Das Konkurrenzunternehmen

Cover von Senk ju vor träwelling

Es entbehrte nicht gewisser Ironie, dass ich in der Nacht zuvor wegen Schlaflosigkeit bis in die frühen Morgenstunden das Buch „Senk ju vor träwelling“ Wie Sie mit der Bahn fahren und trotzdem ankommen gelesen hatte. Ich wollte mal wieder in die Eifel, zu meinen Eltern, was am Bonner Hauptbahnhof öfter schonmal Schwierigkeiten verursacht und sich auch dieses Mal als eines der großen Abenteuer dieser Welt entpuppte.

Wohlwissend, dass ich an einem Samstagmorgen den Wecker sicher nicht wegen ewiger Schlangen im Reisezentrum eine Stunde früher stellen wollte, hatte ich meine Fahrkarte schon am Vortag besorgt. So erreichte ich, noch etwas muffelig wegen des fehlenden Schlafs, um 9:44 Uhr Gleis 4, wo der Zug gewöhnlich – und wie mir das Internet am Vorabend noch einmal bestätigt hatte – um 9:49 Uhr abfährt. Je höher mich die Rolltreppe brachte, um so größer wurden meine Augen: kein Zug angezeigt, dafür Dutzende von verzweifelten Wanderern gestiegenen Alters, die sich einen schönen Tag an der Ahr machen wollten. Die Rolltreppe in die Gegenrichtung war nicht weit und ich machte mich gleich auf zum Info-Point. Dort entspann sich folgender Dialog:

Barbara: „Guten Morgen! Können Sie mir sagen, was mit der Rhein-Ahr-Bahn los ist? Die scheint nicht zu kommen?“
SERVICEkraft: „Nein, die fahren heute alle wegen Gleisarbeiten ab Bonn Bad-Godesberg.“
„Ach Herrje… “ [Blick auf die Uhr]
„Das schaffen Sie nicht mehr. Das war aber überall angeschlagen im Bahnhof.“
„Nun, das setzt voraus, dass man vorher im Bahnhof ist UND aktiv die Glaskästen aufsucht, wo Änderungen stehen KÖNNTEN. Ich habe am Vorabend im Internet geguckt und da stand gar nichts zu Änderungen.“
„Ja, was haben wir mit dem Internet zu tun? Das ist ein Konkurrenzunternehmen.“
„Wie jetzt, Konkurrenzunternehmen? Ich meine http://www.bahn.de.“
„Ja, sag ich doch. Ein Konkurrenzunternehmen, damit haben wir nichts zu tun und können auch nichts dafür, wenn die das nicht ändern.“

Zu diesem Zeitpunkt hielt ich es für besser, einfach per U-Bahn Richtung Bad Godesberg aufzubrechen, denn unausgeschlafen und mit einem stetig ansteigenden Genervtheitspegel kann man mit einem derartigen Ausmaß an Absurdität nicht umgehen. Dass man mir servicehalber beim Kauf des Tickets am Schalter vielleicht einen Tipp hätte geben können, war offensichtlich auch zu viel verlangt… Warum muss man so einen Humbug reden und kann nicht einfach sagen „Das tut mir leid und war mir nicht bewusst – ich werde das melden, damit das an den kommenden Wochenenden behoben ist.“ SELBST WENN man es dann nicht tut?? Ich habe die Frage nach der Konkurrenz auch an das Unternehmen gestellt und bin gespannt auf die Antwort – wenn eine kommt.

Was das oben genannte Buch angeht: es hat gute Passagen und besonders gefallen mir die „Übersetzungen“ für besonders häufig gebrauchte Wendungen in Durchsagen am Bahnsteig (endlich weiß ich, warum es diese ganzen Böschungsbrände gibt, weswegen sich die Züge auf ungewisse Zeit verspäten). Alles in allem ist es aber derart übertrieben, dass es spätestens nach der Hälfte langweilig wird.

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