Frohes neues!

aus: Boston Globe, 28.12.2009

Unser Eggnog war auch gut und erstaunlich schnell weg; da müssen wir 2010 vielleicht doch mal das Rezept verdoppeln. Aber jetzt ist es halt offiziell: Weihnachten ist vorbei. Ich habe den Baum und das allermeiste andere an Deko heute abgebaut. Gestern Abend habe ich die Kugeln bereits verpackt und die Lichterketten aufgerollt – und mich dann ca. zwei Stunden gefragt, ob ich den Baum wohl wie bisher immer „intakt“ durchs Treppenhaus zur Straße bringen, Knut spielen und ihn nachts um 2 oder 3 Uhr auf die Straße werfen oder tatsächlich die vom Onkel geschenkte neue Stichsäge zum Einsatz bringen soll. Schließlich hatte ich es in einem Gespräch mit einer Großtante jenseits der 80 aus Frankfurt schon angekündigt:

„Barbara, frohe Weihnachten! Was hat denn dir des Christkind gebracht?“
„Frohe Weihnachten! Oh, eine Stichsäge zum Beispiel.“
„A Stichsääsch? Ja, was machst denn du mit a Stichsääsch?“
„Alles mögliche, aber wahrscheinlich zuerst mal im Januar den Weihnachtsbaum klein.“
„Ahja… Ja, ja, des Christkind des weiß halt immer, was man braucht, gell?“

Die Nacht vom 21. auf den 22.12. brachte gegen 1:30 Uhr mit dem letzten von ca. 90 Zimtsternen den größten Triumph der letzten Jahrzehnte. Nach einem immerwährenden Kampf, der schon so lange anhielt, wie ich in Eigenregie Plätzchen gebacken habe, und jedes Jahr mit einem neuen Rezept als Strategie geführt wurde, wurde ein Traum wahr: ich habe Zimtsterne gebacken, die NICHT hart wurden. Und nicht grau aussahen. Und nach Zimt schmeckten. Und in Form blieben. Die einfach PERFEKT waren. Ich vermute, es lag an einem Esslöffel Johannisbeergelee, den das neueste Rezept vorsieht. Damit war klar: es konnte kommen was wolle, Weihnachten würde gut werden. Auch wenn der Schnee pünktlich zu Heiligabend wieder weg war. Aber es wurde mir außerdem klar, warum das Schreiben von Weihnachtskarten mir so wichtig ist. Frank Sinatra ist schuld. Der träumt nicht nur von einer weißen Weihnacht, sondern tut das mit jeder Weihnachtskarte die er schreibt – da kommt also eins zum anderen… („I’m dreaming of a white Christmas, with every Christmas card I write.“)

Ernsthafte Sorgen bereitete mir das im Sommer formulierte “Jahresendziel”, also am Morgen des 31.12.2009 10 kg weniger zu wiegen als zu Beginn meiner Aktion im Juli. Von kalorienreduzierten Plätzchen u.ä. hatte ich ja schon seit langem Abstand genommen, dann kamen die eigentlichen Feiertage… und dann auch noch ein Spieleabend mit Drei-Gänge-Menü… Aber, allen Unkenrufen zum Trotz, hat es dennoch geklappt, es waren 10,5 kg weniger. So kann es also weitergehen, im neuen Jahr. Weitere 10 kg stehen auf dem Plan. ATTACKE!

Dass es langsam noch mal Zeit wurde, einen neuen Blog-Eintrag zu formulieren, wurde spätestens vorgestern morgen im Bus zum Bahnhof klar (ja, bei diesem Wetter lasse ich das Fahrrad stehen und wie sich zeigte, entgeht einem einiges, wenn man nicht hier und da mal Bus fährt). Wahrscheinlich ist es keine allgemeine Charme-Offensive der Stadtwerke, sondern eine engagierte Einzelperson… Der Bus platzte aus allen Nähten und wie immer war die ganz hinten zuletzt eingestiegene Person in der Lichtschranke und es ging nicht weiter, denn die Tür blieb auf. Es kam jedoch kein geranztes „Tür frei machen!“ vom Busfahrer, sondern ein nicht akzentfreies „Guten Morgen! Auch heute kann ich leider nur weiterfahren, wenn die letzte Tür frei ist. Vielen Dank!“ Zack, weg, Tür zu, Bus fährt los. An der übernächsten Haltestelle, wo gewohnt viele Schüler ausstiegen, meldete er sich erneut: „So, hier Beringstraße, wo die Schüler alle aussteigen müssen. Allen, die nun in die Schule dürfen oder auch müssen wünsche ich einen ganz tollen Tag!“ So langsam machte sich auf jedem Gesicht ein Lächeln breit und irgendwie wurde es auch still. „Einmal rechts noch dann sind wir am Bahnhof. Ich wünsche allen, die zur Arbeit gehen, einen angenehmen Tag und wenn noch Schüler dabei sind, viel Spaß in der Schule! Auf Wiedersehen!“ Er kam an, und wie. „Voll korrekt, der Busfahrer, echt Klasse!“ meinte ein plötzlich gar nicht mehr verschlafener 15-jähriger zu seinem Kumpel und ein Mädchen der gleichen Altersgruppe erzählte brühwarm einer Freundin, die aus einem anderen Bus kam, was wir für einen coolen Busfahrer hatten, der einem einen angenehmen Tag wünscht. „Voll krass,“ meinte die Freundin.

Das Postcrossing geht auch weiter. Mittlerweile habe ich 12 Karten erhalten und auf eine Karte, die ich an eine Frau in Auburn, Kalifornien geschrieben habe die Rückfrage, ob wir nicht mal ein paar Briefe austauschen wollen. Mit der Vorwarnung, dass es bei mir schon mal Monate dauert, bis die Antwort kommt, hat sie sich darauf eingelassen und angekündigt, als erste zu schreiben. Dann bin ich ja mal gespannt. Nein, ich habe noch nicht genug zu tun… Ein Herr aus Bahrain hat mich angeschrieben und direkten Postkartenaustausch angefragt – das habe ich abgelehnt, aber Postkarten gegen Sand vorgeschlagen, ich habe nun eine Postkarte geschickt und werde, sollte jemals Sand ankommen, eine weitere Postkarte schicken.

Noch 33 Tage bis Vancouver! 🙂

Bis bald
Barbara

4 Kommentare zu “Frohes neues!

  1. Barbara,

    1. die GEschichte mit dem Busfahrer hat mir ja Tränen in die Augen steigen lassen…im Ernst, es kostet so wenig, gute Laune zu verbreiten und toll, dass der Busfahrer seine Chance genutzt hat!

    2. Du fliegst nach Vancouver? Ich dachte Asien irgendwo?? Ich will auch nach Vancouver!!

    Und jetzt freue ich mich auf Mittwoch, während ich allerdings erstmal von meiner kleinen süssen Tochter im Tragetuch bespuckt werde. hm…lecker….Mittwoch kannst DU sie tragen! 🙂

    Grüsse von Rebekka

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    • Jetzt steigen mir die Lachtränen in die Augen – ich flieg doch (leider) nicht nach Vancouver!!!! Die Olympischen Spiele IN VANCOUVER fangen in 33 Tagen an… ich werde entsprechend anfeuernd auf der heimischen Couch sitzen. Oder auch aufgeregt hin- und hergehend Flüche ausstoßen. Oder so.

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  2. …und ich dachte auch, Du würdest nah Vancouver fliegen-wie konnte ich Olympia vergessen?!??!:-)

    Ich bin auch fleißig am „postcrossen“: Hab schon welche aus Taiwan, Finnland, Portugal, USA, Holland und Polen – echt klasse.

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