Home, sweet home

Wieder in Deutschland. Ich liebe die Kälte, den Nieselregen, dass es abends so früh dunkel wird und morgens so spät hell. Ich liebe die Heizung, die es noch nie geschafft hat, diesen löchrigen Altbau so aufzuwärmen, dass man ohne Decke auf dem Sofa sitzen könnte…

Ganz im Stile der restlichen Dienstreise fing auch die Heimreise wieder mit Theater an: auf der Passagierliste einer ausgebuchten Maschine war mein Name nicht zu finden und ich weiß nicht, wer dafür hinten runtergefallen ist (oder in die Business Class gesetzt wurde…), jedenfalls war ich dann doch dabei. Der Mensch am Gepäck-Röntgengerät ließ mich den im Detail geplanten Rucksack auspacken, da ich eine Rakete im Gepäck zu haben schien (wahrscheinlich die Teekanne?), stoppte aber dann, als er auf den strategisch oben platzierten BH stieß und meinte „Das wird wohl zu persönlich, oder?“ Tja, nehmen sie die Rakete doch einfach mit…

Auf der Strecke nach Addis Abeba saßen zwei Omanis neben mir. Der eine versuchte sich recht bald an einer Unterhaltung, scheiterte aber an seinen Englischkenntnissen. Der andere sah nur skeptisch zu – nachdem er sich aber zum Essen ein Bier bestellt hatte, lockerte sich seine Zunge. Was ich denn in Ruanda gemacht habe, wollte er wissen. Als ich das erklärt hatte, folgte die Gegenfrage und er meinte, er sei in Uganda, Ruanda und Kongo gewesen. „Geschäftlich.“ Ach ja. In welchem Geschäft er denn tätig sei, wollte ich wissen und er sagte: „Kaffee-Export auf die arabische Halbinsel.“ Kaffee, dachte ich. Im Ostkongo. Klaaaaar. DAMIT wird da das dicke Geld gemacht. In Kisangani seien sie gewesen, in Kinshasa und zuletzt in Goma, wo sie dann wie so viele andere aufgrund der aktuellen Ereignisse überstürzt abgereist seien. Es schien dann aber doch wirklich Kaffee als Handelsgut zu sein, denn er erzählte von zwei Onkeln, die vor Jahren an der Grenze zum Sudan eine Kaffeeplantage mit 3000 Angestellten betrieben und dann in den Sand gesetzt hatten. Ob man denn im Oman soviel Kaffee trinke, wollte ich wissen und das tut man! Es ist sogar Teil der traditionellen Gastfreundschaft: jeder Gast erhält erstmal eine Tasse Kaffee und eine Dattel. Die gebe es übrigens jetzt auch für Diabetiker und die seien gut! In welchem Hotel ich in Kigali untergekommen sei beantwortete ich ihm auch, fragte dann nach seinen Erfahrungen: „Ich bin nicht im Hotel, ich habe ein Haus in Kigali.“ Ah ja: Kaffee, dachte ich wieder. „Und ihr baut Straßen? Habt ihr dabei mal Gold gefunden? [Ah ja: Kaffee!] Wann sind die denn fertig? Und kann man in Deutschland gut second-hand LKWs kaufen? Ich überlege nämlich, meine Produkte selbst zu transportieren, die Spediteure in Mombasa werden immer schwieriger.“ Kurz war ich versucht, ihm von den Kongo-Erfahrungen des Schwedisch sprechenden Kuwaitis zu erzählen, ließ es aber dann.

Der andere war wieder aufgewacht und fragte, woher ich komme. „Germany,“ antwortete ich. Die Frage, ob man dort Englisch spräche, musste ich verneinen, daraufhin wandte er sich an seinen Kollegen um zu klären, was Deutschland wirklich sei, drehte sich dann wieder freudestrahlend zu mir und meinte: „Nazi, Nazi!“ An diese Reaktion speziell aus diesem Kulturkreis bin ich ja nun gewohnt, aber die kindliche Freude, mit der er sein Wissen kundtat, brachte mir ja doch ein Grinsen auf die Lippen, bevor die Klarstellungen begannen. Der andere meinte peinlich berührt über seinen neuen Geschäftspartner direkt: „Hören Sie ihm nicht zu, der ist dumm!“ Deutschland sei doch ein gutes Land, fuhr der Dumme fort – ein gutes Land wegen Hitler! Ich stimmte zu, dass man Deutschland durchaus als ein gutes Land bezeichnen könne, aber sicher nicht wegen Hitler. Nichtsdestotrotz wurde mir feierlich eine Telefonnummer überreicht, unter der ich bei einem potenziellen Besuch im Oman mal einen Kaffee und eine Dattel einfordern kann.

Auf der Strecke von Addis Abeba nach Frankfurt wurde mir wieder einmal bewusst, warum ich gerne Ethiopian fliege. Neben mir saß eine etwa 75-jährige Äthiopierin, die ganz offensichtlich zum ersten Mal überhaupt flog und deren Schwierigkeiten schon mit dem Gurt begannen. Die FlugbegleiterInnen haben sich rührend um sie gekümmert. Man nahm sich Zeit, um mit ihr ein bisschen zu quatschen, kam auch unaufgefordert und hat nachgehakt, ob sie nicht vielleicht doch wenigstens einen Becher Wasser trinken wolle in den 7 Stunden, die mir die Nasenschleimhäute regelmäßig zu Staub werden lassen. Dann fragte sie einen der Flugbegleiter nach den Toiletten, der dann direkt unauffällig einer Kollegin ein Zeichen gab, dass sie sich um sie kümmern möge.

In Frankfurt angekommen, ist endlich passiert, womit ich seit Jahren gerechnet habe. Ich stehe in der Schlange zur Passkontrolle, lasse aus Langeweile den müden Blick über die Schlange nebenan schweifen und sage dann, mehr aus Reflex: „Guten Morgen, Gerd!“ Da stand er, gerade aus dem Laos-Urlaub heimgekehrt: eine unserer „Zugbekanntschaften“ in der morgendlichen Rhein-Ahr-Bahn nach Bad Godesberg. So wurde die „Zugbekanntschaft“ also erweitert auf den ICE nach Siegburg/Bonn und die entsprechende Straßenbahn in die Innenstadt!

Jetzt bereite ich einen heißen Tee in meiner neuen Rakete, genieße den grauen Himmel und werde ein paar Weihnachtskarten basteln. Oder so.

Schönes Wochenende!
Barbara

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