Seit Dienstag ist es klar: ich werde am kommenden Mittwoch (28.11.) für eine Woche erneut nach Goma fahren, zur Vorbereitung eines Audits, das Anfang Dezember dort laufen wird. Wie sich die meisten sicher vorstellen können, laufe ich quasi über vor Begeisterung – eine Woche wird aus dem eh‘ viel zu kurzen Advent geschnitten. Ich habe erstmal einen Abend lang Hardrock gehört bis ich schon dachte, gleich kommen Leute von der Straße rein und beschweren sich. Das Telefon habe ich mehrfach nicht gehört… Da ich ja aber immer die positiven Seiten sehe, freue ich mich auf die Abwesenheit aus meiner „WG“, denn die Situation hier ist schon wieder eskaliert. Ich frage mich wirklich, ob ich bis zum Sommer durchhalten oder im neuen Jahr den Wohnungsmarkt näher unter die Lupe nehmen soll.
Macht’s gut und bis bald
Barbara
Life by the Rhine
Dienst am Kunden
Es war mal wieder soweit – ein ganz besonderes Erlebnis bei der Deutschen Bahn… Im Kundenzentrum, Samstag morgens um noch nicht mal halb zehn. Eine Schlange bis wer weiß wohin (das ist NICHT das besondere Erlebnis) und schon auf dem Weg an ihr Ende weise ich einen lautstark mich noch in letzter Minute abfangen wollenden Inder (?) mit einem kühlen Blick aus dem Augenwinkel in die Schranken und konnte meinen 17. Platz halten.
Vor mir ein Berg von Mann, der immer nervöser wurde und mehr zu sich selbst das asiatische Pärchen am ersten von drei offenen Schaltern verfluchte, die die durchschnittliche Verweildauer bereits bei meinem Eintreffen weit überschritten hatten. Es kommen immer mehr Bahnangestellte, die in den dunklen Nischen hinter den Schaltern verschwinden, die Schlange wird immer länger, aber von Abhilfe keine Spur.
Die sprichwörtliche Möhre vor dem Esel baumelnd wird der bahn.comfort Schalter geschäftig, aber offensichtlich noch nicht mal für die VIPs. Doch der Berg vor mir verliert die Nerven und erdreistet sich, die Schlange zu verlassen und die dort wurschtelnde Dame anzusprechen. Er ist hochrot und einfach nur sehr aufgeregt – und alles wird immer lauter.
„Da kann ich Ihnen nicht helfen, da müssen Sie zur Polizei gehen!“ blafft ihn die Uniformierte in ihrer offensichtlich angeborenen Kundenfreundlichkeit an.
„Von da komme ich doch, die haben mich zu Ihnen geschickt! Was soll ich denn jetzt machen? Die haben mir die Brieftasche und das Handy geklaut – den Personalausweis und das Hinfahrticket habe ich auch nur durch Glück noch, die waren in der Brusttasche!“
„Und was soll ich da jetzt tun? Ihnen ein Ticket schenken oder wie? Wie stellen Sie sich das denn vor? Das ist ein Fall für die Polizei!“
Daraufhin bricht der Mann in Tränen aus, er sei nur für eine Krebsuntersuchung hier gewesen und müsse doch wieder HEIM nach Frankfurt! Wie soll er denn nur heimkommen?
„Machen Sie, dass Sie hier rauskommen, sonst rufe ich die Polizei!“
In Tränen aufgelöst verlässt der Mann, der zugegebenermaßen aussieht, als sei er direkt aus dem Bonner Loch für den „Groß Circus Caroli“ rekrutiert worden – was wiederum den Ablauf sicher nicht positiv beeinflusst hat – den Schalter, als gerade einer der anderen frei wird, an den er einfach geht. Die Leute in der Schlange lauschen gebannt der Lautsprecherdurchsage „Bahnpolizei bitte sofort ins Kundenzentrum! Bahnpolizei bitte sofort ins Kundenzentrum!“ In der Diskussion des vermuteten Inders mit dem Mann hinter ihm wird klar, dass jeder, der sich ausweisen kann, ein Ticket erhalten kann – die Daten werden festgehalten und der Anspruch wird seitens der Bahn dann hinterher geltend gemacht… wenn das Ticket nicht innerhalb einer bestimmten Frist freiwillig bezahlt wird.
Und es scheint richtig zu sein – denn die nette junge Frau am letzten Schalter hat ihm offensichtlich ohne lange zu fackeln ein Ticket ausgestellt. Manchmal frage ich mich wirklich ob es genormte Trainingsmaßnahmen in Kundenbetreuung gibt oder ob die vielleicht nur für diejenigen angeboten werden, die dafür Urlaubstage opfern und die Anreise selbst bezahlen… Und stellte dann noch fest, dass die die Eskalation herbeiführende Bahnangestellte genau die war, die mir weis machen wollte, dass ich seit Einführung der Rhein-Ahr-Bahn ein Ticket Bonn-Adenau käuflich erwerbe, das nicht legal ist.
Erschreckenderweise liegt mir ein „Alles wird gut“ auf der Zunge. Aber ich verkneife es mir.
Bis bald!
Barbara
Deutsche Sprache – schwere Sprache?

Wer Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache hat oder gerne mehr darüber erfahren würde, sollte meinen Weg gehen: eine Chinesin als Mitbewohnerin nach Poppelsdorf holen. Weil es mir langsam das Hirn zermürbt, muss ich das mal wieder schriftlich festhalten und wenn ich daran denke, dass mir ein zweiwöchiger Französisch-Intensivkurs ins Haus steht, fängt das Kleinhirn schon an zu qualmen…
Vor einigen Wochen schon wurde ich gefragt, wo denn eigentlich der Unterschied sei zwischen „selbst“ und „selber“. Nach einer ersten Abwehrreaktion à la „da habe ich noch nie drüber nachgedacht“ (diese Reaktion erlebe ich nunmehr fast täglich), habe ich Abhilfe geschaffen und das Nachdenken begonnen. Meine Vermutung, dass es sich bei „selbst“ um die hochsprachliche Variante und bei „selber“ um die umgangssprachliche handelt, erwies sich nach Rücksprache mit einem der Grammatik und anderen Aspekten der deutschen Sprache fitteren Menschen als richtig. Eine weitere daraus folgende Erkenntnis: in einem Fall kann „selbst“ nicht durch „selber“ ersetzt werden und zwar, wenn „selbst“ in der Bedeutung von „sogar“ benutzt wird, wie in „Selbst der Zabel hat gedopt.“
Aber diese Frage erweist sich als von der einfacheren Art. Gerade eben kam wieder eine SMS: „Wenn man mir sagt: „machs gut!“. Soll ich „dir auch“ sagen oder „du auch“? Hab immer „dir auch“ gehört!“ Ich texte zurück: „“Du auch.“ „Dir auch“ antwortest du z.B. auf „Viel Spaß!“ Es dauerte nur wenige Minuten, bis das Telefon klingelte. Oh je, seit Jahren falsch geantwortet und wie man das denn wissen kann… Und das mit „Viel Spaß“ sei ja nur ein Beispiel, wo man denn sonst was sagt?? „Du lieber Gott, soviel Gehirnakrobatik noch nach Feierabend!“ war meine Reaktion… und dann sage ich: „Du musst ganze Sätze machen, dann ist es klar „Ich wünsche dir viel Spaß – Ich dir auch!“ oder, etwas holprig, „Hab (du) eine gute Nacht – Du auch!“ Wie aus der Pistole geschossen kommt dann „Ach so!! Dir ist dann bei Verben mit Dativ und du, wenn es ein normales Substantiv ist – und dich ist ja bei Akkusativ!“ – „Tja, wenn du das sagst, wird das schon stimmen,“ sage ich verwirrt. Dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen – und noch ist mir keine Ausnahme von der Regel eingefallen: wenn man mit einem Verb im Imperativ (ha!) angesprochen wird, antwortet man mit „Du auch!“. Schlaf gut, träum schön, lauf schnell, iss lecker…
Und: sagt man im Deutschen eigentlich „träum süß“ oder ist das mal wieder so ein zugewanderter Anglizismus… das eingedeutschte „sweet dreams“?? Ich würde nie „träum süß“ sagen – immer nur „träum schön“ – aber das kann ja auch frühkindliche Prägung sein?? Ja, ja, eine hochanspruchsvolle Mail heute!
Eine Frage, die in ihrer Zweideutigkeit oder was immer es ist besser war, als sie selbst glaubt, stellte meine Mitbewohnerin per SMS vor einigen Tagen: „Hab eine frage! Der X hat mir geschrieben, ihm gehts nicht gut, hat aber mit deutscher Bürokratie zu tun! Ist das eine Krankheit?“ Als Erklärung hörte ich später, dass die Aussage „Mir gehts nicht gut“ nur in Bezug auf (nicht psychische) Krankheiten gelernt wurde. Anderweitig hervorgerufenes Unwohlsein wurde unbewusst ausgeklammert. Ich hätte eigentlich mal fragen sollen, wie sie es denn in einem solchen Fall anders ausgedrückt hätte.
Ein andermal steht man leise in sich hineinfluchend in der Küchenschürze und mit Schweiß auf der Stirn an der Anrichte und versucht verzweifelt, einen Blaubeer-Pfirsich-Kuchen am Stück vom Boden der Form rutschen zu lassen. Der den Backkünsten allgemein eher abgeneigte Chinese als solcher (da hat kaum ein Privatmann einen Backofen, gibt’s nicht – daher extrem faszinierend, was da alles rauskommen kann) erkennt den Ernst der Lage nicht und fragt mit einem Blick auf meinen rechten Ellenbogen und die Folgen eines Aufeinandertreffens von Fahrrad und Straßenbahnschiene „Oh, was ist das??“ – „Fahrradunfall…hmpf.“ – „Das ist diiiiiik. Wie heißt das?“ – „Mmmmhhh… angeschwollen.“ – „Aber das ist Partizip! Wie ist der Infinitiv?“ – „*stöhn* Können wir das SPÄTER ausdiskutieren??? Der Kuchen geht kaputt!“ – „Oh. Entschuldigung. Ist doch egal. Schmeckt auch kaputt.“ Und die Aussage ist so auch nicht falsch…
Deutsche Sprache – schwere Sprache!
So, jetzt kann ich entlastet ins Bett gehen. Gute Nacht!
Barbara