“Barbara, ach Barbara – komm zu uns nach Afrika!”

…waren die Eröffnungsworte eines Briefs, den ich am vergangenen Donnerstag von meinem bekannten Missionar in Goma erhalten habe. Ich gehe davon aus, dass er noch nicht weiß, dass es schon am kommenden Montag, 3. März, so sein wird! Noch hoffe ich, dass ein aufregender Besuch beim Zahnarzt nicht noch aufregenderes nach sich zieht, verkürzte Darstellung:

„Also, das liegt so offen, der Nerv muss tot sein! Wir müssen das ohne Betäubung machen, damit wir es wissen. Sonst muss da noch eine Wurzelbehandlung dazu.“
„Äh, wie jetzt, Wurzelbehandlung? Das könnte ein Problem werden, weil ich in vier Tagen auf eine Dienstreise fahre.“
„So schlimm wird’s schon nicht werden, es geht ja wohl nicht nach Afrika!“
„Äh, doch. Kongo. Neun Wochen.“
(Schallendes Gelächter von Zahnarzt und Assistentin, ungläubiger Blick meinerseits.)
„Kongo! Das gibt’s nicht! Das sagen wir sonst immer so und dann antworten die Leute, ‚Nein, nein, ich muss zwei Tage nach Bad Neuenahr!‘ Dass Sie jetzt Kongo sagen…“

Naja, nach Lachen war mir nicht, zum ersten Mal eine Zahnarztaktion ohne Betäubung (ja, ich bin ein bekennender Schisser) und trotzdem ohne größere Schmerzen und dachte dann nur noch an diesen Satz zu den Aussichten des Patienten aus einem Film, vielleicht war es in Fackeln im Sturm, ein durch lange Kriegswirren gezeichneter Nordstaatler, dem gerade ohne Anästhesie in einem dreckigen Lazarett-Zelt beiden Beine amputiert wurden und der gnädigerweise bald in die Bewusstlosigkeit sank: „Wir müssen erst die Nacht abwarten.“ Die Nacht habe ich abgewartet und der Zahn blieb ruhig… ich hoffe also, dass sich über’s Wochenende nicht noch was ergibt.

Also, nun wird es wieder Kongo und wieder hauptsächlich Goma. Aber wohl auch Butembo für ein paar Tage, da gibt es ebenfalls einiges auf Vordermann zu bringen, nachdem wir die Kollegen dort nach dem Hin und Her mit Goma eigentlich sträflich vernachlässigt haben. Und hoffentlich auch Walikale und Lubutu, die Baustellen, wo ich ein Modul eines Buchhaltungsprogramms installieren und den lokalen Kollegen eine Art Training dazu zu geben möchte. Hoffentlich klappt das alles… Und da ich ja dann doch immer wieder gefragt werde, „Wo liegt das denn eigentlich?“ habe ich noch mal Google Earth besucht:

Der rote Pfeil zeigt die Richtung „der Straße“ an, die unsere Kollegen bauen, mehr oder weniger von Goma auf Kisangani zu (ganz oben links). Zieht man den Maßstab links unten zu Rate stellt man fest, dass es von Goma bis nach Lubutu, bis wohin die Baustelle sich in der Zwischenzeit im wahrsten Sinne des Wortes durchgeschlagen hat, knapp 300 km Luftlinie sind. Straßenkilometer sind es wohl etwa 400. Von Lubutu geht es dann aber nicht weiter Richtung Kisangani, sondern Richtung Süden auf Kindu zu, aber nur bis Punia (Kindu vieleicht in einem neuen Projekt). Gerade ist ENDLICH eine Kongo-Karte von Reise Know-how erschienen, wo man sich das alles mal im Detail ansehen kann – ich musste allerdings feststellen, dass dort Straßen als geteert und quasi autobahnähnlich definiert sind, die de facto entweder noch gar nicht (bzw. nicht mehr) existieren oder eben aus unseren Pisten bestehen.

Auch konnte ich mir nicht verkeifen, in Sachen Vulkane noch mal ein bisschen zu surfen und kann nun eine Idee davon vermittlen, warum der Himmel nachts über dem Vulkan immer orange leuchtet. Man sagt das immer so, da ist ein Lavasee, aber kann man es sich vorstellen? Jetzt vielleicht!


Night photo of the lava lake in Mount Nyiragongo, by Jack Lockwood, USGS 1994

Da muss man doch mal hin, oder? Ich finde das komplett faszinierend. Es geht auch nicht ohne Übernachtung „oben“, da man bis auf über 3000 Meter hochkraxeln muss… Aber erstmal sehen, wie überhaupt alles so läuft und wie sich die Sicherheitslage außerhalb Gomas entwickelt hat. Nun ja, noch ein paar Fotos und auch einen Erlebnisbericht von einem Besuch in Goma, einer Besteigung des Mt. Nyiragongo und einer Beobachtungstour bei den Gorillas hat ein Martin Rietze ins Netz gestellt (Januar 2007). Und zu guter letzt kann man auf YouTube den Vulkan in bewegten Bildern vor sich hinbrubbeln sehen.

Dann noch ein Wort zur Größe des Landes. Es gibt eine ganz gute Seite zur Demokratischen Republik Kongo, vereinfacht „Kongo Kinshasa“ genannt (im Gegensatz zur Republik Kongo, „Kongo Brazzaville“). So heißt sie denn auch, die Seite, Kongo-Kinshasa.de. Da hat ein fähiger Mensch die Umrisse der DR Kongo mal auf Europa projiziert, siehe unten. Goma ist ungefähr da, wo der weiße Punkt ist auf der roten Grenzlinie, quasi in der Tschechischen Republik. Kinshasa ist in der norwestlichsten Ecke Spaniens und Ebola bricht hier und da auf Sardinien und Korsika aus – also alles verdammt weit weg 🙂

„Ich bin dann mal weg“ bis Anfang Mai und freue mich auf viele Mails an bekannte Adresse!
Barbara

Keinohrhasen

Ja, ich habe einen Lauf – ich war schon wieder im Kino und schon WIEDER total kurzfristig. Anruf, Zusage, Bus gekriegt. Endlich hat es mit Keinohrhasen geklappt. Und wie schön, dass es so war. Vorher war ich ja auch hin-und hergerissen… gute, sehr gute Kritiken… aber dann dieser Til Schweiger. Der war, wie sich im Laufe der fehlgeschlagenen Verabredungsversuche herauskristallisierte, wirklich häufig auch bei anderen der Grund für die Absage: „Wenn ich den schon höre, das ist so abtörnend!“ …. „ich gehöre zu den wenigen Frauen, die Til Schweiger von der Bettkante stoßen würden, ich würde sogar ein Abendessen mit ihm ausschlagen…“

Dann war gleich die erste Szene zum Wegschmeißen. Jürgen Vogel spielt Jürgen Vogel – der nach einem Aufenthalt mit einem Lebensberater in den USA generalüberholt dem Journalisten Ludo (Schweiger) und einem Fotografen der „BILD-Zeitung“ ein Interview gibt: Zähne gemacht, lange blonde Haare, braunst gebrannt, silikonverstärkter Allerwertester – und er habe gelernt, dass es auf das Äußere ankommt, denn wenn man sich mit seinem Äußeren wohlfühlt, kommt der Rest von ganz alleine.

Kinderhasser und in seiner Selbsteinschätzung frauenbeglückender überzeugter One-Night-Stander (oder Ständer?) sitzt Ludo als Klatschreporter auch schon mal Fälschungen auf und kriegt von der mit seinem Anwalt einen Provatkrieg austragenden Richterin 8 Monate auf Bewährung – gegen 300 soziale Arbeitsstunden. Die führen ihn in einen Hort, der unter anderem von Anna geführt wird, die seit der gemeinsamen Kindheit einen Hass gegen ihn hegt. Und Rache ist süß.

Süß sind auch die Kinder. „Wie heißt du denn?“ – „Cheyenne Blue.“ – „Cheyenne Blue? Das ist aber ein außergewöhnlicher Name!“ – „Meine Mama ist Schauspielerin und die Kinder von Schauspielerinnen dürfen keine normalen Namen haben.“ Der Abspann offenbart, dass Schweigers versammelter Nachwuchs mitgewirkt haben dürfte – und Cheyenne Blue eigentlich doch ganz einfach Emma heißt.

Abgesehen davon, dass in diesem Film auftritt, was im deutschen Kino und anderen Bereichen Rang und Namen hat (wunderbar u.a.: Armin Rohde als Herr Bello und Klitschko beim Heiratsantrag) kann man an diesem Streifen vielleicht das Happy End voraussehen – aber nicht die gewundenen Wege, die dorthin führen.

Es gibt viel zu lachen – fangt damit an!