A Week in… KURDISTAN (Part 2)

Einen Tag ging es „ins Feld“ – immer das Highlight einer jeden Dienstreise. Das Hochgefühl erfuhr dann jedoch auf einem Streckenabschnitt eine leichte Dämpfung. Auf einer knapp bemessenen einspurigen Straße findet hier der Warenverkehr von der Türkei in den Irak statt – wir fahren gen Norden, auf der gut erhaltenen Seite. Auf der Gegenspur fährt man wie auf einem überdimensionierten Wellblech, weil viel zu große, viel zu schwer beladene LKW einer am anderen die von der Hitze aufgeweichte Straße in Form gematscht haben. Auf dem Rückweg sind sie leer, oder zumindest sehr viel leichter, so dass die Spur in halbwegs gutem Zustand bleibt. Der Slogan vom Warenverkehr, der auf die Schiene soll, bekommt eine ganz neue Bedeutung. Halsbrecherische Überholmanöver verlangen dem Fahrer alles an Konzentration ab – und ein unerwartetes Ausmaß an Geduld, sich dem Wahnsinn nicht anzuschließen. Ein Dank an Rosh.

One day was a day „in the field“ – always the highlight of every business trip. The feeling of elation was dampened on one stretch of the trip, though. A narrow one-lane road is the only way for cross-border trade between Turkey and Iraq in that region – we are headed North, on the „good“ side of the road. The oncoming traffic drives on what looks like a giant corrugated sheet, shaped by too many, too large and too heavy trucks on hot asphalt. On their way back they’re empty or at least a lot lighter so the road remains more or less intact. There are constant passing maneuvers, often at breakneck speed and with insufficient vision – the driver is highly focused and surprisingly patient, not being drawn into the frenzy. A thank you to Rosh.


Es reichen einige Kilometer Fahrt, um zu klären, dass die Lage hier zwar soweit ruhig, aber unter stetiger Beobachtung ist. Gefühlt alle zwei Kilometer kommt man an einen Checkpoint: Peshmerga in Tarnanzügen und Sicherheitswesten halten jedes Fahrzeug an. Das geht immer anstandslos, kein Problem bei der Gesichtskontrolle. Der Fahrer wechselt ein paar Worte, hilfreich dabei auch der am Rückspiegel baumelnde Rosenkranz. Wer hätte das gedacht: Christen werden hier als neutral betrachtet – da ist es dann von Vorteil, das im wahrsten Sinne des Wortes raushängen zu lassen. An einem Checkpoint verstehe ich nur das kurdische Wort für Deutschland (sowas wie almani), worauf der Soldat sich grinsend ins Fenster beugt und fragt „Wie geht’s?“ Verdattert kriege ich noch ein „Gut – und selbst?“ raus und es geht schon weiter.

A few kilometers into the trip are enough to realize that the situation may be calm but is constantly monitored. At what feels like every other kilometer there is a checkpoint: peshmerga in camouflage gear and bullet-proof vests stop every car. We always pass without a problem. The driver chats a bit and the rosary dangling from the rearview mirror helps, too. Who would have thought: Christians are considered to be neutral in these lands – and it pays to show. At one of the checkpoints all I understand of the exchange is the Kurdish word for Germany (something like olmanee) which prompts the soldier to lean into the car, smiling and inquiring (in German): „How are you?“ I was totally baffled and barely managed to stammer „Good – how about you?“ and on we went.


Schon aus dem Flugzeug und auch auf der Fahrt von Erbil nach Duhok konnte man abgeerntete Weizenfelder sehen, soweit das Auge reichte. Und diese LKWs stehen nicht direkt im Stau. Die sind randvoll mit Weizen. Und stehen da und warten. Hunderte. Ich möchte fast sagen tausende. Unfassbar. Es heißt, der Weizen findet wegen der Krise keine Abnehmer. Die Welt ist verrückt – aber kann das wahr sein? Allein die Tatsache, dass diese ganzen LKWs nicht anderweitig genutzt werden können… noch die Betrachtung der Fotos lässt mich mit offenem Mund dasitzen. Könnt ihr mittig auf der Kollage unten sehen, wie weit sich diese Schlange (eine von vielen) durch die Felder streckt?

It was easy to see from the plane already and then to the left and right of the road from Erbil to Duhok that there were harvested wheat fields as far as the eye could see. And these trucks are not really part of a traffic jam. They are loaded to capacity with wheat. They just stand there and wait. Hundreds. I’m tempted to claim: thousands. Incredible. It’s said that there are no buyers, due to the crisis. The world has gone mad – but can this be real? Just the fact that all these trucks can’t be used for anything else is enough to blow my mind… just looking at the pictures now leaves me sitting open-mouthed. Have a look at the center image of the collage below: can you make out just how long this line (one of many) stretches through the fields?


Die Gegend wird einsamer, alles flimmert bei den wieder so um die 45°C, dazu kommt starker Wind, man sieht mehrere staubgeladene Windhosen in der Ferne – und direkt über die Straße werden distelartige Büsche und Kleinkram geweht… irgendwie hat es was vom wilden Westen. Die Zahl der Checkpoints steigt an, es sind aber auch so Verschläge auf einem am Straßenrand aufgeschütteten Hügel, auf dem ein zum Schutz gegen den heißen Wind vermummter Soldat sitzt, die Stellung hält und Richtung Syrien guckt. „Das da hinten sind syrische Dörfer,“ werde ich informiert – nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt.

The farer from Duhok we get, the less populated the landscape. The temperature is about 45°C again, things get hazy, there’s a strong wind and I see a few dust-laden vortexes in the distance – thistle-like bushes are blown across the road… it has a Wild West feel. The number of checkpoints is increasing but some of them are just little huts on small man-made hills by the road-side, manned by a soldier holding the position, their faces covered with shawls to protect against the heat, looking across the plain towards Syria. “Those are Syrian villages over there,” I’m told – only a few kilometers as the crow flies.


Zerstörte Häuser, ein zerbombter Krankenhausrohbau, ganze Dörfer platt gemacht. Unwirklich. Zehn, fünfzehn Meter rechts der Straße zieht sich über Kilometer ein jetzt unbemannter Schützengraben. Bizarr. Bizarr, aber irgendwie nicht bedrohlich. Trotzdem stellt sich die Frage, wie man Leute bewegen soll, sich hier wieder anzusiedeln? Wo oft einfach nichts mehr ist und womit wahrscheinlich furchtbare Erinnerungen verbunden sind. Ist das realistisch? Wenn man es nach wochen- oder monatelanger, gefährlicher Reise endlich nach Europa geschafft hat? Wenn man in einem Zelt oder einem Container in einem Flüchtlingslager in der Mitte von nirgendwo wohnt? Oder schlimmer noch: in einer „wilden Siedlung“ am Fuß des Sinjar-Gebirges?

Destroyed houses, a bombed out unfinished hospital, whole villages reduced to rubble. Unreal. Ten, fifteen meters to the right of the road there’s the trench, for kilometers on end. Bizarre. Bizarre, but somehow not threatening. And still I wonder how you want to persuade people to move back here? Where more often than not there’s nothing left and where probably horrendous memories lie buried? Is that realistic? If you’ve finally made it to Europe, after weeks or months on the road, facing all kinds of dangers. If you live in a tent or caravan in a refugee camp in the middle of nowhere? Or worse: in a “wild camp” at the foot of the Sinjar mountains?




Aber dann der Ort, in dem es losgehen soll, Sinuni. Breite Straßen. Eine Art Allee, statt baum- laternenbestanden, die auf dem Weg war, eine Prachtstraße zu werden. Leider fehlt ihr unter anderem noch der Asphalt. Ja, auch Trümmer, Stacheldraht – aber bei weitem nicht überall. Es gibt ein kleines Zentrum, wo das Leben schon jetzt wieder losgeht: es gibt kleine Läden, mit Bergen an Gurken, Auberginen, Feigen, Zwiebeln, Tomaten. Gasflaschen. Wasser und Softdrinks. Kochgeschirr, Plastikeimer und -schüsseln. Kekse und Reis. Und viel mehr. Bei der untenstehenden Ansammlung ging mir der absurde Gedanke durch den Kopf, dass hier ein Reparaturcafé sicher gut besucht wäre.

But then there’s the town from where all this will be started, Sinuni. Broad roads. A kind of avenue, lined by fancy streetlights instead of trees, which was on its way to becoming a boulevard. Unfortunately, the asphalt is still missing, among other things. Yes, rubble and barbed wire, too – but far from everywhere. There’s a small center to which life has returned over the past months: there are little shops with heaps of cucumbers, egg plant, figs, onions, tomatoes. Gas canisters. Water and soft drinks. Cooking pots, plastic buckets and bowls. Cookies and rice. And much more. The collection below caused the absurd thought that a repair café would probably draw quite an audience here…



Da glauben also Leute daran, dass das klappen kann. Auch wenn hier und da noch Maschinengewehre griffbereit im Wohnzimmer stehen. Möge es also ruhig bleiben, auf dass die wieder eingemottet werden können.

Apparently, there are people who believe that this will work. Even if you can still chance upon a machine gun ready to hand in a living room. So may it stay calm for them to be mothballed again soon.


3 Kommentare zu “A Week in… KURDISTAN (Part 2)

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