“If it’s yellow, let it mellow…

… if it’s brown, flush it down!” Das Motto bei zahlreichen Aufenthalten auf der Insel meiner amerikanischen Gasteltern, auf die jeder Tropfen Wasser im Schweiße unseres Angesichts geschleppt werden musste, kam für mich in Goma wieder zur Anwendung: „Wenn’s gelb ist, lass es reifen, wenn’s braun ist, spül es weg!“ Ich sage dazu nur: es geht um die Toilette. Und: mir wurde das Wasser abgedreht. Schon seit ich angekommen war, liefen Mengen kostbaren Trinkwassers aus einem Leck ein paar Meter oberhalb. Die quasi „auf Putz“ liegende Wasserleitung (ein Rohr AUF der Straße) war von einem LKW gerammt worden. Und eines Abends, als ich heimkam, jubilierte ich schon, dass es repariert sei, denn die Straße war trocken. Das war aber leider deswegen so, weil die „Stadtwerke“ einfach den Hahn abgedreht haben. Nun sitze ich hier mit nicht mehr 2 Kubikmetern in Tanks und weiß nicht, wie lange die halten sollen… Am Spülen zu sparen hat auch keinen Sinn, denn in wenigen Minuten kommen die Ameisen und wollen den Job erledigen.

Der Samstag war der Tag, an dem meine Stimme nach 48 Stunden Gekrächze vollständig genesen war, wie sich um 7:50 Uhr herausstellte, als mich Said von der Baustelle anrief und ich sprechen konnte. Ich hätte diese Erkenntnis allerdings gerne ein, zwei Stunden nach hinten verschoben. Dafür kam die Erkenntnis, dass es damit nicht weit her war, umso schneller. Mit meinen „Reise-Boxen“ zu 120 Watt habe ich mich im verwaisten Büro eingerichtet und das Power-Buchen begonnen, mit der Unterstützung von Rod Stewart, dem ich nach zwei, drei mitgesungenen Liedern rein stimmmäßig in nichts mehr nachstand und die „waltzende“ Mathilda nur noch mitbrummen konnte. So oder so: Donald, mit dem ich noch einiges in Sachen Baufahrzeugersatzteile zu besprechen hatte, fand die neuen Sitten im samstäglichen Büro erschütternd…

Dieses Mal bin ich ohne Koch (in einem anderen Haus) untergebracht, was ich bislang auf jeden Fall besser finde. Schwierig wird es nur manchmal, weil die Dinge hier dann doch immer mal wieder anders sind als gewohnt. In einem Anflug von Betriebsamkeit hatte ich am Freitag meinen sich nun langweilenden Ex-Koch gebeten, für mich einkaufen zu gehen, u.a. Rinderfilet, das es freitags frisch gibt… Man kann nur ganze Filetstücke kaufen, das zu 5 USD. Was soll ich mit dem Riesending, aber gut. Ich bat ihn, es im Büro in den Kühlschrank zu legen, damit ich es abends dann mitnehmen könnte. Als ich zuhause auspackte (auch Ananas, Avocado und anderes) entfuhr mir ein Schrei des Entsetzens: es war gefroren! Er hatte es wohl gut gemeint… Also gab es Ananas zum Abendessen, eine ganze – und ich werde nie verstehen, warum ein Mensch die noch würde zuckern wollen. Das Intermezzo mit dem Fleisch war aber noch nicht ausgestanden, denn wie sich zeigen sollte, bin ich ja doch ein Kind der Konsumentengeneration. Donald eröffnete mir abends so nebenbei, dass das ja hier gar nicht richtig abgehangen sei. „Aha…“ konnte ich dazu nur sagen und ließ mir erklären, dass man einen ähnlichen Effekt damit erreicht, die zugeschnittenen Stücke in literweise Öl zwei, drei Tage luftdicht einzulagern im Kühlschrank. Das habe ich wohlwollend zur Kenntnis genommen und nach auftauen umgesetzt, nur war meine Wochenendessensplanung dahin… Aber vergiftet habe ich mich damit auch nicht!

Des Abends bin ich nun dabei, die ausgedehnte Videosammlung meiner Vorgängerin zu sichten und entdecke wahre Schätze, so dass ich sonntags noch nicht mal auf den TATORT verzichten muss, auch wenn der dann älteren Modells ist  Sie ist außerdem die einzige mir bekannte Person, die die „Stadtgeschichten“ von Maupin gelesen hat (ohne von mir ständig dazu gedrängt zu werden) UND den Film „Mörderischer Vorsprung“ kennt und gut findet, so dass wir uns direkt gegenseitig zuriefen „Der ELCH!!!“ Den habe ich dann auch in der Sammlung gefunden und gleich geguckt und quasi mitgesprochen („Macht ihr Bergheinis das eigentlich öfters?“ – „Jeden gottverdammten Tag!“). Den brauche ich unbedingt noch auf DVD, auf die USA-Liste für Juni/Juli. Um das Interesse an diesem Film mit Sidney Poitier und Tom Berenger sowie Kirsty Alley noch weiter zu wecken und in der Tradition meiner Filmkritiken zu bleiben, noch eine Kurzkritik: ein äußerst spannender Thriller mit atemberaubenden Action Elementen, der sich dabei aber selbst nicht zu ernst nimmt und viele komische Momente hat (siehe „Elch“, „Bär“, „Nager“ u.a.).

Nach zwei hier mehr oder weniger durchgearbeiteten Wochen werde ich mich am morgigen Mittwoch nach Butembo begeben (bis Ostermontag, der im Kongo, genau wie der Karfreitag, nicht als Feiertag begangen wird), wo es auch noch so einiges zu besprechen gibt, aber vielleicht auch mal ein Wochenende im Zeichen sozialen Lebens ansteht. So stelle ich diesen Beitrag doch gleich noch ein… Und wünsche Frohe Ostern! Bis nächste Woche dann!

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