Madagascar | Antananarivo

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Endlich war es soweit: Aufbruch nach Madagaskar! Trotz Bahnstreiks ging alles einwandfrei. Auch nach langem Flug (über zehn Stunden) konnten wir noch fasziniert die Ausstellung eines „Visa on arrival“ verfolgen. Dazu waren sechs Beamte vonnöten. Einer prüfte die Pässe, die dann zu vier weiteren Kollegen in einen Glaskasten gereicht wurden, die alles mögliche damit angestellt haben und der letzte hat sie dann wieder ausgehändigt. Und dann waren wir drin.

Finally: departure for Madagascar! Despite the fact that the train drivers were on strike, everything went according to plan. And even after a long flight (more than 10 hours) we were fascinated by the visa on arrival process. The passport had to go through the hands of six officials. The first had a look at it and handed it into a glass cube where four colleagues were seated and did whatever with them. And the last one, at the other end of the cube, handed them out again. And then we were in.

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Mehr als einmal war ich gefragt worden: „Madagaskar? Warum Madagaskar?“ Und ich dachte immer nur: warum nicht? Irgendwie hatte ich mich letztes Jahr in diverse Reportagen reingezappt, zu Naturwundern, zu alten Städten, zu den Highlights der hiesigen Fauna und abschließend auch noch zu famadihana, den regelmäßig als große Feierlichkeit stattfindenden Umbettungen der Toten – und es war klar: hochinteressant. Der Ankunftsabend war dann eher weniger spannend, denn kaum eine Menschenseele war noch auf den Straßen unterwegs, hier und da noch eine kleine „Kneipe“ am Straßenrand mit zwei, drei Gästen, aber hauptsächlich Banden marodierender… Hunde.

More than once I was asked: „Madagascar? Why Madagascar?“ And all I could think of was: why not? I had somehow zapped into a number of documentaries last year – about natural wonders, old towns, highlights of the endemic fauna and also about a very particular rite: the famadihana, the „relocation“ of the dead, which is a big celebration that takes place every so many years. I knew: this was going to be highly interesting. The night of our arrival was rather less interesting, though, as not a soul was outside anymore. On a few corners there was a little „pub“ by the side of the road with two or three regulars but mainly just hordes of marauding… dogs.

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Antananarivo („Stadt der Tausend“), so der eingängige Name der Hauptstadt – gern auch kurz Tana – ist, wenn nicht auf einem der vielen Hügel, auf entwässertem Gebiet gebaut. Das Wasser findet man heute im ansehnlichen Lac Anosy, gleich beim Fußballstadion. Aber nicht nur dort: immer mal wieder findet man Streifen mit Reisfeldern mehr oder weniger mitten in der Stadt. Hier hat die urbane Landwirtschaft offenbar Tradition. Und weil ich den Blick von oben liebe (und mich nicht entscheiden konnte), kommt hier die erste kleine Reihe. Ich habe das Gefühl, es werden noch viele weitere kommen…

The capital Antananarivo (“City of Thousands”), or Tana for short, was built on drained land (when it isn’t on one of the many hills). Today that water can be found in picturesque Lac Anosy, right next to the soccer stadium. But not only there: all over the city you can find patches with rice paddies. Apparently, urban agriculture is a traditional concept here. And as I love the bird’s eye view (and couldn’t make up my mind which ONE to take, either), here’s the first little series for you. And I have a feeling there are many more to come.

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Wer jetzt denkt, Antananarivo an sich sei ein Zungenbrecher, dem sei gesagt: es wird ja noch nicht mal ausgesprochen, wie geschrieben wird (mehr so Ntananarive, und das e ist auch verschluckt). Oder wie wäre es mit Andrianampoinimerina, König 1750-1809? Allerdings hörten wir, dass sein voller Name eigentlich 28 Buchstaben umfasst und irgendwie ist er mir entfallen. Und wo wir gerade von Königshäusern sprechen: der Rova, der Palast der Königin, ist eines der Highlights in Sachen Sehenswürdigkeiten (der Herr in grün ist kein Vertreter einer bekannten deutschen Hilfsorganisation):

If you think that Antananarivo itself is a tongue twister, think twice: it isn’t even pronounced as it’s written (more like Ntananareeve). Or how do you like Andrianampoinimerina, king 1750-1809? We did hear, though, that his full name consists of 28 letters but somehow I forgot. And talking about royalty: the Rova, the Queen’s Palace, is one of the city’s sightseeing highlights:

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Der Taxifahrer meinte, eigentlich reiche das durch das Eingangstor gemachte Bild – das Gebäude an sich sei ja eh leer, nach einem verheerenden Brand 1995. Und die Führer seien so aufdringlich – wir sollten uns das sparen. Haben wir dann aber doch nicht, denn es gibt ja auch noch mehr zu sehen als diesen Palast allein. Die Führer waren WAHNSINNIG aufdringlich, aber letztlich konnten wir sie doch abschütteln und die ganze Anlage in Ruhe ein bisschen auf uns wirken lassen.

The taxi driver said to take a picture through the gate (above) and leave it at that – the building as such was empty anyway after a fire in 1995. And that the guides were such a nuisance. We didn’t listen because after all there is more to see than the palace as such. The guides were extremely obtrusive but in the end we were left to explore the place in peace and quiet by ourselves.

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Zum Beispiel diese Königsgräber – neben denen eigentlich noch ein weiterer Palast stand, der aber ebenfalls dem großen Feuer zum Opfer fiel. Eine eigene Kirche hat der Komplex auch: 1881 wurde diese sog. Fiangona, eine anglikanische Kirche, geweiht. Sie steht, vom Eingang aus betrachtet, am anderen Ende des Grundstücks, hinter dem Palast.

These royal tombs for example – which were originally accompanied by another palace that also succumbed to the flames in 1995. The compound has its own church, too: its name is Fiangona, an Anglican church finished in 1881. It’s located at the opposite end of the compound (seen from the entrance), right behind the palace.

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Und wie gesagt… ich mag ja den Blick von oben.

And as mentioned earlier… I like the bird’s eye view.

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Tanas Zentrum ist in eine Unter- und eine Oberstadt eingeteilt. Der Unterstadt haben wir und auch noch ein bisschen gewidmet: ein Spaziergang die Avenue de L’Indépendance am Rathaus vorbei hinunter zum Hauptbahnhof. Die Beschreibung der Avenue im Reiseführer als „beliebte Flaniermeile“ mit Restaurants und gemütlichen Cafés ist allerdings eine Übertreibung besonderen Ausmaßes. Beliebt ja – es war die Hölle los. Aber alles in allem eher heruntergekommen. Nichtsdestotrotz war es sehr interessant; die Erwartungen waren nur andere.

Tana center is split into an upper and a lower city. We have also found the time to have a stroll in the lower city: along Avenue de l’Indépendance past the city hall all the way down to the train station. The description of the Avenue in the guide as a „popular place for a stroll“ with restaurants and cozy cafés is a far cry from reality, though. Popular, yes – it was absolutely crowded. But in all everything was rather run down. Nevertheless, it was a good half hour nicely spent – just the expectations were different.

Tana14Auf dem Rückweg vom Hauptbahnhof, der nicht mehr angefahren wird und heute als kleines Shopping Center dient und offenbar auch für Festlichkeiten angemietet werden kann, fanden wir sehr bald Begleitung von zahlreichen Bettlern und Souvenirverkäufern. Unter letzteren auch Francoise, Chantal und Isabelle, die an Hartnäckigkeit unübertroffen sind. Sie sind uns geschlagene 20 Minuten nicht von der Seite gewichen. Im Angebot waren Vanillestangen, aus Raffia geflochtene Häuschen gefüllt mit Gewürzen u.ä. Die Verhandlungen liefen so:

„Madame, Vanillestangen! Nur 8000!“
„Nein danke, ich brauche keine Vanillestangen.“
„Wieviel wollen sie zahlen? 6000?“
„Nein danke.“
„4000?“
„Auch nicht.“
„2000? 1000? Gar nichts – gratis?“ … und schmiss sich lachend weg. Auch wenn ihr tief im Herzen sicher nicht wirklich nach Lachen zumute war.

On our way back from the train station which by the way is not in use as such anymore today (it houses a little shopping mall and can apparently be rented for parties also), we soon found ourselves accompanied by numerous beggars and souvenir sellers. Among the latter were Francoise, Chantal and Isabelle which have still to find their equals for endurance. They were our constant followers for more than 20 minutes. On offer were vanilla, little houses made from raffia and filled with spices and similar things. The negotiations went like this:

“Madame, vanilla? Only 8000!“
“No, thank you, I don’t need vanilla.“
“How much do you want to pay? 6000?“
“No, thank you.“
“4000?“
“Not 4000, either.“
“2000? 1000? Nothing – for free?“… and doubled over laughing. Even if deep inside she certainly didn’t feel like this was a laughing matter at all.

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Vielversprechende erste Eindrücke also – aber ich muss auch sagen, dass ich voller Vorfreude auf die Tage unterwegs im Land bin.

First impressions that make me look forward to more – mainly to our adventures in the rest of the country.

Barbara

Ein Kommentar zu “Madagascar | Antananarivo

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