist). Und wenn man dann in der Regenzeit, nach einem Tag und einer Nacht, in der es weitergeregnet hatte, auf eh glitschigem Untergrund zufällig sein ganzes Gewicht auf eines dieser Mega-Blätter setzt, geht man ab wie ein Zäpfchen. Es hatte tatsächlich was von Snowboard, endete nur im Dreck.

Dann gibt es Lichtungen, die eifrig abgeäst werden, wie unser Guide Rudi (“My name is Rudi. You know, like Rudi Völler.”) erklärte. Wir unterhielten uns gerade über Religionsfreiheit und dass es immer wieder Idioten gibt, die ihn dafür verurteilen, dass er Tattoos hat, was man als guter Moslem zu unterlassen hat, als er mitten in meine Antwort rief: “Bullshit!” worauf ich ob der rüden Unterbrechung meiner wohldurchdachten Antwort etwas irritiert parierte: “What?!” Er wiederholte: “BULLSHIT!!” und zeigte auf den Haufen vor uns: auf der Lichtung grasen auch Büffel, die wir aber leider nicht gesehen haben…

War der Vormittag noch schweißtreibender, als die Tage hier eh schon sind, so stand nachmittags eine Tour mit Rikschas, die hier Becaks heißen, auf dem Programm. Es sollte für 3 bis 4 Stunden durch Pangandaran und Umgebung gehen, wo wir sehen sollten, was man aus einer Kokospalme und ihren Früchten alles machen kann, wie krupuk (heißen die bei uns Krabbenkekse?) hergestellt werden, und tempe, ein Art Tofu (nur BESSER), wie die Puppen(-köpfe) für das wayang Theater geschnitzt und dann gespielt werden und vieles mehr. Die einzelnen Stationen waren an sich sehr interessant, aber am besten war einfach, in stinknormale Wohngebiete zu kommen, bei Leuten (die dem zugestimmt hatten) durch den Garten zu schlappen – wo es eben keine Tomaten, Kartoffeln und Petersilie gibt, sondern Kokospalmen, Bananenstauden, Pfefferpflanzen und Kaffee rumstehen… und überall Hühner und Gänse rumlaufen, unzählige Katzen und fast noch mehr Kinder, die uns durch die halbe Stadt begleitet haben. Ich glaube, ein Highlight für einen Bauern verursacht zu haben, indem ich irgendwo darum bitten musste (bzw. die Reisebegleiterin für mich), mal die Toilette benutzen zu dürfen. Wir haben uns rein sprachlich nicht wirklich verstanden, aber viel gelacht.

Sprache. Indonesisch soll auf der umgangssprachlichen Ebene eigentlich ganz einfach sein (rein grammatikalisch) und auch sind die Worte für die deutsche Durchschnittszunge nicht schwer auszusprechen – aber ich finde sie wenig eingängig. Ich habe 48 Stunden gebraucht, um mir “terima kasih” zu merken, Danke. Und wirklich weiter bin ich noch nicht gekommen. Manche Worte sind deutlich dem Niederländischen entlehnt (oder einfach knallhart übernommen) wie “Kantor” oder “Apotek”. Dann gibt es auch “Knalpot”, was ein Auspuff ist. Damit wird an wirklich JEDER Ecke geworben und ich frage mich, warum die Dinger hier so hohe Konjunktur haben. Es scheint nur ein einziges Wort zu geben, dass es aus dem Indonesischen in viele andere Sprachen geschafft hat: “Amok”. Es beschreibt laut unserer Reisebegleiterin in der Originalbedeutung den Punkt, den die Menschen hier erreichen, wenn sie Ewigkeiten die Ruhe und Geduld in Person waren und plötzlich “umkippen”, wenn der letzte Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt. Dann wird es heftig. Dass dieser Punkt kurz bevorsteht merkt man daran, dass sie plötzlich nichts mehr sagen und wenn es dann noch eine Eskalationsstufe weitergeht, geht man mit Fäusten und Steinen und was weiß ich auf alles los, was man kriegen kann.

Nun denn. Nach Pangandaran stand ein Reisetag an, der uns gegen Abend ins unspektakuläre Wonosobo brachte – aber irgendwo muss man ja schlafen! Und es sollte als Basislager dienen für den folgenden Tag… dazu dann später mehr.

An dieser Stelle eine Bitte: Java soll – und hat mit Sicherheit – eine wahnsinnig hohe Bevölkerungsdichte. Könnte mal jemand recherchieren, ob die höher ist als die von Ruanda und wenn ja (und man das irgendwie rauskriegen kann), ob die großen Städte, allen voran Jakarta, den Vergleich hinken lassen? Bitte einen Kommentar zu diesem Eintrag hinterlassen! Tausend Dank…

… und viele Grüße
Barbara