An Afternoon in… DUSHANBE!


Nach knapp dreizehn Jahren zurück in Zentralasien… schlug es mich, als ich morgens um 4 Uhr in Duschanbe aus dem Flieger stieg. Und es brach einfach nur die schiere Freude aus. Vielleicht war es aber auch die Übermüdung. Doch das Gefühl ist geblieben. Ich würde am liebsten sofort eine mehrmonatige Reise durch Tajikistan, Kirgistan, Usbekisten und andere antreten. Eigentlich auch und besonders Afghanistan, aber das ist ja keine Option, auch wenn die Bundesregierung unglaubhaft zu vermitteln versucht, dass dort alles zum besten steht.

After thirteen years I’m finally back in Central Asia… it hit me when I got off the plane in Dushanbe at 4 a.m. I was downright ecstatic. Or maybe it was sheer exhaustion. But the feeling is still there. I’m ready to go on a multi-month trip through Tajikistan, Kyrgysztan, Usbekistan and others. Especially Afghanistan of course but that is no option – no matter what the German government tries to make people believe.

Was Robinson Crusoe sein Freitag, ist mir derzeit mein Montag. Dushanbe heißt wörtlich „zwei Samstag“, also der zweite Tag nach Samstag… der Montag. Und da fand hier, als das noch ein Flecken war, immer der Markt statt. Wie auch immer: ich bin zwar im Stockdunkeln angekommen, aber das interaktive 3D-Kartenwerk an Bord war fantastisch. Dushanbe liegt in einer Talsohle, auf 800 mNN im Hissartal. Das Wetter ist derzeit kaum zu übertreffen und morgens sieht der Blick aus meinem Hotelzimmer so aus:

What Friday was to Robinson Crusoe, Monday is to me. Dushanbe literally means „two Saturday“, meaning the second day after Saturday… Monday. That was market day at the time when this was just a place of a couple dozen houses or so. Anyhow: it may have been pitch-black when I got here but the interactive 3D-map software onboard was fantastic. Dushanbe is located on 800m above sea level in the Hissar Valley. The weather is gorgeous these days and when I look out the window of my hotel room in the mroning, that’s the view:

Stadtgeografisch geht hier gerade der Punk ab und ich frage mich jetzt schon, warum ich an diesen dienstlichen Aufenthalt nicht noch ein paar Tage drangehängt habe, um mal Zeit zu haben, hier so richtig durch die Gegend zu strolchen. Ich lasse da mal den Architekturführer Dushanbe von Edda Schlager sprechen: „[…] nirgends in Zentralasien ist so deutlich zu sehen, wie sozialistische Pläne urbanen Raum schufen – und scheiterten. Fernab von Moskau geriet hier selbst der Stalin-Stil weniger gewaltig, die Sowjetmoderne avantgardistischer als anderswo. Seit 25 Jahren entsteht nun eine neue, von Gigantismus beherrschte Architektur, die sich der älteren Baugeschichte – und Identität – konsequent zu entledigen sucht. Dutzende historischer Bauten sind bereits verschwunden oder akut vom Abriss bedroht.“ Für den Grünen Basar kam ich acht Wochen zu spät – wo der einst stand, ist nun nur noch ein riesiger Acker, der sicher bald ein weiteres Exemplar der Marke Gigantismus beherbergen wird.

I was taken by surprise to find out that this place makes an urban geographer’s heart beat harder and already regret that I haven’t added a few days to this business trip in order to have time to really have a look at this place. Even though there’s a lot of sadness involved – but let me translate a section of the Architectural Guide to Dushanbe bei Edda Schlager (check this out, they have English-language books/guides as well): „Nowhere else in Central Asia is it as easily discernible how socialist plans created urban space – and failed. Far away from Moscow even the Stalinist style was less gigantic, the Soviet modernity more vanguard than elsewhere. A new architecture, driven by gigantism, is trying to rid the city of its older building history – and identity. Dozens of historic buildings have already disappeared or are currently scheduled for demolition.“ I was eight weeks too late to see the Green Bazar – there is now only a huge field that will very likely soon host another specimen of the gigantic kind.

Green Bazar as seen on http://www.alaya-reisen.de

Sieht man an allem das Positive, dann… ist es doch schön, dass Dushanbe jetzt beispielsweise seine Twin Towers hat, mit Penthouses, die dem ganzen den Charme von Cupcakes geben.

Seeing the positive in everything… don’t you think it’s nice that Dushanbe now has its Twin Towers, with penthouses that make them look like cupcakes, somehow? Or is it only me?

Das Ganze ist aber auch nicht so einfach. Hier hat von 1992-1997 ein furchtbarer Bürgerkrieg getobt und man versucht nun, „nation building“ zu schaffen: die verschiedenen Bevölkerungsgruppen unter einer Identität zu vereinen. Und da musst du einiges überwinden. Von 1929 bis zur Auflösung der Sowjetunion die Tadschikische Sozialistische Sowjetrepublik, in der Dushanbe lange wenig schmeichelhaft als Stalinabad firmiert hat, so ziemlich direkt nach der Unabhängigkeit vom Bürgerkrieg geschüttelt, ist Tajikistan nun das Armenhaus Zentralasiens. Dass ein Ansatz sein kann, sich vom sowjetischen Teil der Geschichte verabschieden zu wollen, kann man ja erstmal so stehen lassen. Aber vielleicht wird dabei übersehen, dass die in der sowjetisch geprägten Zeit entstandenen Bauten vielleicht mittlerweile schon ziemlich identitässtiftenden Charakter haben?

But then things are anything but easy here. A civil war raged in Tajikistan from 1992-1997 and a lot of this is about nation building: to try and unite different ethnic groups under one identity. And there’s a lot to overcome. From 1929 up until the end of the Soviet Union, Tajikistan was the Tajik Socalist Soviet Republic, and Dushanbe for a lot of that time unflatteringly called Stalinabad – and went into civil war practically right after independence. Today, you will often see it referred to as the poorhouse of Central Asia. I can understand – to some degree at least – that you would like to forget about the Soviet part of that history. But maybe it’s being overlooked that the buildings of the Soviet era have themselves been identity-forming?

Jetzt bezieht sich alles auf Somonji als Vater der Nation: den Samanidenherrscher Ismail I. (849-907), dem man hier nicht nur monument-technisch nicht entkommen kann (siehen oben). Die Währung ist der Somoni und es gibt noch viele weitere Bezüge, so bspw. Somon Air, die dich non-stop von Frankfurt nach Dushanbe bringt. Und da man es in dieser Gegend sehr mit den Poeten hat, ist der Dichter und Musiker Rudaki (859-940/41) auch ganz groß – nicht nur im Rudaki-Park (unten), sondern auch als Namensgeber für den Rudaki Prospekt, die große Prachtallee. Mögen die schattenspendenden Bäume den Wandel unbeschadet überstehen.

Nowadays,the focus is on Somonji as nation-builder: the Samanid ruler Ismail I. (849-907) who you can’t escape from here, monument-wise or other (see above). The currency is called Somoni and there are countless other references, e.g. Somon Air which will fly you from Frankfurt to Dushanbe. And because poets are big in these tracts, the poet and musician Rudaki (859-940/41) is another important figure – not only in Rudaki Park (below) but Rudaki Propekt, a large, tree-lined boulevard is named after him. Keep your fingers crossed that the wonderful trees will all survive the change.

Es gibt aber auch die kleinen Kostbarkeiten, die man fast übersieht. Da ist zum Beispiel diese Statue, auf die ich von hinten zukam – und wegen der schönen Verzierungen schon aus dieser Perspektive ganz verzückt war. Aber man kann sie ganz einfach übersehen, steht sie doch gerade mal einen Zebrastreifen entfernt von den Twin Towers.

But there are small treasures, too – treasures that you almost don’t notice. There’s this statue for example, that I walked towards from behind, and was fascinated based on that perspective already, seeing the beautiful floral patterns all over. But it’s really very easy to miss it, especially as it’s only a zebra crossing away from the Twin Towers.

Für Tajikistan wurde in 2018 das Jahr des Tourismus ausgerufen und es scheint ihnen ernst zu sein. Die Einreise war vollkommen stressfrei (was sonst nicht unbedingt der Fall gewesen sein muss) und hier werden die ganz großen Geschütze aufgefahren:

Tajikistan has declared 2018 to be the year of tourism and they seem to be serious. Immigration was a piece of cake (which apparently was usually not like that at all) and they’re going all out for it:

Doch nun… gute Nacht!

With this… good night!

Barbara

2 Kommentare zu “An Afternoon in… DUSHANBE!

  1. Wie toll Barbara, Du hast mein langjähriges Lieblingsdenkmal entdeckt, an dem Romy immer vorbei gefahren ist. Im Gegensatz zu den anderen gab es das schon 1998 und damals konnte man sich noch daneben stellen… Ich wünsche Dir ganz schöne Tage in meiner ersten WHH Heimat. Liebe Grüße, Jeannette

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  2. Woo Hoo sounds like quite an adventure! I was going to answer your letter today but it sounds like you will be having too much and not be home for awhile. Have a great trip and thanks for sharing it with me. I look forward to your next stop!

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