A Day on… HOLMENKOLLEN!

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Über türkischer Pizza (einmal mit, einmal ohne Fleisch) mit einer Kollegin Ende Oktober 2015 kam es auf einmal über mich: „Ich werde zum Holmenkollen fahren, jawoll!“ Sie sah mich nur verständnislos an und fragte: „Was ist das, Heulenkeulen?“ Das war bei uns zuhause, so lange ich denken kann, ein Begriff. Holmenkollen, Kandahar, Lauberhorn, Hahnenkamm – wo auch immer Wintersport auf Skiern in jedweder Form stattfindet: wir sind dabei. Mittagessen, die entweder vorverlegt oder mit Blick auf die ersten Starter eines traditionellen Abfahrtsrennens eingenommen werden. Gespült wird, wenn gerade Nachrichten kommen, bevor es dann zum Biathlon an einen anderen Standort geht. Aber der Holmenkollen, der hatte es mir immer besonders angetan.

One day back in October 2015 I was having lunch with a colleague when it suddenly hit me: „I will go to Holmenkollen, yes!“ She just looked at me blankly and asked: „What’s this Heulenkeulen?“ In my family Holmenkollen had been a household name as long as I can remember. Along with Kandahar, Lauberhorn and Hahnenkamm – any place where professionals (and others, for that matter) compete on skis of any kind, we would be „there“. Lunches that were either eaten earlier (due to the race schedule) or taken while watching the first starters of a traditional downhill race. Dishes can wait for the first news program before they switch venues and start the broadcast from the biathlon race. But I had always been particularly taken with Holmenkollen.

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Der Holmenkollen ist sozusagen der Hausberg von Oslo. Man kann sich in der Innenstadt in die U-Bahn Nr. 1 setzen und direkt hinfahren, auf gut 300 m hoch, und man weiß, man ist in der richtigen Bahn, wenn immer mehr Leute im Skidress und den Brettern in der Hand zusteigen. Daran erinnere ich mich auch noch vom Besuch 1998. Da waren wir auch oben und die Arena eine Baustelle. Die ganze Anlage ist absolut malerisch und das Holmenkollen Skifest, zu dem ich angereist war, ist ein echtes Volksfest. Da sind die Skispringer, Skilangläufer und Nordische Kombinierer alle an einem Wochenende da – man kann sich also die volle Dosis geben.

Holmenkollen is basically Oslo’s landmark mountain. You can board subway line no. 1 downtown and just go there, climbing 300 meters in elevation – and you know you’ve boarded the right train when more and more people in ski dress and skis in their hands get on. That was already a fascinating sight when I was here in 1998. We had been up there to check out the arena, too, but it was under construction. The whole complex is just picturesque and the Holmenkollen Skifest for which I had come here, is a real festival. The professional ski jumpers, cross country and nordic combined skiers come here all on one weekend – you can have it all.

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Auftakt war das Damenskispringen am Donnerstag – und hier handelt es sich übrigens mal um Abendsonne! Ich gebe zu, so wirklich interessiert war ich nicht, aber ich hatte die verheerende Wettervorhersage für das Wochenende gehört und entschieden, dass ich allein wegen der Fotos rauf musste. Das Sprungstadion ist absolut beeindruckend. Es ist das dritte, das ich live kennengelernt habe und ich muss sagen, kein anderes hat mich bislang so still werden lassen. Vielleicht geben die Fotos ja wieder, wie steil der Aufsprunghügel hier ist. Du könntest mich mit Skiern unterhalb des Schanzentisches abstellen und ich würde mir in die Hose pinkeln, wenn ich nur runterfahren sollte.

The first event was the Ladies‘ Ski Jumping World Cup – and by the way, this is evening sun for once! I admit, I wasn’t really interested in this event but I was up to date on the devastating weather forecast for the weekend and decided I needed to come up here for the pictures to start with. The ski jump arena is really impressive. It’s the third that I have seen IRL and I have to say that the other two didn’t make me stand there in awe as much as this one did. Maybe the pictures are telling – can you get an idea of just how steep the ramp / landing zone is? You could place me on skies right underneath the platform where they jump off, just to go downhill, and I would be wetting my pants, I’m pretty sure.

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Man kann auch erkennen, wie mangelnd das Interesse an diesem Wettkampf war – aber was sage ich, ich war ja selbst auch nicht deswegen gekommen. Sondern wegen des wunderbaren Schnees in perfekt präparierten Loipen, auf die ich mich eigentlich selbst gern sofort geschmissen hätte, und um rauszufinden, wo ich mich beim 50km-Rennen der Herren am Samstag am besten platzieren würde. Bei der Erkundung der Stadt lasse ich mich vielleicht vom Zufall treiben – auf keinen Fall bei einem so wichtigen Event 😉

You can also clearly see that there was not a whole lot of interest in this competition – but who am I to judge, I came for different reasons myself. For the wonderful snow in perfectly prepared tracks that I would have loved to try myself on the spot. And I had come to figure out where to go to watch the 50km men’s race on Saturday. I might just see where the day takes me when it comes to sight-seeing – but never for endeavours as serious as this one 😉

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Und es kam, wie es vorher gesagt war. Es wurde warm, es gab Dauerregen und mit der dickste Nebel, den ich je gesehen habe, hielt Einzug. Wann muss man überhaupt losfahren? Die ersten Sonderzüge waren für kurz nach 8 Uhr angesetzt und so habe ich die angepeilt. Ich hatte kaum geschlafen – eine Mischung aus Aufregung und Kaffee nach 17 Uhr – und war noch viel früher wach, so das ich letztlich gegen 8:15 schon im Stadion war. Leider sah es dann dort so aus:

And the weather lived up to the forecast. A warm front came in, bringing continual rainfall and this thickest fog on (my) record. And when would be a good time to go there, anyway? The first special trains were scheduled for shortly after 8 am so I decided that was the time to go. I had hardly slept at all – a combination of excitement and too much coffee after 5 pm, I suppose – and was up even earlier and just left the house. So I reached the stadium by 8:15 already. And had this view:

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Das Springen der Kombinierer fand um 10 Uhr statt – ich war erstaunt… über die Tatsache und über die auch hier wieder wenigen anwesenden Zuschauer (vielleicht 500?). Am Nachmittag fand noch das Mannschaftsspringen der Spezialisten unter noch schlechteren Bedingungen statt – und wie man nun weiß, wurde das Einzelspringen am Sonntag ganz abgesagt. Die Springer hätten angeblich aus mir vollkommen unerfindlichen Gründen zwar springen können, aber die Jury hätte sie nicht sehen können um die Sprünge zu bewerten. Derweil Volksfeststimmung in pittoresker Umgebung:

The Ski jumping competition for the Nordic Combined event took place at 10 am – I was amazed… about the fact and that again, there were only few spectators (maybe 500?). The team event of the ski jumpers took place in even worse conditions in the afternoon – and as some of you might know, the single event on Sunday was cancelled completely. Supposedly, the jumpers would have still been able to jump but the jury would not have been able to see and judge them. All the while, there was traditional folk dancing in a picturesque setting:

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Das war mein „Und täglich grüßt das Murmeltier“-Event… denn die Gruppe war am Sonntag an gleicher Stelle wieder unaufhaltsam aktiv. Aber zurück zum Samstag: das Highlight des Wochenendes war für 12:15 Uhr angesetzt, der 50km-Lauf der Herren. Und während ich noch im Sprungstadion in den Nebel gestarrt hatte, waren in meinem Rücken Zehntausende angereist und auf den Weg zu den Tribünen im Langlaufstadion und an die Strecken. Ich hatte am Donnerstagabend an der Haltestelle Holmenkollen noch Ole aus Narvik getroffen, einen Helfer, der mir auf Nachfrage empfahl, mich auf den VM-Haugen (sprich: WM-Hauen) zu begeben. Das sollte sich als guter Tipp herausstellen. Er war ein Helfer-Veteran… schon in Lillehammer sei er dabei gewesen. Als ich dann meinte, das sei für mich eher ein Trauma, weil ich nicht dabei, ergänzte er: „Oh, es war da so furchtbar kalt! Morgens -27 Grad! Da hast du am Fernseher besser gesessen.“ Eine liebe Seele…

That was my Groundhog Day event… because this group was back there in the same spot when I returned on Sunday. But back to Saturday: the top event of the whole Skifest was scheduled to start at 12:15, the men’s 50km cross country race. And while I had been staring into the fog in the arena, there had been tens of thousands of people passing behind my back, going to the cross country arena and the tracks. When waiting for the train back on Thursday evening, I had met Ole from Narvik, a volunteer who I had asked where to best position myself to watch the race. He was very clear: VM-Haugen. And that turned out to be a perfect tip. He was a veteran volunteer… he was already onboard back in Lillehammer 1994. When I mentioned that that was more of a trauma for me because I had not been there he added: „Oh, but it was so very awfully cold! – 27°C in the mornings! You were much better off in front of the TV.“ What a darling.

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Eine solche Fahne werde ich mir auch häkeln – perfekt: hält auch noch warm, wenn man sie gerade nicht schwenken muss. Auf dem VM-Haugen angekommen waren die letzten Rennvorbereitungen zu beobachten. Wachstechniker und Sportler waren unterwegs und in einem Moment der geistigen Umnachtung frage ich eine beim Anblick eines Läufers hektisch werdende Norwegerin, wer das denn sei. Sie starrt mich vollkommen entgeistert an und meint tonlos, aber doch indigniert: „Petter Northug?!“ Ich bin weit davon entfernt alle zu kennen, aber das war ein leicht zu vermeidender Fauxpas: solche Hektik lösen nur Northug und Sundby aus, letzterer hat einen Vollbart, der Herr vor uns nicht. Ich sag ja, durchwachte Nacht.

That could be my next project: crochet my own flag like this, it’s perfect: in moments where you don’t have to wave it around, it doubles as a warm plaid. When I had reached VM-Haugen I witnessed the last preparations before the race. Technicians and sportsmen alike were on the tracks. A woman next to me got all hectic when spotting one of the Norwegian skiers and in a moment of mental derangement I ask her who this would be. She’s absolutely flabbergasted and stares at me silently for a few seconds before she replies soundless, yet clearly indignant: „Petter Northug?!“ I do not at all fancy myself as the know it all but this was a faux-pas I could have avoided easily: that kind of excitement can only be caused by Northug or Sundby, the latter having a beard, the former, currently in front of us, does not. Little sleep, is all I’m saying.

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Diese „Pärchen“ habe ich eine Weile beobachtet. Stellen sich zusammen an der Abfahrt auf, zwei, drei Stockstöße, gehen in die Abfahrtshocke… und halten Händchen. Letztlich bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass es unterschiedlich gewachste Ski sein müssen und man auf die Art und Weise feststellen will, welches Wachs für die Abfahrten unter den gegebenen Bedingungen schneller ist. Es bleibt jedoch bei einer Vermutung. Bald wird klar, dass ich einen idealen Standort für Fotos gewählt habe. Theoretisch.

I watched these couples for a while. They get in the position next to each other, push two, three times, get in the tuck position… and hold hands. I finally decided it must be about different waxes on the skies and that this is the way to find out which one works better downhill under the given conditions. This remains an assumption, though. Soon I realize that I have chosen a perfect spot to take pictures. Theoretically.

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Und alle sind bereit, überall – durch den Nebel hört man die vielen Zuschauer an anderen Ecken (die Zielgerade mit der großen Tribüne ist auch nicht weit weg), unzählige Lagerfeuer am Rande der Strecke verbreiten den charakteristischen Duft, Kinder versuchen unentwegt, die Aufmerksamkeit der an einem Stahlseil über uns hinwegsausenden Kamera auf sich zu ziehen, die Kuhglocken stimmen ihr Konzert an, die Zahl der Fahnen scheint die der Zuschauer noch zu übertreffen, auch ohne Lagerfeuer wird gelagert: auf Isomatten, mit Thermoskannen voll dampfenden Kaffees (??) und bevorzugt in Norwegerpullis.

Everybody is ready – everywhere – we can hear spectators in other parts through the fog (the home stretch with the large tribune is not far away, either), numerous campfires by the track effuse the characteristic smell, the children try incessantly to get the attention of the camera that is suspended above our heads and zooming back and forth, there’s a cacophony of cowbells of all sizes, the number of flags seems to outnumber the people present, and there are also camps without campfires: on sleeping pads, with thermos jugs of steaming hot coffee (??) and „campers“ preferably clad in traditional Norwegian knit sweaters.

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Dann hören wir den Startschuss und ein Riesengetöse geht los, erst unspezifisch, aber als die Läufer dann wenig später auf Augenhöhe sind, wird es ein vielstimmiges „Heia, heia, heia!!“ – und zwar mit voller Kraft. Achtung: norwegischer Bartträger in Führung… und ich bin auf diesem Foto auch zu sehen… spielen wir ein wenig „wo ist Walter?“

Then we hear the starter’s gun and all hell breaks lose, first sort of nonspecific but when we are eye to eye with the contestants only moments later, it develops into a many-voiced „Heia, heia, heia!“ – at full force. Attention: Norwegian with a beard in front! You can see me on this picture as well… let’s play a round of „Where is Walter?“

wo ist barbara

Photo credit: Magnus Nyløkken, as found on Holmenkollen Skifestival Facebook page

Und WUSCHSCHSCHSCH sind alle vorbei und ich denke… okay. Die werden vielleicht sowas wie 5 Runden à 10 km laufen? Dann kann das ja noch dauern, bis wieder was los ist. Doch falsch gedacht! Erstens sind die Runden kürzer und zweitens bin ich, dank Ole aus Narvik, ja an einer Art Kreuzung, wo ich vier Bahnen in unterschiedlichen Richtungen einsehen kann. Bei besserer Sicht vielleicht noch mehr?! Und so kommen sie bald wieder, die Männer im Nebel.

And WHOOOOSHSHSHSHSH they are all gone again and I think… okay. Maybe they go 5 rounds of 10km each? So it will take a while before we see anything again. But wrong – again! For a start, the rounds are shorter and then I have chosen a spot, thanks to Ole from Narvik, where there’s a sort of intersection of tracks, where I can see parts of four different tracks in different directions. Maybe even more on a sunny day? Anyhow, very soon they come again, the Men in the Mist.

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Es wird von Minute zu Minute interessanter: die Gesamtgruppe zerfällt bald, so dass letztlich in irgendeiner Richtung immer irgendwer vorbeikommt und ich bald (vorübergehend) nicht mehr mit „Heia, heia, heia“ schreien kann, weil die Stimmbänder es nicht mehr hergeben. Und es bleibt spannend, erst führt eine Vierergruppe, zum Ende ein Duo. Bei den Frauen (30 km) am Sonntag war es den Ausgang des Rennens betreffend gähnend langweilig: Therese Johaug hatte schon bei der zweiten Sichtung einen deutlichen Vorsprung und dann im Ziel sowas wie knapp 4 Minuten.

It gets more and more interesting by the minute: the starting field soon breaks up in different groups so that basically someone is passing at any given moment and very soon I have to (temporarily) abstain from routing „Heia, heia, heia“ because the vocal chords don’t have it in them any longer. The race remains exciting, first a group of four is in the lead, later reduced to two. It was a whole different situation during the women’s 30km on Sunday which in that respect was a bit of a yawn: Therese Johaug already had a sizeable lead when we saw her for the second time and was ahead of the field by almost four minutes at the end.

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Aber, und sowas finde ich immer gut: die Anfeuerungsrufe beschränkten sich nicht auf die Norweger. JEDER wurde angefeuert. Naja, bei 12 Norwegern oder so im Startfeld war zugegebenermaßen auch fast immer einer dabei. Ich habe einen Haufen Kinder irritiert, wenn ich die Deutschen explizit mit „Hopp, hopp, hopp!“ angefeuert habe… das ist norwegisch für „Spring, spring, spring!“ Das konnten wir mithilfe der Mama jedoch aufklären. Spätestens nach dem Rennen war mir klar, welche Bedeutung dieses Event hat: für 15:25 Uhr war der Beginn des Laufs der Nordischen Kombinierer angesetzt (den Wettkampf hat immerhin auch ein Norweger gewonnen!!) und für 16:00 Uhr das Mannschaftsskispringen. Aber das After Ski-Event im großen Zelt begann um 15:30 Uhr. Der Tag war mit dem 50km-Rennen für viele – die meisten? – vorbei.

But this is what I really like (wherever it happens): the loud support wasn’t only there for the Norwegians. EVERYBODY got support. Well, with 12 Norwegians in the starting field one of them was practically always present! I confused a bunch of kids when I gave special support to the Germans by shouting „Hopp, hopp, hopp!“… that is Norwegian for „Jump, jump, jump!“ But we could clarify that with the help of their Mom. I had always known that the cross country races are the most important in Norway – but it was only after the race when I realized just how important they are. The race of the Nordic Combined event (won by a Norwegian, too!) was scheduled to start at 3:25, the competition of the specialized ski jumpers at 4:00. But the After Ski-Event in the big party tent started at 3:30. The day was over for many – most? – specatators after the 50km race.

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Dieser slowenische Skisprungfan harrte noch länger aus als ich, als der Wettkampf unterbrochen wurde. Ich entschied, nicht länger blind im Regen stehen zu bleiben – nur um dann die Springer gerade mal im Auslauf sehen zu können. Was ein Glück ist, sonst würde dieser Beitrag ja komplett den Rahmen sprengen. Kurz zusammengefasst: wer ist dabei vom 10.-12. März 2017??

This fan of ski jumping from Slovenia stayed on a bit longer than I did. When the competition was suspended I decided not to stand in the rain staring into the fog any longer – only to see the jumpers leaving the arena anyway. Which is a relief or else this post would really be too much! In a nutshell: who will join me from March 10-12 2017??

Barbara

PS.: Der Vollständigkeit halber (und mehr für mich selbst) der Link zu einer Zusammenfassung der 50km.

5 Kommentare zu “A Day on… HOLMENKOLLEN!

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