A Week in… KURDISTAN (Part 1)

KRI1

„Wohin geht’s?“ fragte der freundliche Taxifahrer um kurz vor 4 Uhr morgens, „nach New York?“ – „Nein, nach Erbil,“ antwortete ich und er war erstaunt: „Wo ist das denn?“ Das ist im Irak, genauer gesagt in der Kurdistan Region of Iraq im Norden – ich bin endlich mal wieder dienstlich unterwegs. Es stellte sich heraus, dass der Taxifahrer aus Afghanistan kam und die restlichen 15 Minuten Strecke habe ich erfahren, wie der Präsident damals zu Zeiten der Mujaheddin dafür sorgte, dass die Hochzeit des jungen Juristen trotz aller Widrigkeiten stattfinden konnte.

“Where are you headed?“ the taxi driver wondered at almost 4 am, „New York?“ – No, to Erbil,“ I said and he was surprised: „Where is that?“ That’s in Iraq, the Kurdistan Region of Iraq in the North, to be precise – finally I’m on a business trip again. It then turned out that the taxi driver was from Afghanistan and the remaining 15 minutes of the ride were spent with the story of how the president back in the mujahiddin days made sure the young lawyer was back home in time for his wedding, against all odds.

KRI3

Wie ich schon beim Besuch in der Türkei vor zwei Jahren feststellen konnte, bietet sich diese Jahreszeit für fantastische Ausblicke aus dem Flugzeug an. Diese Aufnahmen sind von „kurz vor Erbil“ – inklusive einer Tour-de-France-würdigen Bergetappe. Und dann ein freundliches und erfreutes Willkommen. Als eine der letzten kam ich zur Passkontrolle. „Ihr erster Besuch in Erbil?“ fragte der Zollbeamte lächelnd. „Der erste Besuch im Irak,“ entgegnete ich. Darauf wurde sein Lächeln noch herzlicher, er haute den im Vergleich mit den vorher erledigten Daumenabdruck und Iris-Scan altmodischen Stempel in den Pass und verabschiedete mich mit einem „Willkommen im Irak!“

As I had noticed on my visit two years ago in Turkey already this is the perfect season for an unobstructed view of the landscape. These pictures are from „we have started the descent to Erbil“ – including a mountain stage worthy to be included in the Tour de France. And then a friendly and delighted welcome. I was one of the last to reach immigration. „Your first visit to Erbil?“ the customs official smiled. „My first visit to Iraq,“ I replied, which prompted his smile to become even broader. After the high-tech thumb print matching and iris scan from moments before, the stamp in the passport had a vintage feel to it, but the document was handed back to me with a „Welcome to Iraq!“

KRI6

Und dann… war der Koffer nicht dabei. Aber das kam nicht überraschend, hatte ich doch in Istanbul wegen Verspätung ganze 15 Minuten, meinen Anschlussflug zu erreichen. Dafür hatte ich definitiv die falschen Schuhe an, aber es ging gut – hinter mir wurde die Tür geschlossen und los ging’s. Planänderung: eine Nacht in Erbil und nicht gleich weiter nach Duhok, sollte der Koffer doch am folgenden Morgen auf der 4-Uhr-Maschine sein. Beim Verlassen der Ankunftshalle war dann schnell klar, warum sich diese Jahreszeit wiederum nicht anbietet: 46 Grad und ich hatte das Gefühl, irgendwo steht ein gigantischer Föhn rum, der mit mehreren Megawatt Leistung jedem die Illusion raubt, hier auch nur einen Schritt zu viel machen zu wollen. Viel los war mit mir aber eh nicht mehr: lecker Kebab im Hotel Restaurant (wo die schreiend laute arabische Chart-Musik kurz nach meinem Eintreten als einziger Gast zu Edith Piaf abgeändert wurde) und noch ein bisschen zappen durch die ca. 850 ausschließlich arabischen, kurdischen oder sich mir sonst sprachlich nicht erschließenden Sender. Doch wer braucht das, wenn das Fernsehprogramm über alle Grenzen hinweg eh gleich ist: ein arabischer (?) Millowitsch, dann etwas im Stile von Doris Day, ein Roseanne-Verschnitt war auch dabei, dazu eine Doku zum amerikanischen Bürgerkrieg und eine Kochsendung. Ein gewöhnlicher Tag bei den öffentlich-rechtlichen?

And then… the realization that my suitcase hadn’t made it on the same flight. It didn’t come as a surprise, though, as I reached Istanbul with a delay and had all of 15 minutes to reach the connecting flight. I was definitely wearing the wrong shoes for this kind of situation but I made it – the door was closed behind me and off we went. Change of plan: a night in Erbil and not directly on to Duhok because the suitcase was supposed to be on the 4 am flight the next morning. Upon leaving arrivals it became instantly clear why, on the other hand, this time of year is not the perfect season: 46°C and I was pretty sure there was a giant hairdryer put up somewhere nearby, working with a few megawatt at bereaving you of any illusions as to your willingness to move any extra than strictly necessary. I wasn’t going to explore anything anymore anyway: yummy kebab in the hotel restaurant (where I was greeted with deafening Arabic music which was switched to Edith Piaf only moments after I had entered as the only guest) and then a little zapping through the about 850 Arabic, Kurdish or whatever the channels that remained a linguistic mystery to me were). But who needs to know the details when the programming is basically the same as at home: popular, low-brow comedies, then something reminiscent of a movie starring Doris Day, a Roseanne-lookalike, a documentary on the American Civil War and a cooking show. Sound familiar?

KRI2

Am nächsten Morgen (8 Uhr, 35°C) war der Koffer immer noch nicht da und so machte ich mich mit einem Fahrer auf den Weg nach Duhok (keine Sorge, ich reise mit Wechselgarderobe im Handgepäck). Ich könnte ja auch zwei Stunden nur schweigend in die Landschaft starren und Eindrücke aufnehmen, aber das kommt mir immer so unhöflich vor. So habe ich dann erfahren, was eine echte Flüchtlingskrise ist. Wenn eine Stadt mit vielleicht 1,5 Millionen Einwohnern ca. 500.000 Flüchtlinge aufnimmt bzw. im näheren Umland hat. Wenn diese Stadt, diese Region, dieses Land selbst unter kriegerischen Auseinandersetzungen leidet. Wenn Lehrer im Ruhestand wegen „der Krise,“ die eigentlich die gefallenen Rohölpreise meint, seit April keine Pensionszahlungen mehr bekommen haben. Alles gleichzeitig. Da wird man mindestens schweigsam.

8 am, 35°C and the suitcase still hasn’t arrived so the driver and I get going towards Duhok (don’t worry, I travel with a couple of sets of clean clothes in the carry-on bag). I personally wouldn’t have a problem spending two hours just staring at the landscape, just taking it all in, but I always feel that’s rather impolite. And so I learned what a real refugee crisis looks like. When a city of maybe 1.5 million people takes in 500,000 refugees – within the greater city limits. When this city, this region, this country suffers from war itself. When retired teachers have not received their pensions since April – because of „the crisis“ which primarily refers to the crashing prices of crude oil. All at the same time. It makes you go real quiet and count your blessings.

KRI4

Der letzte Teil der Kollage oben ist der erste Blick auf Duhok, nach dem letzten Checkpoint der Peshmerga. An keinem war es irgendwie schwierig, Gesichtskontrolle ohne Beanstandung. Das ging zuletzt nicht allen so. Nur erfrischende 42 Grad. Im Hotel ist der Aufzug kaputt, Mechaniker gehen aber schon zu Werke – und mein Zimmer 108 Treppenstufen hoch im 5. Stock, immerhin ist das Treppenhaus auf ca. 37 frostige Grad runtergekühlt. Gott sei Dank kommt der Koffer später. Im Onkel Kareem-Laden nebenan mit Wasser versorgt. 108 Treppenstufen wieder hoch. Abends ist er dann da, der Koffer, ich werde zur Übergabe an die Rezeption gebeten – 108 Treppenstufen runter sowieso immer zu Fuß, nur um festzustellen, dass der Aufzug weiter kaputt ist. 108 Treppenstufen wieder hoch. Gegen 21 Uhr wieder runter, mit leerem Rucksack, Teilentleerung. 108 Treppenstufen wieder hoch. Oben angekommen ist der Zimmerschlüssel weg. Liegt an der Rezeption, zur Erheiterung der Hotelangestellten. 108 Treppenstufen wieder hoch. Frühstück gibt’s im siebten Stock…

The last part of the collage above is the first view I get of Duhok, after the last peshmerga checkpoint. I had thought it would be more checking but every time it was merely a scrutinizing gaze, no objections. Only refreshing 42°C. The elevator at the hotel is broken (repairmen already at work) – and my room 108 steps up on the fifth floor but at least the stairwell is cooled down to a nippy 37°C. Thank God the suitcase is late. I go down to get water at the mom-and-pop-store around the corner. 108 steps back up. At about 6pm the suitcase arrives and I’m summoned to the reception only to realize that the elevator is still broken. 108 steps back up, without the suitcase. At about 9 pm I ascend again with my backpack and partially empty the suitcase. 108 steps back up. When I reach my room I notice that I don’t have the key, left it at the reception – to the amusement of the hotel staff. 108 steps back up. Breakfast is on the seventh floor…

KRI5

Wie auch immer – mal sehen, welche Herausforderungen die kommenden Tage mit sich bringen 🙂

Anyhow, I’m looking forward to whatever the next few days have in store for me 🙂

Barbara

4 Kommentare zu “A Week in… KURDISTAN (Part 1)

  1. Es ist sehr beeindruckend, wie Du überall in der Welt zurecht kommst und die kleinen Dinge des Lebens mit einer sagenhaften Auffassungsgabe siehst und beschreibst!Toll!
    Have a good time! Rita

    Gefällt mir

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