Das Ende einer Ära…

Diese Ruhe, besonders nachts… diese Küche, ohne Spülkram und nicht gewischte Oberflächen… dieses Badezimmer, Luftfeuchtigkeit deutlich unter 98%… Ich bin endlich allein. Dass ich diesen Satz jemals so formulieren würde – aber fast drei Jahre mit meiner chinesischen Mitbewohnerin haben ein Ende gefunden und es ist einfach eine Erleichterung. Was genau mit dem Zimmer wird, entscheide ich nicht von heute auf morgen, das hat Zeit. Und als Gästezimmer kann man es auch im momentanen Zustand gebrauchen.

Die Kosten werden erheblich sinken: keine Hunderterpacks an Ohrstöpseln mehr, deutliche Senkung des Pro-Kopf-Toilettenpapier- und Wasserverbrauchs (ca. -80%?), die Verbrauchszeit für eine Flasche Spüli wird von ca. drei Wochen auf drei Monate steigen… Mit diesen Wahnsinnspotenzialen vor Augen konnte ich doch auch gleich mal investieren und habe mir, was, wie ich heute erfuhr, in manchen Kreisen als „Unterschicht-Glotze“ betitelt wird, zugelegt: einen LCD-Fernseher mit einer 81 cm Bildschirmdiagonale. Erst mal ein Seufzer der Erleichterung, dass er auch tatsächlich an die Stelle passte, wo er hinsollte. Wie breit die Geräte insgesamt sind steht ja nie dabei, immer nur die Diagonale. Nach einem kleinen Kampf mit den Anschlüssen und einer wie so oft nutzerfreundlichen Anleitung mit viel Fachchinesisch, konnte ich ihn doch noch ans Laufen bringen und nach anfänglichen Problemen mit dem Ton auch was hören zu den Bildern. Ich habe dann gleich fast einen Herzinfarkt erlitten, als riesige Biber auf mich zu schwammen (eine Yellowstone-Doku) und ich feststellte, dass ich wahrscheinlich doch einen Durchbruch zum nun freien Zimmer machen muss, damit ich weit genug vom Bildschirm wegkomme… Auf jeden Fall muss ich bald mal was „beeindruckendes“ gucken, Der mit dem Wolf tanzt oder Braveheart oder so was. Vielleicht auch jetzt sofort…

Der Beginn einer neuen Ära 😉

Ganz neu!

Willkommen bei The Knackered Grouse! Mein alter Blog musste sich leider verabschieden, denn mein Gastgeber der letzten drei Jahre baut bei sich so einiges um. Aber wie das so ist mit überraschenden Neuerungen: sie bringen auch immer was gutes mit sich. So bin ich dazu gekommen, mir noch mal ein paar Überlegungen zu machen, wie der Blog aussehen sollte und habe jetzt ein paar Gestaltungsmöglichkeiten mehr.

Und dann der Name. Ich dachte, das wäre superschnell geregelt und hat mich dann einen ganzen Abend gekostet. Es sollte was ganz einfaches sein, aber alles, wirklich alles, was mir einfiel, war bereits vergeben. Und da es nicht The simple things 234 sein sollte, fing ich auf der Suche nach Inspiration verzweifelt an, wild irgendwelche Seiten

Haselhenne

Haselhenne

im Wörterbuch aufzuschlagen und entschied mich letztlich für The Knackered Grouse. Eine grouse ist ein Waldhuhn und knackered bedeutet soviel wie total fertig – so fühlte ich mich gegen Ende der Suche auch. Im weiteren habe ich nun entschieden, dass es sich bei meinem Waldhuhn um eine Haselhenne handelt. Das wiederum liegt daran, dass das Internet extrem wenige Fotos von Waldhühnern zu bieten hat – die meisten davon sind Zielscheiben, die man bei irgendwelchen Sportschützenausstattern bestellen kann. Viele biologische Details findet man bei Zeno – das halbe „Brehm’s Tierleben“ wie mir scheint, aber keine Fotos. Nun also die Haselhenne. Ein gewisser W. Scherzinger schreibt dazu:

Das Haselhuhn ist nach dem Haselstrauch benannt, den es früher an vielen Waldrändern und in Feldgehölzen zur Nahrungsaufnahme nutzen konnte. Dieser etwa Rebhuhn-große Hühnervogel wurde in z. T. großer Stückzahl erlegt, denn er galt als begehrtes Wildbret in Fürstenhäusern und Klöstern, was auch den wissenschaftlichen Namen prägte: Bonasa bonasia heißt (frei übersetzt) „schmeckt sehr gut“! […]

Heute jedoch ist das kleinste heimische Waldhuhn den wenigsten bekannt, es fehlen gründliche Bestandserfassungen für den Großteil seines Verbreitungsgebietes – und von hohen Siedlungsdichten kann keine Rede mehr sein. Dabei eignete sich dieses kleine und (vergleichsweise) intelligente Waldhuhn ganz besonders für die Gestaltung eines artspezifischen Lebensraumangebots, selbst in regulär bewirtschafteten Wäldern, zumal es ja gerade die sonnigen Wegränder und bunten Bestandsgrenzen, die kleinen Hiebsflächen und jungen Stangenhölzer benötigt. […]

Es wird weiter beschrieben, dass sich Artnachweise im Sommer besonders Sandbadeplätze eignen – ein symphatischer Zug dieses Tiers!

Also, willkommen bei The Knackered Grouse!

Barbara

Voll der Frühling!!!

spring_web

Mehr zum Thema Frühling kann man sich hier ansehen, auch wenn die Lage auf Facebook immer bizarrer wird. Ich werde nicht nur informiert, dass Snezana Avromov-Atanasovska und Natasa Popovska-Pavlovska ebenfalls das von einem mazedonischen Freund eingestellte Foto kommentiert haben, nein! Jetzt weiß ich auch, dass Kari Kallevi Pöllänen das Foto von Sini wie folgt kommentiert hat: „mitä sinistä sä käytät/kenen sinistä käytät pysyykö esim. vaalean eri sävyt (toki niitä ohentelet ym.) idea olisi nyt -koko reisi polveen asti tollainen „sini“taivas jossa yksinäinen vanha monipurjeinen laiva on tulossa kotiin“. Aber die Fotos der finnischen Landschaft sind atemberaubend schön! Könnt ihr euch jetzt leider nicht ansehen…

Ganz klar: mangelnde Flexibilität

Schon bevor ich das Haus verließ, hätte ich es wissen müssen – es war der montagigste aller Montage. Wie jeden Morgen polterte der Halbstarke von oben lautstark die Treppe runter, danach kann ich den Wecker stellen, immer um 6:45 Uhr. Im Halbdämmer denke ich irgendwann: „Hm, warum klingelt er dann nicht?“ und merke um 6:58 Uhr, dass er noch auf 10 Uhr eingestellt war. Hektik am frühen Morgen liebe ich über alles, besonders wenn ich noch mit halb offenen Augen auf dem Weg in die Küche feststellen muss, dass die Wohnungstür seit unbestimmter Zeit offensteht und alles Hab und Gut weg sein könnte. Aber es sind ja nur noch 17 Tage.

Diese Woche war durchgeplant, denn es sind die letzten vier Tage der Übergabe, bevor ich mich nach Ostern meinen nicht nur neuen Aufgaben widmen werde. Aber alles wurde bereits um kurz nach acht durcheinander gewirbelt, als meine Kollegin eine etwa wie folgt lautende Nachricht auf der Voicebox abhörte: „Bonn-schura, scharif-a a Bonn-e oschurdwie-a.“ (Bonjour, j’arrive à Bonn aujourd’hui – Guten Tag, ich komme heute in Bonn an.) Es handelte sich um den heißbegehrten italienischen Mechaniker, der sich mit Nutzfahrzeugen mit dem Stern so richtig gut auskennt und von dem wir lange nicht gehört hatten, nachdem wir ihn per Mail und telefonisch gebeten hatten, zu einem Termin nach Bonn zu kommen. Wie bizarr – eine Absprache schien nicht im Sinne dieses Menschen zu sein und es hat wenige Tage in den letzten Jahren gegeben, an denen wir mehr nicht verschiebbare Aufgaben auf der Liste hatten.

Aus schierer Verzweiflung verabredeten wir uns trotzdem vor seiner Ankunft in einem Etablissement mit Sonne zum Mittagessen und beobachteten alle vorbeieilenden Menschen. „Der kleine Dicke da mit der Glatze, in der gelben Jacke – das könnte er sein!“ meinte die Kollegin und ich war der Einschätzung nicht abgeneigt. Dann kam ein eher groß gewachsener Typ mit dunklem Strickpulli und einem grünen Koffer – der könnte es auch sein. So ging es noch ein bisschen weiter über unserem Baguette St. Pierre und den Tagliatelle Lodarchi. Als uns der Besuch dann um 14 Uhr angekündigt wurde, wurde die Wette geschlossen und ich gewann tatsächlich: es war der Hüne mit dem Koffer. Gott sei Dank kein Geigenkoffer.

Auf die Frage, warum er den Termin nicht mit uns angestimmt habe, antwortete er lapidar, dass man ja keine Zeit verlieren müsse und auf der Baustelle ja schon die eine oder andere Maschine still läge – Zeit ist Geld. Ja, wohl wahr… aber der Aufenthalt hätte auch nur zwei Tage dauern müssen, hätten wir davon gewusst – und unsere Zeit ist auch nicht kostenlos. Wie kriegen wir den Mann ohne Anmeldung bei einem Tropenarzt durchgecheckt, ihm den Vertrag ausgestellt und vielleicht ein bisschen INFO dazu rübergebracht, ein Visum besorgt, ein Hotel gebucht, einen Flug arrangiert, ein Gespräch mit dem Chef eingebaut, vielleicht noch nicht uninteressante Informationen aus der Logistik-Abteilung – uns fiele da schon was ein, was man vielleicht durchziehen sollte.

Nur rudimentär unterdrückte hysterische Lachkrämpfe hielten Einzug, als es um die Heimreise nach „bei Venedig“ ging: einen Billigflieger kriegen wir nur Donnerstag, mittwochs mit der Bahn, auch nur 15 Euro billiger und man sitzt fast 14 Stunden drin… ne, da gibt’s ne viel bessere Verbindung, da: das sind nur 12,5 Stunden!

„Alora, tutte e bjeng.“ Frei übersetzt: der Tag war für’n Arsch. 😉

Relativitätstheorie

Vergangene Woche im Wartezimmer einer Arztpraxis war es wieder soweit: ich wünschte, ich hätte an den mp3-Player gedacht, um mich einfach wegdröhnen zu können. So blieb mir nur meine Zeitung, die jedoch bald zu einem bloßen Mantra wurde, um den Blutdruck halbwegs im Zaum zu halten. Die beiden Damen, die, wie sie im Detail austauschten, jeweils zu solch lebensnotwendigen Eingriffen wie einer Laser-OP vor Ort waren („Wissen Sie, Kontaktlinsen vertrage ich nicht und die Brille drückt doch sehr auf der Nase und mein Mann meinte auch, man könne meine schönen blauen Augen gar nicht recht bewundern, ha, ha!“) beschäftigten sich bald mit dem immer beliebten Thema der Gesundheitsreform, die ja auch schon als ein Vorbote der weltweiten Finanzkrise hätte verstanden werden müssen.

„Ach, alles ist so teuer geworden!“ beklagte sich die eine.
„Ja,“ pflichtete ihr die andere bei, „mehr als zweimal in der Woche aus essen gehen kann man sich kaum noch erlauben…“
„Na, das waren noch Zeiten, was Schatz?“ mischte sich der jenseits jeden Hauchs von Natürlichkeit gefärbte Gatte ein, „als wir noch dreimal im Jahr Urlaub gemacht haben!“
„Ach ja…,“ pflichtet sie ihm bei, „aber wenn man dann das Rentenalter erreicht hat, muss man halt Abstriche machen.“
„Und dann die ganzen Zuzahlungen zu den Medikamenten – früher hätte es doch so was nicht gegeben!“ fokussiert ihre Sitznachbarin wieder das Thema und ich denke: wie definierst du früher?

Es ging immer so weiter und ich sah mit FREUDE meinem grundsätzlich eher unangenehmen Netzhaut-Screening entgegen – nur WEG hier. Ich ertrage diese Diskussionen nicht mehr, wenn die Leute jeden Bezug zur Realität des Rests der Welt verlieren – oder nie gehabt haben. Herrgott, da ist ein Arzt, der hat was gelernt, der versteht sein Handwerk. Der hat in den allermeisten Fällen die Instrumente und Medikamente zur Hand, die er braucht, um dein Problem zu lösen. Und das wird oft alles ganz bezahlt. Manchmal muss man was dazu beitragen. Kann man das verdammt noch mal nicht zu schätzen wissen? Dass man nicht in irgendeine komische Kaschemme in einem Basar gehen muss, wo einem ein verschroben aussehender Typ mit einer Zange und ohne viel Palaver erst mal einen Zahn zieht, der nicht der kaputte war? Dass man sich vor Angeboten an geburtsvorbereitenden Kursen und Vorab-Besuchen diverser Kreißsäle nicht retten kann, bevor „es“ soweit ist anstatt zu hoffen, insh’allah, das wird schon gut gehen und sich dann im besten Fall in der Fürsorge einer traditionellen Geburtshelferin weiß, der die Mitarbeiterin irgendeiner Hilfsorganisation mal gesagt hat, es sei nicht förderlich, der Gebärenden bei schwierigen Niederkünften auf den Bauch zu springen? Vielleicht hat sie sogar ihr „Kit“ dabei, wo auch Seife drin ist. Dass es Gegenden gibt, wo Frauen mehrfach auf brutalste Art und Weise vergewaltigt werden und die Sorge um einen Arzt, geschweige denn um einen Trauma-Therapeuten, ein nebensächliches Detail ist, weil am besten erst gar keiner merkt, dass da was passiert ist, weil man sonst seine Sachen packen und sehen kann, wo man bleibt?

So lange hier noch ALDI-Jogging-beanzugte Menschen bildungsferner Schichten 500g Erdbeeren für 4,99 Euro kaufen kann es so übel noch nicht sein. Und wenn die Medien nicht langsam mal auf ein „Yes, we can!“ anstatt der ewigen „Oh-es-ist-so-furchtbar-und-wird-noch-viel-furchtbarer-Leier“ umsteigen, dann weiß ich es auch nicht.

Das musste mal gesagt werden. Auch wenn der Frühling da ist.