Brodelndes Weißes und satiniges Rotes

Gegenteil von Playa del Sol im Juli

Gegenteil von Playa del Sol im Juli


Obwohl es sogar in Lacanau-Océan diverse Möglichkeiten des WLAN-Zugangs bei Kauf eines Kaffees o.ä. gab, komme ich erst jetzt dazu, ein wenig mehr von dort zu berichten – das Wetter wurde nämlich besser und besser (27 Grad und SONNE) und der Drachen wurde alsbald im Wohnzimmerregal eingemottet. Es frisst halt unheimlich viel Zeit, am Strand spannende Krimis und Romane zu lesen, den Wellen zu lauschen und sich auch hier und dort mal in selbige zu werfen. Das hört sich jetzt so an, als hätte man die Sache im Griff, aber die Brandung ist tatsächlich so stark, dass man nicht viel mehr tun kann als zu schauen, dass man den Kopf wieder über Wasser bekommt. T-O-T-A-L G-E-I-L.
Muss man wohl für geboren sein

Muss man wohl für geboren sein

Ich kann mich nicht erinnern, jemals irgendwo schon eine solche Brandung an einem Badestrand erlebt zu haben – für Urlaub mit Kindern ist das eigentlich gar nichts, die kann man nicht oder nur wenige Meter und immer unter Aufsicht ins Wasser lassen. Familien mit Kindern vermute ich deshalb in der Saison eher am nahegelegenen See Le Moutchik. Im Meer steht man quasi ständig in einer brodelnden weißen Masse von Gischt, den Boden sieht man nie, dafür den Sand aufgewirbelt in manch einer Welle, die man dann gleich als heimtückisch einstufen kann. Die Wellen sind respekteinflößend und üben gleichzeitig eine fast nicht abzuwehrende Anziehungskraft aus. Sie bauen sich deutlich über meine Körpergröße vor einem auf und es bleibt nur die Hoffnung “Brich doch endlich, brich!!!” denn aus Erfahrung gerate ich lieber in eine Welle, die schon „kracht“ und nicht gerade bei mir entscheidet, sich der brodelnden Masse anzuschließen. Immer mit uns im Wasser ein älterer Herr, den wir regelmäßig aus den Fluten fischen mussten – und dabei so manch einen Pamela Anderson-Moment erlebten. Ich glaube immer noch, dass der am ersten Tag zufällig mit uns in den Wellen stand und als wir ihn dann rausfischten an den anderen Tagen guckte, dass er gleichzeitig das Abenteuer startete – aus Sicherheitsgründen. Massen an Wellenreitern, body boarders – aber ich muss sagen, dass das glaube ich etwas ist, was ich eher nicht ausprobieren werde, auch nicht mit Kontaktlinsen und im Neoprenanzug. Es bleibt allerdings die Frage, warum hier keine Windsurfer anzutreffen sind…?
Auf in den Kampf

Auf in den Kampf


Lacanau-Océan ist ein Touristenörtchen mit den üblichen Läden, einigen Restaurants und sogar einem kleinen Kino, wo allerdings die offenbar letzte Vorstellung der Saison bereits am 2.9. lief. Kinos teste ich ja gerne überall. Neben einem Ausflug in die Wellen kann man bis in alle Ewigkeit am Strand entlanglaufen, sich an gekennzeichneten Stellen in die Dünen begeben oder auch in den Pinienwäldern wandern oder Radfahren. Leider fand ich in selbigen nicht wie erhofft weitere große, offene Zapfen… aber zwei habe ich mir in Arcachon gesichert und werde die auch heim schleppen 🙂 Der Wochenmarkt mittwochs musste natürlich mitgenommen werden und man deckte sich ein mit diversen Köstlichkeiten unterschiedlichster Art. Und ein megakitschiger Ring, der es aufgrund seiner Machart wohl noch nicht mal bis Deutschland überleben wird, fand Platz in meinem Herzen… Da der Badeanzug eher wie ein Sack an mir hing, machte ich “im Städtchen” auch noch die Erfahrung eines Schlussverkaufs. Probierte zwei Badeanzüge an, entschied mich für einen, wollte zahlen und die freundliche Dame an der Kasse wies mich darauf hin, dass ich ja für einen Euro mehr auch den zweiten haben könnte. DAS nenne ich ein Angebot. Nun, da habe ich nicht lange überlegt. Jetzt muss ich dann nur noch schwimmen gehen im Winterhalbjahr.
Laufen, laufen, laufen...

Laufen, laufen, laufen...


Auf der Fahrt von Lacanau-Océan zur Hochzeit meiner Freundin in Seissan bei Auch (so zwischen Toulouse und Pau gelegen) musste ich in Bordeaux ja erneut halt machen und den Zahnarzt ein drittes Mal aufsuchen – vorbereitende Maßnahmen für die wahrscheinliche Wurzelbehandlung am kommenden Mittwoch. Dabei fällt mir neben der Parkplatzsuche überhaupt das Fahren in Bordeaux ein: ein Alptraum. Und wenn ich keinen Navi gehabt hätte, wäre ich wahrscheinlich untergegangen. Alleine beim Fahren mit Karten zu hantieren ist keine Freude. Der Navi (übrigens: le tomtom) brachte mich auch gut und… INTERESSANT nach Seissan. Ich hatte mich für eine Route hauptsächlich ab der Autobahnen entschieden – weniger wegen der Mautgebühren, sondern mehr, weil ich ja auch was sehen wollte. Ich hätte mir auch ruhig eine Woche Zeit nehmen können für die Anreise – in jedem noch so kleinen Kaff gab es ein mittelalterliches Zisterzienserkloster zu besichtigen, eine alte Kirche oder sonstige interessante Örtlichkeiten. Der Ort Condom weckte eher aufgrund der Namensgebung mein Interesse – und stellte sich als malerisch heraus, noch dazu mit einer Partnerstadt in Deutschland. Es war ein fantastischer Herbsttag, an dem ich unterwegs war. Die Landschaft war sonnendurchflutet und so ging es auf unzähligen Alleen (mit den immer angebrachten Schildern: „Achtung, Bäume!“) vorbei an Sonnenblumen- und Maisfelderfeldern (fertig zur Ernte), dem einen oder anderen Weinberg, wieder Pinienwälder. Und man muss sagen, die Franzosen fahren wie der letzte Henker. Außerhalb geschlossener Ortschaften liegt das Tempolimit bei 90 km/h und ich selbst war schon mit moderatem Bleifuß im Eifeler Stil bei zwischen 100 und 110 km/h unterwegs (der Zahnarzttermin war erst am späten Nachmittag) – und wurde immer mal wieder auch überholt…

Die Hochzeit war der Bringer. Samstags morgens wurde ab 8:30 Uhr gemeinsam gefrühstückt, bevor die Hochzeitsgesellschaft um 10:15 Uhr zu Fuß zum Rathaus aufbrach, wo um 11 Uhr die Trauung stattfinden sollte. Es schien mir, als sei es das Highlight des letzten Jahrzehnts in diesem verschlafenen Örtchen zu sein. Ich vernahm auch, dass sich die Brautmutter und der Bürgermeister beim einzigen Coiffeur vor Ort am Vortag kennengelernt hatten, als letzterer der Friseurin brühwarm erzählte, dass da diese internationale Hochzeit sei usw. – nur um dann von der Dame neben dran mit den Worten “Na sowas! Ich bin die Mutter der Braut!” begrüßt zu werden. Er machte was her, der Bürgermeister, mit seiner Schärpe und dem mehrfachen Hinweis auf die französische Verfassung die da bestimmte, dass die Zeremonie nur in französischer Sprache durchgeführt werden dürfe, wenn sie rechtsgültig sein sollte. Man war seitens des Brautpaars vorbereitet und hatte englische und niederländische Übersetzungen bereitgelegt. Kurz und schmerzlos war das ganze nach max. 15 Minuten geschehen und man machte sich wieder auf den Weg zurück zu diesem “Resort”, in dem an diesem Wochenende die Hochzeitsgesellschaft alles besetzt hatte. Nach einem Sektumtrunk und mittäglichen Snack zogen sich dann alle um für den sportiven Nachmittag (das Brautpaar ist dem Extremsport zugetan und man hatte entschieden, da Sport und Aktivität ihnen so viel bedeuten, sollte auch die Hochzeit unter diesem Motto stehen). Erwähnte ich die idealen Wetterbedingungen von ca. 28 Grad und praller Sonne?? Nach einer Pause zum Umziehen also traf man sich in einer Gruppe wieder, die nacheinander ein kleines Radrennen, ein bisschen Jogging, Kanufahren, Bogenschießen und ein Floß über den See ziehen hinter sich zu bringen hatte. Wir hatten einen Heidenspaß und außer einem Bluterguss am linken Unterarm aufgrund unsachgemäßer Handhabung eines Bogens bin ich ohne Blessuren davon gekommen.

Hochzeitsimpressionen

Hochzeitsimpressionen


War die letzte Hochzeitsgesellschaft deutlich juristisch geprägt, so hatte ich dieses Mal den Eindruck, auf einem Gynäkologenkongress gelandet, oder, wenn man dann mal mehr mit den Freunden des Bräutigams zu tun hatte, in eine Horde Elektrotechniker geraten zu sein. Letztere waren soweit mir bekannt alle Niederländer, wohingegen der Freundeskreis der Braut deutlich internationaler war und Gynäkologen oder Menschen ähnlicher Fachrichtung mit fünf unterschiedlichen Muttersprachen in sich vereinigte. So erfuhren wir einiges über Hochzeitssitten in Spanien, das regnerische Bergen in Norwegen (ca. 2000mm Jahresniederschlag – in Deutschland liegt das so bei 700-800, wenn mich die Erinnerung nicht täuscht) und administrativen Wahnsinn in niederländischen Krankenhäusern. Ich habe mich basierend auf Gesprächen des Nachmittags (also ohne den Einfluss von Alkohol aber vielleicht im Endorphin-Rausch?) darauf eingelassen, Ende April an einem 40km-Langlaufrennen in und um Geilo in Norwegen teilzunehmen. Den Namen habe ich vergessen. Und ich befürchte, das wird tatsächlich was werden. Allerdings würde ich wohl abgesehen von verstärkten Trainingseinheiten in den kommenden 6 Monaten noch mindestens eine Woche Schneetraining voranstellen wollen. Ohne Support-Team kann ich mir nicht erlauben, wieder halb tot wie nach dem Kort-Vasa aus der Sache rauszukommen. Und da war ich dann, oh Schreck, 11 Jahre jünger…

Tja, in diesem Zusammenhang kann ich sagen, dass die Referenz-Jeans noch passt, aber deutlich enger sitzt als vor der Abreise. Oder liegt das vielleicht daran, dass sie jetzt frisch gewaschen ist?!?!? *HOFF* Der Tag der Wahrheit kommt… ich werde berichten.

Bis dann!
Barbara

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s